Sintra, die schönsten Sehenswürdigkeiten und hilfreiche Tipps

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Ein Ausflug nach Sintra in der Nähe von Lissabon mit seiner charmanten Altstadt, jahrhundertealten Palästen, märchenhaften Burgen und herrschaftlichen Anwesen, kuriosen Gärten und einem Hobbit-Kloster ist ein unvergessliches Erlebnis!

Dass sich so viele Paläste und Herrenhäuser in Sintra befinden, liegt am angenehm kühleren Klima als im übrigen Land. Daher errichtete hier neben den Königen auch der Adel Portugals seine Sommerresidenzen. Daraufhin ließen auch wohlhabende Künstler und die gehobene Klasse Europas aufwendige Villen im Stile der Romantik erbauen.

rotgelbes märchenhaftes Schloss auf steilem Hügel
Der märchenhaft anmutende Palácio Nacional da Pena in Sintra © CascaisTourismBoard

Schönste Sehenswürdigkeiten in Sintra und Umgebung

Sie werden es kaum schaffen, alle diese einzigartigen Sehenswürdigkeiten in nur einem Tagesausflug z. B. von Lissabon oder Cascais aus zu besichtigen. Um aber möglichst viele Eindrücke zu sammeln, empfiehlt es sich, früh aufzustehen. Und damit Sie alles voll genießen können und keine unliebsamen Überraschungen erleben, haben wir Ihnen hier ein paar Tipps zusammengestellt:

Wie kommt man am besten nach Sintra?

Von Lissabon aus fahren täglich etwa alle 20 Minuten Züge vom Bahnhof Rossio und Oriente aus. Die Fahrt dauert ca. 50 Min.
Vom Bahnhof in Sintra aus können Sie in 10 Min. bis zum Nationalpalast im Zentrum laufen (es geht bergauf) oder Sie nehmen den Bus 434. Diese Linie wurde als Service für Touristen eingerichtet und fährt einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt an und endet am Palácio da Pena. Eine Fahrkarte für den Bus kann man direkt an der Haltestelle kaufen und für 6,50 € beliebig oft ein- und aussteigen.

Großer weißer Palast mit roten Dächern
Nationalpalast von Sintra mit den ikonischen Kegelkaminen © E55evu, Adobe

Palácio Nacional de Sintra

Direkt am Markplatz in Sintra liegt der ehemalige Königspalast, der Palácio Nacional de Sintra. Schon von Weitem ist er durch die beiden weißen, kegelartigen Kamine zu erkennen. Die Ursprünge der riesigen Anlage wurden von den Mauren begründet. Im 14. Jh. wurde der Bau zunächst von König João I. und später von Dom Manuel I., „Manuel dem Glücklichen“ erweitert. Er war so begeistert von der Pracht der arabischen Fliesen, dass er auch die ehemals maurischen Paläste in Zaragoza, Toledo und Sevilla besuchte.

Säule im Vordergrund
Blick vom Palast auf Sintra und das Castelo dos Mouros © Siegbert Mattheis
Fliesen in den Farben blau, braun, grün
Seltene, reliefartige maurische Fliesen © Siegbert Mattheis
riesige Kuppelsaal mit Holzintarsien
Prächtiger Saal mit Azulejos © Siegbert Mattheis
Mit blauen Azulejos verkleidete Grotte
Wassergrotte © Siegbert Mattheis
gefliester Hof, dahinter die zwei weißen Kegelkamine
Im Innenhof erkennt man gut den maurischen Ursprung © Siegbert Mattheis
Saal mit Bildern von Schwänen an der Decke
Der Schwanensaal © Siegbert Mattheis

Dort bestellte er sofort mehr von diesen Fliesen, um seine Palast zu erweitern und damit auszukleiden. Kurz darauf jedoch ließ er die Produktion nach Portugal verlagern und begründete somit die Tradition der Azulejos. Davon zeugen heute die vielen mit diesen Fliesen ausgestatteten, allesamt sehenswerten Räume. Die oben erwähnten Kamine übrigens sind die Abzugshauben der riesigen Küche im Untergeschoss.

Palácio Nacional da Pena

Dieser Palast ist die Hauptattraktion von Sintra. 1840 gab Ferdinand II den Auftrag an den Deutschen Wilhelm Ludwig von Eschwege, dieses märchenhaft anmutende Schloss auf den Mauern eines alten Klosters zu errichten. Dieses war vormals eine Kapelle, die der Nossa Senhora da Pena geweiht war. Daher auch der Name „Kummerpalast“, pena bedeutet Kummer, Traurigkeit oder Leid.

rotgelbes märchenhaftes Schloss auf steilem Hügel
Der märchenhaft anmutende Palácio Nacional da Pena in Sintra © CascaisTourismBoard
roter Turm, gelbe Fassade
Farbenfroher Palast © Siegbert Mattheis
2 Türme mit Fresken davor
Eingang zum Palast © Siegbert Mattheis
© Siegbert Mattheis
© Siegbert Mattheis
Prächtige Innenräume © Siegbert Mattheis
© Siegbert Mattheis

Der verschachtelte Palast steht sinnbildlich für die portugiesische Romantik. Er vermischt auf skurrile Weise unterschiedliche Stile von Neo-Renaissance, Neo-Gotik und Neo-Manuelinik bis hin zu maurischen Elementen und Anklängen an eine Ritterburg.

