Mit der Tram Sintra-Atlântico direkt an den Strand!

5/5 (9)

Mit einer Oldtimer-Straßenbahn an Portugals Atlantikstrand fahren! Das ist ein einzigartiges Erlebnis, wohl nur noch vergleichbar mit der Zugfahrt von Palma de Mallorca nach Port de Sollér. Viele sehen die Linie sogar als eine der romantischsten in ganz Europa an.

Rote alte Tram mit Aufschrift Sintra-Atlantico
Tram Eléctrico de Sintra-Atlântico © Claudia Mattheis

Sintra

Sintra, nur 30 km von Lissabon entfernt, ist vor allem wegen seiner vielen Paläste wie dem Palácio da Pena und dem Nationalpalast berühmt und Ziel vieler Tagesurlauber aus Lissabon. Dass man aber von dort aus mit der Tram Sintra-Atlântico gemächlich an den Strand gelangt, ist nur wenigen bekannt. Aber die Einwohner von Sintra wissen diese Verbindung zu schätzen und nutzen sie gerne für romantische Wochenend-Familienausflüge ans Meer.

Denn die alte Bahnlinie verbindet die Berge in Sintra mit dem Meer bis zum Strand von Maçãs, eine Strecke von fast 11 Kilometern mit 8 Stops und über 400 m Gefälle durch den Nationalpark von Sintra. Während der etwa 45-minütigen Fahrt können Sie eine einzigartige Sightseeing-Tour zwischen den Sintra-Bergen und dem Atlantik genießen. Und das für nur 3 Euro!

Abfahrtszeiten und Preise

Weißes Gebäude mit 2 kegelförmigen Kaminen
Der Sintra Nationalpalast mit den typischen kegelförmigen Kaminen © Siegbert Mattheis

Tipps GetYourGuide*

rotgelbes märchenhaftes Schloss auf steilem Hügel
Der märchenhaft anmutende Palácio Nacional da Pena in Sintra © CascaisTourismBoard

Die Geschichte der Tram Sintra-Atlântico

Schon bevor die erste Eisenbahnlinie zwischen Lissabon und Sintra 1887 nach langer Bauzeit in Betrieb genommen wurde, löste dies den Wunsch anderer Dörfer aus, ebenfalls von diesen modernen Verkehrsmitteln bedient zu werden. Vor allem die Einwohner von Colares wollten ihre Erzeugnisse wie Obst und ihren bekannten Wein schneller in die Hauptstadt transportieren und verkaufen.

Mehrere Jahre lang wurden immer wieder Versuche unternommen, dieses Projekt zu verwirklichen, doch einer nach dem anderen scheiterte.

Erst im November 1898 wurde ein großer Schritt getan, als der Stadtrat von Sintra Nunes de Carvalho und Emídio Pinheiro Borges für einen Zeitraum von 99 Jahren die Konzession zum Bau und Betrieb einer Dampfeisenbahn zwischen Sintra und dem Strand von Maçãs erteilte, die später durch einen elektrischen Antrieb ersetzt wurde.

Im Juli 1900 wurde die Companhia do Caminho de Ferro de Cintra à Praia das Maçãs gegründet, 1904 erhielt sie den Namen Companhia Cintra ao Oceano.

Im August 1902 wurde in der Gegend von Estefânia bei Sintra dann endlich mit dem Bau dieser Strecke begonnen. Im März 1903 erhielt die amerikanische Firma J. G. Brill Company den Auftrag für insgesamt 13 Trams, sieben Triebwagen und sechs Anhänger.

Ein Jahr später, am 31. März 1904 wurde dann die erste Strecke zwischen Sintra Altstadt und São Sebastião de Colares mit einer Länge von 8,9 km eröffnet. Und knapp eineinhalb Jahre später, am 10. Juli 1905 wurde die Strecke bis zum Strand von Maçãs mit einer Länge von knapp 4 km erweitert.

