E-Mietwagen aufladen im Urlaub: Was ihr unbedingt wissen solltet …

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Seit einiger Zeit bieten Mietwagenfirmen auch reine E-Autos für den Urlaub an. Das ist umweltschonend, nachhaltig und das Aufladen meist sogar günstiger als Kraftstoff zu tanken.

Leider gestaltet sich das um einiges schwieriger

Einfach an eine Tankstelle mit Ladesäule oder an eine einzelne Ladestation fahren und den Stecker ins Auto stecken. Dann vielleicht für eine Stunde einen Kaffee an der nächstgelegenen Bar trinken. Anschließend mit Karte bezahlen und voll aufgeladen weiterfahren. So dachten wir uns das. Extrem naiv, wie wir feststellen mussten.

Denn leider ist das eben nicht ganz so einfach. Daher gibt es einiges zu beachten, wenn ihr z. B. in Spanien einen E-Mietwagen mietet.

Die wichtigsten Infos zum Aufladen eines E-Mietwagens vorab:

  • Ihr braucht eine Ladekarte oder App
  • Es gibt unterschiedliche Steckertypen
  • In Spanien gibt es inzwischen rund 8.000 Ladestationen (Stand November 2023)
  • In Madrid und im Norden wie in Barcelona, Valencia und Alicante ist das Netz an Ladepunkten weitaus dichter als im Süden
  • Die Ladestationen sind von unterschiedlichen Anbietern (IBERDROLA, Endesa, Endolla …)
  • Vorwiegend müsst ihr euch über eine App des jeweiligen Anbieters registrieren
  • In Parkhäusern und Hotels mit Ladestationen kostet die Ladegebühr zwischen 10 und 20 Euro zzgl. Parkhausgebühren

Unsere Erfahrung mit dem Aufladen eines E-Mietwagens

Wir wollten diesmal also besonders nachhaltig sein und mieteten uns in Valencia einen Elektro-Mietwagen, einen Fiat 500 für eine Woche. Bisher hatten wir Hybrid-Autos z. B. in Portugal angemietet.

Etwas Besonderes beachten?

Wir fragten bei der Übergabe an der Mietstation, ob wir etwas Besonderes beachten müssten. Die freundliche Servicekraft zeigte uns das gelbe Kabel im Kofferraum und meinte, wir bräuchten lediglich das Kabel mit der Ladesäule und dem Mietwagen verbinden. Gut, das war ja wohl klar. Und wir müssten das Auto nicht vollgeladen zurückbringen, über 10 % Ladeleistung wäre ausreichend. Das war’s. Keine Erklärung zu Ladekarten, Anbietern, Apps oder zum Registrieren etc.

Der Fiat war bei der Anmietung zu 81 % geladen. Wir hatten ohnehin keine weiten Touren vor, wir wollten damit nur kurze Strecken ins Umland fahren. So dachten wir, dass das ausreichen würde.

Steckeranschlüsse im Auto
Anschlüsse hinter dem Tankdeckel. Wichtig: Zum Abstecken müsst ihr den runden Knopf links drücken © Siegbert Mattheis
gelbes Ladekabel
Typ-2 Stecker mit Kabel im Kofferaum © Siegbert Mattheis
Cockpit Fahrzeug mit Hinweisen
Mit 81 % sollte man 209 km weit kommen ... © Siegbert Mattheis

20 km entsprechen etwa 10 % Ladung

Vom Flughafen Valencia bis zu unserer Ferienwohnung in El Cabanyal waren es etwa 20 km, eine halbe Stunde Fahrt. Danach war der Ladezustand bei nur noch 73 %. Die nächsten Tage waren wir in der Stadt mit Bus oder zu Fuß unterwegs, das Auto brauchten wir nicht. Dann fuhren wir zu den Reisfeldern bei der Lagune Albufera. Hin und zurück waren es etwa 25 km. Der nächste Ausflug sollte zur Orangenfarm Huerto Ribera im etwa 40 km entfernten Carcaixent gehen. Wir checkten über Google Maps auf der Strecke liegenden E-Ladestationen, es gab dort einige. Nach dem (lohnenswerten) Besuch des Orangenhains fuhren wir zuversichtlich, aber ahnungslos zur nächsten Tankstelle mit Ladestation. Der Ladezustand lag inzwischen bei nur noch 42 %.

