Mondello, die spannende Geschichte hinter dem einzigartigen Badeort in Sizilien

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Als ich das erste Mal Mondello und sein Badehaus in einer arte-Doku entdeckte, war ich einigermaßen „hooked“. Das hätte ich zugegebenermaßen auf Sizilien nicht erwartet.

Türkisfarbene Bucht mit Sandstrand, felsigen Klippen und einer Küstenstadt bei Sonnenuntergang unter einem bunten Himmel.
Bucht von Mondello heute © Depositphotos

Warum ist Mondello so einzigartig?

Wenn es einen Ort in Palermo gibt, der gemeinsam mit dem Teatro Massimo die sizilianische Hauptstadt in all ihrem Charme und ihrer Pracht verkörpert, dann ist es Mondello. Dieses kleine Küstendorf nordwestlich der Stadt verfügt über einen Strand, der sich über fast 2 km erstreckt und jeden Sommer mit Reihen von Strandclubs zum Leben erweckt wird.

Aber wie kam es dazu, dass aus einem Sumpfgebiet eines der mondänsten Seebäder Siziliens entstand?

Da müssen wir etwas tiefer in die Geschichte einsteigen. Und die ist wahrlich spannend!

Ideale Lage

Die ideale Lage der Bucht zwischen zwei hohen Bergen, dem Monte Gallo und dem Monte Pellegrino schätzte man wohl schon in der Steinzeit. Davon zeugen zahlreiche Höhlen in den Felsen. Für die Griechen und später für die Römer war der geschützte natürliche Hafen ein beliebter Ankerplatz. Als die aber begannen, die Wälder der Hänge des Monte Pellegrino für ihren Schiffsbau abzuholzen, führten die Entwaldung und Sedimentablagerungen gemeinsam dazu bei, dass sich im südlichen Teil der malerischen Bucht ein Sumpfgebiet bildete.

Ruhige Bucht mit Segelbooten, felsigen Hügeln und sumpfigem Ufer unter einem wolkenverhangenen Himmel bei Sonnenuntergang.
So könnte die Bucht von Mondello noch vor 300 Jahren ausgesehen haben, als der Sumpf auch für die Salzgewinnung genutzt wurde © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Woher stammt der Name Mondello?

Seit dem 16. Jahrhundert ist die Bezeichnung Mondello verbürgt. Nach der von den meisten Forscher:innen anerkannten Version scheint es eine italienische Anpassung des arabischen Al Mondellu zu sein, was “Der Sumpf” bedeutet. Zur Unterstützung dieser These ist bekannt, dass muslimische Seefahrer den kleinen Hafen der Bucht als Marsa ‘at Tin, “Schlammhafen” bezeichneten. So entstand später nur an der nördlichen Seite eine kleine Ansiedlung von Fischern. Die konnten gut vom Thunfischfang leben, wurden aber oft von muslimischen Piraten, den Sarazenen angegriffen.

Daher wurden um 1455 auf Veranlassung der damals spanischen Herrscher von Aragon zwei kreisrunde Verteidigungstürme gebaut, von denen man heute einen guten Rundblick über die Bucht hat.

Alter Steinturm hinter einem Straßencafé mit weißen Sonnenschirmen und Palmen unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Verteidigungsturm von 1455 am alten Fischerdorf © Siegbert Mattheis
Blick auf ein historisches gelbes Gebäude am Wasser mit Bergen im Hintergrund und Pflanzen im Vordergrund.
Blick nach Süden auf das Seebad © Siegbert Mattheis

Wie kam es vom Sumpfgebiet zum mondänen Badeort?

Das hatte mit einigen mutigen, visionären Menschen zu tun.

Ab 1860 raffte eine Malaria-Epidemie Hunderte Bewohner:innen hin. Aus Furcht vor dem Übergreifen der Krankheit auf Palermo, das damals einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, beschloss die Gemeindeverwaltung, die Sümpfe trocken zu legen.

Wer war Francesco Lanza di Scalea?

Fürst Francesco Lanza Spinelli di Scalea war Abgeordneter des Parlaments von Palermo und hatte mit Garibaldi 1860 für die Einheit Italiens gekämpft.

Vor allem auf seine Initiative hin wurde ein ehrgeiziges Entwässerungsprojekt für das von Malaria geplagte Küstenviertel ins Leben gerufen, das 1890 genehmigt wurde. Einige Jahre später war die Region trockengelegt.

