Obst, Gemüse, Fisch, Handwerk, Küchenzubehör, Kleidung und lebende Nutztiere: Der Mittwochsmarkt in Sineu verbindet einen Einkaufsbummel mit Einblicken in Mallorcas ländliche Markttradition.
Wir hatten den Markt bei unserem allerersten Besuch 2011 (sehr) früh am Morgen besucht, Händler:innen kennengelernt, selbstgebackene Kekse probiert und auch Seiten des Tiermarkts erlebt, die uns nachdenklich gemacht haben.
Zunächst haben wir die wichtigsten und aktuellen Informationen für einen Besuch zusammengestellt. Danach könnt ihr gerne auch den Erfahrungsbericht aus unseren Besuchen lesen.
Wo liegt Sineu?
Die Kleinstadt Sineu mit heute etwa 4.500 Einwohner:innen liegt im Inselinneren von Mallorca. Sie war im Mittelalter Residenzstadt von König Jaume II., dem Sohn von Jaume I., der Mallorca 1229 von den Mauren zurückerobert hatte. Aus dieser Zeit ist der über 700 Jahre bestehende Mittwochsmarkt erhalten.
Wann findet der Bauernmarkt in Sineu statt?
- Der Wochenmarkt wird jeden Mittwoch von 8 bis 14 Uhr abgehalten.
- Die Stände werden meist schon ab 6:30 Uhr aufgebaut.
- Gegen 13:30 Uhr, oder sogar schon früher, wenn die Waren größtenteils schon abverkauft sind, wird mit dem Abbau begonnen.
Unsere Tipps:
- Am besten kommt ihr sehr früh, dann könnt ihr noch entspannt durch die Gassen und Markstände schlendern.
- Traditionellerweise strömen die Händler:innen nach dem Marktende in die Restaurants; dann kann es dort sehr voll werden. Geht also am besten schon vorher etwas essen 😉 .
- Aus unserer Erfahrung heraus kann man kurz vor dem Abbau der Stände manchmal mit einigen Händler:innen über die Preise verhandeln.
Seit wann gibt es den Markt in Sineu?
König Jaume II. von Mallorca verlieh Sineu im Jahr 1306 das „Privileg des Mercadal“. Als kurzzeitige Residenzstadt der mallorquinischen Könige hatte der Markt eine enorme strategische Bedeutung für die Versorgung der gesamten Insel. Vermutlich gab es jedoch einen ähnlichen Markt schon in der islamischen Epoche als arabischen „Suq al-arba’a“, übersetzt “Markt am Mittwoch”.
1366 bestätigte König Peter IV. dieses Marktprivileg erneut, nachdem er Mallorca mit dem Königreich Aragón vereinte.
Gibt es noch andere Märkte in Sineu?
Ja, es finden noch zwei weitere Märkte in Sineu statt:
- Der Maimarkt findet jeweils am 1. Sonntag im Mai statt.
- Die Fiera de Sant Tomàs wird jeweils Ende Dezember gefeiert.

Was ist das Besondere am Markt von Sineu?
Auf dem historischen Bauernmarkt werden Lebensmittel, Handwerk und Alltagswaren angeboten. Zudem ist es der einzige Markt auf Mallorca, auf dem noch mit lebenden Tieren gehandelt wird.
Er wird als „der authentischste Markt der Insel“ angepriesen, dementsprechend schieben sich schon ab etwa 10 Uhr morgens Busladungen von Urlauber:innen durch die Gassen der Altstadt.
Trotzdem ist er aber keine reine Show-Veranstaltung, sondern immer noch ein ländlicher Markt geblieben. Denn abseits der großen Souvenirstände sitzen nach wie vor die einheimischen Bauern und Bäuerinnen aus der Region an kleinen Holztischen und verkaufen ihre überschüssige Ernte, wie z.B. mallorquinische Tomaten (Tomàtigues de ramellet), Paprika, Oliven, Honig, Sobrassada-Wurst oder Ziegenkäse.
Welche Weinkeller lohnen sich?
Bei unserem allerersten Mal auf dem Markt sind wir im urigen Celler C’an Castanyer gelandet. Es war der einzige Weinkeller, in dem wir noch unser Essen (llonguets, mallorquinische bocadillos von einem Stand) selbst mitbringen und uns dazu Wein direkt aus den riesigen Fässern, die hier bòtes heißen, abfüllen lassen konnten.
War, denn der musste leider aber nach über 100 Jahren im November 2015 schließen, wie wir bei unserem nächsten Besuch erfahren mussten.
Wir sind dann im Celler Ca’n Font eingekehrt, wo wir sehr gut gegessen hatten.
- Celler Ca’n Font: Direkt an der Sa Plaça gelegen, öffnet das Restaurant mittwochs schon am Vormittag. Es ist der perfekte Anlaufpunkt, um sich mitten im Markttrubel bei herzhafter lokaler Küche zu stärken. Geöffnet ist für das Mittagsgeschäft bis ca. 16 Uhr.
- Celler Son Toreó: Am Mittwoch öffnet dieser altehrwürdige Keller ebenfalls bereits am Vormittag. Die Küche für warme Hauptgerichte startet dann gegen 13 Uhr, aber man kann vorher schon Wein und typisch mallorquinische Tapas wie Frit Mallorquí bekommen. Eine Reservierung ist mittwochs oft gar nicht möglich, denn es gilt: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Unsere Eindrücke vom Bauernmarkt
„Fahrt am besten ganz früh hin,“ hatten uns unsere mallorquinischen Freunde geraten, „bevor mittags die ganzen Touristenbusse kommen!“ Also stehen wir an diesem Mittwoch im Juni bereits um 6 Uhr bei schon strahlend blauem Himmel und ersten Sonnenstrahlen auf.
Gegen halb acht sind wir in Sineu. Das frühe Aufstehen wird schon dadurch belohnt, dass wir ohne Weiteres noch einen freien Parkplatz in einem der schmalen Gässchen finden.
Der Markt ist leicht zu finden, er befindet sich direkt auf dem Hauptplatz neben der Kirche. Wir folgen einfach den Einwohnern, die mit leeren Taschen und Einkaufskörben der Ortsmitte zustreben. Und bald verrät uns auch der Duft von frisch gebackenen Teigwaren und der süßlich-aromatische Duft von frischen Früchten in der Sonne, dass wir gleich am Ziel sein würden.

