La Cagole, das Bier aus dem Wochenendhäuschen in Marseille

Cagole-Bier, la bière de cabanon: In Marseille ist es das neue Kultgetränk, neben Pastis natürlich. Was der Name bedeutet und welche Geschichte dahinter steckt …

Das berühmte Pastis-Plakat aus Marseille aus den 1930er Jahren

Das Etikett und die Plakate wirken wie aus den 1930er Jahren, wie ein Pendant der bekannten Reklame für Pastis Olive, „comme à Marseille“, flächig in kräftigem Blau-Gelb und Orangerot gehalten, mit dem selig lächelnden Seemann, der sich gerade seinen Pastis einschenkt.
Nur hier ist es eine cagole, eine schwarzhaarige Frau mit großen Ohrringen, kräftig rot geschminkten Lippen mit großem Busen im roten Top und gleichfarbigen Hosen, die herausfordernd lächelnd ein Tablett mit dem Cagole-Bier vor der Kulisse der Calanques und dem blauen Meer in Marseille serviert.

So dachten wir zunächst, dass das Bier ebenfalls etwa aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen müsste und forschten neugierig nach – und fanden Erstaunliches heraus:

La Cagole, das Bier aus Marseille
La Cagole, das Bier aus Marseille © Siegbert Mattheis
La Cagole, das Kultbier aus Marseille © Siegbert Mattheis

La Cagole entstand bei einem kalten Bier am Meer

Das Cagole-Bier entstand erst 2003. Die Idee dazu kam den beiden Freunden aus Jugendzeiten Yves Darnaud und Christophe Van Ecken bei einem kalten Bier im Schatten von Pinien in einem kleinen Ferienhäuschen, einer sog. Cabana oder Cabanon in der Calanque von Sormiou (die übrigens noch zum Marseiller Stadtgebiet zählt).

„On est partis avec le vent …“ erzählten sie, „wir sind mit dem Wind gegangen …“. Und das bedeutet in Marseille, dass es mit einem Witz begann und dass es sehr schnell zu einer Herausforderung wurde.
Eigentlich hatten beide mit Bierbrauen nicht im geringsten etwas zu tun, geschweige denn Erfahrung damit; Yves arbeitete in der Immobilienbranche und Christophe hatte eine Firma für chirurgische Geräte. Aber beide verband die Sehnsucht nach dem alten Marseille, dem Marseille von Marcel Pagnol, von Marius, Fanny und César; nach dem Geschmack der Provence, nach einem Getränk, das Marius und César in der Bar de la Marine getrunken haben könnten.

Sie wollten ein Bier entwerfen, das sinnbildlich für Trägheit, Lachen und Freundschaft stehen und eng mit der provenzalischen Kultur verbunden sein sollte.

Und so wagten sie das Abenteuer. Sie sagten sich „wenn wir ein Bier machen und es gut laufen sollte, kaufen wir mit dem Geld ein Boot, das wir auf den gleichen Namen taufen werden, und wenn es nicht funktioniert, dann…. trinken wir es!“

Und es lief gut! „Das Mädchen war geboren, schön, verführerisch, mit großzügigen Formen …“ wie es eine Zeitung schrieb.

La Cagole Bier Flasche

Denn schon nach wenigen Tagen eroberte das La Cagole-Bier die Herzen der Marseiller und fand schnell Einzug in den angesagtesten Clubs und Bars nicht nur in Marseille.

Inzwischen ist es ein absolutes Kultgetränk und gehört so selbstverständlich zu Marseille wie der Pastis. Wenn Sie Marseille besuchen, sollten Sie dieses Bier verkosten, selbst wenn Sie sonst kein Bier trinken.

Wie wird La Cagole getrunken?

Cagole wird als Aperitif getrunken, eisgekühlt, wie es das Etikett empfiehlt „a servir glacée“, es hat 5,5% vol. Alkohol und schmeckt herb-süß mit etwas bitteren Noten.

Woher stammt der Name Cagole?

Der Name Cagole bezieht sich auf eine Schürze, die früher von den Arbeiterinnen getragen wurde, die im Hafen von Marseille Datteln verarbeiteten. Diese Schürze hatte eine Kapuze, die le cagoulot genannt wurde. Im weiteren Sinne wurden die Arbeiterinnen selbst als cagoules bezeichnet, was später zu cagoles wurde. Da sie oft aus einem sehr bescheidenen Umfeld stammten – viele von ihnen waren italienische Auswanderer, und manche mussten sich als Prostituierte zusätzlich Geld verdienen – erschienen sie dem Bürgertum als vulgär.

Der Name ist so ein Synonym für ein Marseiller Mädchen geworden, das nicht allzu stilvoll ist, etwas extrovertiert, gleichzeitig aber selbstbestimmt, warmherzig und selbstbewusst ist.

Der Begriff cagole etablierte sich in den 1950er Jahren als eine vulgäre Frau aus einfachen Verhältnissen, die ihre sexuellen Reize betont und war später auch als „Flittchen“ oder „Schlampe“ zu verstehen.

Yves Darnaud und Christophe Van Ecken wollten mit dem Namen Cagole für ihr Produkt diese Frauen ein wenig rehabilitieren, um ihnen eine Note von Zärtlichkeit und Zuneigung zu verleihen.

Yves Darnaud entwickelte übrigens auch den kleinen Bruder der Cagole, die Fada Cola. Leider verstarb Yves Darnaud verfrüht im Dezember 2011 mit 47 Jahren an einer schweren Krankheit.

Zur Website von La Cagole

Siegbert Mattheis

La Cagole mit einem Kussmund auf dem Kronkorken © Siegbert Mattheis
La Cagole mit einem Kussmund auf dem Kronkorken © Siegbert Mattheis

Nachfolgend ein schön gemachtes Video der Sendung Karambolage von arte, die dem Begriff La Cagole nachgeht:

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