Nun entdeckten die Palermitaner:innen sie als Naherholungsgebiet und fuhren mit ihren Kutschen in die idyllische Bucht. Dieser Trend führte zur Entstehung der ersten Strandclubs aus hölzernen Hütten am Strand.

Zu Ehren von di Scalea wurde in Mondello eine Statue errichtet, sie steht im Halbrondell gegenüber der Viale Regina Elena, 83.

Wer war Vincenzo Florio jr.?

Vincenzo war der jüngere Bruder von Ignazio Florio. Beide gehörten zu einer der damals reichsten Unternehmer-Familien Italiens in Palermo. 1891 erbten sie ein riesiges Vermögen und leiteten das Unternehmen in der 4. Generation weiter.

Mehr über diese einflussreiche und illustre Familie Florio, deren Geschichte in den letzten Jahren als Roman herauskam, Millionen Italiener:innen bewegt hatte und 2023 verfilmt wurde, findet ihr weiter unten.

Während sich Ignazio mehr um die Leitung der vielen Firmen kümmerte und sich als Mäzen betätigte, war Vincenzo Florio jr. eher dem Luxusleben zugetan und liebte Reisen, Yachten und schnelle Autos.

Eine Frau mit Hut und Handschuhen lächelt neben einem Mann in Anzug und Hut, der unter einem Sonnenschirm sitzt.
Vincenzo Florio und seiner zweiten Frau Lucie Henry, einer französischen Schauspielerin und Muse von Picasso © Accademia di Belle Arti di Palermo

Er wählte die Bucht von Mondello aus, um europäische Hoheiten, u. a. den deutschen Kaiser Wilhelm II. zu empfangen, die die sizilianische Hauptstadt besuchen. Zudem organisierte er auch Geschäftstreffen mit den großen unternehmerischen und finanziellen Dynastien der Zeit. Darunter die Krupps, die Rothschilds, die Rockefellers oder die Vanderbilts.

Vincenzo rief auch eine Reihe von Sport- und Kulturveranstaltungen ins Leben, um das Prestige seiner Familie auf der internationalen Bühne zu steigern.

Für ihn errichtete der Architekt Ernesto Basile zwischen 1899 und 1902 in Palermo die Villa Florio all’Olivuzza. Seit 2016 ist sie als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ein großartiges historisches Herrenhaus mit einem Turm, Bogenfenstern und geschwungenen Steintreppen unter einem klaren blauen Himmel.
Villino Florio in Palermo, heute ein Museum © Wikipedia

Erster Motorflug in Sizilien

So wies er 1909 den Flugpionier Clemente Ravetto an, in Paris ein neuartiges Voisin-28 Flugzeug von einer der ersten Herstellerfirmen für Flugzeuge zu kaufen. Der transportierte es zerlegt von dort mit der Bahn bis nach Palermo, wo es in einem Schuppen in der Via Catania wieder zusammenmontiert wurde.

Am 1. Mai 1910, anlässlich des Jahrestages der Gründung Italiens, vollzog Clemente Ravetto unter dem zahlreich herbeigeströmten, staunenden Publikum den ersten Motorflug Siziliens auf dem Flugplatz Favorita in Mondello. Er erreichte eine Höhe von 40 Metern bei einer Strecke von 200 Metern. Ihm zu Ehren und in Erinnerung an diesen Flug wurde eine Gedenkstele auf der Piazza Caboto in Modello errichtet.

Frühes Oldtimer-Flugzeug auf einem grasbewachsenen Feld mit einem sitzenden Piloten und mehreren in der Nähe stehenden Personen.
Clemente Ravetto am Steuer der Voisin 28 am Strand im Oktober 1909 @ Wikipedia, mit KI-Unterstützung restauriert

Targa Florio

Als begeisterter Rennfahrer initiierte Vincenzo Florio jr. auch die Targa Florio, eines der ältesten und härtesten Autorennen der Welt, das von 1906 bis 1977 als Straßenrennen durch die sizilianischen Madonie-Berge führte. Heute wird die Tradition als Oldtimer-Rallye fortgeführt.

Menschen in eleganter Kleidung der 1920er Jahre beobachten von der Tribüne aus ein Autorennen, während im Hintergrund Fahnen und Menschenmassen zu sehen sind.
Plakat zur 20. Targa Florio 1927 © Foto: Siegbert Mattheis
Ein Oldtimer-Cabrio mit italienischem Kennzeichen parkt, während an einer kleinen Tankstelle getankt wird.
Oldtimer-Rallye auf den Spuren der Targa Florio beim Tankstopp in Finale © Siegbert Mattheis

Wer war Luigi Scaglia?

