Autorenarchiv: Siegbert Mattheis

Über Siegbert Mattheis

Studien Philosophie, Kunstgeschichte, Wissenschaftstheorie, Kommunikationsdesign. Gründer Mattheis. Werbeagentur GmbH, Ambiente-Mediterran.de, Eat! Berlin Feinschmeckerfestival. Blogger, Travel-Journalist, Fotograf, Foodist, Videofilmer

Aste Nagusia in Bilbao: Neun Tage lang steht die Stadt Kopf

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Wenn Marijaia mit erhobenen Armen am Teatro Arriaga erscheint, gibt es für Bilbao kein Halten mehr. Neun Tage lang bestimmen Musik, Feuerwerk, Straßentheater, baskische Traditionen und die sogenannten Txosnas das Leben in der Stadt. Die Aste Nagusia ist kein Fest, bei dem man nur zusieht. Wer kommt, wird früher oder später selbst Teil davon.

Wir haben die „Große Woche“ von Bilbao im August besucht und können euch so die häufigsten Fragen rund um dieses wichtigste Fest im Baskenland und insbesondere in Bilbao beantworten.

Eine Person in einem bunten, übergroßen Kostüm, die bei einem Open-Air-Festival die Arme hochreckt.
Mari Jaia, die Herrin des Festes © Siegbert Mattheis
Zwei Menschen, die auf einem Markthallenmarkt lächeln; beide tragen blaue Halstücher; einer hält etwas zu essen in der Hand.
Gefeiert wird in Pintxo-Bars mit den typischen blauen Halstüchern © Siegbert Mattheis

Bilbao im Ausnahmezustand

„Ohje!“, stöhnt unser Taxifahrer, als wir ihm am Flughafen die Adresse unserer Unterkunft mitten in der Altstadt von Bilbao nannten. „Ich weiß nicht, wie weit wir kommen werden, es ist alles komplett gesperrt.“ Dann erzählt er uns stolz von der „Grande Semana“, der Aste Nagusia. Glücklicherweise kann er uns doch bis kurz vor unsere Straße bringen, bevor ein Polizeiwagen den Rest der Route versperrt.

Was ist die Aste Nagusia?

Wörtlich übersetzt bedeutet „Aste Nagusia“ auf Baskisch „Große Woche“. Ganz korrekt ist diese Bezeichnung allerdings nicht. Denn Bilbaos wichtigste Festwoche dauert nicht sieben, sondern neun Tage und Nächte.

Wann findet die Aste Nagusia in Bilbao statt?

Die Aste Nagusia beginnt in Bilbao jedes Jahr am Samstag nach dem 15. August, dem Feiertag Mariä Himmelfahrt, und endet am darauffolgenden Sonntag.

2027 findet die Aste Nagusia vom 21. bis 29. August statt. Das jeweilige Programm veröffentlicht die Stadt Bilbao auf ihrer offiziellen Website zur Aste Nagusia⁠.

In Donostia / San Sebastián findet sie in der Woche vor dem 15. August statt und in Vitoria-Gasteiz vom 4. bis 9. August, allerdings nennt man die Große Woche dort eher Fiestas de Virgen Blanca.

Wie entstand die Aste Nagusia?

Volksfeste gab es in Bilbao schon lange vor der heutigen Aste Nagusia. Schon im 19. Jahrhundert hab es Zirkusvorstellungen, Jahrmärkte, traditionelle Tänze, Boxkämpfe und Stierkämpfe. Allerdings richteten sich viele dieser Veranstaltungen damals vor allem an Menschen, die sich Eintrittskarten leisten konnten.

Die heutige Form der Aste Nagusia entstand 1978, nur wenige Jahre nach dem Ende der Franco-Diktatur. Das demokratische und gesellschaftliche Leben in Spanien und im Baskenland befand sich damals im Aufbruch. Denn Franco hatte die baskische Sprache verboten und die Kultur unterdrückt.

Was macht die Aste Nagusia so besonders?

So schrieb die Stadt Bilbao einen Ideenwettbewerb für ein neues Festkonzept aus. Gewonnen hat die Konpartsa Txomin Barullo. Ihr Vorschlag sah ein gemeinschaftlich organisiertes, offenes und für alle zugängliches Stadtfest vor. Seitdem gestalten die Stadtverwaltung und die Konpartsak die Aste Nagusia gemeinsam.

Das war mehr als nur eine organisatorische Veränderung. Aus einer Reihe überwiegend kommerzieller Veranstaltungen wurde ein Fest, an dem sich Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen selbst beteiligen konnten. Dieser partizipative Charakter prägt die Aste Nagusia bis heute.

Zwei große, kostümierte Figuren bei einem Umzug: Die eine hält einen Korb in der Hand, die andere ein Lamm, während die Menschen zuschauen.
Die 4 m hohen "Giganten" © Siegbert Mattheis
Kinder in gelben T-Shirts spielen draußen Tauziehen und werden dabei von einer Menge begeisterter Zuschauer angefeuert.
Tauziehen-Wettbewerb © Siegbert Mattheis

Was sind die Konpartsak?

Die Konpartsak sind Gruppen und Initiativen aus verschiedenen Stadtteilen und gesellschaftlichen Bereichen Bilbaos. Sie organisieren Konzerte, Wettbewerbe, Kinderveranstaltungen, politische und soziale Aktionen sowie einen großen Teil des nächtlichen Festlebens. Die Einnahmen finanzieren dabei einen großen Teil der meist ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Viele Konpartsak betreiben während der Aste Nagusia eine eigene Txosna. Das sind provisorische Feststände, die Bar, Küche, Treffpunkt, Bühne und manchmal auch Diskussionsforum zugleich sein können.

Eine Txosna ist deshalb nicht einfach mit einer Bierbude auf einem deutschen Volksfest vergleichbar. Hinter ihr steht eine Gruppe mit einem eigenen Profil. Manche Konpartsak widmen sich der baskischen Kultur, andere sozialen, politischen, feministischen, ökologischen oder sportlichen Themen.

Die meisten Txosnas stehen am Arenal und entlang des Ufers hinter dem Teatro Arriaga. Besonders am Abend bildet dieses Gebiet das lebhafte Zentrum der Aste Nagusia.

Wer ist Marijaia?

Marijaia ist die unangefochtene Hauptfigur der Aste Nagusia. Sie ist etwa vier Meter groß, trägt ein farbenfrohes Kleid und hält ihre Arme stets optimistisch nach oben. Ihre Körperhaltung bringt ziemlich treffend zum Ausdruck, was Bilbao in diesen neun Tagen vorhat: feiern! 😉

Geschaffen wurde Marijaia 1978 von der aus Bilbao stammenden Malerin und Grafikerin Mari Puri Herrero. Die Figur entstand im Auftrag der damaligen Festkommission. Die Künstlerin ließ sich dabei unter anderem von Mari inspirieren, einer bedeutenden weiblichen Gestalt der baskischen Mythologie.

Marijaias Name setzt sich aus „Mari“ und dem baskischen Wort „jaia“ für Fest zusammen. Sinngemäß lässt er sich als „Herrin des Festes“ verstehen. Manchmal seht ihr den Namen auch auseinander geschrieben, Mari Jaia.
Während der Festwoche zieht die riesige Figur durch Bilbao. Sie besucht Veranstaltungen, wird von den Konpartsak begleitet und ist auf unzähligen Fotos zu sehen. Ihre erhobenen Arme senkt sie übrigens nie. Insofern besitzt sie eine bewundernswerte Kondition 😉 .

Wie beginnt die Aste Nagusia?

Eröffnet wird die Aste Nagusia auf der Plaza del Teatro Arriaga. Dort treffen sich am ersten Samstag Tausende Menschen.

Zwei Personen übernehmen bei der Eröffnung besondere Aufgaben:

  • Der oder die Pregonera hält die Eröffnungsrede, den Pregón.
  • Die Txupinera entzündet den Txupin, eine Rakete, die den offiziellen Beginn des Festes verkündet.

Die Txupinera wird traditionell von den Konpartsak ausgewählt. Sie trägt eine besondere Uniform und begleitet während der folgenden Tage zahlreiche offizielle Veranstaltungen.

Nach dem Startsignal erscheint Marijaia. Musik setzt ein, Menschen binden sich das typische blaue Halstuch um und die Txosnas öffnen. Von diesem Moment an befindet sich Bilbao praktisch im Festbetrieb.

Wie wird die Aste Nagusia gefeiert?

Das Programm verteilt sich über die gesamte Innenstadt. Besonders viel spielt sich im Casco Viejo, am Arenal, rund um das Teatro Arriaga und entlang der Ría de Bilbao ab.

Konzerte und Musik

Auf mehreren Bühnen finden kostenlose Konzerte statt. Das Spektrum reicht von baskischer Folklore über Rock, Pop und Reggae bis zu elektronischer Musik (manchmal schon extrem laut 😉 ). Hinzu kommen Blaskapellen, Chöre, Tanzveranstaltungen und die traditionellen Bilbainadas, Lieder, in denen Bilbao, seine Menschen und das Leben in der Stadt besungen werden.

Feuerwerk über Bilbao

Zu den Höhepunkten zählen die abendlichen Feuerwerke, immer etwa um 22:30 Uhr. Internationale Pyrotechnikunternehmen treten bei einem Wettbewerb gegeneinander an. Gute Aussichtspunkte findet ihr unter anderem entlang der Ría und in den Straßen rund um den Arenal. Vor allem vor dem Teatro Arriaga habt ihr einen guten Blick, den ihr euch allerdings mit vielen anderen Feierenden teilen müsst.

Wer einen besonders guten Platz möchte, sollte früh kommen. Unmittelbar vor Beginn werden die zentralen Bereiche sehr voll.

Baskischer Sport

Bei den „Herri Kirolak“, den baskischen Volkssportarten, erlebt ihr Wettbewerbe, die auf traditionellen Arbeiten in Landwirtschaft, Steinbruch und Fischerei zurückgehen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Holzstammhacken
  • Steineheben
  • Tauziehen
  • Wettläufe mit schweren Säcken
  • weitere Kraft- und Geschicklichkeitsdisziplinen

Auch Pelota-Wettkämpfe gehören regelmäßig zum Festprogramm.

Straßentheater und Veranstaltungen für Familien

Die Aste Nagusia ist aber keineswegs nur eine nächtliche Party. Tagsüber gibt es Straßentheater, Marionetten, Umzüge, Workshops, Musik, Tanz und eigene Kinderbereiche.

Dabei bildet das offizielle Programm nur einen groben Rahmen, erklärt uns Garai aus Bilbao. Denn überall könnt ihr erleben, dass unvermittelt eine Gruppe von Leuten mit Musik und Tanz durch die Gassen zieht oder ein Straßmusiker an einer Ecke steht.

Für Familien ist der Vormittag meist angenehmer. Dann sind die Veranstaltungsorte noch übersichtlich und die Lautstärke der Musik hält sich eher in Grenzen. Aber da überall in der Stadt irgendetwas stattfindet, könnt ihr euch die besten Plätze selbst aussuchen.

Ein besonderes Highlight bilden die Gigantes y Cabezudos, riesige Figuren und Großköpfe, die durch die Straßen ziehen.

Was sind die Giganten von Bilbao?

Die Riesen von Bilbao wurden bereits im 17. Jahrhundert erwähnt. Sie traten an, um die Fronleichnams- und Johannisfeste zu feiern. Im 19. Jahrhundert waren sie jedoch bereits zu einem unverzichtbaren Bestandteil fast jedes Festes in der Stadt geworden.
1978 wurde das klassische Repertoire der Adligen erweitert durch Figuren von Dorfbewohnern und noch später kamen verschiedene, für Bilbao typische Berufszweige dazu, wie der Schmied, der Seemann und viele weitere. Als einziger nicht menschlicher Großkopf gibt es den Löwen von Atletico Bilbao.

Wer ist Gargantua?

Gargantua eine traditionelle, riesige Kultfigur, die als kinderfressender Riese gestaltet ist. Vorne klettern die Kinder durch das Maul, rutschen durch den Bauch des Riesen und kommen hinten wieder raus. Ein großer Spaß für Kinder jeden Alters!

Gastronomische Wettbewerbe

Essen spielt selbstverständlich ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei den traditionellen Kochwettbewerben werden unter anderem baskische Gerichte wie Bacalao al pil-pil, Marmitako, Chipirones en su tinta oder Sukalki zubereitet.

Einige Wettbewerbe sind offen und ausgesprochen gesellig. Dabei geht es nicht nur darum, wer am Ende gewinnt. Gemeinsam zu kochen, zu essen und zu diskutieren gehört mindestens ebenso sehr dazu.

Ein Festwagen mit einem riesigen Figurenkopf, umgeben von Menschen im Freien an einem sonnigen Tag.
Gargantua © Siegbert Mattheis

Wie endet die Aste Nagusia?

Am letzten Sonntag nimmt Bilbao Abschied von Marijaia. Etwa gegen halb zehn am Abend wird sie auf einem Boot auf dem Fluss Nervión bis vor das Rathaus geleitet. Die Musik verstummt, die Straßenbeleuchtung wird ausgeschaltet und es breitet sich eine feierliche Ruhe aus. Auf den Brücken und an den Ufern versammeln sich alle und nehmen traurig Abschied. Die Figur wird etwa gegen 22:15 Uhr in einer feierlichen Inszenierung vor dem Rathaus mit bewegenden Worten gewürdigt und anschließend verbrannt. Noch ein kurzes Feuerwerk und damit endet die Aste Nagusia offiziell.

Was auf uns Außenstehende zunächst etwas drastisch wirken kann, ist als symbolischer Abschluss gedacht. Marijaia verschwindet, damit sie im nächsten Jahr wiederkehren kann. Nach neun Tagen nahezu ununterbrochenen Feierns dürfte außerdem so mancher Gast Verständnis dafür haben, dass selbst eine Festfigur irgendwann eine Pause benötigt.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

5 Tipps für mediterranes Urlaubsgefühl auch bei einem kleinem Pool

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Für ein mediterranes Urlaubsgefühl braucht es weder einen riesigen Garten noch einen Pool wie im Ferienresort. Oft reicht schon ein kleines Schwimmbecken, solange die Umgebung stimmt. Warme Farben, natürliche Materialien, duftende Pflanzen und ein gemütlicher Schattenplatz können selbst eine schlichte Gartenecke in einen Rückzugsort verwandeln, der an Mallorca, die Provence oder eine griechische Ferieninsel erinnert.

Ein gepflasterter Innenhof mit einem blau gekachelten Pool, Liegestühlen, Pflanzen, Blumen und einer rustikalen Villa im Hintergrund.
Auch ein kleiner Pool kann mit den richtigen Accessoires ein mediterranes Urlaubsgefühl zaubern

Worauf sollte man bei einem kleinen Pool achten?

Gerade bei wenig Platz lohnt es sich, nicht zu viele Ideen wild miteinander zu vermischen. Ein durchgehendes Farbschema und einige sorgfältig ausgewählte Details wirken meist stimmiger als eine Ansammlung von Dekorationsgegenständen.

Bevor ihr Pflanzen oder Möbel kauft, betrachtet den Poolbereich als Ganzes: Wo fällt am Nachmittag die Sonne hin? Welcher Platz eignet sich für einen Liegestuhl? Schon ein schmaler Holzsteg, zwei große Terrakotta-Töpfe oder ein heller Sichtschutz können die Wirkung des ganzen Außenbereichs deutlich verändern. Die folgenden Ideen zeigen, wie sich auch rund um einen kleinen Gartenpool ein überraschend großes Urlaubs-Feeling einstellen kann – ohne, dass man den kompletten Außenbereich umgestalten muss.

1. Die passende Form für den Pool wählen

Auch ein kleiner Pool kann sich durchaus sehen lassen. Rechteckige Becken wirken ruhig und modern, während runde oder organische Formen weicher und verspielter erscheinen. Bei einem Aufstellpool lässt sich die Außenwand mit einer niedrigen Holzverkleidung, Schilfmatten oder einer bepflanzten Umrandung optisch aufpeppen. Dabei müssen allerdings Anschlüsse und Technik dennoch gut erreichbar bleiben.

Auch der Bereich unmittelbar am Wasser beeinflusst das Gesamtbild. Helle Platten reflektieren das Sonnenlicht und erinnern an südeuropäische Terrassen. Eine schmale Einfassung reicht meist aus, und es muss nicht der gesamte Garten gepflastert werden.

Damit das klare Wasser nicht durch Blätter, Sand und Blütenreste getrübt wird, kann ein robotischer Poolreiniger die regelmäßige Bodenpflege übernehmen. So bleibt mehr Zeit für die schönen Seiten des Gartens.

2. Mit dem richtigen Farbschema Ruhe schaffen

Mediterrane Gärten leben von warmen, eher dezenten Tönen. Cremeweiß, Sand, Ocker und Terrakotta bilden eine ruhige Basis. Dazu passen Olivgrün, verwaschenes Blau oder ein kräftiger Akzent in Bougainvillea-Pink. Entscheidet euch am besten für eine Grundfarbe und höchstens zwei Akzentfarben. Das verhindert, dass der Poolbereich unruhig wirkt.

Textilien sind die einfachste Möglichkeit, Farbschemata zu integrieren. Kissenbezüge, ein leichter Outdoor-Teppich und passende große Badetücher verändern die Atmosphäre schnell, ohne dass man große Umbaumaßnahmen ergreifen muss.

Wenn ihr eure Terrasse mediterran gestalten wollt, findet ihr bei uns oder im Netz viele Inspirationen zu Materialien, Bepflanzung und Dekoartikeln.

Terrasse mediterran gestalten

3 reihen von Terrakotta Blumentöpfen mit Olivenbäumchen
Mini-Olivenbäume in Terrakottakübeln © Fotolia

3. Mediterrane Pflanzen in Kübeln gruppieren

Pflanzen duften herrlich, schaffen Lebendigkeit und ein wenig Privatsphäre am Pool. Besonders praktisch sind robuste Kräuter wie Lavendel, Rosmarin, Thymian und Salbei. Sie passen auch in kleinere Töpfe und verströmen bei Berührung ihren typischen Duft. In größeren Kübeln setzen Oleander, Olivenbäumchen oder Zitruspflanzen markante Akzente. Prüft vor dem Kauf allerdings, wie die jeweilige Pflanze überwintert werden muss, damit ihr nicht jedes Jahr neue kaufen müsst.

Pflegetipps für die wichtigsten mediterranen Pflanzen

Statt viele einzelne Töpfe zu verteilen, ist es eine gute Idee, drei bis fünf Gefäße in unterschiedlichen Höhen in Gruppen zusammenzustellen. Eine solche Gruppe wirkt besser, nimmt aber insgesamt weniger Raum ein. Terrakotta sorgt sofort für südliches Flair. Leichte Töpfe in Terrakotta-Optik lassen sich dabei einfacher verschieben und sind robuster.

Gießt möglichst am Morgen oder am Abend und richtet euch dabei auch nach dem tatsächlichen Bedarf der Pflanzen. Auch das Umweltbundesamt empfiehlt für die sommerliche Gartenbewässerung die Morgen- oder Abendstunden. Die Untersetzer der Pflanzkübel sollten regelmäßig kontrolliert werden, damit keine dauerhafte Staunässe entsteht.

Automatische Bewässerung einfach gemacht

Nahaufnahme einer leuchtend violetten Lavendelblüte mit grünen Stängeln im Hintergrund.
Lavendel: leuchtend violett und herrlich duftend © Siegbert Mattheis
Terrakotta Blumentopf mit Zitronenbäumchen
Zitronenbäumchen im Terrakotta-Pflanztopf © Siegbert Mattheis

4. Einen kleinen Schattenplatz gestalten

Ein mediterraner Poolbereich braucht nicht nur Sonne. Gerade die Mischung aus klarem Wasser und kühlem Schatten erzeugt die Atmosphäre eines Gartenbereichs in südlichen Gefilden. Und schließlich will man sich ja an heißen Tagen zwischendurch auch mal abkühlen. Für kleine Gärten eignet sich ein dreieckiges Sonnensegel, das bei Bedarf abgenommen werden kann. Auch ein kompakter Schirm mit seitlichem Mast hält die Bodenfläche frei und spendet Schatten.

Darunter genügt oft schon eine bequeme Liege oder eine schmale Holzbank mit waschbaren Kissen zum Sitzen. Ein alter Hocker kann als Beistelltisch dienen. Mit einem Tablett, auf dem kühle Getränke, frisches Obst und ein Buch Platz haben, entsteht ein fester Lieblingsplatz, an dem sich die Stunden außerhalb des Wassers angenehm gestalten lassen. So fühlt ihr euch, als würdet ihr gerade einen Urlaub in einer kleinen, schicken Pension am Meer verbringen.

5. Mit Licht und kleinen Details Atmosphäre schaffen

Am Abend entscheidet die Beleuchtung darüber, ob der Poolbereich gemütlich oder kühl wirkt. Warmweiße Lichterketten, einzelne Solarlaternen und LED-Kerzen erzeugen weiches Licht. Eine gleichmäßig ausgeleuchtete Fläche wirkt dagegen schnell funktional. Setzt lieber mehrere kleine Lichtpunkte und betont Pflanzen, Sitzplätze oder andere gemütliche Bereiche. Gerade mit Solarleuchten schafft man schnell ein stimmungsvolles, mediterranes Ambiente.

Bei der Dekoration könnt ihr natürlich euren persönlichen Geschmack einfließen lassen. Eine Keramikschale, ein gestreiftes Kissen oder ein Korb für zusammengerollte Handtücher reicht oft schon. Dabei ist es auch gar nicht so wichtig, dass die Gegenstände alle perfekt zusammenpassen. Wenn ihr euch über die Jahre eine Sammlung an Gegenständen aus verschiedenen Mittelmeerregionen zusammen gesammelt habt, wirkt das oft glaubwürdiger und persönlicher als ein komplett durchgestyltes Themen-Set.

Urlaubsgefühl entsteht nicht durch die Größe

Auch ein kleiner Pool kann zum Mittelpunkt des Gartens werden, wenn Farben, Pflanzen und Materialien eine gemeinsame Sprache sprechen. Dabei muss man gar keine großen Umbaumaßnahmen planen. Beginnt mit zwei oder drei kleinen Veränderungen und beobachtet, wie sich die Wirkung des Bereiches dadurch verändert. Vielleicht fehlen nur ein paar schöne Terrakotta-Töpfe und gemütliche Lichtquellen, oder ein schattiger Platz, an dem ihr tatsächlich gerne eure Freizeit verbringt. Wenn auch das Poolzubehör einen festen Platz bekommt und die Reinigung unkompliziert bleibt, kann selbst eine kleine Ecke das große Urlaubsgefühl vermitteln.

Wie ist Rassismus eigentlich entstanden? Und warum?

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„Für mich bist du gar nicht schwarz!“, meinte eine junge Weiße Frau in Berlin zu ihrer langjährigen Schwarzen Freundin. Sie meinte es als Kompliment. Für die angesprochene Frau bedeutete es jedoch etwas anderes: Ihre Hautfarbe und die damit verbundenen Erfahrungen wurden ausgeblendet. Es vermittelte, Schwarzsein sei etwas Negatives, über das man bei einer geschätzten Person großzügig hinwegsehe.

So erzählt es die portugiesische Schriftstellerin Grada Kilomba in ihrem empfehlenswerten Buch Plantation Memories.*

Zwei Frauen, eije weiß, eine schwarz, die im Freien spazieren gehen und sich gegenseitig anlächeln

„Du bist auch rassistisch!“

Das meinte einmal eine brasilianische Freundin zu mir. Erst wies ich das empört zurück. Ich, der ich mich als weltoffen und tolerant ansah, sollte rassistisch sein? Aber nach längerem Nachdenken musste ich ihr Recht geben. Denn auch ich bin nicht frei davon, denn ich bin in einer Welt groß geworden, in der wir rassistisch geprägte Vorurteile vielfach ungefragt übernommen hatten.

Vielleicht hilft es, zu verstehen, wie es überhaupt dazu kam. Denn historisch gesehen ist Rassismus ein sehr junges Phänomen. Und eine Erfindung der Neuzeit.

In der Antike und im Mittelalter spielte Hautfarbe als soziales Ordnungsprinzip kaum eine Rolle.

Was ist Rassismus, kurz erklärt?

Rassismus ist eine Denkweise und Form der Diskriminierung, bei der Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihres Namens oder ihrer Religion abgewertet, ausgegrenzt oder benachteiligt werden. Dabei werden angebliche Unterschiede konstruiert, um Machtunterschiede und Ungleichbehandlung zu rechtfertigen.

Wobei z. B. die Hautfarbe lediglich durch die Art der Verteilung des Pigments Melanin beeinflusst wird und auch Vitamin D dabei eine wichtige Rolle spielt.

Aber nichts, aber auch gar nichts über Charakter, Kreativität oder gar Intelligenz aussagt.

Warum waren unser aller Vorfahren Schwarz?

Was hat der Mittelmeerraum damit zu tun?

Enorm viel. Denn der Mittelmeerraum war seit der Antike ein Ort des Handels, der Migration und des kulturellen Austauschs. Zugleich verliefen hier Grenzen zwischen Reichen, Religionen und gesellschaftlichen Gruppen.

Was ist mediterran?

Von Portugal und Spanien aus begann später die europäische Expansion entlang der afrikanischen Küste und über den Atlantik.

Auch päpstliche Entscheidungen aus Rom trugen zur religiösen Legitimation von Eroberung und Versklavung bei. Kolonialismus und Rassismus sind deshalb keine von der mediterranen Geschichte getrennten Themen. Und die Folgen spüren wir noch heute.

Mehr über die europäische Kolonialgeschichte

Gab es Rassismus schon in der Antike?

Nicht in dieser Form. Aber die Griechen teilten bereits die Menschen in höherwertige Kulturen (natürlich die griechische) und minderwertige ein. Mit „bárbaros“, (Barbaren) waren alle gemeint, deren Sprache für griechische Ohren unverständlich klang. Vermutlich ahmte die Lautfolge „bar-bar“ dieses unverständliche Sprechen nach.

Die fremdartige Sprache war also ein ausschlaggebender Moment. Auch heute halten wir jemanden, der rudimentäres oder schlechtes Deutsch spricht, instinktiv für weniger gebildet. Andererseits denken wir selten darüber nach, wie wir selbst gesehen werden, wenn wir im Urlaub kaum oder nur schlecht verständlich die Sprache des Landes sprechen, in dem wir uns befinden.

Woher stammt der Begriff “Hottentotten”?

Ähnlich entstand vermutlich auch der heute abwertend gemeinte Ausdruck „Hottentotten“. Denn die ersten niederländischen Siedler in Südafrika hatten die für europäische Ohren ungewöhnlichen Klick- und Schnalzlaute der Khoisan-Sprachen der dortigen Bevölkerung als Gestotter (niederl. hottentot für Stotterer) empfunden. Allerdings ist die genaue Herkunft des Wortes umstritten.

Aristoteles wiederum führte die Unterlegenheit der Barbaren in Hinsicht auf Charakter und Kultur auf deren Herkunft aus andersartigen klimatischen Verhältnissen zurück, denen sie ausgesetzt waren.

Die Griechen waren aber immerhin dazu bereit, dass man Grieche nicht durch Geburt wird, sondern, wie der Philosoph Isokrates im 4. Jahrhundert v. Chr. sinngemäß meinte, dass man Grieche man nicht durch Geburt und Aussehen, sondern durch Vernunft und Bildung sei.

(Siehe Hellenismus)

Später bezeichnete der Begriff „Barbaren“ alle Völker, die nach antiker Auffassung der Griechen und später der Römer auf einer niederen Kulturstufe standen als sie selbst.

Die Germanen beispielsweise wurden als unzivilisiert, rückständig und wild betrachtet, mit „drohenden blauen Augen” und rotblondem Haar (so beschrieb es Tacitus in seinem Werk Germania).

War die Sklaverei der Auslöser für Rassismus?

Nein. Aber der massenhafte transatlantische Sklavenhandel ab dem 15. Jahrhundert legte den Grundstein für den Rassimus, wie wir ihn heute verstehen.

Denn in der Antike hatte die Sklavenhaltung an sich nichts mit der Hautfarbe zu tun. Ägypter sahen ihre hellbraune Hautfarbe zwar als höherwertig gegenüber den Weißen aus dem Norden und den Schwarzen im Süden an, aber Sklaven rekrutierten sie aus allen besiegten und unterworfenen Völkern.

Mit den dunkelhäutigen Nubiern im Süden pflegten sie Handelsbeziehungen und übernahmen viele kulturelle Einflüsse wie Rituale und Trachtenelemente des Königtums, Bestattungsriten und sogar die gleichrangige Stellung der Frau. Aussehen und Wesenszüge einzelner Gottheiten wurden von den Nubiern angeregt und übernommen.

Auch aus Mesopotamien ist die Sklaverei schon aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. überliefert. Bei den Griechen und Römern war die Sklavenhaltung Usus.

Gott der Bibel befürwortete die Sklaverei

Und selbst „Gott“ sprach in der Bibel von der Normalität, Sklaven zu halten, zu kaufen und zu verkaufen, vornehmlich von den Völkern, die ringsherum lebten.

Ein Auszug:

“Die Sklaven und Sklavinnen, die euch gehören sollen, kauft von den Völkern, die rings um euch wohnen; (…) Sie sollen euer Besitz sein und ihr dürft sie euren Kindern nach euch vererben (…) Aber was eure Brüder, die Israeliten, angeht, so soll keiner über den anderen mit Gewalt herrschen.”

(was er bei Sklav:innen aber erlaubt).

Im späteren Christentum war es zumindest in vielen christlichen Gemeinden verboten, andere Christen zu erwerben oder zu verkaufen.

Welche Rolle spielte die Hautfarbe in der Antike und im Mittelalter?

So gut wie keine. Dunkelhäutige Menschen aus Nordafrika, dem Nahen Osten und Subsahara-Afrika bekleideten in diesen antiken Kulturen hohe politische, militärische und religiöse Ämter.

Kaiser Septimius Severus (193–211 n. Chr.) etwa stammte aus Leptis Magna im heutigen Libyen.

In der christlichen Ikonographie des Mittelalters wurde der Heilige Mauritius, ein nordafrikanischer Märtyrer, gestorben etwa um 290 n. Chr., ab dem 13. Jahrhundert als schwarzafrikanischer Mann dargestellt, ohne jede abwertende Konnotation.

Er war sogar ein Schutzheiliger des Heeres, der Infanterie, der Messer- und Waffenschmiede und wurde angerufen vor Kämpfen, Gefechten und Schlachten. Er ist auch heute noch im Stadtwappen vom thüringischen Bad Sulza zu finden.

Wappen mit einer gepanzerten Figur, die ein Banner hält, neben einem gelben Baum mit Wurzeln auf schwarzem Hintergrund.
Wappen der thüringischen Stadt Bad Sulza mit dem Schwarzen heiligen Mauritius © Bad Sulza
Holzstatue einer Person mit lockigem Haar, dunklem Gesicht, verziertem Kragen und einem Gewand mit goldenen Mustern.
Benedikt der Mohr im Museum Colegio San Gregorio in Valladolid, Spanien © Siegbert Mattheis

Auch Benedikt der Mohr, 1589 in Palermo verstorben, wird in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Er war ein afrikanischstämmiger befreiter Sklave und Ordensmann, der auf Sizilien wirkte.

Einige schriftliche Bewertungen von Menschen nach Hautfarbe finden sich in arabischen Quellen ab dem 10. Jahrhundert. Hier wurden die zwei minderwertigen Zivilisationen der weißen Europäer, Türken und Ostasiaten und der schwarzen Afrikaner und Inder aus „klimatischen Extremzonen“ den höherwertigen Menschen der hellbraunen Araber gegenübergestellt.

Welche Rolle spielte der Kolonialismus bei der Entstehung des Rassismus?

Die entscheidende Zäsur liegt im 15. und 16. Jahrhundert. Als die Portugiesen 1420 Madeira entdeckten und dort bald darauf Zuckerrohr anbauten, brauchten sie Arbeitskräfte. Bezahlte Arbeiter:innen hätten jedoch den enormen Gewinn, der damals mit Zucker zu erwirtschaften war, geschmälert. Und Christen aus Europa durfte man ja nicht versklaven.

Heinrich der Seefahrer

Aus den Expeditionen von Heinrich dem Seefahrer entlang der westafrikanischen Küste auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien entstand die Idee, mit Schwarzen als Sklav:innen zu handeln. Denn die waren Heiden und der muslimische Transsahara-Sklavenhandel mit Schwarzafrikaner:innen vor allem über Sansibar war damals schon Jahrhunderte alt. Hier konnte man sich bei den etablierten Strukturen bedienen.

Und alleine die Hautfarbe verhinderte Fluchtversuche.

Versklavte Menschen in Ketten gehen in einer Reihe entlang einer tropischen Küste, bewacht von bewaffneten Männern.
Sklavenkaravane, anonymer Maler; Museum der Sklaverei, Fort-de-France, Martinique

Welche Rolle spielte die Kirche beim Sklavenhandel?

Heinrich der Seefahrer hatte als Administrator des Christusordens gute Kontakte zum damaligen Papst Nikolaus V. Der legitimierte mit der Bulle “Dum Diversas” am 18. Juni 1452 den Sklavenhandel folgendermaßen:

„Daher gewähren Wir (…) Dir völlige und freie Vollmacht, die sarazenischen, heidnischen und sonstwie ungläubigen und christusfeindlichen (…), anzugreifen, zu erobern, zu bekämpfen oder zu unterjochen, die Personen für immer in Knechtschaft zu halten und die Reiche, Herzogtümer, Grafschaften, Fürstentümer und sonstigen Herrschaften, die Besitztümer und dergleichen Güter für Dich und Deine Nachfolger als Könige Portugals für immer als Eigentum in Besitz zu nehmen und für Deinen und Deiner Nachfolger Gebrauch und Nutzen zu verwenden.“

Damit und mit der 3 Jahre später verfassten späteren Bulle Romanus Pontifex hatten die Portugiesen einen Freibrief und die moralische Rechtfertigung für die Versklavung der schwarzen Afrikaner:innen.

Dieses Modell übertrugen die Portugiesen später in die südamerikanischen Kolonien.

Versklavte Afrikaner auf einem Schiffsdeck, bewacht von bewaffneten Männern, mit einem Schiff im Hintergrund.
"Der Sklavenhändler", Lithografie 1845 Foto: © Siegbert Mattheis

Der systematische, transatlantische Sklavenhandel hatte begonnen

Und so entstand erstmals ein kapitalistisches System, das auf der Versklavung von Menschen einer bestimmten geografischen und äußerlichen Herkunft beruhte.

Spanien, England, Frankreich und die Niederlande stiegen nach und nach ebenfalls in diesen lukrativen Handel ein. Auch afrikanische Herrscher, Händler und politische Reiche beteiligten sich an der Gefangennahme und dem Verkauf von Menschen.

Mehr zur europäischen Kolonialgeschichte

Es ging schließlich um viel Geld.

Die europäischen Kolonialmächte schufen daraus jedoch ein transatlantisches, über Jahrhunderte betriebenes Wirtschaftssystem, bestimmten die enorme Nachfrage und transportierten Millionen Menschen gewaltsam über den Atlantik.

Dann gab es ein Problem.

Schwarze Christen durften nicht versklavt werden

Als sich Sklav:innen aber zum Christentum bekehrten und sich taufen ließen, tauchte ein Problem auf. Denn es gab einige Fälle in den englischen Kolonien, in denen sich schwarze Sklaven, nun Christen, damit das Recht auf Freiheit vor Gericht erstritten.

Das gefährdete das Plantagensystem. Also musste man sich etwas anderes einfallen lassen.

So wurden in den englischen Kolonien Nordamerikas ab den 1660er Jahren erstmals Gesetze erlassen, die die Sklaverei explizit an die Hautfarbe knüpfte, sogenannte „Slave Codes”.

In Virginia etwa wurde 1662 per Gesetz festgeschrieben, dass der Status eines Kindes auch dem der Mutter folgt. Das machte die Versklavung erblich und rassistisch. 1667 erklärte Virginia ausdrücklich, dass eine Taufe den Status als versklavter Mensch nicht verändere.

1685 zog der französische König Ludwig XIV. nach und regelte ebenfalls die Sklaverei in den französischen Kolonien per Dekret, dem sogenannten Code Noir. Er definierte Versklavte nun einfach als bewegliche Güter (meubles), regelte deren Behandlung, Pflichten und Strafen.

Der Kodex forderte zudem den Katholizismus als einzige Religion und führte zur Vertreibung von Juden aus den Kolonien. So hatte man auch gleich weniger wirtschaftliche Konkurrenz.

Dann tauchte ein weiteres Dilemma auf.

Freie Farbige Menschen

Denn da es dort an weißen Frauen mangelte, erkannten weiße Plantagenbesitzer (sogenannte Grands Blancs) sehr schnell, dass Schwarze Frauen sehr wohl menschlich waren. Diese durch Vergewaltigung, sexuelle Ausbeutung oder Beziehungen unter extrem ungleichen Machtverhältnissen entstandenen Nachkommen hatten nun plötzlich hellere Hautfarben. Einigen eigenen Söhnen und Töchtern gewährten die Herren zum Teil nun die Freiheit. So entstand in den französischen Kolonien wie Martinique und Gouadeloupe die rechtlich und sozial sehr unterschiedlich gestellte Gruppe der freien farbigen Menschen, der gens de couleur libres.

Einige konnten nunmehr selbst Eigentum besitzen und Sklaven halten.

Sie waren nun also nicht mehr ganz schwarz, waren katholisch und kleideten sich zum Teil sogar vornehmer als die weißen Plantagenbesitzer:innen. Es fiel immer schwerer, sie nur als “bewegliche Güter” zu betrachten.

Siehe Kreolische Tracht

Jetzt wurde es spannend.

Schaufenster, in dem Haarpflegeprodukte ausgestellt sind, hinter denen Plakate mit verschiedenen Models zu sehen sind, die unterschiedliche Frisuren präsentieren.
Auf Martinique findet man alle Hautfarben, hier ein Plakat eines Salon de Beauté in Fort-de-France © Siegbert Mattheis

Welche Rolle spielte die Aufklärung bei der Entstehung des Rassismus?

In Europa hingegen begann man nach dem grausamen 30-jährigen Krieg inzwischen damit, überkommene Traditionen, blinden Gehorsam und „Gottgewolltes“ in Frage zu stellen. Der eigene Verstand rückte in den Mittelpunkt. “Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”, postulierte Immanuel Kant 1784.

Das Zeitalter der „Aufklärung“ hatte begonnen.

Europäische Denker versuchten nun, auch das Wissen um die Welt, Fauna und Flora und die Menschheit wissenschaftlich zu untermauern.

Das führte zu vielen Expeditionen rund um den Globus, der damals schon weitgehend von weißen Europäern beherrscht wurde.

Und nachdem Berichte über die grausamen und menschenunwürdigen Zustände auf den Sklavenschiffen und Plantagen auch der breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, begannen sich viele Menschen für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen. Die Forderungen nach Menschenrechten, Toleranz und Bildung für alle Menschen wurden lauter.

Schematische Darstellung eines Sklavenschiffs, auf der unter Deck dicht gedrängt stehende, in Ketten gelegte Menschen zu sehen sind; links sind die Fesseln abgebildet.
Schematische Darstellung der Ladung menschlicher Ware in einem speziell dafür gebauten Sklavenschiff; Museum der Sklaverei, Fort-de-France, Martinique © Siegbert Mattheis

Infolgedessen musste eine andere Rechtfertigung für die Sklaverei her. Denn es ging weiter um viel Geld, Macht und Einfluss, den man sich dadurch sichern konnte. Zucker, Kaffee, später Baumwolle oder Tabak konnten nur durch die geringen Herstellungskosten durch Sklav:innen mit riesigen Gewinnen nach Europa verkauft werden.

Diese Rechtfertigung lieferten nun ausgerechnet die zeitgenössischen Philosophen und Wissenschaftler der Aufklärung, gewollt oder ungewollt.

Wann tauchte erstmals das Wort Rasse auf?