Anleitung an der E-Ladestation nur auf Spanisch und Valencianisch

Ich nahm das Kabel von der Ladestation und steckte es ins Auto. Der Stecker passte! Ich hielt meine Kreditkarte vor das entsprechend gekennzeichnete Feld an der Säule. Nichts passierte. Ich versuchte es über ApplePay. Nichts. Dann las ich mir doch die Anweisungen auf der Ladesäule durch. Leider waren sie ausschließlich auf kastilianischem Spanisch und Valencianisch. Glücklicherweise reichten meine rudimentären Spanischkenntnisse dafür immerhin aus.

Anweisungen auf Valencianisch und Spanisch auf der Ladesäule
Anweisungen auf Valencianisch und Spanisch (rechts) © Siegbert Mattheis
Symbol Rahmen mit Wellen
Wir hielten das für das Symbol für kontaktloses Bezahlen per Kreditkarte, gemeint ist hier aber offensichtlich mit der App © Siegbert Mattheis

Die Anleitung lautete wie folgt:

  • Befolgen Sie diese Schritte zum Aufladen:
  • Laden Sie die App Recarga Pública Iberdrola herunter (Sie können dafür den QR-Code unten scannen)
  • Suchen Sie diesen Aufladepunkt auf der Karte (oder scannen Sie den QR-Code unten).
  • Tippen Sie auf den Anschluss, den Sie verwenden möchten, und folgen Sie den Schritten
  • Stecken Sie das Ladekabel ein. Ihr Auto wird jetzt aufgeladen!
  • Beenden Sie den Ladevorgang. Trennen Sie das Ladekabel oder beenden Sie den Ladevorgang über die App.
  • Sollte irgendein Problem auftreten, helfen wir Ihnen unter der 900 92 92 93

Also lud ich mir die entsprechende App von Iberdrola herunter. darin sollte ich mich zunächst anmelden. Okay. Das scheiterte jedoch daran, dass ich ein Dokument einer spanischen Steuernummer (NIF), oder einer CIF (Steuernr.) oder NIE oder SONSTIGE angeben sollte. Ich stellte SONSTIGE ein. Doch dann erschien dasselbe Feld noch einmal und es war nicht klar, was ich dort eingeben sollte. Bei NIE war es dasselbe Problem.

(Im Nachhinein hatten wir recherchiert: N.I.E. ist die Abkürzung für Número de Identidad de Extranjero und bedeutet Identifikationsnummer für Ausländer).

Screenshot der App
Hier wird in der IBERDROLA-App nach Art des Dokuments gefragt ... © Siegbert Mattheis
App Ansicht mit Abfrage NIE
Was soll man eintragen? © Siegbert Mattheis

Ladepunkt belegt

Ich rief den Support unter der angegebenen Nummer an, aber der konnte mir auch nicht weiterhelfen, zumal der Mitarbeiter kaum Englisch sprach. Die Tankstelle war im Übrigen unbesetzt. Wir waren dann doch etwas entnervt. Aber im Ort sollte es noch eine andere Ladestation geben. Als wir dort ankamen, belegte ein Tesla den einzigen Ladepunkt.