Zum Start dieses Autorennens 1906 reiste auch der Mailänder Ingenieur Luigi Scaglia an. Als er Mondello von der Spitze des Monte Pellegrino aus erblickte, war er schlichtweg begeistert und erkannte sofort das riesige Potenzial des Küstenstreifens. Kurz darauf legte er dem Stadtrat von Palermo eine Reihe von Vorschlägen vor. Er plante eine Straßenbahnlinie nach Palermo, elegante Villen auf dem Monte Pellegrino, die mit einer elektrischen Seilbahn mit der Küste verbunden werden sollten, und einen ständigen Badeort, um die provisorischen Holzhütten zu ersetzen, die jeden Sommer errichtet werden.

An seinen Vorschlag war eine Notiz angehängt, die seine tiefe Zuneigung zu dem kleinen Fischerdorf offenbarte. Hier ein kurzer Auszug:

“… Wer dieses Fleckchen Paradies auch nur einmal gesehen hat, muss sich voller Staunen fragen, warum er nicht der tägliche Treffpunkt all jener ist, die im Anblick des Schönen Erholung und Trost suchen (…). Kein Maler hatte jemals auf seiner Palette eine solche Vielfalt an Grüntönen, wie sie dem verzückten Auge der riesige Wald aus Zitrusbäumen, Olivenbäumen und Johannisbrotbäumen bietet, der den schönen türkisfarbenen Golf umgibt, zum Meer hin abfällt und sich in einem noch türkiseren Himmel spiegelt, eingeschlossen zwischen dem erhabenen Monte Gallo und unserem Pellegrino  …”

Gleichzeitig veröffentlichte er seine Vorschläge in La Sicile Illustrée, eine in Paris in französischer und italienischer Sprache erscheinende Monatszeitschrift.

Mondello pries er darin an als ebenbürtig zu den berühmtesten Badeorten und mit einer schöneren Strandpromenade als die Promenade des Anglais in Nizza.

Rötelzeichnung eines Frauenkopfes, darüber der Titel "La Sicile Illustrèe"
Cover 1910
Menschen entspannen sich an einem Sandstrand mit Strandhütten, Bergen und Häusern im Hintergrund. Schwarz-Weiß-Foto.
Mondello Anfang des 20. Jahrhunderts © ItaloBelga

Der Artikel sorgte für ein bemerkenswertes Echo im restlichen Europa der Adligen und der Geschäftswelt. Darunter war auch eine Gruppe belgischer Geschäftsleute, die sich auf Elektrizität und Straßenbahnen spezialisiert hatten. Sie bemühten sich umgehend um einen Deal mit der Regierung von Palermo.

Am 28. Dezember 1910 erteilte die Stadtverwaltung der neugegründeten belgisch-italienischen Firma Les Tramways de Palerme (heute Mondello Immobiliare Italo Belga S.A.) die Konzession für die komplette Entwicklung des Küstengebiets. Das Unternehmen installierte ein Stromnetz, baute Straßenbahnlinien und legte den Grundstein für einen großen Badepavillon.

Sie kopierten somit das Projekt des Mailänder Ingenieurs. Der nahm sich 1914, am Boden zerstört von dem Rückschlag, das Leben, obwohl die wahren Umstände seines tragischen Todes nie aufgeklärt wurden. Von diesem Visionär hinter Mondellos Entwicklung ist kein gesichertes Porträt überliefert und auch kaum etwas in den Archiven zu finden.

Der Badepavillon

Das Stabilimento Balneare von 1912 ist das Wahrzeichen von Mondello und eines der wenigen Badehäuser im Mittelmeer, die es noch heute gibt.

Die Urheberschaft des architektonischen Entwurfs ist nicht endgültig geklärt. In vielen Quellen wird der Name Rudolf Stualker genannt. Neueste Forschungen von 2020 zeigen jedoch, dass es sich hierbei um eine Fehlschreibung von Rodolfo Stoelcker handelt, einem deutsch-italienischen Bauingenieur, der allerdings nur die Fundamente und die Konstruktion des Gebäudes entwarf. Er hatte mit der Firma Ferrobeton ein Patent auf die damals neuartige Stahlbeton-Bauweise.

