Brasilien, die schönsten Orte, Sehenswürdigkeiten, Reiseziele und Insider-Tipps

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The girl from Ipanema, Garota de Ipanema, dieser Bossa-Nova Song von Tom Jobim prägt bis heute für viele von uns das Bild von Brasilien. Copacabana, Strand, Sonne, Samba, knappe Bikinis, der Zuckerhut und der Karneval von Rio. Und dann denken wir natürlich auch an Fußball. Aber ebenso an das Amazonas-Gebiet und die Gefahr für unser weltweites Klima durch die Abholzung des Regenwaldes.

„Aber Brasilien besteht aus so vielen Facetten, unser Land ist so vielfältig, es gibt nicht nur das eine Brasilien. Wir haben von allem eine Menge zu bieten“, erzählt uns begeistert der Präsident der brasilianischen Tourismusbehörde Embratur, Silvio Nascimento.

Die riesige Statue im Vordergrund, Blick auf die Bucht von Rio
Christusstatue und Zuckerhut in Rio de Janeiro © Irena V., Shutterstock

Brasilien ist eines der größten Länder der Welt

Brasilien ist etwa 25 Mal so groß wie Deutschland. Von Belém, der nördlichsten Großstadt bis in den Süden nach Porto Alegre sind es knapp 4.000 km. Zum Vergleich: von Hamburg bis zur Südspitze Portugals sind es etwa 3.000 km.

Aufgrund dieser Größe ist Brasilien ein äußerst vielfältiges Land, in dem es viele verschiedene Einflüsse, Kulturen, Dialekte und auch Klimazonen gibt. So kann es im Süden schneien, während es im Norden 40 Grad warm ist.

Und bei über 7.500 km Küste, unzähligen, endlos langen Flüssen, riesigen Wasserfällen, 6 Biomen, über 60 Natur-Nationalparks, Wüstengebieten und Mega-Citys wie São Paulo dürfte für jeden Reisenden etwas dabei sein. Und dabei kann das Land auch mit einigen Superlativen aufwarten!

Zu den beliebtesten Reisezielen gehören die Strände in Rio de Janeiro und Santa Catarina, die Strände und Dünen im Nordosten, Geschäftsreisen nach São Paulo, die Iguaçu-Wasserfälle, kultureller und historischer Tourismus in Minas Gerais, der Amazonas-Regenwald im Norden und das Pantanal im Westen des Landes. Aber auch die Hauptstadt Brasília mit einzigartiger Architektur ist ein beliebtes Ziel.

Die schönsten Orte und Reiseziele in Brasilien?

„Schwer zu sagen …“ überlegt Sandra aus São Paulo, „Es gibt so viele davon“, schwärmt Marina aus Belo Horizonte in Minas Gerais. Man könne sie gar nicht alle in einem Leben besuchen.

Wir haben dennoch versucht, gemeinsam mit den Tipps und Empfehlungen Einheimischer einige der herausragendsten und schönsten Orte und Reiseziele in Brasilien vorzustellen. Städte, Natur, Strände, Inseln, sowie auch etwas Kultur, Kulinarik und Musik.

1. Rio de Janeiro, die traumhafte Stadt

Ipanema Strand © Catarina Belova, Shutterstock
Strand mit Palmen und Blick auf Berge
Copacabana Strand © Aleksandar Todorovic, Shutterstock

Natürlich Rio, „hiu“, wie die heimliche Hauptstadt im Brasilianischen ausgesprochen wird. Als zwar nur zweitgrößte, aber sicher bekannteste Stadt Brasiliens, zieht sie die meisten Urlauber aus aller Welt an. Von den Einwohnern, den cariocas, stolz cidade maravilhosa (traumhafte Stadt), genannt, beherbergt sie die berühmtesten Sehenswürdigkeiten Brasiliens. Den Zuckerhut, pão de açúcar (eigentlich Zuckerbrot) genannten Granitfelsen mit seiner einzigartigen Form, die Christusstatue Cristo Redentor oder die erwähnten Strände Copacabana und Ipanema. Und den größten Karneval der Welt, in dem Sambaschulen gegeneinander in Wettstreit treten. Überhaupt ist der Rhythmus des Samba überall spürbar. Denn Samba in seiner modernen Form entstand hier in den 1920er Jahren. Wenn Sie Glück haben, können Sie erleben, wie sich eine Menge um Straßenmusikanten schart und spontan anfängt, Samba zu tanzen.

Vielleicht treffen Sie auch die Sambalegende Jorge ben Jor, der seinen Wohnsitz seit 2018 permanent ins Hotel Copacabana Palace verlegt hat. Denn seinen Samba-Song haben Sie bestimmt im Ohr, „Mas que nada“. Hier auf Youtube können Sie mal reinhören 😉

Weißes riesiges Vordach über blauem Pool
Futuristisches Museu da Amanhã © André Luiz Moreira, Adobe

Aber auch Rio hat mit seinem Jardim Botânico, einem der größten botanischen Gärten ganz Südamerikas, seiner Altstadt, dem ehemaligen Reichenviertel Santa Teresa, in dessen Prachtbauten heute viele Intellektuelle und Künstler wohnen oder dem futuristischen Bau des Zukunftsmuseums Museu de Amanhã noch weitaus mehr zu bieten als Strand und Samba. Zum Beispiel das Maracanã– und das Nilton-Santos-Stadion, das beliebte Ausgehviertel Lapa mit seinen Arkaden, das Stadttheater von Rio de Janeiro, den zum Wandern und Klettern einladenden Nationalpark Tijuca, die Quinta da Boa Vista (die ehemalige Kaiserresidenz und heutiges Nationalmuseum), die Nationalbibliothek, die Insel Paquetá und nicht zu vergessen, die Silvesterfeiern an der Copacabana.

Tipps: Probieren Sie hier das „Nationalgericht“ Brasiliens, die Feijoada, ein leckerer Bohneneintopf!

Und besuchen Sie mit einem örtlichen Guide und Favela-Gastgebern einen organisierten Rundgang durch die Favela Rocinha. Die Tour ist respektvoll gegenüber den Einheimischen und drängt sich diesen nicht auf. So können mit ihnen ins Gespräch kommen, ihre Geschichten hören und vielleicht Klischees überdenken.

