Was sind baskische Pintxos? Und was hat Rita Hayworth damit zu tun?

5/5 (16)

Pintxos ist die baskische Bezeichnung für kleine Häppchen, die mit Zahnstochern normalerweise auf einem kleinen Stück Brot aufgespießt sind (bask. pintxos oder span. pinchos bedeutet Spieß, die Aussprache ist Pintschoss). Pintxos werden zu einem Getränk, typischerweise als Aperitif zu einem Glas Rot- oder Weißwein (genannt Txikito) oder Zurito, ein kleines Glas mit einem halben Rohrbier verzehrt.

Pintxos sind mehr als Tapas

In baskischen und nordspanischen Bars und Restaurants findet ihr Pintxos in einer vielfältigen Auswahl. Im Unterschied zu den in ganz Spanien verbreiteten Tapas sind es raffinierte kleine kulinarische Kunstwerke aus verschiedene Zutaten, die mit dem Spießchen zusammengehalten werden. Oft bekommt ihr sie sogar als anspruchsvolle Mini-Gerichte. Da braucht es manchmal auch etwas mehr Zeit, sie zuzubereiten.

Pintxos-Köstlichkeiten aufgereiht in einer Bar © Bilbao Turismo
Pintxos-Köstlichkeiten aufgereiht in einer Bar © Bilbao Turismo
Pintxos auf einer Theke, im Vordergrund Pintxos mit Olibven, Sardellen und Paprikaschote
Pintxos, im Vordergrund Gilda Pitxos © Bilbao Turismo
Kellner mit schwarzer Mütze zeigt Pintxos auf zwei Platten in einem Restaurant
Lassen Sie sich vom Kellner einen Teller geben und nehmen Sie ein Auswahl der leckeren Pintxos © Bilbao Turismo

Woraus bestehen typische Pintxos (oder Pinchos)?

Diese Mini-Leckereien werden aus so gut wie allen Zutaten hergestellt, die das Baskenland hergibt und die zu einem Glas Wein oder Bier passen. Zum Beispiel Sardellen auf Serrano-Schinken und Ziegenkäse, Glasaal auf mit gekochtem Ei gefüllter Zucchini; Seehecht, Thunfisch, Kabeljau, oder auch Kartoffelomelett, gefüllte Paprika, Kroketten uvm.

Wie bestellt man Pintxos?

Üblicherweise geht ihr einfach in einer Bar an die Theke und bittet die Kellner:innen oder Barkeeper:innen um einen Teller. Darauf stapelt ihr euch eine Auswahl der Pintxos, die üblicherweise auf der Theke stehen. Je nach Bar zeigt ihr entweder der Bedienung anschließend eure Auswahl, der sie dann abrechnet. Oder es werden euch einfach zum Schluss die Anzahl der übrig gebliebenen Zahnstocher berechnet. Früher hatte man die Zahnstocher nach dem Essen auf den Boden geworfen. Dem Kellner wurde anschließend die Anzahl der verzehrten Pintxos angesagt, die der dann in vollem Vertrauen auf die Korrektheit der Zahl so berechnete.

Warme Pintxos

Es gibt natürlich wie bei den spanischen Tapas auch warme Pintxos. Die stehen in der Regel nicht auf dem Tresen. Manche werden auch extra zubereitet und an einer Tafel angezeigt; diese bestellt ihr dann beim Kellner zusätzlich.

Anzeige

Le Creuset Kochuntensilien auf gartentotal

Anzeige

Was ist ein Gilda Pintxo?

Zum Gilda Pintxo gibt es eine  ungewöhnliche Hintergrundgeschichte. Er besteht aus einer aufgespießten Olive, einer eingelegten Sardelle und einer scharfen Peperoni. Den Namen gaben ihm die (männlichen) Spanier nach dem Hollywoodmelodram “Gilda” von 1946, in dem Rita Hayworth die Hauptfigur spielte. In dem erotischen Klassiker ist sie für ihren legendären Handschuh-Striptease berühmt. Da der Gilda Pintxo scharf und würzig schmeckt, ist es eine Hommage an die als “Liebesgöttin” verehrte Schauspielerin mit spanischen Wurzeln.

