Neapel, die 10 schönsten Sehenswürdigkeiten und Tipps

Neapel hasst man oder liebt man, aber gleichgültig lässt die Stadt niemanden. Neapel steckt voller Widersprüche. Prachtvolle Barock-Palazzi, renovierte Jugenstilvillen, farbenfrohe neoklassizistische Bauten auf der einen Seite; heruntergekommene, siebenstöckige Mietskasernen und dunkle, schmale Gassen in den Armenviertel im Spanischen Viertel oder im Centro storico. Müll und Prunk, Bettler und Porschefahrer, Glanz und Verfall begegnen Ihnen hier auf engstem Raum.

Die Stadt Neapel fasziniert mit ihren vielen antiken Sehenswürdigkeiten, hunderten von Kirchen, mehreren Festungen, bedeutenden Museen, einem von Höhlen durchzogenen Untergrund, dem immer noch aktiven Vesuv und natürlich – dem strahlend-blauen Golf von Neapel.

Das berühmte Postkartenmotiv mit dem Blick auf Neapel, Vesuv und den Golf © Siegbert Mattheis
Das berühmte Postkartenmotiv mit dem Blick auf Neapel, Vesuv und den Golf © Siegbert Mattheis

Und auch durch die liebenswerten Einwohner, von denen nur ein kleiner Teil etwas mit der organisierten Kriminalität zu tun haben, der Großteil versucht sich im neapolitanischen s’arrangiarsi, sich irgendwie zu helfen wissen und aus den Umständen das Beste machen.

Aber Neapel hat sich seit Mitte der 1990er Jahren stark gewandelt. War Neapel bislang nahezu nur mit Müll, Kriminalität und Comorra verknüpft, so erlebt man seit einigen Jahren ein Stück anderes Napoli.

Hier unsere Tipps und Sehenswürdigkeiten in Neapel, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten:

Freundliche Verkäufer auf dem Markt © Siegbert Mattheis
Freundliche Verkäufer auf dem Markt © Siegbert Mattheis

Spaccanapoli

Diese schmale Straße zerschneidet das Herz Neapels in zwei Teile, daher auch der Name (ital. spaccare = spalten). Der Name wurde von den Neapolitaner verliehen, eigentlich hat sie mehrere Namen, u.a. Via Benedetto Croci, Via San Biagio dei Librai oder Via Forcella. Oberhalb der Straße finden Sie die sog. bassi, die seit Jahrhunderten bestehenden finsteren Behausungen, in denen noch viele Bewohner auf wenigen Quadratmetern wohnen.

Besuchen Sie in der Spaccanapoli unbedingt die Bar Nilo. Sie ist leicht zu finden, denn außen in der Wand ist ein „Heiligenschrein“ für den Fußballer Diego Maradona eingelassen, vor dem Touristen gerne für ein Foto posieren. In der Bar Nilo können Sie nicht nur selbst einen wunderbaren Espresso genießen, sondern hier auch einen caffè sospenso spendieren, eine soziale Besonderheit in Neapel. Wenn man einen guten Tag hat, ein Geschäftsabschluss gelungen ist oder man einfach helfen will, trinkt man an der Bar einen Espresso und bezahlt einen weiteren. Das ist dann ein „Aufgehobener“, so der Name. Wenn nun später jemand vorbeikommt, der sich aufgrund seiner Armut keinen Espresso leisten kann, fragt er nach einem solchen caffè sospenso, „C´e un sospenso?“ und kann ihn kostenlos trinken. Da sind die Barbetreiber ehrlich. So können auch Menschen, denen es schlecht geht, am sozialen Leben teilhaben.

Die Spaccanapoli "spaltet" Neapel © Wikipedia
Die Spaccanapoli "spaltet" Neapel © Wikipedia

Via Partenope, die neue Flaniermeile in Neapel.

Durch die Sperrung eines Teilstücks der Via Partenope für den Autoverkehr hat sich die neapolitanische Bevölkerung eine neue, breite Flaniermeile erobert. Auf der am Meer am Castel dell’Ovo entlangführenden breiten Straße gehört nun die eine Hälfte den Restaurants und Bars, die andere Hälfte den Fahrradfahrern, Skatern und Fussgängern. Eine große, aber unaufdringliche Polizeipräsenz sorgt dafür, dass sich selbst Familien mit Kleinkindern, viele Ältere, Jugendliche und junge Verliebte und natürlich auch Touristen hier teilweise bis in die frühen Morgenstunden vergnügen können, ohne sich um ihre Sicherheit große Gedanken machen zu müssen.