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2. Manaus und das Amazonasgebiet

Tarum See bei Manaus © Ana Claudia Jatahy - MTUR
Opergebäude in rosa und weiß mit bunter Kuppel
Doe Oper in Manaus © Pontanegra, Wikipedia

Manaus liegt mitten im Dschungel des Amazonasgebietes, an der Mündung des Rio Negro in den Rio Solimões, wo sich beide in den Amazonas vereinigen. Die Stadt gelangte zwischen 1870 und 1910 durch den Kautschukboom zu enormem Reichtum, denn die Region war lange Zeit der einzige Lieferant von Kautschuk für die Welt. Um 1890 war der Ort die wohl am weitesten entwickelte Stadt Brasiliens. Damals nannte man die Stadt auch das „Paris der Tropen“, weil sie die einzige des Landes war, die elektrisches Licht und ein Trinkwasser- und Abwassersystem hatte. Regelmäßige Schiffsverbindungen gab es sowohl nach New York als auch nach Liverpool. So wurde 1896 mitten im Urwald eines der schönsten Opernhäuser der Welt, das Teatro Amazonas errichtet sowie weitere prunkvolle Gebäude wie der Palácio da Justiça. Und hier fuhr ab 1898 auch die allererste elektrische Straßenbahn Brasiliens!

Heute ist der Ort vor allem der historischen Bauwerke wegen sowie als öko-touristischer Ausgangspunkt für Ausflüge in den ungemein artenreichen, die Stadt umgebenden Urwald bekannt. Und natürlich als Startpunkt der Bootstouren auf dem Amazonas, auf denen Sie in Hängematten liegend durch die einzigartige Urwaldlandschaft tuckern …

Iracema Wasserfall © Mario Oliveira - MTur
Steg durch den Urwald
Trails durch den Urwald © Mario Oliveira. MTur.
Boot auf dem Amazonas
Unvergessliche Erlebnisse auf dem Amazonas © Rio Negro Queen

Auch der Zusammenprall der beiden Flüsse, Encontro das Águas (Treffen der Wasser) ist ein ganz besonderes Schauspiel. Denn die ersten 11 Kilometer vermischt sich ihr Wasser aufgrund unterschiedlicher Temperaturen, Dichte und Fließgeschwindigkeit nicht. So können Sie in der Mitte auf einem Boot den Arm in zwei Flüsse tauchen, der eine hat 28 Grad, der andere nur 22 Grad Wassertemperatur.
Baden ist rund um Manaus relativ gefahrlos möglich, trotz Piranhas und nachtaktiver Alligatoren. Sie finden zahlreiche schöne Sandstrände an den Flüssen, die bekanntesten sind die Strände Praia da Lua, die Praia Dourada und die Praia do Tupé.

Geheimtipp von Julia aus São Paulo: die Ilha do amor, (Insel der Liebe) in Alter do Chão. Sie liegt zwar weit von Manaus entfernt, in Pará, aber noch im Amazonas-Gebiet. Eine Mini-Insel, die sich nur in der Trockenzeit aus dem Wasser der beiden grünen Flüsse Rio Tapajós und des Arapiuns erhebt. The Guardian wählte Alter do Chão sogar zu einem der schönsten Strände Brasiliens. Vor allem die Silvesterpartys hier sind ein Mega-Event!

3. Fernando de Noronha, paradiesische Strände und kristallklares Wasser

Baia do Sancho in Fernando de Noronha © Alexandree, Shutterstock

Die Inselgruppe im Atlantik, etwa 350 km östlich von Recife gelegen, wird als eins der weltbesten Taucherparadiese beworben. Hier wird sanfter Tourismus betrieben, die Besucherzahlen sind limitiert und Sie müssen die Flüge dorthin am besten weit im Voraus buchen. Aber dafür werden Sie mit einem faszinierenden Naturparadies belohnt. Allerdings auch ein etwas teureres. Denn fast alles muss vom Festland hierher transportiert werden, und das macht die Inselgruppe nicht gerade billig. Dass die Inselgruppe kaum besiedelt ist, liegt daran, dass sie früher als Gefängnis und später als Militärstützpunkt diente.

Frau vor Pool und Meer
Relaxen im Paradies, z.B. im Nannai Solar dos Ventos-Resort © Nannai Resort

Benannt ist der Archipel übrigens nach dem portugiesischen Händler Fernão de Loronha, dem der Archipel wegen Verdiensten um den Holzimport, dem pau brasil, von dem auch Brasilien seinen Namen hat, von der portugiesischen Krone geschenkt wurde. Dass Fernando de Noronha nicht de Loronha heißt, hat mit einer damaligen Lautverschiebung in der Sprache zu tun.

Hinkommen: Flüge gibt es von Recife (ca. 90 Min.) und Natal (ca. 60 Min.) aus.

4. Ouro Preto, historische Architektur in der ehemaligen Goldgräbersiedlung

weiße, niedrige Häuser vor großem Platz
Barocke Altstadt von Ouro Preto © Pedro-Parzzanini, Adobe

Ouro Preto (schwarzes Gold), nicht weit von Belo Horizonte entfernt, ist wegen ihrer barocken Altstadt einzigartig in der Welt und einer der wichtigsten Touristenmagnete Brasiliens. Die Stadt bekam diesen Namen wegen ihrer riesigen Goldvorkommen, die durch Eisenoxid-Verunreinigung leicht schwarz gefärbt waren. Einst eine Ansammlung von verschiedenen Goldgräberdörfern, wuchs sie im 18. Jh. zu einer Siedlung zusammen und war gegen Ende des Jahrhunderts die reichste Stadt der sog. Neuen Welt. 80 % der damaligen Weltproduktion an Gold stammte aus Ouro Preto. Da das Edelmetall aber direkt nach Portugal abfloss (das Land war damals ja noch eine portugiesische Kolonie), kam es der Entwicklung Brasiliens kaum zugute.

