Rhodos Folklore Museum, sehenswert und liebevoll aufbereitet

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Wenn ihr ein wenig an der jüngeren Geschichte von Rhodos und den Griechen auf der Insel interessiert seid, solltet ihr auf jeden Fall das Folklore Museum in Lardos besuchen.

Privates Museum aus Eigeninitiative

In privater Initiative hat Panagiotis Loukaras hier in seinem Folklore Museum hunderte Gegenstände und Fotos aus dem vergangenen Jahrhundert liebevoll zusammengetragen. Und Panagiotis erzählt gerne die Hintergründe einzelner Gerätschaften und Abbildungen, auch auf Deutsch. Er wurde 1962 in Stuttgart geboren und kehrte im Alter von etwa 5 Jahren in sein Heimatland Rhodos zurück.

Panagiotis Loukaras kann viel erzählen

Vielleicht ein wenig dogmatisch, aber sehr engagiert und anschaulich: „Bitte stellen Sie sich hier hin unter den Ventilator, da ist es nicht so heiß. Dann erzähle ich Ihnen etwas über die Lebensbedingungen hier auf Rhodos. Fragen bitte gerne zum Schluss…“ und dann legt er los:

Gelbe Fassade mit Aufschrift "the local Folklore Museum" im Sonnenlicht
Das sehenswerte Folklore Museum in Lardos © Siegbert Mattheis
Zwei Männer stehen in einem Raum voller gerahmter Fotos, Töpferwaren und Textilien des Rhodos-Museums.
Panagiotis Loukaras erzählt uns viel über das frühere Rhodos in seinem Folklore-Museum © Claudia Mattheis
Schaufensterpuppe in traditioneller brauner Kleidung und mit weißem Kopftuch.
Typische Tracht der Frauen auf Rhodos © Siegbert Mattheis

Rhodos unter italienischer Besatzung

Wie die Italiener 1912 die Insel besetzt hatten, wie sie Straßen gebaut, Unternehmen gegründet und die antiken Denkmäler ausgegraben hatten. Dass sie das allerdings nicht für die griechische Bevölkerung getan hatten, sondern Rhodos als Stützpunkt für ihre Expansionspläne, ihr neues “Römisches Reich” und als Lebensraum für Italiener nutzen wollten. Dass die Rhodier die Italiener zunächst als Befreier von der osmanischen Herrschaft begrüßten, unter der sie wie Sklaven lebten. Damals durften Griechen z.B. auch nicht in Rhodos Stadt leben, sondern nur auf dem Land.

Man durfte nur noch Italienisch sprechen

Bis die Faschisten 1923 an die Macht kamen. Dann durfte man nur noch Italienisch sprechen und den Faschistengruß lernen. Ab 1936 wurde es noch schlimmer, als der Gouverneur de Vecchi die Insel mit brutalen Methoden, die selbst Mussolini zuviel waren, regierte.

Trauer und Verzweiflung der Auswander

Panagiotis zeigt uns Fotografien an der Wand, mit Abschiedsfotos von Familien und ganzen Gruppen, die Rhodos auf der Suche nach einem besseren Leben verließen, nach Australien oder Amerika. Auf den Gesichtern der Menschen spiegelt sich große Trauer und Verzweiflung, aber auch etwas Hoffnung wider.

Eine große Gruppe von Menschen mit traurigen Gesichtern, darunter Erwachsene und Kinder, posiert gemeinsam auf einem Schwarzweißfoto im Rhodos-Museum
Aufgrund der großen Armut wanderten schon in den 1920er Jahren viele Familien aus © Folklore Museum
Schwarz-Weiß-Foto von Bauern bei der Olivenernte, ein Mann holt mit einem langen Stab die Oliven vom Baum, während Frauen sie vom Boden aufsammeln.
Olivenernte auf Rhodos © Folklore Museum
Zinkwaschbecken, bestickte Wandbehänge, ein kleiner Spiegel und ein Holzschrank im Rhodos-Museum
Typische Waschgelegenheit © Siegbert Mattheis

Wie wohnten die Menschen auf Rhodos?

In einem Teil des Museums hat Panagiotis auch eine Wohnung auf Rhodos nachgebildet, mit dem typischen Sofa vor dem Kamin. Dieses Sofa (aus dem Türkischen soufa) ist eher eine erhöhte Plattform, direkt an den Kamin gebaut, auf der die Kinder schliefen und man auch das Essen auf einem runden Holzgestell einnahm. Die Eltern hatten eine Art Hochbett, unter dem das Olivenöl und sonstige Vorräte lagerten.

Traditionelles Zimmer im Rhodos-Museum, mit bestickten Textilien, Holzmöbeln und dekorativer Keramik auf Regalen.
Das typische "Soufa" am Kamin, in der Mitte der kleine Tisch, von dem man aß © Siegbert Mattheis
Zimmer mit einem traditionellen Alkovenbett aus Holz mit bestickter Bettwäsche, einer Treppe und rustikalem Dekor
Auf diesem Hochbett schliefen die Eltern © Siegbert Mattheis
Die Vintage-Küche im Rhodos-Museum: Töpferwaren, eine antike Nähmaschine sowie an der Wand befestigte Teller und Utensilien.
Die Teller an der Wand dienten oft auch als Deko © Siegbert Mattheis
Auf Holzregalen im Rhodos-Museum militärische Artefakte wie ein Helm, ein altes Telefon, Feldflaschen und eine Gasmaske.
Relikte der Wehrmacht, die Rhodos von 1943 bis 1945 besetzte © Siegbert Mattheis
Grüner Schrank mit Gitternetz und Sesamkringel innen
In solch einem Käfig gegen Insekten wurden Lebensmittel aufbewahrt © Siegbert Mattheis
Ein mit Tassen, einem Teller Gebäck, einer Schale bemalter Eier und einer handgeschriebenen Karte gedeckter Tisch.
Osterritual auf Rhodos © Siegbert Mattheis

Ein Zimmer und Küche

Tatsächlich leben heute auch noch viel Rhodier in solchen kleinen Häusern mit meist nur einem Zimmer und einer kleinen Küche. Wir durften eins dieser Häuser, das Elternhaus von Dimitris Kozas, dem Besitzer des gleichnamigen, fantastischen Restaurants Stegná Kozas, mit ihm besuchen. Unser neu gebautes Ferienhaus in Stegná hat diese Situation original nachgebaut, aber natürlich etwas komfortabler mit etwas größeren und mehreren Zimmern.

Eigenes Buch über die Geschichte

Es ist hochinteressant, einen kleinen Einblick in die damalige Lebenswelt auf Rhodos zu erhalten! Panagiotis hat auch ein lesenswertes Buch auf Englisch über Lindos und die Geschichte von Rhodos geschrieben, das er zum Verkauf anbietet.

Parkplätze und ein Café

Parkplätze gibt es direkt vor dem Museum, eine kleines Café ebenfalls. Der Eintritt von 5 Euro kommt nur dem Erhalt des Museums zugute.

Lage des Rhodos Folklore Museums auf Google Maps ansehen

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

Siegbert Mattheis

Reiseführer Rhodos

Diese beiden Reisebücher von Marco Polo und Dumont haben uns in der Vorbereitung der Reise und auch vor Ort sehr geholfen. beide gleichermaßen informativ, mit vielen Insidertipps und Hinweisen. Der Dumont-Reisführer ist in einigen Punkten ausführlicher, der von Marco Polo bietet Vorschläge für Erlebnistouren an.

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