Was ist die Geschichte hinter den provenzalischen Santons?

Überall in der Provence finden Sie Geschäfte, die Santons, (von provenz. „Santoun“, „kleine Heilige“) provenzalische Krippenfiguren, anbieten. Und in der Vor-Weihnachtszeit finden jedes Jahr in vielen Orten wie Marseille, Aubagne oder Avignon große Märkte für diese Santons statt.

Dabei spielen die traditionellen Figuren wie der Engel, Maria, Josef und das Kind, die 3 Weisen und die Hirten nur noch eine Nebenrolle.

Aufwändig gestaltete Santons © Siegbert Mattheis
Aufwändig gestaltete Santons © Siegbert Mattheis

Woher kommt die Tradition der Santons?

Die Tradition der Weihnachtskrippe hat ihren Ursprung schon im Mittelalter. Franz von Assisi, dessen Mutter aus Tarascon in der Provence stammte, soll 1223 die erste Krippe in Greccio geschaffen haben. Kinderkrippen, die denen ähneln, die wir kennen, sind erstmalig im 16. Jahrhundert in Kirchen aufgestellt worden.

Nach der Französischen Revolution, die zur Schließung und teilweisen Zerstörung der Kirchen und zur Abschaffung der Mitternachtsmesse führte, wurden die öffentlichen Darstellungen der Krippen verboten und eingestellt.

Die Provenzalen wollten sich das jedoch nicht gefallen lassen und begannen heimlich, Figuren aus Brotkrumen zu formen, die sie anschließend bemalten und zu Hause aufstellten. dabei begannen sie auch gleich damit, die Krippe und die Figuren nach ihrem provenzalischen Lebensumfeld abzubilden.

In liebevoller Detailarbeit wird die ländliche Provence dargestellt, hier im Rathaus in Carpentras © Siegbert Mattheis
In liebevoller Detailarbeit wird die ländliche Provence dargestellt, hier im Rathaus in Carpentras © Siegbert Mattheis

Jean-Louis Lagnel schuf die ersten Tonfiguren

Jean-Louis Lagnel aus dem Panier-Viertel in Marseille erkannte um 1797 das Potenzial und begann, Gipsformen herzustellen, in die er weichen Ton presste und so mehrere gleiche Figuren erschaffen konnte. So baute er langsam einen (allerdings noch illegalen) Handel mit den Figuren auf.

Nachdem Napoleon sich wieder der Kirche mit dem Konkordat von 1801 angenähert hatte, wurden Krippen und die Figuren wieder zugelassen. Nur 2 Jahre später eröffnete in Marseille der erste öffentliche Markt für Santons an der Canebière, der bis heute jedes Jahr von Mitte November bis Anfang Januar stattfindet, seit 2018 am nördlichen Ufer des Vieux Port.

Erstaunlich detailgenau sind viele Figuren gestaltet © Siegbert Mattheis
Erstaunlich detailgenau sind viele Figuren gestaltet © Siegbert Mattheis

Die Santons-Charaktere erfand Antoine Maurel

1844 dichtete Antoine Maurel, ebenfalls ein Marseiller, eine provenzalische Weihnachtsgeschichte, die Pastorale provençale, in der er die Geburt Jesu in einen Stall in der Provence verlegte. Drumherum reicherte er sie mit kleinen amüsanten Geschichten rund um die Dorfbewohner an und bildete die unterschiedlichsten Charaktere ab, so wie es sie damals in einem typischen provenzalischen Dorf gab.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten Santons-Figuren.

Andere Autoren dichteten weitere Versionen, Geschichten und Figuren hinzu oder wandelten sie leicht ab. Aber die Weihnachtsgeschichte von Maurel ist noch heute die bekannteste und beliebteste und wird jedes Jahr vor Weihnachten in vielen Orten in der Provence als Theaterstück in provenzalischer Sprache aufgeführt.

Fischer in den Calanques, hier im Santons-Museum in Aubagne © Siegbert Mattheis
Fischer in den Calanques, hier im Santons-Museum in Aubagne © Siegbert Mattheis

So ist es inzwischen nicht verwunderlich, dass die Geburt Jesu inzwischen nur noch als Vorwand dient, um in teilweise riesigen Landschaften eine idealisierte provenzalische Welt en miniature abzubilden.

Wenn Sie sich auch eine kleine provenzalische Welt aufbauen wollen, können Sie sich in unserem Shop schon einmal nach passenden Figuren umsehen. Aber Vorsicht, das Sammeln der Santons birgt Suchtpotenzial 😉

Siegbert Mattheis

Natürlich dürfen auch die Pétanquespieler nicht fehlen, wie hier im Santons-Museum in Aubagne © Siegbert Mattheis
Natürlich dürfen auch die Pétanquespieler nicht fehlen, wie hier im Santons-Museum in Aubagne © Siegbert Mattheis

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