Cascais, die schönsten Museen und Sehenswürdigkeiten

4.9/5 (10)

Cascais nahe Lissabon bietet eine erstaunliche Fülle an Museen und anderen Sehenswürdigkeiten. Obwohl der Ort zusammen mit dem Nachbarort Estoril, die beide seit 2013 eine gemeinsame Gemeinde bilden, nur etwas mehr als 60.000 Einwohner zählt!

Das liegt nicht zuletzt an der besonderen Geschichte von Cascais, das als Sommerresidenz der königlichen Familie ab 1870 und anschließend als Sammelpunkt der portugiesischen Oberschicht und vieler vermögender Reisender aus dem Ausland diente.

Wir konnten noch nicht alle Museen und Sehenswürdigkeiten besuchen, aber hier sind die unserer Meinung nach schönsten und bemerkenswertesten: Und alle sind fußläufig zu erreichen, einige Museen liegen sogar direkt nebeneinander!

Gelbes Gebäude mit steinernem Turm
Museum Condes Guimarães © Siegbert Mattheis

1. Museum Condes de Castro Guimarães

Der Palácio dos Condes de Castro Guimarães, der ursprünglich nur als Torre de São Sebastião (Turm des Heiligen Sebastian) bekannt war, wurde 1900 als Sommerresidenz für Jorge O’Neill erbaut. O’Neill war ein portugiesischer Industrieller und Aristokrat irischer Abstammung, der seinen Reichtum u.a. dem Monopol für die portugiesische Streichholzproduktion verdankte.

Das Gebäude wirkt wie eine Mischung aus mittelalterlicher Burg und portugiesisch-orientalischem Herrschaftshaus. Und tatsächlich wurde es im sog. revivalistischen, eklektischen Stil erbaut. Revivalismus in der Architektur spiegelt bewusst den Stil einer früheren architektonischen Ära wider und kombiniert ihn mit modernen Bautechniken und Annehmlichkeiten. Der eklektische Stil wiederum verbindet solche verschiedenen Stile zu einer neuen Komposition. O’Neill beauftragte den Architekten Francisco Vilaça, der das Gebäude in einem Stilmix aus Neuromantik, Neugotik, Neo-Manuelismus und Neo-Orientalismus plante.

Daher wandeln Sie in diesem eigenartigen Gebäude zwischen Märchen, Traum- und Zauberwelten und wechseln von einem Jahrhundert ins andere, oder buchstäblich in Raum und Zeit.

Orientalischer Stil mit Löwenbrunnen und gedrehte Säulen im manuelinischen Stil © Siegbert Mattheis
Das gelbe Zimmer mit den irischen Kleeblättern, das Gemälde zeigt den Grafen Guimarães © Siegbert Mattheis
So wurde damals getafelt © Siegbert Mattheis
Mittelalterlich anmutend © Siegbert Mattheis

Der Graf von Castro Guimarães

1910 verkaufte O’Neill das Gebäude an den Grafen von Castro Guimarães, der mit seiner Frau bis zu seinem Tod 1927 dort wohnte. Viele der heute im Museum befindlichen Stücke wurden von den beiden in dieser Zeit erworben. Besonders erwähnenswert sind die Anschaffung einer neugotischen Orgel, die speziell für den Grafen gebaut wurde. Auch seltene Manuskripte aus dem 16. Jahrhundert, darunter die wertvolle „Chronik von Don Afonso Henriques“, dem ersten König von Portugal, verfasst von Duarte Galvão (1446-1517) finden sich in der hauseigenen Bibliothek.

Der Graf starb 1927 und vermachte in seinem Testament das Haus und seinen Garten dem Staat mit der Bitte, das Haus als Museum und Kunstgalerie zu nutzen. So wurde das Museum Condes de Castro Guimarães im Sommer 1931 eingeweiht und war viele Jahre lang das einzige Museum in Cascais.

Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie auch Elemente irischen Ursprungs, wie die Kleeblätter an der schmiedeeisernen Tür und das Gemälde an der Decke des Clover Rooms, der Eingangshalle des Museums, sowie das Wappen von George O’Neill und seinen Vorfahren, das an die Decke des Türmchens gemalt ist.

