Geheimtipps Bordeaux, Essen, Rooftop, Kultur und schöne Ausblicke

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Bordeaux hat neben einer Fülle von Sehenswürdigkeiten auch jede Menge versteckte kleine Plätze, besondere Orte und Ecken, die von Urlauber:innen – und selbst den Bordelaiser:innen – noch kaum besucht werden.

Unsere “hidden gems” für Bordeaux

Wir waren seit 2016 mehrfach in der früheren „schlafenden Schönheit“ und der Umgebung und haben euch unsere liebsten Geheimtipps gemeinsam mit Freund:innen und Einheimischen zusammengestellt. Bei der Auswahl haben wir Wert gelegt auf Authentizität, Originalität und Besonderes.

Geheimtipps Essen

In der Stadt mit der höchsten Restaurantdichte pro Einwohner:in in Frankreich ist es nicht einfach, die besten Geheimtipps für Kulinarik herauszufinden. Aber wir haben dennoch einige wunderbare, vor allem manche erst kürzlich eröffnete Schlemmeradressen entdeckt:

Chez Fred Bordeaux

Einer der besten Starts in den Morgen: ein Café Crème im legendären historischen Bistro Chez Fred. Dazu ein Croissant vom Bäcker nebenan. Dabei genießt man einen perfekten Blick auf die Porte Cailhau (die von hinten nicht so symmetrisch ist, wie sie von vorne wirkt) und das lebhafte Kommen und Gehen davor.

Außencafé mit roten Stühlen und sitzenden Menschen an einer Straßenecke eines alten, mit Efeu bewachsenen Gebäudes.
Gemütliche Bar-Café Chez Fred. "Bar des Vedettes" darüber heißt soviel wie die "Bar der Diven" © Siegbert Mattheis
Außencafé mit roten Stühlen, Menschen sitzen unter Bäumen, historisches Steingebäude im Hintergrund.
Entspannter Blick auf den Platz und die Porte Cailhau © Siegbert Mattheis

Hier treffen sich nicht nur Tourist:innen, sondern auch die Einheimischen jeden Tag, umgeben vom zarten Duft von Jasmin, der am Haus nach oben rankt. Egal, ob die Sonne scheint oder es regnet, man sitzt entweder an den zwei Tischen drinnen oder auf der großen Terrasse davor am Place du Palais. Die Mitarbeitenden und Chef Fred selbst sind schon am frühen Morgen gut gelaunt und geben auch gerne Tipps für den Tag! Abends ist es der gemütliche Treff für einen Tapas-Aperitif oder entspannte Cocktails bis um 2 Uhr nachts.

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La Table Deruelle

Wow, was man mit und rund um Käse alles Wunderbares kreieren kann! Dieser Geheimtipp unseres Freundes Oliver, der seit über 30 Jahren in Bordeaux lebt und dort mit Leidenschaft innovative Wein-Events gestaltet, war eine echte Überraschung!

In einem Restaurant mit gefliestem Boden und Glasfenstern stehen zwei Personen lächelnd neben einer großen Kreidekarte.
Arnaud und Leo © Siegbert Mattheis
Ein Teller mit frischen Erbsen, geschnittenen Radieschen, Kräutern und einer cremigen weißen Soße.
Feta in Brickteig frittiert, gehackte Minze, Erbsen und Radieschen in Minzöl © Siegbert Mattheis
Gegrilltes Fleisch auf cremiger Sauce, garniert mit schwarzem und weißem Sesam und frischem Koriander auf einer braunen Platte.
Geröstete Karotten in Joghurtsauce mit Sesam und Koriander ... © Siegbert Mattheis
Überbackener Käse mit Wurstwürfeln, serviert mit Bratkartoffeln und einer Flasche Wein im Hintergrund.
Gegrillter Camembert mit Trüffelcreme, gerösteten Mandeln und Champignons © Siegbert Mattheis

Alle Käsespezialitäten stammen aus der Käserei von Elodie Deruelle, die seit 2011 in Bordeaux einen exzellenten Ruf genießt. Ihre beiden Söhne Arnaud und Leo bereiten daraus mit Begeisterung faszinierende und überraschende Gerichte zu und servieren sie auch persönlich.