1684 veröffentlichte der französische Arzt François Bernier einen Text, in dem er vorschlug, die Erde nicht nur in geographische Regionen, sondern auch nach den Arten oder Rassen von Menschen zu unterteilen, die sie bewohnen.

Bernier wandte sich jedoch dagegen, Menschen vorschnell nach der Hautfarbe zu kategorisieren, und rechnete die Bewohner Nordafrikas und Vorderasiens bis nach Indien zur selben „Art“ oder Rasse wie die Europäer.

Wann wurde Hautfarbe mit Charaktereigenschaften verknüpft?

1758 ordnete dann der schwedische Naturforscher Carl von Linné in der 10. Auflage seines Werks Systema Naturae die Menschheit in vier Untergruppen ein (Europaeus, Americanus, Asiaticus, Africanus). Dabei verknüpfte er jedoch die Hautfarbe mit Charaktereigenschaften. Schwarze Menschen beschrieb er dabei abwertend und mit erfundenen negativen Eigenschaften.

Er sah dabei die afrikanische Bevölkerung als die “am wenigsten wünschenswert” an, da er sie aufgrund des heißen Klimas als geschwächt betrachtete. Den weißen Europäer hingegen charakterisierte er als erfinderisch.

Seine Klassifikation trug wesentlich dazu bei, gesellschaftliche Vorurteile als vermeintlich naturwissenschaftliche Unterschiede erscheinen zu lassen.

1775 prägte der Göttinger Mediziner, Anthropologe und Rassentheoretiker Johann Friedrich Blumenbach den Begriff der „kaukasischen Rasse” als Norm, von der andere abwichen. Seine Wahl basierte dabei auf seinen eigenen ästhetischen Empfindungen. Er lehnte hingegen die Unterscheidung in unterlegene und überlegene Rassen grundsätzlich ab. Er sammelte und publizierte sogar Belege für die intellektuelle Gleichwertigkeit aller Menschen.

Sein Kollege Samuel Thomas von Soemmerring glaubte jedoch nach der Obduktion von mehreren Leichen afrikanischer Menschen sagen zu dürfen, dass die Schwarzen eine den Europäern unterlegene Menschenart darstellten.

1785 befürwortete der Philosoph Christoph Meiners offen die Beibehaltung der Sklaverei und bemühte dafür Rassenunterschiede als Rechtfertigung so, dass „das gegenwärtige Menschengeschlecht aus zween Hauptstämmen bestehe, dem (…) Kaukasischen, und dem Mongolischen Stamm: daß der letztere nicht nur viel schwächer von Cörper und Geist, sondern auch viel übel gearteter und tugendleerer (…) sey“.

Blumenbach trat beiden Meinungen vehement entgegen.

Waren Kant, Hegel und andere Philosophen der Aufklärung rassistisch?

Immanuel Kant, einer der wichtigsten Philosophen der Aufklärung, (den ich ansonsten für einige seiner Ideen bewundere) äußerte sich in Schriften dieser Zeit ebenfalls rassistisch.

Tatsächlich unterschied Kant mehrere „Rassen“ von Menschen und verband diese Systematik auch mit einem Werturteil über das angebliche intellektuelle Vermögen der betreffenden Gruppen: „Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Race der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent“, heißt es dort. Schwarze Menschen seien noch „weit tiefer“ angesiedelt, hätten „ von der Natur kein Gefühl“, aber „am tiefsten steht ein Theil der amerikanischen Völkerschaften“, sie seien „unfähig zu aller Cultur“.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Kant, der die weitere Umgebung von Königsberg nie verlassen hatte,  je einem (freien) Schwarzen Menschen begegnet ist.

Selbst Frauen und Kinder seien „nicht in diesen Begriff der Menschheit oder des Menschseins gefasst“, der Kant als Ideal vorschwebt.

In seinen späteren Schriften kritisierte Kant allerdings europäische Kolonialpraktiken und entwickelte das Weltbürgerrecht. Ob er damit auch seine früheren rassistischen Hierarchien vollständig aufgab, ist in der Forschung umstritten.

Selbst der Philosoph Hegel lieferte der Sklaverei und der Abwertung von Schwarzen Vorschub, indem er die Bewohner:innen des subsaharischen Afrika als „Kindernation, die aus der kindlichen Interessenlosigkeit nicht herausgehn“ einschätzte und weiter meinte:

„Der N* existiert nicht als frei durch die Natur; er ist das Gegenteil. (…) Man muß die Freiheit durch Bändigung des Naturells der N* ihnen anerziehen.”

Diese Philosophen und Naturwissenschaftler hatten enormen Einfluss auf die Gesellschaft, sie waren quasi die damaligen Influencer. Mit Millionen von „Followern“.

Sie lieferten nun einen „wissenschaftlich belegbaren“ Beweis, dass Schwarze und Indigene von Natur aus minderwertig seien.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Dennoch mündete das Zeitalter der Aufklärung gleichzeitig auch in der Französischen Revolution 1789 mit der Forderung „Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit).

Aus diesen Idealen wiederum nährte sich die Haitianische Revolution, der Aufstand der Sklaven in der französischen Kolonie Saint Domingue.

Diese schlussendlich erfolgreiche Revolution, die 1803 mit dem Sieg über Napoleons riesige Expeditionsarmee endete, widerlegte die Behauptung, versklavte Schwarze Menschen seien unfähig zu politischer und militärischer Selbstorganisation.

Im Anschluss entstand auf Haiti das erste, von Sklaven gegründete Schwarze Kaiserreich der Geschichte. 1804 wurde in Haiti als erstem Land der Geschichte die Sklaverei offiziell abgeschafft.

Sklavenhalter flohen mit ihren Sklaven aus Haiti in die damalige französische Kolonie Louisiana in Nordamerika und bauten dort ihr Plantagensystem mit Zuckerrohr und später Baumwolle und Tabak wieder auf.

Napoleon war zunächst einfach pragmatisch und ließ die 1794 offiziell abgeschaffte, aber kaum umgesetzte Sklaverei 1802 in den anderen Teilen des französischen Kolonialreichs wie Guadeloupe und Martinique wiederherstellen. Ausschlaggebend waren wirtschaftliche und geopolitische Interessen sowie der Einfluss kolonialer Eliten wie die Familie seiner Frau Joséphine, die Plantagenbesitzer auf Martinique waren. Deren Gewinne wären durch die endgültige Abschaffung der Sklaverei gegen Null gegangen.

In der Folge sahen sich weitere Wissenschaftler und Ärzte bemüht, die Macht und Überlegenheit der „weißen Rasse“ zu untermauern.

Was war der sogenannte wissenschaftliche Rassismus?

Demzufolge wurde Rassismus im 19. Jahrhundert zu einer systematischen Pseudowissenschaft ausgebaut, dem „wissenschaftlichen Rassismus”. Schädelausmessungen, Intelligenztests und biologistische Theorien sollten eine natürliche Hierarchie zwischen Menschengruppen belegen.

Diese Ideologie diente gleichzeitig als Rechtfertigung für den europäischen Kolonialismus. Denn bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatten europäische Mächte große Teile Afrikas, Asiens, Amerikas und Ozeaniens kolonisiert oder unter ihre politische und wirtschaftliche Kontrolle gebracht.

Es ging ja nicht nur um Sklaverei, sondern auch um die Ausbeutung von Bodenschätzen, Kautschuk, Kaffee, Tee und vielem mehr für Europa. Diese sah man unter dem Deckmantel der “Zivilisierung” anderer Völker als gerechtfertigt an.

USA

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war einer der prominentesten Wissenschaftler der USA der Arzt Samuel Morton. Er sammelte um die 900 Schädel und versuchte mittels der Messung der Größenunterschiede zwischen Weißen und Nichtweißen die höhere Intelligenz der Weißen zu beweisen. Als Morton 1851 starb, lobte ihn das Charleston Medical Journal in South Carolina dafür, dass er „dem Neger seinen wahren Platz als minderwertige Rasse gegeben“ habe.

Frankreich

In Frankreich schrieb französische Diplomat Gobineau 1853, dass die Menschheit durch Rassenmischung in ihrer Qualität gemindert würde. Am unverfälschtesten habe sich die “weiße Urrasse” dabei in Skandinavien und insbesondere im französischen Adel gehalten. Die modernen Deutschen stellten lediglich eine minderwertige Mischung aus Kelten und Slawen dar.

Deutsches Reich

Andererseits bewunderte Gobineau Richard Wagner und traf mehrmals mit diesem zusammen. Wagner selbst kritisierte die rassistischen Ideen Gobineaus und wies sie teils zurück.

Allerdings war sein späterer Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain begeistert von Gobineaus Grundgedanken. Er ergänzte sie um einen verstärkten Antisemitismus und hielt nunmehr nicht den französischen Adel, sondern vielmehr das deutsche Volk für besonders „arisch“.

1899 veröffentlichte er das Werk „Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“. Kaiser Wilhelm II. war davon angetan. Es wurde zu einem Standardwerk des rassistischen und ideologischen Antisemitismus in Deutschland.

Diese Ansichten fielen später bei Hitler auf fruchtbaren Boden.

Welche Rolle spielte der Sozialdarwinismus?

Charles Darwins Evolutionstheorie von 1859 wurde missbraucht und verfälscht. Der sogenannte Sozialdarwinismus übertrug das Prinzip des „Überlebens des Stärkeren” auf menschliche Gruppen, was Darwin selbst nie beabsichtigt hatte und was seiner Theorie fundamental widersprach.

1875 veranstaltete Carl Hagenbeck in Hamburg eine seiner ersten großen sogenannten Völkerschauen. Eine Gruppe von Sámi (früher als „Lappen“ bezeichnet) wurde dabei vor Publikum als vermeintlich exotische Bevölkerungsgruppe inszeniert. Sie musste in künstlichen Kulissen wie in einem Menschenzoo als angebliche „primitive Naturvölker“ auftreten. Das erfolgreiche Geschäftsmodell wurde anschließend mit Menschen aus zahlreichen kolonisierten Regionen fortgeführt.

Auch in den USA entstanden sogenannte „Freak Shows“, für die Besucher:innen viel Geld zahlten.

1865 wurde dort nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (weil der Süden die Sklaverei beibehalten wollte) zwar die Sklaverei verboten. Aber schon ein paar Jahre später in den 1870er-Jahren erließen die Behörden vor allem in den Südstaaten sogenannte Jim-Crow-Gesetze, die darauf abzielten, Afroamerikaner im Alltag zu trennen und politisch zu entmachten.

Institutioneller Rassismus

Im 20. Jahrhundert erreichte der institutionelle Rassismus seine grauenvollen Höhepunkte  in der Rassentrennung in den USA, in der Apartheid in Südafrika und im nationalsozialistischen Deutschland, das Rassismus zur Staatsdoktrin erhob und in den Holocaust mündete.

Gibt es biologische Menschenrassen?

Nein. Die wissenschaftliche Widerlegung des Rassenkonzepts begann ebenfalls im 20. Jahrhundert. Ab den 1940er und 50er Jahren distanzierten sich die UNESCO und führende Biologen explizit vom biologischen Rassebegriff.

Richard Lewontins genetische Studien von 1972 untermauerten endgültig, dass biologische „Rassen” beim Menschen nicht existieren.

Ein Raster aus verschiedenen Gesichtern, die jeweils einem anderen Pantone-Hautton zugeordnet sind, mit Beschriftungen darunter.
Die brasilianische Künstlerin Angélica Dass zeigt die Schönheit der menschlichen Hautfarben in ihrem beeindrucken Fotoprojekt Humanae, bei der sie die unterschiedlichen Farben in wertfreie Pantonefarben benannte © Angélica Dass, Foto: Siegbert Mattheis

Warum wurde Rassismus erfunden?

Um ethische Probleme und den massenhaften Import von afrikanischen Arbeitskräften nach Amerika zu legitimieren, wurden rassistische Vorurteile erfunden. Dies beinhaltete die Konstruktion einer Rassenhierarchie, die Schwarze als minderwertig darstellte.

Obwohl Rassismus wohl auch vor der transatlantischen Sklaverei existierte, war sie der entscheidende Faktor, der den Rassismus in seiner heutigen Form als Rechtfertigungssystem für die Versklavung spezifisch schwarzer und andersfarbiger Menschen prägte.

Die Idee, dunkle Haut sei ein Zeichen von Minderwertigkeit, ist historisch betrachtet wenige hundert Jahre alt. Die afrikanischen Ursprünge aller heute lebenden Menschen sind hingegen über 300.000 Jahre alt.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Was ist männlich, was ist weiblich und was ist einfach menschlich?

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(Lesezeit nur 21 Min. 😉 )

Was hat ein Text über Männer, Frauen, Männlichkeit und Gleichberechtigung eigentlich auf Ambiente Mediterran zu suchen?

Tatsächlich eine ganze Menge.

Denn wenn wir über den Mittelmeerraum schreiben, schreiben wir nicht nur über schöne Strände, mediterrane Spezialitäten, guten Wein, gesundes Olivenöl und malerische Altstädte. Wir beschäftigen uns mit den Menschen, ihrer Geschichte und ihrer Kultur. Und damit zwangsläufig auch mit Vorstellungen davon, wie Männer und Frauen angeblich sind oder sein sollten.

Und vor allem mit dem Süden Europas verbinden wir viele solcher Bilder.

Der Macho. Der Latin Lover. Der feurige Spanier. Der italienische Verführer. Der stolze Grieche. Braungebrannte Männer mit Temperament, Selbstbewusstsein und Leidenschaft, die Frauen umwerben, erobern und beschützen. Dazu das entsprechende Frauenbild: temperamentvoll und sinnlich, aber zugleich fürsorglich und familienbezogen. Obwohl völlig veraltet, begegnen wir diesen Stereotypen immer noch in Filmen, Büchern, Musik und Werbung. Und manche Vorstellungen davon halten sich hartnäckig in unserem Unterbewusstsein. Und wenn es auch nur ein Hauch von Exotik ist.

Aber wie viel davon ist eigentlich echt oder wahr?

Was ist tatsächlich männlich oder weiblich? Was ist biologisch bedingt? Was haben Gesellschaft, Religion und Erziehung daraus gemacht? Und wann wird aus Stärke Dominanz, aus Beschützen Bevormundung und aus selbstbewusstem Flirten die Missachtung einer Grenze?

Gerade Spanien zeigt, wie stark sich die Antworten auf solche Fragen verändern können.

Das Land, das international lange mit Machismo und dem selbstbewussten männlichen Verführer assoziiert wurde, hat in den vergangenen Jahrzehnten einen bemerkenswerten gesellschaftlichen Wandel vollzogen. Mit der 2022 verabschiedeten Ley Orgánica de Garantía Integral de la Libertad Sexual rückte Spanien die Zustimmung ausdrücklich ins Zentrum seines Sexualstrafrechts. Entscheidend ist nicht mehr erst die Frage nach Gewalt oder Einschüchterung, sondern ob eine sexuelle Handlung einvernehmlich war. Die Reform wurde wesentlich durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung nach dem Fall „La Manada“ und die anschließenden Massenproteste angestoßen.

Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Luxemburg, Montenegro, Zypern, Irland, Malta Großbritannien, Belgien, Finnland, Norwegen, Niederlande, Dänemark, alle Länder haben das „Nur Ja heißt Ja“-Prinzip übernommen.

Deutschland, Österreich, die Schweiz noch nicht.

Gleichzeitig erleben wir, dass sich vor allem junge Männer wieder dem alten Bild vom Mann zuwenden.

Vielleicht sollten wir deshalb auch einige unserer Klischees hinterfragen.
Einige Frauen vermissen das Flirten, viele Männer wissen nicht mehr, wie man flirtet, ohne übergriffig zu erscheinen. Sie sind unsicher, welche Komplimente eigentlich noch ok sind.

Diese Unsicherheit nutzt das das antifeministische, frauenhassende Netzwerk Manosphere in Social Media. Die Influencer bieten scheinbar klare Rollenbilder. Dabei berufen sie sich auf die Geschichte oder auf Studien, die Männern mit ihrem größeren Gehirn auch eine größere Intelligenz bezeugen soll und stellen damit ihre Vorherrschaft und Dominanz über Frauen als gottgegeben oder zumindest naturgegeben hin. Weibliche Influencerinnen spielen dabei gerne mit, weil es Reichweite bringt.

Damit verdienen sie mehrere Millionen.

Manche jammern in der im März 2026 erschienenen, vielbeachteten Netflix-Doku Inside the Manosphere darüber, dass Frauen von Geburt an ein Wert gegeben wurde (in Form von „Muschi und Titten“!), Männer hingegen müssten sich ihren Wert immer erst erkämpfen.

Was ist da wirklich dran? Ist Mann nur „männlich“, wenn er aggressiv, muskelbepackt, und dominant ist? Und wollen Frauen wirklich unterworfen werden und lieben im Grunde solche „Arschlöcher“, wie einige dieser Männer behaupten?

Ein muskulöser Mann mit Tattoos verschränkt die Arme, trägt ein schwarzes Tanktop und eine silberne Kreuzkette und blickt selbstbewusst in die Kamera.
So ...
Ein lächelnder Mann mit dunklem Haar und Bart, der einen grünen Pullover trägt und in einem Raum mit sanfter Beleuchtung sitzt.
... oder so? Oder irgendwie dazwischen?

Worin unterscheiden sich Männer und Frauen?

Wenn es im Weiteren um das Bild von Männern und Frauen geht, ist lediglich der Unterschied zwischen Zeugungs- und Gebärfähigkeit gemeint sowie die Vorstellung davon, was wir als „typisch männlich“ und „typisch weiblich“ gelernt haben zu sehen.

Die sexuelle Orientierung ist ein anderes, aber nicht minder wichtiges Thema, das mittelbar damit zu tun hat.

Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob Männer und Frauen verschieden sind.

Sie lautet:

Worin bestehen diese Unterschiede tatsächlich, welche Bedeutung geben wir ihnen und welche gesellschaftlichen Schlussfolgerungen dürfen wir daraus ziehen?

Männer sind im Durchschnitt größer und körperlich stärker als Frauen. Sie besitzen durchschnittlich mehr Muskelmasse, haben eine andere Fettverteilung und oft auch eine tiefere und lautere Stimme.

Frauen können schwanger werden, Kinder gebären und stillen. Sie erleben Menstruationszyklen, Schwangerschaften, Geburten und die Menopause.

Das sind reale körperliche Unterschiede. Und die können erheblichen Einfluss auf das Leben eines Menschen haben.

Aber folgt daraus, dass Männer vernünftiger, durchsetzungsfähiger oder führungsstärker sind? Oder etwa intelligenter?

Sind Frauen deshalb automatisch fürsorglicher, emotionaler oder besser für die Erziehung von Kindern geeignet?

Oder etwa weniger intelligent? Weniger freiheitsliebend? Weniger selbstständig?

Nein.

Aus körperlichen Unterschieden allein ergibt sich keine geistige oder moralische Rangordnung. Aus größerer Muskelkraft folgt keine größere Urteilskraft. Aus der Fähigkeit, ein Kind zu gebären, folgt keine natürliche Zuständigkeit für Haushalt, Erziehung und Pflege. Und aus einem höheren durchschnittlichen Testosteronspiegel folgt weder ein Recht zur Dominanz noch eine Legitimation, über andere Menschen zu bestimmen.

Biologische Unterschiede allein bilden kein vollständiges Persönlichkeitsprofil

  • Denn zunächst sind wir alle und zuallererst Menschen. Mit allem, was uns ausmacht. Mit allen Gefühlen, Wünschen, Hoffnungen und Möglichkeiten. Als menschliches Wesen esse und trinke, lache und weine ich, erlebe alle möglichen Gefühle von Wut, Ärger, Hass, Demut, Angst, Liebe, Verletztheit, Zuneigung, Eifersucht, Freude, Kummer, Leid, Hoffnung, Sehnsucht, Zufriedenheit und Glück. Wie jedes andere menschliche Wesen. Egal, wo ich aufgewachsen bin, wie ich aussehe, welche Hautfarbe, welche Weltanschauung oder Glauben ich habe.
  • Erst an zweiter Stelle sind wir geschlechtlich. Mit von Geburt an gegebenen Merkmalen und mit unserer eigenen sexuellen Orientierung. Ich kann Kinder gebären oder nur ein Teil der Zeugung sein.
  • Und schlussendlich sind wir alle Individuen. Mit unseren spezifischen Genen, mit all unseren persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten und Erfahrungen. Und dem, was wir daraus machen.

An den beiden oberen Punkten kann ich nichts verändern, (ggf. eine Geschlechtsumwandlung oder Hormonbehandlung). An der Zusammensetzung meiner Gene ebenfalls nichts. Auch an den Erfahrungen, die ich mache, kann ich nicht viel ändern.

Aber wie ich damit umgehe, das kann ich selbst bestimmen. Und ich kann meine Verhaltensweisen und Denkweisen sehr wohl ändern.

Unterscheiden sich die Gehirne von Männern und Frauen?

Es gibt statistisch messbare Unterschiede zwischen den Körpern und teilweise auch zwischen den Gehirnen von Männern und Frauen. (Max-Planck-Institut)

Solche Befunde werden jedoch regelmäßig stärker interessengeleitet interpretiert, als es die Daten erlauben.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung fand beispielsweise reproduzierbare durchschnittliche Unterschiede bei Hirnvolumen, Aktivierungsmustern und bestimmten Verhaltensmaßen. Gleichzeitig zeigte sie, dass diese Unterschiede kein einheitliches männliches oder weibliches Gesamtprofil ergeben. Wer in einem Bereich ein eher geschlechtstypisches Merkmal aufwies, musste in einem anderen Bereich keineswegs ebenfalls diesem Muster entsprechen. Auch die Zusammenhänge zwischen Hirnaktivität und Verhalten waren bei Männern und Frauen weitgehend ähnlich. (National Academy of Sciences USA)

Ein Mann kann kleiner und körperlich schwächer sein als viele Frauen. Eine Frau kann risikofreudiger, entschlossener oder durchsetzungsfähiger sein als viele Männer. Ein Mann kann einfühlsam sein und eine Frau analytisch. Ein Mensch kann zugleich mutig und verletzlich, rational und emotional, fürsorglich und ehrgeizig sein.

Das sind keine seltenen Ausnahmen, denn die Eigenschaften und Fähigkeiten von Männern und Frauen überschneiden sich in weiten Bereichen.

Biologische Unterschiede existieren also. Aber sie bilden kein geschlossenes Persönlichkeitsprogramm namens Männlichkeit oder Weiblichkeit.

Was wir als männlich oder weiblich empfinden, besteht immer aus mehreren Schichten: aus Körper, Hormonen, individuellen Anlagen, persönlichen Erfahrungen, Erziehung, gesellschaftlichen Erwartungen und kulturellen Deutungen.

Männlichkeit und Weiblichkeit sind daher nicht frei erfunden. Sie sind aber auch keine unveränderlichen Naturgesetze. Sie sind kulturell verdichtete Vorstellungen davon, wie ein Mann oder eine Frau angeblich sein sollte.

Wie aus einem körperlichen Unterschied gesellschaftliche Macht wurde

Dieser eine Unterschied, die durchschnittlich größere körperliche Stärke von Männern prägte die Geschichte jedoch in erheblichem Maße.

In Gesellschaften ohne verlässliches Gewaltmonopol, ohne wirksamen Rechtsschutz und ohne unabhängige wirtschaftliche Absicherung bedeutete körperliche Überlegenheit unmittelbare Macht. Wer stärker war, konnte andere einschüchtern, festhalten, vertreiben, verletzen oder töten. Oft genügte bereits die glaubhafte Androhung von Gewalt.

Hinzu kam, dass Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit Frauen zeitweise körperlich besonders beanspruchten und ihre Bewegungsfreiheit einschränken konnten. Ohne Verhütung, medizinische Versorgung und soziale Sicherung waren Frauen zudem häufig über viele Jahre mit Schwangerschaften und der Versorgung kleiner Kinder beschäftigt.

Aber Muskelkraft allein erklärt die jahrtausendelange Unterordnung von Frauen nicht vollständig. Körperliche Macht wurde in militärische, wirtschaftliche und institutionelle Macht übersetzt. Männer kontrollierten überwiegend Eigentum, Waffen, politische Ämter, religiöse Institutionen, Bildung und Rechtsprechung.

Aus einem ursprünglichen Machtvorteil entstand ein System.

Männer bestimmten nicht deshalb über Frauen, weil sie erwiesenermaßen intelligenter, vernünftiger oder moralisch besser geeignet waren. Sie bestimmten über Frauen, weil die wesentlichen Machtmittel überwiegend in ihren Händen lagen und weil sie diese Ordnung durch Gesetze, Traditionen, Besitzverhältnisse und religiöse Deutungen absichern konnten.

Zugespitzt könnte man sagen:

Nicht weil Männer besser, intelligenter oder kreativer waren, sondern einfach nur, weil sie es konnten.

Denn weil körperliche, militärische, wirtschaftliche und institutionelle Macht überwiegend in männlicher Hand lag, konnten Männer ihre Interessen leichter durchsetzen und diese Ordnung über Generationen bewahren.

Wir Männer haben Frauen einfach nicht erlaubt, Ähnliches zu erreichen. Und Frauen haben sich fügen müssen, weil wir keine anderen Möglichkeiten zugelassen haben.

Wie Macht zur vermeintlich natürlichen Ordnung erklärt wurde

Eine ungerechte Ordnung kann auf Dauer kaum allein mit Gewalt bestehen. Sie benötigt eine Geschichte, die sie rechtfertigt.

Deshalb wurde aus der bestehenden männlichen Vorherrschaft eine angeblich natürliche, vernünftige oder sogar gottgewollte Hierarchie.

Philosophen wie Aristoteles entwickelten Theorien, nach denen Männer das Vernünftige und Formgebende verkörperten, Frauen dagegen das Körperliche, Passive oder Unvollständige. Religiöse Überlieferungen wurden über Jahrhunderte überwiegend von Männern aufgezeichnet, interpretiert und institutionell verwaltet. Gesetze regelten Eigentum, Ehe, Sexualität und Erbschaft aus einer rein von Männern geprägten Perspektive und Interessen.

Die konkrete Ausgestaltung unterschied sich von Kultur zu Kultur und von Religion zu Religion. Es wäre deshalb zu einfach, pauschal „die Religion“ für die Unterordnung der Frau verantwortlich zu machen. Innerhalb des Christentums, des Islams, des Judentums, des Buddhismus und anderer Traditionen gab und gibt es sehr unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Vorstellungen vom Verhältnis der Geschlechter.

Unbestreitbar ist jedoch: Religiöse und weltliche Institutionen wurden lange überwiegend von Männern kontrolliert. Entsprechend spiegeln viele ihrer Regeln auch männlich dominierte Gesellschaftsordnungen wider.

Aus Macht wurde Deutungshoheit. Aus Deutungshoheit wurde Moral.

Frauen galten als tugendhaft, wenn sie gehorsam, sexuell zurückhaltend, fürsorglich und bescheiden waren. Männer galten als erfolgreich, wenn sie führten, versorgten, kämpften und sich durchsetzten.

Eine Frau, die diese Ordnung verließ, konnte als unweiblich, schamlos oder gefährlich gelten. Ein Mann, der nicht in das vorgesehene Bild passte, wurde als schwach, verweiblicht oder untauglich abgewertet.

Die Rollen wurden dadurch nicht nur beschrieben. Sie wurden erzwungen.

Woher stammt das Bild vom “heldenhaften” Mann?

Vom Mann, der seine Muskeln stählt, der „hart“ ist und keine Schwäche kennt, der seine Gefühle „im Griff hat“, der mutig ist und kein Opfer scheut?

Der tut, „was getan werden muss“, ohne nachzudenken?

Es wurde von der herrschenden Klasse aufgebaut, die selbst äußerst selten Anhänger oder Träger dieser Eigenschaften waren. Aber um ihre Privilegien zu behalten, neue Reichtümer anzuhäufen, indem sie andere Länder angriffen, brauchten sie williges Schlachtvieh.

Sie brauchten kräftige Männer, die in „Mann-gegen-Mann“-Schlachten den anderen überlegen waren, die ihre Kameraden neben sich zerfetzt sahen, ohne Gefühle zu zeigen.

Die “mutige” oft sinnlose Aktionen begingen und dabei nicht selten den eigenen “Heldentod” fanden.

Die Herrschenden brauchten Männer, die als Befehlshaber andere Männer dominierten, damit diese nicht selbst nachdachten und willenlos Befehle ausführten..

Frauen waren dabei als Krankenschwestern dazu auserwählt, diese Männer wieder „zusammenzuflicken“.

In vielen Köpfen spukt noch das Bild, das Hitler 1935 von Männern forderte, sie müssten „schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“.

Heute inszeniert Putin (mit einem geschätzten Vermögen von 40 Milliarden Dollar der reichste Russe) Männlichkeit als politische Kernkompetenz, verbunden mit Härte, Stärke und der Ablehnung “verweichlichter” westlicher Gesellschaften.

“Ein Mann muss kämpfen, schützen und Verantwortung tragen, anstatt Schwäche zu zeigen. Der wahre Mann bewährt sich in der Krise und im heroischen Einsatz für das Vaterland.”

Das perfekte Werkzeug, um Kriege zu führen.

Woher kommt der Mythos vom „Alphatier“?

Der Begriff des dominanten Alpha-Männchens stammt ursprünglich aus veralteten Verhaltensbeobachtungen an eingesperrten, willkürlich zusammengewürfelten Wölfen aus den 1940er-Jahren. Obwohl die Verhaltensforschung (wie von L. David Mech) längst bewiesen hat, dass freilebende Rudel reine Familienverbände ohne permanente Dominanzkämpfe sind, hält sich das Klischee in der Gesellschaft.

Brauchen wir den Alpha-Mann? (arte Doku)

Woher stammt das Bild vom „archaischen“ Jäger?

Hier wird gerne das Bild von den mutigen Männern in der Steinzeit heraufbeschwört, die riesige Mammuts erlegten, während die Frauen ausschließlich sammelten und Kinder betreuten. Aber auch da sprechen neueste archäologische Funde dagegen. Frauen waren in vielen untersuchten Nahrungssuchergesellschaften durchaus auch an der Jagd beteiligt.

Und Grillen auf dem offenen Feuer hat für uns Männer ja auch etwas Archaisches, Wildes, Naturverbundenes. Obwohl ja die Frauen eigentlich für das Hüten des Feuers in der Höhle zuständig waren …

Was hat sich verändert?

Erst in den letzten, nicht einmal 60 Jahren hat sich einiges verändert. In Deutschland wurde zwar 1918 das allgemeine Frauenwahlrecht erstritten.

Bis 1958 durften Frauen in Westdeutschland allerdings nur mit Erlaubnis ihres Ehemanns arbeiten. Und erst seit 1962 dürfen sie ein eigenes Konto führen. Da waren etruskische Frauen vor 2.500 Jahren zum Teil schon besser gestellt.

In der DDR gab es solche Einschränkungen nicht.

In der Schweiz wurde das Frauenstimmrecht erst 1971 eingeführt.

In den 1970er Jahren begannen sich Frauen erstmals gegen die jahrtausendealte Benachteiligung zu wehren. Gegen öffentliches, ungestraftes Begrapschen, gegen die automatische Zuweisung als „Heimchen am Herd“ und gegen das Verbot der Abtreibung eines ungewollten Fötus’ in ihrem eigenen Körper.

Der Paragraph 218 war zwar nicht der historische Ursprung des Feminismus, aber er war der zentrale Auslöser für die “zweite Welle” der Frauenbewegung ab 1971 in Westdeutschland.

Selbst heute dürfen Frauen immer noch nicht vollständig über ihren eigenen Körper bei einer Schwangerschaft entscheiden.

Die besondere körperliche Erfahrung von Frauen

Viele Männer wissen theoretisch, dass Frauen menstruieren, schwanger werden und Kinder gebären können. Doch wir denken häufig erstaunlich wenig darüber nach, was diese Prozesse im wirklichen Leben bedeuten.

Die Menstruation ist einer der natürlichsten körperlichen Vorgänge überhaupt.

Sie begleitet alle Frauen über Jahrzehnte. Sie kann mit Schmerzen, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen, Stimmungsschwankungen oder anderen Beschwerden verbunden sein. Manche Frauen sind kaum beeinträchtigt. Andere jedoch leiden erheblich.

Trotzdem wurde die Menstruation in vielen Kulturen als unrein, beschämend oder ekelerregend behandelt. Ein vollkommen natürlicher Vorgang, den Frauen nicht willentlich steuern können, wurde gegen sie verwendet.

Stellt euch als Mann einmal vor, dass:

  • euer Penis alle 4 Wochen für mehrere Tage blutet
  • dass ihr das über 40 Jahre lang nicht verhindern könnt
  • dass ihr das irgendwie verbergen müsst, ihr wollt ja nicht mit Blutflecken vorne durch die Bahn oder im Büro rumlaufen
  • dass ihr an diesen Tagen komisch bis scheiße drauf seid
  • dass ihr einen unbequemen BH tragen müsst, weil man sonst eure Brustwarzen sieht
  • dass ihr Tampons in euren Penis stopfen müsst, damit ihr nicht die Hose vollblutet
  • dass eure Figur, eure Kleidung, euer Aussehen ständig ungefragt von allen möglichen Leuten kommentiert wird
  • dass ihr euch abends auf der Straße unsicher fühlt
  • dass jemand in euren Körper eindringt, ohne dass ihr das wollt
  • dass ihr total unbequeme Schuhe tragen müsst, nur weil das als schön oder sexy gilt
  • dass ihr euch jeden Morgen eine halbe Stunde schminken müsst, weil ihr sonst blöde Kommentare oder abfällige Bemerkungen erntet
  • dass ihr manchmal als Ware, als Stück Fleisch angesehen werdet, mit dem man beliebig machen kann, was man will
  • dass man euch in aller Öffentlichkeit angraptscht oder zwischen die Beine greift und alle Umstehenden darüber lachen
  • dass ihr doppelt so viel arbeiten und leisten müsst als Frauen, um anerkannt zu werden
  • dass ihr gleichzeitig immer ein Supervater sein müsst, der alles im Griff hat und immer blendend aussieht und perfekt performed …
  • oder, dass jemand, nur weil er körperlich stärker ist, mit euch machen kann, was er will?

Und dass ihr für das alles auch noch verachtet werdet?

Dieser Vergleich kann die Erfahrung einer Frau nicht vollständig vermitteln. Aber er kann uns bewusst machen, wie selbstverständlich wir körperliche Belastungen übersehen, die wir selbst nicht erleben.

Ähnliches gilt für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Eine Geburt kann eine intensive körperliche und psychische Grenzerfahrung sein. Sie kann den Körper dauerhaft verändern und ist trotz moderner Medizin nicht völlig frei von Risiken.

Die Geburtsschmerzen gehören zu den menschlich heftigsten Schmerzen, die eine Frau (aber eben niemals ein Mann) erleben muss. Wie mir eine Freundin erzählte, ist die Frau danach auch nicht mehr dieselbe wie vorher.

Diese Belastungen begründen keine Schwäche. Sie begründen auch keine moralische Überlegenheit oder Unterlegenheit. Sie verdienen zunächst schlicht Aufmerksamkeit, medizinische Ernsthaftigkeit und gesellschaftliche Rücksicht.

Dazu kommt auch noch, dass medizinische Forschung über Jahrhunderte nur für Männer gemacht wurde und die Ergebnisse automatisch auf Frauen übertragen wurde. Mit fatalen Folgen (Quarks, Gender Health Gap).

Durch diesen natürlichen Unterschied werden Frauen auch finanziell viel stärker belastet.

Tampons z. B. unterliegen erst seit 2020 nicht mehr der Luxussteuer. Frauen zahlen teilweise mehr als den doppelten Preis für Kosmetika als Männer. Bei identischen Inhaltsstoffen.

Körperliche Stärke ist keine moralische Leistung

Ich bin größer und kräftiger als die meisten Frauen und auch kräftiger als viele Männer. Dafür habe ich wenig geleistet. Ich hatte schlicht Glück mit meinen körperlichen Voraussetzungen.

Meine Stimme ist tief und kann laut werden. Ich kann damit einen Raum füllen. Ich kann andere Menschen körperlich schützen. Ich könnte meine Kraft aber auch einsetzen, um jemanden einzuschüchtern oder an seiner freien Bewegung zu hindern.

Darin liegt ein entscheidender Unterschied:

Dass ich etwas kann, bedeutet nicht, dass ich es darf.

Körperliche Stärke ist zunächst nur eine Fähigkeit. Ihren moralischen Wert erhält sie erst durch die Art, wie ich mit ihr umgehe.

Ich kann meine Kraft einsetzen, um einen Menschen gegen seinen Willen festzuhalten. Ich kann sie aber auch einsetzen, um ihn zu schützen. Ich kann meine Stimme benutzen, um andere zu übertönen. Ich kann mit ihr aber ebenso für jemanden eintreten, der selbst kein Gehör findet.

Männliche Stärke ist nicht das Problem. Das Problem beginnt dort, wo Stärke mit einem Anspruch auf Herrschaft verwechselt wird.

Der Moment, in dem mir meine eigene Macht bewusst wurde

Als ich 22 Jahre alt war, hielt ich während eines Streits meine Freundin am Arm fest, als sie gehen wollte.

Ich habe sie nicht geschlagen. Ich habe sie nicht vergewaltigt. Trotzdem überschritt ich in diesem Moment eine Grenze. Ich verhinderte mit meiner körperlichen Kraft, dass sie sich frei bewegen konnte.

Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich das nur tun konnte, weil ich stärker war.

Hätte sie versucht, mich in derselben Weise festzuhalten, hätte ich mich vermutlich ohne große Mühe entziehen können. Ich hatte meinen Willen also nicht durchgesetzt, weil ich im Recht war oder weil meine Argumente überzeugender gewesen wären. Ich hatte einfach meine körperliche Überlegenheit benutzt.

Diese Erkenntnis war unangenehm. Aber ungeheuer wichtig für mich.

Wir sprechen oft über Gewalt, als beginne sie erst mit einem Faustschlag. Tatsächlich beginnt sie früher. Sie beginnt dort, wo ein Mensch seine Macht einsetzt, um die Freiheit eines anderen zu beschneiden.

Sie beginnt bei der Drohung, bei der Einschüchterung, beim Blockieren eines Ausgangs, beim Festhalten, beim Zerstören von Gegenständen oder bei der unausgesprochenen Botschaft: Ich könnte dir etwas antun.

Ich musste lernen, zwischen Durchsetzungsfähigkeit und Einschüchterung zu unterscheiden.

Durchsetzungsfähigkeit bedeutet nicht, andere durch Lautstärke, Angst oder körperliche Überlegenheit gefügig zu machen. Sie bedeutet, die eigene Position klar zu vertreten, Konflikte auszuhalten, Grenzen zu setzen und mit Argumenten zu überzeugen.

Ja, das ist anstrengender. Es ist aber nachhaltiger und respektiert die Freiheit des anderen.

Was es bedeutet, körperlich verletzlich zu sein

Eine weitere Erkenntnis kam mir, als ich mich mit einem homosexuellen Mann traf, der mich offenbar attraktiv fand. Er war größer und kräftiger als ich und lud mich zu sich nach Hause ein.

Plötzlich stellte sich mir eine Frage, die ich mir in Begegnungen mit Frauen bis dahin nie gestellt hatte:

Was geschieht, wenn ich in eine Situation gerate, die ich körperlich nicht mehr beherrschen kann?

Ich weiß nicht, ob dieser Mann meine Grenzen jemals missachtet hätte. Es gibt keinen Grund, ihm das zu unterstellen. Entscheidend war allein, dass ich mich erstmals in einer körperlichen Konstellation wahrnahm, in der ich möglicherweise nicht der Stärkere gewesen wäre.

Zum ersten Mal konnte ich zumindest ansatzweise nachvollziehen, was es bedeutet, die körperliche Kontrolle über eine Situation vielleicht nicht behalten zu können.

Sicherheit ist für mich als Mann häufig ein selbstverständlicher Ausgangszustand. Für viele Frauen ist sie etwas, das sie ständig prüfen und organisieren müssen.