Statue eines Mannes
Skulptur von Aleijadinho © Eduardo, Adobe

Einer der bekanntesten Bildhauer und Baumeister Brasiliens, Aleijadinho, Sohn eines portugiesischen Architekten und einer schwarzen Sklavin, lebte hier. Er schuf eine Vielzahl von außergewöhnlichen, kunstvollen Werken, deren Stilreichtum als Barroco mineiro bekannt geworden ist. Sehenswert sind die vielen Kirchen, u.a. die von Aleijadinho geschaffene Kirche Igreja São Francisco de Assis oder die opulente Matriz de Nossa Senhora da Conceição de Antônio Dias, in der auch ein Museum über den Künstler untergebracht ist. Als eine der eindrucksvollsten Kirchen des brasilianischen Barocks gilt die Igreja Matriz Nossa Senhora do Pilar. Heute ist Ouro Preto dank einer großen Universität zu einer lebendigen Studentenstadt geworden und die pittoreske Altstadt ist seit 1980 auch UNESCO-Welterbe.

Tipp: Zu empfehlen ist eine Fahrt nach Mariana mit der historischen, 2006 restaurierten Dampfeisenbahn „Maria Fumaça“, am besten im Panoramawaggon.

5. Cataratas do Iguaçu, spektakuläre Wasserfälle

Iguaçu Wasssrfälle © Zig Koch - MTUR
Wasserfälle von oben
Faszinierend © Zig Koch, MTUR

Diese imposanten Wasserfälle liegen im Pantanal, an der Grenze zu Argentinien. Sie gehören zu den größten der Welt und bestehen aus insgesamt 275 mächtigen und kleineren Wasserfällen auf einer Ausdehnung von fast drei Kilometern. Oft werden sie mit den Niagarafällen verglichen. An einigen Stellen stürzt sich das Wasser bis zu 82 Meter in die Tiefe. In der Regenzeit erreichen die Iguaçu-Fälle sogar das drittgrößte Wasservolumen der Welt. Auf einem über einem km langen Holzsteg können Sie direkt über dem Fluss Iguaçu (in der indigenen Sprache großes Wasser) zu den beeindruckendsten Aussichten laufen.

Einer Tupi-Guarani-Legende nach wurden die Wasserfälle durch die Wut des Schlangengottes M’Boy in die Gegend geschlagen. Denn eines Tages verliebte sich Tarobá, ein junger Krieger der Caingangu-Indianer, die an seinem Ufer lebten, in die schöne Naipí, die Tochter des Stammesoberhauptes. Diese war jedoch bereits dem Schlangengott M‘Boy geweiht und sollte ihm geopfert werden. Am Opfertag jedoch flohen beide gemeinsam in einem Kanu den Fluss hinunter.

Der wütende M’Boy jedoch drang in Form einer großen Schlange in die Erde ein und verursachte Erdrutsche, die die Abgründe der heutigen Wasserfälle bildeten. Umgeben von den Wassermassen, stürzten die beiden Liebenden aus großer Höhe. Tarobá wurde zu einer Palme am Rande des Abgrunds und Naipí zu einem Felsen in der Nähe des großen Wasserfalls, der ständig von der Kraft des Wassers umspült wird. Unter den Augen von M’Boy, dem Schlangengott, mussten sie dort für immer verharren. Tarobá war von nun an dazu verdammt, seine Geliebte auf ewig zu betrachten, ohne sie berühren zu können.

6. Jalapão Nationalpark

Dünen im Jalapão-Nationalpark © Shutterstock
Frau badet in einem Quellsee
Fervedouro (kochendes Wasser) do Ceiça © Shutterstock

„Maravilhoso!“ Traumhaft! schwärmt Marina. Denn wenn Sie absolute Ruhe suchen und mal nur Natur genießen wollen, dann sind Sie hier richtig. Der Jalapão Nationalpark im Osten des Bundesstaats Tocantins ist eine trockene, mit Hochplateaus, Sanddünen und Oasen übersäte Region, die von einem riesigen Netz von Flüssen mit Wasserfällen und kleineren Bächen und Seen durchzogen ist, die alle kristallklares Wasser führen. Allerdings liegt die Durchschnittstemperatur bei 30 Grad!

Hier können Sie mehrere Tage verbringen, ohne einen Menschen zu sehen. Aber vielleicht viele einzigartige Tiere. Zum Beispiel endemische brasilianische Kampfüchse (nicht Kampf-Füchse ;), die sich vorwiegend von Termiten und Früchten ernähren. Oder auch Rothirsche, Riesenameisenbären, Tapire, Wasserschweine, Opossums, Affen, Alligatoren, Jaguare, Anakondas, Klapperschlangen, Boa constrictors, Tukane, Papageien, blaue Aras, flugunfähige Nandus, Geier uvm.

Daher wird das Gebiet auch gerne auch für Filmaufnahmen genutzt. 2008 wurde in der Region eine Reality-Show des CBS Network mit dem Titel Survivor: Tocantins aufgezeichnet. Und 2017 diente es als Kulisse für mehrere Szenen in der Seifenoper O Outro Lado do Paraíso auf Rede Globo.

Ein besonderes Merkmal der Region bildet ein goldenes Gras, das nur hier wächst. Capim Dourado ist ein golden glänzender Grashalm, aus dem die Einheimischen in kunstvoller Handarbeit wunderschöne Schmuckstücken zaubern. Die Rohstoffe dürfen nicht exportiert werden, nur die fertigen Produkte, um den Bewohnern die nachhaltige Einnahmequelle zu sichern. Und aus der Buriti-Palme wird ein wertvolles Kosmetik-Öl gewonnen. Beide Produkte sind zur Haupteinnahmequelle der lokalen Gemeinschaften geworden, die Sie somit mit einem Kauf unterstützen können.

7. Salvador, schwarze Seele und Keimzelle Brasiliens

Pastellfarbene Häuser und blauweiße Barock-Kirche
Pelourinho, die Altstadt von Salvador © Andreas, Adobe
Küste mit Leuchtturm
Itapuã Strand bei Salvador © Márcio Filho - MTUR

São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser an der Allerheiligenbucht), so der ursprüngliche Name, liegt an der größten tropischen Bucht der Welt. Salvador war bis 1763 die Hauptstadt Brasiliens und ist heute die drittgrößte Stadt des Landes.