Auf dem etwa quadratischen Platz Sa Plaça sind die Händler noch dabei, ihre Stände aufzubauen. Kisten voller Obst, Gemüse, Käse und Keramikwaren stapeln sich, überall wird Hand angelegt. Noch herrscht konzentrierte Ruhe, nur gelegentlich durch einzelne Zurufe der Händler beim Standaufbau unterbrochen.
Uns zieht es zunächst weiter durch eine enge, gebogene Gasse an der Pfarrkirche vorbei. Die hohen Mauern rechts und links sind mit bunten Tüchern und gemusterten Stoffen zum Verkauf behängt.
Am großen Marktplatz unterhalb des Denkmals des Schutzpatron und Wappentier von Sineu, einem geflügelten Löwen, reiht sich Stand an Stand. Eine freundliche Marktfrau im gelben Kleid sortiert Halsketten sorgfältig nach Farben. Nebenan hängen zwei muskulöse junge Männer Ledertaschen und -beutel an ihren Stand.
Von weitem hören wir das Blöken eines Schafs. Das muss vom Tiermarkt auf dem großen Platz weiter unten kommen. Wir sind vorgewarnt worden, dies wäre nichts für Tierfreunde.
Was wir dort beobachten, fällt uns tatsächlich schwer anzusehen. Geflügel und andere Tiere sitzen in engen Drahtkäfigen, Küken in Pappkartons mit kleinen Löchern.
Hähne werden kopfüber in einen Sack gestülpt
Ein Hühnerzüchter mit glimmendem Zigarillo im Mund holt zwei Hähne aus einem Käfig in seinem Transporter, hält sie kopfüber an den Beinen und übergibt sie einer Kundin im blauen Kleid. Sie begutachtet die Tiere kritisch, hält jeden Hahn einzeln hoch und fühlt dessen Bauch. Einen gibt sie zurück und lässt sich einen anderen zeigen.
Bald wird sie sich mit dem Händler einig und kramt einen weißen Leinensack aus ihrer Tasche. Gemeinsam stecken sie die beiden sich heftig wehrenden Hähne mit den Köpfen zuerst hinein. Der Sack wird zugebunden, und die Frau zieht mit dem zuckenden Bündel davon.

Ein Schafhändler und ein anhängliches Lämmchen
Ein älterer Schafhändler mit rot bebändeltem Strohhut und weiß gerahmter modischer Sonnenbrille lässt zwei ausgewachsene Schafe frei herumlaufen. Ein kleines Lämmchen folgt ihm auf Schritt und Tritt und sieht erwartungsvoll zu ihm hoch. Der Händler schraubt lachend einen Nuckel auf eine mit Milch gefüllte Colaflasche und gibt ihm zu trinken. Ein Junge kommt neugierig dazu und hilft dabei.

Das Muttertier schnuppert neugierig an einem abgeschnittenen, halb skelettierten Widderkopf mit mächtigen Hörnern, der auf einer kleinen Mauer abgelegt wurde, entleert sich daneben, läuft blökend weiter und lässt sich anschließend von einigen Händlern streicheln, die gerade ihren Morgenplausch halten.
Hähne lassen ihre Hennen nicht im Stich
An der Stirnseite des Platzes stehen in einer kleinen offenen Halle einige Dutzend Käfige mit Hühnern unterschiedlichster Rassen, Tauben und anderen Vögeln. Oben auf jedem Hühnerkäfig sitzt ein Hahn, ohne angebunden zu sein.
Auf die Frage, ob sie denn nicht einfach wegfliegen würden, schmunzelt einer der Händler: „Oh nein, die lassen ihre Hennen nicht im Stich, die passen drauf auf! Da geht die Sicherheit der Familie vor der eigenen Freiheit!“.

