Sizilianische Spezialitäten, die ihr mal probieren solltet

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An sich gibt es die sizilianische Küche nicht als solche. Denn jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten, bedingt durch unterschiedliche Eroberer. Griechen, Römer, Araber, Normannen, Bourbonen und Spanier hinterließen ihre eigenen kulinarischen Spuren.

Platte mit Caponata, Sardellen, Arancine
Sizilianische Spezialitäten ... © Siegbert Mattheis

Einfluss vieler Kulturen auf die sizilianische Küche

Die Griechen brachten Oliven, salzigen Ricotta, Honig und Wein auf die Insel. Die Römer nutzten Sizilien als ihre Kornkammer für den Anbau von Hartweizen. Die Araber führten Reis, Zitrusfrüchte, neuartige Gewürze, Zucker, Auberginen, Mandeln und die Herstellung von Marzipan und Eis ein. Von ihnen stammen eine Vielzahl süßer Speisen. Von den Normannen übernahm man die Zubereitung von Stockfisch und Rouladen. Und die Spanier brachten neben neuen Gemüsearten wie Tomaten, Mais und Paprika aus der neu entdeckten Welt in Südamerika mit. Darunter auch Kakaobohnen und das Wissen, wie man daraus feinste Schokolade herstellen kann.

Was sollte man in Sizilien unbedingt probiert haben?

Arancini (oder Arancine)

Herkunft: Arancini, kleine Reisbällchen, sind seit dem 10. Jahrhundert in Sizilien bekannt und gehen auf die arabische Besatzung zurück. Der Name bedeutet kleine Orangen, denn sie erinnern in Form und Farbe an Orangen.

Mit traditionellem Ragú gefüllte Arancini © Siegbert Mattheis
Mit traditionellem Ragú und Erbsen gefüllte Arancini © Siegbert Mattheis
2 Arrancine mit gelbem Reis und Fleischfüllung
40 unterschiedliche Geschmacksvariationen bei ke Palle © Siegbert Mattheis
Bei Volksfesten fällt die Form der Arancini auch mal etwas anders aus © Siegbert Mattheis

Zubereitung: Arancini sind gefüllte Kügelchen aus Safranreis.  Je nach Stadt oder Region werden sie als runde Kugeln (Palermo) oder auch in Birnenform (z.B. in der Region Catania oder Messina) zubereitet. Traditionell sind sie mit Ragú und Erbsen oder mit Mozzarella und Schinken (oder Spinat) gefüllt. Anschließend werden sie paniert und frittiert. Wundert euch nicht über die unterschiedlichen Endungen, denn im Westen Siziliens haben sie einen weiblichen Artikel, la arancina im Singular, im Osten hingegen tragen sie einen männlichen Artikel, dort heißen sie il arancino.

Mehr über Arancini und zum Rezept

Cannoli

Herkunft: Cannoli sind kleine frittierte Teigröllchen mit einer köstlichen Creme-Füllung aus Ricotta und unterschiedlichen Zutaten. Der Name kommt von cannolo (kleines Rohr) damals ein Schilfrohr, über dem man früher die Teige gerollt hatte.

Cannoli mit Ricottacreme, Pistazien und kleinen Schokoplättchen © Siegbert Mattheis
Cannoli mit Ricottacreme, Pistazien und kleinen Schokoplättchen © Siegbert Mattheis
Cannolo auf blauem Teller
Leckeres Cannolo © Siegbert Mattheis
Cannoli mit Pistazienstreuseln © Siegbert Mattheis

Schon die Römer kannten Cannoli. Die Araber verfeinerten die Cannoli mit Ricotta, Mandeln und Honig. Später wurden sie als Dessertspezialität zum Karneval gereicht.

Zubereitung: Die Teigrollen werden frittiert und dann mit einer süßen Ricottafüllung, oft verfeinert mit Schokoladenstückchen oder kandierten Früchten, gefüllt.