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Bistro CulSec

Dieses kleine Bistro der Pariser Sommelière Sarah Bodianu und des Kochs Gaëtan Robert ist ein echter Geheimtipp! 2025 eröffnet, verbindet die beiden die Leidenschaft für qualitativ hochwertige Arbeit. Und das schmeckt man bei jedem Bissen! Die Speisekarte ist übersichtlich, aber jedes Gericht eine Offenbarung, so die einhellige Meinung der Bordelaiser:innen.

Zwei Personen in schwarzen Hemden stehen lächelnd in einem Raum mit einem Cartoon-Wandgemälde an der Wand hinter ihnen.
Sarah Bodianu und Gaëtan Robert © Siegbert Mattheis
Ein gemütliches, warm beleuchtetes Bistro, in dem nachts durch große Bogenfenster gegessen wird.
Gemütliche Atmosphäre im CulSec © Siegbert Mattheis
Rohe Fischscheiben auf geraspelten Karotten, garniert mit Senfsauce und Schnittlauch auf einem dekorativen Teller.
Rindfleisch-Gravlax, geriebene Karotten & Karottenketchup – Estragon © Siegbert Mattheis
Hähnchenteile mit Spargelstangen und Sahnesauce, serviert auf einem weißen Teller mit einem Logo am Rand.
Knusprige Kalbsbries, grüner Spargel & Comté-Vin-Jaune-Schaum ... himmlisch! © Siegbert Mattheis

Wir hatten uns zu viert durch (fast) die ganze Karte geschlemmt … Dazu eine sorgfältig ausgewählte Weinkarte mit über 400 Positionen (ein ziemlich dickes Buch;) und – ein Plattenspieler, bei dem ihr eure Musik passend selbst zur Atmosphäre auswählen könnt!

“Cul sec” ist übrigens ein französischer Ausdruck für “auf ex trinken” oder “in einem Zug leeren”. Wörtlich bedeutet es “trockener Hintern”, weil das Glas nach dem schnellen Trinken komplett leer ist. 😉

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Restaurant L‘Entrecôte

Das mag zwar kein Geheimtipp mehr sein, immerhin gibt es dieses Restaurant mit nur einem einzigen Gericht – Salat mit Walnüssen, Entrecôte und Pommes – schon seit 1959, aber ein zarteres Rindersteak mit einer derart genialen Sauce findet man so schnell nirgendwo sonst! Selbst der in französischen Genüssen erfahrene Autor Alexander Oetker widmet dieser Institution à la Bordelaise ein extra Kapitel in seinem Buch “Bordeaux und die Atlantikküste”.

Menschen stehen vor dem Restaurant L'Entrecôte, das in einem klassischen mehrstöckigen Steingebäude mit Balkonen untergebracht ist.
Hier wartet man bereitwillig in der Schlange © Siegbert Mattheis
Zwei Köche bereiten in einer Großküche Fleisch und Pommes frites auf Arbeitsflächen und Tabletts aus Edelstahl zu.
Ein Blick in die Küche © Siegbert Mattheis
In Scheiben geschnittenes, medium-rare Steak in geschmolzener Butter und Saft auf einem silbernen Tablett
Superzartes Steak in der geheimnisumwitterten Sauce, auf jeden Fall mit viel Butter, Senf, Thymian, Majoran ... © Siegbert Mattheis
Teller mit Pommes frites und in Scheiben geschnittenem Steak mit Sahnesauce auf einem weißen Teller.
Krosse pommes allumettes zum Entrecôte © Siegbert Mattheis

Dabei ist es entgegen mancher Meinung absolut keine Touristenfalle und extrem demokratisch. Man kann nicht reservieren, alle stehen in einer Schlange an und jede:r bekommt das gleiche Gericht. Nur Menschen mit Behinderung erhalten bevorzugten Einlass. Und der Preis ist moderat: 23 Euro inkl. Nachschlag satt an knusprig-weichen Streichholzpommes, den pommes allumettes.

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Cérès Boulangerie

Wenn ihr zum Frühstück lieber etwas Leckeres vom Bäcker holen wollt und den Café dazu lieber in der Unterkunft trinkt, dann geht zur Cérès Boulangerie! Der Gründer Pacôme Beaujard verzichtet bewusst auf Kühltruhen und arbeitet ausschließlich mit regionalen Bio-Zutaten und Bauern zusammen. Kürzlich wurde er sogar mit dem nationalen französischen Preis Talents des Cités ausgezeichnet.

