Rhodos und die Johanniter: Wie kamen die Kreuzritter auf die Insel?

Auf Rhodos finden Sie viele Hinterlassenschaften der Johanniter. Zum einen die wunderschöne mittelalterliche Altstadt von Rhodos mit einem heute noch vollständig erhaltenen Wall mit Stadtmauer, dem (teilweise wiederaufgebauten) Großmeisterpalast und der Ritterstraße. Weiterhin die Burg in Lindos, eine Festung in Archangelos und viele weiteren Bauten auf Rhodos. Aber wer waren die Johanniter, wo liegt ihr Ursprung und warum beherrschten sie über 200 Jahre die Insel Rhodos?

Pilger waren die ersten (Massen-)Touristen

Mit der Ausbreitung des Christentums und der Übernahme zur Staatsreligion im römischen Reich 380 n. Chr. begann ein Pilgerstrom ins Heilige Land. Pilger waren quasi die ersten Touristen. Herbergen, Gasthäuser und Kirchen wurden in Jerusalem, Bethlehem und anderen biblischen Orten errichtet.

Die Reisen dorthin waren allerdings ziemlich beschwerlich und auch nicht ungefährlich. So beauftragte Papst Gregor I. bereits im Jahr 603, ein Hospital in Jerusalem zu errichten, um kranke und verletzte Pilger zu betreuen. Dieses wurde später immer mehr erweitert, bis der Kalif al-Hākim bi-amr Allāh es neben zahlreichen anderen christlichen Gebäuden im Jahr 1005 zerstören ließ. 18 Jahre später wurde es von italienischen Händlern aus Amalfi und Salerno an der Stelle des Klosters von Johannes dem Täufer wieder aufgebaut.

Das mächtige Marine-Tor am Hafen © Siegbert Mattheis
Das mächtige Marine-Tor am Hafen in Rhodos-Stadt © Siegbert Mattheis

1099 wird der Johanniterorden gegründet

Wenig später, im Jahre 1099, wurde hier der Hospitaliterorden (auch Johanniterorden, benannt nach Johannes dem Täufer) gegründet. Das Hauptziel war, die Pilger zu betreuen und pflegen. Die Versorgung der Kranken wurde durch Ordensbrüder übernommen. Aber die Pilger mussten auch mit Waffengewalt beschützt werden. Denn diese stellten einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar (nicht viel anders als heute), weshalb Schutz und Pflege derselben mittelbar allen Anrainern des Mittelmeerraumes zugute kam. Gleichzeitig baute der Orden auch eine gewaltige Flotte auf, um den Handel im östlichen Mittelmeerraum zu schützen.

Überall ist das Johanniterkreuz zu sehen © Siegbert Mattheis
Überall ist das Johanniterkreuz zu sehen © Siegbert Mattheis

Einer der reichsten Kreuzritterorden

Durch viele Schenkungen und Spenden, auch Steuerbefreiungen wurde der Johanniterorden reich und mächtig. Er baute nach der Eroberung durch die Kreuzritter 1112 auch die wichtige Hafenstadt Akkon aus und errichtete eine Zitadelle. Akkon wurde eine wichtige Schnittstelle für die Vermittlung arabischer Kultur und Wissenschaft nach Europa. Nach der Eroberung Jerusalems 1187 durch Sultan Saladin stieg Akkon nun zur Hauptstadt des Königreichs Jerusalem (ohne Jerusalem) auf.

1292 wurde die Festung jedoch durch die Truppen des ägyptischen Mamluken-Sultans al-Malik al-Asraf Chalil nach langer Belagerung erobert. Somit waren die Kreuzzüge endgültig gescheitert und das Heilige Land war in muslimischen Händen.

So suchten die Johanniter einen neuen Ort, um weiter die Pilger nach Jerusalem schützen und betreuen zu können. Sie ließen sich zunächst auf Zypern nieder, aber nach Streitigkeiten mit dem dortigen König mussten sie sich wiederum eine neue Bleibe suchen.

Das Johanniter-Kreuz in der von Italienern nach Originalplänen wiederaufgebauten Kirche Evangelismos © Siegbert Mattheis
Das Johanniter-Kreuz in der von Italienern nach Originalplänen wiederaufgebauten Kirche Evangelismos © Siegbert Mattheis

1309 erobern die Johanniter die Insel Rhodos

Rhodos lag nahe und wurde 1309 beinahe widerstandslos erobert. Rhodos hatte eine günstige Lage und einen bestehenden Hafen aus der Antike. Hier ließen sich die Johanniter nieder und bauten eine Festung mit einem mächtigen Verteidigungswall. Sie sahen sich als Bollwerk des Christentums gegen den Islam und unternahmen von dort aus viele erfolglose Versuche, das Heilige Land den Muslimen wieder zu entreißen.

Reste des Johanniterkastells auf der Akropolis in Lindos © Siegbert Mattheis
Reste des Johanniterkastells auf der Akropolis in Lindos © Siegbert Mattheis
Der Krankensaal im zur damaligen Zeit modernsten Krankenhaus Europas © Siegbert Mattheis
Der Krankensaal im zur damaligen Zeit modernsten Krankenhaus Europas © Siegbert Mattheis

1523 verließen die Johanniter Rhodos

Als die Osmanen 1453 das scheinbar uneinnehmbare Konstantinopel eroberten, begannen die Johanniter ihren Verteidigungswall auf eine Dicke von 14 Metern zu verstärken. Das genügte, um den ersten Ansturm der Osmanen 1480 zu widerstehen. Allerdings half ihnen auch der türkische Oberbefehlshaber Mesih Pascha dabei, als er seinen Soldaten verkündete, dass Plünderungen untersagt seien und bei einem Sieg alles dem Sultan gehören würde. Aus Wut und Enttäuschung darüber zog sich ein Großteil der Soldaten zurück und der Angriff schlug fehl. Im Jahre 1522 wurde Rhodos erneut vom 160.000 Mann starken osmanischen Heer unter Sultan Süleyman I. angegriffen und mit einem Hagel von Kanonenkugeln beschossen (die heute schön aufgeschichtet u.a. im Burggraben zu sehen sind). Der Wall wurde stark beschädigt, hielt jedoch einigermaßen stand, aber nach sechsmonatiger Belagerung mussten die Johanniter 1523 dennoch aufgeben.

Der Großmeisterpalast, Burggraben und rechts der 14m breite Verteidigungswall © Siegbert Mattheis
Der Großmeisterpalast, Burggraben und rechts der 14m breite Verteidigungswall © Siegbert Mattheis

Sie erhielten freies Geleit und zogen sich zunächst nach Kreta zurück, bis 1530 Malta zu ihrem neuen Stützpunkt wurde. Dort spalteten sie sich später in den evangelischen Johanniterorden und den katholischen Malteserorden auf, die beide heute noch existieren.

Siegbert Mattheis

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