Kretische Spezialitäten, Chochlioí, Dakos, Rakí, Saganáki, Tirokafteri, …

Innerhalb der griechischen Küche nehmen die Spezialitäten aus Kreta einen besonderen Stellenwert ein. Auf der drittgrößten Mittelmeerinsel leben die meisten über 100jährigen bei bester Gesundheit. Hier wurde auch in den 1960er Jahren die Mittelmeer- oder Kreta-Diät entdeckt. Viel Gemüse und Hülsenfrüchte, wenig Fleisch und viel kretisches Olivenöl sorgen offenbar für ein langes Leben.

Unsere Highlights der kretischen Spezialitäten:

Wir sind in den Süden von Kreta gefahren, denn dort sollte es noch die ursprüngliche und von Touristenwünschen unbeeindruckte kretische Küche geben. Wir hatten uns für die beiden kleinen, zusammenhängenden Orte Kastri und Keratokampos entschieden, die noch in kaum einem Reiseführer aufgeführt sind.

Keratokampos und Kastri im Süden von Kreta
Keratokampos und Kastri im Süden von Kreta © Siegbert Mattheis
Taverna Nikita in Keratokampus mit typisch blauen Stühlen direkt am Meer
Taverna Nikita in Keratokampus © Siegbert Mattheis

Und wir wurden nicht enttäuscht. Natürlich gibt es auch hier im Süden Touristen, aber das sind meist Griechen aus Heraklion oder vom Festland. In diesen Fischerorten finden Sie auch keine Hotels, nur einige Ferienwohnungen. Die schmalen Kies- und Sandstrände sind noch wenig besucht, das glasklare, türkisfarbene Meer lädt zum entspannten Badeurlaub ein.

Es gibt eine Menge kretischer Spezialitäten und wir konnten natürlich nicht alle probieren, aber hier sind unsere Favoriten:

Chochlioí Boumpouristoí, frittierte Schnecken in Knoblauchöl und Rosmarin

Als ich nach diesem Gericht fragte, das mir unsere griechische Freundin ans Herz gelegt hatte, erntete ich zunächst ungläubiges Staunen. Mir wurde gesagt, dass Deutsche nie danach fragen würden, lediglich die Franzosen (neben den Griechen natürlich) würden das gerne verkosten. Dabei gelten die Schnecken auf Kreta sogar als die aromatischsten der Welt. Chochlioí standen auch nicht auf der Karte, aber mir wurde das gerne im fabelhaften Restaurant Nikita in Keratokampos serviert. Griechen am Nachbartisch nickten mir sogar anerkennend zu. Und die Schnecken sind wirklich köstlich, fest im Fleisch und herrlich aromatisch mit dem Knoblauch, Salz und dem krossen Rosmarin. Unbedingt zumindest einmal probieren!

Chochlioi, Schnecken aus Kreta
Chochlioi, © Siegbert Mattheis

Dakos, kretisches Bruschetta

Dakos ist eine besondere Spazialität aus Kreta. Es sind krosse Gersten-Zwiebackbrote, Paximada, mit geriebenen Tomaten, Feta oder dem Weichkäse Mizithra und Oliven. Die Tomaten durchtränken den Zwieback und machen ihn weicher. Der Käse und die Oliven geben den Dakos eine salzige Note, gewürzt werden sie mit reichlich Oregano und natürlich viel Olivenöl.

Das klassiche Dakos mit Tomaten und braunen Oliven
Das klassiche Dakos © Siegbert Mattheis

Oktopus gekocht in Rotwein

Gebratenen oder gegrillten Oktopus gibt es überall in Griechenland. Aber in Rotwein gekocht mit Zwiebeln und Lorbeerblatt, das hatten wir bisher nur hier gesehen. Der Oktopus zergeht beinahe im Mund, unvergleichlich zart, und durch die geschmorten Zwiebeln schmeckt es leicht süßlich und erinnert ein wenig an französische Zwiebelsuppe.

Oktopus in Rotweinsauce mit Zwiebeln, geröstetes Brot und Wein dazu
Oktopus in Rotweinsauce mit Zwiebeln © Siegbert Mattheis

Oktopus auf Erbsenpürree, Fáva

Und noch ein Gericht mit Oktopus hatte es uns angetan. Gegrillt wurde er auf feinem Pürree aus gelben Platterbsen mit Zwiebeln und Olivenöl serviert. Beides passt hervorragend zusammen und ergibt eine leicht süßlich-herbe Note. Das Gericht fanden wir in Matala, dem ehemaligen Hippieort, auf der Klippe gegenüber der Höhlen, allerdings heute sehr touristisch. Aber das letzte Restaurant am Ort, Scala, hat unserer Meinung nach die besten Gerichte, einen freundlichen Service und dazu eine perfekte Aussicht auf den Ort, die Höhlen und das Meer.