Mehr über Cannoli

Caponata

Herkunft: Der Name soll vom Knurrhahn, ital. cappone stammen, den das gehobene Bürgertum in Sizilien gerne zusammen mit Gemüse verspeiste. Für die Normalbevölkerung war Fisch damals zu teuer, also ersetzten sie den Fisch durch Auberginen.

Caponata
Caponata auf dem Streetfood-Markt in Palermo © Siegbert Mattheis
Caponata
Caponata im Restaurant © Siegbert Mattheis

Zubereitung: So besteht die caponata hauptsächlich aus Auberginen, Tomaten, Sellerie, und Zwiebeln, die einzeln gedünstet, gekocht und frittiert werden. Darüber wird Agridolce, eine süßsaure Flüssigkeit aus karamellisiertem Zucker und Essig gegeben. Oft kommen auch Kapern, Oliven und Pinienkerne hinzu.

Brioche mit Eis

Herkunft: Das sizilianische Frühstück zum Cappuccino schlechthin! Vermutlich brachten die Franzosen das Hefegebäck nach Sizilien. In Sizilien packte man dann das Eis dazu.

Typisches Brioche mit Eis in Catania © Siegbert Mattheis
"Eisburger", geht immer © Siegbert Mattheis

Zubereitung: Zum warmen Brioche-Gebäck wird entweder schon ein Eis obendrauf, innendrin oder separat mit Sahne serviert. Es passt aber auch immer mal zwischendurch, wie uns der 22-jährige Giorgio im kleinen, kaum touristischen Ort Castellano Sicula am Rande der Madonie-Bergen grinsend erzählt. Dort isst er es wie einen Hamburger. Tatsächlich wird das Brioche mit Eis auch sizilianischer Eisburger genannt.

Pasta alla Norma

Herkunft: Dieses Gericht kommt aus Catania und ist eine Hommage an die Oper “Norma” von Vincenzo Bellini.

Pasta alla Norma © Siegbert Mattheis

Zubereitung: Die Pasta (da könnt ihr jede mögliche Sorte nehmen) wird mit einer Sauce aus gebratenen Auberginen, Tomaten, Basilikum und Ricotta Salata (ein getrockneter Ricotta) serviert.

Granita

Herkunft: Ein erfrischendes Halbgefrorenes, das seinen Ursprung in der arabischen Zeit Siziliens hat. Damals nutzte man Schnee und Eis vom Ätna oder aus den Madonie-Bergen und mischten es mit Fruchtsaft oder Gewürzen und nannten es Sciarbàt.

Limonen-Granita © Siegbert Mattheis
Glaskelch mit weißer Creme mit Mandelstücken
Das beste Mandelgranita ever von Fiasconaro in Castelbuono © Siegbert Mattheis

Zubereitung: Eine Granita wird aus Zucker, Wasser und verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Mandel, Pistazie Kaffee oder Erdbeere hergestellt. Traditionell wird es zum Frühstück mit einem warmen Brioche serviert.

Die Sizilianer entwickelten daraus später auch das Speiseeis. So verwöhnten sie schon Katharina de Medici damit. Und es war natürlich auch ein Sizilianer, Francesco Procopio Cutò, der 1686 die erste Eisdiele der Welt in Paris eröffnete. Kein Wunder also, dass das italienische Eis mit einer derart langen Tradition als das beste der Welt gilt.

Pane con la Milza (pani câ meusa)

Herkunft: Dieses traditionelle Streetfood, den Palermo Burger findet ihr vorwiegend auf den Märkten in Palermo. Denn hier wird alles vom Tier verwertet. Auch die Innereien.

Pane con la Milza © Siegbert Mattheis
Pane con la Milza aufgeklappt © Siegbert Mattheis

Zubereitung: Es handelt es sich um ein (Sesam-)Brötchen, gefüllt mit “Milza”, also Milz, die in Talg gekocht und dann in Zitronensaft oder mit Ricotta und geriebenem Käse serviert wird. Es mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, mir hat es aber geschmeckt ;).

