Was ist ein Hamamtuch oder Fouta und warum ist es so besonders?

Hamam-Handtücher werden immer beliebter und erleben derzeit eine großartige Renaissance. Wie kann man sie verwenden und was ist das Besondere an einem Hamamtuch? Und wo liegt der Ursprung?

Was sind die Vorteile eines Hammtuchs?

Hamamtücher haben mehrere Vorteile:
– Sie sind extrem saugfähig
– Sie trocknen sehr schnell
– Sie sind sehr leicht und nehmen wenig Platz im Gepäck ein
– Sie werden nach jeder Wäsche weicher

Hamamtücher mit den typischen Fransen © Siegbert Mattheis
Hamamtücher mit den typischen Fransen © Siegbert Mattheis

Wofür nutzt man ein Hamamtuch?

Hamamtücher sind überaus vielseitig verwendbar. Natürlich als Handtuch zum Abtrocknen oder als Strand- und Badetuch, als Sichtschutz beim Wechseln der Badekleidung am Strand aber auch als dekoratives Tischtuch, als lockerer Überwurf und Schonbezug für Sessel oder andere Möbel.

Woher stammen Hamamtücher?

Das türkische Hamam-Handtuch (türkisch: peştamal, oder auch peştamel, peştemal) war ursprünglich ein einfaches Stück Stoff aus Baumwolle oder Leinen. Es war sehr leicht, auch wenn es nass war und extrem saugfähig. Unter dem Namen Fouta werden sie auch in Tunesien hergestellt.

Hamamtücher wurden traditionell bei einem türkischen oder orientalischen Bad (Hammām) gereicht, da man nicht davon ausging, dass sich jeder Gast sein eigenes Handtuch mitbrachte, zumal private Badewannen ein Luxus waren, den sich nur Adlige leisten konnten. Auch für das zeremonielle Bad einer Braut vor ihrer Hochzeit wurde es verwendet.

Die Stadt Bursa (früher Prusa) in der Türkei, etwa 90 km südlich von Istanbul gelegen, gilt als Ursprung der Hamamtücher und Handtücher, wie wir sie heute kennen. In byzantinischer Zeit war Prusa für seine Basilika Therma genannten Thermalbäder bekannt, mehrfach hielten sich auch Kaiser dort auf.
Die Stadt hat eine lange Tradition für die Weberei und so bezogen auch die Sultane des osmanischen Reiches aus Konstantinopel (heute Istanbul) ihre Stoffe und Hamamtücher von dort.

Hamamtücher (Foutas) auf einem provenzalischen Markt © Siegbert Mattheis
Hamamtücher (Foutas) auf einem provenzalischen Markt © Siegbert Mattheis
Hamamtücher (Foutas) auf einem provenzalischen Markt in Cassis © Siegbert Mattheis
Hamamtücher (Foutas) auf einem provenzalischen Markt © Siegbert Mattheis

Frauen regten die Verbesserung des Hamamtuches an

Vermutlich waren es die Frauen und Mütter der Sultane zu Zeiten der sog. Weiberherrschaft im 16. und frühen 17. Jhdt. (siehe auch den interessanten Beitrag auf Wikipedia), die die Weber dazu drängten, bessere, schönere und kostbarere Hamamtücher zu entwickeln.

Jedenfalls entdeckten die Weber, dass durch die Verwendung eines zweiten Kettfadens und das Ziehen über die flache Oberfläche des Handtuchs eine Schlaufe erzeugt werden konnte, die dann über die Länge des Kettfadens mit dem Shuttle- oder Schussfaden fixiert wurde. Nach und nach erhöhten sie die Anzahl der Loopingfäden, bis das gesamte ‚havly‘ mit Schlaufen bedeckt war. So entstand eine größere Oberfläche des Tuches, das somit mehr Nässe aufnehmen, dennoch aber schnell trocknen konnte. Im Laufe der Zeit änderte sich der Name ‚havly‘ in havlu auf Türkisch, was ‚mit Schlaufen‘ bedeutet, heute das türkische Wort für Handtuch.

Das war der Anfang des modernen Handtuchs, das wir alle heute benutzen.

Hamamtücher in verschiedenen Dekors auf einem Markt in Aix-en-Provence © Siegbert Mattheis
Hamamtücher in verschiedenen Dekors auf einem Markt in Aix-en-Provence © Siegbert Mattheis

Warum kommen die besten Handtücher aus der Türkei?

Eine spezielle und hochentwickelte Badekultur gab es schon in der Antike in Ägypten, Griechenland und im römischen Reich mit ausgeklügelten Wasserleitungssystemen, Fußbodenheizung und vielem mehr.

Reiche Römer besaßen bereits eine eigenes privates Badezimmer, was im restlichen Europa erst 2.000 Jahre später zum Standard wurde. Durch den Zerfall des römischen Reiches, der Völkerwanderung und durch die Eroberungszüge der Goten wurden viele dieser Wasserleitungen und öffentlichen Bäder jedoch unwiederbringlich zerstört und das Wissen darum ging in Mitteleuropa verloren. Nur im Byzantinischen Reich und in Arabien überlebte diese hygienische Badekultur. Die ersten Hamams im islamischen Raum wurden im Mittelalter in Jordanien errichtet und später im osmanischen Reich weiterentwickelt.

Und diese hochentwickelte Badekultur förderte auch die Weiterentwicklung der Handtücher eines Hamams.

Siegbert Mattheis

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