Gegrillter Oktopus auf Fáva, Erbsenpüree in Tomatensauce
Gegrillter Oktopus auf Fáva, Erbsenpüree © Siegbert Mattheis

Griechischer Bauernsalat, Choriátiki saláta, auf halbiertem Brot mit Ziegenfrischkäse

Griechischer Bauernsalat besteht aus Tomaten, Gurken, Oliven, Zwiebeln, Olivenöl und wird normalerweise mit Feta serviert. Dieser hier in der Taverna Kriti in Kastri jedoch wird auf einem knusprigen Brot, gebacken wie eine Schale serviert, getränkt mit Olivenöl und darüber an Stelle von Feta ein großer Klecks von zart schmelzendem Ziegenfrischkäse. Alles zusammen vermischt, ergibt das einen ganz besonderen, frischen Geschmack und mit dem krossen Brot ein wunderbares Gefühl im Gaumen. Das Brot wird extra vom ortsansässigen Bäcker nur für ihn gebacken, den Ziegenfrischkäse stellt er gemeinsam mit seinem Bruder selbst her, erzählte uns stolz Yorgo, der Besitzer der Taverne.

Griechischer Bauernsalat, Choriatiki
Griechischer Bauernsalat, Choriatiki © Siegbert Mattheis

Rakí, das kretische Nationalgetränk

Raki ist das kretische „Nationalgetränk“ schlechthin. Traditionell wird in den Restaurants auf Kreta nach dem Essen eine kleine Flasche Raki mit Obst serviert. Es ist ein Tresterschnaps aus heimischen Trauben ohne Zusätze; ähnlich, aber nicht zu verwechseln mit dem türkischen Raki, der Anis enthält. Ouzo wird übrigens auf Kreta weniger getrunken als im restlichen Griechenland.

Raki in kleiner Flasche, davor zwei Gläser
Rakí © Siegbert Mattheis

Zaros Wasser

Das Wasser aus Zaros trank man bereits in der Antike. Das Dorf liegt am Südrand des Ida Gebirges, etwa 40 km südlich von Heraklion. Auch nach Jahrhunderten entspringt dasselbe Wasser noch immer am Fuße des Psiloritis, dem höchsten Berg Kretas, genauso unverändert und kristallklar. Zaros Wasser zählt zu einem der besten Mineralwässer in ganz Europa.

Wasser aus Zaros, Weißwein, auf einem Tisch am sonnigen Meer
Das berühmte Wasser aus Zaros darf nie fehlen, auch die kretischen Weine sind hervorragend © Siegbert Mattheis

Käse-Saganáki, frittierter Schafs- oder Ziegenkäse

Saganáki ist ursprünglich nur die Bezeichnung für eine kleine Pfanne oder Kasserolle mit zwei Henkelgriffen. Inzwischen heißen jedoch fast alle in einer solchen Pfanne zubereiteten Gerichte Saganáki. Für das Käse-Saganáki wird ausschließlich der in der jeweiligen Gegend produzierte, handgemachte Käse wie Kefalotiri verarbeitet und in einer Panade aus geschlagenem Ei und Paniermehl in der Pfanne ausgebacken und sofort mit einer Zitronenscheibe serviert.

Saganaki mit Limettenscheibe
Saganaki © Siegbert Mattheis

Okraschoten

Gekochte Okraschoten mit Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie in einer leichten Tomatensauce sind ein wunderbares Soulfood, und als Eiweißlieferant super gesund. Und sie schmecken natürlich richtig gut!

Okraschoten in Tomatensud © Siegbert Mattheis
Okraschoten in Tomatensud © Siegbert Mattheis

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Artischockenherzen in Knoblauch-Tomatensud

Artischocken sind eine beliebte Fastenmahlzeit. Und so wie hier in einer leichten Tomatensauce serviert, kannten wir sie auch noch nicht. Herrlich zart und ein feiner Geschmack!

Artischockenherzen in Knoblauch-Tomatensud
Artischockenherzen in Knoblauch-Tomatensud © Siegbert Mattheis

Rote Bete Salat

Erdig, aber erfrischend an einem heißen Tag genossen, ist dieser Salat mit etwas Knoblauch und Salz ein wunderbarer leichter Snack, der auch gut zu Fisch passt.