Mann mit Tattoos schneidet Äpfel auf einem Schneidebrett in einer Küche mit Mixern und Utensilien im Hintergrund.
Pacôme Beaujard © Cèrés Boulangerie
Verschiedene Brotsorten auf einem Gestell mit einer Backsteinmauer und einem bunten Vogelgemälde im Hintergrund.

Six Hotdogs

Eine weitere begeisterte Empfehlung unserer Freunde Sylvie und Oliver aus Bordeaux: Chefkoch Victor Chenot, der in Pariser Sternerestaurants und Bistros ausgebildet wurde, hat sich hier seinen Traum verwirklicht:, hausgemachte Würstchen und köstliche Saucen dazu!

Ein Mann lehnt sich aus dem Schaufenster eines Lebensmittelladens unter einem Schild mit der Aufschrift "Six" und einem weiteren, das für Hot Dogs wirbt.
Chefkoch Victor Chenot © Six Hotdogs
Ein frittierter Hot Dog, der mit geschmolzenem Käse, Jalapeños und Streuseln belegt und auf einem weißen Teller serviert wird.
Fine Dining Hotdog © Six Hotdogs

Spezialitäten sind etwa Hotdogs mit Raclettekäse oder handgeschnittene, zweifach frittierte Pommes. Alle Zutaten sind frisch, so weit wie möglich von lokalen Produzenten bezogen.

Wir hatten es diesmal selbst nicht mehr geschafft vorbeizuschauen, aber diese Empfehlung wollten wir euch nicht vorenthalten. Die Bewertungen sprechen für sich 😉

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Besondere Orte

Via Sensoria in der Cité du Vin

Die Cité du Vin ist bei einem Besuch in Bordeaux ein Pflichtprogramm, auch für Menschen, die mit Wein wenig anfangen können. Denn ohne Wein lässt sich die Stadt nicht wirklich verstehen. Er prägt seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden die gesamte Region.
Das Highlight ist die Via Sensoria, die man unbedingt vorbuchen sollte. In einer Stunde nehmen Maxime oder seine Kolleginnen und Kollegen einen mit auf eine Reise in die eigene Sensorik.

Ein Mann in einem roten Polohemd gestikuliert, während er spricht, mit konzentrierter Miene und Brille.
Maxime merkt man seine Leidenschaft für das Thema an © Siegbert Mattheis
Rechteckige Bildschirme, die bunte Bilder zeigen, sind auf versetzten schwarzen Säulen unter einer geschwungenen Decke angeordnet.
Assoziationen © Siegbert Mattheis

Keine klassische Weinverkostung, keine Technikvorlesung, kein Terroir-Raten, sondern einfach dem eigenen Geruchs– und Geschmackssinn vertrauen und ihn bewusst erleben. Manche Düfte entführen in die Sommer der Kindheit oder an romantische Herbstabende, und plötzlich findet man sie als Geschmacks- oder Duftnoten in einem Wein wieder.

Eine Flasche mit der Aufschrift Fleur de Merlot mit violetter Maserung, die auf einem Holzständer mit der Aufschrift Via sensoria steht.
Wie beeinflusst Weinsalz den Geschmack von Wein? © Siegbert Mattheis
Eine Person riecht an einem Ausstellungsstück, während andere im Hintergrund sitzen und zusehen.
Geruch nach warmen Sand, goldenem Weizen, Sommer ... © Siegbert Mattheis
Eine Weinflasche in einer Hülle mit einem großen Fragezeichen, die auf einer beleuchteten Fläche steht.
Zum Schluss noch eine Überraschung ... © Siegbert Mattheis
Ein schwarzes Weinglas mit einem Löffel darin, der eine rote, geleeartige Substanz enthält.
Was macht Weingelee mit dem Weingeschmack? © Siegbert Mattheis

Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur das ansprechende Ambiente, die Erklärungen zu den Hintergründen unserer Sinne und die eigenen Empfindungen genießen …

Zur Ticketbuchung in der Cité du Vin

Les Halles de Bacalan

Dieser Food Court, nur wenige Schritte vor der Cité du Vin gelegen, erinnert ein wenig an die Time Out Markets in Lissabon und anderen Städten. Hier könnt ihr euch an den vielen Ständen kleine Köstlichkeiten kaufen und an den Tischen drinnen und draußen verspeisen.

