Ostern in Griechenland, wie feiern die Griechen das Osterfest?

Ostern, „Ágio Páscha“, ist für die griechisch-orthodoxen Christen das bedeutendste und traditionsreichste Fest im ganzen Jahr. 2019 liegt das orthodoxe Osterfest eine Woche nach den christlichen Feiern. Die Feierlichkeiten und Rituale erstrecken sich über eine lange Zeitspanne von 7 Wochen, mit dem Beginn des Karnevals im Frühjahr („Apókries“ = weg vom Fleisch, also Fasten).

Die „Sarakostí“-Puppe zeigt 7 Wochen Geduld bis das Fasten vorbei ist. Jedes ihre Beine kann für eine ganze Woche stehen oder, für die kleineren Kinder, für einen Tag der „Großen“ Woche © Christina Giakoumelou
Die „Sarakostí“-Puppe zeigt 7 Wochen Geduld bis das Fasten vorbei ist. Jedes ihre Beine kann für eine ganze Woche stehen oder, für die kleineren Kinder, für einen Tag der „Großen“ Woche © Christina Giakoumelou

Der Beginn der griechischen Fastenzeit ist der Rosenmontag. In manchen Orten wird die „Sarakostí“, eine Puppe aus Karton und Stoff gebastelt, die eine fastende Nonne darstellt. Sie hat keinen Mund (da sie nichts isst), ihre Hände sind übereinander gekreuzt (da sie betet) und sie hat 7 Beine: eins für jede Woche des Fastens. Zum Ende jeder Woche dürfen die Kinder ein Bein abreissen.

Wie feiert man Ostern in Griechenland?

Das griechische Wort „Páscha“ stammt aus der hebräischen und ägyptischen Sprache. Die Ägypter feiern mit ihrem „Písach“ (= Durchgang) den Übergang der Sonne über den Äquator und damit den Frühlingsanfang. Für die Juden bedeutet ihr Begriff „Pésach“ noch dazu die Befreiung von den Ägyptern und die Durchquerung des Roten Meeres.

Ostern in Griechenland wird am ersten Sonntag nach Vollmond gefeiert, bei Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche. Die Auferstehung Christi nach langem Leiden symbolisiert das Erwachen der Natur nach dem kalten Winter und, letztendlich, den Sieg des Lebens über den Tod.

Die griechischen Osterrituale finden ihren Höhepunkt in der Karwoche, die „Große Woche“ genannt wird (entsprechend auch die einzelnen Tage: „Großer“ Montag, „Großer“ Dienstag u.s.w.). Jeder Grieche versucht – egal wo er sich befindet – zu Hause bei seiner Familie zu feiern. Die griechischen Großstädter fahren fast alle in ihre Heimatorte in den Dörfern oder auf den Inseln, die voller Leben sind. Abends finden immer Gottesdienste statt und die meisten Menschen besuchen mindestens einmal die Kirche. Das Fasten wird in dieser Woche intensiver: „lockeres“ Fasten, Verzicht also auf Fleisch, Milch- und Tierprodukte für die, die bis jetzt noch nicht gefastet haben – oder „strenges“ Fasten, dabei darf noch nicht einmal Öl benutzt werden. Nur Oktopus, Kalamaris, Muscheln und Sepia sind erlaubt, da diese Meerestiere kein Blut haben.

Überall wird vorbereitet: die Häuser werden gestrichen, neue Pflanzen eingepflanzt und die Sitzmöbel erhalten ihre Sommerbezüge. Jeder Ort hat unterschiedliche Symbole und Rituale. Es gibt unzählige Gebäcksorten, Kekse und Brote in allen möglichen Formen: als Jungfrau, als Nonne oder Bauernpaar, mit Zöpfen oder eingebackenen bunten Eiern. Das Färben der Eier ist von großer Bedeutung. Das Ei wird als Träger tierischer Energie und Fruchtbarkeit betrachtet – die klassische rote Farbe symbolisiert das Blut Christi und die Lebenskraft im Frühling.

