Was bedeutet mediterran? Mediterranes Leben, mediterranes Wohnen, mediterrane Möbel, mediterrane Pflanzen und Küche, mediterran Bauen – mediterran steht seit Jahren für einen bestimmten Lifestyle. Aber was steckt dahinter?
Was bedeutet mediterran?
Das Wort mediterran setz sich den lateinischen Wörtern „medius“, (mitten, mittig) und „terra“, (Land oder Erde) zusammen.
Im Grunde genommen ist der mediterrane Raum der Ursprung der Kultur und Zivilisation der westlichen Hemisphäre. Das gemäßigt warme Klima und der fruchtbare Boden rund um das Mittelmeer waren der ideale Nährboden für die unterschiedlichste Flora und Fauna. Und nur durch den Überfluss an Nahrung konnte Kultur entstehen.
Der mediterrane Raum © Depositphotos
Wie hat die mediterrane Kultur Europa beeinflusst?
Athen, Alexandria, Rom und Byzanz/Konstantinopel (heute Istanbul) übten großen Einfluss auf alle Gegenden rund um das Mare Mediterraneum bis weit nach Nordeuropa aus. Die unterschiedlichsten Völker und Kulturen vermischten sich und befruchteten sich gegenseitig.
Griechischer Einfluss
Die Griechen gründeten auf ihrer Suche nach neuem Raum viele Städte in Süditalien und Südfrankreich (Magna Graecia), vor 2.600 Jahren u.a. Massilia, das heutige Marseille. Viele Städtenamen findet ihr auch heute noch in dem griechischen Wort für Stadt, polis, wieder, z.B. Neapel (Neapolis, neue Stadt) oder Tripoli, (Tripolis, drei Städte) uvm.
Römischer Einfluss
Die Römer dehnten ihr Reich im Westen und Norden bis nach Germanien und Großbritannien aus.
Normannischer Einfluss
Unter den Normannen, die im 11. Jhdt. Sizilien und ganz Süditalien und den arabischen Küstenstrich von Tunis bis Tripolis und auch das Gebiet um Antiochia, Teil der heutigen Türkei und Syriens, eroberten, blühte eine weltoffene Kultur, die das Erbe von Byzanz und die Errungenschaften des Islam aufnahm. Dabei waren z.B. in Sizilien die Amtssprachen neben Latein auch Griechisch und Arabisch.
Deutscher Einfluss
Im frühen Mittelalter reichte das Heilige Römisch-Deutsche Reich von Dänemark bis zur Toskana.
Arabischer Einfluss
Der maurische Einfluss auf der iberischen Halbinsel von 711 bis 1492, der arabische Einfluss in Sizilien und Süditalien waren prägend, ebenso der römisch-katholische auf weite Teile Nordeuropas wie auch der türkisch-islamische durch das Osmanische Reich (1299 bis 1922) vom Balkan über Ägypten bis hin zum heutigen Algerien. Viele dieser Einflüsse spürt man heute noch.
Kultureller Einfluss
Fayence-Keramik gelangte z.B. von Mesopotamien über das maurische Spanien (siehe andalusische Keramik) von Mallorca (Majolika) aus nach Italien. Von dort, aus der Stadt Faenza wurde die Keramik nach Frankreich exportiert (daher der französische Name Faïence / Fayence) und wurde zum Vorbild für die Delfter Kacheln, die wiederum nach Portugal exportiert wurden und dort als Azulejos berühmt wurden.
Auch Seife ist ein gutes Beispiel für die gegenseitigen Einflüsse der Kulturen. Um 4.400 v. Chr. wurden in Mesopotamien die ersten Rezepturen für die Seifenherstellung schriftlich erwähnt. In Aleppo, im heutigen Syrien, verfeinerte man die Seife durch Lorbeeröl und dieses Wissen gelangte anschließend im 8. Jhdt. n. Chr. durch die Eroberungen der Araber nach Spanien und Okzitanien. In Marseille als wichtigstem Handelshafen wurde bereits im Mittelalter Seife in großen Mengen hergestellt, die spätere Savon de Marseille, die auch nach Großbritannien und Deutschland exportiert wurde.
Mehr über die Geschichte der Savon de Marseille
Mediterraner Einfluss in Mittel- und Südamerika
Die Eroberung der “Neuen Welt” durch Spanien und Portugal im 15. und 16. Jh., die folgenden späteren kolonialistischen Bestrebungen beider Länder sowie die von Frankreich, Großbritannien und auch Italien beeinflussten viele Länder und Kulturen außerhalb Europas. Dorthin wurde mediterrane Kultur und Lebensgefühl gewissermaßen exportiert, ins mittlere Afrika genauso wie nach Mittel- und Südamerika und in die Karibik, und durch die Hugenotten selbst nach Südafrika.