Diese einzelne Erfahrung bildet nicht ab, was viele Frauen seit ihrer Jugend im Alltag erleben. Frauen müssen sehr früh lernen, Situationen nach möglichen Gefahren zu beurteilen:

Wer läuft hinter mir? Wer begleitet mich nach Hause? Kann ich mein Getränk unbeaufsichtigt lassen? Wie reagiere ich, wenn ein Mann ein Nein nicht akzeptiert? Ist er beleidigt, hartnäckig oder wird er gewalttätig?

Eine von 6 Frauen in der EU erfahren sexuelle Gewalt als Erwachsene. Eine von 10 Frauen wird mindestens ein Mal in ihrem Leben vergewaltigt (Amnesty International)

Weltweit erlebt laut Angaben der WHO etwa jede dritte Frau in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt.

Und fast die Hälfte aller Frauen erfährt im Leben Formen psychischer Gewalt wie Drohungen, Stalking oder Psychoterror.

Wahrhaft erschüttert haben mich Berichte aus Mexiko, wo mehrere Männer ein Mädchen mehrfach vergewaltigt hatten und sie anschließend aus dem Fenster geworfen hatten.

Oder wo eine andere Frau erst vergewaltigt, dann ermordet und in einen Mülleimer gesteckt wurde.

Nur weil Männer es dank ihrer Kraft tun konnten..

Begehren ist kein Anspruch

Wir Männer erleben sexuelles Begehren. Wir können eine Frau schön, begehrenswert oder erregend finden. Das ist weder verwerflich noch ungewöhnlich.

Aber Begehren erzeugt kein Recht.

Aus meinem Verlangen folgt keine Verpflichtung der anderen Person. Aus ihrer Kleidung folgt keine Einladung. Aus einem Flirt folgt keine Zustimmung zu Sex. Aus einer früheren Zustimmung folgt keine Zustimmung für später. Und auch innerhalb einer Beziehung bleibt jeder Körper Eigentum der Person, zu der er gehört.

Jeder Mensch ist ein eigenes Universum. Bob Marley

Problematisch wird Sexualität dort, wo Männer ihr eigenes Begehren als naturgegebenen Anspruch verstehen.

Dann entstehen Vorstellungen wie (und das sagen und meinen viele Männer auch heute noch):

  • Sie hat mich provoziert.
  • Sie wollte es eigentlich auch.
  • Sie hat sich bewusst so angezogen.
  • Sie hätte nicht allein unterwegs sein sollen.
  • Sie hätte deutlicher Nein sagen müssen

All diese Sätze verschieben die Verantwortung von demjenigen, der eine Grenze überschreitet, auf den Menschen, dessen Grenze verletzt wurde.

Eine Frau ist nicht verantwortlich für die Gedanken oder Handlungen eines Mannes, nur weil sie seinen Blick auf sich zieht. Der nackte oder auffällig gekleidete Körper einer Frau ist keine Aufforderung. Das moralische Problem liegt nicht in ihrem Körper, sondern im Verhalten desjenigen, der daraus einen Anspruch ableitet.

Selbstbeherrschung bedeutet nicht, keine starken, widersprüchlichen oder auch dunklen Impulse zu kennen. Sie bedeutet, diese Impulse wahrzunehmen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Gedanken sind keine Taten. Fantasien sind keine Erlaubnis. Ein erwachsener Mensch zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Spiel und Ernst, Vorstellung und Zustimmung unterscheiden kann.

Das traditionelle Männerbild schädigt nicht nur Frauen

Die patriarchale Ordnung verschaffte Männern gegenüber Frauen erhebliche Vorteile. Sie gewährte ihnen größere wirtschaftliche Freiheit, mehr politische Macht, stärkere rechtliche Stellung und häufig die Autorität innerhalb der Familie.

Aber sie behandelte keineswegs alle Männer gut oder gleich.

Männer mussten sich ihren Platz in der männlichen Hierarchie verdienen. Sie sollten stark, mutig, leistungsfähig, sexuell erfolgreich und unabhängig sein. Sie sollten ihre Familie versorgen, sich gegen andere Männer behaupten und Schmerzen aushalten.

Angst, Hilflosigkeit und Trauer galten als Schwäche.

So entstand ein stilles Versprechen:

Du darfst über anderen stehen, solange du selbst keine Schwäche zeigst.

Männer wurden als Soldaten gebraucht, als Arbeiter, Ernährer, Eroberer und Konkurrenten. Sie sollten für ihre Familie, ihren Herrscher, ihr Land, ihre Religion oder ihren Betrieb Risiken eingehen und Opfer bringen.

Das bedeutet nicht, dass Männer im Patriarchat ebenso benachteiligt waren wie Frauen. Es bedeutet, dass männliche Privilegien einen Preis hatten.

Das traditionelle System erlaubte Männern eher, Macht über andere auszuüben. Es erschwerte ihnen aber gleichzeitig, eigene Verletzlichkeit anzuerkennen, Hilfe zu suchen und Beziehungen jenseits von Leistung und Status zu gestalten.

Aktuelle Forschung zur Männergesundheit beschreibt genau diesen Zusammenhang. Restriktive Männlichkeitsnormen können Männer davon abhalten, gesundheitliche und psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie können riskantes Verhalten fördern und die Vorstellung verstärken, ein Mann müsse Probleme allein lösen.

Ein 2025 veröffentlichter Rahmen für Männergesundheit fordert deshalb nicht eine Rückkehr zu alten Rollen, sondern vielfältigere Formen von Männlichkeit, in denen Hilfesuche, Fürsorge und Verletzlichkeit nicht als Versagen gelten. (The Lancet⁠)

Männer und die Angst vor Hilflosigkeit

Hilflosigkeit ist für viele Männer besonders schwer zu ertragen.

Wenn jemand von einem Problem erzählt, beginnen wir oft sofort, nach einer Lösung zu suchen. Das kann hilfreich sein. Es kann aber auch ein Versuch sein, das unangenehme Gefühl auszuschalten, dass wir etwas vielleicht nicht kontrollieren oder reparieren können.

Manchmal benötigt ein anderer Mensch keine sofortige Lösung. Manchmal braucht er jemanden, der zuhört, die Situation aushält und sagt: Ich sehe, dass du leidest. Ich fühle mit dir und bin bei dir.

Das klingt einfach. Für Menschen, die ihren Wert vor allem aus Handlungsfähigkeit beziehen, kann es äußerst schwer sein.

Auch Weinen stellt dieses Selbstbild infrage. Ein weinender Mann zeigt, dass etwas seine Schutzschicht durchdrungen hat. Er ist sichtbar berührt, traurig, überwältigt oder machtlos

Doch weshalb sollte das unmännlich sein?

Ein Mann im Anzug weint inmitten einer Menschenmenge mit ernsten Mienen auf einer Straße in der Stadt.
Dieses berühmte Foto eines weinenden Mannes September 1940 in Marseille ging um die Welt. Es zeigt Jérôme Barzotti, der mit vielen anderen verzweifelten Menschen an der Parade der Flaggen aufgelösten französischen Regimenter beiwohnt, die aus der freien Zone nach Algerien verbracht werden. Es wurde zum Symbolbild für den Schmerz der Franzosen © Marcel de Renzis, Wikipedia

Männer sind genauso verletzlich wie Frauen. Wir können geliebte Menschen verlieren, scheitern, krank werden, verlassen werden oder Angst haben. Wir können trauern und verzweifeln.

Das ist keine Schwäche.

Das ist auch nicht „unmännlich“. Es ist ein Teil unseres Menschsein.

Das Ideal der männlichen Unverletzlichkeit ist nicht nur unrealistisch. Es ist gefährlich. Wer seine eigene Angst und Verletzlichkeit nicht ertragen kann, verwandelt sie möglicherweise in Wut, Abwertung oder Aggression.

Ein Mann verliert seine Würde nicht, wenn er weint. Er verliert sie eher, wenn er andere erniedrigen muss, um sich selbst wieder stark zu fühlen.

Liebe gegen vermeintliches Wohlverhalten

Viele Jungen lernen früh eine unausgesprochene Botschaft:

Ich werde anerkannt und geliebt, wenn ich stark, unabhängig und erfolgreich bin.

Viele Mädchen lernen eine andere:

Ich werde anerkannt und geliebt, wenn ich schön, angenehm und fürsorglich bin und dafür sorge, dass es den anderen gut geht.

Beide Botschaften können Menschen über Jahrzehnte prägen.

Der Mann lernt, seine Bedürftigkeit zu verbergen. Die Frau lernt, ihre Bedürfnisse zurückzustellen. Der Mann sucht eine Partnerin, die ihm emotionalen Halt gibt, den er sich selbst kaum zugestehen kann. Die Frau sucht möglicherweise einen Mann, der Sicherheit und Stärke verkörpert, weil ihr selbst beigebracht wurde, diese Eigenschaften nicht vollständig zu beanspruchen.

So entstehen Beziehungen, in denen sich Menschen scheinbar ergänzen, tatsächlich aber wechselseitig jene Teile übernehmen sollen, die der andere nicht leben darf.

Der Mann soll die Welt bewältigen. Die Frau soll seine emotionale Welt regulieren.

Die Frau soll für Harmonie sorgen. Der Mann soll Entscheidungen treffen.

Beide verlieren dabei Freiheit.

Was wollen Frauen?

Schon die Frage ist problematisch. Denn Frauen sind keine einheitliche Gruppe mit einer gemeinsamen Wunschliste.

Dass aber vor allem junge Männer mehr Wert auf ihr Äußeres legen und versuchen, Muskeln aufzubauen, zu „pumpen“, bedeutet für viele Frauen auch eine Art von Genugtuung.

Denn meist mussten nur sie bisher viel Zeit und Geld aufwenden, um einem in der Gesellschaft verbreitetem, meist männergerechten Schönheitsideal zu entsprechen.

Kräftige Muskeln zu haben, ist ja nichts Verwerfliches. Für ein längeres, gesundes Leben sind sie sogar überlebenswichtig (solange sie natürliche Weise und nicht mit Präparaten aufgebaut werden)

Manche mögen muskulöse Männer, andere nicht. Manche wünschen sich traditionelle Rollen, andere lehnen sie ab. Manche suchen Abenteuer, andere Verlässlichkeit. Manche wollen Kinder, andere nicht.

Dasselbe gilt für Männer. Manche stehen auf große Brüste, andere nicht. Manche sehen sich nach dem Ideal einer Familie, andere haben Bindungsängste.

Die vielleicht einfacher zu beantwortende Frage wäre:

Was wollen Frauen nicht?

  • dominiert werden
  • in ihrer Freiheit eingeschränkt werden
  • kontrolliert werden
  • Gewalt gegen sie oder die Kinder erleben müssen

Genau dasselbe, was auch kein Mann will.

Trotzdem gibt es Bedürfnisse, die viele Menschen in Beziehungen teilen: Anerkennung, Wertschätzung, Sicherheit, Verlässlichkeit, sexuelle Anziehung, Eigenständigkeit, Respekt und emotionale Verbundenheit.

Wann ist Stärke attraktiv?

Körperliche oder soziale Stärke kann attraktiv sein. Aber sie wird nicht durch Kontrolle attraktiv. Sie wird attraktiv, wenn sie mit Selbstbeherrschung, Kompetenz und Fürsorge verbunden ist.

Ein starker Mann muss nicht aggressiv sein. Er muss niemanden kleinhalten, um selbst groß zu wirken.

Er kann körperlich leistungsfähig sein und gleichzeitig empfindsam. Er kann Verantwortung übernehmen, ohne über andere zu verfügen. Er kann Schutz anbieten, ohne Besitzansprüche zu entwickeln. Er kann seiner Partnerin den Rücken stärken, ohne ihr vorzuschreiben, wohin sie gehen soll.

Stärke bedeutet dann:

Bleib handlungsfähig. Kümmere dich. Steh für andere ein. Aber respektiere ihre Freiheit.

Durchsetzungsfähigkeit ohne Dominanz

Durchsetzungsfähigkeit wird häufig als männliche Eigenschaft bezeichnet. Doch was bedeutet sie eigentlich?

Bedeutet sie, andere dazu bringen zu können, das zu tun, was ich will?

Wenn ich dafür körperliche Überlegenheit, Lautstärke, Status oder Angst einsetze, ist das keine bewundernswerte Durchsetzungsfähigkeit. Es ist Dominanz.

Dominanz kann kurzfristig wirksam sein. Wer Angst hat, gehorcht möglicherweise. Doch Angst erzeugt zugleich Widerstand, Misstrauen und den Wunsch, sich zu entziehen oder zurückzuschlagen.

Nachhaltige Durchsetzungsfähigkeit funktioniert anders.

Sie besteht darin, eine Position klar zu formulieren, Argumente vorzubringen, Widerspruch auszuhalten und Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Sie erkennt gleichzeitig an, dass andere Menschen einen eigenen Willen besitzen.

Überzeugen ist schwieriger als zwingen. Aber es respektiert den anderen als freien Menschen.

Das ist nicht weniger männlich. Es ist souveräner.

Haushalt, Kinder und die angeblich natürliche Arbeitsteilung

Noch immer werden bestimmte Tätigkeiten einem Geschlecht zugerechnet, obwohl dafür kaum eine biologische Begründung existiert.

Männer können kochen. Die große Zahl männlicher Köche beweist es täglich. Männer können Wäsche waschen, Wohnungen reinigen und Kinder versorgen. Sie können Flaschen geben, Windeln wechseln, trösten, vorlesen und Kinderwagen schieben.

Dass manche Männer diese Aufgaben als unmännlich empfinden, liegt nicht an ihren Körpern. Es liegt an der Bewertung der Tätigkeit

Grillen gilt eher als männlich, Kochen im Familienalltag eher als weiblich. Eine Bohrmaschine zu bedienen, wird als männliche Haushaltsleistung anerkannt. Regelmäßig das Badezimmer zu reinigen, besitzt offenbar weniger symbolischen Wert.

Das zeigt, wie willkürlich viele Zuschreibungen sind.

Die Verteilung unbezahlter Arbeit ist dabei keine Nebensache. Nach dem OECD-Bericht von 2025 leisten Frauen in den untersuchten Ländern durchschnittlich fast doppelt so viel unbezahlte Arbeit wie Männer. Diese ungleiche Verteilung beeinflusst ihre Erwerbszeit, Karrierechancen, Einkommen und spätere Altersversorgung.

Eine gerechte Arbeitsteilung verlangt nicht, dass jedes Paar jede einzelne Tätigkeit exakt halbiert. Menschen können unterschiedliche Fähigkeiten, Vorlieben und zeitliche Möglichkeiten haben.

Entscheidend ist, dass Aufgaben nicht allein aufgrund des Geschlechts zugewiesen werden und dass beide Partner die wirtschaftlichen und persönlichen Folgen ihrer Aufteilung berücksichtigen.

Ein traditionelles Familienmodell kann freiwillig gewählt werden. Es wird problematisch, wenn es als einzige natürliche Ordnung gilt oder eine Person dadurch dauerhaft abhängig und rechtlos wird.

Das Ende männlicher Privilegien ist nicht das Ende des Mannes

Ein Teil der heutigen Manosphere erzählt Männern, Gleichberechtigung sei ein Verlustgeschäft.

Frauen erhielten mehr Macht, also müssten Männer Macht verlieren. Frauen würden unabhängiger, also würden Männer überflüssig. Männer dürften nicht mehr stark, erfolgreich oder sexuell selbstbewusst sein.

Diese Erzählung beruht auf einem Nullsummendenken: Was die eine Seite gewinnt, müsse die andere verlieren.

Doch warum sollte Freiheit so funktionieren?

Ein Mann wird nicht kleiner, weil eine Frau selbstständig ist. Seine Leistung wird nicht wertlos, weil eine Frau ebenfalls erfolgreich sein kann. Seine Männlichkeit verschwindet nicht, weil er ein Kind versorgt, Gefühle zeigt oder im Haushalt Verantwortung übernimmt.

Tatsächlich können Männer durch gleichberechtigtere Verhältnisse viel gewinnen:

  • Sie müssen nicht mehr allein für das Familieneinkommen verantwortlich sein.
  • Sie dürfen engere Beziehungen zu ihren Kindern aufbauen.
  • Sie dürfen Berufe und Lebensmodelle wählen, die nicht dem klassischen Ernährerbild entsprechen.
  • Sie dürfen Hilfe benötigen.
  • Sie dürfen fürsorglich sein.
  • Sie dürfen verletzt, unsicher oder traurig sein, ohne deshalb als gescheitert zu gelten.

Das Ende männlicher Vorrechte ist deshalb nicht das Ende des Mannes.

Es ist die Chance, Männlichkeit von der Vorstellung zu befreien, ein Mann müsse herrschen, um etwas wert zu sein.

Was könnte gute Männlichkeit bedeuten?

Ich möchte meine körperliche Kraft nicht ablegen. Ich möchte nicht weniger entschlossen, handlungsfähig oder mutig sein.

Ich möchte aber selbst darüber entscheiden, wofür ich diese Fähigkeiten einsetze.

Gute Männlichkeit könnte bedeuten, die eigene Kraft zu kennen, ohne sich über andere zu erheben.

  • Sie könnte bedeuten, Verantwortung zu übernehmen, ohne alles kontrollieren zu wollen.
  • Sie könnte bedeuten, für Menschen einzustehen, ohne sie als Eigentum zu betrachten.
  • Sie könnte bedeuten, Konflikte auszuhalten, ohne zu demütigen.
  • Sie könnte bedeuten, die eigenen Grenzen zu kennen und die Grenzen anderer zu respektieren.
  • Sie könnte bedeuten, sich selbst schützen zu können und trotzdem Hilfe anzunehmen.
  • Sie könnte bedeuten, die eigene Wut zu verstehen, statt sie gegen Schwächere zu richten.
  • Sie könnte bedeuten, Vater, Partner, Freund, Kollege oder Führungskraft zu sein, ohne die eigene Würde aus der Unterordnung anderer zu beziehen.

Selbstbewusstsein bedeutet dabei nicht, sich für überlegen zu halten.

Es bedeutet, sich selbst zu kennen. Zu wissen, was man kann und was nicht. Die eigenen Stärken ebenso anzuerkennen wie die eigenen Schwächen. Nicht jede Kritik als Angriff auf die eigene Identität zu erleben. Fehler eingestehen und sich entschuldigen zu können.

Ein stabiles Selbstbewusstsein benötigt keine Erniedrigung anderer.

Was ist weiblich und was ist männlich?

Vielleicht ist diese Frage weniger wichtig, als wir lange glaubten.

Mut kann männlich wirken. Aber Frauen sind ebenso mutig.

Fürsorge kann weiblich wirken. Aber Männer können genauso fürsorglich sein.

Durchsetzungsfähigkeit, Vernunft, Empathie, Kreativität, Belastbarkeit, Selbstbeherrschung und moralische Stärke haben kein Geschlecht.

Menschen können diese Fähigkeiten unterschiedlich stark besitzen. Vielleicht gibt es bei einigen Eigenschaften statistische Tendenzen. Aber keine dieser Tendenzen darf zu einem Gefängnis werden.

Ein Mann muss nicht beweisen, dass er keine weiblich genannten Eigenschaften besitzt. Eine Frau muss nicht männliche Verhaltensweisen kopieren, um ernst genommen zu werden.

Nichtbinäre, trans und intergeschlechtliche Menschen sollten sich nicht erst in eine der beiden traditionellen Schubladen einordnen müssen, um respektiert zu werden.

Übrigens bezeichnet sich laut Umfragen von Statista nahezu jeder dritte Mensch in Deutschland als nicht heterosexuell.

Auch im Tierreich ist gleichgeschlechtliches Sexualverhalten weit verbreitet. Es wurde bei über 1.500 Tierarten (wie Pinguinen, Löwen, Delfinen und Affen) wissenschaftlich dokumentiert.

Und nur am Rande: Auch 10 % aller Schafe sind schwul.

Gleichberechtigung verlangt nicht, dass alle Menschen gleich aussehen, gleich fühlen oder gleich leben.

Sie verlangt, dass Unterschiede nicht über den Wert, die Rechte und die Möglichkeiten eines Menschen entscheiden.

Was ist also menschlich?

  • Menschlich ist, stark und verletzlich sein zu können.
  • Menschlich ist, vernünftig zu denken und emotional zu reagieren.
  • Menschlich ist, Schutz zu benötigen und Schutz geben zu können.
  • Menschlich ist, sich durchzusetzen und Kompromisse einzugehen.
  • Menschlich ist, zu begehren und dennoch die Freiheit des anderen zu respektieren.
  • Menschlich ist, Fehler zu machen und Verantwortung dafür zu übernehmen.
  • Menschlich ist, Angst zu haben und trotzdem mutig zu handeln.
  • Menschlich ist, auf Hilfe angewiesen zu sein.

Vielleicht besteht Reife nicht darin, eine perfekte männliche oder weibliche Rolle zu erfüllen. Vielleicht besteht sie darin, Zugang zu möglichst vielen dieser menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln.

Eine gemeinsame Zukunft

Eine bessere Gesellschaft entsteht nicht dadurch, dass Männer weiblicher oder Frauen männlicher werden. Sie entsteht auch nicht dadurch, dass wir alle Unterschiede leugnen.

Sie entsteht, wenn jeder Mensch seine Fähigkeiten entwickeln darf, ohne durch Geschlechterrollen begrenzt zu werden.

In einer solchen Gesellschaft wäre Stärke kein Herrschaftsanspruch. Sie würde dem Schutz, der Verantwortung und der Handlungsfähigkeit dienen.

Fürsorge wäre keine selbstverständliche Pflicht der Frauen. Sie wäre eine gemeinsame gesellschaftliche Leistung.

Führung würde weder automatisch mit Dominanz noch mit einem bestimmten Geschlecht verbunden. Gute Führung könnte entscheiden und zuhören, Orientierung geben und Fehler eingestehen, Leistung verlangen und Überlastung wahrnehmen.

Partnerschaften würden nicht durch überlieferte Rollen festgelegt, sondern von den Beteiligten ausgehandelt. Menschen könnten traditionelle oder vollkommen andere Modelle wählen. Entscheidend wären Freiwilligkeit, gegenseitiger Respekt und echte wirtschaftliche und persönliche Wahlmöglichkeiten.

Jungen müssten nicht lernen, dass ihre Würde von Härte, Erfolg und sexueller Anerkennung abhängt. Mädchen müssten nicht lernen, dass sie nur liebenswert sind, wenn sie schön, angepasst und für das Wohlergehen anderer verantwortlich sind.

Kinder könnten lernen, Gefühle auszudrücken, Grenzen zu setzen, Verantwortung zu übernehmen, Konflikte auszuhalten, Hilfe anzunehmen und andere Menschen zu respektieren.

Eine solche Gesellschaft würde reale Probleme von Frauen, Männern und Menschen jenseits dieser Einteilung anerkennen, ohne sie gegeneinander aufzurechnen.

  • Sie würde Gewalt gegen Frauen bekämpfen, ohne Männer pauschal zu Tätern zu erklären.
  • Sie würde psychische Krisen, Einsamkeit und gesundheitliche Probleme von Männern ernst nehmen, ohne Frauen dafür verantwortlich zu machen.
  • Sie würde geschlechtliche Vielfalt anerkennen, ohne Menschen auf Etiketten zu reduzieren.
  • Sie würde verstehen, dass Gleichberechtigung kein Geschlechterkrieg ist, sondern ein gemeinsames Befreiungsprojekt.

Stärke ohne Herrschaft

Vielleicht besteht die entscheidende Frage deshalb nicht darin, was Männer und Frauen von Natur aus sind.

Die wichtigere Frage lautet: Was machen wir aus unseren Voraussetzungen?

  • Körperliche Kraft kann unterwerfen oder schützen.
  • Vernunft kann Herrschaft rechtfertigen oder sie begrenzen.
  • Empfindsamkeit kann lähmen oder Menschen miteinander verbinden.
  • Mut kann in einen Krieg führen oder dazu befähigen, sich der eigenen Angst und Verletzlichkeit zu stellen.

Keine dieser Möglichkeiten gehört allein Männern oder Frauen. Sie sind menschlich.

Eine gerechte Zukunft verlangt nicht, dass wir alle gleich werden. Sie verlangt, dass niemand aus einem Unterschied das Recht ableitet, über andere zu herrschen.

Männer müssen dafür nicht auf Stärke verzichten. Frauen müssen ihre Fürsorglichkeit nicht ablegen. Menschen jenseits dieser Kategorien müssen sich nicht für eine Seite entscheiden.

Wir müssen lediglich aufhören, einzelne Fähigkeiten zum Eigentum eines Geschlechts zu erklären.

  • Dann wird aus Stärke Schutz statt Dominanz.
  • Aus Selbstbewusstsein wird Verantwortung statt Überheblichkeit.
  • Aus Empfindsamkeit wird Verbindung statt vermeintlicher Schwäche.
  • Und aus Verschiedenheit wird Zusammenarbeit statt Hierarchie.
  • Das wäre kein Sieg der Frauen über die Männer.

Es wäre ein Gewinn für uns alle.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Was ist der Kolonialstil? Ist er noch zeitgemäß?

4.88/5 (16)
(Lesezeit nur 8 Min. 😉 )

Dunkles Holz, helle Leinenstoffe, Rattan, Leder, alte Reisekoffer und Deckenventilatoren, die träge die heiße Luft bewegen … Der sogenannte Kolonialstil besitzt eine unverwechselbare Ästhetik. Historische Hotels, Bücher von Hemingway und Filme wie Out of Africa, Casablanca oder Indiana Jones haben daraus ein Bild voller Fernweh, Abenteuer und Eleganz gemacht.

Derzeit feiert er als “Colonial Chic” ein Comeback. Er wird heute jedoch deutlich reduzierter und zeitgemäßer kombiniert als das historische Original.

Mit Leopardendecke bezogenes Bett vor einem Schrank, links ein helles fenster, oben ein Ventilator
Ein Hauch von Fernweh bringt der Kolonialstil mit sich ... © Siegbert Mattheis
Mit Steinsäulen umfasster Patio, mit Holzgeländer
Viel Holz kennzeichnet den Kolonialstil, hier portugiesisch geprägt in der Villa de l'O in Essaouira © Siegbert Mattheis

Doch der Kolonialstil ist nicht vergleichbar mit anderen Architekturstilen. Denn diese Ästhetik entstand nicht in einem geschichtslosen Raum. Hinter prächtigen Villen, kostbaren Möbeln und Waren aus Übersee standen koloniale Herrschaft, wirtschaftliche Ausbeutung, Zwangsarbeit und Sklaverei.

Dessen sollten wir uns bei aller “Exotik” bewusst sein.

Luftaufnahme eines großen Hauses mit rotem Dach, grünem Rasen, Palmen und umliegenden Gärten.
Villa aus der Kolonialzeit (heute ein Rum Museum, Martinique) © Siegbert Mattheis

Was ist der Kolonialstil?

Als Kolonialstil werden Bauwerke, Innenräume und Möbel bezeichnet, die während der europäischen Kolonialherrschaft in Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien entstanden. Europäische Architekturstile und Wohnvorstellungen wurden dabei an das Klima, die verfügbaren Materialien und die handwerklichen Traditionen der jeweiligen Regionen angepasst.

So trafen etwa Barock, Klassizismus oder viktorianische Gestaltung auf tropische Hölzer, Rattan, Bambus, lokale Textilien und regionale Bautechniken. Große Veranden spendeten Schatten, hohe Decken mit Ventilatoren verbesserten die Luftzirkulation und Jalousien mit Lamellen schützten vor Sonne und Hitze.

Mehr zur Geschichte des Kolonialismus

Braune Holzdielen, Bett, beige Wände, weiße Holzdecken mit Ventilator
Grobe Holzdielen, Schild und Waffen an der Wand © Siegbert Mattheis
Holztür mit alten Beschlägen
Oben noch originale Beschläge, unten stilgerecht erneuert © Siegbert Mattheis

Einen einheitlichen Kolonialstil gab es allerdings nie. Spanische Kolonialarchitektur in Mexiko unterschied sich deutlich von britischen Bungalows in Indien, niederländischen Häusern in Indonesien oder französisch geprägten Villen in den französischen Kolonien wie Guadeloupe oder Martinique.

Zimmer mit Ventilator, Bett und Koffer davor
Lederkoffer am Bett, Leinenvorhänge © Siegbert Mattheis
Klappstuhl an einem schmalen Regal auf dunklem Holzboden
Klappstuhl aus Bambus und Leder © Siegbert Mattheis
Eine Holzveranda mit dekorativem Geländer und einem üppig grünen Garten davor, unter strahlend blauem Himmel.
Veranda einer Villa aus der Kolonialzeit © Siegbert Mattheis

Woran erkennt man Möbel im Kolonialstil?

Typische Kolonialmöbel wirken massiv, dunkel und repräsentativ. Häufig orientieren sie sich an europäischen Möbeltypen des 18. und 19. Jahrhunderts.

Dazu gehören:

  • große Schreibtische und Sekretäre
  • massive Esstische
  • Kommoden und Vitrinen
  • Himmelbetten
  • Truhen und Reisekoffer
  • lederbezogene Sessel
  • Rattan- und Korbstühle
  • Beistelltische mit gedrechselten Beinen
  • Schränke mit Schnitzereien oder Lamellentüren
  • Mosaiktische

Viele Möbel, die heute als Kolonialmöbel verkauft werden, sind allerdings keine historischen Stücke. Es handelt sich meistens um moderne Nachbildungen, die dunkles Holz und traditionelle Formen miteinander kombinieren.

Ledersessel mit Kissen in Raubtieroptik in einer Ecke
Ledersessel mit Kissen in Raubtieroptik © Siegbert Mattheis
Rote Samtvorhänge an hohem Fenster
Opulenz durch schwere Samtvorhänge © Siegbert Mattheis
Freistehende alte Kupferbadewanne und Messingarmaturen
Freistehende Kupferbadewanne und Messingarmaturen © Siegbert Mattheis

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Welche Materialien sind typisch?

Besonders charakteristisch sind dunkle oder dunkel gebeizte Hölzer wie Mahagoni, Teak, Palisander, Ebenholz, Sheesham, Mango und Akazie.

Hinzu kommen:

  • Rattan und Bambus
  • Leder
  • Leinen und Baumwolle
  • Sisal und Kokosfasern
  • Messing und Kupfer
  • Keramik und Stein
  • geflochtene Matten und Körbe

Viele dieser Materialien wurden in ihren Herkunftsregionen schon lange vor der Kolonialzeit kunstvoll verarbeitet. In Afrika, Asien und Amerika bestanden hoch entwickelte Traditionen der Textilherstellung, Holzverarbeitung, Metallkunst, Keramik und Architektur.

Koloniale Einrichtungen übernahmen solche Materialien und Techniken, passten sie jedoch überwiegend europäischen Wohnvorstellungen an.

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Ventilator aus rotem Holz vor weißer Holzdecke
Ein Ventilator sollte nie fehlen © Siegbert Mattheis
Lampe aus Bronze mit farbigen Glassteinen, der von einer weißen Balkendecke herabhängt.
Kunstvoll gearbeitete Lampe © Siegbert Mattheis
Weltkugel mit arabischer Kalligraphie
Weltkugel mit arabischer Kalligraphie © Siegbert Mattheis
Mit Fell bezogener Lampenschirm neben einem Bett am Fenster mit Sonnenlicht
Lampenschirm auf Stativ © Siegbert Mattheis

Welche Farben passen zum Kolonialstil?

Die Farbwelt wird vor allem durch Naturmaterialien geprägt. Typisch sind:

  • Dunkelbraun
  • Cognac und Rotbraun
  • Beige und Sand
  • Creme und Weiß
  • Terrakotta
  • Oliv- und Dunkelgrün
  • Messing- und Kupfertöne

Der klassische Kontrast entsteht aus dunklem Holz und hellen Stoffen. In großen Räumen kann das elegant und ruhig wirken. Kleine Räume erscheinen mit zu vielen dunklen Möbeln dagegen schnell schwer und überladen.

Ein einzelner dunkler Schrank oder Ledersessel lässt sich aber auch in kleineren Räumen gut mit hellen Wänden, Leinen, schlichten Teppichen und modernen Leuchten kombinieren.

Afrikanische Masken an einer Wand
Masken auf einem Markt in Marokko © Siegbert Mattheis
Ledercouch und Lampe auf altem Holzstativ
Ledercouch und Lampe auf altem Holzstativ © Siegbert Mattheis
Zimmer mit dunklem Schrank und Bett mit weißen Bezügen
Dunkel gebeiztes Holz kombiniert mit weißer Baumwolle und opulentem Kronleuchter © Siegbert Mattheis

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Welcher andere Stil passt zum Kolonialstil?

Der Kolonialstil lässt sich hervorragend mit dem Industrial Style kombinieren. Mit Möbeln aus Metall oder Gusseisen, Dielen, Betten oder Möbel aus grobem Holz. Rostige Industrierohre oder offene Stahlträger vor einer Backsteinwandkulisse lassen sich hervorragend mit wuchtigen, dunklen Ledermöbeln kombinieren.

Der Stil braucht allerdings weite, große Räume, um optimal zu wirken. Andererseits könnt ihr euch auch in kleineren Räumen eine Ecke im Kolonialstil einrichten. Zum Beispiel mit einem Einzelstück wie einem bequemen Ledersessel, umrahmt von Masken oder einem Spiegel mit einem reich verziertem, dunklen Holzrahmen an der Wand.

Antiker Toilettenpapierständer aus Messing
Antiker Toilettenpapierständer aus Messing © Siegbert Mattheis
Ständer mit Kleiderbügel, Seifenschale und Handtuchhalter aus Messing
Ein sog. "Butler" aus Messing © Siegbert Mattheis
Patio mit altem Fernrohr und Holzstühlen
Accessoires wie ein altes Fernrohr passen gut © Siegbert Mattheis
Große Truhe aus Sisalfasern und Leder
Truhe aus Sisalfasern und Leder © Siegbert Mattheis
Mit Holz verkleidete halbrunde Badewanne in einer Ecke vor grünlich-cremiger Wand
Badewanne mit Vintage Armaturen, die Wände aus Tadelakt © Siegbert Mattheis

Weitere Fragen und Tipps zum Kolonialstil

Seine Anfänge liegen in der europäischen Expansion seit dem 15. Jahrhundert. Portugal und Spanien errichteten zunächst Handelsstützpunkte und Kolonien in Afrika, Asien und Amerika. Später folgten unter anderem die Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Belgien und das Deutsche Reich.

Siehe auch die europäische Kolonialgeschichte, kurz erklärt

Der Kolonialstil entwickelte sich nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er entstand über mehrere Jahrhunderte in sehr unterschiedlichen Regionen. Besonders prägend für das heutige Bild waren das 18. und 19. Jahrhundert sowie die Epoche des europäischen Hochimperialismus um 1900.

In dieser Zeit ließen Kolonialbeamte, Militärs, Händler und Plantagenbesitzer Häuser errichten, die europäischen Komfort mit regionalen Materialien und klimatischen Anpassungen verbanden.

Kolonialismus bezeichnet die politische und wirtschaftliche Beherrschung anderer Gebiete und ihrer Bevölkerung. Europäische Mächte eroberten Land, kontrollierten Handelswege, eigneten sich Rohstoffe an und zwangen Menschen, für ihre Interessen zu arbeiten.

Die repräsentativen Häuser und Einrichtungen der Kolonialherren waren Teil dieses Systems. Sie demonstrierten Wohlstand und gesellschaftliche Macht. Dieser Wohlstand beruhte vielfach auf der Kontrolle über Land, Rohstoffe und die Arbeitskraft der einheimischen Bevölkerung.

Der Kolonialstil ist deshalb nicht einfach das Ergebnis eines gleichberechtigten kulturellen Austauschs. Er entstand unter Bedingungen, in denen europäische Interessen und Lebensweisen dominierten.

Sklaverei existierte bereits lange vor dem europäischen Kolonialismus und auch außerhalb Europas. Der von europäischen Mächten organisierte transatlantische Sklavenhandel erreichte jedoch eine bis dahin beispiellose geografische und wirtschaftliche Dimension.

Wie ist Rassismus eigentlich entstanden? Und warum?

Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner wurden verschleppt, über den Atlantik transportiert und auf Plantagen, in Bergwerken, in Werkstätten und Haushalten zur Arbeit gezwungen. Menschen und häufig auch ihre Nachkommen wurden rechtlich zu Eigentum erklärt.

Ihre Arbeit produzierte Zucker, Baumwolle, Tabak, Kaffee und andere Waren, die in Europa hohe Gewinne ermöglichten. Davon profitierten nicht nur Plantagenbesitzer, sondern auch Handelsgesellschaften, Banken, Versicherungen, Reedereien, Hafenstädte und weiterverarbeitende Betriebe.

Nicht jedes Gebäude und jedes Möbelstück aus einer ehemaligen Kolonie wurde von versklavten Menschen hergestellt. Viele repräsentative Einrichtungen entstanden jedoch innerhalb kolonialer Wirtschaftsordnungen, die auf Entrechtung, Zwang und extremer Ungleichheit beruhten.

Ja, der Begriff ist historisch belastet. Das bedeutet nicht, dass er grundsätzlich nicht mehr verwendet werden darf. In einem erklärenden oder historischen Zusammenhang ist er weiterhin sinnvoll. Problematisch wird er, wenn er ausschließlich zum Beispiel in der Werbung als positives Verkaufsversprechen für Eleganz, Exotik und Weltläufigkeit eingesetzt wird.

Daher weichen manche auf Begriffe wie „Global Style“ oder ähnliches aus.

Präziser sind Begriffe, die tatsächlich beschreiben, was gemeint ist:

  • Einrichtung mit dunklem Naturholz und Leinen
  • tropisch inspirierter Wohnstil
  • Vintage-Reisestil
  • britischer oder französischer Vintage-Stil
  • mediterran-orientalische Einrichtung
  • Wohnen mit Rattan und Naturmaterialien

In klassischen Inszenierungen finden sich alte Landkarten, Globen, Fernrohre, Lederkoffer, Tropenhelme, Tiermuster, Jagdtrophäen sowie Masken und Skulpturen aus verschiedenen Weltregionen.

Bei einigen dekorativen Gegenständen sollten wir aber überlegen. Denn manche transportieren Vorstellungen von Eroberung, Großwildjagd oder der vermeintlichen Fremdartigkeit anderer Kulturen. Werden sie unkritisch zusammengestellt, kann aus einer Reiseästhetik schnell eine nostalgische Inszenierung kolonialer Macht werden.

Ein Globus oder ein alter Koffer ist nicht automatisch problematisch. Entscheidend sind Zusammenhang, Herkunft und Gesamtwirkung.

Afrika als “Wiege der Menschheit” umfasst mehr als 50 Staaten und eine enorme Zahl unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und künstlerischer Traditionen. Von daher ist der Ausdruck „afrikanische Maske“ sehr ungenau.

Siehe auch: Warum waren wir früher alle Schwarz?

Masken können zeremonielle, religiöse, politische oder gesellschaftliche Funktionen besitzen. Andere werden ausdrücklich als Kunst oder für den Verkauf hergestellt. Ob ihre Verwendung als Dekoration angemessen ist, hängt deshalb vom konkreten Objekt ab.

Wir selbst haben auch einige Masken und Figuren aus Afrika. Fast alle haben wir dort auf lokalen Märkten von einheimischen Künstler:innnen und Handwerker:innen gekauft.

Vor dem Kauf solltet ihr euch am besten erkundigen:

  • Aus welchem Land und welcher Region stammt die Maske?
  • Wer hat sie hergestellt?
  • Welche ursprüngliche Funktion hatte sie?
  • Wurde sie als Kunsthandwerk für den Verkauf gefertigt?
  • Wie und wann gelangte sie nach Europa?
  • Ist ihre Herkunft nachvollziehbar?
  • Erhalten die Künstlerinnen und Künstler eine faire Vergütung?

Denn während der Kolonialzeit wurden zahlreiche Kulturgüter geraubt, unter Zwang abgegeben oder unter ungleichen Bedingungen erworben. Nicht jedes historische Objekt aus Afrika, Asien oder Ozeanien ist automatisch Raubgut. Eine ungeklärte Herkunft sollte aber skeptisch machen.

