Geheimtipps Bordeaux, Essen, Rooftop, Kultur und schöne Ausblicke

5/5 (4)
(Lesezeit nur 5 Min. 😉 )

Bordeaux hat neben einer Fülle von Sehenswürdigkeiten auch jede Menge versteckte kleine Plätze, besondere Orte und Ecken, die von Urlauber:innen – und selbst den Bordelaiseer:innen – noch kaum besucht werden.

Unsere Geheimtipps für Bordeaux

Wir waren seit 2016 mehrfach in der früheren „schlafenden Schönheit“ und der Umgebung und haben euch unsere liebsten Geheimtipps gemeinsam mit Einheimischen zusammengestellt. Bei der Auswahl haben wir Wert gelegt auf Authentizität, Originalität und Besonderes.

Chez Fred Bordeaux

Einer der besten Starts in den Morgen: ein Café Crème im legendären historischen Bistro Chez Fred. Dazu ein Croissant vom Bäcker nebenan. Dabei genießt man einen perfekten Blick auf die Porte Cailhau (die von hinten nicht so symmetrisch ist, wie sie von vorne wirkt) und das lebhafte Kommen und Gehen davor.

Außencafé mit roten Stühlen und sitzenden Menschen an einer Straßenecke eines alten, mit Efeu bewachsenen Gebäudes.
Gemütliche Bar-Café Chez Fred. "Bar des Vedettes" darüber heißt soviel wie die "Bar der Diven" © Siegbert Mattheis
Außencafé mit roten Stühlen, Menschen sitzen unter Bäumen, historisches Steingebäude im Hintergrund.
Entspannter Blick auf den Platz und die Porte Cailhau © Siegbert Mattheis

Hier treffen sich nicht nur Tourist:innen, sondern auch die Einheimischen jeden Tag, umgeben vom zarten Duft von Jasmin, der am Haus nach oben rankt. Egal, ob die Sonne scheint oder es regnet, man sitzt entweder an den zwei Tischen drinnen oder auf der großen Terrasse davor am Place du Palais. Die Mitarbeitenden und Chef Fred selbst sind schon am frühen Morgen gut gelaunt und geben auch gerne Tipps für den Tag! Abends ist es der gemütliche Treff für einen Tapas-Aperitif oder entspannte Cocktails bis um 2 Uhr nachts.

Lage auf Google Maps ansehen

Bistro CulSec

Dieses kleine Bistro der Pariser Sommelière Sarah Bodianu und des Kochs Gaëtan Robert ist ein echter Geheimtipp! 2025 eröffnet, verbindet die beiden die Leidenschaft für qualitativ hochwertige Arbeit. Und das schmeckt man bei jedem Bissen! Die Speisekarte ist übersichtlich, aber jedes Gericht eine Offenbarung, so die einhellige Meinung der Bordelaiser:innen.

Zwei Personen in schwarzen Hemden stehen lächelnd in einem Raum mit einem Cartoon-Wandgemälde an der Wand hinter ihnen.
Sarah Bodianu und Gaëtan Robert © Siegbert Mattheis
Ein gemütliches, warm beleuchtetes Bistro, in dem nachts durch große Bogenfenster gegessen wird.
Gemütliche Atmosphäre im CulSec © Siegbert Mattheis
Rohe Fischscheiben auf geraspelten Karotten, garniert mit Senfsauce und Schnittlauch auf einem dekorativen Teller.
Rindfleisch-Gravlax, geriebene Karotten & Karottenketchup – Estragon © Siegbert Mattheis
Hähnchenteile mit Spargelstangen und Sahnesauce, serviert auf einem weißen Teller mit einem Logo am Rand.
Knusprige Kalbsbries, grüner Spargel & Comté-Vin-Jaune-Schaum ... himmlisch! © Siegbert Mattheis

Wir hatten uns zu viert durch (fast) die ganze Karte geschlemmt … Dazu eine sorgfältig ausgewählte Weinkarte mit über 400 Positionen (ein ziemlich dickes Buch;) und – ein Plattenspieler, bei dem ihr eure Musik passend selbst zur Atmosphäre auswählen könnt!