Luftaufnahme einer Stadtlandschaft am Flussufer mit modernen Gebäuden unter einem bewölkten Himmel.
Les Halles de Bacalan, direkt vor der Cité du Vin © Siegbert Mattheis
Brotscheiben, belegt mit Surimi-Salat, marinierten Sardellen und gehackter Petersilie, zum Preis von 2,80 €.
Leckere Pintxos © Siegbert Mattheis
Menschen sitzen an Holztischen, essen und unterhalten sich in einer belebten, industriell anmutenden Lebensmittelhalle.
An den Ständen kaufen, an den Tischen essen © Siegbert Mattheis
Eine Schüssel Pulled Pork mit Barbecue-Soße auf knusprigen Kartoffeln, garniert mit Kräutern, mit einem Preisschild davor.
Preise 2026 © Siegbert Mattheis

Seit 2017 betreibt das baskische Unternehmen Biltoki (der Ort, der Menschen zusammenbringt) das Konzept der Hallen.

Die 22 Stände auf einer Fläche von mehr als 1.000 qm wurden von Handwerkern, Händlern und Produzenten besetzt, die aufgrund ihres Fachwissens und ihrer ergänzenden Fähigkeiten ausgewählt wurden. Denn sie konzentrieren sich auf kurze Vertriebswege. 85 % der angebotenen Produkte stammen aus dem Südwesten Frankreichs.

Notre-Dame de Bordeaux

Etwas versteckt inmitten von Wohnhäusern im Zentrum gelegen, wird diese Kirche von Tourist:innen kaum besucht. Kein weithin sichtbarer Turm, kein großer Vorplatz, der die Fassade zur Geltung bringen könnte.

Erbaut wurde sie im Barockstil, Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts.

Eine historische Steinkirche steht am Ende einer schmalen Straße, die von Balkonen und abgestellten Fahrrädern gesäumt ist.
Versteckte Perle Notre Dame de Bordeaux © Siegbert Mattheis
Das Innere einer großen Steinkirche mit gewölbten Decken, bunten Glasfenstern und Reihen von Holzstühlen.
1971 stürzte ein Teil des Daches ein, die ursprünglich bemalte Decke ging dabei verloren. Bis 1982 wurde die Kirche renoviert © Siegbert Mattheis

Eine Besonderheit verbirgt sich in der Konstruktion der Kuppel: Ihre Wandstärke wurde so genehmigt, dass sie die Installation einer feindlichen Kanone unmöglich macht, die auf das Château Trompette hätte gerichtet werden können.

Das Château war eine Zwingburg, mit der die französischen Könige nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges Bordeaux in Schach hielten, die Kanonen auf die Stadt gerichtet. Es stand auf dem heutigen Place des Quinconces und wurde 1818 abgerissen.

Verschnörkelte Holzkanzel mit detaillierten Schnitzereien vor Steinbögen und farbenfroher Wandkunst.
Die imposante Kanzel, oben etwas verstaubt ... © Siegbert Mattheis
Goldgeprägtes Design aus Weizen und Beeren auf einer ovalen Plakette mit Blattdetails.
Detail des schmiedeeisernen Chorabschlusses © Siegbert Mattheis

Der österreichische Maler Oskar Kokoschka hielt die Kirche 1925 während seines Aufenthalts in der Stadt auf der Leinwand fest. Ihre bemerkenswerte Akustik macht sie zudem zu einem beliebten Konzertort. Wer dem Trubel draußen entkommen möchte, findet hier einen ruhigen Moment der Besinnung.

An einem sonnigen Tag sitzen die Menschen an Cafétischen im Freien zwischen kunstvoller Steinarchitektur und großen Torbögen.
Links ist der Eingang zur Passage © Siegbert Mattheis
Eine glasüberdachte Einkaufspassage mit einem roten Teppich, Geschäften und einem kleinen Café mit Terrassenstühlen auf der linken Seite.
Passage Sarget mit Teppichboden © Siegbert Mattheis

Links vom Eingang schließt sich die wunderschöne, etwas geheime Passage Sarget aus dem 19. Jahrhundert an, mit einem Teesalon, einem kleinen Hutladen, einem Schmuckgeschäft, einer Parfümerie und weiteren Läden.

