Kolonialstil, ein Wohntrend, der Sehnsüchte weckt …

Ein breites Bett mit weißen Laken aus ägyptischer Baumwolle, Kissen mit Bezug aus Leopardenmuster, wuchtige dunkelbraune Möbel aus exotischen Hölzern, lederbezogene Sessel, afrikanische Masken, grobe Holzdielen, ein Teppich aus Zebrafell und ein Ventilator, der die heiße Luft träge bewegt … diese Insignien des Kolonialstils zaubern sofort Erinnerungen an Filme wie „Casablanca“, „Out of Africa“ oder „das Geisterhaus“ hervor.

Eine Einrichtung oder Akzente im Kolonialstil bringen das Flair der Abenteuer von Hemingway, eine Spur Weltgewandtheit und eine Prise Fernweh in die eigenen vier Wände.

Mit Leopardendecke bezogenes Bett vor einem Schrank, links ein helles fenster, oben ein Ventilator
Ein Hauch von Fernweh bringt der Kolonialstil mit sich ... © Siegbert Mattheis
Mit Steinsäulen umfasster Patio, mit Holzgeländer
Viel Holz kennzeichnet den Kolonialstil, hier portugiesisch geprägt in der Villa de l'O in Essaouira © Siegbert Mattheis
Patio mit altem Fernrohr und Holzstühlen
Accessoires wie ein altes Fernrohr passen gut © Siegbert Mattheis

Kolonialstil, was ist das?

Der Kolonialstil bezeichnet die Architektur und Inneneinrichtung der europäischen Kolonialmächte in ihren Kolonien vom 16. bis zum 20 Jh. Er ist zum Einen geprägt durch die damals vorherrschenden europäischen Stilrichtungen wie Barock oder Klassizismus, zum Anderen durch die ethnischen Stile und zur Verfügung stehenden Materialien der jeweiligen Kolonien. Vorwiegend durch die Ausnutzung der einheimischen Bevölkerung oder den Import von Sklaven als billige Arbeitskräfte, sowie dem Abbau von Rohstoffen kamen viele Kolonialherren zu außergewöhnlichem Wohlstand. Entsprechend pompös fiel die Architektur aus, ob es klerikale Bauten, wie z.B. die prächtigen Kirchen der Spanier und Portugiesen in Südamerika waren oder die Villen einzelner Gutsbesitzer in den Südstaaten der USA oder in Südafrika. Säulen nach antiken Vorbildern und schattige, großzügige Veranden waren das vorherrschende Merkmal der Bauten. So zum Beispiel die in spanisch-amerikanischen Kolonialstil errichtete Villa von Hemingway in Key West oder die Finca Vigía auf Kuba.

Mehr zur Geschichte des Kolonialstils

Grobe Holzdielen, afrikanisches Schild und Waffen an der Wand © Siegbert Mattheis
Grobe Holzdielen, afrikanisches Schild und Waffen an der Wand © Siegbert Mattheis
Holztür mit alten Beschlägen
Oben noch originale Beschläge, unten stilgerecht erneuert © Siegbert Mattheis
Lederkoffer am Bett, Leinenvorhänge © Siegbert Mattheis
Lederkoffer am Bett, Leinenvorhänge © Siegbert Mattheis

Welche Materialien werden im Kolonialstil verwendet?

An Stelle von kostbarem Marmor, den es nur in den Mutterländern gab, wurden vorwiegend einheimische Hölzer oder Stein aus der Gegend verwendet. Entsprechend war auch die Inneneinrichtung aus Materialien, die in den Kolonien zur Genüge vorhanden waren.
Obwohl er in verschiedenen Regionen der Welt vorherrschte und von unterschiedlichen Ländern beeinflusst war, gibt es dennoch einige typische Gemeinsamkeiten. So bestand das Material der Architektur vorwiegend aus heimischen Holzarten, wie z.B. Moabi oder Denya Holz in Afrika, Mahagoni in Mittel- und Südamerika oder Teakholz in Indien und Indochina.

Für die Inneneinrichtung und die Möbel wurden die gleichen Hölzer sowie Bambus und andere leichtere Holzarten wie Rattan verwendet. Leder der heimischen Tierarten bildeten den Bezug für Sessel, Couches oder Stühle; Tierfelle dienten als Teppich. Die Stoffe waren aus grobem Leinen und Baumwolle, oder in Südostasien auch Seide, die dort seit Jahrtausenden verarbeitet wurde.
Sisal- und Kokosfasern wurden für die Herstellung von Seilen, Tauen und als Teppiche verwendet.