“Cul sec” ist übrigens ein französischer Ausdruck für “auf ex trinken” oder “in einem Zug leeren”. Wörtlich bedeutet es “trockener Hintern”, weil das Glas nach dem schnellen Trinken komplett leer ist. 😉

Lage auf Google Maps ansehen

Restaurant L‘Entrecôte

Das mag zwar kein Geheimtipp mehr sein, immerhin gibt es dieses Restaurant mit nur einem einzigen Gericht – Salat mit Walnüssen, Entrecôte und Pommes – schon seit 1959, aber ein zarteres Rindersteak mit einer derart genialen Sauce findet man so schnell nirgendwo sonst! Selbst der in französischen Genüssen erfahrene Autor Alexander Oetker widmet dieser Institution à la Bordelaise ein extra Kapitel in seinem Buch “Bordeaux und die Atlantikküste”.

Menschen stehen vor dem Restaurant L'Entrecôte, das in einem klassischen mehrstöckigen Steingebäude mit Balkonen untergebracht ist.
Hier wartet man bereitwillig in der Schlange © Siegbert Mattheis
Zwei Köche bereiten in einer Großküche Fleisch und Pommes frites auf Arbeitsflächen und Tabletts aus Edelstahl zu.
Ein Blick in die Küche © Siegbert Mattheis
In Scheiben geschnittenes, medium-rare Steak in geschmolzener Butter und Saft auf einem silbernen Tablett
Superzartes Steak in der geheimnisumwitterten Sauce, auf jeden Fall mit viel Butter, Senf, Thymian, Majoran ... © Siegbert Mattheis
Teller mit Pommes frites und in Scheiben geschnittenem Steak mit Sahnesauce auf einem weißen Teller.
Krosse pommes allumettes zum Entrecôte © Siegbert Mattheis

Dabei ist es entgegen mancher Meinung absolut keine Touristenfalle und extrem demokratisch. Man kann nicht reservieren, alle stehen in einer Schlange an und jede:r bekommt das gleiche Gericht. Nur Menschen mit Behinderung erhalten bevorzugten Einlass. Und der Preis ist moderat: 23 Euro inkl. Nachschlag satt an knusprig-weichen Streichholzpommes, den pommes allumettes.

Lage auf Google Maps ansehen

Cérès Boulangerie

Wenn ihr zum Frühstück lieber etwas Leckeres vom Bäcker holen wollt und den Café dazu lieber in der Unterkunft trinkt, dann geht zur Cérès Boulangerie! Der Gründer Pacôme Beaujard verzichtet bewusst auf Kühltruhen und arbeitet ausschließlich mit regionalen Bio-Zutaten und Bauern zusammen. Kürzlich wurde er sogar mit dem nationalen französischen Preis Talents des Cités ausgezeichnet.

Mann mit Tattoos schneidet Äpfel auf einem Schneidebrett in einer Küche mit Mixern und Utensilien im Hintergrund.
Pacôme Beaujard © Cèrés Boulangerie
Verschiedene Brotsorten auf einem Gestell mit einer Backsteinmauer und einem bunten Vogelgemälde im Hintergrund.

Via Sensoria in der Cité du Vin

Bei einem Besuch in Bordeaux ist die Cité du Vin ein must-visit, selbst für die, die mit Wein nicht viel anfangen können. Denn ohne den Wein kann man die Stadt nicht wirklich verstehen. Er prägt seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden die gesamte Region. Denn beim Wein geht es um Geschmack, um Nuancen. Und um selbst zu erleben, warum und wie unser Geschmackssinn reagiert, wie das Zusammenspiel unterschiedlicher Moleküle verschiedene Eindrücke hinterlässt, solltet ihr das Highlight, die Via Sensoria buchen.