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste⁠ weist darauf hin, dass koloniale Kontexte sowohl die damaligen Erwerbungsumstände als auch bis heute fortwirkende Strukturen und Denkmuster umfassen.

Nicht jede Übernahme eines Materials, Musters oder Gegenstands aus einer anderen Kultur ist kulturelle Aneignung. Kulturen beeinflussen sich seit Jahrtausenden gegenseitig. Ohne diesen Austausch gäbe es viele unserer Gerichte, Sprachen, Musikrichtungen oder Wohnformen nicht.

Kritisch wird die Übernahme, wenn ein Gegenstand aus seinem kulturellen oder religiösen Zusammenhang gelöst und auf einen dekorativen Effekt reduziert wird. Besonders problematisch ist es, wenn seine Herkunft verschwiegen, seine Bedeutung verfälscht oder mit ihm Geld verdient wird, ohne die Urheber oder Herkunftsgemeinschaften zu beteiligen.

Der Unterschied zwischen respektvollem Austausch und Aneignung liegt daher eher im Umgang damit:

  • Wird die genaue Herkunft genannt?
  • Wird die Bedeutung respektiert?
  • Werden Urheberinnen und Urheber sichtbar gemacht?
  • Erfolgt der Handel fair?
  • Wird eine Kultur differenziert dargestellt oder bloß als „exotisch“ inszeniert?

Dunkle Möbel, Rattan, Leder oder Leinen sind für sich genommen nicht kolonial. Niemand muss einen geerbten Schrank oder einen alten Ledersessel entsorgen, weil das Stück optisch dem Kolonialstil entspricht.

Entscheidend ist, welche Geschichte die gesamte Einrichtung erzählt. Eine nostalgische Inszenierung aus Tropenhelm, Gewehr, Großwildtrophäen und anonymen Kultobjekten wirkt anders als ein Raum mit einem dunklen Vintage-Schrank, handgefertigten Körben und zeitgenössischer Kunst, deren Herkunft bekannt ist.

Man kann also einzelne Gestaltungselemente übernehmen, ohne Kolonialherrschaft zu romantisieren.

Setzt auf konkrete Herkunft statt auf „Exotik“

„Afrikanisch“, „asiatisch“ oder „orientalisch“ sind für die Beschreibung eines Gegenstands meist viel zu ungenau. Ein Berberteppich aus Marokko, mexikanische Keramik und ein senegalesischer Korb stammen aus völlig verschiedenen Traditionen.

Je genauer ihr Herkunft, Material und Herstellung kennt, desto interessanter wird ein Objekt ohnehin.

Kauft direkt und fair

Bevorzugt zeitgenössisches Kunsthandwerk mit Angaben zu den Menschen oder Werkstätten, die es hergestellt haben. Ein höherer Preis ist nicht automatisch ein Beleg für faire Produktion. Transparente Informationen über Herkunft und Vergütung sind aussagekräftiger als Begriffe wie „authentisch“ oder „Ethno“.

Nutzt vorhandene Möbel weiter

Ein gut erhaltenes Vintage-Möbelstück weiterzuverwenden, ist häufig sinnvoller, als eine neue historisierende Nachbildung zu kaufen. Alte Möbel lassen sich zudem mit hellen Stoffen, modernen Leuchten und zeitgenössischer Kunst neu interpretieren.

Achtet auf die Herkunft des Holzes

Gerade bei Tropenhölzern sollte die Lieferkette nachvollziehbar sein. Das FSC-Siegel bietet eine Orientierung für Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern. Nach Angaben von FSC Deutschland⁠ sind auch zahlreiche Möbel mit entsprechender Zertifizierung erhältlich.

Alternativen sind recyceltes Holz oder heimische Holzarten. Dunkel gebeizte Eiche, Buche oder Nussbaum können eine ähnliche Wirkung erzielen.

Verzichtet auf echte exotische Tierfelle

Tiermuster lassen sich mit Textilien oder Imitaten aufgreifen. Bei echten Fellen können Artenschutzbestimmungen greifen. Unabhängig von der Rechtslage wirken Jagdtrophäen und Felle bedrohter Tierarten heute kaum noch wie ein Ausdruck von Weltläufigkeit.

Mischt Kulturen nicht wahllos

Eine Buddhafigur, eine westafrikanische Maske, ein mexikanischer Totenkopf und ein marokkanischer Teppich ergeben nicht automatisch einen kosmopolitischen Wohnstil. Ohne erkennbaren Zusammenhang werden unterschiedliche Kulturen schnell zu einer allgemeinen Kulisse des „Fremden“.

Stimmiger ist es, einzelne Objekte bewusst auszuwählen und ihre Geschichte zu kennen.

Als unbeschwert romantisierter „Abenteuerstil“ ist er nicht mehr zeitgemäß. Zu gut sind die Gewalt, Ausbeutung und rassistischen Vorstellungen dokumentiert, die mit der europäischen Kolonialherrschaft verbunden waren.

Seine einzelnen Gestaltungselemente können dagegen weiterhin reizvoll sein. Dunkles Holz, Rattan, Leinen und handwerklich gefertigte Gegenstände gehören keiner Kolonialmacht. Sie erhalten ihre Bedeutung durch Herkunft, Verwendung und den Zusammenhang, in den wir sie stellen.

Ein zeitgemäßer Umgang bedeutet daher nicht, alles Historische aus unseren Wohnungen zu verbannen, sonder einfach genauer hinzusehen.

Kann man also Ästhetik und Geschichte zusammendenken?

Der sogenannte Kolonialstil wirkt elegant, warm und weltläufig. Gleichzeitig trägt sein Name die Geschichte eines Herrschaftssystems, das auf Eroberung, Ungleichheit und wirtschaftlicher Ausbeutung beruhte.

Beides darf nicht voneinander getrennt werden. Wir können Formen und Materialien schön finden und trotzdem fragen, woher sie stammen, wer sie geschaffen hat und welche Geschichten bislang nicht erzählt wurden.

Wer bewusst auswählt, faire Herstellung unterstützt, kulturelle Gegenstände respektvoll behandelt und koloniale Symbolik nicht romantisiert, muss auf atmosphärisches Wohnen nicht verzichten. Die Einrichtung verliert dadurch nichts. Sie gewinnt an Haltung, Individualität und echter Weltläufigkeit.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Wie man mit warmem Licht ein mediterranes Wohngefühl zaubert

5/5 (3)
(Lesezeit nur 2 Min. 😉 )

Das mediterrane Lebensgefühl steht nicht nur für Leichtigkeit und Wärme, sondern auch für eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Jeder, der im Süden Europas in Urlaub war, will natürlich diese besondere Stimmung in die eigenen vier Wände holen.

Erdige Farben wie auch natürliche Materialien wie Terrakotta oder Holz sowie rustikale Möbel gehören dabei zum Pflichtprogramm, um die Urlaubsstimmung einzufangen. Doch das ist nicht alles. Denn gerade das Lichtkonzept wird dabei meist unterschätzt. Erst durch die richtige Beleuchtung erwachen die warmen Farbtöne auch zum Leben. Licht im mediterranen Stil imitiert das sanfte und goldene Licht der Abendsonne an der Küste und kann dabei eine sehr einladende Atmosphäre schaffen, die zum einen Ruhe und zum anderen auch Geborgenheit und die so ersehnte Urlaubsstimmung ausstrahlt.

Nachts beleuchtet eine Straßenlaterne ein altes Gebäude und taucht die mit Fensterläden verschlossenen Fenster und Ladenfronten in warmes Licht.
Straßenbeleuchtung im Süden mit warmem Licht © Siegbert Mattheis

Die Magie der Farbtemperatur

Der Süden hat ein ganz besonderes Licht. Um diese charakteristische Wärme einzufangen, ist die Farbtemperatur der Leuchtmittel entscheidend. Gemessen wird die Farbtemperatur dabei in Kelvin. Für ein authentisches südländisches Ambiente werden ausschließlich Werte im stark warmweißen Bereich genutzt. Das bedeutet, dass Leuchtmittel mit einer Farbtemperatur von 2.200 bis maximal 2.700 Kelvin perfekt sind, da sie einen hohen Rot- und Gelbanteil besitzen und so das südländische Flair auf besondere Weise wiedergeben.

Auf der Suche nach den passenden Leuchtmitteln bietet der Onlineshop gluehbirne.de eine umfassende Auswahl. Dabei harmoniert das weiche Licht vor allem mit Wänden in Ocker, Terracotta oder auch warmen Sandtönen und bringt diese äußerst gut zur Geltung. Zudem betont es die Texturen der Oberflächen und sorgt zudem dafür, dass die harten Kontraste und Schatten, die meist durch tageslichtweiße Lampen entstehen, vermieden werden können.

Zwei brennende Lampen mit beigen Lampenschirmen erhellen einen gemütlichen, sanft beleuchteten Raum mit neutraler Einrichtung.
Indirekte Beleuchtung schafft eine einladende Atmosphäre © Siegbert Mattheis

Indirekte Beleuchtung und die perfekte Platzierung im Raum

In einem typischen mediterranen Raum verzichtet man weitgehend auf eine dominierende Deckenlampe, die den Raum in der Regel kalt und flach ausleuchtet. Stattdessen setzt man auf ein Konzept, das eine Vielzahl an dezenten Lichtinseln bietet, und kann so gezielt den Einsatz von indirekter Beleuchtung nutzen.

Wandleuchten geben beispielsweise ihr Licht nach oben und unten ab und sind daher perfekt, um Natur- oder Strukturputzwände optimal auszuleuchten. Tischleuchten mit Schirmen aus Leinen, Rattangeflecht oder mundgeblasenem Glas verteilen das Licht diffus im Raum und schaffen so viele gemütliche Ecken, die zum Verweilen einladen. Doch auch Stehlampen können dazu beitragen, die Tiefe des Zimmers optimal zu nutzen.

Eine rustikale Wandleuchte aus Metall in Form einer Trophäe, die vor einer beigen Wand ein warmes Licht ausstrahlt.
Wandleuchte in einer Villa in der Toskana © Siegbert Mattheis

Materialien, Akzente und die Verwendung im Außenbereich

Die Wirkung des Lichts wird aber auch maßgeblich durch die Materialien der Leuchtkörper und der Lampenschirme unterstützt. Neben rustikalem Schmiedeeisen, mattem Messing oder auch antiker Bronze eignen sich aber auch Naturmaterialien wie Ton, Korbgeflecht und Holz. Diese harmonieren perfekt mit warmweißen Lichtfarben. Darüber hinaus sollte der Fokus so und so auf einer flexiblen Beleuchtung liegen, die beispielsweise dimmbar ist. Dimmbares Licht kann je nach Tageszeit und Stimmung flexibel angepasst werden und kann im Indoor- wie auch im Outdoorbereich eingesetzt werden. Dabei ist es gleich, ob Wandlampen oder Lichterketten, Stehlampen oder Bodenstrahler für das Olivenbäumchen verwendet werden. Die Kombination aus warmem Licht und natürlichen Materialien holt die Urlaubsstimmung und die südländische Gelassenheit in die eigenen vier Wände, wie auch in den Außenbereich und sorgt das ganze Jahr für ein mediterranes Ambiente.

Mediterranes Lebensgefühl beginnt schon am Flughafen: Entspannt in den Süden reisen

4.67/5 (3)
(Lesezeit nur 2 Min. 😉 )

Sonne, Meer, Zitrusduft und lange Abende auf der Terrasse. Der Süden Europas verspricht ein Lebensgefühl, das viele Reisende schon Wochen vor dem Abflug spüren. Doch zwischen dem Kofferpacken zu Hause und dem ersten Espresso am Hafen liegt eine Etappe, die oft unterschätzt wird: der Flughafen. Wer diesen Teil der Reise bewusst plant, kommt entspannter am Ziel an und startet den Urlaub nicht mit Hektik, sondern mit Vorfreude.

Ein Flugzeug der Air France, das an einem Flugsteig geparkt ist, im Hintergrund das Terminalgebäude.
Flughafen Charles de Gaulle, Paris © Siegbert Mattheis

Vorbereitung als Schlüssel zu einem ruhigen Reisestart

Ein gelassener Reisetag beginnt lange vor dem Boarding. Wer Flüge in mediterrane Regionen wie Andalusien, Sardinien oder die griechischen Inseln bucht, plant idealerweise Pufferzeiten ein. In den Sommermonaten Juli und August erreichen Flughäfen wie Palma de Mallorca, Athen oder Malaga regelmäßig ihre Kapazitätsgrenzen. Nach Daten der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol zählt der Mittelmeerraum zu den am stärksten frequentierten Luftverkehrszonen des Kontinents.

Frühzeitiges Online-Check-in, digitale Bordkarten und leichtes Handgepäck helfen, die Wartezeiten an Sicherheitskontrollen zu verkürzen.

Ebenso lohnt ein Blick auf die Wahl der Tageszeit. Frühmorgendliche Abflüge sind statistisch weniger von Verspätungen betroffen, da sich Verzögerungen im Tagesverlauf oft aufschaukeln. Wer zusätzlich auf Direktverbindungen setzt, reduziert das Risiko verpasster Anschlussflüge.

Der Bildschirm eines Selbstbedienungs-Check-in-Automaten am Flughafen Berlin-Brandenburg, auf dem die Fluggesellschaften auf Deutsch angezeigt werden.
Self Check-in am Berliner Flughafen © Siegbert Mattheis
Reisende mit Gepäck gehen durch ein geräumiges Flughafenterminal mit hohen, gewölbten Decken und grünen Balken.
Ankunftshalle Flughafen Madrid © Siegbert Mattheis

Wenn der Flug sich verzögert: Rechte kennen, ruhig bleiben

Trotz sorgfältiger Planung kommt es im Sommerreiseverkehr regelmäßig zu Verspätungen. Streiks, Gewitter über dem Balkan, überlastete Lotsenzentralen oder technische Probleme sind typische Ursachen. Reisende sollten in solchen Situationen wissen, welche Ansprüche ihnen zustehen. Die europäische Fluggastrechteverordnung EG 261/2004 regelt Entschädigungen bei Verspätungen, Annullierungen und Nichtbeförderung. Ab einer Ankunftsverspätung von drei Stunden am Endziel können Passagiere je nach Flugdistanz Ausgleichszahlungen zwischen 250 und 600 Euro geltend machen, sofern keine außergewöhnlichen Umstände vorliegen.

Wer im Ernstfall wissen möchte, wie sich der Anspruch Flug verspätet Geld zurück prüfen und einfordern lässt, findet dort strukturierte Informationen zu den einzelnen Kriterien. Wichtig ist, Bordkarten, Buchungsbestätigungen und schriftliche Hinweise der Airline aufzubewahren, denn diese Unterlagen dienen später als Nachweis.

Auch am Gate selbst haben Passagiere Rechte. Ab zwei Stunden Verspätung auf Kurzstrecken, drei Stunden auf Mittelstrecken und vier Stunden auf Langstrecken müssen Fluggesellschaften Verpflegung sowie Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellen. Bei Übernachtungen kommt die Airline für Unterkunft und Transfer auf.

Der Flughafen als erster Kontakt mit dem Süden

Ein gelassener Umgang mit dem Flughafen verändert die Wahrnehmung der gesamten Reise. Viele mediterrane Airports haben in den vergangenen Jahren architektonisch aufgerüstet. Der Flughafen Catania bietet einen freien Blick auf den Ätna, in Nizza empfängt Reisende der Duft frischer Croissants aus den Bäckereien im Terminal, und in Faro spürt man die entspannte Atmosphäre der Algarve bereits an der Gepäckausgabe.

Auch die kulinarische Auswahl hat sich verbessert. Regionale Produkte, kleine Weinbars und Cafés mit lokalen Röstungen ersetzen zunehmend die standardisierten Ketten. Wer bewusst eine halbe Stunde früher am Gate ankommt, kann diese Momente als Einstimmung auf den Urlaub nutzen, statt sie als lästige Wartezeit zu empfinden.

Nachhaltige Entscheidungen für Reisen ans Mittelmeer

Immer mehr Reisende achten zusätzlich auf die ökologische Seite ihrer Flugreise. Verschiedene Airlines bieten mittlerweile die Möglichkeit, CO2-Emissionen über zertifizierte Klimaschutzprojekte auszugleichen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes verursacht ein Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Palma de Mallorca rund 500 Kilogramm CO2 pro Person. Ergänzend gewinnen Kombinationen aus Flug und Bahn an Bedeutung, etwa Anreisen zum Abflughafen mit dem ICE oder die Weiterreise am Zielort mit regionalen Zugverbindungen entlang der italienischen oder spanischen Küste.

Okzitanien, was ist das und wo liegt es?

4.72/5 (32)
(Lesezeit nur 3 Min. 😉 )
Okzitanien verbindet außergewöhnlich viele Landschaften auf engem Raum. Ihr findet hier Mittelmeerstrände, die Pyrenäen, römische Bauwerke, mittelalterliche Festungsstädte, Weinregionen und den Canal du Midi. Auch die Camargue gehört zu Okzitanien.

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Gin Fizz Macchia, der ultimative mediterrane Sommerdrink!

5/5 (9)
(Lesezeit nur 2 Min. 😉 )

Ein wunderbar erfrischender Cocktail, der den mediterranen Sommer ins Glas zaubert!

Ein Cocktail mit Eis, einem Pappstrohhalm, garniert mit getrockneter Limette und Kräutern, auf rotem Hintergrund.
Herbal High oder Gin Fizz "Macchia" © Siegbert Mattheis
Menschen, die an Tischen im Straßencafé sitzen, etwas trinken und sich unterhalten, im Hintergrund stehen geparkte Fahrräder und Autos.
Misirlou Bar © Siegbert Mattheis

Diesen köstlichen Cocktail haben wir in der Misirlou Bar in Berlin entdeckt, die von jungen Griech:innen geführt ist. Die Bar sei der Treffpunkt der griechischen Intellektuellen, wie unsere Freundin Christina aus Athen lächelnd meinte 😉 . Jedenfalls hatten sie es geschafft, den ultimativen mediterranen Geschmack und Duft ins Glas zu zaubern!

Dieser Cocktail schmeckt nach purer Macchia, nach einer Sommerwanderung durch mediterrane Landschaften; in der Nase den zarten Duft von Lavendel, Thymian und Rosmarin mit einem erfrischenden Kick von Zitrusfrüchten

Was ist ein “Herbal High”?

Dieser Herbal High, wie sie ihn in der Bar nennen, sei ihr geheimes Rezept, schmunzelte der etwa 35-jährige Yannis, mit schwarzem Bart und langen Haaren auf unsere Nachfrage. Aber nach einem kurzen Zögern meinte er „Ok, naja, ich kann dir ja zumindest die Zutaten verraten: Lavendel, Rosmarin und Thymian, am besten vielleicht Zitronenthymian, alles mit heißem Wasser übergießen, über Nacht stehen lassen und dann abseihen. Danach einen Sirup mit braunem Zucker ansetzen, kurz aufkochen und abkühlen lassen. Und dann mit Gin, Soda und Limettensaft mischen.“

Die genauen Mengenangaben könne er uns aber nicht verraten, lächelte er dann augenzwinkernd.

Also haben wir versucht, den Cocktail aus unserer sensorischen Erinnerung heraus selbst herzustellen 😉 .

Menütafel für die Misirlou Bar mit einer Auflistung der Cocktails und ihrer Zutaten auf weißem Hintergrund.
Herbal High in der Misirlou Bar © Siegbert Mattheis
Ein gekühltes Kräutergetränk mit Limettenscheiben, Rosmarin und Lavendel auf einem Holztisch, daneben liegen ganze Limetten neben dem Glas.
Unser Gin Fizz Macchia in einem Highball-Cocktailglas © Siegbert Mattheis

Rezept für den Herbal High / Gin Fizz Macchia

So haben wir ihn dann getauft 😉

Zutaten:

  • 5 cl Gin
  • 3 cl frischer Limettensaft
  • 4 cl Sirup aus Lavendel, Thymian und Rosmarin
  • ca. 10cl Soda
  • Eiswürfel
  • Garnitur: Limettenscheibe und Rosmarinzweig

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Nahaufnahme von goldbraunen Zuckerkörnern in einer Glasschüssel, an deren Rändern sich einige Bläschen gebildet haben.
Alles mit braunem Zucker aufkochen lassen © Siegbert Mattheis
Ein Einmachglas mit Eistee auf einem Holztisch, daneben Rosmarin- und Lavendelzweige im Sonnenlicht.
Der Sirup aus Lavendel, Rosmarin und Thymian © Siegbert Mattheis

Zubereitung:

  1. Ein paar Zweige frischer Rosmarin, etwas Thymian, 1 Zweig Lavendel mit kochendem Wasser übergießen (etwa 0,4 l, das reicht für mehrere Cocktails)
  2. Einige Stunden oder über Nacht ziehen lassen, danach die Flüssigkeit abseihen
  3. Mit etwa derselben Menge braunem Zucker etwa 3 Minuten aufkochen lassen
  4. Im Kühlschrank abkühlen lassen
  5. Gin, Limettensaft, Sirup und Soda in einem Cocktailglas mischen, ggf. schütteln
  6. Eiswürfel dazu und mit der Deko garnieren

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Viel Spaß beim Eintauchen in die mediterrane Macchia in der Sonne … 😉

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Pisa Geheimtipps, abseits vom Schiefen Turm

5/5 (12)
(Lesezeit nur 14 Min. 😉 )

Pisa ist natürlich weltberühmt für seinen Schiefen Turm, aber die Stadt hat noch so viel mehr zu bieten! Neben den bekannten und beeindruckenden Bauwerken gibt es wunderschöne versteckte Ecken, die viele Tourist:innen übersehen.

Hier erfahrt ihr, welche Sehenswürdigkeiten ihr auf keinen Fall verpassen solltet und welche Geheimtipps euch das authentische Pisa zeigen.

An einem sonnigen Tag versammeln sich Touristen am Eingang des säulenbekränzten Turms von Pisa.
Eingang zum Schiefen Turm von Pisa © Siegbert Mattheis
Bunte Gebäude säumen einen Fluss unter blauem Himmel, im Hintergrund sind Wolken und ferne Berge zu sehen.
Das Ufer des Arno © Siegbert Mattheis
Luftaufnahme einer Stadt mit Gebäuden mit roten Dächern, einem sich schlängelnden Fluss und mehreren grünen Parks.
Pisa ist relativ überschaubar, aber charmant © Siegbert Mattheis

Lohnt sich Pisa für mehrere Tage?

Auf jeden Fall. Die meisten kommen nur nach Pisa für den berühmten Torre Pendente (den schiefen Turm, den man allerdings schon einmal im Leben gesehen haben sollte 😉

Der Schiefe Turm von Pisa und der Dom von Pisa an einem sonnigen Tag, mit Menschen, die auf dem Rasen spazieren gehen.
Piazza dei Miracoli mit Dom und Schiefem Turm © Siegbert Mattheis
Ein Marktstand im Freien mit Obst und Gemüse, zwei Frauen beim Einkaufen, umgeben von bunten Gebäuden.
Kleiner Markt in der Altstadt © Siegbert Mattheis
Ein ruhiger Fluss spiegelt nachts unter dem dunkelblauen Himmel die beleuchteten historischen Gebäude und eine kleine Kirche wider.
Ruhiges Pisa am Abend © Siegbert Mattheis
Menschen unterhalten sich in einem Park mit Bäumen und einer Statue im Hintergrund. Gruppen sitzen und stehen auf Wegen.
Pisa ist eine Studentenstadt © Siegbert Mattheis

Dabei verpassen sie vielleicht das Beste, das authentische Pisa mit lebhaftem Studentenleben, schattigen Parks, einzigartigen Museen, verträumten Gassen und geschichtsträchtigen Bauten. Und das alles nicht einmal ein paar hundert Meter vom Schiefen Turm entfernt!

Denn das war das Erstaunlichste für uns. Nur ein paar Schritte vom Campanile entfernt sieht man so gut wie keine Tourist:innen mehr!

Inzwischen waren wir mehrfach für mehrere Tage in der Stadt und zeigen euch hier unsere Geheimtipps verborgener Orte oder versteckter Restaurants.

Sehenswerte Kirchen

Dom und Baptisterium

Aber wenn ihr schon einmal auf der Piazza dei Miracoli seid, gibt es auch dort ein paar Geheimtipps. Zum Beispiel die zusammenhanglosen Zeichen und Inschriften an der Außenfassade des riesigen Doms. Der einfache Grund dafür liegt darin, dass man antike Baumaterialien wiederverwendete oder Materialien aus eroberten Städten holte.

Eine alte Steinmauer, auf deren Ecksäule vertikal das Wort „MAE.Minorum“ eingraviert ist.
Wiederverwendete Steine © Siegbert Mattheis
Ein großer Steinblock, in dessen Oberfläche der Buchstabe H eingraviert ist.
Willkürliche Inschriften auf der Außenfassade des Doms © Siegbert Mattheis

Ein Blick lohnt sich auch auf die drei Bronzetore aus dem 17. Jahrhundert. Sie ersetzten die von Bonanno Pisano geschaffenen Tore von 1180, die bei einem schweren Feuer 1595 zerstört wurden. Die neuen Türen mit beeindruckenden Reliefszenen wurden bis 1602 in loser Anlehnung an das alte Vorbild gegossen.

Türfüllungen aus Bronze mit detailreichen religiösen Darstellungen und lateinischen Inschriften, umrahmt von kunstvollen Blumenbordüren.
Detail eines der riesigen Bronzetore des Doms © Siegbert Mattheis
Ein kunstvoll verzierter Kronleuchter mit Figuren und leuchtenden Glühbirnen hängt in einem prächtigen Saal mit gestreiften Steinbögen und einer goldenen Decke.
An diesem Leuchter studierte Galilei die Pendelgesetze © Claudia Mattheis

Bemerkenswert ist auch der große Leuchter im Dom. Durch ihn soll der in Pisa geborene Gelehrte Galileo Galilei die Pendelgesetze entdeckt haben. Er untersuchte die Pendelbewegung und fand heraus, dass die Periode nicht von der Auslenkung oder dem Gewicht des Pendels, sondern von dessen Länge abhängt. Bis in seine letzten Lebensjahre beschäftigte ihn das Problem, wie man diese Entdeckung zur Konstruktion einer Pendeluhr nutzen kann.

Chiesa del Santo Sepolcro

Als wir am Südufer des Arno entlang gelaufen sind, entdeckten wir plötzlich eine kleine, außergewöhnliche Rundkirche, die völlig anders aussieht als fast alle anderen Gotteshäuser der Toskana.

Steinkirche mit kegelförmigem Dach und Glockenturm vor blauem Himmel mit vereinzelten Wolken.
Außergewöhnliche oktogonale Chiesa del Santo Sepolcro © Siegbert Mattheis

Die Chiesa del Santo Sepolcro (Kirche des heiligen Grabmals) besitzt einen nahezu achteckigen Grundriss und wurde 1138 vermutlich von Diotisalvi erbaut. Jedenfalls ist sein Name auf dem Turm eingraviert. Derselbe Architekt wird auch mit dem berühmten Baptisterium auf der Piazza dei Miracoli in Verbindung gebracht.

Ihre ungewöhnliche Form orientiert sich an der Grabeskirche in Jerusalem. Das überrascht nicht, denn Pisa war im Mittelalter eine bedeutende Seerepublik und eng mit den Kreuzzügen verbunden.

Innenansicht einer achteckigen Kirchenkuppel aus Stein mit hohen Bögen und hölzernen Deckenpaneelen.
Hohe Arkaden im Inneren © Siegbert Mattheis
In einer von Kerzen beleuchteten Steinkirche mit Gewölben und hohen Säulen sitzen und stehen Menschen und blicken auf einen Priester.
Die Kirche beim Gottesdienst © Siegbert Mattheis

Von außen wirkt die Kirche schlicht und fast wehrhaft. Die helle Natursteinfassade, die hohen Arkaden im Inneren und die geometrischen Formen unterscheiden sie deutlich von den prunkvolleren Kirchen der Stadt.

Wir wären beinahe achtlos daran vorbeigelaufen, aber ein Besuch empfiehlt sich!

Santa Maria della Spina

Diese kleine Kirche direkt am Arno schon beinahe süß 😉 . Dabei ist sie ein echtes Juwel der Gotik. Trotz ihrer bescheidenen Größe hat sie uns mit ihren filigranen Verzierungen und ihrer märchenhaften Lage direkt am Fluss beeindruckt.

Am Ufer eines Flusses steht eine kleine weiße gotische Kirche, im Hintergrund sind gelbe und ziegelrote Gebäude zu sehen.
Die winzige Chiesa Santa Maria della Spina direkt am Ufer des Arno © Siegbert Mattheis
Steinstatuen und kunstvoll verzierte Turmspitzen an einem gotischen Gebäude vor dem Hintergrund eines strahlend blauen Himmels.
Gotisches Juwel © Siegbert Mattheis
Eine Statue aus weißem Marmor unter einem kunstvollen gotischen Baldachin auf dem Dach eines Gebäudes vor strahlend blauem Himmel.
Die Spitze mit Jesus © Siegbert Mattheis
Eine Kirche im gotischen Stil und farbenfrohe Gebäude, die sich nachts in einem Fluss spiegeln und von warmem Licht beleuchtet werden.
Spiegelung im Arno © Siegbert Mattheis

Die Bezeichnung „Dornenkirche“ (spina = Dorn) stammt von einem Dorn der Dornenkrone von Jesus, der 1333 hierhergebracht und lange Zeit in dieser Kirche aufbewahrt wurde. Allerdings musste diese Reliquie im 19. Jahrhundert an die Kirche Santa Chiara abgegeben werden und liegt heute in deren Kapelle, die zum gleichnamigen Krankenhaus gehört.

Ursprünglich wurde sie auf dem Kiesbett des Arno um 1230 gebaut und war von einem offenen Laubengang umgeben. 1871 wurde sie jedoch wegen des ständig drohenden Hochwassers demontiert und 1884 während der Umgestaltungsarbeiten der Arnopromenaden an der heutigen, höher gelegenen Stelle wieder aufgebaut.

Kirchenfassade im gotischen Stil aus Marmor mit Spitzbögen, Statuen und einer auf den Stufen sitzenden Person.
Santa Maria della Spina Südseite © Siegbert Mattheis

Im Vergleich zum reich verzierten Äußeren sieht das Innere ziemlich einfach aus. Es besteht nur aus einem einzigen Raum mit einer Holzdecke, die während des Wiederaufbaus im neunzehnten Jahrhundert verziert wurde.

Derzeit wird der Innenraum der Kirche für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt.

Street Art

Tuttomondo von Keith Haring

Pisas berühmtestes Kunstwerk der Moderne, Tuttomondo, („Die ganze Welt“) ist das letzte große Wandgemälde, das der amerikanische Pop-Art- und Street-Art-Künstler Keith Haring noch zu Lebzeiten selbst realisierte.

Farbenfrohes Wandgemälde mit abstrakten, konturierten Menschen-, Tier- und Herzformen, das eine gesamte Gebäudewand bedeckt.
Tuttomondo von Keith Haring © Siegbert Mattheis

Auf einer Fläche von rund 180 Quadratmetern schuf Haring 1989 ein Mosaik aus 30 ineinander verschlungenen Figuren. Jede einzelne steht für einen Aspekt von Frieden, Zusammenhalt und einem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur. Obwohl das Werk auf den ersten Blick verspielt wirkt, entdeckt man bei genauerem Hinsehen immer neue Details und Symbole.

Zu den Figuren gehören unter anderem:

  • zwei Menschen, die gemeinsam eine Schere halten und eine Schlange durchtrennen. Sie stehen für den Sieg über das Böse.
  • eine Frau mit einem Kind als Symbol für Leben und Fürsorge.
  • Delfine, die Harmonie mit der Natur darstellen.
  • Menschen, die sich gegenseitig stützen und helfen.
  • Herzen, Schlangen, Fische und weitere Symbole, die immer wieder in Harings Werken auftauchen.

Bereits wenige Monate später starb Haring im Alter von nur 31 Jahren an den Folgen einer AIDS-Erkrankung.

Das Mural findet ihr an der Rückseite der Kirche Sant’Antonio Abate, nur wenige Minuten zu Fuß vom Bahnhof Pisa Centrale aus.

Fototipp: Es lässt sich schwer in Gänze fotografieren, weil wenig Platz davor ist. Am besten mit Weitwinkel und dann später in Photoshop korrigieren.

Galileo-Graffiti von Eduardo Kobra

Im November 2023 hatte der brasilianische Street-Art-Künstler Eduardo Kobra den Universalgelehrten Galileo Galilei mit einem augenzwinkernden Blick auf einem der größten Wandgemälde Italiens verewigt. Ihr findet es an der Rückwand eines Gebäudes in der Via Silvio Pellico.

Farbenfrohes Wandbild, das einen bärtigen Mann zeigt, der durch ein Teleskop auf Planeten blickt, vor dem Hintergrund einer dunkelblauen, sternenübersäten Wand.
Galileo Galilei © Siegbert Mattheis

Galileo wurde 1564 in Pisa geboren und gehört zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern der Geschichte. Dass ihm die Stadt heute auch mit moderner Straßenkunst ein Denkmal setzt, passt gut.

Unser Tipp: Wenn ihr mit dem Zug anreist und in die Stadt wollt, kommt ihr beinahe direkt daran vorbei.

Wer gerne fotografiert, sollte das Wandbild sowohl vormittags als auch am späten Nachmittag ansehen. Bis etwa mittags scheint die Sonne darauf, danach liegt das Mural im indirekten Licht.

Besondere Orte

Orto e Museo Botanico

Der Botanische Garten wurde bereits 1543 gegründet und gilt als ältester universitärer Botanischer Garten der Welt, der sich noch an seinem ursprünglichen Standort befindet. Auf rund zwei Hektar wachsen etwa 3.000 Pflanzenarten.

Eine alte Villa mit grünen Fensterläden, Säulen und einem kleinen Teich mit Pflanzen davor, unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Botanischer Garten © Siegbert Mattheis
Der Schiefe Turm von Pisa ist hinter üppig grünen Bäumen und hohen Palmen teilweise zu sehen.
Überall tolle Fotomotive vom Schiefen Turm © Siegbert Mattheis

Der Eingang, nicht weit von der Piazza dei Miracoli entfernt, wirkt eher unscheinbar. Umso größer war unsere Überraschung, als sich hinter den Mauern eine grüne Oase mitten in der Stadt öffnet.

Zwischen Palmen, Heilpflanzen, Kakteen, jahrhundertealten Bäumen und ganzen Bambuswäldern führen stille Wege durch den Garten.

An das Freigelände schließt sich das Botanische Museum an. Dort konnten wir erfahren, wie Pflanzen früher wissenschaftlich erforscht wurden. Historische Herbarien, botanische Zeichnungen, alte Instrumente und Wachsmodelle vermittelten uns einen spannenden Einblick in die Geschichte der Botanik.

Wenn ihr euch für Natur, Wissenschaft oder Fotografie interessiert, solltet ihr euch für den Garten mindestens eine Stunde Zeit nehmen.

Was macht den Botanischen Garten besonders?

  • ältester universitärer Botanischer Garten der Welt
  • mehrere tausend Pflanzenarten
  • historische Gewächshäuser
  • Botanisches Museum
  • ruhige Atmosphäre mitten in der Innenstadt

Unser Tipp: Gerade an heißen Sommertagen bietet der Garten angenehmen Schatten. Plant euren Besuch möglichst am Vormittag oder am späten Nachmittag.
Fototipp: Vom Garten aus kann man den Schiefen Turm in ungewöhnlichen Perspektiven fotografieren.

Royal Victoria Hotel

Ralativ unscheinbar am nördlichen Ufer des Arno gelegen, gilt das Royal Victoria Hotel als das älteste Hotel Italiens.

Unter einem strahlend blauen Himmel mit vereinzelten Wolken säumen farbenfrohe historische Gebäude eine Straße am Flussufer.
Royal Victoria Hotel am Ufer des Arno, das älteste Hotel Italiens © Siegbert Mattheis

Der Ursprung geht bereits auf das Jahr 1050 als Pilgerherberge zurück. Seit 1837 wird es als Hotel geführt und immer noch von derselben Familie betrieben.

Das Hotel hatte als erstes privates Haus Ende des 19. Jahrhunderts einen Aufzug, es gab fließendes Wasser, Zentralheizung und ein Telefon; ein wahrer Luxus für die damalige Zeit.

Schon beim Betreten fühlten wir uns eher wie in einem historischen Stadtpalast als in einem modernen Hotel. Die großen Salons, antiken Möbel, alten Gemälde, schweren Vorhänge und knarrenden Holzböden erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit.

Hier haben schon Berühmtheiten wie Napoleon, Dickens und D’Annunzio sowie zahlreiche Künstler:innen, Schriftsteller:innen, Wissenschaftler:innen und Mitglieder europäischer Königshäuser hier übernachtet.

Elegante Hotellobby mit kariertem Boden, rotem Sofa, Bögen und warmer Beleuchtung, die in einen Flur führt.
Eingangsbereich im Retro-Stil © Siegbert Mattheis
Ein kleiner runder Tisch mit drei Stühlen auf einer sonnigen Terrasse, umgeben von Topfpflanzen und Blumen.
Kleine Dachterrasse © Siegbert Mattheis

Charmanter Retro-Stil

Wer allerdings heutigen Luxus erwartet, ist hier falsch. Das Hotel ist bewusst nicht modernisiert und bewahrt seinen historischen Charakter und eine Atmosphäre wie aus einem alten italienischen Film. 😉

Selbst wenn ihr nicht dort übernachtet, lohnt sich ein Abstecher in die historische Lobby oder auf die Dachterrasse. Von dort habt ihr eine der schönsten Aussichten auf Pisa!

Tipp: Fragt das Personal nach den versteckten Geschichten des Hauses. Die Familie, die das Hotel führt, kennt viele spannende Anekdoten.

Piazza delle Vettovaglie

Der kleine, von Arkaden gesäumte „Viktualienmarkt“ gilt als das kulinarische Herz der Stadt. Diese Loggia wurde um 1545 auf Geheiß von Cosimo I. de’ Medici erbaut.

Menschen, die an Tischen im Freien in einem belebten italienischen Innenhof sitzen, im Hintergrund gelbe Gebäude und Bögen.
Piazza Vettovaglie © Siegbert Mattheis
Auf einem belebten Platz mit gelben Gebäuden und roten Sonnenschirmen sitzen Menschen an Tischen im Freien unter Arkaden.
Schon nachmittags füllen sich die Restaurants auf der Piazza © Siegbert Mattheis

Seit 1900 ist er die Heimat des ambulanten Obst- und Gemüsemarktes. Abends verwandelt er sich in das Zentrum des Nachtlebens, mit zahlreichen Restaurants und Clubs, die vor allem von vielen Student:innen der Stadt besucht werden.

Piazza Garibaldi und Borgo Stretto

Hier schlägt das Herz von Pisa! Der Platz  ist ein beliebter Treffpunkt der Pisaner:innen. Am einfachsten verabredet man sich direkt an der Bronzestatue von Giuseppe Garibaldi, ein Werk von Ettore Ferrari aus dem Jahr 1892.

Vier Menschen stehen am Sockel einer großen Statue im Freien auf einem belebten europäischen Platz mit Cafés.
Treffpunkt unter der Statue von Giuseppe Garibaldi © Siegbert Mattheis
Im Hintergrund sind eine ältere Frau und ein Mann zu sehen, die eine belebte Straße entlanggehen, die von Geschäften und Menschen gesäumt ist.
Einkaufsstraße Borgo Stretto © Siegbert Mattheis

Dann geht es entweder zu einem gemütlichen Einkaufsbummel auf dem Borgo Stretto oder auf der gegenüberliegenden Seite des Arno in den Corso Italia, der Fußgängerzone und Einkaufsmeile von Pisa. Das ist auch der direkte Weg vom Bahnhof in die Stadt.

