Palácio Nacional da Pena, die Personen und Geschichte dahinter

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Was hat eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, eine Opernsängerin, Missgunst, Neuschwanstein und die Deutschen mit dem Palácio da Pena in Sintra zu tun?

Mit knapp einer Million Besucher im Jahr ist der märchenhafte Palácio da Pena die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in ganz Portugal. Vor einem Besuch lohnt es sich aber, etwas über die Geschichte und Personen dahinter zu erfahren, um das eklektische Bauwerk besser zu verstehen und würdigen zu können. Denn den meisten kommt es etwas kitschig vor, wie ein wenig Disneyland und Neuschwanstein in Portugal.

rotgelbes märchenhaftes Schloss auf steilem Hügel
Der märchenhaft anmutende Palácio Nacional da Pena in Sintra © CascaisTourismBoard

Aber eben dieser Palast hatte großen Einfluss auf Neuschwanstein, Disneyland und auf viele unserer romantischen Assoziationen.

„Das ist der glücklichste Tag meines Lebens“, jubelte der Komponist Richard Strauss, als es ihn hierher verschlug. „Ich bin nach Italien, Sizilien, Griechenland und Ägypten gereist, aber ich habe niemals irgendetwas gesehen, was Pena gleicht …“

Der Palácio Nacional da Pena, im Volksmund einfach Palácio da Pena oder Pena-Palast genannt, bildet eine der wichtigsten Ausdrucksformen der architektonischen Romantik des 19. Jahrhunderts in der Welt. Es war das das erste Schloss in diesem Stil in Europa, das etwa 30 Jahre vor Schloss Neuschwanstein in Bayern errichtet wurde. Und über 100 Jahre vor Disneyland 😉

© Siegbert Mattheis
© Siegbert Mattheis

Baus des Pena-Palastes

An der Stelle des heutigen Palastes stand schon im 12 Jh. eine kleine Kapelle, gewidmet der Nossa Senhora da Pena. Während seiner Herrschaft verweilte dort auch König João II. von Portugal im 15 Jh. auf einer Reise. Dieser unterzeichnete im Übrigen den berühmten Vertrag von Tordesillas, mit weitreichenden Folgen für die Aufteilung unserer heutigen Welt.

(siehe auch „Woher der Name Brasilien kommt und warum nur dort Portugiesisch gesprochen wird“)

Im 16. Jahrhundert ließ Manuel I. von Portugal die Kapelle von Grund auf neu errichten und vergrößern und schenkte sie dem Orden des Heiligen Hieronymus.

Durch das verheerende Erdbeben von 1755 jedoch wurde fast das gesamte Kloster in Trümmer gelegt. Nur der Bereich des Hochaltars in der Kapelle und Teile des Kreuzgangs, den man heute noch sehen kann, blieben unversehrt. Der Rest des Klosters wurde danach nur mehr von wenigen Mönchen bewohnt und war 1834, nach dem Verbot der Ordenstätigkeiten in Portugal bereits vollständig aufgegeben.

Vier Jahre danach, 1838 besuchte der spätere portugiesische König Ferdinand II. von Portugal diese Ruinen und verliebte sich in die Gegend. Er kaufte das alte Kloster, das Castelo dos Mouros und die umliegenden Höfe und Wälder und beschloss, hier aus privaten Mitteln einen Palast im Stil der Romantik und des Historismus zu errichten.

Kreuzgang um 1838 von C. Vivian © Foto: Siegbert Mattheis
Der Kreuzgang des ehemaligen Klosters von 1511 mit spanisch-arabischen Fliesen © Siegbert Mattheis
Der private Speisesaal Ferdinands II.© Siegbert Mattheis

Wer war Ferdinand II.?

Ferdinand II. wurde 1816 in Wien als Ferdinand von Sachsen-Coburg-Koháry geboren und war der Neffe von König Leopold I. von Belgien. Wie alle Coburger Prinzen soll sich auch Ferdinand durch männliche Schönheit ausgezeichnet haben. Leopold I. erfuhr, dass die im Alter von 16 Jahren bereits verwitwete Königin Maria II. von Portugal auf Drängen des portugiesischen Adels wieder verheiratet werden sollte. So arrangierte er die Ehe der beiden 1836, Ferdinand war da gerade 19 Jahre alt. Zunächst war das lediglich eine schriftliche Beurkundung, beide sollten sich erst im darauffolgenden Jahr kennenlernen und in Lissabon kirchlich heiraten.