Rechteckige Bildschirme, die bunte Bilder zeigen, sind auf versetzten schwarzen Säulen unter einer geschwungenen Decke angeordnet.
Assoziationen © Siegbert Mattheis
Ein Mann in einem roten Polohemd gestikuliert, während er spricht, mit konzentrierter Miene und Brille.
Maxime merkt man seine Leidenschaft für das Thema an © Siegbert Mattheis

In einer Stunde führt euch Maxime oder seine Kolleg:innen auf eine Reise in die eigene Sensorik. Keine normale Weinverkostung, keine übliche Technik-Erklärung, kein Terroir-Raten, sondern einfach nur dem eigenen Geruch- und Geschmackssinn vertrauen und ihn empfinden. Zum Beispiel entführen euch manche Düfte in die Sommer der Kindheit oder an romantische Abende im Herbst und ihr findet sie als Geschmacksnoten in einem Wein wieder.

Eine Flasche mit der Aufschrift Fleur de Merlot mit violetter Maserung, die auf einem Holzständer mit der Aufschrift Via sensoria steht.
Wie beeinflusst Weinsalz den Geschmack von Wein? © Siegbert Mattheis
Eine Person riecht an einem Ausstellungsstück, während andere im Hintergrund sitzen und zusehen.
Geruch nach warmen Sand, goldenem Weizen, Sommer ... © Siegbert Mattheis
Eine Weinflasche in einer Hülle mit einem großen Fragezeichen, die auf einer beleuchteten Fläche steht.
Zum Schluss noch eine Überraschung ... © Siegbert Mattheis
Ein schwarzes Weinglas mit einem Löffel darin, der eine rote, geleeartige Substanz enthält.
Was macht Weingelee mit dem Weingeschmack? © Siegbert Mattheis

Hier braucht man sich nicht mit Unwissen blamieren, sondern kann sich einfach fallen lassen in die eigenen Empfindungen.
Es gibt kein richtig oder falsch. Einfach nur das ansprechende Ambiente und die Erklärungen zu den Hintergründen unserer Sinne genießen.

Notre-Dame de Bordeaux

Diese Kirche liegt etwas versteckt inmitten von Wohnhäusern im Zentrum und wird von Tourist:innen nur selten besucht. Sie wurde im barocken Stil Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Sie hat aber weder einen weithin sichtbaren hohen Turm noch einen großen Platz davor, um die Fassade richtig zur Geltung bringen zur können.

Eine historische Steinkirche steht am Ende einer schmalen Straße, die von Balkonen und abgestellten Fahrrädern gesäumt ist.
Versteckte Perle Notre Dame de Bordeaux © Siegbert Mattheis
Das Innere einer großen Steinkirche mit gewölbten Decken, bunten Glasfenstern und Reihen von Holzstühlen.
1971 stürzte ein Teil des Daches ein, die ursprünglich bemalte Decke ging dabei verloren. Bis 1982 wurde die Kirche renoviert © Siegbert Mattheis

Eine Besonderheit ist, dass bei der Kuppel nur eine Wandstärke genehmigt wurde, die eine Installation einer feindlichen Kanone, die auf das Château Trompette hätte gerichtet werden können, nicht ermöglichte.

Denn das Château war eine Zwingburg, mit der die französischen Könige nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges die Stadt Bordeaux in Schach hielten. Deren Kanonen dort waren auf die Stadt gerichtet. Das Schloss stand auf dem heutigen Platz Quinconces und wurde 1818 abgerissen.

Verschnörkelte Holzkanzel mit detaillierten Schnitzereien vor Steinbögen und farbenfroher Wandkunst.
Die imposante Kanzel, oben etwas verstaubt ... © Siegbert Mattheis
Goldgeprägtes Design aus Weizen und Beeren auf einer ovalen Plakette mit Blattdetails.
Detail des schmiedeeisernen Chorabschlusses © Siegbert Mattheis

Der österreichische Maler Oskar Kokoschka malte die Kirche 1925 während seines Aufenthalts in der Stadt. Sie hat im Übrigen eine bemerkenswerte Akustik und wird daher auch oft für Konzerte genutzt.