Magirítsa, eine milde Suppe aus Salatgrün oder Spinat, Ei und Lamm-Innereien © Siegbert Mattheis
Magirítsa, eine milde Suppe aus Salatgrün oder Spinat, Ei und Lamm-Innereien © Siegbert Mattheis

Gründonnerstag in Griechenland

Am „Großen“ Donnerstag werden die 12 Evangelien in der Kirche vorgelesen. Die Familien bringen ihr Wertvollstes mit: Brot, Salz, Eier oder Trinkwasser. Manche übernachten in der Kirche und singen byzantinische oder Volks-Trauerlieder um den Tod Christi : „Heute schwarzer Himmel, heute schwarzer Tag, die Menschheit weint und die Berge sind trüb“.

Karfreitag in Griechenland

Der „Große“ Freitag ist der Tag der absoluten Trauer und des Fastens. Viele behaupten, an diesem Tag würde es immer regnen – es seien die Tränen Marias. Niemand darf arbeiten (vor allem hämmern, aus Respekt vor Christis Wunden), in manchen Orten trinken die Menschen sogar ein Glas Essig zur Erinnerung an das Leiden Jesu. Schon bei Sonnenaufgang sammeln sich die Leute in die Kirche und fangen an, den „Epitáphios“ (Sarg Christi) mit ihren mitgebrachten Blumen zu schmücken. Am Nachmittag werden herzerweichende Lieder („Ásmata“) gesungen, die Lieder Marias: „Oh, mein süßer Frühling, mein zärtliches Kind, wo ist Dein Licht geblieben?“, so singt sie über dem Körper ihres toten Sohnes gebückt. Der Sarg ist schwer und bunt, er duftet stark blumig. Viele Menschen, vor allem die Kinder gehen auf Knien unter dem „Epitáphios“ durch, um Segnung zu erhalten. Abends nach der Hauptliturgie wird der „Epitáphios“ durch den ganzen Ort geführt. Hinter den „Christkindern“ und den Priestern läuft das lokale öffentliche Orchester und spielt traurige Marschmusik. Entlang der Prozession sind die Balkons der Häuser voll beleuchtet. Von Fenstern und Balkonen regnet es Blüten auf die langsam vorbeiziehende Menge, in manchen Orten wird von oben mit Wasser voller Duft von Zitronen gespritzt. Die Prozessionen von den nahstehenden Kirchen treffen an einem Ort zusammen, wo gemeinsam gebetet wird, ehe sie zu ihren Kirchen zurückkehren. Alle sind auf der Straße, es ist eine überwältigende Stimmung. Nach Ende der Liturgie nehmen alle Haushalte ein paar gesegnete Blumen mit nach Hause und legen sie zu den Ikonen des Hauses.

Geräucherte Auberginenpaste gehört zu Ostern dazu © Siegbert Mattheis
Geräucherte Auberginenpaste gehört zu Ostern dazu © Siegbert Mattheis
„Lambáda“, die lange Kerze wird mit allen möglichen Schmucksachen, Blumen, Stoffen, bunten Bändern, sogar mit Spielzeug dekoriert © Christina Giakoumelou
„Lambáda“, die lange Kerze wird mit allen möglichen Schmucksachen, Blumen, Stoffen, bunten Bändern, sogar mit Spielzeug dekoriert © Christina Giakoumelou

Karsamstag in Griechenland

Am „Großen“ Samstag beginnen die Vorbereitungen fürs Fest: jeder bereitet eine „Lambáda“ vor, eine lange Kerze, die mit allen möglichen Schmucksachen, Blumen, Stoffen, bunten Bändern, sogar mit Spielzeug dekoriert wird. Die meisten Familien sind sehr früh aufgestanden und mächtig am Vorbereiten: wenn möglich, wird ein Lamm oder eine kleine Ziege geschlachtet, ansonsten wird das auf dem Markt eingekauft.

In der Küche wird kräftig gearbeitet; das Abendessen besteht unter anderem aus Gebäck, Weißbrot, bunten Eiern und der obligatorischen „Magirítsa“, einer milden Suppe aus Salatgrün oder Spinat, Ei und den Innereien eines Lammes zur sanften Beendigung des Fastens. Spätestens eine Stunde vor Mitternacht gehen alle Menschen mit ihrer „Lambáda“ wieder in die Kirche. Genau um 24 Uhr erscheint der Priester an der Kirchenpforte.