Wenn Sie sich heute im Kolonialstil einrichten wollen, sollten Sie natürlich auf Nachhaltigkeit achten. Statt echte Felle von exotischen Tieren zu kaufen, können Sie auf wunderbar echt aussehende Imitate zurückgreifen und auch Hölzer nur aus nachhaltiger Forstwirtschaft verwenden.

Klappstuhl aus Bambus und Leder © Siegbert Mattheis
Klappstuhl aus Bambus und Leder © Siegbert Mattheis
Ledersessel mit Kissen in Raubtieroptik
Ledersessel mit Kissen in Raubtieroptik © Siegbert Mattheis
Freistehende Kupferbadewanne und Messingarmaturen © Siegbert Mattheis
Freistehende Kupferbadewanne und Messingarmaturen © Siegbert Mattheis

Welche Farben kennzeichnen den Stil, der manchmal auch als Safari-Style bezeichnet wird?

Das Material bestimmte die Farbwelt mit jeweils ihren natürlichen Farben Braun, Beige, Creme oder einem dunklen Rot. Denn da in den Kolonien die hochentwickelten Industrien und deren Färber- und Druckmethoden aus den Mutterländern nicht verfügbar waren, begnügte man sich mit den natürlich vorkommenden Farbwelten.

Opulenz durch schwere Samtvorhänge © Siegbert Mattheis
Opulenz durch schwere Samtvorhänge © Siegbert Mattheis
Ventilator aus rotem Holz vor weißer Holzdecke
Ein Ventilator sollte nie fehlen © Siegbert Mattheis
Bequeme Sessel, ein großer Spiegel
Bequeme Sessel, ein großer Spiegel ... © Siegbert Mattheis
Mit Fell bezogener Lampenschirm
Mit Fell bezogener Lampenschirm © Siegbert Mattheis

Accessoires, die zum Stil passen

Typische Accessoires sind große Landkarten, ein Globus, afrikanische Masken sowie Leder- oder Rattankoffer mit Gebrauchsspuren. Ein altes Holzstativ mit Fernrohr oder umgebaut zu einer Lampe passt ebenso. Genauso wie exotische Skulpturen und opulente Kronleuchter.

Weltkugel mit arabischer Kalligraphie
Weltkugel mit arabischer Kalligraphie © Siegbert Mattheis
Afrikanische Masken
Afrikanische Masken © Siegbert Mattheis
Ledercouch und Lampe auf altem Holzstativ
Ledercouch und Lampe auf altem Holzstativ © Siegbert Mattheis
Stilecht: dunkel gebeiztes Holz kombiniert mit weißer Baumwolle und opulentem Kronleuchter © Siegbert Mattheis
Stilecht: dunkel gebeiztes Holz kombiniert mit weißer Baumwolle und opulentem Kronleuchter © Siegbert Mattheis

Was passt zum Kolonialstil?

Der Kolonialstil lässt sich hervorragend mit dem Industrial Style kombinieren. Mit Möbeln aus Metall oder Gusseisen, Dielen, Betten oder Möbel aus grobem Holz. Rostige Industrierohre oder offene Stahlträger vor einer Backsteinwandkulisse lassen sich hervorragend mit wuchtigen, dunklen Ledermöbeln kombinieren.

Der Stil braucht allerdings weite, große Räume, um optimal zu wirken. Andererseits können Sie sich auch in kleineren Räumen eine Ecke im Kolonialstil einrichten. Zum Beispiel mit einem Einzelstück wie einem bequemen Ledersessel, umrahmt von afrikanischen Masken oder einem Spiegel mit einem reich verziertem, dunklen Holzrahmen an der Wand.

 

Wunderschönes Hotel im Kolonialstil:
Villa de l’O in Essaouira / Marokko

Die Villa de l’O in Essaouira ist z.B. komplett im Kolonialstil eingerichtet. Hier sind viele der obigen Fotos entstanden. Mit 12 großzügig geschnittenen Zimmern und der einmaligen Lage zwischen Strand, Medina und Hafen ist sie die perfekte Unterkunft, um Essaouira und die Umgebung zu erkunden.

Mehr Infos und direkte Buchung der Villa de l’O 

 

Siegbert Mattheis

Truhe aus Sisalfasern und Leder
Truhe aus Sisalfasern und Leder © Siegbert Mattheis
Mit Holz verkleidete Badewanne mit antiken Armaturen © Siegbert Mattheis
Mit Holz verkleidete Badewanne mit antiken Armaturen © Siegbert Mattheis
Antiker Toilettenpapierständer aus Messing
Antiker Toilettenpapierständer aus Messing © Siegbert Mattheis
Ein sog. "Butler" aus Messing
Ein sog. "Butler" aus Messing © Siegbert Mattheis

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