Calçotada – Zwiebelfest in Katalonien

Der köstliche Duft von angebratenen Zwiebeln liegt in der Luft. Rauchschwaden ziehen träge durch die Gassen. Unter das Stimmengewirr und Lachen mischt sich das Knistern von brennenden Zeigen. Es ist Zwiebelfest, Calçotada in der katalanischen Stadt Valls.

Calçots auf dem Grill © nito, Fotolia

Calçots – über 150 Jahre alt

Hier in Valls, einem Ort in der Nähe von Tarragona, soll vor über 150 Jahren dem Bauern Xat de Benaiges einmal ein Bund lauchähnliche Frühlingszwiebeln ins offene Feuer gerutscht sein. Zu schade, um die Zwiebeln einfach verbrennen zu lassen, fischte er sie aus dem Feuer, zog die verkohlte oberste Schicht ab, biss in den warmen Stengel hinein – und war begeistert vom zarten Geschmack.

Er beschloss, eine etwas andere Anbaumethode zu versuchen und steckte die Knollen von bereits geernteten Zwiebeln wieder in die Erde. Durch die Erde wuchs die weiße Zwiebel weiter, ohne dass der essbare Teil grün wurde.

Aus diesen Trieben entstanden wiederum Zwiebeln, aber mit einem weitaus feineren Geschmack, die Calçots.

Weibliche Unterhosen

Der Name Calçots kommt ursprünglich vom katalanischen Wort „calçar“, was „anziehen“ bedeutet oder auch dem Wort für Hosen, „calças“, womit vor allem weibliche Unterhosen gemeint sind.

Calçotada – das Fest 

Früher aß man diese Spezialität zu Hause oder auf dem Camps, dem Feld mit der Familie und Freunden. 1982 wurde in Valls daraus ein Fest auf der Straße, die Calçotada war geboren und findet seitdem im Januar und im Frühjahr statt.

Die Calçots werden zu Bündeln geschnürt © Adam Gregor, Fotolia

Heute pilgern über 400.000 Touristen aus aller Welt in den Ort, um mit den Einwohnern zu feiern und massenhaft Calçots zu verspeisen. Dabei werden die Zwiebeln auf einem großen Rost über offenem Feuer – idealerweise aus altem Rebholz – gegrillt, bis sie angekohlt und schwarz sind. Zum Abkühlen werden sie dann in Zeitungspapier eingewickelt.

Anschließend werden sie stilgerecht auf halbrunden Dachziegeln serviert. Gegessen werden die Calçots aus der Hand ohne Besteck. Man hält sie an den verbliebenen inneren Blättern fest und streift mit der anderen Hand die schwarzgebrannte Haut ab. Anschließend wird das saftige Innere der Zwiebel in eine würzige Salsa Romesco oder Salvitxada getunkt. Die Saucen bestehen aus einer im Mörser zerstoßenen und angerührten braunroten Paste aus Mandeln, Haselnüssen, Paprika- und Chilischoten, Tomaten, Knoblauch, Weinessig und Olivenöl, wobei jeder das Rezept auch gerne etwas variiert und es sogar Streitereien über das beste Rezept geben soll. Die Salsa Salvitxada hat in der Regel einen geringeren Anteil an Tomaten, dafür mehr Paprika.

Salvitxada-Sauce mit Calçots © nito, Fotolia

Bedruckte Lätzchen

Da das Schälen der Zwiebeln zwangsläufig zu schwarzen Fingern führt und Kleckern beim Eintunken in die Sauce unvermeidbar ist, gehört es zur Tradition, sich beim Essen mit einem Lätzchen zu schützen. Diese werden oft von Restaurants oder Unternehmen verteilt, natürlich mit entsprechender Werbebotschaft. Die katalanische Spezialität ist mittlerweile so beliebt, dass sie auch in Restaurants und auf anderen Straßenfesten verzehrt wird.

300 Zwiebeln in 45 Minuten

Besonders Mutige und solche mit einem resistenten Magen nehmen bei der Calçotada auch an einem Wettbewerb teil. Wer in 45 Minuten die meisten Calçots in sich hineinstopft, geht als Sieger hervor. Der Rekord liegt bei 300 Calçots, das entspricht etwa einem Gewicht von 3,8 kg!

Selbstverständlich werden bei diesem Fest nicht nur die Zwiebeln verspeist, man grillt auf der verbleibenden Glut Kotelett, Blutwurst und Lammfleisch und isst dazu geröstetes Brot,  Artischocken und Bohnen.

Rotwein aus dem Porró oder Cava 

Das typische Getränk dazu ist katalanischer Rotwein, gerne aus dem Porró, einem Trinkgefäß mit einem trichterförmigen Schnabel. Man legt dazu den Kopf in den Nacken und lässt den dünnen Strahl aus dem Trinkrohr in den Mund schießen. So kann man den Wein herumreichen, ohne dass jemand das Trinkgefäß mit dem Mund berühren muss.

Eleganter ist es natürlich, einen gekühlten Cava aus einem Champagnerglas dazu zu trinken.

Siegbert Mattheis

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