Pesto Trapanese

Herkunft: Die sizilianische Variante des grünen Pesto, typisch für die Provinz Trapani im Westen Siziliens. Ihr kennt es vielleicht auch als Pesto rosso oder Pesto alla siciliana.

Pesto rosso oder alla siciliana aus Trapani © Depositphotos

Zubereitung: Anders als das bekannte Pesto aus Genua wird diese Version aus frischen Tomaten, gerösteten Mandeln, Knoblauch, Basilikum und natürlich Olivenöl hergestellt. Es passt perfekt zu Pasta oder frischem Brot.

Pesto alla Genovese selber machen

Cassata Siciliana

Herkunft: Dieser farbenfrohe Kuchen hat ebenfalls arabische Einflüsse und ist im gesamten Mittelmeerraum verbreitet.

Typisch sizilianische Cassata © Fiasconaro
Cassata © Fiasconaro

Zubereitung: Ein Biskuitkuchen, gefüllt mit Ricotta, Schokoladenstückchen und kandierten Früchten, oft überzogen mit einer Schicht grünem Marzipan und Zuckerguss. Meist wird er mit kandierten Früchten verziert. Eine der unserer Meinung nach besten Cassata stellt die Pasticceria Fiasconaro her.

Über die Pasticceria Fiasconaro

Fichi d’India

Herkunft: Die Früchte der Kakteenart Opuntia ficus-indica (übersetzt Feigen aus Indien, bei uns als “Kaktusfeigen” bekannt), wachsen wild auf ganz Sizilien. Es gibt sie in verschiedenen Farben von Gelb über Grün bis hin zu leuchtendem Rot.

Die Stacheln sind nicht zu unterschätzen 😉 © Siegbert Mattheis
Stacheln entfernen, schälen und das süße Fruchtfleisch genießen © Siegbert Mattheis

Zubereitung: Vorsicht beim Pflücken der Früchte! Die Stacheln müsst ihr unbedingt mit Handschuhen entfernen. Dann könnt ihr die Außenhaut schälen, und das süße, saftige Innere zu genießen. Es ist voller Vitamine und schmeckt wie ein Mischung aus Birne und Melone.

Sarde a beccafico

Herkunft: Sarde a beccafico sind gefüllte Sardinen und zählen zu den typischen Fischgerichten der sizilianischen Küche. Beccafico bedeutet Gartengrasmücke, ein kleiner Zugvogel. Diese Vögel wurden beim sizilianischen Adel mit Füllungen serviert und galten als echte Rarität. Die ärmere Bevölkerung ahmte das Gericht nach und nutzte Sardinien an Stelle der Vögel.

Gefüllte Sardinen als Streetfood in Palermo © Siegbert Mattheis
Sarde a beccafico mit Gemüse © Siegbert Mattheis

Zubereitung: Die Sardinen werden geputzt, ausgenommen und aufgeklappt. Zerkleinertes Hartweizenbrot wird mit etwas Olivenöl, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie oder Minze, Pinienkernen und Korinthen zu einer Farce verarbeitet und kann mit Marsala verfeinert werden. Die Sardinen werden damit gefüllt und wieder zusammengeklappt oder aufgerollt. Anschließend werden sie im Ofen gebacken oder auch in Mehl und Eigelb gewendet und goldgelb gebraten. Die Sarde a beccafico könnt ihr als warm Hauptgericht oder kalt als Antipasti servieren.

Sfincione

Herkunft: Eine traditionelle Spezialität aus Palermo, eine Variation der Pocaccia und Pizza. Es wird vermutet, dass er von den Nonnen des Klosters St. Vitus erfunden wurde.

Sfincione, ähnlich einer Focaccia oder Pizza © Depositphotos

Zubereitung: Sfincione ähnelt einer Pizza, hat aber einen dickeren Teig. Der wird mit Tomaten, Zwiebeln, Sardellen, Oliven und oft mit Brotkrumen belegt und dann gebacken.

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