Ferdinand war hochgebildet, kunst- und literaturbegeistert und sprach neben Deutsch auch Englisch, Ungarisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und natürlich Portugiesisch. Er wurde später auch Rei-Artista, der Künstlerkönig genannt.

Ferdinand II., Gemälde von Manuel Maria Bordalo Pinheiro, 1856 (Museu Nacional dos Coches, Lissabon) © Wikipedia
Ferdinand II. um 1877, Gemälde im Palast © Foto: Siegbert Mattheis

Wer war Maria II. von Portugal?

Maria wurde 1819 in Rio de Janeiro als älteste Tochter des späteren Kaisers Pedro I. von Brasilien und seiner ersten Frau, der Erzherzogin Maria Leopoldina von Österreich geboren. Sie war somit die bisher einzige europäische Monarchin, die außerhalb Europas geboren wurde.

Pedro übernahm den portugiesischen Thron im März 1826, als sein Vater, der damalige König von Portugal, João VI. starb. Vier Jahre zuvor allerdings hatte er sich von Portugal losgesagt, 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens proklamiert und sich zum Kaiser krönen lassen.

Sein jüngerer Bruder Miguel wollte allerdings ebenfalls den Thron, schiffte sich nach Portugal ein und übernahm die Macht im damaligen Vereinigten Königreich von Portugal und den Algarven. Pedro wollte das nicht zulassen, allerdings lieber in Brasilien bleiben und dankte zugunsten seiner ältesten Tochter ab. So schickte er sie im Alter von nur sieben Jahren als Maria II., Königin von Portugal und den Algarven nach Europa. Sie verließ Rio de Janeiro 1828 in Richtung Portugal mit Geleitschutz einer 30-köpfigen, aus Portugiesen und Deutschen bestehenden Wache.

Nach mehreren Kämpfen, dem sog. Krieg der Brüder oder Miguelistenkriegen zwischen Anhängern Miguels und denen der jungen Königin konnte Maria erst 1834 offiziell den Thron besteigen.

Auf Wunsch ihres Vaters ging die 15-jährige Maria II. ein Jahr später eine Ehe mit dem Herzog Auguste de Beauharnais von Leuchtenberg ein. Der hatte deutsche Wurzeln, seine Mutter war Auguste von Bayern. Er verstarb jedoch schon zwei Monate nach der Hochzeit an einer Angina.

Maria II. von Portugal 1829, im Alter von 10 Jahren © Wikipedia
Und als Königin 1846, im Alter von 27 Jahren © Wikipedia

Hochzeit von Ferdinand und Maria 1836

Nun kam Ferdinand ins Spiel. Nach der Hochzeit mit Maria 1836 war er nach portugiesischem Recht zunächst nur Prinzgemahl, bis zur Geburt des ersten Sohnes, der 1837 geboren wurde. Als Deutscher war er im portugiesischen Volk anfangs nicht sehr beliebt, das änderte sich aber später durch seine klugen und maßvollen Regierungsentscheidungen. Allerdings waren seine Befugnisse durch das Parlament sehr eingeschränkt, die Amtsgeschäfte übernahm weiterhin Maria. Diese hatte jedoch ein schweres Los. Innerhalb von nur 16 Jahren gebar sie 12 Kinder, von denen 11 überlebten. Gleichzeitig war Portugal in dieser Zeit von schweren Machtkämpfen im Parlament geprägt, in denen sie versuchte, zu vermitteln.

Maria verband indessen eine tiefe Liebe zu ihrem zweiten Mann Ferdinand. Sie führte, wie ihr auch politische Gegner zugestanden, gleichzeitig ein vorbildhaftes Familienleben und verwandte große Sorgfalt auf die Erziehung ihres Nachwuchses. Man nannte sie auch später Maria, a Educadora, die Erzieherin.

Die gefährliche Routine der aufeinanderfolgenden Schwangerschaften, ihr Übergewicht bereits mit 25 Jahren (das schließlich zu Herzproblemen führte) veranlassten die Ärzte, die Königin vor den ernsten Risiken zu warnen, die sie einging. Gleichgültig gegenüber diesen Warnungen antwortete Dona Maria II. einfach: „Wenn ich sterbe, sterbe ich auf meinem Posten“.