Die inneren Räume sind prachtvoll und extravagant ausgestattet. Ein Besuch des Palastes lohnt sich auf jeden Fall! Vorzugsweise früh am Morgen, (der Palast öffnet um 9:30 Uhr) bevor sich die Touristenmassen durch das Gebäude bewegen und jedes der zahlreichen, schönen Fotomotive von Instagrammer:innen belegt ist.

Es lohnt sich, vorher eine wenig über die Geschichte und die Personen dahinter zu erfahren.

Tipp 1: An Anfang der Straße zum Palast, an der Estrada da Pena warten Taxis, Uber-Fahrzeuge oder Tuk-Tuks darauf, Besucher zum Eingang zu fahren, Kosten etwa 5 bis 10 Euro, verhandelbar (mit dem eigenen Auto können Sie nicht hinauffahren bzw. parken).

Tipp 2: Wenn Sie den Eingang mit Ticketshop erreicht haben, erwartet Sie noch ein relativ steiler Aufstieg bis zum Palast. Busse hinter dem Eingang fahren für 3 Euro alle etwa 15 Minuten hin und zurück. Es lohnt sich, wenn Sie nicht völlig erschöpft ankommen wollen.

Tipp 3: Buchen Sie Eintrittskarten im Voraus. Damit umgehen Sie die langen Warteschlangen am Ticketschalter. Noch bequemer geht es mit vorab gebuchten Touren.

Tipps GetYourGuide*

Parque da Pena

Unterhalb des Schlosses liegt ein romantisch gestalteter Park mit tropischen Pflanzen, riesigen Mammutbäumen und burgenförmigen Entenhäusern, der ebenfalls besucht werden kann. Hier können Sie sich gut von den Massen im Palast erholen und beim verwunschen wirkenden Chalet da Condessa d‘Edla lustwandeln.

Verziertes Haus im Wald
Chalet da Condessa d‘Edla © Lenisecalleja, Adobe
Park mit hohen Bäumen
Hier kann man wunderbar entspannen © Siegbert Mattheis
Palmen und Gräser
Tropische Pflanzen im Parque da Pena © Siegbert Mattheis

Quinta da Regaleira

Nicht minder skurril und extravagant ist diese Villa mit beeindruckend gestaltetem, surreal anmutendem Gartengelände ringsherum. Das Gelände wurde nach Entwürfen des Besitzers António Augusto Carvalho Monteiro errichtet und 1910 fertiggestellt. Der Unternehmer, Exzentriker, Kunstsammler und Freimaurer war als Kaffeebaron in Brasilien zu außerordentlichem Wohlstand gelangt und gehörte zu den reichsten Menschen, die jemals in Portugal gelebt haben. Er erhielt schon damals den Titel „Monteiro, o millionario“ (Monteiro, der Millionär).

Mystischer, grau gelber Palast mit vielen Türmchen
Quinta da Regaleira © Siegbert Mattheis
© Siegbert Mattheis
© Siegbert Mattheis

Das 4 Hektar große Anwesen besteht aus einem Hauptgebäude oder vielmehr Palast, einer Kapelle und einem großzügigen Park mit üppigen Gärten, Seen, Grotten, Brunnen, Brücken, Höhlen und unterirdischen Tunnelsystemen. Weiterhin finden Sie rätselhafte Orte, die alchemistische Bedeutungen verbergen, wie die von Freimaurern, Templern und Rosenkreuzern. Aber es gibt auch einen ganz normalen Tennisplatz. Gerade wenn es etwas neblig ist, was hier oben nicht selten der Fall ist, wirkt das gesamte Areal wie aus der Zeit gefallen, mystisch, entrückt, eben surreal.

Tipp: Nehmen Sie sich Zeit, das Gelände zu erkunden, gerade wenn Sie mit Kindern unterwegs sind. Denn eine solch verwunschene Welt finden Sie kaum irgendwo anders.

Sintra Altstadt

Die zauberhafte Altstadt von Sintra lohnt ebenfalls ein Besuch. Während rund um den Marktplatz eher das touristische Angebot mit Souvenirläden dominiert, geht es in den Seitengassen ein wenig beschaulicher zu. Am westlichen Ortsrand finden Sie das älteste, noch aktive 5-Sterne-Hotel der iberischen Halbinsel, das Lawrence, errichtet im Jahr 1764!

gelbes und blaues Haus mit Kirche dahinter
Schöne Altstadt © Siegbert Mattheis
2 weiße 3-stöckige Häuser
Am Marktplatz © Siegbert Mattheis
Prächtige rote Villa mit weißen Fenstern
Villen in der Alststadt © Siegbert Mattheis
Ansicht des Eingangs
Das Lawrence, ältestes 5-Sterne-Hotel auf der iberischen Halbinsel © Siegbert Mattheis

Restaurant-Tipps:
1. Trotz der exponierten Lage am Marktplatz direkt gegenüber des Nationalpalastes bietet das Café Paris wunderbare Küche und einen entspannten Blick auf das Treiben am Platz
2. Cantinho Gourmet: etwas versteckt, aber ausgesprochen freundlicher Service und gute, bodenständige Küche
3. Und natürlich sollten Sie die süßen Queijadas da Sintra probieren, die Spezialität von Sintra

Tipps GetYourGuide*

Castelo dos Mouros

Diese Reste einer maurischen Burg, hoch über einem Wald trohnend, eröffnen einen traumhaften Blick über Sintra, die Paläste und über die Hügel bis zum Atlantik. Allerdings ist es ein etwas strapaziöser Aufstieg dorthin.