An einem sonnigen Tag sitzen die Menschen an Cafétischen im Freien zwischen kunstvoller Steinarchitektur und großen Torbögen.
Links ist der Eingang zur Passage © Siegbert Mattheis
Eine glasüberdachte Einkaufspassage mit einem roten Teppich, Geschäften und einem kleinen Café mit Terrassenstühlen auf der linken Seite.
Passage Sarget mit Teppichboden © Siegbert Mattheis

Auf jeden Fall lädt die Kirche zu einem ruhigen Moment der Besinnung ein, wenn euch der Trubel draußen zu viel wird. Links vom Eingang schließt sich die wunderschöne, „geheime“ Passage Sarget an mit einem Teesalon, einem kleinen Hutladen und anderen Geschäften.

Büste von Toussaint Louverture

Ein haitianischer Revolutionsführer und Gründer der ersten schwarzen Republik und Bordeaux? Was auf den ersten Blick keinen Zusammenhang ergeben mag, macht bei genauerer Betrachtung durchaus Sinn. Denn Bordeaux hatte quasi das Handelsmonopol mit der damaligen Kolonie Sainte Domingue und profitierte enorm vom Sklavenhandel und den Erzeugnissen wie Zucker und Rum, bis die Insel als Haiti unabhängig wurde und das erste schwarze Kaiserreich der Geschichte entstand.

Bronzebüste eines Mannes auf einem Steinsockel in einem grasbewachsenen Park mit Bäumen und Gebäuden im Hintergrund.
Büste des haitianischen Revolutionsführers Toussaint Louverture © Wikipedia
Ein Mann in blauer Militäruniform und Dreispitzhut steht vor einem blauen Himmel und schaut in die Ferne.
Toussaint Louverture gilt als einer der strategisch brillantesten Revolutionsführer des 18. Jahrhunderts © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Die Büste wurde anlässlich des 200. Jahrestages der Gründung der Republik Haiti 1804, vom haitianischen Bildhauer Ludovic Booz gestaltet, hier 2005 als Würdigung aufgestellt.

2019 wurde auch der Platz nach Toussaint Louverture benannt.

Lage bei Google Maps ansehen

Street Art

Street Art ist in Bordeaux noch nicht ganz so präsent wie etwa in Lissabon oder Porto. Dennoch ist hier eine aufstrebende Community zu beobachten, teilweise unterstützt bzw. toleriert von der Stadtverwaltung. Wir hatten eine Tour mit der sympathischen Irin Jourdan, die seit über 15 Jahren in der Stadt lebt und uns einige der bemerkenswertesten Murals und Installationen zeigte.

Wandgemälde eines Blauwals unter Wasser mit einem weißen Schiff darüber; vor dem Wandgemälde wachsen Pflanzen.
"Afrique" von A-MO. Leider ist ein Teil der Farbe entweder abgeblättert oder es wurde übermalt © Siegbert Mattheis

An diesem obigen Bild mit dem Titel „Afrique“ des Bordelaiser Street Art-Künstlers A-MO hätten wir vielleicht die Art der Malerei und den Wal bewundert, wären normalerweise aber wohl weitergegangen.

Aber Jourdan erzählt uns die bewegende, „vergessene“ Geschichte dahinter. Denn es ist eine Hommage an den Untergang der „französischen Titanic“, mit 568 Toten das größte zivile Seekatastrophe in der Geschichte Frankreichs. Die „Afrique“ lief in Bordeaux, nur wenige Meter vom Standort des Gemäldes entfernt, im Januar 1920 Richtung Senegal aus. An Bord waren viele Familien mit Kindern und auch senegalesische Soldaten, die den 1. Weltkrieg überlebt hatten und in die Heimat fahren wollten. Durch eindringendes Wasser schon in der Gironde schafften sie es nur noch bis kurz vor La Rochelle. Dort wurde das Schiff schließlich manövrierunfähig, zerschellte an einem Felsen in stürmischer und kalter See und ging unter. Es gab nur 34 Überlebende.

Initiiert wurde die Hommage von Karfa Diallo vom Verein Mémoires et Partages.

Mehr über diese Tragödie findet ihr auf der französischen Wikipediaseite

War dieser Beitrag hilfreich? Hat er euch gefallen?