Beirão, der leckere portugiesische Likör, Cocktailrezepte

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Licor Beirão, oder einfach nur Beirão, ist der portugiesische Likör schlechthin, quasi ein Nationalgetränk. Und gleich zwei Liebesgeschichten sind damit verbunden …

Familienbetrieb aus Loucã

Der Kräuterlikör mit feiner Karamellnote wird in einem kleinen Familienbetrieb in Loucã südöstlich von Coimbra hergestellt. Er ist glücklicherweise noch nicht von den großen Konzernen übernommen worden. Wir haben den leckeren Likör in Lissabon und Porto kennengelernt und uns gleich mehrere Flaschen mit nach Hause genommen 😉

Plakat Beirao
Die beiden Likörsorten © Beirão
Flasche Beirão mit Glas
Beirão, "O licor de Portugal" © Beirão
gefülltes Likörglas vor Beirao-Flasche
Beirão Likör pur © Siegbert Mattheis

Wie schmeckt Licor Beirão?

Der bernsteinfarbene Likör duftet in der Nase zunächst herrlich nach mediterranen Kräutern. Im Geschmack entfaltet sich zum dezenten Kräutergeschmack eine feine süßliche Karamellnote.

Wie wird Beirão getrunken?

Licor Beirão mit 22 % vol. wird pur, „on the rocks“ oder in Cocktails getrunken.
Der bekannteste ist der Caipirão mit Limettenscheiben und -saft, zerstoßenem Eis, aber ohne zusätzlichen Zucker. Der Likör sorgt bereits für die Süße. Zwei Rezepte mit Bairão haben wir euch weiter unten aufgelistet.

Woraus besteht Beirão?

Der Likör wird aus einer doppelten Destillation von 13 Gewürzen, Samen und Kräutern hergestellt einschließlich Minze, Zimt, Kardamom und Lavendel,. Die genaue Zusammensetzung ist natürlich ein streng gehütetes Geheimnis.

Wie wird der Likör Beirão hergestellt?

Der Likör wird nach wie vor in Lousã, auf der Quinta do Meiral, nach dem ursprünglichen Geheimrezept durch die doppelte Destillation der aromatischen Samen, Kräuter und Gewürze hergestellt und abgefüllt.

Nach dem Wiegen und Mischen werden die Pflanzen und Kräuter mit Alkohol vermischt und mindestens 3 Wochen lang mazeriert. Der daraus resultierende Inhalt wird dann zweimal in Kupferbrennblasen destilliert.

Natürliche Pflanzen und Kräuter

Die Verwendung von natürlichen Pflanzen und Kräutern ist eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale dieses Likörs, da keine künstlichen Essenzen oder Aromen verwendet werden. Der Grund dafür ist, dass das verwendete Aroma vor Ort hergestellt wird, ein Alkoholat, das aus den Grundzutaten gewonnen wird. Nach der Herstellung wird es zu einer Mischung aus Alkohol, Zucker und Wasser gegeben. Diese wird anschließend getestet, um sicherzustellen, dass sie den Parametern des Geheimrezepts entspricht.

Und hier zwei Cocktailrezepte von Beirão. Wir haben den Originaltext aus der Website von Beirão ins Deutsche übersetzt. Dort findet ihr übrigens auch noch viele weitere leckere Rezepte für Longdrinks uvm.

Rezept Caipirão

Man könnte sagen, dass Caipirão das Beste aus zwei Welten ist, oder noch besser, das Beste aus mindestens zwei Ländern. Licor Beirão ist von „Caipirinha“ inspiriert, und aus dieser leckeren Liebesgeschichte ist Caipirão geboren. Weich und leicht süß, ist es ein leicht zuzubereitendes Getränk und noch leichter zu trinken.