Übrigens zur Sicherheit und Kriminalität: Als Tourist werden Sie mit den Mafiagesellschaften kaum etwas zu tun bekommen. Eher mit den Kleinkriminellen oder Taschendieben, die es in jeder Großstadt gibt, in Barcelona genauso wie in Paris, Prag oder Berlin. Daher ist wie überall geboten, Wertgegenstände im Hotelsafe zu lassen, nicht zu protzig aufzutreten und die Handtasche oder Kamera immer fest im Griff zu haben. Worauf Sie achten sollten, sind Vespafahrer, die Ihnen im Vorbeifahren die Handtasche von der Schulter reißen könnten und schnell in den Seitenstraßen verschwunden sind. Wenn Sie auf Hütchenspieler oder vermeintliche Super-Schnäppchen hereinfallen, hm, dann ist Ihnen vermutlich nicht mehr zu helfen.

Neapels neue Flaniermeile, die Via Parthenope © Siegbert Mattheis
Neapels neue Flaniermeile, die Via Parthenope © Siegbert Mattheis

Castel dell‘Ovo

Das Castel dell’Ovo (dt. Eierfestung) ist nicht zu übersehen. Es liegt auf einer kleinen Insel im Meer direkt im Viertel San Ferdinando vor der Via Partenope und ist mit einem Damm und einer Brücke mit dem Festland verbunden. Die Fundamente des Kastells sind aus dem 5. Jh., seine heutige Gestalt erhielt es im 13. Jahrhundert. Seinen Namen soll die Festung vom römischen Dichter Vergil haben, der ein Ei in das ursprüngliche Fundament gelegt haben soll und im Mittelalter als Zauberer galt. Solange das Ei heil bliebe, so die Legende, gehe es der Stadt gut. Vielleicht steht deshalb auch immer ein Polizeiwagen vor dem Tor.

Auf der Insel befindet sich darüber hinaus ein kleines, romantisches Viertel mit zahlreichen, nicht ganz billigen Restaurants, die vor allem bei amerikanischen Touristen beliebt sind. Die Bucht vor dem Castel dell’Ovo wiederum ist eine Lieblingsbadestelle für Kinder und Jugendliche aus Neapel.

Castel dell'Ovo, Sonnenbaden vor historischer Kulisse © Siegbert Mattheis
Castel dell'Ovo, Sonnenbaden vor historischer Kulisse © Siegbert Mattheis
Fischrestaurants im Viertel um das Castell d'Ovo © Siegbert Mattheis
Fischrestaurants im Viertel um das Castell d'Ovo © Siegbert Mattheis
Neapels Stadtstrand © Siegbert Mattheis
Neapels Stadtstrand in der Nähe des Castell dell'Ovo © Siegbert Mattheis
Glücklich, wer ein Boot hat © Siegbert Mattheis
Glücklich, wer ein Boot hat © Siegbert Mattheis

Castel Sant’Elmo

Vom Castel Sant’Elmo oben auf dem Vomero-Hügel aus haben Sie eine wunderbare Sicht auf die Stadt. Das Kastell wurde unter der Herrschaft der Anjou im 14. Jh. erbaut. Bezeichnend: die Kanonen waren damals vorwiegend gegen die aufständischen Bewohner Neapels gerichtet, weniger auf potenzielle Angreifer von außen. Die Festung beherbergt heute verschiedene Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, unter anderem die Kunsthistorische Bibliothek (Biblioteca di Storia dell’Arte).
Die Standseilbahn Funicolare bringt Sie vom Zentrum direkt hinauf zur Festung und in das Viertel Vomero.