Diese Orgel wurde extra für das Grafenpaar Guimarães angefertigt © Siegbert Mattheis
Das Schlafzimmer © Siegbert Mattheis
In der Turmspitze sieht man das Wappen von Jorge O'Neill © Siegbert Mattheis
Blick auf Yachthafen, Casa Santa Maria und den Leuchtturm © Siegbert Mattheis
Fischer am Kai von Setúbal, Gemälde von João Vaz, 1891 © Foto: Siegbert Mattheis

2. Museum Casa de Santa Maria

In diesem luxuriösen Privathaus waren schon viele Adlige, Politiker und berühmte Persönlichkeiten. Unter anderem der Herzog und die Herzogin von Windsor, der Graf und die Gräfin von Barcelona mit ihren Sohn Juan Carlos, dem späteren König von Spanien, König Umberto von Italien und auch der Präsident der USA, Richard Nixon!

Erbauen ließ es 1902 der oben genannte Jorge O’Neill für seine Tochter Maria Teresa anlässlich ihrer Heirat mit António Avillez. Mit den Plänen dazu wurde der Architekt Raul Lino (1879-1974) beauftragt, der u.a. in Hannover studiert hatte und von der deutschen Romantik angetan war. Es war eines der ersten Projekte in seinem langen Leben und Karriere. Bestimmend war für ihn die Vorstellung eines idealen „Portugiesischen Hauses“, der „Casa Portuguesa“.

Bemerkenswert in dieser Villa sind eine Reihe von künstlerischen Ausdrucksformen, die Raul Lino am Herzen lagen: die Verwendung von bemalten Fliesen, eine farbenfrohe Dekoration, die Verwendung von Steinmetzarbeiten um die Fenster herum sowie die Einführung der Veranda.

Er betonte die Architektur der Räume durch eine starke Licht-Schatten-Beziehung, eine harmonische Verteilung der Proportionen sowie die strikte Verwendung portugiesischer Handarbeit und Baumaterialien.

Sandfarbenes Haus mit Türmchen und roten Fensterrahmen
Casa de Santa Maria © Siegbert Mattheis
Lichtdurchflutete Räume schaffen eine besondere Atmosphäre © Siegbert Mattheis
Die Terrasse © Siegbert Mattheis

1914 kaufte sein Bruder, der Kunstsammler José Lino, das Haus und fügte die beiden Aufbauten an den Enden hinzu, die ebenfalls von Raul Lino entworfen wurden. Er erwarb aus einer alten Kapelle in Frielas einen Satz Azulejo-Kacheln aus dem 17. Jahrhundert und eine mit Ölfarbe bemalte Holzdecke, die António de Oliveira Bernardes zugeschrieben wird.

Im Jahr 1934 ging das Haus an einen dritten Besitzer über, Manuel Ribeiro do Espírito Santo Silva, einem Angehörigen einer der einflussreichsten Bankiersfamilien in Portugal. Aus seiner Ehe mit Isabel Pinheiro de Melo gingen elf Nachkommen hervor. Ein Spross der Familie, Ricardo Salgado, war 2014 in einen der größten Finanzskandale Portugals verwickelt. Die Familie lebte dort bis 2004 und verkaufte die Villa anschließend an die Stadtverwaltung von Cascais. Diese wandelte es in ein Museum und 2012 in ein „Denkmal von öffentlichem Interesse“ um.

Beeindruckende Steinmetzarbeiten © Siegbert Mattheis
Azulejo-Fliesen aus dem 17. Jh. © Siegbert Mattheis
Raum mit blau-weißen Fliesen an den Wänden und grüner hoher Holzdecke
Der große Saal mit bemalter Holzdecke, die António de Oliveira Bernardes zugeschrieben wird © Siegbert Mattheis
Auch die Küche im Untergeschoss ist zugänglich © Siegbert Mattheis

3. Casa das Histórias Paula Rego

Das „Haus der Geschichten Paula Rego“ beherbergt einige der Werke der bekanntesten Malerin und Grafikerin Portugals, der 1935 in Lissabon geborenen Paula Figueiroa Rego.