Hier begegnen Sie der portugiesischen Kolonialgeschichte an allen Ecken und Enden. Zum einen durch die prächtigen, pastellfarben gestrichenen Gebäude in der Altstadt Pelourinho, zum anderen durch die überall präsente Geschichte der schwarzen Sklaven. Gerade das kulturelle und touristische Zentrum der Stadt am Largo do Pelourinho (Platz des Prangers) zeugt davon. Bis 1835 war dort der Sklavenmarkt, hier wurden Sklaven öffentlich ausgepeitscht oder gehenkt. Und an der Praça da Piedade gedenkt man der vielen blutig niedergeschlagenen Sklavenaufstände. Auch die Capoeira ist ein Erbe der Sklavenzeit, und Salvador gilt als das Zentrum dieses Kampf(tanz)sports. Die Stadt verzeichnet den größten Bevölkerungsanteil afrikanischer Herkunft außerhalb Afrikas, was dieser Küstenstadt einen besonderen Charme gibt.

Das vor einigen Jahren restaurierte Pelourinho-Viertel mit seinen vielen engen, gepflasterten Gassen, gesäumt von Cafés, Bars, Restaurants, Kleinkunstmärkten und Straßenküchen ist eine der touristischen Hauptattraktionen Salvadors. Hier leben viele Künstler wie Filmemacher, Musiker, Maler und Schriftsteller.

lachende schwarze Frau mit buntem Turban
Einwohnerin in typisch bahaianischer Tracht © R. M. Nunes, Adobe

In das Blickfeld der Welt geriet das Viertel, als Michael Jackson 1995 einen Video-Clip zu seinem Song „They don’t care about us“ aufnahm (hier auf Youtube ansehen). Unterstützt und begleitet wurde er von Tänzern und Trommlern der dortigen Kulturorganisation Olodum, die sich für die Rechte von Schwarzen einsetzt.

Neben der Altstadt mit ihren etwa 800 gut erhaltenen Gebäuden aus der Zeit des 17. bis 19. Jahrhunderts ist auch der Aufzug Elevador Lacerda von 1873 sehenswert, der an die Aufzüge in Lissabon erinnert und die Ober- mit der Unterstadt verbindet.

Der Karneval in Salvador ist mit dem Karneval in Rio der bedeutsamste Straßenkarneval der Welt und dauert sechs Tage – und sechs Nächte. Laut Guinness-Buch der Rekorde ist er mit rund 2,7 Millionen Feiernden sogar das größte Volksfest der Welt.

Bällchen mit Garnelen
Leckere Acarajé © Jose Augusto, Adobe

Die bahianische Küche ist ebenfalls stark afrikanisch geprägt und bedient sich der Zutaten aus der Region.

Tipp von Adriana aus Salvador: Unbedingt probieren sollten Sie die in Dendé-Öl frittierten Bällchen Acarajé, z. B. mit Garnelen, scharf oder auch sehr scharf ;).

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8. Lençóis Maranhenses, zum Baden in die Wüste

Dünenlandschaft mit grünen Lagunen
Endlose Dünen und Lagunen © Julius Dadalti, Wikipedia
Palmen am See in der Wüste
Palmen am See © Julio Cesar Goncalves Corrêa, Wikimedia

Der einzigartige Nationalpark Lençóis Maranhenses (Bettlaken von Maranhão) ist ein riesiges, beeindruckendes Dünengebiet im Norden, an der Küste des Bundesstaats Maranhão. Bis zu 40 Meter hohe, feste und wandernde Dünen erstrecken sich 40 km ins Landesinnere, bis sie dort an Mangrovenwälder stoßen. Und dazwischen liegen kleine von Regenwasser gespeiste Seen und Lagunen, in denen sich sogar Fische tummeln. Mancherorts wachsen einsame Palmen an den Seen, ansonsten ist weit und breit nur weißer, feiner Sand bis zum Horizont zu sehen. Oder der atlantische Ozean, dessen starke Winde diese Dünen geschaffen haben.

Tipp: Ein guter Ausgangsort von Touren in den Nationalpark ist Barreirinhas. Von dort aus können Sie einem Linienschiff oder einem Bootstaxi z.B. an die Küste nach Caburé und Atins gelangen.

9. Chapada Diamantina, Wasserfälle und Höhlenmalereien

Weiter Blick über zerklüftete Berge
Chapada Diamantina © Cleide Isabel, Wikipedia

Diese Hochebene der Diamanten im Herzen des Bundesstaats Bahia wurde nach den riesigen Diamantfunden benannt. Lange Zeit wurden nur weiße Diamanten gefunden, aber um 1840 auch erstmalig schwarze Diamanten, das härteste Mineral der Welt. Damit wurden später auch der Bau des Suezkanals und der ersten U-Bahn-Tunnels ermöglicht. Seit der Einrichtung als Naturschutzgebiet werden hier allerdings keine Diamanten mehr geschürft.

Heute ist die zerklüftete Gebirgsregion mit Hochplateaus, tiefen Canyons, üppiger Vegetation, Gebirgsbächen und tosenden Wasserfällen ein beliebtes Wandergebiet. Hier entspringen fast alle Flüsse des Paraguaçu-, Jacuípe– und Rio de Contas-Beckens. Diese gleiten in wunderschönen Sturzbächen über das Gelände, stürzen sich in sprudelnde Wasserfälle und bilden transparente natürliche Becken.

Wasserfall zerstäubt
Cachoeira da Fumaca © Raphael, Adobe

Cachoeira da Fumaca ist einer dieser spektakulären Wasserfälle der Region. Der Fall dieser höchsten Kaskade Brasiliens ist so hoch, dass sich das Wasser zerstäubt und sie auch den Namen „Wasserfalls des Rauchs“ trägt.

In der Region gibt es auch zahlreiche Höhlensysteme, die von den Flüssen gebildet werden. Die Gruta da Lapa Doce ist mit 24 Kilometern die fünftgrößte Höhle Brasiliens. Und in einigen gibt es Höhlenmalereien, die noch kaum erforscht sind. Vielleicht entdecken Sie ja auch u. a. Pumas, Jaguare, Gürteltiere oder Riesen-Ameisenbären, sie gehören hier zu den geschützten Arten.