Das Castel Sant’Elmo am höchsten Punkt der Stadt © Siegbert Mattheis
Das Castel Sant’Elmo am höchsten Punkt der Stadt © Siegbert Mattheis

Castel Nuovo

Das Castel Nuovo befindet sich vor dem Rathausplatz. Es wurde wie Castel Sant’Elmo im 13. Jahrhundert unter den Anjou erbaut und hatte die Funktion einer Stadtburg. Hier waren seitdem immer die Armeen der vielen fremden Herrscher Neapels untergebracht. Im 15. Jahrhundert wurde es komplett umgestaltet und ausgebaut. In der Sala dei Baroni (Saal der Barone) trat bis ins Jahr 2006 der Stadtrat Neapels zusammen, im Westflügel der Burg ist heute das Museo Civico (Museum zur Stadtgeschichte Neapels) untergebracht.

Das Castel Nuovo mit faszinierendem Renaissanceportal © Siegbert Mattheis
Das Castel Nuovo mit faszinierendem Renaissanceportal © Siegbert Mattheis

Galleria Umberto I und Teatro San Carlo

Wirklich beeindruckend! Die Galleria Umberto I ist eine der weltweit ersten überdachten Shopping Malls. Sie wurde Ende des 19. Jhd. nach dem Vorbild der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele II gebaut. Die Glaskuppeln sind über 52 m hoch und die Fußböden zieren grandiose Mosaike. Als Shoppingparadies wurde sie allerdings heute durch die Via Toledo abgelöst. Gleich gegenüber liegt das Teatro San Carlo mit einer prachtvollen Innenausstattung, das zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung im 18. Jhd. das größte Opernhaus der Welt war. Auch heute zählt es zu einem der bedeutendsten in Europa.

Shopping Mall Galleria Umberto I © Siegbert Mattheis
Shopping Mall Galleria Umberto I © Siegbert Mattheis
Eingang zur Galleria Umberto I © Siegbert Mattheis
Eingang zur Galleria Umberto I © Siegbert Mattheis

Gran Caffé Gambrinus

In diesem 1860 eröffneten Kultcafé saßen schon die Kaiserin Sissi von Österreich, Totò, Ernest Hemingway, Oscar Wilde, Jean Paul Sartre, verschiedene italienische Präsidenten und auch Kanzlerin Merkel. Während der Zeit des Faschismus‘ wurde das Gambrinus geschlossen, weil es als Treffpunkt für Antifaschisten galt.

Das Caffé besticht durch sein wunderschönes Jugendstilambiente, an den Wänden sind Fresken neapolitanischer Impressionisten zu bewundern und durch die offenen Fenster oder von der Terrasse aus kann man in Ruhe das Treiben auf der Piazza Plebiscito und der Piazza Trieste e Trento beobachten.

Gran Caffé Gambrinus © Siegbert Mattheis
Gran Caffé Gambrinus © Siegbert Mattheis
Historisches Jugendstilambiente © Siegbert Mattheis
Historisches Jugendstilambiente © Siegbert Mattheis
Entspanntes Gespräch im Caffé Gambrinus mit Blick auf die Piazza © Siegbert Mattheis
Entspanntes Gespräch im Caffé Gambrinus mit Blick auf die Piazza © Siegbert Mattheis

Markt und Fischmarkt an der Porta Nolana

Wir waren leicht enttäuscht, wir hatten ihn ähnlich groß wie den Fischmarkt in Catania erwartet, aber der Fischmarkt in Neapel ist mit nur wenigen Fischständen im Markt in den Gassen um die Porta Nolana integriert. Aber drumherum ist jede Menge los, hier wird lautstark die frische der Ware angepriesen, aus Wasserschläuchen träufelt kühles Wasser auf die Wannen mit den Muscheln, Tintenfischen und Sardellen und tropft auf das schwarze Pflaster aus Vulkangestein, Mopedfahrer winden sich rasend schnell durch die Menge, ein Duftgemisch aus Fischabfällen, Abgasen und warmem Obst liegt in der Luft. Hier in den engen Straßen wird so gut wie alles feilgeboten, sogar Wellensittiche oder Pferdesättel bekommen Sie hier. Ein Besuch lohnt sich!

