Calçotada in Katalonien: Der köstliche Duft von angebratenen Zwiebeln liegt in der Luft. Rauchschwaden ziehen träge durch die Gassen. Unter das Stimmengewirr und Lachen mischt sich das Knistern von brennenden Zweigen …
Hier findet ihr alle Antworten zum geselligsten Fest Kataloniens – von den Calçots über die richtige Esstechnik bis hin zu den besten Terminen und Orten.

Was ist die Calçotada?
Die Calçotada ist ein traditionelles katalanisches Fest zwischen November und April. Dabei grillt man gemeinsam mit Familie und Freunden spezielle Frühlingszwiebeln – Calçots – über offenem Feuer und taucht sie in eine würzige Sauce. Es ist mehr als nur ein Essen: Es ist ein geselliges Event voller Lachen, Rauchschwaden und Genuss, bei dem Kleckern ausdrücklich erlaubt ist!
Die Calçotada hat sich von einem rustikalen Bauernessen zu einem echten Volksfest entwickelt, das heute in ganz Katalonien gefeiert.
Was sind Calçots genau?
Calçots sind eine besondere Sorte Frühlingszwiebeln oder Lauchzwiebeln, die deutlich milder und süßer schmecken als normale Zwiebeln. Sie werden während des Wachstums immer wieder mit Erde angehäufelt (katalanisch: calçar), ähnlich wie beim Spargel. Dadurch bleiben die langen weißen Stängel zart und entwickeln ihren charakteristischen Geschmack.
Die Calçots aus Valls tragen sogar eine geschützte geografische Angabe der EU, das Qualitätssiegel, das ihre Besonderheit unterstreicht.



Wie werden Calçots zubereitet?
Die Zubereitung ist traditionell und rustikal:
- Zunächst werden die Wurzeln und ein großer Teil des Grüns abgeschnitten
- Dann werden die Calçots über offenem Feuer gegrillt, bis ihre Außenhaut richtig schwarz und verkohlt ist
- Anschließend wickelt ihr sie in Zeitungspapier ein, damit sie nachgaren und weich werden
- Serviert werden sie traditionell auf halbrunden Terracotta-Dachziegeln (heute aber meistens auch auf Papptellern)
- Dazu gibt’s Romesco– oder Salvitxada-Sauce, eine würzige Mischung aus Tomaten, Mandeln, Knoblauch, gerösteter Paprika, Olivenöl und Essig