Tipp: Der Ort Lençois mit vielen liebevoll restaurierten Kolonialhäusern in der Nähe bietet die meisten Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten für Wandertouristen.

10. Bonito in Mato Grosso do Sul mit den klarsten Flüssen der Welt

Stufenartiger Wasserfall im Wald
Boca da Onça Wasserfall © Hudson Garcia
Schnorcheltaucher in klarem grünen See im Wald
Tauchen im natürlichen Aquarium © Hudson Garcia

Die Stadt im Pantanal ist Ausgangspunkt für Fahrten in den Nationalpark Serra da Bodoquena. Bonito liegt mitten in der Region, die wegen des intensiven Blaus ihrer Gewässer auch die Karibik des Mitte-Westens genannt wird. Aufgrund des hohen Kalkgehalts des Bodens wird das Wasser der Flüsse sehr stark gefiltert. Deshalb gehören die Flüsse in der Gegend zu den klarsten der Welt. Eine ganze Reihe von Fisch- und Pflanzenarten haben sich an die kalkhaltige Umgebung angepasst, so dass es in den Flüssen von Leben nur so wimmelt. Bonito setzt auf Ökotourismus und begrenzt die Anzahl der Touristen, die in der Stadt erlaubt sind. Dadurch soll der natürliche Zustand und die Schönheit der Landschaft erhalten bleiben.

Taucher im Fluss
Tauchen im klaren Wasser des Rio da Prata © Marcelo Gil

Sehenswert sind dort vor allem die Abismo Anhumas, eine 72 Meter tiefe Höhle mit einem 80 Meter tiefen, kristallklaren See, der die Größe eines Fußballfeldes hat und einige der größten Unterwasserstalagmiten der Welt. Oder der Rio da Prata (Silberfluss) mit kristallklarem Wasser, umgeben von Wäldern mit dicken Lianen und mächtigen Wurzeln. Es gibt auch einen Klettergarten, den Circuito Arvorismo, eine Baumwipfeltour durch einen Mahagoniwald in 10 bis 20 Metern Höhe.

Und die Gruta do Lago Azul (Höhle des Blauen Sees), eine Höhle, die mit einer Tiefe von 100 Metern und einem 90 Meter tiefen, blauem See eine der größten gefluteten Höhlen der Welt ist.

Hinkommen: Bonito verfügt über einen Regionalflughafen und ist 300 Kilometer vom internationalen Flughafen Campo Grande entfernt.

11. Die schönsten Strände in Brasilien

Genipabu © Kastianz , Shutterstock

An der unendlich langen Küstenlinie am Atlantik gibt es so viele Strände und Strandabschnitte, dass man sie kaum zählen kann. Ganz im Norden rund um das Mündungsgebiet des Amazonas sind die Strände von Mangrovenwäldern gesäumt, weiter südlich finden Sie grandiose Dünenlandschaften mit Seen wie die beschriebenen Lençois Maranhenses undetwas weiter östlich auch das Delta do Parnaíba in Piauí. In Genipabu können Sie mit Buggies durch die Dünen rasen oder bei der beliebten Sportart esquibunda mit einem Holzbrett über die Dünen ins Meer rutschen.

Grünweiße Kapelle am Strand, dahinter Palmen
Praia dos Carneiros bei Tamandaré © Shutterstock
Bott mit buntem Dreieckssegel
Lagoa do Paraíso bei Jericoacoara © Fred Cardoso, Shutterstock

Weiter südlich im Nordosten (Nordeste genannt, ausgesprochen Nordeschtschi) herrscht Karibikfeeling.

In São Miguel dos Milagres, am Praia dos Carneiros bei Tamandaré oder rund um Maceió finden Sie einige der schönsten Strände des Landes, feiner weißer Sand gesäumt von Kokospalmen, wie z.B. der Ilha de Santo André in Bahia (Tipp von Marina).

Sandstrand vor steil aufragenden Felsen
Baía dos Golfinhos bei Pipa © Nancy van den Ende, Shutterstock
Strand mit Booten und Palmen
Praia do Forte bei Mata de São João © Vitoriano Junior, Shutterstock

Bei Salvador empfiehlt sich ein Ausflug an den Praia de Itapua mit Hippiefeeling oder weiter südlich an den Praia Brava in Armação dos Búzios, kurz vor Rio.

Dann natürlich die Strände in Rio oder bei São Salvador oder die Surfstrände um Florianópolis … bei dieser Auswahl dürften Sie Ihren Lieblingsstrand bestimmt entdecken!

Bergige Küste mit einzelnen Häusern
Praia Brava bei Armação de Búzios © Rodrigo S. Coelho, Shutterstock
Blick auf Meer und Inseln
Praia de Juquehy bei São Sebastião © Luciano Spagnol Ribeiro, Shutterstock

12. Pantanal, die größte Feuchtsavanne der Erde

Luftaufnahme des Sumpfgebietes
Seen, wohin das Auge reicht ... © Lucas Leuzinger, Shutterstock
Kaiman im Sumpfgebiet
Kaiman am Ufer © Flavio Andre - MTur
3 Personen im Kanu
Mit dem Kanu das Sumpfgebiet erfahren © Hakat, Shutterstock

Seen, Bäume, Sträucher, Wiesen … und wieder Wasser, Teiche und Seen, soweit das Auge reicht. Und auf dem Wasser riesengroße Victoria-Seerosen! Das Pantanal (pântano= Sumpf), etwa halb so groß wie Deutschland, ist eins der letzten Paradiese der Erde. Noch zu großen Teilen unerforscht, bildet es ein wichtiges Rückzugsgebiet für eine ungeheure Vielfalt an Tieren und beherbergt mehr als 1.700 verschiedene Pflanzenarten. Auf angebotenen Schiffstouren durch das Pantanal  können Sie diese faszinierende Fauna und Flora entdecken, wie zum Beispiel verspielte Riesenfischotter, auf Sandbänken sonnende Kaimane (hier gibt es Millionen davon) Tapire, große Brüllaffen, Ameisenbären, Pumas und Tausende von Vögeln! Und wenn Sie Glück haben, sehen Sie auch einen Jaguar. Die werden hier so groß wie nirgendwo sonst auf der Welt! Vielleicht entdecken Sie auch die bis zu 70 Kilogramm schwer werdenden Capybaras, die an riesige Meerschweinchen auf langen Beinen erinnern. Das kann man kaum beschreiben, man muss es erleben!

