Villa Mussolini oder Villa de Vecchi auf Rhodos, ein Geheimtipp!

Hoch oben auf dem Berg Profitis Ilias wartet ein sehenswertes Relikt aus der italienischen Geschichte auf Investoren: die verfallende Villa Mussolini, ein Geheimtipp!

Sie ist zwar so gut wie allen Rhodiern bekannt, aber wir haben sie in keinem Reiseführer entdeckt und es gibt kein Hinweisschild. Der korrekte Name ist eigentlich Villa de Vecchi, benannt nach dem brutalen italienischen Gouverneur der Insel von 1936 bis 1943, Graf Cesare de Vecchi. Der regierte übrigens im wiederaufgebauten Großmeisterpalast, in dem noch heute in einem mächtigen Saal sein Schreibtisch zu sehen ist.

Geheimtipp Mussolini-Villa © Siegbert Mattheis
Geheimtipp Mussolini-Villa © Siegbert Mattheis
Graffiti und abgeblätterter Putz in der Vill de Vecchi © Siegbert Mattheis
Graffiti und abgeblätterter Putz in der Vill de Vecchi © Siegbert Mattheis

Er ließ sich das Gebäude als kühlen Sommersitz und als Ergänzung zu den beiden Hotels im Schweizer Chaletstil bauen, die italienische Touristen anziehen sollten. Die italienische Königsfamilie reiste auch einige Male hierher, um ihren Sommer zu verbringen.

Später sollte sie dem faschistischen Diktator Mussolini als Sommerresidenz dienen. Daher hat sie auch den Namen Villa Mussolini. Der konnte diese Villa allerdings nie betreten (er wurde 1943 von Partisanen gefangen genommen worden und an einer Tankstelle aufgehängt).

Da die Griechen keine Veranlassung sahen, das verhasste italienische Erbe zu pflegen, verkam die Villa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Heute blättert der Putz von den Wänden, Besucher haben Graffitis hinterlassen, Teile des Geländers sind herabgefallen, aber niemand hindert einen daran, durch die Räume zu streifen. Die Villa ist eine fantastische Fotolocation, instagrammable – aber alles auf eigene Gefahr!

Rhodos Villa Mussolini, Der Eingang zur Villa Mussolini © Siegbert Mattheis
Der Eingang zur Villa Mussolini © Siegbert Mattheis
Rhodos Villa Mussolini, Weiter Panoramablick nach Westen über die Insel © Siegbert Mattheis
Weiter Panoramablick nach Westen über die Insel © Siegbert Mattheis
Rhodos Villa Mussolini, Hinteres Kaminzimmer © Siegbert Mattheis
Hinteres Kaminzimmer © Siegbert Mattheis
Rhodos Villa Mussolini, Villa de Vecchi, Durchgang zum Saal © Siegbert Mattheis
Durchgang zum Saal © Siegbert Mattheis

Wer war Graf Cesare de Vecchi?

De Vecchis eigenmächtige Herrschaft über die Dodekanes machte ihn bei den Griechen zutiefst unbeliebt, die gezwungen waren, Italienisch zu lernen und vielen anderen Demütigungen ausgesetzt waren. „Als der Claxon (Hupe) erklang, der die Ankunft seiner riesigen Limousine ankündigte, mussten alle anderen Fahrzeuge anhalten, und unter Androhung von Gefangenschaft mussten die Bürger aussteigen und den faschistischen Gruß absolvieren, während er vorbeikam“, schrieb Denis Mack Smith, ein Historiker des faschistischen Regimes in seinem Buch „Mussolinis Römisches Reich“. „De Vecchi benutzte die faschistischen Methoden des Knüppel- und Rizinusöls so sehr, dass sogar der Duce über seine Inkompetenz und Unmenschlichkeit wütend wurde.“

Über die erniedrigende Zeit der faschistischen Herrschaft über Rhodos kann Ihnen gerne auch Panagiotis Loukaras in seinem Folklore Museum in Lardos erzählen. Einfach vorbeifahren.

Rhodos Villa Mussolini, Dekorfliesen von 1936 © Siegbert Mattheis
Dekorfliesen von 1936 © Siegbert Mattheis
Villa Mussolini, einsturzgefährdet © Siegbert Mattheis
Einsturzgefährdet © Siegbert Mattheis
Villa Mussolini, Reste einer Party im Saal der Villa © Siegbert Mattheis
Reste einer Party im Saal der Villa © Siegbert Mattheis
Villa Mussolini, Erker im Obergeschoss © Siegbert Mattheis
Erker im Obergeschoss © Siegbert Mattheis

Italienische Dörfer auf Rhodos

Der Berg war Anfang des 20. Jhs. kahl und kaum bewaldet. So starteten die Italiener ein gewaltiges Wiederaufforstungsprogramm und siedelten Forstarbeiter aus Südtirol an. Für diese Arbeiter bauten sie gleich vier komplette Dörfer in der Nähe.

Einige Kilometer von der Villa Mussolini entfernt, Richtung Ostküste stoßen Sie auf ein weiteres italienisches Relikt. Campochiaro, eines der für die Arbeiter gegründeten Dörfer. Heute ist der Ort fast komplett verlassen, außer der renovierten Kirche und einigen Lokalen stehen die Häuser leer. Der eigenartige runde Teich mit Springbrunnen am Eingang des Dorfes wurde übrigens mit EU-Geldern restauriert, denn im Teich lebt eine seltene Fischart.

Siegbert Mattheis

Reste der italienischen Siedlung Campochiaro © Siegbert Mattheis
Reste der italienischen Siedlung Campochiaro © Siegbert Mattheis

Reiseführer Rhodos

Diese beiden Reisebücher von Marco Polo und Dumont haben uns in der Vorbereitung der Reise und auch vor Ort sehr geholfen. beide gleichermaßen informativ, mit vielen Insidertipps und Hinweisen. Der Dumont-Reisführer ist in einigen Punkten ausführlicher, der von Marco Polo bietet Vorschläge für Erlebnistouren an.

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