Mediterraner Einrichtungsstil
Bezogen auf den Einrichtungsstil bedeutet mediterran die Verwendung natürlicher Materialien wie Holz, Eisen, Naturstein und natürlich gebrannte Erde, Terracotta. Bei den mediterranen Farben dominieren Erd- und Pflanzenfarben in allen Schattierungen, sowie die Farben von Himmel und Meer. Die Farbe Weiß findet sich in vorwiegend im ehemals maurisch geprägten Andalusien, auf den griechischen Inseln und in den afrikanischen Mittelmeer-Anrainerstaaten.

Mediterrane Küche und Ernährung
Die Mittelmeer-Küche steht für eine gesunde Ernährungsweise, da hier beispielsweise weniger tierische und mehr pflanzliche Fette verarbeitet werden. Nirgendwo sonst als in den Mittelmeerstaaten gibt es mehr Menschen, die über hundert Jahre alt geworden sind. So sind im mediterranen Raum Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck und Übergewicht viel seltener als im restlichen Europa. Auch bei Sodbrennen wird oft empfohlen, sich an eine Diät zu halten, die mit der mediteranen Ernährung vergleichbar ist.
Frisches Gemüse und Obst, viel Fisch und Meeresfrüchte, viele unterschiedliche Fleischsorten wie von Schaf, Ziege, weißes Fleisch von Geflügel, seltener Schweinefleisch und rotes Fleisch von Rindern, Brot, Nudeln, Reis und natürlich das allgegenwärtige, kaltgepresste Olivenöl sowie Wein prägen den kulinarischen Lebensstil.
Tipps zu mediterran Essen und Trinken
Mediterrane Pflanzen wurden schon früh nach Nordeuropa importiert. So holte Friedrich der Große im 18. Jhdt. Auberginen, Zitronen, Orangenbäume und auch den Maulbeerbaum für die Seidenraupenzucht nach Preussen.

Mediterraner Lifestyle
Und die mediterrane Lebensart zeigt sich vielleicht auch in einer gewissen Gelassenheit, einer größeren Genussfähigkeit sowie in der Art, das Leben etwas leichter zu nehmen und es vorwiegend im Freien stattfinden lassen zu können.
Sicherlich ist das eine nord- und mitteleuropäische Sicht. Trotz allem steht “mediterraner Lebensstil” für uns mittlerweile gleichbedeutend für die Sehnsucht nach Sonne, Wärme, freundlichen Farben, Genuss und auch für ein “savoir vivre”, an dem es uns Nordeuropäern manchmal mangelt 😉
FAQ – Häufige Fragen rund um mediterran
Was bedeutet mediterran auf Deutsch?
Mediterran ist ein Adjektiv und bedeutet wörtlich „mitten im Land” oder „im Inneren des Landes gelegen”. Es leitet sich vom lateinischen medius (mittig) und terra (Land, Erde) ab. Im heutigen Sprachgebrauch beschreibt es alles, was mit dem Mittelmeerraum zusammenhängt: Klima, Küche, Kultur, Architektur und Lebensstil.
Welche Länder sind mediterran?
Als mediterrane Länder gelten alle Staaten, die an das Mittelmeer grenzen. Dazu zählen in Europa Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Kroatien und Malta, im Nahen Osten die Türkei, Israel, Libanon und Syrien sowie in Nordafrika Ägypten, Tunesien, Algerien, Libyen und Marokko. Insgesamt teilen sich 21 Staaten eine Küste am Mittelmeer.
Was ist mediterrane Ernährung und warum gilt sie als gesund?
Die mediterrane Ernährung setzt auf viel frisches Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Fisch, Olivenöl und Vollkornprodukte und wenig rotes Fleisch und tierische Fette. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass dieser Ernährungsstil das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten senken kann. Die UNESCO hat die mediterrane Diät 2013 als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Was bedeutet mediterran beim Wohnen und Einrichten?
Mediterran einrichten bedeutet: natürliche Materialien verwenden (Terracotta, Naturstein, Holz, Schmiedeeisen), warme Erdtöne und Meerblau kombinieren, handgefertigte Keramik integrieren und viel Licht in die Räume lassen. Typisch sind auch Bögen, Arkaden, Innenhöfe (Patios) und üppige Begrünung mit Olivenbäumen, Lavendel oder Oleander.
Was sind mediterrane Farben?
Mediterrane Farben orientieren sich an der Natur des Mittelmeerraums: warme Erd- und Ockertöne, gebrochenes Weiß, Olivgrün, Terracottarot, Sonnengelb sowie das charakteristische Blau von Himmel und Meer. Das strahlende Weiß der griechischen Inseln und Andalusiens, kombiniert mit kräftigem Blau, ist vielleicht die bekannteste mediterrane Farbkombination.
Was sind mediterrane Pflanzen?