Hinkommen: In der Nähe liegt der internationale Flughafen Cuiabá. Von dort gelangen Sie mit dem Mietwagen oder dem Bus ins Pantanal nach Poconé, Cáceres und Barão do Melgaço-

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13. Olinda, eine der am besten erhaltenen Kolonialstädte Brasiliens

Blick auf alte Stadt, rote Dächer mit Kirche vor türkisgrünem Meer
Olinda, eine der besterhaltenen Kolonialstädte © Renato, Adobe
Straße mit Kopfsteinpflaster und alten, bunten Häusern
Rua do Bom Jesus in der Altstadt von Recife, nur 6 km entfernt © Marcio, Adobe

„Ó, linda …“, (Oh, wie schön) soll Capitão Duarte Coelho – oder auch einer seiner Soldaten – ausgerufen haben, als sie diese Gegend erblickten, 35 Jahre nach der „Entdeckung“ Brasiliens durch die Portugiesen. Historiker zweifeln diese Legende zwar an und meinen, dass eher eine derzeit beliebte Romanfigur, Olinda, die Namensgeberin der Stadt gewesen wäre.
Wie dem auch sein mag, Olinda ist die drittälteste Stadt des Landes, 1535 gegründet und von großer Bedeutung für die Geschichte Brasiliens. Daher finden Sie hier die ältesten barocken Kirchen, eine wunderschöne Altstadt mit vielen kolonialen Bauten, herrschaftliche Villen mit maurischen Balkonen und portugiesischen Azuleijos. Weiterhin eine Vielzahl von barocken Kirchen aus dem 16. und 17. Jh., wie die Basilika São Pedro, die Kirche Sé do Salvador, das Kloster São Francisco und auch die Kirche Rosário dos Pretos, die erste Kirche in Brasilien, die einer schwarzen Bruderschaft angehört.

Zur damaligen Zeit war Olinda die reichste Stadt des kolonialen Brasiliens, wie der Schriftsteller Pero de Magalhães Gândavo berichtete. Er bezeichnete sie aufgrund der Opulenz, die nur mit der des portugiesischen Hofes vergleichbar war, sogar als „kleines Lissabon“.

1630 wurde Olinda durch die Niederländer erobert und für einige Zeit besetzt. Bevor sie sich aber wieder wegen der Gegenangriffe der Portugiesen in das nur 6 km entfernte Recife zurückziehen mussten, plünderten sie die Stadt und legten sie teilweise in Brand. Dennoch blieben einige der schönsten Sehenswürdigkeiten erhalten und so ist Olinda neben Ouro Preto heute ein Juwel barocker Architektur, ein einziges Museum unter freiem Himmel. Seit 1982 ist die Stadt auch UNESCO-Welterbe.

Bekannt ist Olinda zudem für seinen bunten Straßenkarneval mit Frevotänzen.

Hinkommen: der Internationale Flughafen Recife ist nur wenige Kilometer entfernt.

14. Megacity São Paulo, das Wirtschaftszentrum

Blick auf riesige Drahtseilbrücke und Hochhäuser
Ponte Estaiada in São Paulo © Flavio França, Adobe

„Die ganze Welt in einer Stadt“, erzählt Marina begeistert; „Cheio!“ (voll) stöhnt andererseits Roberto über seine Heimatstadt. Aber beides ist nicht weiter verwunderlich, denn São Paulo ist die Stadt mit dem größten Zuzug von Einwanderern. Die Einwohnerzahl der Metropole hat sich innerhalb der letzten 40 Jahre verdoppelt, auf heute über 12 Millionen. So ist São Paulo inzwischen die größte Stadt Brasiliens, Südamerikas und zugleich die größte der südlichen Hemisphäre und der wirtschaftliche Motor des Landes. Schätzungen zufolge sollen alle 10 Minuten eine neue Veranstaltung in São Paulo stattfinden.

Und so finden Sie hier aber auch das vielfältigste gastronomische Angebot, erstklassige Museen und architektonische Highlights wie die Bauten von Oscar Niemeyer. Der Architekt mit deutschen Wurzeln baute u. a. das Copan, das größte Wohnhaus der Welt mit ca. 5000 Bewohnern. Bekannt ist er vorwiegend für die Entwürfe für alle öffentlichen Gebäude der brasilianischen Planhauptstadt Brasília zwischen 1957 und 1964.

Eins der markantesten Bauwerke der Metropole ist die gigantische Brücke Octávio Farias de Oliveira, benannt nach dem Gründer der einflussreichsten brasilianischen Zeitungsgruppe Grupo Folha. Meist wird sie aber einfach nur „Ponte Estaiada“ (Schrägseilbrücke) genannt.

Hinkommen: von Frankfurt am Main aus gibt es Direktflüge nach São Paulo .

15. Florianópolis, das „Ibiza“ Brasiliens

Brücke im Abendlicht
Hercílio-Luz-Brücke, die längste Hängebrücke Brasiliens verbindet Florianópolis mit dem Festland © Fotos GE, Adobe
Praia do Campeche bei Florianópolis © Marcos Campos, Shutterstock

Floripa, so sagt Maryna zu der Stadt, in der sie aufgewachsen ist, ist einfach paradiesisch. Größtenteils liegt sie auf einer durch Brücken mit dem Festland verbundenen vorgelagerten Insel im Atlantik. Mit 42 Stränden und guten Wellen gilt sie auch als Surferparadies. Und mit seinen unzähligen Clubs und Bars ist es als „Ibiza Brasiliens“ bekannt. 2009 bezeichnete die New York Times Floripa als die „Party Destination of the Year“ mit einer Mischung aus St.-Tropez und Ibiza, aber ohne Schickeria und überhöhten Preisen. Floripa gilt auch als die südamerikanische Hauptstadt der elektronischen Musik – jeden Sonntag gibt es Partys am Strand.