Abends verwandelt sich die Passage in den romantischen Speisesaal des Restaurants Passage Secret. Unter Küchenchef Thomas Pasquereau zelebriert das Fine-Dining-Restaurant die klassische französische Küche, zeitgemäß und elegant interpretiert, mit regionalen Produkten und saisonalen Zutaten. Reservierung unbedingt empfohlen.

Büste von Toussaint Louverture

Ein haitianischer Revolutionsführer und Gründer der ersten schwarzen Republik und Bordeaux? Was auf den ersten Blick keinen Zusammenhang ergeben mag, macht bei genauerer Betrachtung durchaus Sinn. Denn Bordeaux hatte quasi das Handelsmonopol mit der damaligen Kolonie Sainte Domingue und profitierte enorm vom Sklavenhandel und den Erzeugnissen wie Zucker und Rum, bis die Insel als Haiti unabhängig wurde und das erste schwarze Kaiserreich der Geschichte entstand.

Bronzebüste eines Mannes auf einem Steinsockel in einem grasbewachsenen Park mit Bäumen und Gebäuden im Hintergrund.
Büste des haitianischen Revolutionsführers Toussaint Louverture © Wikipedia
Ein Mann in blauer Militäruniform und Dreispitz schaut in die Ferne vor einem blauen Himmel.
Toussant Louverture führt die haitianische Revolution an, wurde durch Verrat von den Franzosen gefangen genommen und starb 1803 im Gefängnis im Jura © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Die Büste wurde anlässlich des 200. Jahrestages der Gründung der Republik Haiti 1804, vom haitianischen Bildhauer Ludovic Booz gestaltet, hier 2005 als Würdigung aufgestellt.

2019 wurde auch der Platz nach Toussaint Louverture benannt.

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Street Art

Street Art ist in Bordeaux noch nicht ganz so präsent wie etwa in Lissabon oder Porto. Dennoch ist hier eine aufstrebende Community zu beobachten, teilweise unterstützt bzw. toleriert von der Stadtverwaltung. Wir hatten eine Tour mit der sympathischen Irin Jourdan, die seit über 15 Jahren in der Stadt lebt und uns einige der bemerkenswertesten Murals und Installationen zeigte.

Wandgemälde eines Blauwals unter Wasser mit einem weißen Schiff darüber; vor dem Wandgemälde wachsen Pflanzen.
"Afrique" von A-MO. Leider ist ein Teil der Farbe entweder abgeblättert oder es wurde übermalt © Siegbert Mattheis

An diesem obigen Bild mit dem Titel „Afrique“ des Bordelaiser Street Art-Künstlers A-MO hätten wir vielleicht die Art der Malerei und den Wal bewundert, wären normalerweise aber wohl weitergegangen.

Aber Jourdan erzählt uns die bewegende, „vergessene“ Geschichte dahinter. Denn es ist eine Hommage an den Untergang der „französischen Titanic“, mit 568 Toten das größte zivile Seekatastrophe in der Geschichte Frankreichs. Die „Afrique“ lief in Bordeaux, nur wenige Meter vom Standort des Gemäldes entfernt, im Januar 1920 Richtung Senegal aus. An Bord waren viele Familien mit Kindern und auch senegalesische Soldaten, die den 1. Weltkrieg überlebt hatten und in die Heimat fahren wollten. Durch eindringendes Wasser schon in der Gironde schafften sie es nur noch bis kurz vor La Rochelle. Dort wurde das Schiff schließlich manövrierunfähig, zerschellte an einem Felsen in stürmischer und kalter See und ging unter. Es gab nur 34 Überlebende.

Initiiert wurde die Hommage von Karfa Diallo vom Verein Mémoires et Partages.

Mehr über diese Tragödie findet ihr auf der französischen Wikipediaseite

Viele weitere Murals und Graffiti-Art findet ihr im Chartron-Viertel.