Eine Frau und ein Mann sitzen draußen auf einer Backsteinmauer, sehen sich an und unterhalten sich.
Ein Date am Ufer © Siegbert Mattheis
Eine Frau in einem grauen Kapuzenpulli sitzt auf dem Bürgersteig und hält einen Roller in der Hand; im Hintergrund stehen E-Roller.
Warten auf Freunde © Siegbert Mattheis

Es ist einer der besten Plätze, um sich in ein Café zu setzen und das Leben der Pisaner:innen zu beobachten oder auch daran teilzuhaben.

Abends füllt sich der Platz mit Nachtschwärmer:innen, um in den umliegenden Gassen die angesagten Bars oder Clubs zu besuchen.

Vier Frauen stehen auf einer Straße; eine trägt einen Schleier und schreibt, während die anderen lächeln und eine in die Kamera winkt.
Vorbereitung für die Brautjungfern? © Siegbert Mattheis
Eine Konditorei namens „Bombolò“ mit einer Auslage voller Gebäck und einer roten Markise über dem Eingang.
Der kleine Laden mit den leckeren Donuts an der Ecke der Piazza Garibaldi © Siegbert Mattheis

Tipp: Probiert hier auch mal einen Bombolino bei Bombolò. Der kleine Betrieb ist berühmt für frisch frittierte, noch warme pisanische Krapfen: Die Teigstücke gehen über 30 Stunden lang auf und werden vor euren Augen zubereitet. Ihr könnt die warmen Teigringe frisch befüllen lassen, z.B. mit Vanillecreme, Schokolade, Nutella, Pistaziencreme, weißer Schokolade oder sizilianischer Ricotta … 😉

Giardino Scotto und die ehemalige Fortezza Nuova

Der Giardino Scotto in Pisa ist eine historische Grünanlage im Herzen der Stadt am Lungarno Fibonacci. Wir hatten sie eher zufällig entdeckt, als wir in der Hitze nach etwas Abkühlung gesucht hatten. Und genau das machen die Pisaner:innen hier auch gerne.

Eine hohe orangefarbene Mauer mit Bögen, ein belaubter Baum, Bänke und zwei Personen, die links im Schatten sitzen.
Entspannen hinter historischen Mauern © Siegbert Mattheis
Bronzeskulptur mit abstrakten menschlichen Figuren, die aus wirbelnden, strukturierten Formen im Freien hervortreten, im Hintergrund ist Grün zu sehen.
Sirenenskulptur im Garten © Siegbert Mattheis

Das Gelände wurde als Cittadella Nuova 1468 von den Florentinern während ihrer ersten Herrschaft über Pisa erbaut. Bei einem Aufstand zerstörten die Pisaner jedoch große Teile der Zitadelle. Danach wurde sie nach einem Entwurf des Architekten Giuliano da Sangallo wiederhergestellt.

Als sie als Festung Ende des 18. Jahrhunderts keinen militärischen Nutzen mehr bot, verkaufte Großherzog Leopold I. der Toskana sie an die wohlhabende Familie Scotto.

Die baute darin einen Palast und legte einen weiträumigen Garten an, der 1939 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Allerdings verkam der Giardino Scotto Ende des letzten Jahrhunderts zu einer Art Mülldeponie. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde der Park erst 2023 wieder eröffnet.

Unter einer geschmückten Pergola versammeln sich Menschen zu einer Feier; andere spazieren auf einem schattigen Parkweg in der Nähe.
Hier kommen die Familien zum Picknick zusammen © Siegbert Mattheis
Eine Person sitzt auf einer Bank in einem sonnigen Park, im Hintergrund sind ein Aquädukt und eine Freiluftbühne zu sehen.
Konzertbühne © Siegbert Mattheis

Heute ist es eine von den Pisaner:innen gern besuchte Grünfläche. Im Sommer finden hier regelmäßig Konzerte, Kulturveranstaltungen und ein beliebtes Open-Air-Kino statt. Dann verwandelt sich der Park am Abend in einen Treffpunkt für Einheimische.

Wenn ihr Glück habt oder offen seid für neue freundschaftliche Begegnungen, lädt man euch vielleicht auch zum Picknick ein 😉 .

Sehenswerte Museen

Museo delle Navi Antiche di Pisa

Das Museum ist eines der bedeutendsten Schifffahrtsmuseen Italiens. 1998 wurden bei Bauarbeiten am Bahnhof San Rossore nahe der Piazza dei Mircoli zufällig zahlreiche antike Schiffe entdeckt. Das feuchte Erdreich hatte die Wracks über fast zweitausend Jahre erstaunlich gut konserviert. Nach dieser außergewöhnlichen Entdeckung sprach man von einem Pompeji in der maritimen Version.

Ein uraltes, in einem Museum ausgestelltes Skelett eines Holzbootrumpfs, an dem Spanten und Planken zu erkennen sind.
Eines der geborgenen antiken Boote © Siegbert Mattheis
Auf einer Wandtafel sind Amphoren in verschiedenen Formen dargestellt, die ihre historischen Zeitlinien und Ursprünge zeigen.
Garum-Amphoren wie die Almagro im Museum in Pisa © Siegbert Mattheis

Aufwändige Restaurierung

Die Schiffe wurden aufwändig restauriert und gemeinsam mit ihrer Ladung in die Medici Arsenale aus dem 16. Jahrhundert am Ufer des Arno verfrachtet und ausgestellt.

Heute werden hier mehr als 30 restaurierte Schiffe aus der römischen Zeit ausgestellt. Hinzu kommen Tausende Fundstücke wie Amphoren, Werkzeuge, Tauwerk, Waffen und Alltagsgegenstände.

Ein antikes Holzschiffwrack, ausgestellt auf Metallstützen in einem Museum mit gewölbten Decken und heller Beleuchtung.
Selten gut erhaltenes Schiff aus Holz aus der Antike © Siegbert Mattheis
Ein menschliches und ein Hunde-Skelett, die teilweise im Sand vergraben sind und nebeneinander an einer archäologischen Ausgrabungsstätte liegen.
Auch das Skelett eines Seemanns, der im Tod noch seinen Hund umarmt, wurde gefunden © Siegbert Mattheis

Bei weiteren Ausgrabungen wurden auch viele Hinterlassenschaften aus der Etruskerzeit geborgen, die hier ebenfalls gezeigt werden. Sie belegen, dass Pisa bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. besiedelt war.

Selbst wer sich normalerweise wenig für Archäologie interessiert, dürfte hier überrascht werden.

Erst seit 2019 ist das Museum für die Öffentlichkeit zugänglich.

Museo della Grafica im Palazzo Lanfranchi

Das Grafikmuseum von Pisa ist seit 2007 im Palazzo Lanfranchi untergebracht und ein zauberhafter Geheimtipp. Dieser Palast aus dem 13. Jahrhundert wurde 1952 von der Gemeinde Pisa gekauft und in den 1980er Jahren umfassend renoviert.

Dichte, schwarze, sich kreuzende Linien bilden abstrakte geometrische Muster auf weißem Hintergrund.
Schenkung © Siegbert Mattheis
Eine Person steht auf einer Innentreppe unter einem Glasdach, neben unverputzten Ziegelwänden und abstrakten Kunstwerken.
Das lichtdurchflutete Treppenhaus des Palazzo © Siegbert Mattheis
An einer Backsteinwand mit einem Metallgitter hängen sechs gerahmte Schwarz-Weiß-Cartoonzeichnungen.
Comics © Siegbert Mattheis

Es beherbergt die Universitätssammlungen des Kabinetts für Zeichnungen und Drucke des Fachbereichs Kunstgeschichte sowie eine Sammlung zeitgenössischer Grafiken, darunter viele Schenkungen der Künstler:innen.

Auch der Palazzo selbst ist sehenswert. Die historischen Räume mit ihren hohen Decken und Fenstern verleihen den wechselnden Ausstellungen einen besonderen Rahmen.

Eine Frau hockt in einer Kunstgalerie neben einer kleinen weißen Eselstatue und streicht ihr sanft über den Kopf.
😉 © Siegbert Mattheis
Botanische Illustration von rosa Rosen mit handschriftlichen Notizen und Farbmuster auf einem strukturierten weißen Hintergrund.
Macht Lust auf Analoges © Siegbert Mattheis

Dieses charmante Museum hat mir wieder Lust auf rein analoges Zeichnen und Schreiben gemacht. Auf die Haptik eines feinen Papiers und den unnachahmlichen Geruch nach Druckerschwärze, Farbe und Tinte.

Der Eintritt ist mit 4 Euro sehr günstig und an jeden 1. Sonntag im Monat kostenlos. Dennoch sind die Besucher:innenzahlen sehr überschaubar. Wir waren an dem Tag nahezu die einzigen.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Praktische Tipps und weitere Fragen

Ja. Viele Besucher:innen bleiben nur zwei oder drei Stunden und sehen ausschließlich den Schiefen Turm. Das wird der Stadt nicht gerecht. Wenn ihr mindestens einen ganzen Tag oder sogar zwei Tage einplant, könnt ihr auch die weniger bekannten Sehenswürdigkeiten, schöne Parks, interessante Museen und das lebendige Zentrum kennenlernen.

  • 3 bis 4 Stunden: Schiefer Turm und Piazza dei Miracoli.
  • 1 Tag: Zusätzlich Altstadt, Arno-Ufer und einige Museen.
  • 2 Tage: Auch Geheimtipps, Botanischer Garten, Stadtviertel abseits der Touristen und entspanntes Genießen in Cafés und Restaurants.

Mit dem Flugzeug: Pisa wird von vielen Destinationen und Airlines angeflogen. Der Flughafen ist nur 10 Minuten vom Zentrum entfernt.

Mit der Bahn: Der Bahnhof Pisa Centrale liegt fußläufig vom Arno und dem Zentrum entfernt.

Angenehm sind die Monate April bis Juni sowie September und Oktober. Dann ist es warm, aber nicht so heiß wie im Hochsommer. Im Juli und August können die Temperaturen deutlich über 30 Grad steigen.

Am besten besucht ihr den Schiefen Turm direkt nach der Öffnung oder am späten Nachmittag. Dann sind häufig weniger Besucher unterwegs. Außerdem eignet sich das Licht zu diesen Tageszeiten besonders gut zum Fotografieren.

Eine vorherige Reservierung ist besonders in der Hauptsaison sinnvoll. Für die Besteigung werden feste Zeitfenster vergeben. Beliebte Termine können frühzeitig ausgebucht sein.

Ja. Der Aufstieg führt über knapp 300 Marmorstufen. Während des Aufstiegs ist die Neigung des Turms deutlich zu spüren. Der Treppenaufgang ist eng und nicht barrierefrei.

Ja. Der Turm wurde über viele Jahre aufwendig stabilisiert und wird kontinuierlich überwacht. Er ist für Besucher geöffnet und gilt nach den durchgeführten Sicherungsmaßnahmen als stabil.

Größere Taschen und Rucksäcke dürfen in der Regel nicht mit auf den Turm genommen werden. Sie müssen vor dem Aufstieg in der dafür vorgesehenen Gepäckaufbewahrung abgegeben werden.

Ja. Die historische Innenstadt ist überschaubar. Die meisten wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen in fußläufiger Entfernung. Vom Hauptbahnhof bis zur Piazza dei Miracoli benötigt ihr zu Fuß ungefähr 25 bis 30 Minuten.

Viele Straßen, Plätze und Außenanlagen könnt ihr kostenlos besichtigen. Dazu gehören unter anderem:

  • die Piazza dei Miracoli
  • die Piazza dei Cavalieri
  • der Borgo Stretto
  • die Uferpromenaden am Arno
  • die Piazza delle Vettovaglie
  • das Keith-Haring-Wandbild „Tuttomondo“
  • verschiedene Kirchen und historische Plätze

Für den Turm, den Domkomplex und die meisten Museen benötigt ihr dagegen ein Ticket.

Abseits des Schiefen Turms gibt es mehrere weniger bekannte Sehenswürdigkeiten:

  • Orto e Museo Botanico
  • Museo delle Navi Antiche di Pisa
  • Giardino Scotto und Fortezza Nuova
  • Chiesa del Santo Sepolcro
  • Palazzo Blu
  • Museo della Grafica im Palazzo Lanfranchi
  • Cittadella und Arsenale Repubblicano
  • Royal Victoria Hotel

Pisa ist in vielen Bereichen günstiger als Florenz oder Venedig. Rund um die Piazza dei Miracoli können Restaurants, Cafés und Souvenirs allerdings deutlich teurer sein. Preiswertere Lokale findet ihr meist in der Altstadt, rund um die Piazza delle Vettovaglie und in den Seitenstraßen.

Verlasst für die Restaurantsuche am besten die unmittelbare Umgebung des Schiefen Turms. Rund um den Borgo Stretto, die Piazza delle Vettovaglie und in den Seitenstraßen des Corso Italia findet ihr zahlreiche Trattorien, Weinbars und kleinere Restaurants.

Ein Blick auf die aktuelle Speisekarte und die Preise vor dem Restaurant schützt vor unangenehmen Überraschungen.

Typische Gerichte und Spezialitäten aus Pisa und der Toskana sind:

  • Cecina, ein dünner Fladen aus Kichererbsenmehl
  • Pappa al Pomodoro
  • Ribollita
  • toskanische Crostini
  • Gerichte mit Wildschwein
  • Bistecca alla Fiorentina
  • Cantuccini mit Vin Santo

In Pisa gibt es öffentliche Brunnen und Möglichkeiten zum Auffüllen einer Trinkflasche. Da einzelne Anlagen vorübergehend außer Betrieb sein können, solltet ihr euch vor Ort vergewissern, ob das Wasser ausdrücklich als Trinkwasser ausgewiesen ist.

Der Flughafen Galileo Galilei liegt sehr nah am Stadtzentrum. Mit dem PisaMover erreicht ihr den Hauptbahnhof in wenigen Minuten. Alternativ könnt ihr ein Taxi nehmen. Je nach Gepäck und Ziel ist selbst ein Fußweg grundsätzlich möglich.

Für die Besichtigung der Stadt benötigt ihr kein Auto. Die Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Ein Auto ist wegen der eingeschränkten Zufahrtsbereiche, des Verkehrs und der Parkplatzsuche eher unpraktisch.

In Teilen der Innenstadt gelten verkehrsbeschränkte Zonen, die sogenannte Zona a Traffico Limitato, kurz ZTL. Die Einfahrten werden teilweise mit Kameras kontrolliert. Wer ohne Berechtigung hineinfährt, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Prüft deshalb vor der Anreise genau, ob eure Unterkunft innerhalb einer ZTL liegt und ob das Hotel euer Kennzeichen registrieren kann.

Am unkompliziertesten sind größere Parkplätze außerhalb der verkehrsbeschränkten Innenstadt. Von dort könnt ihr zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahren. Achtet auf die farbliche Kennzeichnung der Parkflächen und die Angaben an den Parkautomaten.

Ja. Der Schiefe Turm fasziniert auch Kinder. Die Grünflächen rund um die Piazza dei Miracoli bieten Platz für eine Pause. Für Familien sind außerdem das Museum der antiken Schiffe und der Botanische Garten interessant.

Viele Straßen und Plätze der Innenstadt sind grundsätzlich zugänglich. Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteine und ältere Gebäude können die Fortbewegung jedoch erschweren. Der Schiefe Turm selbst ist wegen der zahlreichen Treppen nicht barrierefrei.

Bei Museen und einzelnen Sehenswürdigkeiten solltet ihr die aktuellen Zugangsbedingungen vor dem Besuch prüfen.

Pisa gilt grundsätzlich als gut bereisbare Stadt. An stark besuchten Orten, im Bereich des Bahnhofs und in öffentlichen Verkehrsmitteln solltet ihr jedoch auf Taschen, Smartphones und Wertsachen achten. Sichtbar im Auto zurückgelassenes Gepäck solltet ihr vermeiden.

Ja. Zwischen Pisa und Florenz fahren regelmäßig Regionalzüge. Die Fahrzeit beträgt je nach Verbindung ungefähr eine Stunde. Pisa eignet sich deshalb sowohl als Tagesausflug von Florenz als auch als Ausgangspunkt für weitere Reisen durch die Toskana.

Von Pisa aus erreicht ihr zahlreiche interessante Ziele:

  • Lucca
  • Livorno
  • Viareggio
  • Marina di Pisa
  • San Giuliano Terme
  • Florenz
  • Volterra
  • die Cinque Terre

Siehe auch Die schönsten Orte der Toskana

orangefarbene Häuser um den ovalen Platz

Das Zentrum von Lucca © Fotolia, XtravanagT

Ja. Die nächstgelegenen Badeorte sind Marina di Pisa, Tirrenia und Calambrone. Sie liegen westlich beziehungsweise südwestlich der Stadt und sind mit Bus oder Auto erreichbar.

Marina di Pisa besitzt überwiegend befestigte Küstenabschnitte und Kiesbereiche. In Richtung Tirrenia und Calambrone findet ihr mehr Sandstrände.

Zu den bekanntesten Veranstaltungen gehören:

  • Luminara di San Ranieri: Die Fassaden entlang des Arno werden mit Tausenden Lichtern geschmückt.
  • Regata di San Ranieri: Ein traditionelles Bootsrennen auf dem Arno.
  • Gioco del Ponte: Ein historischer Wettkampf zwischen verschiedenen Stadtteilen.

Termine, Zugangsregelungen und der genaue Ablauf können sich ändern. Prüft deshalb vor eurer Reise den aktuellen Veranstaltungskalender.

Ja. Im Winter ist Pisa deutlich ruhiger als im Frühjahr oder Sommer. Viele Sehenswürdigkeiten lassen sich dann ohne große Besuchermengen besichtigen. Allerdings können die Tage regnerisch und kühl sein. Zudem gelten bei manchen Einrichtungen verkürzte Öffnungszeiten.

Beliebte Fotomotive sind:

  • der Schiefe Turm und die Piazza dei Miracoli
  • die Piazza dei Cavalieri
  • die Arno-Ufer bei Sonnenuntergang
  • der Borgo Stretto
  • das Keith-Haring-Wandbild „Tuttomondo“
  • die Cittadella mit dem Torre Guelfa
  • die farbigen Fassaden entlang des Lungarno

Wie man ein echtes mediterranes Abendessen zaubert

4.5/5 (2)
(Lesezeit nur 3 Min. 😉 )

Wenn die Sonne langsam hinter den Dächern versinkt und ein lauer Wind durch den Garten weht, wächst die Sehnsucht nach dem süßen Leben des Südens. Wer den echten mediterranen Lebensstil schätzt, weiß ganz genau, dass Genuss keine Frage des Standorts ist. Man muss nicht zwingend an der Amalfiküste sitzen oder durch die Olivenhaine der Toskana spazieren, um die Aromen des Mittelmeers zu erleben.

Eine Küstenstadt mit Gebäuden mit roten Dächern, einem Yachthafen und klarem, blauem Wasser unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Malerisches mediterranes Hafenstädtchen Supetar © Pexels, Vladimir Srajber

Die Magie beginnt direkt in der eigenen Küche. Ein richtiges mediterranes Abendessen ist nämlich weit mehr als nur eine bloße Nahrungsaufnahme. Es ist ein lebendiges Gesamtkunstwerk; ein fröhliches Fest der Sinne und eine wunderbare Einladung, das Leben im Kreise der Liebsten in vollen Zügen zu zelebrieren. Doch um den authentischen Geschmack der Küstenregionen auf den heimischen Teller zu bringen braucht es neben frischen Zutaten vor allem die richtige Philosophie am Herd.

Die goldenen Regeln des südländischen Einkaufskorbs

Der Weg zum perfekten Abendessen führt unweigerlich über den Wochenmarkt. Die mediterrane Küche besticht durch ihre verblüffende Einfachheit, die jedoch keine Fehler verzeiht. Wo nur wenige Komponenten im Spiel sind, müssen diese von absolut erstklassiger Qualität sein. Knallrote, sonnengereifte Tomaten, die noch nach Erde duften, knackige Zucchini und fangfrischer Fisch bilden das stabile Fundament. Das flüssige Gold, also ein kaltgepresstes Olivenöl extra vergine, darf in keinem Fall fehlen. Es wird im Süden nicht nur zum Braten genutzt, sondern wie ein eigenständiges Gewürz über fast jedes fertige Gericht geträufelt. Wer diese simplen Grundzutaten mit frischen Kräutern wie Rosmarin, Thymian und Basilikum kombiniert, legt den Grundstein für ein kulinarisches Erlebnis, das sofort Erinnerungen an den letzten Sommerurlaub wachruft. Man spürt förmlich das Salz auf der Haut und das Zirpen der Grillen im Hintergrund, während der Duft von frischem Knoblauch sanft durch das Haus zieht.

Wenn das Küchenwerkzeug die Aromen zum Leben erweckt

Neben den feinsten Zutaten entscheidet das passende Kochgeschirr über den Erfolg des Menüs. Die mediterrane Küche liebt das langsame, schonende Garen, bei dem sich die unterschiedlichen Aromen harmonisch miteinander verbinden können. Ein schwerer, hochwertiger Schmortopf ist hier das absolute Herzstück der Ausrüstung. Er sorgt für eine gleichmäßige Wärmeverteilung und hält die Feuchtigkeit im Inneren, was für die Saftigkeit der Speisen unerlässlich ist. Wer auf die bewährte Qualität von Traditionsmarken wie Schulte-Ufer setzt, profitiert von durchdachten Konstruktionen, die die Hitze optimal speichern. Ob ein klassisches Stifado aus Griechenland oder ein sanft köchelndes Ratatouille aus der Provence, das richtige Werkzeug kitzelt auch die feinsten Geschmacksnuancen aus dem Gemüse und dem Fleisch heraus. So wird das Kochen zu einem entspannten Handwerk, bei dem man der Zeit ihren Lauf lässt. Der Deckel bleibt fest verschlossen, während im Inneren des Topfes eine wahre Geschmacksexplosion vorbereitet wird, die später alle Gäste ins Staunen versetzt.

Die Kunst der Mezze und das Teilen der Lebensfreude

Ein echter südländischer Abend beginnt niemals direkt mit dem Hauptgang. Das Vorspiel ist mindestens genauso wichtig wie der kulinarische Höhepunkt. Das Zauberwort heißt Vielfalt. Kleine, liebevoll angerichtete Schälchen mit marinierten Oliven, cremigem Schafskäse, luftgetrocknetem Schinken und frisch geröstetem Ciabatta füllen den Tisch. Diese Kleinigkeiten, die in Spanien als Tapas und in Italien als Antipasti bekannt sind, brechen das Eis im Handumdrehen. Es geht darum, gemeinsam zuzugreifen, Schalen weiterzureichen und sich in lebhafte Gespräche zu verwickeln. Diese unbeschwerte Geselligkeit ist der eigentliche Kern des mediterranen Lebensgefühls. Das Essen zieht sich oft über Stunden hinweg, während der Wein fließt und das Lachen der Gäste durch den Raum hallt. Niemand eilt hier durch die Gänge, denn die Zeit verliert am gedeckten Tisch vollkommen ihre Bedeutung. Man teilt nicht nur das Essen, sondern auch Anekdoten, Träume und die kleinen Freuden des Alltags.

Das passende Ambiente für den perfekten Urlaubsflair

Doch der beste Geschmack verpufft, wenn das Drumherum nicht stimmt. Die Menschen rund um das Mittelmeer kultivieren eine Ästhetik der ungezwungenen Eleganz. Ein rustikaler Holztisch, grobe Leinenservietten und bunt zusammengewürfeltes Geschirr aus Keramik bilden den perfekten Rahmen. Man verzichtet bewusst auf steife Perfektion. Kerzen in einfachen Einmachgläsern spenden ein warmes, flackerndes Licht, wenn die Dämmerung hereinbricht. Im Hintergrund darf leise Musik laufen, vielleicht ein wenig sanfter Flamenco oder klassische Klänge aus einer italienischen Oper. Wer seinen Außenbereich mit Terrakottatöpfen, duftendem Lavendel und kleinen Olivenbäumchen dekoriert, schafft eine Oase der Ruhe. Die Umgebung spiegelt die Philosophie der Speisen wider: ehrlich, bodenständig und von einer natürlichen Schönheit durchzogen, die keine künstlichen Effekte benötigt.

Der süße Abgang und die Leichtigkeit des Seins

Wenn der Hauptgang abgetragen ist, klopft der Magen meist schon leise an, um nach einem süßen Abschluss zu verlangen. Doch auch hier bleibt die mediterrane Küche ihrer Linie treu und verzichtet auf schwere, mächtige Tortenkreationen. Ein leichtes Dessert aus frischen Feigen, die mit etwas Honig und Walnüssen im Ofen überbacken werden, bildet den perfekten Schlusspunkt. Dazu gesellt sich ein kräftiger Espresso oder ein eiskalter Limoncello, der die Verdauung anregt und den Gaumen erfrischt. Wer ein solches Abendessen für seine Freunde ausrichtet, verschenkt weit mehr als nur eine warme Mahlzeit. Man schenkt ihnen eine kleine Auszeit vom stressigen Alltag, ein Stück gelebte Kultur und das unbezahlbare Gefühl, für ein paar Stunden der Hektik der Welt entflohen zu sein. Das ist die wahre Magie der mediterranen Küche, die Körper und Seele gleichermaßen nährt und uns lehrt, die einfachen Dinge des Lebens wieder richtig zu schätzen. So bleibt die Erinnerung an diesen Abend noch lange im Gedächtnis, lange nachdem das letzte Glas geleert wurde.

Zeitlos statt trendgetrieben: Wie baust du dir einen entspannten, stilvollen Look auf?

4.91/5 (11)
(Lesezeit nur 4 Min. 😉 )

Rund um das Mittelmeer wirkt die Mode angenehm unaufgeregt. Die Kleidung soll den Menschen begleiten und nicht im Mittelpunkt stehen. Eine weiße Leinenbluse, eine dunkelblaue Stoffhose oder ein schlichtes Sommerkleid wirken deshalb ebenso passend beim Stadtbummel wie beim Abendessen auf einer Terrasse mit Blick aufs Meer.

Hier unsere Tipps für einen entspannten, mediterranen Kleidungsstil:

Eine Frau in einem weißen Leinenoutfit und mit Sonnenbrille spaziert durch eine sonnige, mit Kopfsteinpflaster gepflasterte Straße, an der Blumen und Töpferwaren ausgestellt sind.

Was macht den mediterranen Stil aus?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mediterraner Stil lebt von zeitlosen Basics, natürlichen Materialien und harmonischen Farben.
  • Vielseitige Kleidungsstücke erleichtern das Kombinieren und passen zu Alltag, Reise und Sommeranlässen.
  • Dezente Accessoires ergänzen den Look und verleihen ihm eine persönliche Note.

Ein Spaziergang durch die Altstadt von Lecce oder ein Cappuccino auf einer kleinen Piazza in der Toskana: Oft fällt sofort auf, wie stilvoll die Menschen wirken, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Natürliche Farben, hochwertige Stoffe und eine entspannte Ausstrahlung prägen das Bild.

Ihr Stil hängt dabei weniger vom Alter oder vom Budget als von einer bewussten Auswahl der eigenen Kleidung ab. Genau das macht den mediterranen Look seit Jahrzehnten so attraktiv. Statt kurzlebigen Trends zu folgen, stehen schlichte Schnitte, natürliche Materialien und Kleidungsstücke im Mittelpunkt, die sich über viele Jahre hinweg tragen lassen.

Ein zeitloser Stil bedeutet in diesem Zusammenhang, eine Garderobe aufzubauen, bei der die Einzelteile vielseitig kombiniert werden können und deinen Alltag dauerhaft begleiten. Dieser Gedanke erinnert an das Prinzip der Capsule Wardrobe: wenige ausgewählte Kleidungsstücke, die gut zusammenpassen und sich im Alltag immer wieder neu kombinieren lassen.

Zwischen Natursteinfassaden, Bougainvillea, Olivenbäumen und kleinen Straßencafés zeigt sich immer wieder, dass ein stimmiger Stil nicht von ständig wechselnden Kollektionen lebt, sondern von Kleidung, die sich selbstverständlich in den Alltag einfügt. Der Begriff mediterran beschreibt genau dieses Zusammenspiel aus Gelassenheit, Natürlichkeit und zeitloser Ästhetik. Klassische Kombinationen lassen sich über viele Jahre hinweg immer wieder neu interpretieren. Eine zeitlose Outfit-Formel zeigt, wie sich wenige gut aufeinander abgestimmte Kleidungsstücke vielseitig kombinieren lassen.

Wie entwickelst du deinen zeitlosen Stil?

Ein persönlicher Stil entsteht selten über Nacht. Meist wächst er mit jeder bewussten Entscheidung.

Vor deinem nächsten Einkauf helfen ein paar einfache Fragen:

  • Passt das Kleidungsstück zu mindestens drei Teilen, die bereits im Kleiderschrank hängen?
  • Würdest du es auch in einigen Jahren noch gerne tragen?
  • Fühlst du dich darin wohl und kannst dich frei bewegen?
  • Lässt es sich im Alltag und zu verschiedenen Anlässen einsetzen?

Mit diesen Fragen fällt es dir leichter, Fehlkäufe zu vermeiden und deinen Stil Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Welche Farben prägen den mediterranen Stil?

Weiße Häuserfassaden, sandfarbene Wege, grüne Olivenhaine, Terrakotta, Pinien und das Blau des Meeres prägen seit jeher die Farbpalette der Regionen. Genau diese mediterranen Farben lassen sich auch in der eigenen Garderobe unkompliziert miteinander verbinden.

Typisch sind beispielsweise:

  • Weiß und Creme
  • Sand- und Beigetöne
  • Terrakotta
  • Oliv- und Salbeigrün
  • Marineblau
  • Hellgrau

Eine harmonische Farbwelt erleichtert dir das Kombinieren und sorgt dafür, dass Kleidungsstücke langfristig zusammenpassen.

Welche Stoffe gehören zum mediterranen Kleidungsstil?

Beiger Stoff, der draußen im Wind weht, im Hintergrund blauer Himmel und Meereswellen.

Leinen gehört zu den klassischen Materialien mediterraner Sommermode. Das Gewebe ist atmungsaktiv, angenehm leicht und entwickelt durch seine charakteristische Struktur einen natürlichen Charme. Hochwertige Baumwolle, Viskose oder feine Wollqualitäten ergänzen die Garderobe an kühleren Tagen.

Ebenso wichtig wie das Material ist die Passform. Selbst schlichte Kleidung wirkt hochwertig, wenn sie dir gut passt und genügend Bewegungsfreiheit bietet. Eine gut zusammengestellte Basic-Garderobe erleichtert deinen Alltag, weil sich die einzelnen Kleidungsstücke flexibel kombinieren lassen. Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit von Fehlkäufen, da neue Teile bewusster ausgewählt werden.

Welche mediterranen Basics gehören in deinen Kleiderschrank?

Schon wenige Kleidungsstücke reichen aus, um immer wieder neue Kombinationen zusammenzustellen.

Dazu gehören unter anderem:

  • eine gut sitzende Jeans
  • eine helle Leinenhose
  • eine weiße Bluse oder ein schlichtes Hemd
  • hochwertige T-Shirts in neutralen Farben
  • ein luftiges Sommerkleid
  • ein leichter Strickpullover
  • Ledersandalen oder Espadrilles
  • eine Basttasche für die warme Jahreszeit

Ein ehrlicher Blick in deinen Kleiderschrank zeigt meist schnell, welche Lieblingsstücke regelmäßig getragen werden und welche kaum zum Einsatz kommen. Diese Erkenntnis erleichtert dir künftige Kaufentscheidungen und hilft dabei, deinen eigenen Stil weiter zu schärfen.

Welche Accessoires haben eine große Wirkung?

Eine Frau mit Sonnenbrille und Sonnenhut lehnt an einem weißen Geländer, im Hintergrund ist ein altes, beiges Gebäude zu sehen.

Accessoires unterstützen die leichte, natürliche und sommerliche Wirkung der Kleidung, setzen gezielte Akzente und sorgen dafür, dass deine klassischen Basics persönlicher wirken.

  • Strohhut: Ein Strohhut passt ideal zu mediterranen Sommerlooks, da er Leichtigkeit, Natürlichkeit und einen praktischen Sonnenschutz verbindet. Modelle mit schlichter Form und neutraler Farbe lassen sich zu Leinenhemden, Chinos, Shorts oder leichten Sommerkleidern kombinieren und bleiben über viele Jahre tragbar.
  • Klassische Sonnenbrille: Eine zeitlose Sonnenbrille ergänzt dein Outfit funktional und stilvoll. Besonders dezente Fassungen in Braun, Schwarz oder Schildpatt wirken hochwertig. Sie passen zu entspannten Freizeitlooks ebenso wie zu gepflegten Kombinationen für Restaurantbesuche oder Sommerfeste.
  • Schlichter Schmuck: Zurückhaltender Schmuck ist das Mittel der Wahl. Eine dezente Uhr, ein feines Lederarmband oder ein schmaler Ring reichen häufig aus, um deinen Look bewusster und individueller erscheinen zu lassen.
  • Leichtes Baumwolltuch: Ein dünnes Baumwolltuch eignet sich besonders für laue Abende, Reisen oder Tage am Wasser. Es bringt Struktur in dein Outfit, schützt bei Wind leicht vor Kühle und lässt sich locker über Hemd, Poloshirt oder T-Shirt tragen.

Deine Kleidung sollte zum Leben passen

Ein zeitloser Kleidungsstil orientiert sich am Alltag und nicht an kurzfristigen Modetrends. Einzelne aktuelle Impulse dürfen gerne ihren Platz finden, solange sie deinen persönlichen Stil ergänzen und nicht bestimmen.

Eine gute Passform trägt dazu bei, dass deine Kleidung über Jahre hinweg gerne von dir getragen wird. Das gilt unabhängig von der Konfektionsgröße: Unterschiedliche Schnitte, Proportionen und Längen sollten zum eigenen Körper und Alltag passen. Auch die Auswahl an Kleidung in großen Größen ist deutlich vielfältiger geworden, sodass sich klassische Schnitte und zeitlose Basics leichter finden lassen.

Ein Paar geht Arm in Arm und lächelnd an einem weißen Gebäude vorbei, an dessen Wand bunte Blumentöpfe stehen.

Ein persönlicher Stil verändert sich mit den eigenen Erfahrungen. Lieblingsstücke bleiben, neue Kleidungsstücke kommen bewusst hinzu und fügen sich ganz selbstverständlich in die bestehende Garderobe ein. Hochwertige Materialien, harmonische Farben und gut kombinierbare Basics bilden die Grundlage für einen Look, der viele Jahre begleitet.

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis mediterraner Eleganz: Sie wirkt gelassen, authentisch und selbstverständlich. Ein Blick auf das azurblaue Meer, den Duft von Pinien oder einen ruhigen Abend auf einer sonnigen Piazza erinnert daran, dass echter Stil nicht von Trends lebt, sondern von Persönlichkeit. Probiere diesen Sommer aus, was dir gefällt und finde deinen eigenen mediterranen Stil.

Valladolid, die 10 schönsten Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps (mit Karte)

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(Lesezeit nur 16 Min. 😉 )

Valladolid hat uns angenehm überrascht! Die spanische Universitätsstadt im Norden von Madrid zählt nicht zu den bekanntesten Reisezielen des Landes. Sie gehört aber zu den schönsten historischen Städten von Kastilien und León mit Renaissancepalästen, prachtvollen Modernisme-Bauten, altehrwürdigen Kirchen und lebendigen Plätzen.

Dazu gilt Valladolid als Tapas-Hochburg Spaniens (lecker!) mit einem ausgiebigen, nicht nur studentischen Nachtleben.

Menschen sitzen in Straßencafés zwischen bunten Gebäuden, im Hintergrund ragt ein hoher Kirchturm vor blauem Himmel empor.
Valladolid, prächtige Kirchen, Renaissance-Bauten und lebendige Plätze © Siegbert Mattheis

Das sowie einige der bedeutendsten Kunstsammlungen Spaniens machen Valladolid zu einem wunderbaren Ziel für eine Städtereise. Gleichzeitig empfanden wir die Stadt und auch das Umland herrlich entspannt und sehr authentisch.

Hier erfahrt ihr, welche Sehenswürdigkeiten ihr keinesfalls verpassen solltet, welche Geheimtipps sich lohnen und warum wir Valladolid ins Herz geschlossen haben; mit Karte weiter unten.

Und auch, wie man Valladolid richtig auf Spanisch ausspricht 😉 .

Lohnt sich Valladolid?

Definitiv! Valladolid verbindet spanische Geschichte, Kunst, Gastronomie und Alltagsleben auf besonders authentische Weise.

Anders als Madrid, Barcelona oder Sevilla wird sie kaum vom (ausländischen) Massentourismus überrollt und ist somit selbst noch ein Geheimtipp! Als wir Ende Juni die Stadt besucht hatten, trafen wir neben den Einheimischen auf so gut wie nur spanische Tourist:innen. Ein gutes Indiz dafür ist auch, dass die Speisekarten in den Restaurants fast nur auf Spanisch sind.

Da ist es nicht schlecht, mal auf einfache und schnelle Art Spanisch zu lernen! * 😉

Ein paar historische Fakten zu Valladolid

Valladolid entstand als kleine befestigte Siedlung im 11. Jahrhundert und wurde 1072 von König Alfonso VI. dem Grafen Pedro Ansúrez übergeben. Die strategische Lage im Duero-Tal verhalf der Stadt zu schnellem Wachstum.

  • Im 15. Jahrhundert war sie eines der wichtigsten politischen Zentren.
  • 1469 heirateten hier Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón, was die Vereinigung der spanischen Königreiche einleitete.
  • Die örtliche Universidad de Valladolid entwickelte sich in dieser Zeit zu einer der ältesten und renommiertesten Universitäten des Landes.
  • Christoph Kolumbus verbrachte in der Stadt die letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod im Jahre 1506.
  • Unter der Herrschaft von Karl I. (Karl V.) erlebte die Stadt im 16. Jahrhundert eine Blütezeit.
  • 1518 schloss der portugiesische Seefahrer Magellan hier den Vertrag mit König Karl I. für die erste Weltumsegelung.
  • Die spanischen Monarchen Philipp II. und Philipp IV. wurden in der Stadt geboren.
  • Von 1601 bis 1606 wurde Valladolid unter König Philipp III. offiziell zur Hauptstadt des spanischen Weltreichs.
Bronzeplakette in spanischer Sprache zu Ehren von Christoph Kolumbus in Valladolid anlässlich seines 500. Todestages.
"Hier stand einst das Kloster San Francisco, wo Kolumbus sein Leben gab am 20. Mai 1506." Plakette von 2006 anlässlich seines 500. Todestages in der südöstlichen Ecke der Plaza Mayor © Siegbert Mattheis
Ein Mann mit dunklem Haar, einem Schnurrbart und einem gerüschten weißen Kragen, gekleidet in historische Kleidung, posiert feierlich.
So könnte Nationaldichter Cervantes ausgesehen haben © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung
  • Der Nationaldichter Miguel de Cervantes lebte hier von 1604 bis 1606, vollendete den ersten Teil seines Meisterwerks Don Quijote, veröffentlichte ihn 1605 und prägte damit die spanische Sprache tiefgreifend.
  • Napoleon machte Valladolid zur inoffiziellen Hauptstadt seines Reiches, als er 1809 für 10 Tage im Königspalast weilte.
  • Mit dem Anschluss ans Eisenbahnnetz 1864 erlebte die Stadt durch Mehlexporte einen wirtschaftlichen Boom. Zahlreiche prachtvolle Bürgerhäuser entstanden.
  • Ab den 1950er-Jahren siedelte sich die Automobilindustrie rund um die Stadt an. Heute wird hier z. B. der Renault Captur gefertigt.

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Mehr Informationen

Welche Sehenswürdigkeiten sollte man in Valladolid unbedingt besuchen?

Am besten starten wir in der Mitte von Valladolid:

Plaza Mayor

Die Plaza Mayor in Valladolid ist einer der größten städtischen Plätze Spaniens und bildete das Vorbild für viele andere Plätze in Spanien, später in Südamerika und sogar in Italien.