Sie starb 1853 im Alter von nur 34 Jahren bei der Geburt des letzten Kindes, das ebenfalls verstarb.

Bau des Palácio da Pena zwischen 1839 und 1847

Nur 6 Jahre zuvor, 1847 war der Palácio da Pena nach knapp 8 Jahren Bauzeit nahezu vollendet worden. Die letzten Arbeiten wurden allerdings erst 1854 abgeschlossen.

Ferdinand hatte es meist vermieden, sich in die politische Szene einzumischen, und zog es vor, sich der Kunst zu widmen. Als 1836 die Akademie der Schönen Künste in Lissabon gegründet wurde, erklärten sich Ferdinand und die Königin zu ihren Schutzherren.

Ferdinand widmete zudem einen Teil seiner Aufmerksamkeit nationalen Anliegen wie dem Schutz des portugiesischen architektonischen Erbes und förderte kulturelle und finanzielle Aspekte sowie die Tätigkeit gelehrter Gesellschaften, z. B. Restaurierungs- und Instandhaltungsprojekte, die u.a. das Kloster von Mafra, das Christuskloster in Tomar, das Jerónimos-Kloster, die Kathedrale von Lissabon und den Turm von Belém betrafen.

Daher finden sich viele architektonische Merkmale dieser Bauten auch im Palácio da Pena wieder. Er hatte den Deutschen Ludwig von Eschwege beauftragt, den Palast zu planen und griff auch selbst in die Entwürfe ein.

Der Pena-Palast 1850, noch mit einigen Gerüsten © Wikipedia
Prächtige Innenräume © Siegbert Mattheis
Gabelwesen aus Stein mit bärtigem gesicht
Der griechische Gott Triton über dem Eingang © Siegbert Mattheis
Der Casa dos Bicos in Lissabon nachempfundenen Diamantspitzen © Siegbert Mattheis
Maurisch inspirierter Torbogen © Siegbert Mattheis
Küche des Pena-Palasts © Siegbert Mattheis

Wer war Wilhelm Ludwig von Eschwege?

Eschwege war ein illustrer, weit gereister deutscher Geologe, Geograph, Mineraloge und Amateurarchitekt aus Kassel, der im Alter von 26 Jahren bereits Direktor eine Eisenhütte in Portugal wurde. Im Krieg gegen Napoleon war er Hauptmann der Artillerie Portugals, musste jedoch nach dem Sieg Napoleons ins Exil nach Brasilien gehen. Dort errichtete er im Laufe der folgenden zehn Jahre vor allem im Bundesstaat Minas Gerais insgesamt 29 Eisenwerke und wurde sogar Generaldirektor der brasilianischen Goldbergwerke und zum Vorstand des königlichen Mineralienkabinetts in Rio de Janeiro ernannt. Er knüpfte ein breites intellektuelles Netzwerk, u.a. zu Goethe, Karl Marx und Alexander von Humboldt und veröffentlichte verschiedene wissenschaftliche Werke. Unter anderem eine Schrift über Portugal, das 1837 auf deutsch erschien und Ferdinand dazu veranlasste, ihn mit dem Bau des Palastes zu beauftragen.

Das Verhältnis der beiden soll von großem Vertrauen geprägt worden sein. Ferdinand sah in Eschwege neben der gelebten Erfahrung und der sprachlichen Nähe, die sehr zur Lösung der Probleme des Projekts beitrugen. Sicherlich auch die nötige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, um den Eigenheiten des Fürsten, der dort „seinen“ Palast errichten wollte, nachzugeben und quasi die Urheberschaft zu teilen. Beide vereinte wohl auch die Leidenschaft für die Romantik und den beginnenden Historismus, bei dem Architekten und Künstler vorzugsweise auf Stilrichtungen vergangener Jahrhunderte zurückgriffen.

Baron Wilhelm Ludwig von Eschwege © Wikipedia
Eschwege in Brasilien © Wikipedia

Der König schlug unter anderem vor, Gewölbebögen, mittelalterliche und islamische Elemente einzubauen, und er entwarf auch selbst ein verziertes Fenster für die Hauptfassade, inspiriert durch das Fenster des Kapitelsaals des Klosters des Christusordens in Tomar.

Somit wurde der Palácio da Pena zum Vorbild nicht nur für Bayerns König Ludwigs Schloss Neuschwanstein und nicht zuletzt Disneyland, sondern prägt auch bis heute unsere Vorstellungen von Burgen und Schlössern für Prinzen und Prinzessinen.

