Trüffelmarkt Italien in San Giovanni d’Asso, der kleinen Trüffelhauptstadt

Immer noch ein Geheimtipp: in San Giovanni d’Asso, in der toskanischen Gemeinde Montalcino, findet jedes zweite und dritte Wochenende im November der Trüffelmarkt für weißen Trüffel, la Mostra Mercato del Tartufo Bianco delle Crete Senesi, statt. Und dass die weißen Trüffel denen im berühmteren Markt in Alba im Piemont in nichts nachstehen, erfahren Sie weiter unten. Hier unser kleiner Reisebericht:

„Ihr wollt morgen auf das Trüffelfest in San Giovanni d’Asso? Na dann sehen wir uns dort. Ihr findet mich im großen Zelt,“ meint Michele, „Das ist ganz leicht zu finden, der Ort ist nicht so groß, obwohl er ja jetzt eine kleine Hauptstadt ist, ‚la piccola capitale del tartufo‘,“ schmunzelt er.

Michele ist der Vermieter unseres stilsicher eingerichteten Appartements direkt am Marktplatz im mittelalterlichen Cortona. Michele ist ein sympathischer, umtriebiger Mann Mitte fünzig, hat einige Häuser und etwas Geld von seiner Großmutter geerbt und ist leidenschaftlicher Trüffelfan, Antiquitätensammler und baut sein eigenes Olivenöl an.

Weiße Trüffeln auf dem Trüffelmarkt in Italien
Die begehrten weißen Knollen © Siegbert Mattheis

Trüffelmarkt in San Giovanni d’Asso, Italien

Als wir in San Giovanni d’Asso am nächsten Tag gegen Mittag über die kurvigen Landstraßen einfahren, wirkt das Örtchen tatsächlich nicht wie eine Hauptstadt. Eher ein verschlafenes, auch nicht besonders schönes Nest, mit knapp 1.000 Einwohnern, einer mittelalterlichen Burg, einer Kirche, ein paar Bars und Restaurants. Aber jedes Jahr im November erwacht der Ort zur „piccola capitale del tartufo“, zur kleinen Trüffelhauptstadt. Dann machen sich die Feinschmecker aus Siena, Florenz, Arezzo und manchmal auch aus dem entfernten Rom auf in die „Crete Senesi“ im Süden von Siena, wo die Toskana nicht mehr so lieblich ist wie im Chianti, wo keine Touristenbusse mehr halten und keine Wegweiser Sehenswürdigkeiten anpreisen.

Kaum ausländische Touristen

Ausländische Touristen sieht man tatsächlich so gut wie keine, dennoch sind an diesem Wochenende alle Straßen bereits komplett zugeparkt. Geduldige Politessen weisen den Weg zu etwas außerhalb gelegenen Parkmöglichkeiten, denn das Zentrum, bzw. die einzige Durchfahrtsstraße ist für das Trüffelfest gesperrt.

Das große weiße Zelt, in dem wir Michele treffen sollten, ist tatsächlich nicht zu übersehen. Davor lockt uns zunächst jedoch der verführerische Duft von frisch im mobilen Holzofen gebackener Focaccia mit hauchdünnem Prosciutto und feinem Olivenöl. Dazu passt wunderbar ein Glas Sangiovese.

Focaccia mit hauchdünnem Prosciutto im Holzofen gebacken © Siegbert Mattheis
Focaccia mit hauchdünnem Prosciutto im Holzofen gebacken © Siegbert Mattheis

Weiße Trüffeln für 3 Euro pro Gramm

Das wollen wir uns dann gleich mal ansehen und unsere Nasen führen uns geradewegs zum nahegelegenen Eingang. Denn gleich im ersten Saal der Burg, in dem auch das Museum untergebracht ist, hat ein Trüffelhändler seinen Stand aufgebaut. Etwa 30 bis 40 Trüffeln in kleinen, mit karierten Tüchern ausgelegten Körben verströmen ihren unvergleichlichen Duft. Ein Traube von potenziellen Käufern steht um den Tisch, man begutachtet, prüft und lässt einige auswiegen. Der Preis liegt bei etwa 300 Euro für 100g. Im Durchschnitt wiegt hier ein „Tartufo Bianco delle Crete Senesi“ um die 50 Gramm. Wir genießen erst einmal nur den Geruch, der irgendwo zwischen Moder, Knoblauch, Zwiebel, Steinpilz und wilder Sau liegt. Dann können wir nicht widerstehen und kaufen einen für uns einigermaßen erschwinglichen und für eine Mahlzeit ausreichenden Trüffel mit einem Gewicht von 20 g. Und dazu noch gleich einen Trüffelhobel.