Schablonenkunst von zwei Menschen mit Gasmasken, die sich umarmen, mit einem sepiafarbenen Hintergrund.
Gesellschaft, Zerbrechlichkeit und Kampf ist das Thema von RNST © Siegbert Mattheis
Schwarz-weiße Streetart von zwei Cartoonfiguren mit grünen Augen, Blumen und verspieltem Text auf einer Metalltür.
Jofo, der Bordelaiser Keith Haring, erkennbar an den grünen Augen © Siegbert Mattheis
Bunte Streetart einer großen, gemusterten Katze mit geometrischen Mustern auf einer beigen Wand unter zwei kleinen Fenstern.
Mural des mexikanischen Künstlers Spaik © Siegbert Mattheis

French.house

Dieses entspannte Restaurant mit innovativer Cocktailbar haben wir durch Zufall entdeckt, beim Durchstreifen der Gassen auf der Suche nach einem sonnigen Plätzchen. Es liegt am kleinen Place Puy Paulin, mit einem schönen Blick hinunter in die Rue Castillon. Chillige Beats im Hintergrund, jedes Gericht hausgemacht, alle Zutaten saisonal und von lokalen Produzenten.

An einem sonnigen Tag sitzen Menschen an Tischen im Freien vor einem Café namens french.house.
french.house Sonnenterrasse © Siegbert Mattheis
Fußgängerzone in Bordeaux mit Spaziergängern, Geschäften, Bäumen und alten Gebäuden an einem sonnigen Tag.
Schöner Blick in die Rue Castillon © Siegbert Mattheis

Die Weinkarte mit über 90 Positionen reicht von renommierten Châteaux bis zu kleinen unabhängigen Winzerinnen und Winzern, die auf biologische und biodynamische Praktiken setzen. Sympathisch ist auch das Engagement des Hauses für Bio- und Lokalprodukte, Mülltrennung, Recycling und ein eigenes Wasserfiltersystem.

Den Brunch, den das freundliche Team jeden Samstag und Sonntag von 9 bis 16 Uhr serviert, konnten wir leider nicht selbst ausprobieren. Unsere Freund:innen schwärmen jedoch davon. Legendär, sagen sie.

Place Meynard, St Michel

Das ist unser absoluter Lieblingsplatz. Authentisch, lebendig und voller Charakter: Rund um diesen weitläufigen Platz vor der Kirche St. Michel reihen sich charmante Studentencafés, Bars und traditionelle Restaurants.

Für Veranstaltungen aller Art wird er ebenfalls genutzt. Wir haben hier sogar spontan mit Einheimischen Fußball gespielt, mit dem freistehenden Kirchturm Pêche (dem höchsten Turm von Bordeaux) als Tor 😉 .

Eine hohe steinerne Kirchturmspitze überragt einen Platz, auf dem Menschen bei Sonnenuntergang an Tischen im Freien sitzen.
Abendstimmung auf dem Place Meynard © Siegbert Mattheis
Vier Personen spielen mit einem Ball in der Nähe eines großen steinernen Torbogens eines historischen Gebäudes.
Der "Pêche" bildet das Tor © Siegbert Mattheis
Viele Menschen in Restaurants draußen
Place Meynard © Siegbert Mattheis
Belebter Markt im Freien mit bunten Schirmen, Essensständen und Menschenmassen auf einem europäischen Stadtplatz.
Markt auf dem Place Meynard © Siegbert Mattheis

Jeden Montag- und Samstagmorgen findet ein Markt auf dem Platz statt.

Aber seine eigentliche Magie entfaltet der Platz abends. Dann mischen sich Marihuanadüfte mit den Röstaromen von Kebab und Pizza, Studierende debattieren über Philosophie oder das nächste Abendessen, und an einer Ecke spielt ein marokkanischer Vater mit seinem Sohn. Eine herrliche Atmosphäre, die einen in das lebendige, echte Bordeaux eintauchen lässt. Diese Qualität schätzten schon bordelaisische Dichter wie Meste Verdié und Ulysse Despaux.

Menschen essen in einem Café im Freien, einige sitzen auf einem Balkon vor einem Gebäude.
Brasserie Ginkho © Siegbert Mattheis
Menschen, die in einem Straßencafé auf einem europäischen Stadtplatz in der Abenddämmerung mit historischen Gebäuden und Straßenlaternen speisen.
Der Platz am Abend © Siegbert Mattheis

Shopping

Librairie Mollat

Die Librairie Mollat ist die größte unabhängige Buchhandlung Frankreichs und eine echte Kulturinstitution. Auf 2.500 Quadratmetern, verteilt auf fünf ehemalige Herrenhäuser, schlängeln sich rund 18 Kilometer Regalfläche labyrinthisch durch die Räume.

