La Cagole, das Kult-Bier aus einem Cabanon in Marseille

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La bière de cabanon ist in Marseille absoluter Kult und hat sich neben Pastis als typisches provençalisches Getränk etabliert. Was der Name bedeutet und welche Geschichte dahinter steckt …

Illustration: Frau mit rotem Top vor Meer serviert Cagole Bier
La Cagole Motiv © La Cagole
Seemann, der sich vor Marseiller Kulisse einen Pastis einschenkt: Pastis Olive
Motiv auf Holz nach dem Motiv von 1936 © Gemälde: Siegbert Mattheis

Etikett wie aus den 1930er Jahren

Das Etikett und die Plakate wirken wie aus den 1930er Jahren, wie ein Pendant der bekannten Reklame für Pastis Olive, “Comme à Marseille”, flächig in kräftigem Blau-Gelb und Orangerot gehalten, mit dem selig lächelnden Seemann, der sich gerade seinen Pastis einschenkt.

Nur hier ist es eine cagole, eine schwarzhaarige Frau mit großen Ohrringen, kräftig rot geschminkten Lippen mit großem Busen im roten Top und gleichfarbigen Hosen, die herausfordernd lächelnd ein Tablett mit dem Cagole-Bier vor der Kulisse der Calanques und dem blauen Meer in Marseille serviert.

So dachten wir zunächst, dass das Bier ebenfalls etwa aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen müsste und forschten neugierig nach – und fanden Erstaunliches heraus:

Mehrere Flaschen La Cagole-Bier mit gelben Deckeln und roten Lippen stehen dicht beieinander.
Mit typischem Kussmund als Kronkorken © Siegbert Mattheis
Mehrere Flaschen La Cacole Bière Blanche mit gelben Verschlüssen stehen zusammen in einem Regal.
Bière Blanche zu Weihnachten © Siegbert Mattheis
La Cagole, das Bier aus Marseille © Siegbert Mattheis
La Cagole, das Kultbier aus Marseille © Siegbert Mattheis

Wie entstand das Kultbier La Cagole?

Die Idee dazu kam den beiden Freunden aus Jugendzeiten Yves Darnaud und Christophe Van Ecken bei einem kalten Bier. Stilgerecht im Schatten von Pinien in einem kleinen Ferienhäuschen, einer sog. Cabana oder Cabanon in der Calanque von Sormiou (die übrigens noch zum Marseiller Stadtgebiet zählt). Im Jahr 2003!

Es begann mit einem Scherz …

“On est partis avec le vent …” erzählten sie, “wir sind mit dem Wind gegangen …”. Und das bedeutet in Marseille, dass es mit einem Scherz begann und dass es sehr schnell zu einer Herausforderung wurde.
Eigentlich hatten beide mit Bierbrauen nicht im geringsten etwas zu tun, geschweige denn Erfahrung damit. Yves arbeitete in der Immobilienbranche und Christophe hatte eine Firma für chirurgische Geräte. Aber beide verband die Sehnsucht nach dem alten Marseille, dem Marseille von Marcel Pagnol, von Marius, Fanny und César; nach dem Geschmack der Provence, nach einem Getränk, das Marius und César in der Bar de la Marine getrunken haben könnten.

Ein Bier wie die Provence

Sie wollten ein Bier entwerfen, das sinnbildlich für Trägheit, Lachen und Freundschaft stehen und eng mit der provenzalischen Kultur verbunden sein sollte.

Und so wagten sie das Abenteuer. Sie sagten sich: “wenn wir ein Bier machen und es gut laufen sollte, kaufen wir mit dem Geld ein Boot, das wir auf den gleichen Namen taufen werden, und wenn es nicht funktioniert, dann…. trinken wir es!”

Und es lief gut! “Das Mädchen war geboren, schön, verführerisch, mit großzügigen Formen …” wie eine Zeitung schrieb.

Eine malerische Küstenbucht mit türkisfarbenem Wasser, felsigen Klippen, Booten und verstreuten Gebäuden unter einem strahlend blauen Himmel.
Hier in der Calanque Sormiou entstand die Idee © Lamy

Denn schon nach wenigen Tagen eroberte das La Cagole-Bier die Herzen der Marseiller:innen und fand schnell Einzug in die angesagtesten Clubs und Bars, nicht nur in Marseille.

Wie wird La Cagole getrunken?

Cagole wird als Aperitif getrunken, eisgekühlt, wie es das Etikett empfiehlt “a servir glacée”, es hat 5,5% vol. Alkohol und schmeckt herb-süß mit etwas bitteren Noten.

Woher stammt der Name Cagole?

Der Name Cagole bezieht sich auf eine Schürze, die früher von den Arbeiterinnen getragen wurde, die im Hafen von Marseille Datteln verarbeiteten. Diese Schürze hatte eine Kapuze, die le cagoulot genannt wurde. Im weiteren Sinne wurden die Arbeiterinnen selbst als cagoules bezeichnet, was später zu cagoles wurde. Da sie oft aus einem sehr bescheidenen Umfeld stammten – viele von ihnen waren italienische Auswanderer:innen, und manche mussten sich als Prostituierte zusätzlich Geld verdienen – erschienen sie dem Bürgertum als vulgär.

Der Begriff cagole etablierte sich in den 1950er Jahren für eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die ihre sexuellen Reize betont und war später auch als „Flittchen“ oder „Schlampe“ zu verstehen.

Im Laufe der Zeit ist der Name ein Synonym für ein Marseiller Mädchen geworden, das nicht allzu stilvoll ist, etwas extrovertiert, gleichzeitig aber selbstbestimmt, warmherzig und selbstbewusst ist.

Yves Darnaud und Christophe Van Ecken wollten mit dem Namen Cagole für ihr Produkt diese Frauen ein wenig rehabilitieren, um ihnen eine Note von Zärtlichkeit und Zuneigung zu verleihen.

Yves Darnaud entwickelte übrigens auch den kleinen Bruder der Cagole, die Fada Cola. Leider verstarb er verfrüht im Dezember 2011 mit 47 Jahren an einer schweren Krankheit.

Ein lächelnder Mann mit gelbem Hut und Schürze steht in einem Haus neben einer Frau in einer braunen Jacke.
Kult in Marseille, hier im empfehlenswerten Le Bazar de César Savonnerie © Siegbert Mattheis
Gerahmtes Poster im Vintage-Stil mit dem Titel Attack Apero of the 50 Ft Cagole an einer Wand mit anderen Postern.
Poster eines fiktiven Cagole-Films aus den 1950er Jahren des Marseiller Illustrators Batch in einem Design-Store in Marseille © Siegbert Mattheis

Nachfolgend ein schön gemachtes Video der Sendung Karambolage von arte, die dem Begriff La Cagole nachgeht:

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Mehr Informationen

Inzwischen ist es ein absolutes Kultgetränk und gehört so selbstverständlich zu Marseille wie der Pastis. Wenn ihr Marseille besuchen wollt, solltet ihr dieses Bier verkosten, selbst wenn ihr sonst kein Bier trinkt. 😉

Leider bekommt man es hierzulande (noch) nicht, aber ihr könnt es in vielen Bars in der Provence kaufen oder auf der Website von La Cagole bestellen.

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Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Juni 2026 von Siegbert Mattheis

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