Trüffeln in kariertem Stoff
Hier wird genau abgewogen © Siegbert Mattheis
Käufer und Verkäufer begutachten Trüffeln, es wird abgewogen
Begutachtet, gerochen gewogen ... © Siegbert Mattheis

Trüffelmuseum

Im Museo selbst können wir dann auf recht unterhaltsame Weise diese einzelnen Duftnoten erschnuppern. Ein Knopfdruck an einer „Geruchsstation“ und schon strömt uns ein feiner Koblauchgeruch in die Nase. Der nächste Konpfdruck liefert einen Duft nach nasser Erde, dann Zwiebel usw. Etwas weiter sind Schalen aus Terracotta ausgestellt, in denen man die Trüffel temperaturkontrolliert transportieren kann. Gleichzeitig atmungsaktiv und dennoch den Duft konservierend. Denn die Trüffeln sind sehr empfindlich, bereits nach etwa einer Woche verlieren sie ihren aromatischen Geruch, und damit auch ihren Wert. Und dieser ist das Entscheidende bei Trüffeln. Denn von einem besonderen Eigengeschmack kann man nicht wirklich sprechen. Der Geruch ist der entscheidende Geschmacksträger.

Transportbehälter für Trüffeln © Siegbert Mattheis
Transportbehälter für Trüffeln © Siegbert Mattheis
Kristallglas zur Geruchsanalyse von Marzuolo oder Bianchetto-Trüffeln im Museum © Siegbert Mattheis
Kristallglas zur Geruchsanalyse von Marzuolo oder Bianchetto-Trüffeln im Museum © Siegbert Mattheis

Wir schlendern weiter durch die Gassen, ein Korbmacher sitzt vor seinem Haus und flicht Körbe und die berühmte Umverpackung für eine Chianti-Fiasco, ein Kamerateam des Regionalfernsehens ist unterwegs, fängt die Stimmung ein und interviewt einen Einwohner mit Hund. An einem Hauseingang bietet eine Frau selbstgemachten Prosciutto und Käse auf einem kleinen Tisch an und überall sind Stände mit Köstlichkeiten aus der Region. Dann ertönt der mitreißende Sound einer Blaskapelle. Wir drehen uns um und sehen fünf junge Männer, die fröhlich in ihre Hörner schmettern. Einige Menschen auf der Straße beginnen spontan zu tanzen. Es herrscht eine fröhliche, ausgelassene Stimmung.

Ein Korbmacher vor seiner Haustür © Siegbert Mattheis
Ein Korbmacher vor seiner Haustür © Siegbert Mattheis
Überall werden regionale Spezialitäten angeboten © Siegbert Mattheis
Überall werden regionale Spezialitäten angeboten © Siegbert Mattheis
Von den Bewohnern werden hausgemachte Spezialitäten angeboten © Siegbert Mattheis
Von den Bewohnern werden hausgemachte Spezialitäten angeboten © Siegbert Mattheis
Das lokale Fernsehen ist dabei © Siegbert Mattheis
Das lokale Fernsehen ist dabei © Siegbert Mattheis

Trüffeln in der „Kantine“

Dann entdecken wir in einer Art Hinterhof ein schmuckloses, einfaches Restaurant, das eher wie ein Kantine wirkt. Viele ältere Einheimische sitzen an den Tischen, das ist ein gutes Zeichen, dass das Essen hier schmeckt. Also bestellen wir etwas, natürlich mit Trüffeln, und werden nicht enttäuscht. Dazu ein Bauernwein aus der Gegend … es ist herrlich!

Das Ambiente wie in einer Kantine, aber geschmacklich auf höchstem Niveau © Siegbert Mattheis
Das Ambiente wie in einer Kantine, aber geschmacklich auf höchstem Niveau © Siegbert Mattheis

Als sich dann langsam die Dämmerung neigt, treten wir mit unserem Trüffel den Heimweg an, um ihn gebührend beim Abendessen mit Pasta zu würdigen. Und der wunderbar erdige Trüffelgeruch hing noch lange im Auto …

Siegbert Mattheis

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