Er bringt das „gesegnete Licht“, also die Flamme vom Altar und singt das lang ersehnte: „Christus ist auferstanden von den Toten, hat dem Tod getrotzt und schenkt uns das Leben“. Die Flamme geht von seiner Kerze zur nächsten, nach und nach bekommen alle das gesegnete Licht und der vorher dunkle Platz vor der Kirche wird immer heller.

In den letzten Jahren wird das Ganze zusätzlich noch mit Feuerwerk gefeiert. Die Menschen küssen sich auf die Wangen und sprechen immer die gleichen Worte aus: der Erste sagt „Christós anésti“ („Christus ist auferstanden“), der zweite antwortet immer „Alithós anésti“ („Er ist wahrhaftig auferstanden“) – ein Spruch, der mehrere Tage noch zwischen allen Menschen ausgetauscht wird, wenn sie sich zum ersten Mal nach Ostern treffen. Die Menschen gehen langsam nach Hause, dort erwartet sie der festliche Tisch. Ein rotes Ei für jedes Familienmitglied und eins für den kleinen Hausaltar, sie wurden am „Großen“ Donnerstag zur Morgenmesse gebracht und vom Priester gesegnet. Im kleinen Altar mit den Ikonen wird dieses Altar-Ei das ganze Jahr aufbewahrt bis zum nächsten Osterfest. Nach Ablauf des Jahres wird es in der Glut für das Grillen des Osterlamms verbrannt. Nach alter Sitte halten die Leute ihre gesegneten Eier in den Händen und stoßen sie gegeneinander – das Brechen symbolisiert die Auferstehung. Derjenige, der mit seinem Ei „heil“ aus diesem Wettbewerb kommt, hat das meiste Glück fürs kommende Kalenderjahr.

Frittiertes Gemüse gehört wie Lamm zum Osteressen dazu © Siegbert Mattheis
Frittiertes Gemüse gehört wie Lamm zum Osteressen dazu © Siegbert Mattheis

Ostersonntag in Griechenland

Endlich ist der Ostersonntag da! Da das Wetter meistens gut ist, wird fast immer im Freien gefeiert, das ganze Land ist auf einem gemeinsamen Picknick. Das Opferlamm wird als ganzes Tier an einem langen Spieß gegrillt, nichts wird verschwendet: die Innereien, der Kopf und der Darm werden mitgegrillt oder gekocht, und ansonsten gibt es Unmengen von Ess- und Trinkbarem. An diesem Tag wird stundenlang exzessiv gegessen, getrunken und getanzt!

Wer mitgemacht hat, hat eine breite Spanne von Erlebnissen und Gefühlen erlebt: das „sündhafte“ Feiern (der Karneval), den langen Verzicht (das Fasten), den Übergang der Natur und des Menschen in die Sommerzeit, Trauer, Verrat und Unrecht (die Kreuzigung Christi), die absolute Liebe (zwischen Maria und Jesus) und endlich die Auferstehung – die Befreiung also von der Todesangst; die größte Freiheit, die der Mensch spüren kann.

Vielleicht ist es für deutsche Verhältnisse schwer zu erklären, wie so viele, auch völlig unterschiedliche Menschen zur gleichen Zeit so viel Gemeinsames erleben können. Sogar die Menschen (es werden auch immer mehr), die keine Lust auf das Ganze haben, teilen etwas gemeinsam. Schon am „Großen“ Donnerstag versuchen sie, vor den Osterritualen zu fliehen und fahren meistens woanders hin als zu ihrem „traditionellen“ Familienort. Am Ostersonntag finden sie sich oft zufällig wieder – da wo das nächste Lamm gebraten wird und die Musik am lautesten spielt!

Christina Giakoumelou

Am Ostersonntag wird exzessiv gegessen, getrunken und getanzt © Siegbert Mattheis
Am Ostersonntag wird exzessiv gegessen, getrunken und getanzt © Siegbert Mattheis
Lammfleisch ist zu Ostern obligatorisch © Siegbert Mattheis
Lammfleisch ist zu Ostern obligatorisch © Siegbert Mattheis

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