Straßenecke in der Stadt mit historischen Gebäuden, Fahrrädern, die draußen geparkt sind, und Menschen, die auf dem Bürgersteig gehen.
Die Bücherei Mollat zieht sich über mehrere Häuser hinweg © Siegbert Mattheis

Das Sortiment umfasst über eine halbe Million Bücher: Literatur, Kunst, Wissenschaft, Comics, Reiseführer sowie Werke in verschiedenen Fremdsprachen, darunter Englisch und Deutsch.

Weltweit bekannt ist die Buchhandlung für ihren Instagram-Account, auf dem Kunden passend zu ihrem jeweiligen Buchcover fotografiert werden.

La Perle des Dieux Sardinen

Sardinen sind unsere Leidenschaft, ob frisch geräuchert, in Öl mariniert oder in der Dose. Letztere schätzen wir nicht zuletzt wegen der oft wunderschönen Verpackungsgestaltung. Fündig geworden sind wir in diesem Laden der Conserverie, die seit 1887 besteht.

Ein lächelnder Mann in einer Schürze hält eine Dose Fisch in einem mit Konserven gesäumten Gang eines Geschäfts.
Leo von La Perle des Dieux © Siegbert Mattheis
Bunte Dose mit einer Illustration im Retrostil einer Frau mit gelbem Hut auf einer Strandpromenade bei Sonnenuntergang.
Millésime-Sardinen aus der Serie "Mademoiselle" © Siegbert Mattheis

Für die Jahrgangssardinen von La Perle des Dieux werden Sardinen vor Saint-Gilles-Croix-de-Vie, südlich von Nantes, zur besten Jahreszeit ab August und September, gefischt und nach einem Fettgehalt von über 12% sorgfältig ausgewählt. Nach dem Eindosen werden sie dunkel und kühl gelagert und erst nach mindestens sechs Monaten in den Verkauf gebracht. Damit die Sardinen auf jeder Seite gleichmäßig mit Öl bedeckt bleiben, werden die Dosen alle sechs Monate gewendet, erklärt uns Leo im Laden begeistert.

Für die Gestaltung der Jahrgangsserien arbeitet La Perle des Dieux mit zwei Künstlerinnen zusammen. Delphine Cossais gestaltet die Serie Mademoiselle, poetisch und traumhaft. Coralie Joulin verantwortet die Serie Lulu, poppig und farbenfroher.

Rooftopbar

Rooftop-Bar und Restaurant Tchanqué

Rooftopbars gibt es in Bordeaux nicht allzu viele, aber diese auf der Terrasse des Indigo Hotels im 7. Stock bietet wohl den schönsten Ausblick über die Garonne. Im Herzen des schicken Bohème-Viertels Chartrons gelegen, schweift der Blick zur Hebebrücke und zur Cité du Vin auf der einen, zur Pont de Pierre und St. Michel auf der anderen Seite.

Dachterrasse mit blauen Stühlen, Tischen, Lichterketten und Blick auf die Stadt unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Tchanqué Rooftop © Siegbert Mattheis
Ein weißes Schiff segelt auf einem Fluss in der Nähe einer Zugbrücke, mit roten Ziegeldächern im Vordergrund.
Blick auf die größte Hubbrücke Europas, Pont Jacques Chaban-Delmas © Siegbert Mattheis

Den Großteil ihrer Produkte beziehen die Inhaber direkt vor Ort, von Gemüsebauern, Fischhändlern, Bäckern und anderen Erzeugern aus der Region.

Der Name Tchanqué verweist auf die berühmten Austernhütten auf Stelzen im Becken von Arcachon. Der Begriff entstammt dem gaskognischen Dialekt und bedeutet so viel wie “auf Stelzen stehend”. Errichtet wurden diese Hütten Ende des 19. Jahrhunderts von Austernzüchtern, um ihre Austernparks zu bewachen und die Gezeiten zu beobachten.

Passend dazu bietet das Tchanqué jeden Samstag von 12 bis 15 Uhr ein Austernbuffet an, Le Cabane du Tchanqué.

Die Lister unserer Geheimtipps ist noch nicht zu Ende, wir werden sie immer wieder ergänzen und aktualisieren. Auf jeden Fall wünschen wir euch viel Spaß in dieser wunderbaren Stadt!

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Mai 2026 von Siegbert Mattheis

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