Porta Nolana, ein Teil der ehemaligen Stadtmauer © Siegbert Mattheis
Porta Nolana, ein Teil der ehemaligen Stadtmauer © Siegbert Mattheis
Szenen auf dem Fischmarkt © Siegbert Mattheis
Szenen auf dem Fischmarkt © Siegbert Mattheis
Auf dem Markt an der Porta Nolana gibt es alles © Siegbert Mattheis
Auf dem Markt an der Porta Nolana gibt es alles © Siegbert Mattheis

Eine Fahrt mit der Funicolare

Die Fahrt mit einer der drei Standseilbahnen, den Funicolari, sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Zum einen ersparen Sie sich den mühsamen Aufstieg auf die Hügel oder den Stau die Serpentinen hinauf, zum anderen sind allein schon die Stationen die Besichtigung wert und die Fahrt ebenfalls.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden neue Wohnquartiere auf dem Hügel Vomero nordwestlich des Stadtkerns von Neapel. Wegen der steilen Hänge erfolgte die Erschließung mit zwei Standseilbahnen: der Funicolare di Chiaia und der Funicolare di Montesanto. Die etwas kürzere Funicolare di Chiaia konnte als erste der beiden Bahnen im Oktober 1889 eröffnet werden.
Das Lied Funiculì, Funiculà ist Ihnen sicher, zumindest von der Melodie her bekannt. Es ist ein volkstümlich gehaltenes Lied in Neapolitanisch aus dem Jahr 1880, das aus Anlass der Eröffnung der allerersten Standseilbahn auf den Vesuv komponiert wurde.
Diese Standseilbahn wurde 1944 beim Ausbruch des Vesuvs völlig zerstört, das Lied aber lebt bis heute erfolgreich als klassischer Evergreen weiter und wurde u.a. von Mario Lanza (1950) und Luciano Pavarotti (1995) interpretiert.

Die Funicolare am Vomero © Siegbert Mattheis
Die Funicolare am Vomero © Siegbert Mattheis
Der Eingang zur Funicolare © Siegbert Mattheis
Der Eingang zur Funicolare © Siegbert Mattheis

Shoppen in der Via Toledo

Die Shoppingmeile schlechthin. Die toledo, wie sie von den Einheimischen nur genannt wird, ist eine der beliebtesten Einkaufsstraßen der Neapolitaner. Hier ist die Auswahl am größten und für jeden Geldbeutel ist etwas dabei.

In der Via Chiaia im gleichnamigen Viertel sind die etwas teureren Läden und Modelabels zu finden. Sie war schon immer die Straße der Schneider und Modelabels gewesen.

Modestraße Via Chiaia © Siegbert Mattheis
Modestraße Via Chiaia © Siegbert Mattheis

Pizza genießen

Natürlich sollten Sie hier die neapolitanische Pizza probieren. Am besten bei daMichele, eine der ältesten Pizzerien, schon 1870 gegründet, bevor Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi die Pizza Margherita 1889 zu Ehren der Königin Margherita erfand. Aber bei daMichele gibt dort nur zwei Pizzavarianten: die Pizza Margherita und die Pizza Marinara. Die ist nicht mit Fisch, sondern nach Fischerart, mit Tomaten, Olivenöl, Knoblauch und Oregano und ist noch älter als die Pizza Margherita. Neapolitaner essen Pizza übrigens nicht als Hauptmahlzeit, sondern zwischendurch als Snack, und am liebsten a libretto, wie ein Buch gefaltet.

Pizza bei da Michele © Pizzeria da Michele
Pizza bei da Michele © Pizzeria da Michele

Sfogliatelle probieren

Das ist die zweite, etwas weniger bekannte Spezialität Neapels: eine kusperzarte Verführung, die Königin der neapolitanischen Konditorkunst in Form einer Venusmuschel. Nicht umsonst gibt es das neapolitanische Sprichwort „drei schöne Dinge gibt es in Neapel: die Sonne, das Meer und die Sfogliatelle“. Mehr über Sfogliatelle hier

Köstliche Sfogliatelle in Neapel © Siegbert Mattheis
Köstliche Sfogliatelle in Neapel © Siegbert Mattheis

Unterkunft in Neapel

Wir hatten das Glück, in der Villa Margherita zu übernachten, eine Villa aus dem 19. Jh. auf dem Vomerohügel mit Blick auf den Golf und Capri, mit einem kleinen Balkon und einer schönen Frühstücksterrasse. In einem Viertel, das unter Wohnungssuchenden heiß begehrt ist, mit wunderschönen Jugendstilvillen und kurzen Wegen ins Ausgehviertel Chiaia.

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Siegbert Mattheis

Blick aus der Villa Margherita © Siegbert Mattheis
Blick aus der Villa Margherita © Siegbert Mattheis

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