Zu den typischen mediterranen Pflanzen gehören Olivenbäume, Zypressen, Steineichen, Pinien, Feigenbäume, Oleander, Bougainvillea, Lavendel, Rosmarin, Thymian und Lorbeer. Viele dieser Pflanzen kommen auch in deutschen Gärten und auf Balkonen gut zurecht. Einige benötigen jedoch Winterschutz oder müssen ins Haus geholt werden.
Kann man mediterran wohnen, wenn man nicht am Mittelmeer lebt?
Ja, auf jeden Fall! Mediterrane Einrichtung, mediterrane Bepflanzung von Terrasse und Balkon sowie mediterrane Küche lassen sich überall umsetzen. Viele Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz integrieren mediterrane Elemente in ihren Alltag – sei es durch Terracotta-Töpfe, Olivenöl oder Urlaub in Südfrankreich, Kroatien oder der Toskana.
Was ist der Unterschied zwischen mediterran und südländisch?
Beide Begriffe meinen oft dasselbe: einen Lebensstil, der mit Sonne, Wärme, Genuss und Offenheit verbunden ist. Mediterran ist dabei geografisch präziser und bezieht sich konkret auf den Mittelmeerraum. Südländisch ist eher umgangssprachlich und kann je nach Kontext auch Einflüsse aus Lateinamerika oder anderen südlichen Regionen einschließen.
Was ist mediterranes Klima?
Das mediterrane Klima ist durch heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter gekennzeichnet. Frost ist selten, Schnee eine Ausnahme. Dieses Klima findet sich nicht nur rund ums Mittelmeer, sondern auch in Teilen Kaliforniens, Zentralchiles, Südaustraliens und Südafrikas. Es begünstigt den Anbau von Oliven, Wein, Zitrusfrüchten oder Mandeln.
Was hat mediterrane Kultur mit der Antike zu tun?
Sehr viel. Die großen Hochkulturen der Antike – die griechische, die römische, die phönizische, die ägyptische und die karthagische – entwickelten sich alle im Mittelmeerraum. Philosophie, Demokratie, Rechtssystem, Schrift, Architektur und Kunst, wie wir sie heute kennen, haben ihre Wurzeln dort. Das Mittelmeer war damals keine trennende Grenze, sondern eine verbindende Wasserstraße.
Was bedeutet mediterran in der Medizin?
In der Medizin und Ernährungswissenschaft spricht man von der „Mediterranean Diet” (Mittelmeerdiät), die seit den 1960er Jahren erforscht wird. Studien wie die Lyon Diet Heart Study (1999) oder die PREDIMED-Studie (2013, Spanien) belegen eindrucksvoll, dass eine mediterrane Ernährung das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall signifikant reduziert. Auch bei der Prävention von Alzheimer, Depression und Sodbrennen wird sie diskutiert.
Welche Öle werden in der mediterranen Küche verwendet?
Das mit Abstand wichtigste Öl ist kaltgepresstes Olivenöl (extra vergine). Es dient zum Kochen, zum Dressing von Salaten, zum Dippen von Brot und als Basis für Saucen. In einigen Regionen, etwa in Nordafrika oder der Levante, kommen auch Arganöl (Marokko) oder Granatapfelöl zum Einsatz. Butter spielt in der traditionellen mediterranen Küche eine deutlich geringere Rolle als in der nordeuropäischen.
Ist mediterrane Ernährung auch für Vegetarier und Veganer geeignet?
Sehr gut sogar. Die mediterrane Küche ist traditionell sehr gemüse- und hülsenfruchtreich. Viele klassische Gerichte sind von Natur aus vegetarisch oder lassen sich leicht vegan zubereiten: Hummus, Falafel, Ratatouille, Panzanella, Spanakopita, Caponata oder gegrilltes Gemüse mit Kräutern und Olivenöl. Auch für flexitarische Ernährung eignet sich das mediterrane Prinzip hervorragend.
Siegbert Mattheis
Unser Tipp:
Mehr zum Thema und wie es dazu kam, dass die westlichen Länder, vor allem Spanien, Portugal und die Niederlande im 15. und 16. Jh. die halbe Welt eroberten, ist in diesem kurzweiligen, amüsant und spannend geschriebenen Buch nachzulesen:
Yuval Noah Harari
Eine kurze Geschichte der Menscheit
- Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
- Verlag: Pantheon Verlag
- Sprache: Deutsch
Das Buch ist Spiegel-Bestseller
Wenn ihr tiefer in die mediterrane Welt einsteigen möchtet, empfehlen wir euch dieses Buch:
Cyprian Broodbank
Die Geburt der mediterranen Welt
- Gebundene Ausgabe: 952 Seiten
- Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (15. März 2018)
- Sprache: Deutsch
Das Buch wurde 2014 mit dem Wolfson-History-Prize ausgezeichnet, dem Preis für das beste historische Buch des Jahres in Großbritannien.
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.
Zuletzt aktualisiert im Februar 2026 von Siegbert Mattheis