Historisches gelbes Gebäude am Meer mit Flaggen auf dem Dach, darunter schwimmende Menschen im klaren Wasser, unter blauem Himmel.
Der Badepavillon auf Stelzen aus dem damals neuartigen Stahlbeton © Siegbert Mattheis
Ein gelbes historisches Gebäude mit Fahnen, betrachtet von einem Gehweg aus unter einem strahlend blauen Himmel.
Jugendstil-Seebad Antico Stabilimento Balneare © Siegbert Mattheis
Gelbes neoklassizistisches Eingangstor mit Säulen unter strahlend blauem Himmel, Menschen gehen in der Nähe spazieren.
Eingang zum Antico Stabilimento Balneare © Siegbert Mattheis

Realisiert wurde der Bau durch Salvatore Rutelli aus der Familie des berühmten Bildhauers Giovanni Rutelli. Die Familie hatte bereits den Löwen am Teatro Massimo und u. a. auch das Denkmal für Johann Wolfgang von Goethe in München realisiert.

Vintage-Foto von Palermos Mondello Lido mit schwimmenden Menschen und einem Gebäude auf Stelzen über dem Wasser.
Antico Stabilimento Balneare auf einer Postkarte von 1940

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude sowohl von den italienischen Faschisten als auch von der deutschen Armee als Hauptquartier genutzt. Danach von den alliierten Streitkräften, die die meisten Möbel in die Villa Igiea verlegten.

In den 1990er-Jahren wurde das Gebäude dank der Arbeit des Ingenieurs Umberto Di Cristina, der von der Italo Belga Real Estate Company finanziert wurde, restauriert und in seinen früheren Glanz zurückgebracht.

Menschen spazieren entlang einer Strandpromenade in Mondello, Palermo, mit Bergen und einem Pavillon im Hintergrund.
Postkarte des Badehauses von 1957, links ist das Grand Hotel gerade im Bau

Die Gartenstadt Mondello

Der Auftrag an das belgisch-italienische Konsortium sah die Erschließung eines neuen Stadtviertels vor, das ausdrücklich auf die wohlhabenden Gesellschaftsschichten ausgerichtet sein sollte. Das neue Viertel wurde nach den Grundsätzen der Gartenstadt-Bewegung geplant.

Aber schon zuvor wurden an der Küste Villen gebaut, zum Beispiel die Villa Lentini, die der Architekt Ernesto Basile für den Maler Rocco Lentini 1910 fertiggestellt hatte.

Die wunderschöne Villa ist heute nach langer Renovierung als Unterkunft buchbar.

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Eine hellbraune und orangefarbene Villa mit dunklen Fensterläden, Palmen und einem Balkon steht hinter einer grünen Hecke.
Villino Terrasi in der Via Elena © Siegbert Mattheis
Eine Villa mit Palmen, italienischer Flagge und einem geparkten Auto an einem sonnigen Tag.
Auch das Commissarioto von Mondello ist in einer Jugendstilvilla untergebracht © Siegbert Mattheis

Ernesto Basile sollte nun auch die weiteren Villen entwerfen und bauen lassen. Er war durch den Bau der Palermer Oper Teatro Massimo, die sein Vater geplant und er 1897 zum Abschluss gebracht hatte, zu einiger Berühmtheit gelangt. So entstanden in den folgenden Jahren unter seiner Führung und gemeinsam mit seinen Studenten weitere Villen im damals vorherrschenden Liberty-Stil (er entspricht demdeutsch-österreichischen Jugendstil).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige von ihnen, obwohl sie von Kriegsschäden verschont waren, abgerissen. Aber viele dieser Jugendstilvillen stehen heute noch und machen einen Großteil des Charmes von Mondello aus.

Eine gelbe Villa mit einem Turm, roten Dachziegeln und grünen Fensterläden, hinter einem Tor an einer sonnigen Straßenecke.
Villino Cenevre © Siegbert Mattheis
Ein zweistöckiges Haus mit rotem Dach, üppigem Grün und einem Berg im Hintergrund unter einem teilweise bewölkten Himmel.
Villino de Gregorio, besser bekannt als "Villa Ida", es war der erste Sitz des Circolo nautico Ruggero di Lauria © Siegbert Mattheis

Wir haben euch hier eine Übersicht einiger sehenswerten Villen zusammengestellt.

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Mehr Informationen

Wer war die Familie Florio?

Die Familie Florio war eine der einflussreichsten Unternehmerdynastien Italiens im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ursprünglich aus Kalabrien stammend, ließ sich die Familie in Palermo nieder und begann 1837 mit einem Gewürzhandel.

Unter Vincenzo Florio senior und insbesondere seinen Söhnen Ignazio und  Vincenzo Florio jr. entwickelte sich das Unternehmen zu einem weit verzweigten Imperium. Die Florios investierten in die Produktion von Marsalawein, gründeten eine bedeutende Reederei, betrieben Thunfischfabriken und engagierten sich im Bergbau sowie in der Industrie.

Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs in der Belle Époque gehörten sie zu den reichsten Familien Europas und beschäftigten tausende Arbeiter. Palermo profitierte stark von ihren Aktivitäten und wurde zeitweise als „Floriopolis“ bezeichnet. Die Familie war auch kulturell einflussreich und unterstützte gesellschaftliche sowie künstlerische Projekte.

Bekannt als die „Löwen von Sizilien“ prägte sie das soziale und wirtschaftliche Leben Palermos entscheidend.

Der Niedergang begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Gründe waren zunehmende internationale Konkurrenz, strategische Fehlentscheidungen und wirtschaftliche Umbrüche. Innerhalb weniger Jahrzehnte verlor die Familie ihren wirtschaftlichen Einfluss und großen Teile ihres Vermögens.

Dennoch pflegte die Familie ihren extravaganten Lebensstil weiter. Aufgrund der finanziellen Schieflage wurden später große Teile des Besitzes verkauft, darunter die berühmte Villa Florio all’Olivuzza im Jahr 1924.

1935 wurden schließlich der Schmuck, die Möbel und weitere Immobilien von Donna Franca versteigert. Sie starb verarmt 1950; Ignazio und Vinzenzo jr. folgten ihr wenige Jahre später.

Trotz des dramatischen Absturzes hinterließ die Familie ein bedeutendes kulturelles Erbe auf Sizilien.

Eine Familie aus dem viktorianischen Zeitalter posiert für ein Porträt: Vater, Mutter mit großem Hut, junges Mädchen und ein Baby im Kleidchen.
Ignazio und Franca Florio mit ihren Kindern Ignazio und Giovanna, die 1902 an Tuberkulose starb © Wikipedia
Eine Frau in einem schwarzen Kleid mit Perlen posiert vor einem strukturierten, braunen und dunklen abstrakten Hintergrund.
Gemälde von Donna Franca 1901 von Giovanni Boldini © Wikipedia
Ein Mann in Uniform begrüßt zwei Frauen in aufwendigen Kleidern und großen Hüten in einem Garten.
Donna Franca und Kaiser Wilhelm II. © Wikipedia

Wer war Ignazio Florio?

Ignazio, der ältere der beiden Brüder betätigte sich neben der Unternehmensleitung auch als Mäzen für Architektur und Kunst. Er beteiligte sich am Bau des Teatro Massimo, das auf seinen Wunsch hin eins der größten Opernhäuser Europas werden sollte.

Er wollte ein Luxus-Sanatorium für Tuberkulosepatienten bauen lassen und kaufte ein Grundstück zwischen Mondello und Palermo. Seine Tochter war an Tuberkulose erkrankt. Investoren sahen jedoch darin kein lukratives Unternehmen, so dass sie ihn zwangen, daraus ein Luxushotel zu bauen. Es ist das heutige Rocco Forte Hotel Villa Igeia, benannt nach der griechischen Göttin für gesundheit, Hygieia und wurde 1900 eröffnet. Seine Tochter starb 2 Jahre später.

Wer war Franca Florio?

Francesca Paola Jacona della Motta dei baroni di San Giuliano, allgemein Donna Franca genannt, war seine Frau und Mutter der Tochter. Sie war eine der schillerndsten Frauen der Epoche und zählte als „Königin von Palermo“ zu den Stars der Belle Époque Europas.

Wer war Lucie Henry?

Die aus Paris stammende Französin Lucie Henry war die zweite Frau von Vincenzo Florio jr. Sie lernten sich in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts kennen. Er heiratete sie 1912, ein Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau, der Principessa Annina Alliata di Montereale. Diese war im Alter von nur 23 Jahren an Cholera gestorben.

Lucie Henry war zuvor Model und Muse von Künstlern wie Picasso, Freundin von Coco Chanel und galt als Stil-Ikone.

In den Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs der Familie Florio setzt sie sich aktiv für den Schutz des Familienvermögens und der Familienerinnerungen ein.
Sie starb 1960 in Palermo.

Das Schicksal der Familie Florio, der „Löwen von Sizilien“ ist auch heute noch Thema von Büchern und Fernsehserien. Im Januar 2026 erschien die neueste Saga der Familie als Roman.

Hier könnt ihr den Trailer von Disney über die Familie Florio ansehen.

Zuletzt aktualisiert im Mai 2026 von Siegbert Mattheis

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