Was ist ein Laguiole Messer? Bei welcher Schmiede sollte man kaufen?

Ist das Merkmal des hochwertigen Laguiole Messers eine Fliege oder eine Biene? Und kommt das echte Messer wirklich aus Laguiole, einem kleinen Ort in Okzitanien oder aus Thiers bei Lyon? Bei welcher Schmiede kann man die Original Laguiole Messer kaufen? Worauf sollte man dabei achten? Wir gingen der Sache auf den Grund und haben messerscharf recherchiert.

Die berühmten Laguiole-Messer sind längst nicht nur Alltagsgegenstand, sondern auch bei Sammlern und Liebhabern von Handwerkskunst beliebt. Die Messer werden handgefertigt in manchmal wochenlanger Arbeit, mit Klingen aus Stahl, Aluminium, Damaststahl und mit kunstvollen Griffen aus edlen Materialien versehen und mit Gravuren verziert.

Wie spricht man Laguiole aus?

Im offiziellen Französisch wird Laguiole „laguioll“ ausgesprochen, im örtlichen Okzitanisch wird das gu zum j, also „lajoll“ ausgesprochen.

Fliege oder Biene auf den Laguiole Messern?

Im Grunde genommen eigentlich beides, aber die Verzierung stellt eine Biene dar! Denn „mouche“, also Fliege, ist der rein technische Begriff für das runde, dreieckige oder ovale Kopfstück der Feder, die für die Arretierung der Klinge zuständig ist. Zu Beginn der Fertigung der Messer waren dies schlichte, platte Formen. Erst gegen Ende des 19. Jhdts. begannen die Messerhersteller, diese „Fliege“ zu verzieren, mit Blumenmustern, Kleeblättern oder anderen Ornamenten. Und um 1908 feilte Jules Calmels, der Enkel des als Erfinder der heutigen Laguiole-Messer geltenden Pierre-Jean Calmels, eine Biene heraus. Napoleon, dem die Biene oft zugeschrieben wird, da er sie vielen Städten als Auszeichnung für deren Wappen zukommen ließ, hat damit nichts zu tun. Das ergaben zumindest die fundierten Recherchen von Christian Lemasson, der ein Standardwerk über die Laguiole-Messer geschrieben hatte.

Laguiole Biene © Siegbert Mattheis
Die Biene, das Merkmal der Laguiole-Messer © Siegbert Mattheis

Was ist Damast Stahl und wie gelangt die fantastische Maserung in die Klinge?

Für die Klingen, den Korkenzieher und den Messerrücken werden neben dem Stahl 12C27 auch der aufwändige Damaststahl verwendet. Dieser auch Damaszener Stahl genannte (ursprünglich aus Damaskus) besteht aus mehreren Schichten Eisen mit unterschiedlichem Kohlenstoffgehalt. Ein höherer Gehalt an Kohlenstoff bürgt für die Härte und hat einen dunkleren Farbton, weniger Kohlenstoff lässt den Stahl heller und geschmeidiger werden.

Kleine Stahlplatten, etwa 3 mm dick, 4 cm breit und vielleicht 12 cm lang werden abwechselnd geschichtet, z.B. 7 Stück, anschließend verschweißt und bei über 1.450 Grad im Schmiedeofen erhitzt. Sobald der Stahl zu schwitzen beginnt, also Bläschen wirft, wird er herausgenommen und mit starken Hammerschlägen verdichtet. Das geschieht mehrere Male. Dann wird der Stahl gefaltet, so ergeben sich schon 14 Schichten, erneut erhitzt, gehämmert und gefaltet, bis etwa 300 Lagen entstehen. Erst nachdem der Stahl diese Prozedur mehrfach durchlaufen hat, dabei immer dünner und dichter gehämmert wird, wird langsam eine Messerklinge daraus.

Mit verschiedenen Verfahren zwischendurch kann der Schmied ganz spezielle Muster erzeugen. Um z.B. eine ganz besondere Maserung mit Sternen zu erzeugen, nimmt der Schmied das Eisen zwischendurch aus dem Ofen, spannt es im noch glühenden Zustand ein und dreht es mehrere Male, bis es einem Korkenzieher ähnelt, erhitzt und hämmert den Stahl erneut.
Noch aber ist keine Maserung erkennbar. Die taucht erst auf, nachdem die Klinge in ein Säurebad getaucht wurde. Und dann wird sichtbar, wie genau und sorgfältig der Schmied gearbeitet hatte.
Ein Schmied, der Laguiole-Messer aus Damaststahl auf Wunsch herstellt, ist z.B. Alain Dumousset. Diese Messer können dann aber auch schon einige tausend Euro kosten.

gedrehter Damaststahl Laguiole Messer
Mit verschiedenen Verfahren, wie hier dem Drehen des Stahls, gelingen später besondere Maserungen des Damaststahls

