Woher der Name Brasilien kommt und warum dort Portugiesisch gesprochen wird

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Die kuriose Geschichte, wie die Welt ab 1493 durch eine senkrechte Linie aufgeteilt wurde und warum in (fast) ganz Südamerika Spanisch gesprochen wird und nur in Brasilien Portugiesisch.

Kolumbus landete in Portugal

Als Christoph Kolumbus von seiner ersten Amerikareise im März 1493 zurückkehrte, musste er wegen stürmischen Wetters zunächst in Portugal, in Cascais kurz vor Lissabon anlegen. So erfuhr der portugiesische König João II. als Erster von den neuen Ländern und der vermeintlichen Westroute nach Indien. Da Kolumbus im Auftrag der spanischen Krone unterwegs war, verhandelte João II. sofort mit dem dortigen Königshaus unter Isabella und Ferdinand über eine Aufteilung der Welt, bzw. der Einflusssphären.

Der Vertrag von Tordesillas teilte die Welt

Ein Jahr später, im Juni 1494, unterzeichneten beide Seiten nach langen und zähen Verhandlungen den Vertrag von Tordesillas. Dieser teilte den Atlantik in ein kastilisches (spanisches) und ein portugiesisches Gebiet durch eine Linie, die 370 Léguas (ca. 2282 Kilometer) westlich Kapverdischen Inseln vom Nordpol bis zum Südpol verlaufen sollte. Die Portugiesen sollten demnach die Küsten Afrikas und – wenn es gelänge, eine Umrundung des Kontinents auf dem Seeweg nach Indien zu finden – dort sämtliche östlich liegende Gebiete für das Königreich beanspruchen können. Die Spanier hingegen erhielten alles, was es noch westlich dieser gedachten Linie zu entdecken gäbe.

Da dieser Vertrag von Papst Alexander VI. mit der Bulle Inter caetera abgesegnet wurde, verlangte er dabei als Voraussetzung für eine legitime Herrschaft die konsequente Katholisierung der Einheimischen. Das hatte grausame Ausbeutung und Unterdrückung zur Folge, denn im Grunde ging es immer um wirtschaftliche Ausbeutung und Machterhalt.

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Brasilien lag im portugiesischen Teil

Damals war allerdings noch nicht bekannt, dass der östliche Teil Südamerikas, etwa ab dem Längengrad zwischen den heutigen Städten Belém, Brasilia und São Paulo noch im portugiesischen Einflussbereich lag.

1498 hätte der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama beinahe Brasilien entdeckt. Er segelte nur wenige hundert Meilen an der der brasilianischen Küste vorbei. Seine Schiffe beschrieben wegen der günstigeren Winde einen weiten Bogen nach Westen, bevor sie zur Südspitze Afrikas kamen. Immerhin gelang es ihm auf dieser Reise, den Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien zu entdecken.

Auf der folgenden Karte ist links auch diese Linie „Marco entre Espanhae e Portugal“ gut zu sehen:

Karte, die zeigt, wie nahe er Brasilien kam
So nah war Vasco da Gama an Brasilien auf seiner Route nach Indien (rot) © Foto: Siegbert Mattheis, Animation im Museu de Marinha in Lissabon
Statue von Vasco da Gama
Vasco da Gama im Museu de Marinha in Lissabon © Foto: Siegbert Mattheis

Die Entdeckung Brasiliens durch Europäer im Jahre 1500

2 Jahre später wurde Brasilien schließlich am 22. April 1500 durch den portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral offiziell entdeckt. Welcher Europäer das Land wirklich entdeckte, ist jedoch umstritten. Der spanische Seefahrer Vicente Yáñez Pinzón segelte bereits 1499 entlang der Ostküste des heutigen Brasiliens bis zum Río de la Plata im heutigen Argentinien. Und auch der portugiesische Seefahrer, Geograph und Astronom Duarte Pacheco Pereira soll sogar schon Ende 1498 die Küsten der heutigen brasilianischen Staaten Pará und Maranhão sowie das Mündungsgebiet des Amazonas befahren haben. Tatsächlich entdeckt jedoch hatten den Kontinent bereits vor Tausenden von Jahren vermutlich Seefahrer aus dem Südpazifik, die die Ureinwohner Südamerikas bildeten.