Und denkt daran, ihr dürft nicht vergessen, den Zucker zu vergessen! 😉

Glas mit Caipirão und Limettenscheibe
Caipirão © Beirão
  • Schneidet eine halbe Limette in Viertel und gebt sie in ein Glas. Nehmt nicht irgendein Glas. Die Aufmachung wird nie so wichtig sein wie der Inhalt, das stimmt, aber macht es so gut wie möglich 😉
  • Zerdrückt die Limette. Habt kein Erbarmen, holt alles aus ihr heraus, was ihr könnt. So erhält ihr den leicht säuerlichen und unvergleichlichen Geschmack des Caipirão.
  • Fügt das zerstoßene Eis hinzu. Habt keine Angst, gebt reichlich Eis hinzu. Das ist die Zutat, die alles noch intensiver und kühler macht.
  • 6 cl Licor Beirão. Jetzt kommen die wichtigsten 6 cl in dieses Glas. Es ist an der Zeit, zur Sache zu kommen und den Cocktail fertigzustellen. Es dauert nicht lange, bis du einen schönen Moment genießt.
  • Und schon ist euer Caipirão fertig. Gebt einfach zwei Strohhalme hinzu. Zum Teilen oder einfach nur, um den Genuss zu verdoppeln.

Rezept Morangão

Man sagt, Morangão sei sexy. Er ist ein Cocktail für den Ballsaal und ein Getränk, das ihr auf einer Terrasse genießen könnt. Er passt zu allem. Er ist kühl, schmeckt nach Früchten, aber auch nach Licor Beirão. Besser geht es nicht, und die Erdbeeren sind die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Glas mit rotem Inhalt und Erdbeeren
Beirão Rezept Morangão © Beirão
  • Die Erdbeeren (ohne Stiel und gewaschen, falls sie frisch sind) in einen Mixer geben.
  • In der Mischung, in der die Erdbeeren bereits warten, 2 Gläser Zitronensaft hinzufügen, falls die Erdbeeren eingefroren werden. Wenn sie frisch sind, könnt ihr ein Glas Zitronensaft oder eine Limette hinzufügen (oder eine Zitrone auspressen).
  • Erdbeeren und Zitrone leben bereits im Mixer zusammen, jetzt ist es an der Zeit, zwischen 30 und 60 Sekunden zu zerkleinern und den Inhalt in ein hohes, breites Glas zu geben, das jemanden sehr glücklich macht.
  • Crushed Ice. Fügt der Party gehacktes Eis hinzu. Bis oben. Füllt das Glas. Und fangt an, Durst zu bekommen denn der Morangão ist fast fertig.
  • 6 cl Licor Beirão geben dem Getränk den letzten Schliff. Jetzt gut umrühren, zwei Strohhalme dazugeben und Ihr neues Lieblingsgetränk entdecken.

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Nun aber zur Geschichte Geschichte des Licor Beirão:

Am Anfang stand eine Liebesgeschichte

Am Ende des 19. Jahrhunderts verliebte sich ein Portweinverkäufer aus Porto, der auf seinen Touren auch die Stadt Lousã besuchte, unsterblich in die Tochter eines Apothekers. Er heiratete sie schließlich und stieg in die Apotheke ein. Dort verkauften sie, abgesehen von Medikamenten, „natürliche Liköre“ als Medizinprodukt, meist gegen Magenbeschwerden. Diese wurden, wie überall üblich, nach geheimen alten Formeln hergestellt.

Aus solchen Apothekermixturen mit Alkohol entstanden im Übrigen viele der heutigen großen Alkoholmarken, wie der Pastis aus Marseille, Absinth, Byrrh, Suze, Noilly Prat und viele andere.

Kurz darauf trat jedoch ein Gesetz in Kraft, das den Verkauf von Kräutermischungen mit Alkohol als medizinisches Produkt verbot. Doch der Schwiegersohn des jungen Apothekers wollte nicht auf den Geschmack des wunderbaren Likörs verzichten – und seine Kund:innen auch nicht.

So produzierte er ihn in einer kleinen Fabrik weiterhin und verkaufte ihn einfach als normalen Aperitif.

Der Name Beirão entsteht

1929 schließlich stellte er den Likör auf einem Kongress in Castelo Branco über lokale Produkte aus Beira als Hommage an seine Region vor und nannte ihn schlicht „Beirão“, (aus Beira stammend). Lousã gehörte zur damaligen Region Beira, heute ist sie in die übergeordnete Region Central eingegliedert. Auf dem Kongress wurde sein Likör begeistert aufgenommen und mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Seither trägt er den Namen „Beirão“.

Aus diesem Grund findet man die Jahreszahl 1929 auf der Flasche und in der Werbung, z. B. auf den Straßenbahnen von Lissabon.