Ein prächtiges historisches Gebäude mit einem Uhrturm steht auf einem weitläufigen, leeren Platz unter blauem Himmel.
So leer sieht man die Plaza Mayor mit dem Rathaus nur selten © Depositphotos

Denn im September 1561 vernichtete ein verheerendes, 3 Tage andauerndes Feuer nahezu die gesamte Innenstadt rund um den Plaza Mayor. Die Einwohner:innen baten angesichts dieser Katastrophe den regierenden König Philipp II. um Hilfe für den Wiederaufbau. Mit dessen Unterstützung wurde Francisco de Salamanca mit der Planung eines neuen Platzes beauftragt.

Unter einem strahlend blauen Himmel säumen Café-Tische mit Sonnenschirmen einen Platz neben roten Gebäuden.
Hier wurde später noch ein Stockwerk draufgesetzt, wie überall auch mit Balkonen © Siegbert Mattheis
Menschen spazieren unter einer überdachten Steinarkade mit Säulen entlang, die an einen sonnigen Platz in einem Stadtviertel grenzt.
Die Arkaden ziehen sich rund um den Platz © Siegbert Mattheis

Der Bereich wurde nahezu rechtwinklig im Verhältnis 3:2 angelegt, mit dreistöckigen Häusern. Ursprünglich hatten nur der erste Stock Balkone, der zweite sogenannte französische Balkone, also mit Gittern gesicherte Austritte, und der dritte lediglich Fenster. Im Laufe der Zeit wurde diese Hierarchie jedoch aufgegeben und überall Balkone angebaut.

Das Besondere sind die durchlaufenden Arkadengänge, die mit Granitsäulen gestützt sind. Nur eine einzige Säule ist eine „Fake-Säule“. Ihr findet sie an der Hausnummer 19. Das daneben liegende Gebäude wurde in den 1980er-Jahren abgerissen und neu aufgebaut. Dadurch verlor die Nummer 19 ihren Halt und wurde durch eine Stahlstütze erneuert. 2011 wurde sie mit Stein verkleidet. Ihr erkennt sie an der glatten Struktur.

Das einzige modernere Gebäude an der Plaza Mayor ist das Rathaus, das ab 1879 anstelle eines Vorgängerbaus mit Uhrturm errichtet wurde.

An einem sonnigen Tag stehen Menschen vor einem Café mit grüner Fassade namens „El Lion d’Or“ und unterhalten sich.
Das historische Café und Cervecería El Lion d'Or am Platz © Siegbert Mattheis
An einem sonnigen Tag sitzen Menschen an den Tischen eines Straßencafés unter einem roten Gebäude mit Balkonen.
Rundherum erstrahlen die Fassaden in prächtigem Rot © Siegbert Mattheis

Die Plaza wird für vielerlei Veranstaltungen genutzt, so wie es auch der damaligen Habsburgermonarchie am Herzen lag (daher die Balkone). Es passiert also nicht allzu oft, dass man den Platz in voller Gänze erleben oder fotografieren kann 😉 . Wir waren zum alljährlichen Padel-Wettbewerb dort, einer in Spanien sehr beliebten Sportart zwischen Tennis und Squash. Die Zuschauertribünen nahmen nahezu den gesamten Platz ein.

Tipp: Holt euch z. B. bei Olibher an der Theke einen Kaffee (für 1,80 Euro) und dazu ein Bocadillo, setzt euch an einen der Tische und genießt die Atmosphäre 😉 .

Alternativ einen kühlen Verdejo z. B. von der Bodega José Pariente oder Ramón Bilbao aus dem südlich gelegenen Anbaugebiet Rueda einem der zahlreichen Cafés und Bars an der Plaza.

Kathedrale von Valladolid

Die Kathedrale Nuestra Señora de la Asunción ist ein unvollendeter Renaissancebau, der vom Architekten Juan de Herrera im 16. Jahrhundert entworfen wurde. Sie sollte einst eine der größten Kathedralen Europas werden. Fertiggestellt wurde sie allerdings nie.

Sie war mehr als doppelt so groß geplant, mit gleich vier Türmen. Dabei ist auch die Nord-Südausrichtung ungewöhnlich, die auf einer ursprünglichen Einbeziehung einer vorherigen Stiftskirche beruht.

Auf einem historischen Stadtplatz, umgeben von alten Gebäuden, steht eine große Steinkathedrale mit vier Türmen.
So war sie geplant (Foto vom Modell in der Kathedrale in KI-generierter Umgebung) © Siegbert Mattheis
Große Steinkirche mit Glockenturm unter strahlend blauem Himmel, Menschen und Fahrräder im Vordergrund.
Viel ist nicht von den ursprünglichen Plänen übriggeblieben © Siegbert Mattheis

Warum wurde die Kathedrale nie fertig gebaut?

Der Bau begann bereits 1527, als Valladolid noch zu den bedeutendsten Städten Spaniens zählte.

Doch die Arbeiten kamen nur langsam voran. Über Jahrzehnte fehlte das Geld, außerdem erschwerte das abschüssige Gelände die Bauarbeiten erheblich. Als der königliche Hof seine Residenz nach Madrid verlegte und Valladolid Anfang des 17. Jahrhunderts seine politische Bedeutung verlor, versiegten die finanziellen Mittel fast vollständig.

Museumsraum mit religiösen Statuen, einem goldenen Altar und Kunstwerken, die an den Wänden und auf Sockeln ausgestellt sind.
Innen gleicht sie ein wenig einem Museum © Siegbert Mattheis
Ein Uhrturm aus Stein mit grün beleuchteten Fenstern und einer goldenen Statue auf der Spitze, vor dem Hintergrund eines strahlend blauen Himmels.
Ungewöhnliche Beleuchtung am Abend © Siegbert Mattheis

Wer entwarf die Kathedrale?

1589 wurde der Architekt Juan de Herrera mit dem Weiterbau der Kathedrale beauftragt. Er hatte bereits die Westfassade des Escorial, die Alcazar de Toldeo und die einzigartige Lonja de Sevilla gebaut.

Kurios ist allerdings, dass Herrera die Baustelle in Valladolid nie persönlich besucht hat.

Von den ehrgeizigen Plänen blieb schließlich nur ein Teil übrig. Deshalb besitzt die Kathedrale heute lediglich einen Turm, keine klassische Kreuzform und einen deutlich kleineren Chor als ursprünglich vorgesehen.

Die Menschen sitzen unter strahlend blauem Himmel an Tischen im Freien vor einer großen historischen Steinkirche mit Türmen.
Abends wird es voll vor der Kathedrale © Siegbert Mattheis
Menschen essen an Tischen im Freien in der Nähe eines roten, historischen Gebäudes und eines hohen Kirchturms auf einer belebten Stadtstraße.
Calle Gascajares am Abend © Siegbert Mattheis

Geheimtipp: Kaum jemand weiß, dass der Turm begehbar ist und von oben eine herrliche Aussicht über die Stadt bietet.

Der kleine dreieckige Platz vor der Kathedrale ist gemeinsam mit der auf den Bau zuführenden Calle Gascajares ein Hotspot des Nachtlebens für die Vallisolitanos, wie sich die Einwohner:innen nennen.

Klosterkirche San Pablo

Die Iglesia conventual de San Pablo ist eines der repräsentativsten Gebäude der Stadt und Touristenattraktion. Sie wurde zwischen 1486 und 1616 errichtet und liegt an der Plaza de San Pablo. Berühmtheit erlangte sie u. a. durch die trickreife Taufe von Philipp II. in der Kirche. Mehr dazu weiter unten 😉 .

Fassade der kunstvoll gestalteten gotischen San-Pablo-Kirche in Valladolid, Spanien, mit zwei Türmen und aufwendigen Steinmetzarbeiten.
Iglesia conventual de San Pablo © Siegbert Mattheis
Detaillierte Steinmetzarbeiten mit religiösen Figuren und aufwendigen Mustern an der Fassade eines historischen Gebäudes.
Filigrane Steinmetzarbeiten von Simon von Köln © Siegbert Mattheis

Wer baute die Kirche?

1486 beauftragte der Alonso de Burgos, ein eng mit den katholischen Königen verbundener Staatsmann, die Architekten Juan Guas und Juan de Talavera mit dem Entwurf einer Kapelle, die sein Grabmal beherbergen sollte, als eine Botschaft posthumen Ruhms.

Warum ist die Fassade zweigeteilt?

An der Fassade kann man gut noch die verschiedenen Bauabschnitte erkennen. Der untere Teil der Fassade wurde im spätgotischen, „isabellinischen“ Stil von Simon von Köln gestaltet. Er war der Sohn des Deutschen Johannes von Köln, der an der dortigen Dombauhütte gelernt hatte.

Detaillierte Steinmetzarbeiten und Säulenstatuen an der Fassade eines historischen Gebäudes im warmen Sonnenlicht.
Die wie Schiffstaue gedrehten Säulen sind typisch für den isabellinischen Stil © Siegbert Mattheis
Eine Steinkirche im gotischen Stil mit kunstvoller Fassade und zwei quadratischen Türmen unter strahlend blauem Himmel.
Die beiden Türme und der obere Teil der Fassade wurden erst ab 1601 hinzugefügt © Siegbert Mattheis

Den oberen Teil beauftragte der Herzog von Lerma ab 1601. Er galt als der mächtigste Mann Spaniens, Spekulant und Ränkeschmieder unter seinem Gönner König Philipp III.

Er ließ tiefgreifende Umgestaltungen im Stil von Juan de Herrera (siehe die Kathedrale) im Innenraum und an der monumentalen Fassade durchführen, fügte seine Wappen hinzu und stiftete der Kirche zahlreiche wertvolle Kunstwerke. Auch die beiden schmucklosen Türme an beiden Seiten, die ungewöhnlich wirken, wurden erst im frühen 17. Jahrhundert hinzugefügt.

Palast von Pimentel

Der Palacio de Pimentel ist ein gutes Beispiel für palastartige Architektur in der Stadt. Heute dient er als Sitz der Provinzregierung von Valladolid.

Das Gebäude aus dem 15. Jahrhundert wurde vom Marquis von Astorga erworben und als Palast für Bernardo Pimentel ausgebaut. Dieser pflegte gute Beziehungen zur königlichen Familie. So wohnte diese auch kurz nach den Flitterwochen in seinem Palast, als sie in der Stadt war. Und das hatte einen kuriosen Trick zur Folge und ist ein kleiner Geheimtipp … 😉

Historisches Backstein- und Steingebäude mit einem Turm unter strahlend blauem Himmel, spanische Flaggen am Eingang.
Palacio Pimentel: das dritte Fenster von links hat eine besondere Geschichte ... © Siegbert Mattheis

Denn in diesem Palast wurde ihr erster Sohn Philipp am 21. Mai 1527 geboren. Seine frischgebackenen (für arrangierte Ehen ungewöhnlicherweise auch sehr verliebten) Eltern, der 27-jährige Habsburger König Karl V. (Carlos I. von Spanien) und die 23-jährige Isabella von Portugal wollten ihn in unbedingt in der prachtvollen Kirche San Pablo, direkt neben dem Palacio Pimentel taufen lassen.

Allerdings hätte das Baby nach damaligem Recht in der zugehörigen Pfarrkirche getauft werden müssen, wenn es durch den Haupteingang zur Taufe gebracht worden wäre. Die Kirche San Martin war dem Paar aber zu klein und ärmlich.

Der Trick mit dem Fenster

So überlegten sie sich eine List: Sie ließen das Gitter eines Fensters gegenüber von San Pablo entfernen und reichten das Baby einfach durch das Fenster auf die Calle Cadenas de San Gregorio, die im Pfarrbezirk von San Pablo lag.

Dort wurde es von der Patentante und der übrigen Hofgesellschaft in Empfang genommen. Für diesen Anlass wurde extra ein erhöhter hölzerner Durchgang vom Fenster aus bis zum Eingang der Kirche errichtet, damit die Gewänder der Adligen nicht durch den Schmutz der Straße verdreckt wurden. So konnte die Taufe des späteren Königs Philipp II. in angemessenem Prunk vollzogen werden.

Nach ihm wurden 1543 übrigens die Philippinen benannt. Lest dazu auch gerne über Spaniens Rolle in der (einfach erklärten) europäischen Kolonialgeschichte.

Das entsprechende, vermutliche Fenster ist heute mit einem dickeren weißen Rahmen mit einer Kette davor umgeben. Es war nicht das ungewöhnliche Eckfenster, wie viele meinen.

Auf einer Steintafel steht: In diesem Haus wurde König D. Felipe II. am 21. Mai 1527 geboren.
Plakette am Palast zur Erinnerung an die Geburt von Philipp II. © Siegbert Mattheis
Historisches dreistöckiges Backstein- und Steingebäude mit kunstvoll verzierten Fenstern unter strahlend blauem Himmel.
Obwohl dieses Eckfenster sehr ungewöhnlich wirkt, war es nicht das besagte © Siegbert Mattheis

1605 wurde auch Philipp IV. in der Kirche getauft. Dazu brauchte es dann keine List mehr, denn der bis dahin errichtete eigene königliche Palast wurde klugerweise gleich gegenüber im Pfarrbezirk von San Pablo errichtet.

Parque Campo Grande

Der Campo Grande ist die grüne Lunge von Valladolid und wird traditionell für den abendlichen und sonntäglichen Spaziergang genutzt. Wenn ihr vom Bahnhof in die Stadt wollt, kommt ihr unweigerlich daran vorbei.

Ein sonnendurchfluteter Garten mit gepflegten Sträuchern, bunten Blumenbeeten und üppig grünen Bäumen, die reichlich Schatten spenden.
In einigen Teilen bewusst angelegt, in anderen eher wild © Andreas Spengel

Das großzügige Feld in Form eines Dreiecks wurde schon im späten Mittelalter für Turniere, Märkte, Feste, Prozessionen und auch als Militärlager genutzt.

Aber erst ab 1787 begannen die Bestrebungen, eine Grünanlage anzulegen. Im Laufe der Zeit wurden u. a. durch Schenkungen eine Vielzahl von Bäumen und Sträuchern aus aller Welt gepflanzt. So wurde aus dem Campo Grande heute eine Art botanischer Garten. Ihr findet hier Bananenstauden, Palmen, Mammut- und Zedernbäume; exotische Blumen, einen Teich, einen Wasserfall und einen Springbrunnen. Die Bewässerung löste man durch unterirdisch verlaufende Leitungen.

Menschen, die auf einem von Bäumen gesäumten Weg in einem sonnigen Park spazieren gehen und auf Bänken sitzen.
Die grüne Lunge von Valladolid wir gerne für einen "Paseo" oder für eine kühlende Auszeit genutzt © Siegbert Mattheis
Ein Springbrunnen mit einer geflügelten Statue und Wasserstrahlen, umgeben von Bäumen in einem sonnigen Park.
Fuente de la Fama © Siegbert Mattheis
Eine kleine Steinbrücke über einem grünen Teich, umgeben von üppigen Bäumen, im Hintergrund ist ein blaues Boot zu sehen.
Teich im Campo Grande © Andreas Spengel

Vor allem aber findet ihr hier eine vielfältige Vogelwelt, u. a. auch prächtige Pfaue.

Denn nachdem eine reiche Witwe 1930 der Stadt ein Pfauenpaar geschenkt hatte, entwickelte sich eine größere Population, denen vor allem die Zedernbäume als Schlafplatz dienen. Die lauten Schreie der Pfaue hört man überall. Wir fühlten uns plötzlich weit weg vom Trubel der Stadt, beinahe wie in einem kleinen Urwald … 😉

Mercado Del Val

Der Mercado del Val ist die älteste noch erhaltene Markthalle in Valladolid. Die historische Eisenkonstruktion aus dem Jahr 1882 liegt direkt im Stadtzentrum.

1982 und noch einmal 2016 wurde sie komplett reformiert und renoviert.

Ein Marktgebäude aus Metall und Ziegeln mit einem schrägen roten Dach an einer Straßenecke unter strahlend blauem Himmel.
Der kleine, schmale Mercado del Val © Siegbert Mattheis

Hier findet ihr traditionelle Marktstände mit allem, was man an frischen Lebensmitteln braucht: Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch und dazwischen kleine Bars mit Pinchos und Tapas.

Sie ist heute ein beliebter Einkaufs- und Treffpunkt für die Einheimischen; Tourist:innen verirren sich seltener hierher. Gemessen an der riesigen Markthalle von Valencia oder der in Madrid ist sie zwar klein, aber wir fanden sie sehr charmant.

Hallenmarkt, auf dem Menschen an Verkaufsständen unter einem hohen, mit orangefarbenen Fliesen gedeckten Dach mit freiliegenden Balken einkaufen.
Hier kaufen vorwiegend die Einheimischen ein © Siegbert Mattheis
Schwanenhals-Seepocken, die auf Eis in einem Fischmarkt ausgestellt sind, mit einem Preisschild darüber.
Auch kostbare Entenmuscheln (percebes) findet man hier © Siegbert Mattheis

Geheimtipp: Hier gibt es ein sehr günstiges Frühstück, z. B. einen Kaffee mit Croissant für 2,50, mit Tortilla für 2,80 Euro (Stand 2026). Danach könnt ihr euch weitere Köstlichkeiten von den anderen Ständen holen.

Colegio de San Gregorio

Dieser Gebäudekomplex zählt zu den bedeutendsten Bauwerken Valladolids und gilt als eines der schönsten Beispiele der isabellinischen Gotik in ganz Spanien. Er entstand zwischen 1488 und 1496 als Ausbildungsstätte für Theologiestudenten. Heute beherbergt das prachtvolle Gebäude das Nationale Skulpturenmuseum (Museo Nacional de Escultura) mit einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen spanischer Holzskulpturen.

Die kunstvoll verzierte Steinfassade eines historischen Gebäudes mit detailreichen Figuren, von unten vor blauem Himmel betrachtet.
Schönstes Beispiel für die isabellinische Gotik © Siegbert Mattheis

Schon die Fassade hat uns stark beeindruckt. Mit ihren filigranen Figuren beschäftigt deren vielschichtige Symbolik heute immer noch die Kunsthistorikerwelt, denn einige ihrer Darstellungen lassen unterschiedliche Deutungen zu.

Der kunstvoll verzierte Steineingang eines historischen Gebäudes mit detailreichen Schnitzereien vor einem strahlend blauen Himmel.
Fassade des Colegio San Gregorio © Siegbert Mattheis
Zwei Frauen in roten Kleidern stehen in einem sonnendurchfluteten, kunstvoll gestalteten Innenhof mit gewölbten Säulen und aufwendig gearbeiteten Steinmetzarbeiten.
Der Innenhof ist auch ein beliebtes Insta-Motiv © Siegbert Mattheis
Kunstvoll verzierte Steinbögen mit aufwendigen Schnitzereien und Holzböden in einem sonnendurchfluteten, historischen Innenraum in Valladolid.
1. Etage des Innenhofes © Siegbert Mattheis

Museo Nacional de Escultura

Das Museum im Colegio besitzt die bedeutendste Sammlung spanischer polychromer Holzskulpturen weltweit.

Die rund 6.000 Kunstwerke stammen überwiegend aus dem 13. bis 18. Jahrhundert und zeigen eindrucksvoll, warum diese Kunstform als Höhepunkt der spanischen Bildhauerei gilt. Meister wie Alonso Berruguete, Juan de Juni und vor allem Gregorio Fernández schufen Figuren, die durch ihre nahezu lebensechte Darstellung selbst uns, die wir uns normalerweise nicht besonders für sakrale Kunst interessieren, echt verblüfft haben!

Eine Nahaufnahme einer Skulptur, die einen bärtigen Mann mit Wunden und Blut im Gesicht und am Kopf darstellt.
Christus, ein Meisterwerk der spanischen Barockkunst von Gregorio Fernández (zwischen 1625 und 1630) © Siegbert Mattheis
Eine lebensechte Statue einer Frau mit langen Haaren, die einen Schädel in der Hand hält und ihn nachdenklich betrachtet.
Luis Salvador Carmona (1708-1767) Santa María von Ägypten © Siegbert Mattheis

Denn dabei wurden Glasaugen, Elfenbein oder Knochen für Zähne; Kork, Harz und sogar echtes Haar genutzt, um den Eindruck lebendiger Menschen zu erwecken.

Und das war ja auch das Ziel, die Gläubigen emotional zu berühren und biblische Szenen so eindrucksvoll darzustellen, dass sie Mitgefühl, Ehrfurcht und Andacht auslösten.

Wir empfehlen den Besuch des Museums nicht nur an regnerischen Tagen, sondern vor allem auch, wenn es draußen zu heiß ist. Denn innen könnt ihr gut abkühlen 😉 .

Prachtvolle Gebäude

Der wirtschaftliche Aufschwung durch die Industrialisierung und der Anschluss ans Bahnnetz brachte Ende des 19. Jahrhunderts einigen Reichtum in die Stadt. Davon zeugen eine Reihe von prächtigen bürgerlichen Gebäuden im Modernisme- und im eklektischen Stil, die ihr überall in der Stadt findet. Anders als z. B. in Valencia, wo es ganze Stadtviertel solcher Modernisme-Bauten gibt, stehen sie aber eher vereinzelt oder grüppchenweise an Straßenzügen in Valladolid.

Zum Beispiel direkt am Campo Grande:

Ein prunkvolles historisches Gebäude mit rot-weißer Fassade, einem runden Turm und Balkonen an einer sonnigen Straßenecke.
Casa Principe © Siegbert Mattheis
Ein kunstvoll verzierter Balkon mit skulpturalen Details und einer Straßenlaterne an der Fassade eines Backsteingebäudes.
Jugendstil-Details am Casa Principe © Siegbert Mattheis

Casa del Príncipe

Das Prinzenhaus an der repräsentativen Acera de Recoletos gehört zu den schönsten Jugendstilgebäuden Valladolids und wird von vielen Besuchern übersehen. Das markante Wohnhaus entstand zwischen 1906 und 1908 nach Plänen des Architekten Jerónimo Arroyo, einem der bedeutendsten Vertreter des Modernisme in Kastilien. Die Architektur verbindet Elemente des Jugendstils mit französischen Beaux-Arts-Einflüssen und traditionellen Mudéjar-Motiven.

Ein historisches, prunkvolles gelbes Gebäude mit Bogenfenstern, das an einem sonnigen Tag hinter Laubbäumen zu sehen ist.
Casa Resines, die linke Hälfte wurde stilvoll restauriert, die rechte dagegen steht leer © Siegbert Mattheis

Casa Resines

Gleich nebenan liegt das Wohnhaus Resines. Es wurde 1891 vom Architekten Julio Saracíbar für den Kaufmann Francisco Resines entworfen. Stilistisch verbindet die Casa Resines Elemente der italienischen Renaissance mit Einflüssen der französischen Architektur und sogar Anklängen an die damals moderne Chicago School, deren großzügige Fensterfronten hier neu interpretiert wurden. Hinter der historischen Fassade verbirgt sich zudem eine für ihre Zeit hochmoderne Eisenkonstruktion, die große Fensterflächen und lichtdurchflutete Wohnungen ermöglichte.

Beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass heute nur eine Hälfte der prachtvollen Fassade vollständig restauriert ist. Der Grund ist überraschend einfach: Hinter der einheitlichen Front verbergen sich zwei eigenständige Wohnhäuser mit unterschiedlichen Eigentümern. Während die linke Hälfte aufwendig saniert wurde und heute wieder den Glanz des Jahres 1891 zeigt, steht die die rechte Seite leer und wartet noch auf eine vergleichbare Restaurierung.

Ein Springbrunnen vor einem prächtigen Gebäude mit Glasfenstern, Bäumen und einem strahlend blauen Himmel.
Casa Mantilla © Siegbert Mattheis

Casa Mantilla

Das repräsentative Gebäude wurde 1891 bis 1892 nach Plänen des Architekten Julio Saracíbar für den Unternehmer Fidel Recio Mantilla errichtet.
Architektonisch verbindet die Casa Mantilla den eklektischen Stil mit Einflüssen der französischen Beaux-Arts-Architektur. Für seine Zeit war das Gebäude ausgesprochen modern: Bereits 1892 wurde hier der erste hydraulische Aufzug Valladolids eingebaut. Auch eine versteckte Stahlkonstruktion und elektrische Beleuchtung gehörten damals zu den technischen Neuerungen.

Historisches Eckgebäude mit verzierten Balkonen, Kuppeldach und Menschen, die davor spazieren gehen und Rad fahren.
Gebäude des Circulo de Recreo, des Freizeit- und Kulturvereins © Siegbert Mattheis
Ein prächtiger Saal mit Kronleuchtern, bemalter Decke, einer Rednerbühne und dem Publikum, das darunter sitzt.
Der eindrucksvolle Hauptsaal bei einer Veranstaltung © Circulo de Recreo

Círculo de Recreo

Das Gebäude des Freizeit- und Kulturkreises von Valladolid (Círculo de Recreo) ist eines der wenigen, die nach wie vor im selben Besitz ist wie zum Bau 1902.

Der Architekt Baeza Eguiluz entwarf es im Stil der damaligen Belle Époque für den Círculo de Recreo. Innen findet ihr ein Casino, einen Veranstaltungssaal, eine Bibliothek, Coworking-Raum, eine Französische Billardhalle sowie eine Bar und ein Restaurant.

Die könnt ihr auch als Nicht-Mitglieder des Vereins besuchen. Um die anderen prachtvollen Säle und Räume zu besuchen, müsstet ihr allerdings Mitglied werden oder zu den vielen Veranstaltungen eingeladen werden.

Weißes historisches Gebäude mit Säulen und einer Kuppel, gelegen an einer belebten Straße, an der Menschen vorbeigehen.
Edificio de la Unión y el Fénix, 2020 zu Appartmentwohnungen für Tourist:innen umgebaut © Siegbert Mattheis
Ein weißes, kuppelförmiges Gebäude mit detailreichen Skulpturen und einer geflügelten Statue auf der Spitze, vor dem Hintergrund eines strahlend blauen Himmels.
Oben Phönix, darunter Figurinen des Handwerks und der Industrie © Siegbert Mattheis

Edificio Fénix

Dieses Gebäude der Versicherungsgesellschaft La Unión y el Fénix mit dem markanten auf dem Phönix reitenden Mann fällt von überallher sofort ins Auge.

Es wurde 1934 im neobarocken Stil erbaut und ist das Werk des Architekten Benjamín Gutiérrez Prieto. Lange Jahre war es Sitz der Gesellschaft, bis diese 1998 von der Allianz AG übernommen wurde.

2020 wurde das Gebäude renoviert und als Hotel mit Appartementwohnungen umgebaut. Das ist somit eines der wenigen prächtigen Gebäude, in denen man auch als Urlauber:in übernachten kann.

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Pasaje Gutiérrez

Diese nur 50 m lange Galerie ist ein echter Geheimtipp und eines der versteckten Schmuckstücke Valladolids. Am unscheinbaren, versteckten Zugang sind wir erst einmal vorbeigelaufen …

Ein kunstvoll geschmiedetes Eisentor steht offen in einem alten Steinhaus, über dessen Eingang sich ein kleiner Balkon befindet.
Völlig unscheinbarer Eingang © Siegbert Mattheis
Überdachte Einkaufspassage mit kunstvoll gestaltetem Glasdach, dekorativen Säulen und Ladenfronten auf beiden Seiten.
Lichtdurchflutete Pasaje Gutiérrez © Siegbert Mattheis

Dabei zählt die Pasaje Gutiérrez zu den heute nur noch drei existierenden, historischen überdachten Einkaufspassagen Spaniens.

Die elegante Passage, die seit 1998 als bedeutendes Kulturdenkmal unter Schutz steht, wurde 1886 auf Initiative des Kaufmanns Eusebio Gutiérrez errichtet. Vorbild waren die berühmten Pariser und Mailänder Einkaufspassagen des 19. Jahrhunderts, die als Sinnbild von Modernität, Eleganz und urbanem Leben galten.

Eine überdachte Arkade mit blau beleuchteter Glasdecke, verzierten Säulen, Statuen und leeren Cafétischen, die entlang des Gehwegs aufgereiht sind.
Die Passage am Abend © Henrik Karge
Eine Gruppe von Leuten sitzt in einer Bar, in der bunte Flaschen in den Regalen stehen
Cocktailbar Piscolabis © Henrik Karge

Ursprünglich war sie als exklusive Einkaufsadresse für das wohlhabende Bürgertum gedacht. Nach einigen erfolgreichen Jahren verlor sie jedoch an Bedeutung und verfiel lange Zeit. Erst in den 1980er Jahren wurde sie aufwendig restauriert.

Heute laden tagsüber ein Friseur, kleine Boutiquen und Galerien zum Shoppen ein. Abends tobt hier das Leben in den Bars wie der Piscolabis und in der Sastreria (Schneiderei) sitzt ihr z. B. an alten Nähmaschinentischen.

Die Pasaje Gutiérrez entfaltet so einen nostalgischen Charme, der uns eher an Paris, Bordeaux oder Mailand als an eine kastilische Provinzstadt erinnert.

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Wo gibt es die besten Tapas und Pinchos?

Tapas und Pinchos (mit Leckereien belegte und mit einem Holzstäbchen fixierte Brotscheiben) findet ihr nahezu überall in der Stadt. Aber den Tipp für eine der besten Tapasbars hatten und Pedro und Deniz gegeben:

Geheimtipp Restaurante Jero

Das traditionsreiche Lokal in der winzigen Calle Correos, nur wenige Schritte von der Plaza Mayor und der Kathedrale entfernt, gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den bekanntesten Adressen für Pinchos und Tapas. Mit seinen kreativen Brottapas, den sogenannten tostas, hat sich Jero weit über Valladolid hinaus einen Namen gemacht und gilt für viele Einheimische als feste Station beim Tapas-Bummel durch die Altstadt. Die mehr als 5.500 konstant hohen Bewertungen sprechen für sich.

Ein volles Café, in dem an einem sonnigen Tag Menschen in der Schlange stehen, sich unterhalten und an der Theke Essen bestellen.
Innen ist es schön voll und laut 😉 © Siegbert Mattheis
Eine Schieferplatte mit verschiedenen Pintxos, darunter Käse, Eier, Oliven, Gemüse und Fleisch auf Brot.
Köstliche Brot-Tapas © Siegbert Mattheis

Das Besondere am Jero ist die große Auswahl an liebevoll zubereiteten Pinchos, die an der Theke präsentiert und auf Wunsch frisch erwärmt werden. Klassiker werden hier mit modernen Zutaten kombiniert. Besonders beliebt sind Kreationen mit Ziegenkäse, Foie gras, Blutwurst, iberischem Schinken oder Pilzen.

Dazu gehört natürlich ein Glas Wein aus den nahe gelegenen Anbaugebieten Ribera del Duero, Rueda oder Cigales. Gerade zur Mittagszeit bis etwa 15 Uhr und am Abend herrscht hier volles Gedränge bei hoher Lautstärke 😉 . Aber man lernt schnell und unkompliziert Leute kennen, wie wir z.B. Helen aus Venezuela, die Nichte von Willy Millowitsch und ihre Musikerfreunde.

Im unteren Teil, also im Keller ist es als Restaurant ausgebaut, dort könnt ihr allerdings nur ganze Gerichte bestellen, aber ihr habt es etwas ruhiger.

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Weitere häufig gestellte Fragen zu Valladolid

Und hier kommen wir gleich mal zur Aussprache 😉 :

Wie wird Valladolid ausgesprochen?

Die Aussprache hatte Eva aus Madrid mit uns geduldig geübt. Valladolid spricht man im Spanischen etwa wie Baja(th)oli(th) aus.

Das V wird wie ein weiches B ausgesprochen, der Buchstabe d etwa wie das englische th. Wenn man es ein paar Mal geübt hat, ist es ganz leicht 😉 .

Die Einwohner:innen von Valladolid nennen sich Vallisolitanos (-as) (also etwa Bajisolitanos (-as).

 

Wie kommt man am besten nach Valladolid?

Mit dem Zug von Madrid aus. Denn von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge. Der Schnellzug braucht von Madrid nur etwa 1 Stunde für die knapp 200 km.

Allerdings gestaltet sich das Bahnfahren in Spanien anders als in Deutschland. In den Zügen gibt es keine Stehplätze, man kann auch nicht spontan einsteigen und sein Ticket im Zug lösen. Es ist eher wie beim Fliegen, Sitzplätze werden im Voraus gebucht und es gibt eine Sicherheitskontrolle für das Gepäck. Die Tickets werden vor dem Einsteigen kontrolliert. Für diese Prozedur solltet ihr mindestens 15 Minuten einplanen, an viel frequentierten Strecken und Tagen auch lieber etwas mehr.

Die Menschen passieren die Sicherheitskontrolle an einem Bahnhof, über dem eine große Abfahrtstafel mit den Zugzeiten angebracht ist.
Sicherheitskontrollen am Bahnhof Madrid Chamartín © Siegbert Mattheis
Ein weißer Renfe-Hochgeschwindigkeitszug am Bahnsteig, daneben Gepäck und Fahrgäste.
Der Schnellzug von Madrid braucht nur 1 Stunde nach Valladolid © Siegbert Mattheis

Wie viele Tage sollte man für Valladolid einplanen?

Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten reicht ein voller Tag.

Zwei bis drei Tage sind ideal, wenn ihr zusätzlich Museen besuchen, die Tapas-Szene genießen oder Ausflüge in die Weinregionen unternehmen möchtet.

Kann man Valladolid gut zu Fuß erkunden?

Ja. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen in der kompakten Altstadt und sind bequem zu Fuß erreichbar. Nur für weiter entfernte Ziele wie das Wissenschaftsmuseum benötigt ihr öffentliche Verkehrsmittel. Für die Weingebiete empfiehlt sich ein Mietwagen oder gebuchte Touren mit dem Minivan.

Wann ist die beste Reisezeit für Valladolid?

In Valladolid herrscht kontinentales Klima, heiße Sommer bis 40 Grad und kalte Winter mit Minustemperaturen. Angenehm sind der Frühling von April bis Juni und der Herbst von September bis November.

Wir waren Ende Juni 2026 dort; während es in Deutschland über 40 Grad heiß war, herrschten dort “nur” Temperaturen zwischen 28 und 32 Grad.

Ist Valladolid teuer?

Nein. Valladolid gehört zu den günstigeren Städtezielen Spaniens. Hotels, Restaurants und Tapas-Bars sind deutlich preiswerter als in Madrid, Barcelona oder San Sebastián.

Welche Museen lohnen sich besonders?

Das Museo Nacional de Escultura gehört zu den besten Museen Spaniens. Ebenfalls empfehlenswert sind das Patio Herreriano für moderne Kunst, das Cervantes-Haus, das Kolumbus-Museum und das Wissenschaftsmuseum.

Ist Valladolid für Weinliebhaber interessant?

Ja klar, denn rund um Valladolid liegen gleich mehrere berühmte Weinbaugebiete. Fast alle Weingüter bieten Führungen und Verkostungen an.

  • Ribera del Duero
  • Rueda
  • Cigales
  • Toro

Welche Spezialitäten sollte man probieren?

Typisch für Valladolid sind:

  • Lechazo Asado (Milchlamm aus dem Holzofen)
  • Morcilla de Valladolid
  • Pinchos und Tapas
  • Schafskäse aus Kastilien
  • Sopa Castellana
  • und natürlich regionale Weine aus Ribera del Duero und Rueda

Ist Valladolid eine Tapas-Stadt?

Ja. Valladolid gilt als eine der besten Tapas-Städte Spaniens. Jedes Jahr findet hier sogar die nationale Meisterschaft der Tapas und Pinchos statt. Viele Bars servieren außergewöhnlich kreative kleine Gerichte.

Wo kann man in Valladolid gut essen?

Rund um die Plaza Mayor sowie in den Straßen Calle Correos, Calle Cascajares und Calle Paraíso findet ihr zahlreiche ausgezeichnete Tapas-Bars und Restaurants. Zu den bekanntesten Adressen zählt das Restaurante Jero (siehe unser Besuch weiter oben).

Welche Feste sind besonders sehenswert?

Die Semana Santa zählt zu den eindrucksvollsten Osterfeiern Spaniens und wurde als Fest von internationalem touristischem Interesse ausgezeichnet.

Ebenfalls sehr bekannt ist das Internationale Filmfestival SEMINCI.

Darüber hinaus gibt es immer wieder  verschiedene Wein- und Gastronomiefeste.

Ist Valladolid familienfreundlich?

Ja. Viele Parks, breite Fußgängerzonen, Museen, Spielplätze und kurze Wege machen die Stadt auch für Familien mit Kindern attraktiv.

Welche Ausflüge lohnen sich?

Wie haben hier einige sehenswerte Orte und Regionen ausgesucht, die ihr innerhalb von einer Stunde erreichen könnt, z. B.:

  • Ribera del Duero, das Weinbaugebiet der Tempranillo-Rebsorte
  • Peñafiel mit seiner schiffsförmigen Burganlage
  • Medina del Campo mit seinem wuchtigen Castillo de la Mota
  • Tordesillas, hier wurde 1494 der Vertrag zur Teilung der Welt unterzeichnet
  • Urueña, eine der schönsten Dörfer Spaniens mit vollständig erhaltener, mittlelalterlicher Stadtmauer
  • Rueda, hier wird vorwiegend der weiße Rebsorte Verdejo angebaut
Zehn leere Weingläser und eine Tasse auf einem Tisch, mit Blick auf einen Weinberg und Hügel im Hintergrund.
Alles bereit zur Weinverkostung bei der Bodega Pago de los Capellanes © Siegbert Mattheis
Luftaufnahme einer Burgmauer aus Stein mit einer Stadt, Bäumen und Feldern im Hintergrund unter blauem Himmel.
Weiter Blick von der schiffsartigen Burg von Peñafiel auf das Duero-Tal © Siegbert Mattheis
Eine Flasche Rosé-Sekt und ein gefülltes Glas auf einem gedeckten Esstisch, mit der Aufschrift „0 % Alkohol“.
Köstlicher alkoholfreier Sparkling Rosé der Bodega Win von Emina © Siegbert Mattheis
Eine Flasche Wein in einer Holzkiste neben einem Buch, auf dessen Einband ein lächelnder Mann abgebildet ist.
Feine Tempranillo Weine aus Ribeira del Duero von der Bodega Matarromera © Siegbert Mattheis
Ein Glas Weißwein, Oliven und Brot auf einem Tisch im Freien, im Hintergrund der Blick auf die Weinberge.
Pinchos und Wein bei der Bodega Ramón Bilbao im Rueda © Siegbert Mattheis
Eine Frau mit Brille, die lächelt und eine Flasche José Pariente-Weißwein in einem Innenraum in der Hand hält.
Den ausgezeichneten Verdejo von der Bodega José Pariente präsentierte uns María © Siegbert Mattheis

Warum wird Valladolid auch „Pucela“ genannt?

Dieses Wort haben wir ein paar Mal gehört und nachgefragt. Aber der Spitzname „Pucela“ ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Einer Theorie zufolge geht er auf Ritter aus Valladolid zurück, die im Mittelalter an der Seite von Jeanne d’Arc, der „La Pucelle“ genannten Jungfrau von Orléans, kämpften. Andere Erklärungen führen den Namen auf den Handel mit Puzzolan oder auf ältere sprachliche Entwicklungen zurück. Eine gesicherte Herkunft gibt es bislang nicht.

Ist Valladolid ein gutes Reiseziel für ein Wochenende?

Ja. Dank der kompakten Altstadt, der kurzen Wege, der hervorragenden Gastronomie und der schnellen Zugverbindung nach Madrid eignet sich Valladolid ideal für einen Wochenendtrip. Zwei Übernachtungen reichen aus, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu entdecken und gleichzeitig das entspannte Lebensgefühl der Stadt zu genießen.

Wo übernachten in Valladolid?

Wir hatten im Hotel Barceló Valladolid übernachtet und können es uneingeschränkt empfehlen. Es liegt nur 7 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt und bietet alle Annehmlichkeiten. In 3 Minuten ist man im Campo Grande und in weiteren 5 Minuten mitten in der Stadt!