Die Geschichte der Laguiole Messer

Ein Messer, ein sog. Capuchadou bei sich zu tragen, war Anfang des 19. Jhdts. für die Hirten und Bauern um Laguiole, dem kleinen Ort in Okzitanien im Département Aveyron schon immer selbstverständlich.
Da die Gegend sehr ärmlich war, zogen die Männer im Winter jedoch fort, um sich als Tagelöhner in anderen Regionen etwas hinzuzuverdienen. So gelangten auch einige nach Katalonien, von wo sie sog. Navajas, klappbare Taschenmesser mitbrachten. Dadurch inspiriert, entwickelte der Messerschmied Pierre-Jean Calmels aus Laguiole ebenfalls ein praktischeres Klappmesser, das erste Laguiole-Messer.
Einige Männer verschlug es auch nach Paris und sie arbeiteten dort als Kellner, ihr Lagiole-Messer war immer dabei. Manche Pariser spöttelten darüber und nannten das Messer auch den Ausweis der Aveyroner. Als Kellner war es natürlich praktischer, zum Messer auch einen Korkenzieher ständig bei sich zu haben. So integrierten um 1880 die Schmiede in Laguiole einen klappbaren Korkenzieher in das Messer.

Als die Pariser nun diesen nützlichen Gebrauchsgegenstand für sich entdeckten, explodierte die Nachfrage nach den Messern aus Laguiole. Schnell gerieten die Messerhersteller in Laguiole jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen. Und so kam der 2 Stunden nördlich in der Nähe von Lyon liegende Ort Thiers ins Spiel. Dort gab es bereits eine jahrhundertealte Tradition des Messerschmiedens, denn das starke Gefälle des Flusses Durolle diente als Energiequelle für die Schmiedehämmer, die durch Mühlen angetrieben wurden. So verlagerte sich die Produktion immer mehr nach Thiers. In Laguiole verblieben nur wenige Schmiede, die eine kaum nennenswerte Menge an Messern erzeugten, bis das Messerschmiedehandwerk Mitte des letzten Jahrhunderts komplett ausstarb und Laguiole-Messer nur noch in Thiers hergestellt wurden. Erst 1988 entstanden mit der Forge de Laguiole in Zusammenarbeit mit dem damaligen aufstrebenden Designer Philipp Starck und mit der Coutellerie de Laguiole Honoré Durand wieder zwei bedeutende Unternehmen im Ort Laguiole selbst.

Beide Orte, Laguiole und Thiers streiten sich heute über die Rechte bzw. den Ursprung der Laguiole-Messer, beide vereint jedoch der Kampf gegen billige Importware aus Asien unter dem Namen Laguiole, denn Laguiole Messer ist leider kein geschützter Begriff.

In laguiole sind Besichtigungen in den Werkstätten möglich. Bei verschiedenen Kursen können Sie Ihr eigenes Messer zusammenbauen.

Noch ein Tipp:

Ein Laguiole-Messer zu verschenken hat stets Bedeutung, deshalb sollte nie das Gegengeschenk, eine Münze, vergessen werden. Sie verhindert, dass die Klinge das Band der Freundschaft durchschneidet.

Unterschiedliche Laguiole Messer aus der Schmiede Honoré Durand © Coutellerie de Laguiole Honoré Durand
Unterschiedliche Laguiole Messer aus der Schmiede Honoré Durand © Coutellerie de Laguiole Honoré Durand

Bei welcher Schmiede sollte man die Original Laguiole Messer kaufen?

Von den derzeit ca. 130 Laguiole-Schmieden in Frankreich gibt es vier renommierte Manufakturen, die qualitativ in etwa auf einem Niveau liegen:

La Coutellerie de Laguiole Honoré Durand (Laguiole)
Forge de Laguiole (Laguiole)
Laguiole en Aubrac (in Espalion, in der Nähe von Laguiole)
Fontenille Pataud (Thiers)

Worauf sollte man beim Kauf eines Laguiole Messers achten?

Wenn Sie also ein echtes, authentisches Laguiole-Messer erwerben möchten, achten Sie auf folgende Kriterien:

  • Den Namen/Logo der herstellenden Schmiede auf der Schneide, geprägt oder gestanzt (bei Klingen aus Damaststahl auf dem Klingenhals)
  • LOG-Siegel ( Laguiole Origine Garantie)
  • Eine Herkunftsgarantie („garantie d’authenticité“) und eine Garantie und einen Reparaturservice von der Schmiede selbst („service après vente“) mit Namen und Adresse des Herstellers.
  • Den Preis. Ein Laguiole-Taschenmesser unter 120 Euro ist für echte Handarbeit nicht nachvollziehbar.

Siegbert Mattheis

Ein einfaches Laguiole Messer aus der Schmiede Honoré Durand © Coutellerie de Laguiole Honoré Durand
Ein einfaches Laguiole Messer aus der Schmiede Honoré Durand © Coutellerie de Laguiole Honoré Durand
Laguiole Messer der Schmiede Forge de Laguiole © Thierry Moyset, Forge de Laguiole
Laguiole Messer der Schmiede Forge de Laguiole © Thierry Moyset, Forge de Laguiole

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