Aufladen in der Hotelgarage

Um es kurz zu machen: Wir schafften es noch nach Valencia zurück, scheiterten aber bei jeder weiteren Ladestation, die wir anfuhren. Einige, die bei Google Maps angezeigt waren, gab es zudem auch gar nicht. Inzwischen waren wir bei nur noch 14 % Ladezustand angekommen. Schlussendlich baten wir im 5-Sterne Hotel Las Arenas in der Nähe unserer Unterkunft um Unterstützung. Dort konnten wir freundlicherweise unseren Mietwagen für 10 Euro Ladegebühr in der Hotelgarage aufladen. Zzgl. natürlich anfallender Parkgebühren. Gut, das würde für vielleicht 2 Stunden Aufladen (wie wir glaubten) ja nicht exorbitant teuer werden. Wir gingen also einigermaßen entspannt etwas essen.

Grauer Fiat 500 in Parkgarage
Im Parkhaus des Hotels © Siegbert Mattheis

Als wir danach etwas besser gelaunt das Auto abholen wollten, gab es die Meldung „Problem festgestellt. Externe Ladestation prüfen“. Der Ladezustand war derselbe wie zuvor.

Das Hotel überließ uns daraufhin einen anderen Ladepunkt und aus Kulanz eine kostenloses Parkticket.

Anzeige im Auto: Problem festgestellt, externe Ladestation prüfen
Tja, das gab es dann auch noch ... © Siegbert Mattheis

24 Stunden Ladezeit

Am nächsten Morgen, nach über 17 (!) Stunden Ladezeit holten wir den Mietwagen wieder ab. Er war zu 81 % geladen. Um auf 100 % zu kommen, hätte es mehr als weitere 7 Stunden gedauert.

Armaturenanzeige: geschätzte Zeit für 100 %: 9 Std Minimum
Hm ... © Siegbert Mattheis
Anzeige 81 % "Geschätzte Zeit für 100%: 7 Stunden 36 Minuten Minimum
Nach über 17 Stunden Laden ... © Siegbert Mattheis

Tipps zum Aufladen eures E-Mietwagens:

Vollelektrisches Fahren kann euch also vor einige Herausforderungen stellen, daher solltet ihr gut vorbereitet sein. Hier unsere Tipps, die euch hoffentlich helfen, entspannt mit dem E-Mietwagen unterwegs zu sein:

1. Erkundigt euch genau bei der Anmietung, wo Ladestationen sind und welche App des jeweiligen Anbieters ihr braucht. Verlasst euch im Zweifelsfall nicht unbedingt auf die Mitarbeiter:innen der Mietwagenfirmen.

2. Lasst euch die verschiedenen Anschlüsse zeigen (der verbreitetste Steckertyp ist der Typ 2-Stecker)

3. Ladet euch vorher schon einmal die wichtigsten Apps herunter, z. B.:

Electromaps (um funktionierende Stationen zu finden)
Iberdrola (Iberdrola ist der größte Stromanbieter in Spanien)
Shell Recharge App
EnBW mobility+ App (ADAC e-Charge)

4. Halbiert die Reichweitenangabe des Autos vorsichtshalber
5. Sucht dann die Station aus, die ihr mit dieser Reichweite noch schaffen würdet
6. Dann sucht euch lieber noch eine davor aus
7. Fahrt anschließend die an, die noch eine davor liegt

Ladesäule in Valencia
Eine Ladesäule in Valencia von Iberdrola © Siegbert Mattheis
Ladesäule in Valencia
Einstecken, laden, bezahlen: so einfach könnte es sein ... © Siegbert Mattheis

Wir werden versuchen, diesen Blogartikel immer so aktuell wie es geht zu gestalten, um mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Und vielleicht ist es irgendwann möglich, so wie wir anfangs geglaubt hatten, mit Kredit- oder EC-Karte, ApplePay oder GooglePay zu bezahlen …

Eigentlich sollte das kontaktlose Bezahlen mit Bank- oder Kreditkarte seit 1. Juli 2023  beim sogenannten Ad-hoc-Laden, also ohne Ladekarte oder Registrierung in einer App möglich sein, laut dem Blog smarter-fahren.de

Siegbert Mattheis

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