Das Barceló Hotel Valladolid bei Expedia ansehen *

Ein mit Steinen gepflasterter Innenhof mit Bögen, Sitzgelegenheiten im Freien, grünem Rasen, hohen Zypressen und einem blauen Himmel darüber.
Herrliches Wellness-Hotel Castilla Termal in Valbuena in einer ehemaligen Klosteranlage © Siegbert Mattheis
Gemütliches Hotelzimmer mit Steinwänden, einem Bett, Holzbalken, Bänken und warmer Beleuchtung.
Übernachten in 800 Jahre alten Gemäuern © Siegbert Mattheis

Wo übernachten außerhalb von Valladolid?

Wenn ihr es richtig stilvoll in einer alten Klosteranlage, aber mit vollem Wellness-Programm haben wollt, empfehlen wir euch wärmstens die 5-Sterne-Anlage Castilla Termal Monasterio de Valbuena.

Castilla Termal bei Expedia ansehen *

Ein klarer Pool, in dem zwei Personen schwimmen, im Hintergrund grüne Bäume, darüber ein blauer Himmel mit ein paar Wolken.
Erfrischender Pool © Siegbert Mattheis
Bad unter einer gewölbten gotischen Steindecke, beleuchtet mit violettem und blauem Licht, das sich auf dem Wasser spiegelt.
Spa in einer Kapelle aus dem Mittelalter © Siegbert Mattheis

Wir finden allerdings, dass nur ein Wochenende viel zu wenig ist für diese Perle von Kastilien und León, denn es gibt hier so viele unentdeckte Schätze …

Siegbert Mattheis

Dieser Artikel wurde von uns redaktionell vollkommen unabhängig verfasst. Der Besuch wurde durch Foro de Marquas Renombradas Espaõlas und Turespaña ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Arbeit. Es gilt unser Redaktionskodex.

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Mahnmal für das Viannos Massaker im Süden Kretas

4.83/5 (12)
(Lesezeit nur 5 Min. 😉 )
Auf Kreta könnt ihr neben den vielen antiken Sehenswürdigkeiten auch einige Gedenkstätten der neueren Zeit besichtigen. Wenn ihr an der jüngeren Geschichte von Kreta interessiert seid und die Bewohner besser verstehen möchtet, lohnt sich ein Abstecher dorthin, zum Beispiel nach Viannos im Süden von Kreta. Wir haben die Gedenkstätte im September besucht.
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Bordeaux, die schönsten Sehenswürdigkeiten und Tipps

5/5 (29)
(Lesezeit nur 9 Min. 😉 )
Bordeaux ist für uns eine der schönsten und spannendsten Städte in Frankreich. Die Stadt an der Garonne bietet eine Mischung aus historischer Eleganz, moderner Architektur und direktem Zugang zu weltberühmten Weinlandschaften.

Hier sind unsere Tipps und warum Bordeaux eine der spannendsten Städte Frankreichs ist …

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Am piemontesischen Tisch: Warum Barolo dorthin gehört, wo gegessen wird

5/5 (3)
(Lesezeit nur 4 Min. 😉 )
Wer einmal in Alba an einem Markttag durch die Stadt gelaufen ist, im November, wenn die weißen Trüffel verkauft werden und die Restaurants ihre Türen offen halten, weil der Innenraum nicht mehr alle Gäste fasst, der hat eine bestimmte Form von italienischer Esskultur erlebt, die mit Barolo untrennbar verbunden ist.

Es ist keine Hochkultur. Es ist Alltagskultur, in der Wein, Essen, Familie und Marktgespräche so eng verwoben sind, dass man sie kaum trennen kann.
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Charmante, familiengeführte Hotels im Baskenland

5/5 (4)
(Lesezeit nur 3 Min. 😉 )
Auf der Suche nach schönen, charmanten Hotels im Baskenland sind wir auf die Xarma Hotels gestoßen. Xarma Hotels sind eine exklusive Auswahl an kleinen, familiengeführten Unterkünften, die mit der kulturellen, historischen und geografischen Vielfalt verbunden sind und sich der Identität des Baskenlandes verpflichtet fühlen. Hier möchten wir euch diese Hotels kurz vorstellen:

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Buchtipp: Gebrauchsanweisung für Bordeaux und die Atlantikküste

5/5 (12)
(Lesezeit nur 4 Min. 😉 )

Ein Buch voller Lebensfreude, kulinarischer Entdeckungen und echter Geheimtipps!

SPIEGEL-Bestsellerautor Alexander Oetker nimmt uns auf unterhaltsame Weise mit auf eine genussvolle Reise durch Bordeaux, das Baskenland und an den mit 250 km längsten Sandstrand Europas. Mit viel Liebe, Humor und persönlichen Geschichten beschreibt er Orte, Restaurants und Landschaften so lebendig, dass man am liebsten sofort die Koffer packen möchte.

Und das haben wir tatsächlich auch sofort getan und sind Anfang Mai dorthin gereist 😉 .

Luftaufnahme eines langen Sandstrands mit Wellen und türkisfarbenem Wasser, der sich entlang der Küstenlinie erstreckt.
Côte d'Argens, die Silberküste © Siegbert Mattheis

Was macht das Buch so lesenswert?

Es ist weit mehr als ein klassischer Reiseführer, es liest sich beinahe wie ein Roman und ist gleichzeitig auch ein kleines Rezeptheft.

Alexander Oetker schreibt mit Herz, Leidenschaft und einem wunderbaren Gespür für Atmosphäre. Seine Beschreibungen der endlosen Sandstrände, der berühmten Weinregionen und der malerischen Altstadt von Bordeaux oder die Begegnungen im Baskenland lassen uns tief in das französische Savoir-vivre eintauchen.

Ein reizvolles Haus aus Ziegeln und Stein mit einem hohen Türmchen, kunstvollen Verzierungen und einem grünen Tor unter einem klaren blauen Himmel.
Eine von über 500 Jugendstil-Villen in Soulac © Siegbert Mattheis
Eine hölzerne Fischerhütte auf Stelzen steht über einer felsigen Küste, über der sich Netze und ein bewölkter Himmel spannen.
Ein typisches Carrelet an der Gironde © Siegbert Mattheis

Warum ist das Buch so besonders?

Vor allem waren wir angetan davon, wie authentisch Oetker die Region beschreibt. Einige der Restaurants, Plätze und Genussorte haben wir dann auch selbst besucht und konnten seine Begeisterung absolut nachvollziehen.

Ob die feinen Bistros in Bordeaux, die berühmten Austern in Cap Ferret oder die beeindruckenden Dünen an der Côte d’Argent, der Silberküste am Atlantik: Dieses Buch trifft unserer Meinung nach die Seele des Südwestens Frankreichs perfekt.

Eine geöffnete Auster mit einer Perle im Inneren liegt auf einer Holzfläche am Wasser unter einem bewölkten Himmel.
Auster aus dem Becken von Arcachon © Siegbert Mattheis
Ein Küstendorf mit roten Dächern, grünen Bäumen, blauem Wasser und sandigen Dünen unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Dune de Pilat, Europas größte Düne © Siegbert Mattheis
Ein großes steinernes Herrenhaus mit hohen Säulen, umgeben von Bäumen und Grün, das von einem Kiesweg aus zu sehen ist.
Château Margaux im Médoc © Siegbert Mattheis
Ein kopfsteingepflasterter Platz mit Straßencafés, sitzenden Menschen und historischen Steingebäuden unter einem bewölkten Himmel.
Place Saint Pierre in Bordeaux © Siegbert Mattheis

Nicht nur Sehenswürdigkeiten

Dabei erzählt Oetker nicht nur von Sehenswürdigkeiten. Obwohl die, wie z. B. das interaktive Museum Cité du vin in Bordeaux, nach dessem Besuch selbst Kinder “Wow!” sagen, auch nicht zu kurz kommen.

Er schreibt über Menschen, Traditionen, gutes Essen, Wein, Märkte und das entspannte Lebensgefühl dieser Region. Er hat u. a. ehemalige Pariser Bobos besucht, die Ihren Traum auf dem Lande verwirklicht haben, die Gendarmerie auf dem Arachon-Becken begleitet und auch einen Hersteller der umstrittenen Foie Gras besucht.

Wie Empfehlungen von Freunden

Seine Texte wirken wie persönliche Empfehlungen eines guten Freundes, der uns seine liebsten Orte zeigen möchte. Genau das macht dieses Buch so sympathisch und inspirierend. Auch, dass er das Buch seiner Maman gewidmet hat

Sehr anregend fanden wir auch die kulinarischen Kapitel. Die Beschreibungen der Bistros, Weinbars und Spezialitäten machen sofort Appetit. Seine Begeisterung für die französische Esskultur ist ansteckend. Durch ihn haben wir auch das beste Steak der Welt mit einer exquisiten Sauce in Bordeaux entdeckt! Oetker hat sogar das Rezept dieser geheimen Sauce „nach seiner Nase“ aufgeschrieben.

Zusätzlich haben wir auch einen Trick erfahren, wie man Schwertmuscheln “fängt”  😉 !

In Scheiben geschnittenes, medium-rare Steak in geschmolzener Butter und Saft auf einem silbernen Tablett
Superzartes Steak in der geheimnisumwitterten Sauce, auf jeden Fall mit viel Butter, Senf, Thymian, Majoran ... © Siegbert Mattheis
Ein lächelndes Paar steht lächelnd vor vor einer Veranda mit Sprossenfenstern mit Grünpflanzen
Fabrinah und Gernot Rohr vor ihrem Hôtel des Pins © Siegbert Mattheis

Aufgrund des Kapitels über den Fußballer und Trainer Gernot Rohr haben wir sofort zwei Übernachtungen in dessen wunderschönem Hôtel des Pins in Cap Ferret gebucht. Und konnten sogar ein spannendes Interview mit ihm führen, das ihr in unserem anderen Magazin LIVVING.de nachlesen könnt:

Fußball-Legende Gernot Rohr: Warum er nicht an Ruhestand denkt

Welche Regionen werden im Buch vorgestellt?

Im Mittelpunkt stehen:

  • Bordeaux und seine historische Altstadt
  • Die Weinregion Médoc
  • Saint-Émilion und die berühmten Weingüter
  • Das Bassin d’Arcachon mit der Dune du Pilat
  • Die französische Atlantikküste Côte d‘Argent
  • Das Baskenland rund um Biarritz und Bayonne
Ein Café mit Sitzplätzen im Freien auf einem kopfsteingepflasterten Platz, umgeben von sandfarbenen historischen Steingebäuden in einer sonnigen französischen Kleinstadt.
Saint-Émilion © Siegbert Mattheis

Für wen eignet sich dieses Buch?

Dieses Buch ist ideal für:

  • Frankreich-Liebhaber
  • Bordeaux-Reisende
  • Genussmenschen
  • Weinliebhaber
  • Fans der französischen Küche
  • Leser:innen, die inspirierende Reisebücher mögen

Auch wer bereits selbst an der Atlantikküste oder in Bordeaux war, wird viele Orte wiedererkennen und neue Inspiration entdecken.

Buchdeckel: Bunte Häuser an einem sonnigen Strand mit blauem Himmel, der Text lautet "Bordeaux und die Atlantikküste.".

Warum wir dieses Buch empfehlen?

Weil Alexander Oetker es schafft, die besondere Atmosphäre von Bordeaux und der Atlantikküste mit großer Leidenschaft einzufangen. Viele der beschriebenen Orte haben wir selbst erlebt und können nur bestätigen: Genau so fühlt sich diese Region an. Dieses Buch macht Lust auf Frankreich, auf gutes Essen, auf Wein, Meer und Lebensfreude. Eine wunderbare Inspiration für alle Frankreich-Liebhaber und ein echtes Genussbuch für entspannte Lesestunden.

Alexander Oetker: Gebrauchsanweisung für Bordeaux und die Atlantikküste

  • Erschienen im Piper Verlag
  • 30. April 2026
  • 224 Seiten
  • ISBN: 978-3492277938

Bei amazon bestellen *

Die Erstauflage des Buches erschien 2020, aber der Autor hat das Buch insofern überarbeitet, dass er konkrete Tipps überprüft, aktualisiert und vor allem auch erweitert hat.

Ihm war es ein Anliegen, insbesondere diese konkreten Reisetipps weiter auszubauen. Zudem hat er ein Kapitel zum größten FFK-Feriendorf Europas, dem Euronat ganz neu aufgenommen.

Mann mit kurzen dunklen Haaren und Bart, der eine gemusterte Jacke trägt, lächelt in die Kamera vor einem braunen Hintergrund.
Alexander Oetker © Anja Jahn

Wer ist der Autor Alexander Oetker?

Alexander Oetker wuchs in Berlin und Wandlitz auf. Schon in frühester Jugend schrieb er Kurzgeschichten. Später arbeitete der studierte Sozial- und Politikwissenschaftler für die Berliner Zeitung und war langjähriger Frankreichkorrespondent für RTL und n-tv. Er ist profunder Kenner von Politik und Gesellschaft der Grande Nation. Die ersten drei Bände um Luc Verlain, Retour, Château Mort und Winteraustern standen wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Unter dem Pseudonym Yanis Kostas schreibt er auch Zypern-Krimis, wie den spannenden Roman “Tod am Aphroditefelsen”.

Er hat mehrere Auszeichnungen erhalten, sein Liebesroman Mittwochs am Meer erhielt z. B. den DELIA 2022 den Literaturpreis für den anspruchsvollsten Liebesroman des Jahres.

Alexander Oetker lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen abwechselnd in Berlin und in der Region Nouvelle Aquitaine.

Wenn ihr Frankreich so liebt wie er, werdet ihr dieses Buch verschlingen.

Wenn (noch) nicht, werdet ihr bestimmt zumindest Fans von Bordeaux, dem Médoc, dem Bassin von Arcachon oder der südwestlichen Atlantikküste bis nach Biarritz und darüber hinaus! 😉

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

20 kretische Spezialitäten, Chochlioí, Dakos, Rakí, Saganáki, Tirokafteri, …

4.92/5 (12)
(Lesezeit nur 5 Min. 😉 )
Innerhalb der griechischen Küche nehmen die Spezialitäten aus Kreta einen besonderen Stellenwert ein. Auf der drittgrößten Mittelmeerinsel leben die meisten über 100jährigen bei bester Gesundheit. Hier wurde auch in den 1960er Jahren die Mittelmeer- oder Kreta-Diät entdeckt. Viel Gemüse und Hülsenfrüchte, wenig Fleisch und viel kretisches Olivenöl sorgen offenbar für ein langes Leben. Weiterlesen

Château, Domaine, Clos oder Cru: Was bedeuten diese Begriffe bei französischem Wein?

5/5 (10)
(Lesezeit nur 3 Min. 😉 )

Auf unseren Besuchen in den französischen Weinregionen sind wir immer auf Begriffe wie „Château“, „Domaine“, „Clos“ oder auch nur „Grand Cru“ gestoßen. Wie viele andere Weinliebhaber:innen vermuteten wir dahinter einfach Marketingbegriffe oder besonders edle Weingüter. Tatsächlich haben die Bezeichnungen aber eine konkrete historische und weinrechtliche Bedeutung.

Gerade in Frankreich verraten sie oft etwas über Herkunft, Besitzstruktur, Qualität und sogar die Geschichte eines Weins. Wir haben bei den Winzer:innen genauer nachgefragt.

Ein prächtiges historisches Gebäude mit verschnörkelter Architektur, roten Backsteinakzenten und einem zentralen Bogeneingang unter einem bewölkten Himmel.
Château Cantenac Brown, Médoc © Siegbert Mattheis

Was bedeutet „Château“ bei Wein?

Die Region um Bordeaux ist die Heimat der berühmten „Châteaux“. Wörtlich bedeutet das französische Wort zwar „Schloss“ oder „Herrenhaus“, im Weinbau meint es aber vor allem ein eigenständiges Weingut.

Ein Château besitzt normalerweise:

  • eigene Weinberge
  • eigene Produktion
  • eigene Abfüllung

Der Wein stammt also aus einer zusammenhängenden Herkunft.

Ein großes steinernes Herrenhaus mit hohen Säulen, umgeben von Bäumen und Grün, das von einem Kiesweg aus zu sehen ist.
Château Margaux im Médoc © Siegbert Mattheis
Ein steinernes Herrenhaus mit zwei spitzen Türmen, verziertem Dach und eingezäuntem Garten, umgeben von Bäumen.
Château Palmer, Médoc © Siegbert Mattheis

Bekannte Beispiele sind:

  • Château Margaux
  • Château Lafite Rothschild

Allerdings ist nicht jedes Château ein prachtvolles Schloss. Manche sind eher schlichte Landgüter. Entscheidend ist der Betrieb als wirtschaftliche und önologische Einheit.

Was ist der Unterschied zwischen Château und Domaine?

Der Begriff „Domaine“ wird vor allem in Burgund verwendet.

Eine Domaine ist ebenfalls ein Weingut, allerdings liegt der Fokus stärker auf:

  • Besitzverhältnissen
  • einzelnen Parzellen
  • familiengeführten Weinbergen

Während in Bordeaux oft das gesamte Gut im Mittelpunkt steht, denkt man in Burgund stärker in einzelnen Lagen.

Dort besitzen die Weingüter häufig kleine, historisch gewachsene Parzellen, die über Generationen vererbt wurden.

Ein berühmtes Beispiel:

  • Domaine de la Romanée-Conti

Weinprobe im Burgund: worauf sollte man achten?

Was bedeutet „Clos“?

Ein „Clos“ (von clos, close = geschlossen) bezeichnet traditionell einen ummauerten Weinberg. Der Begriff stammt aus dem Mittelalter. Damals umgaben Klöster ihre wertvollsten Rebflächen oft mit Mauern. Diese schützten die kostbaren Reben vor Tieren, Diebstahl und Wind.

Heute existieren manche Mauern noch, andere nicht mehr. Der Name blieb jedoch erhalten.

Berühmtes Beispiel:

  • Clos de Vougeot

Ein Clos ist meist keine Marke und kein einzelnes Weingut, sondern eine konkrete Lage. Diese kann sogar mehreren Eigentümer:innen gehören.

Was bedeutet „Cru“ beim Wein?

„Cru“ bedeutet wörtlich etwa „Gewächs“ oder „Lage“. Gemeint ist damit eine Qualitätsklassifikation.

Besonders bekannt sind dabei:

  • Grand Cru
  • Premier Cru

Die Bedeutung hängt jedoch stark von der Region ab.

In Burgund bezeichnet Grand Cru meist eine besonders hochwertige Einzellage.

In der Region um Bordeaux wie im Médoc kann sich Cru auch auf historische Klassifikationen von Weingütern beziehen. Bekannt ist vor allem die Bordeaux-Klassifikation von 1855.

Ist ein Château besser als ein Domaine?

Nein. Die Begriffe sagen zunächst nichts über die tatsächliche Qualität aus. Ein kleines familiengeführtes Domaine kann deutlich bessere Weine produzieren als ein berühmtes Château und umgekehrt.

Entscheidend sind:

  • Lage
  • Boden
  • Klima
  • Rebsorten
  • Arbeit im Weinberg
  • Ausbau des Weins

Warum sind Grand-Cru-Weine oft so teuer?

Grand-Cru-Lagen gelten als besonders hochwertig und sind gekennzeichnet durch:

  • geringe Erträge
  • komplexe Aromen
  • lange Lagerfähigkeit

Dazu kommt häufig eine extreme Knappheit. Manche Spitzenlagen in Burgund umfassen nur wenige Hektar. Das treibt die Preise erheblich nach oben.

Warum sind französische Weinbegriffe so kompliziert?

Frankreich besitzt eine jahrhundertealte Weinkultur mit regional sehr unterschiedlichen Traditionen. Jede Region entwickelte ihre eigenen Begriffe und Klassifikationen.

Dazu kommen:

  • historische Besitzstrukturen
  • Klostertraditionen
  • Adelshäuser
  • regionale Weinrechte

Deshalb unterscheiden sich die Bedeutungen teilweise stark zwischen Bordeaux, Burgund, Champagne oder Rhône.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

  • Château: Eigenständiges Weingut mit eigenen Rebflächen
  • Domaine: Weingut, oft familiengeführt und parzellenorientiert
  • Clos: Historisch ummauerte Weinlage
  • Cru: Qualitäts- oder Lagenklassifikation

Weitere häufige Fragen zu Château, Clos, Domaine und Cru

Ist jedes Château ein Schloss?

Nein. Viele Châteaux sind einfache Gutshäuser oder landwirtschaftliche Betriebe.

Kann ein Clos mehreren Eigentümern gehören?

Ja. Besonders in Burgund teilen sich oft mehrere Produzent:innen dieselbe historische Lage.

Bedeutet Grand Cru automatisch Spitzenqualität?

Grand Cru ist ein starkes Qualitätssignal. Trotzdem unterscheiden sich Stil und Qualität je nach Produzent erheblich.

Warum stehen auf französischen Weinflaschen oft keine Rebsorten?

Frankreich betont traditionell die Herkunft und das Terroir stärker als die Rebsorte.

Wir hoffen, wir konnten nun etwas zu den – zugegebenermaßen nicht ganz unkomplizierten – Bezeichnungen bei französischen Weinen beitragen. Das Wichtigste bleibt jedoch unserer Meinung nach, dass der Wein schmeckt! Egal wie die Bezeichnung ist und woher er kommt 😉 .

Santé !

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Mondello, einzigartiger Strand und Badeort auf Sizilien

4.73/5 (15)
(Lesezeit nur 6 Min. 😉 )
Mondello: ein wenig Côte d‘Azur, etwas Karibikfeeling, dazu feiner weißer Sand, türkisfarbenes Meer und Jugendstilflair auf Sizilien …

Wir haben den wunderschönen Ort das letzte Mal Anfang September besucht. Hier findet ihr unsere Eindrücke und die wichtigsten Tipps für diesen einzigartigen Badeort.
Weiterlesen

Manna, das Geheimnis um Siziliens süßes, “weißes Gold”

4.94/5 (31)
(Lesezeit nur 3 Min. 😉 )
Ja, Manna fällt vom Himmel! Jedenfalls auf Sizilien. Vielleicht nicht von ganz oben, aber es tropft einfach von den Bäumen herunter. Um das Geheimnis des sizilianischen Manna zu lüften, haben wir uns ins Manna-Tal zwischen Pollina und Castelbuono auf Sizilien begeben.
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Sommer, Sonne – mediterranes Flair für Zuhause

4.75/5 (4)
(Lesezeit nur 3 Min. 😉 )

Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling durch die Fenster fallen und die Räume in goldenes Licht tauchen, erwacht in vielen Menschen eine tiefe Sehnsucht nach dem Süden. Lavendelduft, warme Terrakotta-Töne und das leise Rauschen einer Brise lassen sich auch zu Hause einfangen. Das Gefühl eines entspannten Nachmittags an der Amalfiküste oder auf einer griechischen Insel lässt sich auch ohne Flugreise nach Hause holen. Farben, Materialien und passende Accessoires schaffen eine Atmosphäre wie an Sommerabenden am Mittelmeer. Dieser Ratgeber zeigt die Umsetzung Schritt für Schritt.

Pinie, Kirchturm, Blick von weit oben aufs Meer
Ravello, dieses Motive stehet sinnbildlich für die Amalfiküste © Siegbert Mattheis

Farben, Stoffe und Materialien – so entsteht südländisches Wohngefühl

Natürliche Materialien als Basis für Authentizität

Neben der Farbgebung spielen Materialien eine zentrale Rolle. Naturstein, unbehandeltes Holz, Rattan und Leinen transportieren das Gefühl südlicher Lebensart in jeden Raum. Ein massiver Esstisch aus Olivenholz wird zum Mittelpunkt des Wohnbereichs, während geflochtene Körbe als Aufbewahrung dienen und gleichzeitig dekorativ wirken. Kissenbezüge aus grobem Leinen in Erdtönen, dazu handgetöpferte Keramikschalen – solche Details machen den Unterschied zwischen einer beliebigen Einrichtung und einem Raum mit echtem Charakter.

Es lohnt sich übrigens, bei der Auswahl von Textilien gezielt auf mediterrane Muster und Dessins zu achten. Streifen in Blau und Weiß, dezente Blumenprints oder geometrische Motive, die an den maurischen Stil erinnern, verleihen Vorhängen, Tischdecken und Sofakissen eine unverwechselbare Note mit mediterranem Charakter. Lichtdurchlässige Vorhänge aus Baumwollgaze filtern das Sonnenlicht und erzeugen ein weiches, warmes Raumklima.

Sommer-Accessoires mit Stil – vom Buch bis zur Brille

Lesegenuss unter freiem Himmel

Zum perfekten mediterranen Sommergefühl gehört ein gutes Buch. Auf der Terrasse oder dem Balkon liest man am besten ein Buch, das gedanklich in ferne Landschaften entführt. Ilja Leonard Pfeijffers Roman “Das Haus in den Hügeln” entführt Leserinnen und Leser nach Genua und wirft dabei Fragen zu Tourismus, Identität und städtischem Wandel auf. Ein solcher Lesetipp passt wunderbar zur entspannten Stimmung eines langen Sommernachmittags auf der Terrasse und regt dazu an, über das eigene Verhältnis zu südlichen Sehnsuchtsorten sowie die Anziehungskraft des Mittelmeerraums nachzudenken.

Sonnenbrillen und Brillen als modisches Statement

Die richtige Brille ist ein oft unterschätztes Accessoire, das wesentlich dazu beiträgt, das Lebensgefühl im Alltag stilvoll und authentisch zum Ausdruck zu bringen. Eine gut gewählte Brille dient als Sonnenschutz und unterstreicht zugleich den persönlichen Stil. Besonders reizvoll ist das Angebot, beim Kauf von zwei Brillen die dritte kostenlos dazu zu bekommen. So ergibt sich die reizvolle Gelegenheit, die dritte Brille gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin zu nutzen. Ein lässiger Partnerlook passt zu Strand und Markt. Die Auswahl bei eyes and more lässt keine Wünsche offen und bietet für nahezu jeden Geschmack und Stil die passenden Modelle.

Bei der Wahl der Fassung dürfen Formen und Farben durchaus auffällig und ausdrucksstark sein. Runde Modelle in Schildpatt-Optik erinnern an italienische Filmstars der Sechzigerjahre, während kantige Formen in dunklem Acetat modern und selbstbewusst wirken. Braune oder grüne Gläser filtern Licht angenehm und wirken warm.

Diese Tipps erleichtern die Wahl der passenden Sommerbrille:

 

  1. UV-Schutz prüfen: Kategorie 3 ist für die meisten Sommeraktivitäten im Freien geeignet.
  2. Gesichtsform beachten: runde Gesichter passen zu eckigen Fassungen und umgekehrt.
  3. Auf Materialeigenschaften achten: leichtes Acetat oder Titan bieten hohen Tragekomfort bei Hitze.
  4. Farben auf den Hautton abstimmen: Warme Töne passen zu Gold/Braun, kühle zu Silber/Schwarz.
  5. Stil passend zum Anlass wählen: verspiegelte Sportbrille für den Strand, elegantes Modell fürs Abendessen.

Diese Checkliste erleichtert die Auswahl und das Ergebnis passt stimmig zum mediterranen Stilkonzept.

Düfte und Pflanzen tragen wesentlich dazu bei, südländische Atmosphäre in den Räumen zu erzeugen. Frischer Rosmarin in einer Tonvase, Zitronen auf dem Tisch oder eine Feigenkerze sprechen mehrere Sinne zugleich an. Olivenbäumchen gedeihen auf sonnigen, windgeschützten deutschen Balkonen. Lavendel wiederum verströmt nicht nur seinen betörenden Duft, der an die Felder der Provence erinnert, sondern hält gleichzeitig auch lästige Mücken fern, was sich an lauen Sommerabenden draußen als äußerst praktischer Vorteil erweist.

Auch die Beleuchtung verdient Aufmerksamkeit. Lichterketten mit warmweißen LEDs, Laternen aus Schmiedeeisen oder einfache Stumpenkerzen auf einem Holztablett schaffen jene stimmungsvolle Abendatmosphäre, die typisch für Restaurants an der Côte d’Azur oder auf Mallorca ist. Wer tiefer in das Thema Farbgestaltung eintauchen möchte, findet unter fachkundigen Empfehlungen zur mediterranen Farbwelt wertvolle Anregungen für die konkrete Umsetzung.

Letztlich ist das mediterrane Wohngefühl weniger eine Frage des verfügbaren Budgets als vielmehr eine Frage der liebevollen Aufmerksamkeit für kleine Details, die in ihrer Gesamtheit den Unterschied ausmachen.

Entscheidend ist die bewusste Wahl – von der Wandfarbe über den Lesestoff und die Tischdekoration bis hin zur Sonnenbrille. Wer Materialien, Farben und Accessoires mit Bedacht kombiniert, kann damit nicht nur das Wohnzimmer, sondern auch Balkon und Terrasse in einen ganz persönlichen Rückzugsort verwandeln, der südländischen Charme und Lebensfreude ausstrahlt. Das Schöne daran ist, dass dieses südländische Flair dauerhaft bestehen bleibt, selbst wenn der Sommer sich langsam verabschiedet und die ersten kühlen Herbsttage Einzug halten. Denn ein Zuhause, das Wärme ausstrahlt, ist zu jeder Jahreszeit eine Wohltat.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich kleine Räume mediterran gestalten ohne sie zu überladen?

In kleinen Räumen sollten Sie sich auf maximal drei Farbtöne beschränken und viel Weiß als Basis verwenden. Multifunktionale Möbel aus hellem Holz sparen Platz, während wenige große Accessoires wie eine markante Keramikschale mehr Wirkung erzielen als viele kleine Deko-Gegenstände. Spiegel mit rustikalen Rahmen vergrößern optisch den Raum und reflektieren das mediterrane Licht.

Welche stylischen Sonnenbrillen passen perfekt zu meinem mediterranen Wohnstil?

Die richtige Sonnenbrille ergänzt das südländische Lebensgefühl auch beim persönlichen Stil. Bei eyes + more finden Sie stylische Brillen bei eyes and more, die mit warmen Tönen und eleganten Formen perfekt zu einem mediterranen Lifestyle passen. Ob klassische Aviator in Goldtönen oder moderne Modelle in erdigen Nuancen - die Auswahl kombiniert Funktionalität mit südländischer Eleganz.

Was kostet eine komplette mediterrane Wohnzimmer-Umgestaltung?

Eine mediterrane Umgestaltung ist bereits ab 500-800 Euro möglich, wenn Sie gezielt vorgehen. Wandfarbe und neue Textilien schlagen mit etwa 200 Euro zu Buche, ein rustikaler Esstisch kostet 300-600 Euro. Für Accessoires und Pflanzen sollten Sie weitere 200-400 Euro einplanen. Wer schrittweise renoviert und gebrauchte Möbel aufarbeitet, kann die Kosten deutlich reduzieren.

Welche häufigen Fehler sollte ich bei der mediterranen Einrichtung vermeiden?

Der größte Fehler ist die Überladung mit zu vielen verschiedenen Mustern und Farben gleichzeitig. Vermeiden Sie künstliche Materialien wie Plastik-Rattan oder billige Imitationen von Naturstein. Auch zu dunkle Räume oder kühle LED-Beleuchtung zerstören die warme Atmosphäre. Setzen Sie stattdessen auf weniger, dafür hochwertige Stücke mit authentischen Materialien.

Welche Pflanzen eignen sich am besten für ein mediterranes Zuhause?

Authentische mediterrane Pflanzen wie Olivenbäume in Terrakotta-Töpfen, Lavendel, Rosmarin und Bougainvillea bringen echtes Südgefühl ins Haus. Diese Pflanzen benötigen wenig Wasser, lieben sonnige Standorte und verbreiten natürliche Düfte. Für dunklere Ecken eignen sich robuste Feigenbäume oder Zitronenbäume, die auch bei weniger Licht gedeihen.

Automatische Bewässerung für Garten, Balkon und Terrasse, so einfach geht’s!

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(Lesezeit nur 6 Min. 😉 )

Eine automatische Bewässerungsanlage lässt sich mit dem richtigen System auch ohne Vorkenntnisse in wenigen Stunden einfach selbst installieren.

Wir haben einige Systeme ausprobiert (auch die Gießfreundschaft mit unseren Nachbar:innen 😉 ) und haben uns schlussendlich für das Gardena-Micro Drip entschieden. Es läuft inzwischen seit vielen Jahren zuverlässig und ohne größere Probleme. Hier unsere Praxis-Tipps zu Planung, Installation und Inbetriebnahme:

Topf mit Lavendel und einer Bewässerung
Automatisch bewässert und flexibel regulierbar © Siegbert Mattheis

Lohnt sich eine automatische Bewässerungsanlage?

Ja. Besonders wenn ihr häufig unterwegs seid, im Sommer in den Urlaub fahrt oder schlicht keine Zeit habt, täglich zu gießen. In heißen Sommern mit Trockenperioden kann selbst ein kurzer Urlaub ohne Bewässerung fatale Folgen für die Pflanzen haben. Eine automatische Anlage übernimmt das Gießen zuverlässig, spart viel Zeit und langfristig sogar Wasser.

Und eure Nachbarn werden euch ebenfalls dankbar dafür sein 😉 .

Was braucht man für eine automatische Bewässerung auf Balkon oder Terrasse?

Für eine automatische Bewässerungsanlage benötigt ihr drei Dinge:

  1. Eine Wasserquelle: am einfachsten ein Außenwasserhahn in der Nähe eurer Pflanzen.
  2. Ein Bewässerungssystem: mit Haupt- und Verteilerschläuchen sowie passenden Sprüh- oder Tropfdüsen.
  3. Einen Bewässerungscomputer: er regelt Gießzeiten, Häufigkeit und Dauer vollautomatisch.

Praxis-Tipp: Wir nutzten das GARDENA® Micro-Drip-System Starter-Set. Das enthält bereits Schläuche, Düsen und die nötigen Anschlussstücke für mehrere Töpfe.

GARDENA® Micro-Drip-System bei amazon ansehen *

Wie plant man eine automatische Bewässerungsanlage?

Macht euch auf jeden Fall vorher einen Plan! Zählt zunächst alle Pflanzen, die bewässert werden sollen, und messt die Abstände vom Wasseranschluss zu jeder einzelnen. Zeichnet dann einen einfachen Plan.

  • Der Hauptschlauch (13 mm Durchmesser) sollte vom Wasseranschluss bis zu den letzten Pflanzen reichen.
  • Von diesem Hauptschlauch zweigen dann die dünneren Verteilerschläuche (4,6 mm) zu den einzelnen Töpfen ab.

Praxistipp: Am besten verlegt man den Hauptverteilerschlauch am Boden jeweils bis (fast) zur letzten Pflanze. Am Boden ist der dickere Schlauch auch weniger sichtbar.

gezeichneter Plan
Unser Plan 😉 © Siegbert Mattheis

Wieviele Düsen braucht eine Pflanze?

Unsere Faustregel für die Anzahl der Sprühdüsen:

  • Kleine bis mittelgroße Töpfe: 1 Düse
  • Große Töpfe oder kräftige Pflanzen: 2 Düsen
  • Längliche Pflanzkästen (ca. 50 cm): 3 Düsen
Verpackung von Gardena
Unser Gardena-Starterset © Siegbert Mattheis
Messer und Schläuche auf einem schwarzen Brett
Einfach mit dem Messer zu schneiden© Siegbert Mattheis

Wie montiert man die Schläuche und Düsen?

  1. Schläuche zuschneiden: Mit einem scharfen Küchenmesser auf einer stabilen Unterlage lassen sich die Schläuche sauber und gerade schneiden.
  2. Verbindungen herstellen: Das Quick & Easy-System ermöglicht es, Schläuche und Anschlussstücke ohne Schlauchschellen einfach aufeinander zu schieben. Durch die Spannung der Schelle und einer Art Widerhaken hält der Sitz von selbst.
  3. Düsen aufstecken: Die Sprühdüsen werden direkt auf die Verteilerenden aufgesteckt.

Profi-Tipp: Bei kühlem Wetter können die Schlauchenden etwas steif sein und es ist dann schwieriger, sie auf die Verbindungsstücke zu schieben. Erwärmt die Enden kurz mit einem Fön oder taucht sie vorher in heißes Wasser. Dann lassen sie sich viel leichter aufstecken.

Rote Tropfdüse mit Schlauch rechts und links
Die beiden Blechklammern des Quick & Easy-Systems rechts und links der Tropfdüse halten die Schlauchenden fest © Siegbert Mattheis
Topf mit Erde und zwei Sprühdüsen
Größere Töpfe und Pflanzen brauchen eher zwei Sprühdüsen © Siegbert Mattheis

Welche Düsenarten gibt es und welche braucht man wofür?

  • Tropfdüsen bewässern punktuell direkt an der Wurzel. Ideal für empfindliche Pflanzen oder dort, wo kein Sprühnebel entstehen soll.
  • 360-Grad-Sprüdüsen verteilen das Wasser gleichmäßig im Kreis. Gut geeignet für größere Töpfe und buschige Pflanzen.

Die Intensität lässt sich bei beiden Typen über einen Drehknopf individuell regulieren. Das ist wichtig, da verschiedene Pflanzen unterschiedliche Wassermengen benötigen.

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Möbel und Inneneinrichtung von Loberon

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Wie schließt man den Bewässerungscomputer an?

Der Bewässerungscomputer wird direkt an den Wasserhahn angeschlossen. Zwischen Computer und Schlauchsystem kommt ein sogenanntes Basisgerät, das den Wasserdruck reduziert und das Wasser filtert. Dieser Filter schützt die Düsen vor Verstopfungen durch Kalkablagerungen.

Wie programmiert man den Bewässerungscomputer?

Die Programmierung ist unkompliziert: Über ein Display und einen Drehknopf legt ihr fest:

  • zu welchen Uhrzeiten
  • an welchen Tagen (ob täglich, alle 2 oder 3 Tage etc.) und
  • wie lange die Bewässerung laufen soll.

Gute Modelle erlauben bis zu drei Bewässerungsvorgänge täglich mit einer Dauer von 1 Minute bis zu mehreren Stunden.

Bewässerungscomputer mit 4 roten Tasten
Der Bewässerungscomputer, einfach zu bedienen © Siegbert Mattheis
teilstück im Schlauch
Basisgerät zur Druckreduzierung © Siegbert Mattheis

Wann ist die beste Uhrzeit zum Gießen?

Die ideale Zeit zum Bewässern ist früh morgens zwischen 6 und 9 Uhr. Denn zu dieser Zeit verdunstet das Wasser deutlich weniger als mittags oder am Nachmittag. So hat es ausreichend Zeit, bis zu den Wurzeln einzusickern.

Außerdem verringert sich das Risiko von Schimmelbildung, das beim abendlichen Gießen entstehen kann. Bewässerungscomputer lassen sich exakt auf diese Zeiten programmieren. Ihr müsst dafür also nicht extra früh morgens aufstehen 😉 .

Wie oft und wie lange soll gegossen werden?

Das hängt von der Pflanzenart, der Topfgröße, dem Standort und der Witterung ab:

  • Kleine Balkonkästen in voller Sonne: täglich, an Hitzetagen auch zweimal täglich
  • Große Kübelpflanzen im Halbschatten: alle 1–2 Tage
  • Mediterrane Pflanzen wie Lavendel oder Rosmarin: seltener, da trockenheitsliebend, sie mögen keine Staunässe
  • Wasserliebende Pflanzen wie Hortensien: täglich und großzügig

Mehr über die wichtigsten mediterranen Pflanzen

Mehr über Hortensien und warum sie ihre Farbe wechseln

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Wie verhindert man, dass Balkonkästen austrocknen?

  • Eine Drainageschicht aus Blähton am Topfboden speichert überschüssige Feuchtigkeit und gibt sie bei Bedarf wieder ab.
  • Kunststofftöpfe halten Feuchtigkeit länger als Terrakottagefäße. Allerdings besteht da das Risiko von Staunässe und Wurzelfäule.

Warum Terrakottatöpfe für Pflanzen ideal sind

Kann man mit der automatischen Bewässerung auch Wasser sparen?

Ja. Mit einem guten System kann sogar bis zu 50 % Wasser sparen. Denn solche Tröpfchenbewässerungssysteme geben das Wasser gezielt und kontrolliert ab. So verdunstet es kaum und läuft auch nicht ungenutzt ab.