Nach dem Tod seiner Frau Maria trug nun Ferdinand (Fernando) für zwei Jahre den Königstitel bis zur Volljährigkeit seines ersten Sohnes Peter V. 1855. Ansonsten vom politischen Leben ausgeschlossen, widmete er sich fortan der Malerei und förderte als Präsident der königlichen Akademie die Wissenschaften und Künste.

Bis er 1860 auf Elise Hensler traf und sich unsterblich verliebte.

Wer war Elise Friederike Hensler, die spätere Contessa d’Edla?

Die Deutsch-Schweizerin Elise Hensler war eine begabte Opernsängerin, Schauspielerin, Bildhauerin, Keramikerin, Malerin, Architektin und Floristin. Im Alter von zwölf Jahren wanderte sie mit ihrer Familie nach Boston in die USA aus, wo sie eine hervorragende Ausbildung erhielt und schon als 16-Jährige Erfolge auf der Bühne feierte. Als Kunst- und Literaturliebhaberin schloss sie ihr Studium in Paris ab. Im Laufe der Jahre lernte sie sieben Sprachen fließend. Nach Abschluss ihrer Ausbildung trat Elise Hensler an der Scala in Mailand auf. Am ersten Weihnachtstag 1857 brachte sie im Alter von 21 Jahren in Paris ein Mädchen zur Welt, das sie Alice nannte und dessen Vater unbekannt war, vermutlich aber ein Fürst aus Mailand. Ihre Tournee brachte sie schließlich auch nach Lissabon. 1860 trat sie im Nationaltheater São Carlos in Lissabon auf. König Ferdinand war im Publikum und verliebte sich sofort in die schöne Sängerin, die damals vierundzwanzig Jahre alt war.

Ferdinand bat sie, in Portugal zu bleiben und besorgte ihr eine Wohnung in der Rua dos Remédios Nr. 68 in Lissabon, wo sie mit ihrer Mutter und ihrer Tochter leben konnte. Er verbrachte viel Zeit dort, zog sich aber auch mit seiner Geliebten und ihrer unehelichen Tochter Alice in den Palácio da Pena zurück. Über Alice ist im Übrigen nicht viel bekannt, auf jeden Fall soll sie von Ferdinand sehr verwöhnt worden sein.

Frühes Portrait von Elise Hensler, Condessa de Edla © Wikipedia
Ferdinand II. und Elise Hensler um 1882 © Wikipedia

Geliebte oder den Thron?

Nach einem Aufstand in Griechenland gegen König Otto I. wurde Ferdinand 1862 eingeladen, den griechischen Thron zu besteigen, was er jedoch ablehnte. Und nach der spanischen Revolution 1868 stellte man ihn vor die Wahl, entweder weiterhin mit seiner Geliebten zusammen zu leben oder ohne diese als Nachfolger von Isabella II. die spanische Krone anzunehmen. Ferdinand machte jedoch unmissverständlich klar, dass er nicht nach Madrid gehen würde, ohne seine Geliebte mitzunehmen und lehnte ab. Daraufhin entschloss er sich, Elise 1869 zu heiraten. Von einem deutschen Verwandten Ferdinands, dem Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha wurde zur Elise Hensler kurz zuvor zur Condessa de Edla, „Gräfin von Edla“ erhoben.

Allerdings war Elise in der portugiesischen Königsfamilie auf heftige Ablehnung gestoßen. Beim ersten öffentlichen Auftritt des Paares weigerten sich die Gäste, Elise die Hand zu reichen. Ferdinands Schwiegertochter, Königin Maria Pia, hatte einmal demonstrativ ein Glas zerbrochen, als Ferdinand einen Toast auf seine neue Frau ausbringen wollte. Maria Pia von Savoyen war die Frau von Ludwig I., dem zweiten Sohn von Ferdinand und Maria und Nachfolger von Peter V., der 1861 im Alter von nur 24 Jahren an einer Fieberepidemie starb. Auch die Presse und der portugiesische Adel waren geteilter Meinung über die Ehe zwischen dem König und der ehemaligen Opernsängerin.

Das verliebte Paar jedoch versammelte im Palácio da Pena einen Kreis von Künstlern um sich und machte Sintra so zu einem alternativen Kulturhof.