Rote-Bete-Salat © Siegbert Mattheis
Rote-Bete-Salat © Siegbert Mattheis

Frittierte Zucchini oder Auberginen

Diese in Mehl ausgebackenen Zucchini- oder Auberginenscheiben sind eine sehr beliebte Vorspeise, mesé, die man in Tsatsíki tunkt. Durch das Ausbacken schmecken die Scheiben leicht süßlich.

Frittierte Zucchini mit Zitrone
Frittierte Zucchini © Siegbert Mattheis

Zucchinikroketten

Diese gebratenen Bällchen aus Zucchini und Kartoffeln mit Feta, Hartkäse und Eiern, gewürzt mit Petersilie und Minze sind eine sehr beliebte Vorspeise.

Frittierte Zucchinikroketten, daneben gelber Hartkäse
Frittierte Zucchinikroketten © Siegbert Mattheis

Jemistés, gefüllte Tomaten und Paprika

Mit Reis, Kräutern und manchmal mit Hackfleisch gefüllte Tomaten oder Paprika finden Sie auf beinahe jeder Speisekarte einer Taverne.

Jemistés, mit Reis gefüllte Tomaten und Paprika
Jemistés, mit Reis gefüllte Tomaten und Paprika © Siegbert Mattheis

Eingelegte Zwiebeln

Diese in Essig eingelegten Perlzwiebeln sind zwar etwas sauer, passen aber gut zu Kurzgebratenem, zu Gyros oder Souvlaki.

Eingelegte saure Zwiebeln, dahinter Brot, Wein und die Küste
Eingelegte saure Zwiebeln © Siegbert Mattheis

Ksifía, gegrilltes Schwertfischsteak

Schwertfisch finden Sie in allen Mittelmeerküchen, bei uns allerdings wird man auch auf spezialisierten Fischmärkten seltener fündig. Schwertfisch hat in etwa die Konsistenz und den Geschmack von Thunfisch und mit ihm gemeinsam, dass er keine Gräten hat. Dazu passt frischer Tsatsiki.

Schwertfisch mit Zwiebeln und geratenem Paprika
Schwertfisch © Siegbert Mattheis

Dolmadakia, Weinblätter mit Zitronenreis

Die mit Reis gefüllten Weinblätter finden Sie natürlich auch überall sonst im östlichen Mittelmeerraum. Aber diese hier waren mit klein geschnittenen Tomaten und Zitronenabrieb so elegant verfeinert, dass wir begeistert waren. Dadurch erhielten sie eine wunderbar frische Note.

Dolmadakia, Brot und Wein
Dolmadakia © Siegbert Mattheis

Tirokafteri, pikanter Käseaufstrich

Tirokafteri, in einigen Regionen auch als Ktipiti bekannt, ist ein Aufstrich auf Käsebasis. Die Zubereitung des Gerichts kann von Region zu Region variieren. Zu den Zutaten gehören jedoch am häufigsten Feta-Käse, Peperoni, geröstete Paprika, Olivenöl, Zitronensaft, Knoblauch, Joghurt oder Oregano. Schön pikant und passt auf geröstetes Brot!

Tirokafteri, Käseaufstrich, geröstetes Brot und Weißwein
Tirokafteri © Siegbert Mattheis

Karidopita, kretischer Walnusskuchen

Dieser Dessertkuchen war für uns das süße Highlight. Er besteht aus Walnüssen, Butter, Paniermehl und etwas Zimt und wird nach dem Backen mit aromatisiertem Zuckersirup übergossen. Dadurch wird er wunderbar saftig-süß.

Saftig-süßer Karidopita-Walnusskuchen
Saftig-süßer Karidopita-Walnusskuchen © Siegbert Mattheis

Aber für alle anderen kretischen Spezialitäten gilt: Kali orexi!

Siegbert Mattheis

Pfannkuchen mit Nutella

Das ist nun wohl leider auch zu den kretischen bzw. auch eher allgemein griechischen Spezialitäten zuzurechnen, denn das haben wir nicht nur auf Kreta gesehen. Glücklicherweise mussten wir das nur einmal probieren: Pfannkuchen mit einem Übermaß an der Nusscreme Nutella obendrauf! Für unseren Geschmack viel zu süß! Und das hat nichts mehr mit der kretischen „Kreta-Diät“ zu tun.

Viel zu süßer Nutella-Pfannkuchen
Viel zu süßer Nutella-Pfannkuchen © Siegbert Mattheis

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