Das vom Architekten Eduardo Souto De Moura, der von Paula Rego persönlich ausgewählt wurde, entworfene Gebäude greift die historische Architektur der Region in zeitgenössischer Weise auf. Denn z.B. die markanten roten, pyramidenförmigen Türme sind den Küchen-Schornsteinen des Königspalasts in Sintra nachempfunden. Paula Rego wollte ein Museum, das „lustig, lebendig und auch ein bisschen schelmisch“ sein sollte.

rotes Gebäude mit 2 pyramidenförmigen Türmen
Die beiden Türme sind an den Palast von Sintra angelehnt © Siegbert Mattheis

Die Sammlung besteht aus über 500 Gemälden, Zeichnungen und Radierungen, die die Künstlerin auf verschiedenen Trägermaterialien und in einer Vielzahl von Techniken geschaffen hat. Sie deckt einen Zeitraum von etwa 50 Jahren in ihrer Karriere ab. Die Exponate werden in der Dauerausstellung abwechselnd und nach verschiedenen Themen gezeigt.

Paula Rego wuchs in einer wohlhabenden, anglophilen Familie auf. 1952 ging sie nach England, wo sie bis 1956 an der Slade School of Fine Art studierte. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann Victor Willing kennen. Nach anfänglichem Pendeln zwischen England und dem Wohnsitz in Ericeira in Portugal, zog das Paar 1975 permanent nach London. 1988 starb Victor Willing an den Folgen einer Multiplen Sklerose. Die durch die Krankheit ihres Mannes gemachten Erfahrungen mit Leid und Trauer verarbeitete Paula Rego in vielen ihrer Bilder.

Ihr Werk reicht von politischen Collagen, u.a. gegen das Salazar-Regime über Gemälden in Acrylfarben, die vor allem um die Themen Mensch und Familie kreisen bis hin zu der Rolle der Frau in der Gesellschaft, ihr Leid und ihre Unterdrückung. Dabei entstanden viele eindrückliche, auch verstörende Bilder, die nachdenklich machen.

Unverkennbar sind in vielen Werken immer wieder auch Anspielungen auf Sexualität und erotische Phantasien. Als typisches Werk gilt The Dogwoman (Die Hundefrau), das eine Frau mit der Körperform eines Hundes darstellt. Dieses Werk will Rego nicht nur symbolhaft für die Erniedrigung der Frau verstanden wissen – es drücke auch Aggressivität, Stärke, Körperlichkeit aus.

2 Frauen im Museum
Museum Paula Rego © Siegbert Mattheis

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4. Leuchtturm und Musum Farol de Santa Marta

Portugal ist seit Jahrhunderten eine Seefahrernation. Daher sind Leuchttürme an der Küste essentielle Bestandteile der Navigation. Im blau-weiß gestreiften Farol de Santa Marta, der 1867 in Betrieb genommen wurde, finden Sie ein sehenswertes Museum über die Geschichte der über 60 Leuchttürme Portugals.

Farol de Santa Marta © Siegbert Mattheis
Museum Casa Santa Maria und dahinter der Farol de Santa Marta © Siegbert Mattheis

Die Kombination eines funktionierenden Leuchtturms mit einem Museum ist einzigartig im Land. Und von der Turmspitze aus haben Sie einen wunderbaren Ausblick auf die Casa de Santa Maria, das Museu Condes de Castro Guimarães, den Yachthafen und auf die westliche Küste.

Ein weiterer Leuchtturm, der Farol da Guia liegt ein paar Minuten weiter am westlichen Stadtrand von Cascais an beeindruckender Steilküste am Atlantik.

Azuleijos-Kacheln © Siegbert Mattheis
Leuchtturmtechnik © Siegbert Mattheis
Treppenhaus im Leuchtturm © Siegbert Mattheis
Blick vom Leuchtturm auf die Casa Santa Maria und dahinter das Museum Condes Guimarães © Siegbert Mattheis

5. Meeresmuseum

Das Museu do Mar Rei Dom Carlos I oder Schifffahrtsmuseum wurde 1992 eingeweiht. Es ist der Geschichte und den Erfahrungen der Fischergemeinde von Cascais gewidmet, mit Modellen von Fischern und Beispielen ihrer Kleidung, ihre Netze und Fangmethoden. Außerdem gibt es eine Bootsgalerie mit Modellen von Fischerbooten und Sportbooten, die einst auf dem Fluss Tajo fuhren, der in der Nähe von Cascais ins Meer mündet.