Im Jahr 1914 wurde die Gesellschaft Sintra-Atlântico gegründet, die die vorherige Gesellschaft, die in Konkurs gegangen war, ersetzte.

gelbe historische Tram mit offenen Sitzreihen
Eine der originalen Trams © Alain Gavillet, Wikipedia
Rote Tram Sintra mit offenen Sitzreihen
Rote Tram mit offenen Sitzreihen © Alain Gavillet, Wikipedia

Tram bis nach Azenhas do Mar

Am 31. Januar 1930 erreichten die Straßenbahnen das malerische Dorf Azenhas do Mar und erreichten ihre endgültige Länge von 14,6 km. Die Sintra-Straßenbahnen erlebten ihre beste Zeit, angetrieben von der Dynamik des Direktors Camilo Farinhas, der die Sintra-Atlântico bis zu seinem Tod im Jahr 1946 leitete. In der Blütezeit gab es an Sonn- und Feiertagen lange Schlangen von Menschen, die versuchten, einen Platz in der Straßenbahn zu finden.

Mit dem zunehmenden Straßenverkehr Anfang der 1950er Jahre begann jedoch der allmähliche Niedergang.

Ab 1953 fuhren die Straßenbahnen nur noch im Sommer, und 1955 wurde die Strecke vom Strand von Maçãs bis Azenhas do Mar geschlossen. Im Jahr 1958 geschah das Gleiche mit der Strecke zwischen Vila Velha und dem Bahnhof von Sintra, als die wichtige Verbindungsstraße Volta do Duche verbreitert wurde und der Autoverkehr in diesem Bereich von Sintra zunahm.

Im August 1967 wurde Sintra-Atlântico von der Speditionsgruppe Eduardo Jorge gekauft. Die neue Leitung reduzierte die Investitionen in die Elektrizität auf ein Minimum, da die Konzession ohnehin bald auslaufen sollte und der Betrieb nicht mehr rentabel war. Ein Großteil der Infrastruktur und der Gleise verfiel zunehmend.

1974 schließlich kam das Ende, die Straßenbahn fuhr zum letzten Mal nach Sintra. Ein Jahr später im Juli 1975 wurde der Ersatz der Straßenbahnen durch Busse genehmigt.

Aber der Traum, die Straßenbahn wieder auf die Schiene zu bringen, lebte in vielen Einwohnern und Eisenbahnliebhabern weiter. So gelang es am 15. Mai 1980, den Straßenbahnverkehr auf dieser Strecke offiziell wieder aufzunehmen, allerdings nur zwischen Banzão und dem Strand.

Durch den großen Erfolg ermutigt, wurde in den Jahren 1996/97 die Strecke zwischen Ribeira und dem Strand von Maçãs wiederhergestellt, und am 30. Oktober 1997 fuhren die Straßenbahnen schließlich wieder in Ribeira. Am 4. Juni 2004, genau im Jahr ihres hundertjährigen Bestehens, erreichten die Straßenbahnen wieder Sintra, genauer gesagt das Gebiet von Estefânia.

Heute wird die Linie von der Gemeinde verwaltet und ist eine Touristenattraktion der Region.

Siegbert Mattheis

Praia das Maçãs © Siegbert Mattheis

Das könnte Sie auch interessieren:

Vintage-Werbung auf Mauern im Süden, bald unwiederbringlich verloren

Bald werden sie für immer verschwunden sein. Werbeanzeigen, gemalt auf Hauswänden im Süden oder wie in Portugal auf Azulejos-Kacheln gebrannt. Einige der hier gezeigten Werbeaufschriften […]

Hotel Provençal, wie entstand der Mythos der Côte d’Azur und der Französischen Riviera?

Riviera, Côte d‘Azur, Nizza, Cannes, Monaco, Saint-Tropez oder Juan-les-Pins … allein der Klang dieser Namen ruft in uns eine Unmenge von Bildern und Assoziationen hervor, […]

Porzellan, die spannende Jagd nach dem Geheimnis des „weißen Goldes“ …

Geschirr und Vasen aus Porzellan sind heute für uns selbstverständlich, sie finden sich in nahezu jedem Haushalt. Gerne lassen wir es auch auf Hochzeiten laut […]

Teilen Sie diesen Beitrag:

War dieser Beitrag hilfreich für Sie? Hat er Ihnen gefallen?