Smarte Systeme, die mit Bodenfeuchtigkeitssensoren oder Wetterdaten arbeiten, bewässern zudem nur, wenn es wirklich nötig ist und setzen bei Regen automatisch aus. Das spart nicht nur Wasser, sondern schützt die Pflanzen auch vor Überwässerung.

Kann man die automatische Bewässerung per App steuern?

Ja. Mit dem GARDENA Smart System lässt sich die Bewässerung bequem per Smartphone steuern, egal wo ihr gerade seid. Die App (für iOS und Android) ermöglicht:

  • Gießdauer und -häufigkeit jederzeit anzupassen
  • Bewässerung bei Regen manuell stoppen
  • Anbindung an eine Wetter-App für vollautomatische Anpassung

Kann man dank der automatischen Bewässerung sorglos in den Urlaub fahren?

Ja. Und das ist einer der größten Vorteile. Sobald das System eingestellt und ihr ein paar Tage getestet habt, klappt es zuverlässig auch über mehrere Wochen. Das können wir nun aus eigener Erfahrung nach mehreren Jahren bestätigen: Nach jedem Urlaub kommen wir zurück in unser kleines, blühendes und grünes Paradies 😉 .

Praxistipp: Testet das System mindestens ein bis zwei Wochen vor dem Urlaubsantritt und justiert alle Düsen sorgfältig nach, um zu testen, dass jede Pflanze bestmöglich bewässert wird und keine Staunässe entsteht.

Viele Pflanzen mit roten Blüten
Das Bewässerungssystem ist so gut wie nicht zu sehen © Siegbert Mattheis

Was sollte man beim Winterbetrieb beachten?

Wir haben inzwischen die Erfahrung mit mehreren Wintern, auch mit extremen Temperaturen gemacht. Im jeweils nächsten Frühjahr mussten wir nur manche Düsen reinigen und nachjustieren und Schläuche wieder fester aneinander stecken, aber das war auch alles. Dafür:

  • Bewässerungscomputer abbauen, die Batterie entnehmen und trocken lagern
  • Wasserhahn schließen und das restliche Wasser aus den Schläuchen entleeren. Gegebenenfalls könnt ihr sie einfach mit einer Fahrradpumpe durchblasen.
  •  Im Frühjahr beim Wiederanschluss alle Düsen auf Kalkablagerungen oder Verstopfungen prüfen, besonders bei kalkhaltigem Leitungswasser.
  • Alle Schlauchverbindungen auf festen Halt überprüfen

Was kostet eine automatische Bewässerungsanlage?

  • Einfache Systeme ohne Computer für wenige Pflanzen: ca. 30 – 80 Euro
  • Komplettanlage für Terrasse/Balkon mit vielen Pflanzen (z. B. für unsere 46 Pflanzen, 17 m Schlauch, 69 Düsen und Computer): ca. 200 Euro
  • Smarte App-gesteuerte Kombilösungen: 300 – 600 Euro

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Unsere 9 wichtigsten Praxis-Tipps auf einen Blick

  1. Zeichnet vor dem Kauf einen Plan. Und lieber etwas großzügiger kalkulieren 😉
  2. Verlegt den Hauptschlauch bis zur letzten Pflanze, von dort den dünneren Schlauch zu den Töpfen
  3. Schläuche bei Bedarf mit dem Fön oder heißem Wasser vorwärmen, damit sie sich leichter aufstecken lassen
  4. Es gibt Tropf- und 360-Grad-Düsen, wählt je nach Pflanze das Richtige
  5. Das System einige Tage testen und beobachten, bevor ihr in den Urlaub fahrt
  6. GARDENA Smart System App herunterladen für Fernsteuerung per Smartphone
  7. Vor dem Winter den Bewässerungscomputer abmontieren (oder zumindest die Batterie entfernen)
  8. Das Restwasser aus den Schläuchen blasen (z. B. mit einer Fahrradpumpe)
  9. Bei kalkhaltigem Wasser die Düsen im Frühjahr auf Verstopfungen prüfen

Was tun, wenn auf dem Balkon kein Wasseranschluss vorhanden ist?

Das ist auch kein Problem. Dazu gibt es mehrere Alternativen:

Regentonne mit Pumpe: Eine Regenfasspumpe saugt das Wasser aus einer Tonne und leitet es über den angeschlossenen Schlauch zu euren Pflanzen. Damit der Druck ausreicht, sollte der Behälter etwa 70 cm bis 1 Meter höher als die Pflanzen stehen.

Solarbetriebene Systeme: Systeme wie das GARDENA AquaBloom * kommen ganz ohne Strom- und Wasseranschluss aus. Sie pumpen Wasser aus einem eigenen Tank und werden durch ein Solarpanel betrieben – ideal für Balkone, Schrebergarten oder Ferienhäuser.

Bewässerungskegel und Flaschenadapter: Tonkegel oder Kunststoffadapter werden auf eine mit Wasser gefüllte Flasche gesteckt und kopfüber in die Erde gesteckt. Sie geben das Wasser gleichmäßig und langsam ab. (Das machen wir immer bei unseren Zimmerpflanzen, wenn wir länger unterwegs sind)

Pflanzgefäße mit Wasserspeicher: Töpfe mit integriertem Wassertank versorgen Pflanzen über den Kapillareffekt selbstständig für mehrere Tage, ohne Technik.

Diese Anleitung und der Erfahrungsbericht wurde übrigens nicht von Gardena gesponsert, sondern aus eigener Begeisterung geschrieben 😉

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Warum waren wir früher alle Schwarz? Wie sich die Hautfarbe des Menschen entwickelte

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(Lesezeit nur 8 Min. 😉 )

Wie sah ein Europäer vor 10.000 Jahren aus? Helle Haut, Fellumhang und vielleicht ein bisschen Neandertaler? Zumindest bei der Hautfarbe liegt dieses vertraute Bild ziemlich daneben.

Einige der Menschen, die damals längst in Europa lebten, hatten schwarze Haut. Und einer der bekanntesten von ihnen wahrscheinlich auch noch blaugrüne Augen.

Unsere frühen Vorfahren in Afrika waren ebenfalls dunkelhäutig. Die helle Haut vieler heutiger Europäer entstand erst viel später und keineswegs auf einen Schlag.

Woher wir das wissen? Vor allem Fossilienfunde und die Analyse alter DNA, sogenannter aDNA, haben unser Bild der Menschheitsgeschichte in den vergangenen Jahren kräftig durcheinandergebracht. Und sie zeigen, dass die Geschichte unserer Hautfarbe wesentlich spannender ist, als die alten Bilder vom hellhäutigen europäischen Steinzeitmenschen vermuten lassen.

Ein lächelnder dunkelhäutiger Mann mit krausen schwarzen Haaren im Freien bei Sonnenuntergang
Sah so unser Urahn aus? © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Wo und wann entstand der moderne Mensch?

Homo sapiens entstand nach heutigem Forschungsstand vor rund 300.000 Jahren in Afrika.

Lange stellte man sich die Wiege der Menschheit gern als einen bestimmten Ort vor. Dort sei irgendwann der moderne Mensch entstanden und von dort habe er sich anschließend über die Welt verbreitet.

So einfach war es wahrscheinlich nicht.

Heute spricht einiges dafür, dass verschiedene Populationen innerhalb Afrikas über lange Zeiträume miteinander verbunden waren und gemeinsam zur Entstehung unserer Art beitrugen.

Einen entscheidenden Hinweis darauf lieferten ausgerechnet Funde aus Marokko.

Goldene Savanne mit vereinzelten Akazienbäumen und einer Gruppe von Antilopen unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Die Sahara war im Laufe der letzten 300.000 Jahre mehrmals eine fruchtbare Savannenlandschaft © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Jebel Irhoud: Die Überraschung aus Marokko

In Jebel Irhoud, rund 100 Kilometer westlich von Marrakesch, wurden bereits in den 1960er-Jahren menschliche Fossilien entdeckt. Zunächst hielt man sie für wesentlich jünger.

Jahrzehnte später folgte die Überraschung.

Bei neuen Ausgrabungen fanden Forschende weitere menschliche Überreste.

2017 veröffentlichten Jean-Jacques Hublin (Professor am Max-Planck-Institut in Leipzig und Abdelouahed Ben-Ncer (Professor der Paläoanthropologie am INSAP in Rabat) und ihr Team ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature.

Gesicht, Unterkiefer und Zähne der Menschen von Jebel Irhoud zeigen bereits viele Merkmale früher Homo sapiens. Ihr Gehirnschädel war dagegen noch deutlich ursprünglicher geformt.

Und dann kam die Datierung: Mit den Fossilien gefundene, durch Feuer erhitzte Steinwerkzeuge sind etwa 315.000 ± 34.000 Jahre alt! Siehe Richter et al., Nature

Damit rückte die Geschichte unserer eigenen Art auf einen Schlag um viele Jahrtausende weiter zurück.

Ein Gespräch mit Hublin darüber könnt ihr in der arte-Mediathek ansehen  (noch bis 16. November 2028)

Ein Mann mittleren Alters mit Brille, kurzen grauen Haaren und einem Bart, der einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd trägt.
Paläoanthropologe Jean-Jacques Hublin © Wikipedia
Ein Mann mit Brille und Krawatte sitzt in einem Haus mit Bücherregalen und Büchern im Hintergrund.
Paläoanthropologe Abdelouahed Ben-Ncer © arte

Weitere bedeutende frühe Homo-sapiens-Funde

Omo Kibish, Äthiopien, mindestens ca. 233.000 Jahre

Omo I galt lange mit rund 195.000 Jahren als einer der ältesten bekannten anatomisch modernen Menschen. Eine neue Untersuchung einer darüberliegenden vulkanischen Ascheschicht verschob 2022 das Mindestalter auf etwa 233.000 ± 22.000 Jahre.

Quelle: Vidal et al., Nature

Herto, Äthiopien, ca. 160.000 Jahre

Auch die Fossilien von Herto gehören zu den bedeutenden frühen Funden des Homo sapiens in Afrika.

Wie sahen die ersten Menschen aus?

Das können wir natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hatten frühe Homo-sapiens-Populationen eine dunkle Haut.

Denn mit dem Verlust eines großen Teils der Körperbehaarung wurde sie stärker der intensiven afrikanischen UV-Strahlung ausgesetzt. Eine starke Pigmentierung mit dem Farbstoff Melanin bot unter diesen Bedingungen einen wichtigen Schutz.

Die Anthropologin Nina Jablonski, die seit Jahrzehnten zur Evolution menschlicher Hautpigmentierung forscht, beschreibt dunkle, schützende Pigmentierung unter hoher UV-Strahlung als den ursprünglichen Zustand bei Homo sapiens.

Quelle: Jablonski, Pigment Cell & Melanoma Research


Vermutlich also sahen sie uns schon sehr ähnlich, sie hatten:

  • dunkle Haut
  • krauses bis lockiges Haar
  • ein relativ modernes Gesicht, teils robuster ausgeprägt
  • und einen kräftigen Körperbau

Auch das Gehirnvolumen war bereits vergleichbar mit dem heutiger Menschen, wenn auch die Form teilweise leicht anders war.

Siehe auch “Waren die Steinzeitmenschen dümmer als wir? in der arte Mediathek (noch bis 19. September 2028)

Was ist die „Mitochondriale Eva“?

Der Name klingt ein wenig nach biblischer Urmutter. Gemeint ist aber etwas anderes und wissenschaftlich ausgesprochen Spannendes.

Die sogenannte Mitochondriale Eva ist die jüngste gemeinsame Vorfahrin aller heute lebenden Menschen.

Natürlich war sie keineswegs die einzige Frau ihrer Zeit. Neben ihr lebten viele andere Frauen und Männer. Nur sind deren rein mütterliche Abstammungslinien irgendwann abgebrochen.

Die Linie der Mitochondrialen Eva dagegen nicht.

Deshalb lässt sie sich heute in der mitochondrialen DNA aller lebenden Menschen wiederfinden.

Ihre individuelle Hautfarbe kennen wir nicht. Da sie jedoch in einer afrikanischen Homo-sapiens-Population lebte, in der eine starke Pigmentierung sehr wahrscheinlich war, dürfte auch sie dunkle Haut gehabt haben.

Lächelnde Frau mit lockigem Haar und Ohrringen im Freien in warmem, goldenem Sonnenlicht.
So könnte die Mythochondriale Eva, die Urmutter aller heute lebenden Menschen ausgesehen haben © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung
Eine Frau mit lockigem Haar lächelt warm ins Freie, das Sonnenlicht beleuchtet ihr Gesicht und ihre pelzbesetzte Kleidung.
Oder auch so ... © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Woher weiß man, dass frühe Menschen dunkelhäutig waren?

Die Evidenz stammt aus mehreren Forschungsbereichen:

  • Genomforschung
    Vergleiche moderner DNA zeigen, dass dunkle Haut genetisch der ursprüngliche Zustand ist. Varianten für hellere Haut entstanden sehr viel später.
  • Genetik der Pigmentierung
    Gene wie MC1R, SLC24A5 und SLC45A2 beeinflussen die Hautfarbe. Varianten, die zu hellerer Haut führen, sind evolutionär relativ jung.
  • Paläogenetik
    Analysen alter DNA (aDNA) zeigen, dass auch frühe europäische Populationen noch vor wenigen tausend Jahren dunklere Haut hatten als lange angenommen worden war.

Die Stärke der menschlichen Hautpigmentierung hängt eng mit der UV-Strahlung zusammen.

In Regionen mit sehr hoher UV-Strahlung entwickelte sich eine stark pigmentierte, sog. eumelaninreiche Haut. Melanin wirkt dabei vereinfacht gesagt wie ein körpereigener Sonnenschutz.

In Regionen mit wesentlich geringerer UVB-Strahlung konnten dagegen hellere Hauttypen Vorteile haben. Quelle: Jablonski & Chaplin, PNAS

Gene liefern weitere Hinweise

Hautfarbe wird nicht durch ein einziges Gen bestimmt.

Tatsächlich sind sehr viele Gene daran beteiligt. Forschende sprechen deshalb von einem polygenen Merkmal. Einfacher gesagt: Viele verschiedene genetische Stellschrauben wirken zusammen.

Einige davon haben allerdings einen besonders großen Einfluss.

Mit alter DNA lässt sich bei manchen vorgeschichtlichen Menschen feststellen, welche Varianten bestimmter Pigmentierungsgene sie besaßen. Daraus können Forschende Wahrscheinlichkeiten für Haut-, Haar- und Augenfarbe berechnen.

Und dabei erlebte die Forschung einige Überraschungen.

Dunkle Haut und blaugrüne Augen: Cheddar Man

Einer der bekanntesten Fälle ist der Cheddar Man.

Dieser Mann lebte vor rund 10.000 Jahren im heutigen England. Sein Skelett wurde 1903 in Gough’s Cave in Somerset entdeckt.

Als Forschende seine DNA untersuchten, entstand ein Bild, das mit den traditionellen Darstellungen europäischer Steinzeitmenschen wenig gemeinsam hatte.

Cheddar Man hatte wahrscheinlich dunkles Haar und blaugrüne Augen. Seine Hautpigmentierung fiel nach Angaben des Natural History Museum mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine der beiden am stärksten pigmentierten Kategorien des verwendeten Modells: „dark“ oder „dark to black“.

Allerdings war der Cheddar Man nicht unbedingt „der typische Europäer“ seiner Zeit.

Denn zur gleichen Zeit lebten beispielsweise in Teilen Skandinaviens und Westasiens bereits Populationen mit wichtigen Genvarianten für hellere Haut. Darauf weist auch das Natural History Museum ausdrücklich hin.

Auch Ötzi war dunkler als lange dargestellt

Ein weiteres berühmtes Beispiel ist Ötzi.

Der Mann aus dem Eis lebte vor rund 5.300 Jahren und wurde 1991 in den Ötztaler Alpen entdeckt.

Viele ältere Rekonstruktionen zeigen ihn mit relativ heller Haut. Neuere genetische Untersuchungen sprechen jedoch dafür, dass er eine deutlich dunklere Hautfarbe hatte als lange angenommen.

Nahaufnahme einer realistischen Museumsrekonstruktion eines antiken Menschen mit langen Haaren und ausdrucksstarken Gesichtszügen.
Cheddar Man-Rekonstruktion im Natural History Museum in London © Wikipedia
Ein wettergegerbter Mann mit Bart, der Pelzkleidung trägt, steht im Freien in einer verschneiten, felsigen Umgebung.
Ötzi-Rekonstruktion © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Stammen wirklich alle Menschen aus Afrika?

Ja. Alle heute lebenden Menschen haben ihren Ursprung in afrikanischen Populationen.

Die sogenannte Out-of-Africa-Hypothese beschreibt, dass sich Homo sapiens in Afrika entwickelte und sich von dort in mehreren Wellen über die Welt ausbreitete.

Die wichtigste Ausbreitungsphase fand wahrscheinlich vor etwa 60.000 bis 70.000 Jahren statt.

Diese Theorie gilt heute als der am besten belegte Erklärungsrahmen für die globale Verbreitung des modernen Menschen.

Genetische Studien zeigen zudem, dass sich Homo sapiens außerhalb Afrikas mit anderen Homininen wie Neandertalern und Denisovanern vermischte. Also gemeinsame Kinder bekamen.

Auch Neandertaler hatten übrigens dunklere Haut als bisher angenommen, wie es auf den Seiten des Neanderthal-Museums zu lesen ist.

Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass es auch unter Neandertalern unterschiedliche Pigmentierungen gab. Einige besaßen wahrscheinlich eine relativ helle Haut und möglicherweise rötliches Haar.

Das überrascht eigentlich nicht. Neandertaler lebten über Hunderttausende von Jahren in einem riesigen Gebiet Eurasiens.

Warum sollten sie alle gleich ausgesehen haben?

Ein kleiner Teil (etwa 2 %) dieses Erbes ist bis heute im Genom vieler Menschen nachweisbar, so Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Ein älterer Mann mit dunkler Haut, grauen Haaren und Bart lächelt im Freien im Sonnenlicht, vor einem unscharfen natürlichen Hintergrund.
Dunkle Haut ist der evolutionäre Ausgangspunkt © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung
Lebensechtes Museumsmodell eines Neandertalers mit gewelltem Haar und markanten Gesichtszügen vor dunklem Hintergrund.
Neandertaler hatten ebenfalls viel dunklere Haut als hier dargestellt in der Rekunstruktion im Neuen Museum, Berlin © Siegbert Mattheis

Woher stammen die heutigen Europäer?

Wer nach einer europäischen „Urbevölkerung“ sucht, wird enttäuscht.

Denn die gibt es so nicht.

Europa war über Jahrtausende ein Kommen und Gehen unterschiedlicher Populationen. Menschen wanderten ein, andere wanderten weiter, Gruppen trafen aufeinander und vermischten sich.

Besonders wichtige Beiträge zur Abstammung heutiger Europäer stammen unter anderem von:

  • europäischen Jägern und Sammlern,
  • Bauern, die sich während der Jungsteinzeit aus Anatolien nach Europa ausbreiteten,
  • sowie späteren Populationen aus der pontisch-kaspischen Steppe.

Und mit diesen Menschen wanderten auch Gene für unterschiedliche Haut-, Haar- und Augenfarben.

Eine große Untersuchung von 1.158 alten Genomen aus West-Eurasien über einen Zeitraum von rund 40.000 Jahren zeigt beispielsweise, dass eine wichtige Variante des Gens SLC24A5, die zur helleren Haut beiträgt, mit neolithischen Bauern nach Westeuropa gelangte und sich dort anschließend weiter verbreitete. Quelle: Ju & Mathieson, PNAS⁠

Migration ist, historisch betrachtet, also wirklich keine neue Erfindung.

Welche Rolle spielten die Jamnaja?

Im 3. Jahrtausend v. Chr. kam eine weitere große Wanderungsbewegung hinzu.

Menschen aus der Steppe nördlich des Schwarzen und Kaspischen Meeres breiteten sich weit nach Europa aus. Besonders bekannt ist die Jamnaja-Kultur.

Diese Menschen hinterließen deutliche genetische Spuren in späteren europäischen Populationen.

Aber auch die Jamnaja waren keine genetisch isolierte „Urgruppe“. Ihre eigene Geschichte war bereits durch die Vermischung unterschiedlicher Populationen geprägt.

Das Muster wiederholt sich also: Menschen wandern, treffen andere Menschen und vermischen sich mit ihnen.

Wann wurden die Europäer hellhäutig?

Helle Haut erschien nicht eines Tages irgendwo in Europa und verbreitete sich anschließend gleichmäßig über den Kontinent.

Verschiedene Genvarianten, die zu einer geringeren Pigmentierung beitragen, verbreiteten sich zu unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedlichen Wegen.

Eine wichtige Variante von SLC24A5 kam beispielsweise mit Bauern aus Anatolien nach Westeuropa. Anschließend wurde sie durch natürliche Selektion weiter begünstigt. Andere Pigmentierungsvarianten entwickelten sich ebenfalls weiter.

Quelle: Ju & Mathieson, PNAS

Was hat Vitamin D mit heller Haut zu tun?

Eine ganze Menge. Unser Körper kann mithilfe von UVB-Strahlung Vitamin D in der Haut bilden.

Stark pigmentierte Haut enthält viel Melanin. Das schützt bei intensiver UV-Strahlung, lässt aber zugleich weniger UVB-Strahlung in tiefere Hautschichten gelangen.

In Regionen mit schwächerer und stark saisonaler UVB-Strahlung kann eine geringere Pigmentierung deshalb einen Vorteil haben: Der Körper kann unter diesen Bedingungen leichter genügend Vitamin D produzieren.

Jablonski und Chaplin beschreiben diesen Zusammenhang als einen wichtigen Selektionsfaktor bei der Evolution menschlicher Hautpigmentierung. Quelle: Jablonski & Chaplin, PNAS

Allerdings beeinflussten auch Ernährung, Migration, Kleidung, kulturelle Veränderungen, unterschiedliche genetische Varianten und die Vermischung von Populationen die Entwicklung. Die Evolution unserer Hautfarbe war ein Zusammenspiel biologischer, ökologischer und kultureller Faktoren. Quelle: Jablonski, Pigment Cell & Melanoma Research

Entwickelte sich helle Haut nur einmal?

Nein. Spannenderweise entstand eine hellere Pigmentierung in verschiedenen Populationen teilweise auf unterschiedlichen genetischen Wegen.

Menschen in Europa und Ostasien können deshalb eine ähnlich helle Haut besitzen, obwohl an ihrer Entwicklung teilweise andere Genvarianten beteiligt waren.

Quelle: Jablonski & Chaplin, Royal Society⁠

Die Evolution kam also mehrmals zu einem ähnlichen Ergebnis, ohne dafür exakt denselben Weg zu nehmen.

Ein Raster aus verschiedenen Gesichtern, die jeweils einem anderen Pantone-Hautton zugeordnet sind, mit Beschriftungen darunter.
Die brasilianische Künstlerin Angélica Dass zeigt die Schönheit der menschlichen Hautfarben in ihrem beeindrucken Fotoprojekt Humanae, bei der sie die unterschiedlichen Farben in wertfreie Pantonefarben benannte © Angélica Dass, Foto: Siegbert Mattheis

Ist Hautfarbe überhaupt von Bedeutung?

Nein. Hautfarbe ist biologisch gesehen eine im wahrsten Sinne des Wortes oberflächliche Eigenschaft, die durch eine kleine Anzahl genetischer Varianten beeinflusst wird, die weniger als 0,01 % des gesamten menschlichen Genoms ausmachen.

Sie erzählt durchaus etwas darüber, an welche UV-Bedingungen sich die Vorfahren verschiedener Populationen über lange Zeiträume angepasst haben.

Aber sie erzählt nur einen kleinen Ausschnitt unserer genetischen Geschichte.

Menschen sind gewandert, Populationen haben sich getrennt, wieder getroffen und miteinander vermischt. Gene wurden dabei immer wieder neu kombiniert.

Nina Jablonski und George Chaplin weisen deshalb darauf hin, dass Hautfarbe aufgrund ihrer starken evolutionären Anpassungsfähigkeit kein zuverlässiges Merkmal ist, um Menschen eindeutigen genetischen Abstammungsgruppen zuzuordnen.

Und vielleicht ist das die interessanteste Erkenntnis der ganzen Geschichte:

Was uns auf den ersten Blick so deutlich voneinander zu unterscheiden scheint, ist evolutionär betrachtet völlig irrelevant und erstaunlich wandelbar.

Unsere Entwicklung als Homo sapiens ist also eine Geschichte von Migration, Anpassung, Begegnung und immer neuer Vermischung.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Shatta Music, Female Empowerment aus der Karibik

5/5 (6)
(Lesezeit nur 4 Min. 😉 )
Shatta Music ist uns das erste Mal in der Karibik in einem Club auf Martinique begegnet. Zunächst waren wir irritiert, wie ungehemmt und selbstbewusst, gleichzeitig aber extrem körperbetont sich die Sängerinnen gaben.

Knapp bekleidet, in engen Outfits und glänzenden Trikots in Neonfarben. Und in den Texten „dreckige“ Sprüche über sexuelle Themen …
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San-Marzano-Tomaten DOP: echter Geschmack aus Kampanien

5/5 (3)
(Lesezeit nur 3 Min. 😉 )
San Marzano Tomaten gehören zu unseren Lieblingstomaten. Immer wenn wir sie auf den Märkten entdecken, greifen wir zu. Denn daraus lässt sich das leckerste italienische Tomaten-Sugo machen. Daher werden sie auch traditionell für die Tomatensoße der neapolitanischen Pizza verwendet. Wir haben uns die Besonderheiten der DOP-Tomaten vom Consorzio di Tutela del Pomodoro San Marzano DOP genauer erklären lassen:
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Reisen nach Italien für Gehörlose

5/5 (4)
(Lesezeit nur 6 Min. 😉 )

Weltweit leben schätzungsweise etwa 20 % der Weltbevölkerung mit einem gewissen Grad an Hörverlust. 430 Millionen Menschen sind von einem schwerwiegenden Hörverlust betroffen. Davon nutzen über 70 Millionen gehörlose Menschen primär die Gebärdensprache, laut der Bundeszentrale für politische Bildung.

Bei diesen Zahlen wundert man sich, warum es kaum Reiseveranstalter gibt, die sich auf Reisen für Gehörlose spezialisieren.

Welche Reiseveranstalter bieten Reisen für Gehörlose an?

Das fragte sich auch Mirco Carella, gebürtiger Italiener aus den Marchen. Selbst gehörlos und eigentlich Meeresbiologe, gründete er 2025 das Unternehmen DAT, Deaf Accessible Tourism.

Wir hatten ihn auf der Internationalen Tourismusbörse ITB Berlin kennengelernt, waren fasziniert von seinem Engagement und verabredeten uns sofort zu einem Interview (siehe weiter unten)

Lächelnder Mann mit Brille, der ein kariertes Hemd und ein grünes Schlüsselband trägt und vor einem Naturhintergrund steht.
Mirco Carella © Siegbert Mattheis
Broschüre für gehörlosengerechten Tourismus auf einer gelben Stofftasche mit einem blauen Herz und einem Flugzeuglogo.
Werbemittel von DAT © Siegbert Mattheis

Was ist Deaf Accessible Tourism?

Deaf Accessible Tourism (Barrierefreier Tourismus für Gehörlose), kurz DAT, ist ein Reiseveranstalter, der sich vollständig und ausschließlich gehörlosen Reisenden widmet. Das Ziel von DAT ist es, gehörlose Menschen aus aller Welt zu verbinden, durch sorgfältig gestaltete, vollständig barrierefreie Gruppenreisen nach Italien und in ganz Europa. Der Fokus liegt auf echter Zugänglichkeit, von der Kommunikation über die Reiseleitung bis hin zur gesamten Logistik vor Ort.

Warum ist Italien das perfekte Reiseziel für gehörlose Reisende?

Italien ist das Land mit der weltweit höchsten Anzahl an UNESCO-Weltkulturerbestätten. Es bietet eine unvergleichliche Dichte an Geschichte, Kunst, Kultur, Natur und Gastronomie.

Für gehörlose Reisende bedeutet das: visuell beeindruckende Erlebnisse, die nicht von akustischer Wahrnehmung abhängen, denn Architektur, Kunstwerke, Landschaften und kulinarische Genüsse sprechen eine universelle Sprache.

Ein hoher steinerner Glockenturm erhebt sich über Terrakotta-Dächern, mit sanften Hügeln und blauem Himmel im Hintergrund.
Blick über die Toskana von Volterra aus © Siegbert Mattheis
Menschen, die nachts auf einer Straße unter hellen, dekorativen Lichtern in festlicher Atmosphäre spazieren gehen.
Traditionelle Feste in Italien © Siegbert Mattheis

Welche Kommunikationsformen unterstützt DAT?

Der Komfort in der Kommunikation steht bei DAT an erster Stelle. Reiseleiter – ob gehörlos oder hörend – beherrschen Gebärdensprachen wie International Sign Language (ISL) oder American Sign Language (ASL). Für Reisende, die auf Lippenlesen oder Resthörvermögen angewiesen sind, priorisieren die Guides klare, direkte Kommunikation von Angesicht zu Angesicht und stellen ergänzendes schriftliches Material bereit. Auf Anfrage bietet DAT außerdem kontinuierliche, simultane Transkription des gesprochenen Wortes in die Sprache eurer Wahl.

Mittelalterliche Stadt mit vielen hohgen Türmen auf einem Hügel in grüner Landschaft
San Gimignano mit den Geschlechtertürmen © Siegbert Mattheis

Bietet DAT nur Gruppenreisen an?

Der Schwerpunkt von DAT liegt auf Gruppenreisen, aber selbstverständlich organisiert der Veranstalter auch maßgeschneiderte Reiserouten für individuell Reisende. Dabei erhaltet ihr sowohl vor als auch während der Reise vollständige logistische Unterstützung. Die Route lässt sich flexibel anpassen: Sehenswürdigkeiten und Reiseziele können je nach Budget und persönlichen Vorlieben hinzugefügt oder gestrichen werden.

Was bedeutet „Slow Travel” bei DAT?

Slow Travel richtet sich an alle, die mehr als nur Sehenswürdigkeiten abhaken wollen. Besonders für die Toskana bietet DAT Erlebnistouren im Slow-Travel-Stil an, die sich auf

  • alte Traditionen und lokales Handwerk,
  • kulinarische Geheimnisse von regionalen Märkten bis zu Kochkursen
  • sowie Outdoor-Aktivitäten in atemberaubenden Naturlandschaften konzentrieren.

Diese Art zu reisen ermöglicht eine tiefe emotionale Verbindung zu Orten, ohne Stress, ohne Hektik.

Spaghetti auf Teller mit Wein vor Meer
Köstlich italienisch essen im Baia del Rogiolo in Quercianella © Siegbert Mattheis
Zur Luminara explodieren Feuerwerke über einem Fluss, im Vordergrund sind beleuchtete Gebäude und eine Menschenmenge zu sehen.
Feuerwerk als Höhepunkt der Luminara in Pisa © Siegbert Mattheis
Ein felsiger Abhang mit grüner Vegetation und Blick auf ein Tal und ferne Berge unter einem klaren blauen Himmel.
Beeindruckende Landschaft in Sardinien © Siegbert Mattheis

Besucht DAT nur bekannte Touristenziele?

DAT lädt Reisende ausdrücklich dazu ein, Italiens versteckte Schätze zu entdecken. Die exklusiven Reiserouten führen fernab der üblichen Touristenpfade in kleine Dörfer mit authentischer Geschichte, Regionen mit einzigartiger Kultur und Gastronomie sowie Orte, die noch nicht vom Massentourismus erschlossen sind. Das Ziel ist ein echtes, unvergessliches Erlebnis, kein typisches Gruppenreise-Feeling.

Kann man eine Gehörlosen-Reise mit einem Seminar kombinieren?

Ja. DAT bietet die einzigartige Möglichkeit, Ferien mit Studienzeiten oder Seminaren zu kombinieren, die von italienischen Universitäten und Institutionen durchgeführt werden, die sich auf Gehörlosenkultur und Interessenvertretung spezialisiert haben. So lässt sich persönliche Weiterentwicklung mit unvergesslichen Reiseerlebnissen verbinden.

Kirche in gelblichen Farben am türkisfarbenen Meer
Die Basilica Santa Maria Assunta in Camogli © Siegbert Mattheis

Was ist in einer Reise für Gehörlose enthalten?

DAT verspricht wirklich immersive Erlebnisse:

  • Monumente,
  • Kunstwerke und Kulturstätten
  • religiöse Zeremonien und lokale Traditionen
  • Straßenmärkte und musikalische Atmosphäre,
  • gastronomische Highlights und kulinarische Entdeckungen sowie
  • Naturwunder und beeindruckende Landschaften uvm.

Gut abgestimmte Logistik sorgt dafür, dass sich die Reisenden voll auf das Erleben konzentrieren können.

Italienisches Bergdorf mit gelben Gebäuden und hohen Zypressen unter einem blauen Himmel mit Wolken.
Montescudaio in der Toskana © Siegbert Mattheis
An einem sonnigen Tag herrscht reges Treiben auf dem Markt, auf dem bunte Stoffe und Kunsthandwerk unter Vordächern angeboten werden.
Markt in Palermo © Siegbert Mattheis
Zwei bunte Keramik-Kopfvasen mit Kronen und eine kleine grüne Baumskulptur, die zusammen ausgestellt werden.
Kunsthandwerk in Sizilien © Siegbert Mattheis

Für wen sind die Touren von DAT geeignet?

Für alle gehörlosen und schwerhörigen Reisenden weltweit; unabhängig davon, ob sie über Gebärdensprache kommunizieren, auf Lippenlesen angewiesen sind oder Resthörvermögen haben. Die Reisen eignen sich außerdem für Gehörlosengruppen und -vereine, Einzelreisende, die Gleichgesinnte treffen möchten, hörende Begleiter und Familienangehörige sowie Menschen, die Urlaub mit Weiterbildung verbinden wollen.

Was kosten die Reisen von Deaf Accessible Tourism?

DAT bietet alle Touren zu fairen, vernünftigen Preisen an, ohne Abstriche bei Qualität und Logistik. Da Routen individuell angepasst werden können, lässt sich die Reise gezielt auf das eigene Budget abstimmen. Detaillierte Preisinfos sind direkt über die Website von DAT oder auf Anfrage erhältlich:

info@deafaccessibletourism.com

+39 0571 913093

Aber generell sind die Preise ähnlich denen einer Reise für Hörende.

Blick über weite, meist trockene Landschaft von einem Berg aus mit
Blick über Sizilien von Enna aus © Siegbert Mattheis

Interview mit Mirco Carella

Mirco ist Meeresbiologe, gehörlos und promovierte in Barcelona. Für ein dreijähriges Programm in internationaler Gebärdensprachmediation kehrte er wieder in die Schule zurück. Seine Leidenschaft gilt dem Reisen (er hat bisher mehr als 50 Länder besucht) und dem Sport, insbesondere Rugby. Er widmet sich dem zugänglichen Tourismus für Gehörlose.

Er spricht neben Italienisch auch gut Spanisch und Englisch und verfügt über mittlere Kenntnisse in Katalanisch, LIS (Lingua dei Segni Italiana, Italienische Gebärdensprache) und ASL.

Mirco, wie bist du auf die Idee für DAT gekommen?

Die Idee zur Gründung von DAT (Deaf Accessible Tourism) kam mir während einer Reise in den Iran. Dort lernte ich meinen zukünftigen Chef Massimo kennen, der von der Idee, gehörlose Menschen auf Reisen zu schicken, begeistert war.

Auf der Messe in Berlin war DAT der einzige Reiseveranstalter, der sich dieser Zielgruppe widmete. Ich glaube, es ist eine der wenigen organisierten Einrichtungen in Europa, die es gehörlosen Menschen ermöglicht, zu reisen, ohne dass sie dabei auf Kommunikationsbarrieren stoßen.

Was ist deine Mission?

Wir möchten jedem Gehörlosen das Reisen ermöglichen und dabei die Einzigartigkeit jedes Einzelnen respektieren: von den unterschiedlichen Graden der Schwerhörigkeit bis hin zu den verschiedenen Kommunikationsarten, wie der Verwendung der LIS, dem Lippenlesen oder dem Cochlea-Implantat.

Unser Ziel ist die Integration mit hörenden Reisenden, um gemeinsam alle Barrieren und Vorurteile abzubauen. Wir versuchen, alle möglichen Kommunikationsmittel zu nutzen: Lippenlesen, Gebärdensprache und Speech-to-Text-Technologien. Die Messe in Berlin war sehr hilfreich, um hervorragende Anbieter und Partner für Speech-to-Text-Technologien zu finden.

Du hast über 50 Länder bereist. Auf welche Schwierigkeiten bist du selbst oder sind andere Gehörlose in der Vergangenheit gestoßen?

Kommunikationsbarrieren. Da ich oft alleine reiste und hochgradig gehörlos bin, konnte ich die Lippenbewegungen meiner Gesprächspartner oft nicht richtig verstehen: Hotelpersonal, Menschen, denen ich auf der Straße begegnete, englischsprachige Reiseführer. Es ist nicht so, dass ich kein Englisch spreche, das Problem ist, dass jedes Land seine eigene Lippenbewegung hat, und darin liegt die Herausforderung, die Lippenbewegung der englischen Sprache in diesem Land zu verstehen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die Slawen haben eine Lippenbewegung, die unserer sehr ähnlich ist, während z. B. die Inder:innen für mich unverständlich sind. Zum Glück wird die KI bald alles lösen …

Gehörlose Gebärdensprachbenutzer werden oft von Gebärdensprachdolmetschern oder lokalen gehörlosen Reiseführern begleitet, die die internationale Gebärdensprache verwenden.

Was möchtest du gehörlosen Menschen und auch denen, die hören können, mitteilen?

Reist und entdeckt die Welt in all ihren Facetten, vor allem gemeinsam – Gehörlose und Hörende –, um alle sozialen Vorurteile abzubauen. Leider kommt es auch heute noch, im Jahr 2026, oft vor, dass wir, wenn wir etwas „Anderes” bemerken, blockieren und dazu neigen, uns zu entfernen und zu stigmatisieren. Das passiert sogar intelligenten und gebildeten Menschen.

Du sprichst sehr gut Englisch, Spanisch und sogar Katalanisch, wie hast du das gelernt?

Mit viel Geduld und oft dank Privatunterricht, vor allem um das Lippenlesen in einer anderen Sprache zu lernen.

Für wen sind deine Touren am besten geeignet?

Sowohl für gehörlose Gebärdensprachler als auch für Hörende. Eine totale Inklusion.

Was kostet eine Tour ungefähr?

Ich glaube, sie kostet so viel wie andere Touren. Wenn wir dem Kunden etwas sparen können, aber dabei die beste Qualität garantieren, umso besser!

Gibt es eine Frage, die ich nicht gestellt habe und die du gerne beantworten würdest? 

Es ist überraschend, wie oft sich gehörlose Menschen aufgrund ihrer Kommunikationsweise in Untergruppen aufteilen: diejenigen, die LIS verwenden, diejenigen, die die gesprochene Sprache bevorzugen und sich damit fast selbst diskriminieren. Das Ziel von DAT ist es, diese Spaltungen zu überwinden, alle gehörlosen Menschen miteinander zu verbinden und alle Barrieren abzubauen, um ihnen die Freiheit zu geben, sich unter Gehörlosen und schließlich auch unter Hörenden wohlzufühlen.

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Mirco!

Fazit: Warum empfehlen wir DAT?

Weil Reisen für alle sein sollte. Mirco und sein Team von Deaf Accessible Tourism verbindet tiefes Wissen über Italien und Europa mit echter Expertise in barrierefreiem Tourismus für Gehörlose. Das Ergebnis sind Reisen, die nicht nur zugänglich sind, sondern wirklich unvergesslich. Wir freuen uns sehr, euch diesen besonderen Veranstalter vorstellen zu dürfen.

Weitere Informationen zu DAT findet ihr direkt auf der Website von Deaf Accessible Tourism.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

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