Weihnachten in Italien, wie feiern die Italiener?

Weihnachten wird in Italien, wie in vielen anderen Ländern, mit der Familie verbracht. Schon ab 8. Dezember baut man zu Hause neben dem typischen Weihnachtsbaum (eine echte oder meist künstliche Tanne), noch das presepe auf. Das presepe ist wie bei uns eine Weihnachtskrippe mit den verschiedenen Figuren aus der Weihnachtsgeschichte, aber einer kleinen Besonderheit:

Presepe, die überdimensionierte Weihnachtskrippe ist ein Muss zu Weihnachten in Italien

Zum Einen kann ein solche Krippe ein ganzes Zimmer füllen, besonders in Neapel wird die Krippe mit unzähligen Figuren aus dem neapolitanischen Leben gefüllt (ähnlich wie die Crèche provençale in der Provence mit den Santons).

Zum Anderen wird das Jesus-Baby wird erst am 24. Abends von dem Jüngsten in der Familie vorsichtig in die Wiege gelegt. Die Gläubigen gehen an diesem Abend an Mitternacht noch in die Kirche, um die Messe zu hören. Im Rom wird die Messe vom Papst gelesen und Kanonenschüsse vom Castel St. Angelo als Zeichen des Beginns der Weihnachtsfeierlichkeiten und einer 24-stündigen Fastenzeit abgefeuert.

Für die Kinder bringt babbo natale, der Weihnachtsmann, die Geschenke, die sie dann am Morgen des 25. Dezember unter dem Baum finden. In manchen Familien werden die Kinder aber auch schon an Heiligabend beschenkt.

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Presepe im neapolitanischen Stil des 18. Jh
Presepe im neapolitanischen Stil des 18. Jh. © Siegbert Mattheis
Szenen aus der neapolitanischen presepe
Szenen aus der neapolitanischen presepe © Siegbert Mattheis

Am Mittag des 25. Dezember isst man gemeinsam mit allen Verwandten. Normalerweise gehen die Jüngeren zu den älteren Verwandten als Zeichen des Respekts. Zu diesem Mittagessen kommt alles auf den Tisch, was es an italienischen Spezialitäten* so gibt.

Weihnachten in Italien mit Tombola

Nach dieser oft Stunden dauernden Mahlzeit spielt man mit der ganzen Familie von Nachmittag bis zum Abend besondere Weihnachtsspiele. Typisches Spiel ist die Tombola (ähnlich dem Bingo) Unterscheiden tut sich das süditalienische Spiel insofern von dem unseren, dass jeder Zahl eine Smorfia, ein Symbol, zugeordnet wird, wie z.B. die Angst, deren Geschichte oder eine passende Anekdote jeweils dann erzählt wird, wenn die Zahl aus dem Säckchen gezogen wird.

Die Tombola wurde übrigens 1734 in Neapel als Kompromiss zwischen König Karl von Bourbon und Pater Gregorio Maria Rocco als legale Heimalternative zum verbotenen Lotteriespiel geboren und hat seitdem ganz Italien erobert.

Weiterhin beliebt sind auch Kartenspiele mit neapolitanischen oder französischen Karten.

Typisch neapolitanische Tombola © Wikipedia
Typisch neapolitanische Tombola © Wikipedia
Der klassische Panettone mit kandierten Früchten und Rosinen
Der klassische Panettone mit kandierten Früchten und Rosinen © Gustini

Panettone oder Pandoro als kleines Mitbringsel

Am Weihnachten gibt es auch besonderen süßen Gaumenschmaus zum Beispiel den Pannettone oder Pandoro. Bei diesen italienischen Hefekuchen geht es weniger um den Geschmack, als um die Tradition. Er gehört einfach dazu, und meist kann bis Ostern, und dem damit einhergehenden Osterkuchen, davon genascht werden, da man sich gegenseitig gern Panettone als kleines Gastgeschenk mitbringt und sich diese bald in jedem Hause stapeln.

Weihnachtsgebäck Cartellate aus Apulien © Wikipedia
Weihnachtsgebäck Cartellate aus Apulien © Wikipedia

Besonders in Apulien beliebt sind Cartellate mit Vincotto (Weinmost) oder Honig, Torrone (weißer Nougat aus Eiweiß, Honig und Zucker, gefüllt mit Mandeln, Walnüssen, Erdnüssen oder gerösteten Haselnüssen, die oft mit zwei Schichten Waffel bedeckt sind) oder Kekse mit Zuckerglasur. Außerdem gibt es natürlich noch Süßigkeiten wie Schokolade mit Haselnüssen oder Mandeln und vielem mehr.

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Italienische Feinkost von Gustini
Torrone, weißer Nougat mit gerösteten Nüssen, ist besonders zur Weihnachtszeit beleibt © Wikipedia
Torrone, weißer Nougat mit gerösteten Nüssen, ist besonders zur Weihnachtszeit beleibt © Wikipedia

Süßigkeiten bringt die Hexe Befana zum 6. Januar

Am Abend des 5. Januar hängt jedes Kind eine Socke an den Kamin. Am Tag danach, am 6. Januar, bekommen Kinder, die sich während des Jahres gut benommen haben, von der Hexe Befana viele Süßigkeiten wie Schokolade, aber wer sich schlecht benommen hatte, erhält nur Kohle. Die hässliche, mit Lumpen bekleidete Hexe symbolisiert das neue Jahr und geht wohl noch auf heidnische Traditionen zurück. In der christlichen Version hat sie sich jedoch zu spät auf die Suche nach dem Christkind gemacht und irrt nach wie vor auf suchend verwirrt durch die Gegend.

Früher, etwa noch vor 40 Jahren, bekamen die Kinder die Weihnachtsgeschenke immer erst am 6. Januar, heute jedoch hat babbo natale diese Funktion übernommen und bringt sie schon früher.

Siegbert Mattheis / Matteo dello Spirito Santo

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