Die Aussicht auf der ganzen Insel ist atemberaubend, es gibt viel Grün sowie zahlreiche Wanderwege und Sportmöglichkeiten. Im Süden der Insel liegen Praia do Campeche und Armação, von wo aus Boote zur Ilha do Campeche ablegen. Die Insel wurde als archäologisches und landschaftliches Erbe eingestuft und neben zahlreichen Felsgravuren lockt dort ein Strand, der mit seinem kristallklaren Wasser denen in der Karibik würdig ist. Im Süden befindet sich der beliebte Surfer-Hotspot Praia do Matadeiro.

Hinkommen: Florianópolis wird täglich von São Paulo aus angeflogen.

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16. Ilhabela, 300 Wasserfälle und versteckte Buchten

Strand mit blauweißen Booten
Praia do Bonete auf Ilhabela © Pedro de Campos, Adobe

Ilhabela (schöne Insel) liegt vor der Küste zwischen Rio de Janeiro und São Paulo und ist eine der größten brasilianischen Inseln. Weiße Sandstrände, dichter Urwald, massive, knapp 1.400 Meter hohe Berggipfel und über 300 Wasserfälle machen die Insel zu einem äußerst beliebten Reiseziel für Urlauber aus der Gegend. Dennoch konnte die Insel ihre Schönheit bewahren, etwa 85% von Ilhabela stehen unter Naturschutz. Die meisten Wasserfälle sind relativ einfach zu erreichen, unten erwartet Sie ein herrliches Bad in den natürlichen Schwimmbecken.

Große Hotels sind selten auf Ilhabela, dafür finden Sie viele kleine Hostels und Pousadas (Pensionen). Diese befinden sich fast alle an der Westküste der Insel, wo auch Vila, der Hauptort von Ilhabela, liegt. Die Insel ist nur mit Fähren vom 4 km entfernten São Sebastião auf dem Festland aus zu erreichen.

Früher war die Insel ein Piratennest, denn die zerklüfteten Kaps an der Ostküste waren für Unkundige schwierig zu befahren, viele Schiffe versanken vor der Küste. Wie auch 1914 das spanische Luxusschiff „Príncipe de Asturias“, fünf Minuten nach einer Kollision mit einem vorgelagerten Felsen. Dieser Schiffbruch ist auch bekannt als „die brasilianische Titanic“. Für Taucher wiederum sind die vielen, öffentlich zugänglichen Schiffswracks ein begehrtes Ziel.

Tipp: Laut Jana aus Berlin ist der Wasserfall Paquetá der mit der schönsten Aussicht, aber der Weg dorthin nicht ganz ungefährlich. Die schönste Bucht mit Strand ist für sie der Praia do Bonete. Dorthin geht es nur mit dem Boot. Alternativ zu Fuß, aber das ist schon ziemlich weit. Ein kleiner Wermutstropfen sind allerdings die vielen Borrachudos, Mücken, die einen ständig umschwirren.

17. Inhotim, das größte Freilichtmuseum der Welt

Bunte einzelstehende Mauern
Objekte von Hélio Oiticica © Otávio Nogueira, Wikipedia
Skulpturen von Edgard de Souza, "Kopfschmerz" © Josep, Wikipedia

Das Institut Inhotim beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Brasilien, ein Kunstparadies zum Anfassen und Staunen.

Etwa eineinhalb Stunden von der brasilianischen Millionenstadt Belo Horizonte entfernt liegt diese Mischung aus botanischem Garten und Kunstzentrum. 23 Pavillons internationaler Künstler, über 20 Skulpturen und Installationen betten sich ein in eine sattgrüne Landschaft mit tropischem Dickicht, türkisfarbenen Teichen und botanischen Gärten. Gründer des Kunstparks ist Bernando Paz, ein einstiger Stahlmagnat, der in den 1970er-Jahren zu den reichsten Unternehmern Brasiliens zählte. „Inhotim ist kein Museum, es ist eine Lebensphilosophie“, sagt er. Und immer wieder überraschend, denn alle zwei Jahre werden die Sammlungen ausgetauscht. Sie werden nahezu zwei Tage brauchen, um das gesamte Gelände und alle Kunstwerke der Créme de la créme internationaler Gegenwartskunst zu erkunden.

Tipp: Probieren Sie in Minas Gerais unbedingt die köstlichen pão de queijo, kleine Käsebällchen. Es gibt sie zwar überall in Brasilien, aber hier wurden sie erfunden und sind laut Marina die besten!

18. Blumenau mit dem größten Oktoberfest außerhalb von München

Fachwerkhaus
Haus Moellmann in Blumenau © Marinelson Almeida, Flickr

„In den Süden von Brasilien, vor allem in die Stadt Blumenau, sollte man nicht kommen, wenn man die Fremde erleben will“ scherzt Silvio Nascimento, der Präsident von Embratur. Man würde sich dort wie zu Hause fühlen. Denn in Blumenau wird noch viel Deutsch gesprochen und mit über 600.000 Besuchern das größte Oktoberfest außerhalb von München gefeiert! Natürlich mit dem obligatorischen Maibaum. Und ganzjährig bieten einige Restaurants auch Eisbein mit Sauerkraut, Hackepeter oder Schweinemedallions mit Spätzle an.

Die Stadt wurde nämlich 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung des Apothekers Hermann Blumenau in der damaligen Provinz Santa Catarina gegründet. Sie ist neben Joinville und Brusque eines der drei Zentren der deutschen Kolonisation in Santa Catarina. Die bei vielen Besuchern beliebten Fachwerkhäuser (z. B. Prefeitura Municipal, Casa Moellmann, ein vergrößerter Nachbau des 1484 erbauten Rathauses von Michelstadt im Odenwald in Hessen) stammen allerdings meist aus neuerer Zeit. Zudem handelt es sich bei den meisten moderneren Gebäuden nicht um „echtes“ Fachwerk, sondern um rein optische Dekorationen der Fassaden der Betonbauten im „Fachwerk-Look“. Überhaupt ist dann doch vieles mit Anführungszeichen zu verstehen, erzählt Solange aus Blumenau. So echt „deutsch“ sei sie dann doch nicht. Dann schon eher in der benachbarten, kleineren Stadt Pomerode. Dort sei die deutsche Kultur dann doch noch präsenter, da noch über 90 % der Einwohner deutschstämmig sind. Greifswald und Torgelow sind übrigens seit 2005 Partnerstädte.