Olive, Sardelle und Peperoni auf einem Spieß
Ein Gilda Pintxo © Siegbert Mattheis
Rita Hayworth in glamouröser Pose mit Zigarette, Filmtitel Gilda
Filmplakat "Gilda" mit Rita Hayworth © Columbia Film

Gilda als Synonym für die Repression

Aber nicht nur das. Denn der Film löste in Spanien einen Skandal aus: Falangisten des Franco-Regimes beschmierten in Madrid die Gilda-Filmposter mit Farbe und die Kirche drohte jedem Zuschauer aufgrund der (in ihren Augen) unmoralischen Darstellungen des Films mit ewiger Verdammnis. So gelengte der Film auf der iberischen Halbinsel zu einem Synonym für die Repression, die die spanische Bevölkerung unter der Diktatur besonders während der 1940er Jahre erleiden musste. Vor allem der Protest der katholischen Kirche verlieh Gilda für die Spanier eine derart erotische Aura, dass alle überzeugt waren, dass sich Hayworth nach dem getanzten Song Put the Blame on Mame und dem Handschuh-Striptease komplett auszog …

Was ist ein Txikiteo?

Ein sowohl in Bilbao als auch in der Region Bizkaia tief verwurzelter Brauch ist der Txikiteo, bei dem ihr von Bar zu Bar zieht und euch bei einem lebhaften Gespräch das eine oder andere Glas Wein schmecken lässt. Der Name stammt von dem Gefäß, aus dem der Wein früher getrunken wurde: Durch dessen sehr dicken Boden und starken Wände passte wirklich nur eine kleine Menge hinein – man nannte es Txikito (kleines Glas Wein) und freute sich, dass man davon jede Menge trinken konnte 😉 .

Txikiteo ist also nichts anderes als einen Kneipentour – aber mit einer ganz besonderen baskischen Tradition. So gut wie jeder Ort in Bizkaia lädt zum Txikiteo ein. Oft gibt es sogar eine extra Route mit einem besonderen Ambiente, das sich bis auf die Straßen erstreckt. Mischt euch einfach unter die Menschen und genießt das typisch Baskische. Einen Txikiteo solltet ihr unbedingt einmal mitgemacht haben!

Durchstreift dafür am besten die Straßen im Altstadtviertel Casco Viejo, Deusto und die Straßen Calle Poza, Calle Ledesma, Calle García Rivero sowie Calle Diputación. Aber auch in den Orten im Landesinneren und an der Küste findet ihr sicher auf Anhieb die Straßen oder Gassen heraus, die diese authentische Atmosphäre bieten.

Die Hochburg der Pintxos ist übrigens die Stadt Donostia-San Sebastián. Dort und auch in anderen Orten wie Vitoria-Gasteiz oder natürlich Bilbao veranstalten regelmäßig Wettbewerbe, um die besten Pintxos der Region zu wählen.

Pintxos-Wettbewerbe

Beim Pintxos-Wettbewerb „Pintxo-Txapelketa“ in Bilbao dreht sich alles um die Kunst der Zubereitung dieser anspruchsvollen Happen im Miniaturformat. Er wird von Jahr zu Jahr immer gefragter und versteht sich als Spiegel der Kreativität, die man an den Küchenherden von Bizkaia an den Tag legt. Alle Regionen sind bestrebt, den besten kulinarischen Ausdruck zu finden, und wetteifern um den „Goldenen, Silbernen und Bronzenen Spieß“, der mittlerweile auch an das beste Lokal vergeben wird. Die Küche im Miniaturformat hat sich zu einem wahren Schauspiel entwickelt, die anderen kulinarischen Wettbewerben in nichts nachsteht.

Siegbert Mattheis

War dieser Beitrag hilfreich? Hat er euch gefallen?