Tipp: Am besten gelangen Sie über die Rua Marechal Saldanha, der Weg ist zwar steil, aber ruhiger als die Hauptstraße und lohnt die Anstrengung.

Burgmauern auf Bergspitze
Castelo dos Mouros mit atemberaubendem Blick bis zum Atlantik © Rivinis, Adobe

Palácio de Monserrate

Ein weiterer skurriler Bau, diesmal maurisch-gotisch-indisch inspiriert mit einem etwa 30 Hektar großen, wildem Park drumherum. Das Gelände wurde 1863 von einem der damaligen drei reichsten Männer Großbritanniens, Sir Francis Cook erworben und zur Sommerresidenz der Familie umgebaut.

Von der Terrasse des Anwesens aus gelangen Sie in den großen Park. Er ist im romantischen Stil angelegt, mit einem See, mehreren Quellen und Brunnen, Grotten und ist von üppigem Grün mit seltenen Pflanzen umgeben, die nach geografischen Gebieten geordnet sind. Es gibt natürlich gewachsene regionale Erdbeer- und Stechpalmensträucher, Korkeichen, Araukarien und Palmen, Baumfarne aus Australien und Neuseeland sowie Agaven und Yuccas aus Mexiko.

Runder Palast mit indischen Motiven
Palast von Monserrate © Jose Ignacio Soto, Adobe

Kapuzinerkloster Convento dos Capuchos

Ein paar Kilometer weiter westlich von Sintra, tief im Wald liegt das eigentümliche Franziskanerkloster Convento dos Capuchos, mit Zellen, die teilweise in den Fels getrieben wurden. Es erinnert an eine Hobbitsiedlung, so als ob hier nur kleinwüchsige Menschen gelebt hätten. Aber der Grund liegt darin, dass in diesem Konvent Armut und Entsagung auf die Spitze getrieben wurden. Alles ist äußerst spartanisch, unkomfortabel, klein und eng gehalten. Gemäß der Elemente franziskanischer Spiritualität, sich in Demut und Geduld, Minoritas, „klein sein“ zu üben und der „Geringste unter den Dienern Gottes“ zu sein.

© Siegbert Mattheis
Steinerne Ablagen und kleines Fenster
Die Küche im Kloster © Siegbert Mattheis
Schmaler Gang mit kleinen Türen
Mit Kork verkleidete, sehr niedrige Eingänge zu den Mönchszellen © Siegbert Mattheis
Überdachte Treppe mit Felsen links und rechts
Teilweise direkt in den Fels gehauene Räume © Siegbert Mattheis

Als Beispiel mögen die Türen dienen, die extra niedrig gebaut wurden, damit die Mönche sich extrem bücken mussten, um einzutreten. Auch die Zellen waren nicht groß genug, als dass ein Mensch dort ausgestreckt, sondern nur in gekrümmter Haltung schlafen konnte.

Der Legende nach verirrte sich der 4. Vizekönig von Indien, Dom João de Castro, während einer Jagd in den Bergen von Sintra und schlief vor Erschöpfung unter einem Felsen ein. In einem Traum wurde ihm die Notwendigkeit offenbart, an diesem Ort einen christlichen Tempel zu errichten.

Als er 1548 starb, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, diese Verpflichtung zu erfüllen, übertrug er sie auf seinen Sohn. So gründete dieser, D. Álvaro de Castro um 1560 das Konvent von Franziskanermönchen mit strengsten Regeln.

Die ursprüngliche Gemeinschaft bestand aus acht Brüdern, von denen der bekannteste Bruder Honório war. Der Legende nach wurde er fast 100 Jahre alt, obwohl er die letzten 36 Jahre seines Lebens als Büßer in einer kleinen Höhle innerhalb der Umzäunung des Klosters verbrachte.

Einige Jahrzehnte nach der Auflösung des Klosters 1834 kaufte Sir Francis Cook, der Inhaber des Palácio de Monserrate das Gelände.

Durch mehrere Filme, die dort gedreht wurden, erlangte das Kloster einige Berühmtheit, u.a. durch den Film Deste Lado da Ressurreição (Diesseits der Auferstehung) von Joaquim Sapinho von 2011.

Anfahrt: Von der Abzweigung ab der N-247 fahren Sie etwa 10 Min. mit dem Auto durch ein Waldgebiet, dort gibt es einen Parkplatz. Von da aus sind es noch 5 Min. zu Fuß bis zum Eingang des Klosters.

Siegbert Mattheis

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