Im Meeresmuseum wird die auch Geschichte der Fischer aus Cascais erzählt © Siegbert Mattheis

Eine weitere Ausstellung befasst sich mit König Carlos und der ozeanographischen Wissenschaft. Dieses Projekt war eine Zusammenarbeit mehrerer Institutionen, unter anderem des Aquariums Vasco da Gama, des portugiesischen Marinemuseums, des Naturhistorischen Museums von London und des Ozeanographischen Museums von Monaco, und rekonstruiert die wichtigsten Forschungsaktivitäten des Königs und seines Teams an Bord der Jacht Amélia IV. Ein weiteres Exponat befasst sich mit der portugiesischen Marine und der Navigation. Zu sehen sind Navigationsinstrumente wie Kompasse und Laternen sowie eine Bronzekanone aus dem siebzehnten Jahrhundert. Eine Abteilung ist auch der biologischen Vielfalt gewidmet, darunter Modelle eines Igelfisches, eines Großen Rochens und verschiedener Haiarten. Die Sammlung von Meeresfossilien des Museums wird auch im Rahmen der Ausstellung „Das Meer und der Ursprung des Lebens“ gezeigt.

Alte Galionsfigur © Siegbert Mattheis
Segelschiffmodell
Modell eines Segelschiffes © Siegbert Mattheis

6. Parque Marechal Carmona oder Gandarinha-Park

Ein Besuch des direkt angrenzenden Marechal Carmona Parks legen wir Ihnen sehr ans Herz! Diese große Grünfläche wurde in den 1940er Jahren angelegt, als die Gärten des Palácio Condes Castro Guimarães mit dem Besitz des Vicomte de Gandarinha in Cascais verbunden wurden. Aber schon seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde das Areal bereits als Bauernhof für Erholung, Freizeit und Produktion genutzt.
Nachdem es 1834 in den Besitz des Staates übergegangen war, hatte es mehrere Besitzer, bis es schließlich vom Vicomte von Gandarinha gekauft wurde, der dort einen romantischen Park anlegen ließ. Der Garten des angrenzenden Palácio Condes Castro Guimarães hatte ebenfalls einen romantischen Touch, und 1944, nachdem das Grundstück von Gandarinha erworben worden war, wurden die beiden Bereiche zusammengelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach der Revolution von 1974 wurde er in Gandarinha-Park umbenannt, obwohl er heute immer noch als Marechal Carmona bekannt ist. Der Park verfügt über weitläufige Rasenflächen, Blumenbeete mit Stauden und Sträuchern, einen Wald mit großen Bäumen und romantisch anmutende Wege.

Neben einem Café mit Esplanade und einem schönen See, in dem Enten und Schildkröten schwimmen, ist der Park ideal für Momente der Ruhe und Kontemplation. Der Platz verfügt auch über einen Kinderspielplatz, der in drei Bereiche unterteilt ist, die an die Altersgruppen der Kinder angepasst sind. Jeden Samstag findet in diesem Park der Bio-Markt von Cascais statt, auf dem Sie zertifizierte Bio-Produkte finden. Obst, Gemüse, Marmeladen, Süßigkeiten, Brot und regionales Gebäck sind einige der Leckereien, die Sie nach einem schönen Spaziergang entlang des Marechal Carmona mit nach Hause nehmen können.

Park Marechal Carmona © Siegbert Mattheis
Ein Brunnen von 1926 © Siegbert Mattheis
Hähne laufen frei im Park herum © Siegbert Mattheis
See mit Enten und Schildkröten © Siegbert Mattheis

7. Das Museu da Vila im Rathaus von Cascais

In diesem zentral gelegenem Stadtmuseum erfahren Sie mehr über Cascais und Estoril im Laufe der Zeit. Sehenswerte Fotografien und Werbeplakate, Relikte aus den Zeiten der Römer und viele weitere Zeugnisse aus den Stadtleben erwarten Sie hier. Zudem können Sie ein Selfie von sich in alten Postkartenmotiven erstellen und sich per E-Mail zuschicken lassen.

Tickets – am besten nehmen Sie das günstigere Kombiticket für alle Museen – können Sie auf der Website der Museen des Museumsviertels bestellen.

Siegbert Mattheis

Rathaus und Stadtmuseum © Siegbert Mattheis
Frau im Badeanzug lehnt an einem Mauerbogen, davor 2 Frauen im Cafe
Fotografie etwa aus den 1930er Jahren, Blick auf den Strand von Cascais
Zeichnung zweier Menschen am Strand, Sonne und die Aufschrift Estoril, Costa do Sol, Portugal
Werbeplakat aus den 50er Jahren © Foto: Siegbert Mattheis

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