Karte mit eingezeichnetem Land Brasilien mit Papageien und Bäumen
Die älteste Karte von brasilianischem Gebiet im Jahre 1502 von Alberto Cantino. Kopie im Museu de Marinha in Lissabon. Das Original ist in der Estense Bibliothek in Modena © Foto: Siegbert Mattheis

Wie kam es zum Namen Brasilien?

Aber die Enttäuschung der Portugiesen war groß. Das neue Land war dicht bewaldet und sie fanden zunächst auch kein Gold, Baumwolle oder neuartige Lebensmittel vor, die sie in Europa hätten lukrativ vermarkten können.
Als jedoch einige Seefahrer ihre Kleidung waschen wollten und Seife aus der Asche eines Baumes herstellten, färbte sich die Kleidung zu ihrer Verblüffung rötlich. Der Farbstoff Rot war damals äußerst selten und konnte in Europa entweder nur extrem aufwändig u. a. durch Purpurschnecken hergestellt oder durch teure Importe aus China und Indien beschafft werden.

Daher sahen einige portugiesische Händler ihre Chance darin, dieses Rot aus dem Holz teuer in Europa zu verkaufen. Es winkten Gewinnspannen von 400 bis 500 Prozent. Fernão de Loronha, ein zum Katholizismus konvertierter portugiesischer Jude, war 1501 einer der ersten Geschäftsmänner in diesem Bereich. Nach ihm benannt ist die Braslilien vorgelagerte Inselgruppe Fernando de Noronha (der leichte Unterschied zu seinem Namen hat mit einer Verballhornung der Aussprache zu tun), die ihm die portugiesische Krone wegen seiner Verdienste um den Holzimport geschenkt hatte.

Ausschnitt einer illustrierten Karte von etwa 1560. Kopie im Museu de Marinha in Lissabon. Das Original ist in der Nationalbibliothek in Florenz © Foto: Siegbert Mattheis
Sw-Zeichnung, wie Indigene das Holz fällen
Ausschnitt einer Zeichnung über die Brasilholzgewinnung durch die Indigenen im Museu de Marinha in Lissabon © Foto: Siegbert Mattheis
Baum
Ein Brasilholzbaum in Florianópolis, Brasilien © Wikipedia
schmale, ovale Blätter
Die typischen Blätter des Brasilholzbaums © Eurico Zimbres

Pau Brasil

Die Portugiesen nannten die Bäume und das Holz „pau brasil“ („rot glühendes Holz“, abgeleitet von „brasa“, „glühend“). Aufgrund der großen ökonomischen Bedeutung der Ressource erhielt die Kolonie bald den Namen „Terra do Brasil“ (Land des Brasilholzes). Daraus wurde dann schließlich nur noch „Brasil“. (in Brasilien übrigens leicht anders als in Portugal ausgesprochen, hier wird das l am Ende zu einem u, also „Brasiu“

Und so hatte das Land schließlich seinen Namen.

Das robuste Holz eignete sich nicht nur für die Gewinnung als Farbstoff, sondern auch für die Herstellung hochwertiger Möbel und Bögen für Violinen. In nur 100 Jahren von 1502 bis 1602 wurden über 2 Mio. Baumstämme gefällt. Und bis zum Jahr 1850 führte die Ausbeutung des Holzes zur Vernichtung der riesigen Waldgebiete an der Atlantikküste Brasiliens. Die Art ist heute weitgehend ausgelöscht. Die letzten verbliebenen Bäume stehen heute unter Naturschutz. Am 7. Dezember 1978 wurde der „pau brasil“ (Caesalpinia echinata) zum Nationalbaum Brasiliens erklärt.

Karte zeigt Brasilien mit illustrierten Ureinwohnern
Ureinwohner sammeln das begehrte "pau brasil"; Karte von 1519, Kopie im Museu de Marinha in Lissabon. Das Original ist in der Bibliotèque National de France © Foto: Siegbert Mattheis
Alte Karte von Brasilien mit Linie und Beschriftung
Die senkrechte Linie in der Mitte zeigt die Grenze zwischen spanischem und portugiesischem Einflussbereich. Museu de Marinha in Lissabon © Foto: Siegbert Mattheis

So kam es, dass Brasilien das einzige Land in Südamerika ist, in dem Portugiesisch gesprochen wird. Nur aufgrund einer willkürlichen Teilung der Welt in spanische und portugiesische Einflussbereiche, wobei eben „übersehen“ wurde, dass ein Teil der „neuen“ Welt östlich der damals vereinbarten Linie lag.

Siegbert Mattheis

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