Als ob er dies bekräftigen wolle, kräht einer der Hähne plötzlich lautstark los. Sofort antwortet ihm ein zweiter Hahn in der Nähe und gleich darauf ein dritter.
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Ein Café Cortado und zwei Halstücher
Uns wird es dann doch etwas zu laut. In der nahe gelegenen Bar C’an Castell bestellen wir einen café cortado und beobachten, wie inzwischen die meisten Stände fertig gebaut werden.
Nach der kleinen Stärkung fällt uns ein Schild an einem Stand für Stoffe und Tücher auf: „OFERTA POR CRISIS 3 €“. Darauf angesprochen, erwidert der Verkäufer lachend: „Na ja, wegen der Krise haben die Kunden alle kein Geld mehr. Jetzt muss ich die Tücher für die Hälfte verkaufen, sonst werde ich gar nichts mehr los.“ Wir kaufen ihm zwei Halstücher ab und wünschen ihm viel Erfolg für den heutigen Tag.
Selbstgebackene Kekse auf dem Bauernmarkt
Ein paar Stände weiter dürfen wir selbstgebackene Kekse probieren, ohne Konservierungs- oder Farbstoffe, einige sogar glutenfrei. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, von Mojito, Kokos, Lavendel, Orangenblüten bis hin zu karibischem Müsli.
Wir danken, verabschieden uns und schlendern weiter. Rechts und links in den Gassen wird so gut wie alles angeboten, Haushaltswaren neben Obst, Lederkoffer neben Schinken, Flamencokleidchen für 12 Euro neben Stockfisch und Modeschmuck neben Ziegenkäse oder katalanischen Wurst-Spezialitäten. Alles, was man so brauchen kann.
Anschließend schlendern wir wieder zum zentralen Platz Sa Plaça, setzen uns in ein Café und beobachten das lebendige Treiben. Die Luft ist lau, der Café con leche duftet, wir genießen die Atmosphäre, es ist herrlich!
Langsam füllt sich der Markt jetzt aber zunehmend mit Tourist:innen. Es wird Zeit für uns zu gehen.
Praktische Tipp und häufige Fragen
Die Marktstände verteilen sich auf den Kirchplatz, die Plaça des Fossar und mehrere Straßen in der Umgebung. Es handelt sich also nicht um einen Markt auf einem einzigen Platz.
Als Treffpunkt bietet sich Sa Plaça an, zum Beispiel beim Durchgang an der Ecke der Kirche. Das ist nicht zu verfehlen.
Mit der Bahnlinie T3 könnt ihr von Palma nach Sineu fahren. Die Verbindung verläuft von der Estació Intermodal in Palma in Richtung Manacor. Sineu ist eine Station zwischen Palma und Manacor.
Den offiziellen Überblick über Abfahrtszeiten etc. findet ihr unter der Seite von tib (Transports de les Illes Balears)
Bei unserem ersten Besuch fanden wir früh morgens einen Parkplatz in einer der schmalen Gassen. Das ist allerdings keine aktuelle Parkplatzempfehlung.
Einen großen, kostenlosen Parkplatz findet ihr (nur an den Markttagen) südöstlich der Stadt. Von da aus sind es zu Fuß nur 5 Minuten bis zum Markt. Allerdings ist die freie Fläche nicht befestigt und kann bei Regen etwas schlammig werden.
Als redaktionelle Empfehlung würden wir zwei bis drei Stunden für einen Rundgang mit kleinen Pausen einplanen. Wer in Ruhe einkaufen und anschließend etwas essen gehen möchte, kann sich einen ganzen Vormittag freihalten.
Das hängt auch davon ab, welche Marktbereiche ihr besucht. Lebensmittel- und Handwerksstände lassen sich mit einem gemeinsamen Bummel verbinden. Die von uns damals beobachteten Szenen am Tiermarkt können für Kinder aber evtl. belastend sein. Andererseits kann es für sie aber auch spannend sein, da man viele Tiere sonst selten so hautnah erleben oder auch streicheln kann.
Ja, Sineu ist mit der Bahnlinie T3 von Palma aus erreichbar. Prüft vor der Fahrt die aktuellen Abfahrtszeiten und Betriebshinweise bei TIB.
Wir wünschen euch viel Vergnügen bei eurem Besuch auf diesem wirklich außergewöhnlichen Markt!
Siegbert Mattheis
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.



