Verziertes Haus im Wald
Chalet da Condessa d‘Edla © Lenisecalleja, Adobe

Chalet der Gräfin von Edla und der Parque da Pena

Das Chalet der Condessa d’Edla wurde schon vor der Hochzeit zwischen 1864 und 1869 von den beiden auf einem acht Hektar großen Gelände westlich des Parks von Pena errichtet. Als Freizeitrefugium konzipiert, ließen sie es nach dem Vorbild der damals in Europa in Mode gekommenen Alpenchalets und in Anlehnung an die eigene Herkunft der Gräfin bauen. Die Außenverkleidung aus Stein und Kalk simuliert Holz, ein Ende des 19. Jahrhunderts üblicher „Schein“.

Auch im großen Park drumherum wurden die Anpflanzungen um 1869 intensiviert. Beide begeisterten sich schon immer für die Botanik. Elise führte seltene Baumarten aus Nordamerika in den Park ein. Unterstützt wurden der König und die Gräfin von Henslers amerikanischem Schwager, dem Förster John Slade.

Das Innere des Chalets wurde durch einen Brand 1999 stark zerstört und wurde erst 2011 nach vierjährigen Restaurierungsarbeiten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Tod von Ferdinand II. 1885

Im Jahr 1885 starb Fernando und vererbte seiner Witwe den gesamten Besitz, darunter das Castelo dos Mouros und den Pena-Palast. Allerdings konnte sie nur die nächsten 4 Jahre dort bleiben, denn auf Druck der Presse, des portugiesischen Parlaments und des nun regierenden König Carlos I. musste sie 1889 nach langwierigen Verhandlungen alles an den Staat verkaufen, konnte lediglich das Chalet noch einige Zeit für sich behalten.

Danach verließ Elise Hensler Sintra und lebte fortan bei ihrer Tochter Alice in Lissabon. Sie starb dort 1929 stark verarmt im Alter von zweiundneunzig Jahren. Sie wurde auf dem Friedhof von Prazeres beigesetzt. Lange vergessen, erhielt sie erst posthum ausreichende Würdigung, als die ehemalige Königin Dona Amélia und der abgesetzte König Dom Manuel II. den Vicomte von Asseca als ihren Vertreter zur Beerdigung schickten.

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Wer war Königin Dona Amélia?

Nach dem Auszug von Elise Hensler bewohnten die letzten zwei portugiesischen Könige Carlos I. und sein Sohn Manuel II. den Palácio da Pena, vorwiegend als Sommerresidenz. Die Regierungsgeschäfte wurden im Palácio de Ajuda in Lissabon abgewickelt.

Amélie d’Orléans war durch ihre Heirat mit Carlos I. von 1889 bis 1908 die letzte Königin von Portugal. Der Palácio da Pena war ihr Lieblingspalast.

Ein Staatsbankrott 1891, an dem König Carlos I. eine Mitschuld gegeben wurde, führte in den folgenden Jahrzehnten zu einem enormen Ansehensverlust der Monarchie und des Königshauses. Die sozialen Unruhen im Land mündeten immer häufiger in Aufstände und gipfelten in der Ermordung des Königs 1908. Amélie blieb als einzige der Königsfamilie unverletzt und versuchte im allgemeinen Tumult voller Verzweiflung, einen der beiden Attentäter mit ihrem Blumenbouquet zu verprügeln. Ihrem unerfahrenen Sohn Manuel II. gelang es jedoch nicht, das Land zu befrieden. Im Oktober 1910 wurde nach mehreren Aufständen die Republik ausgerufen.

Amélie hielt sich gerade im Palácio da Pena gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Maria Pia von Savoyen auf, als sie die Nachricht erreichte. Da die Situation für die königliche Familie aussichtslos war, mussten sie alles stehen und liegen lassen und über Ericeira ins Exil flüchten.

Daher sind vor allem die Innenräume des Palastes noch in etwa so erhalten, wie Königin Dona Amélia sie damals hinterlassen hatte.

1945 kehrte sie auf Einladung noch einmal zurück und bat, in ihrem geliebten Palast noch einmal einige Minuten alleine sein und der Vergangenheit mit ihren schönen Erinnerungen nachtrauern zu dürfen.

Wir hoffen, dass Sie mit dieser kurzen, zusammengefassten Hintergrundgeschichte diesen einzigartigen Pena-Palast und die Gärten intensiver genießen können.

Siegbert Mattheis

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