Gelbe Straßenbahn
Beirão Werbung auf der berühmten Linie 28 in Lissabon © Siegbert Mattheis
Straßenbahn mit Beirao-Werbung
© Siegbert Mattheis

Die Familie konnte mit dem Verkauf des Likörs einige Jahre gut leben, bis der Zweite Weltkrieg entbrannte und mit einer wirtschaftlichen Rezession und Unsicherheit einherging. So war sie gezwungen, die Firma und das Produkt zu verkaufen.

José Carranca Redondo übernimmt Beirão 1940

Als Käufer fand sich der damals 24-jährige José Carranca Redondo, ein Verkaufstalent mit Pioniergeist. Er hatte zuvor mit Schweizer Uhren und Remington-Schreibmaschinen gehandelt und einigermaßen Gewinn gemacht, bis der Krieg kam und das amerikanische Unternehmen Remington 1940 gezwungen war, die Schreibmaschinenproduktion auf Kriegsausrüstung umzustellen.

Also sagte der junge Mann zu der Liebe seines Lebens: „Wenn du mich heiratest, Maria, kaufe ich diese Schnapsfabrik!“. Maria fand das Angebot verlockend und stimmte zu. Redondo war begeistert, er investierte seine gesamten Ersparnisse, kaufte die Fabrik und widmete sich mit Leib und Seele dem Likör.

Die Erfolgsgeschichte des Licor Beirão

Von da an begann die einzigartige Erfolgsgeschichte des Licor Beirão. José Redondo, ein Pionier, der in Portugal auch heute noch als Marketinggenie gilt, war sich der Bedeutung der Werbung bewusst. Er pflegte zu sagen, dass „jede Henne gackert, nachdem sie ein Ei gelegt hat“, und startete die erste portugiesische Werbekampagne mit Plakatwänden.

Diese ersten Plakate, die ein einfaches Schild mit der Aufschrift „Licor Beirão, der Likör Portugals“ in einer ländlichen Landschaft zeigten, wurden zu einer Ikone der portugiesischen Werbung.

Später musste ein Plakat, das ein Pin-up-Girl im amerikanischen Stil zeigte, das ein T-Shirt und sehr kurze, enge rote Shorts trug und seinen Bauch zeigte, entfernt werden. Diese Werbung wurde in Portugal wegen der unorthodoxen Kleidung nicht gut aufgenommen.

Ein damals verwendeter Werbespruch, „O Beirão que todos gostam“ (dt. „der aus Beira, den alle mögen“), war eine subtile Anspielung auf den Diktator António de Oliveira Salazar, „der aus Beira, den nicht alle mögen“. Denn Salazar stammte ebenfalls aus der Region Beira.

Plakat mit Holzschild und Aufschrift "Licor Beirão"
In die portugiesische Werbegeschichte eingegangen: eines der Plakate aus den 1950er Jahren © Beirão
Plakat mit Pin-up-Girl
Diese Plakat musste zurückgenommen werden © Beirão

O licor de Portugal

1960 gab José Carranca Redondo dem Likör den Zusatz „O licor de Portugal“, („der Likör von bzw. aus Portugal“), was ihm einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffte. Laut Wikipedia ist er derzeit die meistkonsumierte Spirituose in Portugal.

José Carranca Redondo arbeitete unermüdlich im Familienunternehmen bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2005 im Alter von 89 Jahren. Heute führt sein Sohn José Fernandes de Oliveira Redondo das Unternehmen gemeinsam mit seinem Enkel Daniel.

Bis 2016 stellte die Familie ausschließlich diesen einen Likör her, bis sie zur Feier des 100. Geburtstags von José Carranca Redondo (geboren 1916) eine zweite Auflage, den Beirão d’Honra, auf den Markt brachte.

Das neue Rezept ähnelt dem früheren, wobei Gewürze und aromatische Pflanzen verwendet werden. Die Neuerung besteht darin, dass es statt Agraralkohol Branntwein enthält. Obwohl er ein anderes Aroma und eine andere Komplexität aufweist, ist der Geschmack für diejenigen, die an den ursprünglichen Likör gewöhnt sind, vertraut.

Tchim-tchim! Oder Saúde!

Siegbert Mattheis

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