Tipp: Immerhin wird aber in einer kleinen Brauerei in Blumenau ein international ausgezeichnetes Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, es heißt „Eisenbahn“! Und schmeckt „ótimo“, urteilt Solange über das Bier, „spitzenmäßig!“

19. Belém, die Stadt der Mangobäume

Markthalle, Boote am Kai
Der Fischmarkt in Belém mit der Markthalle "Ver o Peso" © Cayambe, Wikipedia

Belém im Norden liegt etwas abseits der Touristenrouten, lohnt aber dennoch einen Besuch. Den von Mangobäumen gesäumten Straßen der Innenstadt verdankt die Stadt den Beinamen „cidade das mangueiras“ (Stadt der Mangobäume). Sehenswert sind die Prachtbauten wie etwa das Teatro da Paz von 1878, der Palácio Antônio Lemos, der Palácio Lauro Sodré oderdas Colégio Gentil Bitencourt. Sie zeugen vom Reichtum der Stadt durch den damaligen Kautschukboom gegen Ende des 19. Jh.
Und auch ein Besuch des Fisch- und Gemüsemarktes Ver-o-Peso, (Sieh auf das Gewicht) lohnt sich! Vor allem frühmorgens, wenn die Boote entladen werden, denn die Vielfalt der amazonischen Fischarten ist beeindruckend! Die gusseiserne Konstruktion von 1901, die an Markthallen in Frankreich, Spanien und Portugal erinnert, wurde von Henrique la Roque entworfen.
Belém war lange Zeit stark mit portugiesischem Belém verbunden (heute ein Stadtteil von Lissabon, vielleicht sagen Ihnen auch die köstlichen Pasteis de Belém etwas) und hat sich erst 1823, ein Jahr nach der brasilianischen Unabhängigkeitserklärung dem Kaiserreich Brasilien angeschlossen.

Tipp: Hier sollten Sie auch unbedingt die Küche der Region probieren, die viel von den indigenen Stämmen übernommen hat, wie z. B. Maniçoba, das etwas an unsere Grünkohl-Gerichte erinnert oder die vielen Gerichte mit gelber Tucupi-Sauce, die aus dem Saft der Maniokwurzel gewonnen wird. Und als Nachtisch probieren Sie am besten das derzeit bei uns als Superfood gehypte Açaí.

20. Estrada Real, die historische Route

Gasse mit Kopfsteinplaster und niedrigen Häusern
Die Gässchen von Tiradentes © jptinoco, Adobe

Wenn Sie die wichtigsten Orte der portugiesischen Kolonialgeschichte entdecken möchten, sind Sie auf der etwa 1.600 km langen Estrada Real (Königsstraße) richtig. Sie wurde ab 1697 angelegt, um die Bodenschätze, Gold und Diamanten vor allem aus dem Gebiet Minas Gerais (allgemeine Minen) sicher an die Küste nach Rio de Janeiro und Paraty zu transportieren und nach Portugal zu exportieren. Dieses Straßennetz führte in der Folge zu florierenden Städten entlang der Straßen mit prunkvollen Bauten von Villen, Barockkirchen und Regierungsgebäuden. Die Estrada Real beginnt in Diamantina und schlängelt sich in mehreren Abschnitten durch sehenswerte historische Orte. Zum Beispiel Ouro Preto, Mariana, Tiradentes, São João Del Rei, Catas Altas bis nach Paraty oder Rio. Zu den wichtigsten Routen (Caminhas) der Estrada Real gehören der Caminho Velho, der Caminho Novo, der Caminho dos Diamantes und der Caminho do Sabarabuçu. Auf allen Wegen gibt es zahlreiche traditionelle Restaurants, in denen das Essen noch im Holzofen zubereitet wird. An den Routen können Sie auch zelten oder in den Häusern von Einheimischen übernachten.

Alle Caminhas können bequem mit dem Mietwagen, alternativ zu Fuß, mit dem Fahrrad oder sogar mit Pferden bereist werden.

Und noch ein paar Worte zur brasilianischen Musik …

Samba (Mais que nada) und Bossa Nova (Girl from Ipanema) sind die bekannteste Musikrichtungen in Brasilien. Die Bossa-Nova-Musiker begriffen ihren Stil als betont urbane, intellektuelle und „coole“ Weiterentwicklung älterer Formen des Samba.

Aber daneben existieren viele andere Musikstile wie die Música sertaneja, die etwa den amerikanischen Countrysongs entspricht. Oder Samba Reggae aus Bahia. Und Forro, dessen Name aus der englischen Bezeichnung „for all“ entstanden sein soll, als ins Land geholte englische Arbeiter das Schienennetz in Brasilien installierten und sich abends dem Vergnügen hingeben, tanzen wollten und so einen Musik- und Tanzstil „für alle“ etablierten. Am Wichtigsten ist wohl aber die musica popular brasileira, kurz MPB die in etwa unserem Pop-Stil entspricht. Im Gegensatz zu uns ist sie jedoch bei allen sozialen Schichten und Altersgruppen beliebt.

MPB ist für die Brasilianer „nossa música“ (unsere Musik), und eng mit dem kulturellen und nationalen Selbstverständnis verbunden.

Bedeutendste Vertreter:innen sind u.a. Chico Buarque, Caetano Veloso, Alçeu Valenca, Maria Bethânia oder in jüngerer Zeit Marisa Monte, Adriana Calcanhotto, Rubel oder Duda Beat, um nur einige zu nennen. Bemerkenswert sind auch die Soul und R&B-Erfolge der transsexuellen Singer/Songwriterin Liniker. Nicht selten verzeichnen die Songs und Videos dieser Musiker auf Youtube zig-Millionen Aufrufe.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Beschreibungen, Tipps und Empfehlungen einen kleinen Einblick in dieses absolut faszinierende Land Brasilien gegeben haben zu können und wünschen Ihnen viel Vergnügen auf Ihrer Reise!

Siegbert Mattheis

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