Wie isst man Calçots richtig?
Und jetzt kommt der Spaß: Das Verzehren der Calçots ist ein Ritual für sich, denn man isst sie mit den Fingern … So geht’s:
- Nehmt einen heißen Calçot in die Hand (Dünne Plastik-Handschuhe sind empfohlen!)
- Zieht die verkohlte äußere Schicht ab, denn darunter kommt der zarte, weiße Kern zum Vorschein
- Tunkt ihn großzügig in die Romesco-Sauce
- Legt den Kopf in den Nacken und lasst euch die Zwiebel in den Mund hängen
- Tragt dabei unbedingt ein Lätzchen, denn Kleckern gehört dazu!
Man könnte eine Calçotada auch umschreiben als “in fröhlicher Runde gemeinsam rumsauen” 😉 . Denn ob man rußige Finger bekommt, sich mit der leckeren Sauce oder mitRotwein aus dem Porrón bekleckert, so ganz unbeschadet kommt niemand davon. Aber dafür ist die Calçotada ungemein lustig und fördert neue Bekanntschaften. Und Kleckern ist ausdrücklich erlaubt!
Was gibt es außer Calçots noch bei einer Calçotada?
Nach der Calçot-Runde folgt traditionell ein herzhaftes Grillfest mit:
- Gegrilltem Fleisch (besonders beliebt: Lammkoteletts)
- Würsten (Butifarra und andere katalanische Spezialitäten)
- Gegrillten Artischocken
- Frischem Brot und Oliven
- Als Dessert gibt es oft Crema Catalana, die katalanische Version der Crème brûlée
Getrunken wird katalanischer Rotwein, am besten aus dem Porrón (einem traditionellen Trinkgefäß mit langem Ausguss), oder Cava, der katalanische Schaumwein.
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Ist eine Calçotada vegetarisch oder vegan möglich?
Die Calçots selbst sind vegetarisch und vegan, ebenso die meisten Romesco-Saucen (auf Basis von Tomaten, Mandeln, Paprika und Olivenöl). Der zweite Gang besteht traditionell zwar aus gegrilltem Fleisch und Würsten, aber:
- Viele Restaurants bieten inzwischen vegetarische Alternativen wie gegrilltes Gemüse und Pilze an
- Fragt im Restaurant nach, denn die meisten sind flexibel und passen das Menü gerne an
Warum trägt man bei der Calçotada ein Lätzchen?
Das Lätzchen ist unverzichtbar! Beim Schälen der Zwiebeln bekommt ihr zwangsläufig schwarze, rußige Finger. Beim Tunken in die Sauce und beim Essen tropft es garantiert. Und wer aus dem Porrón trinkt, hat zusätzlich die Herausforderung, den Weinstrahl zielsicher in den Mund zu lenken.
Viele Restaurants und Veranstalter verteilen bedruckte Lätzchen als Werbemittel. Sie gehören mittlerweile fest zur Calçotada-Kultur und sind ein beliebtes Souvenir.
Was ist ein Porrón und wie trinkt man daraus?
Ein Porrón (katalanisch: Porró) ist ein traditionelles Trinkgefäß aus Glas mit einem langen, dünnen Ausgussrohr. So funktioniert’s:
- Haltet den Porrón mit einer Hand am Bauch und Griff
- Legt den Kopf in den Nacken
- Lasst den Weinstrahl aus dem Rohr direkt in euren Mund schießen, ohne die Lippen zu berühren! Am Anfang natürlich ganz nahe am Mund, aber
- Profis können den Porrón immer weiter vom Mund entfernen und haben Applaus sicher!
Mit etwas Übung geht das ganz leicht – versprochen! Und keine Sorge: Niemand erwartet beim ersten Mal Perfektion 😉 .
Wie viele Calçots isst man typischerweise?
Ein durchschnittlicher Esser schafft etwa 12 bis 20 Calçots. Geübte Calçotada-Fans kommen auf 30 bis 40 Stück. Aber es geht nicht um Mengen, sondern um Genuss! Das ist der wahre Geist der Calçotada.
Was ist der Calçotada Wettbewerb?
Besonders Mutige und solche mit einem resistenten Magen nehmen bei der Calçotada auch am Wettbewerb teil. Wer in 45 Minuten die meisten Calçots in sich hineinstopft, geht als Sieger hervor. Der Rekord liegt bei 300 Calçots, das entspricht etwa einem Gewicht von 3,8 kg!
Was kostet eine Calçotada im Restaurant?
Die Preise variieren je nach Ort und Restaurant. Ein typisches Calçotada-Menü (Calçots mit Sauce + Grillfleisch + Dessert + Getränke) kostet zwischen 25 und 45 Euro pro Person. Auf dem großen Fest in Valls sind die Preise oft günstiger, bei gehobenen Restaurants in Barcelona entsprechend höher.
Wann ist die Calçotada-Saison?
Die Saison beginnt meist schon im November und geht bis in den März oder April. Früher aß man diese Spezialität zu Hause oder auf dem Feld mit Familie und Freunden.
Seit 1982 wurde in Valls daraus ein Fest auf der Straße, die Calçotada war geboren. Dort, in der „Hauptstadt der Calçots“, findet jedes Jahr Ende Januar das große Calçot-Fest statt. Mit Wettbewerben im Calçot-Essen und einer riesigen Volksfeststimmung.
Heute pilgern über 400.000 Tourist:innen aus aller Welt in den Ort, um mit den Einwohner:innn zu feiern und massenhaft Calçots zu verspeisen.
Wo kann ich eine Calçotada erleben?
Die besten Orte für eine authentische Calçotada sind:
- Valls (Tarragona): die ‚Hauptstadt der Calçots’ mit dem größten Festival Ende Januar
- Barcelona: viele Restaurants bieten Calçotadas während der Saison an
- Tarragona-Region: hier findet ihr traditionelle Calçotada-Restaurants und Masías (Bauernhöfe)
- Ländliche Fincas für das authentischste Erlebnis im Freien
Aber auch in Deutschland bietet der mediterrane Spezialitätenshop Mitte Meer inzwischen Caçotada-Feste an ausgewählten Orten an.
Woher kommt die Tradition der Calçotada?
In Valls in der Nähe von Tarragona, soll vor über 150 Jahren dem Bauern Xat de Benaiges einmal ein Bund lauchähnliche Frühlingszwiebeln ins offene Feuer gerutscht sein. Zu schade, um die Zwiebeln einfach verbrennen zu lassen, fischte er sie aus dem Feuer, zog die verkohlte oberste Schicht ab, biss in den warmen Stengel hinein – und war begeistert vom zarten Geschmack. Er beschloss, eine etwas andere Anbaumethode zu versuchen und steckte die Knollen von bereits geernteten Zwiebeln wieder in die Erde. Aus diesen Trieben entstanden wiederum Zwiebeln, aber mit einem weitaus feineren und milderen Geschmack, die Calçots waren geboren!
Praktische Informationen
Offizielle Website des Festivals in Valls:
Es findet am 25. Januar 2026 statt.
Beste Reisezeit:
November bis April (Hauptsaison: Januar bis März)
Anreise nach Valls:
Von Barcelona mit dem Zug (ca. 1 Stunde) oder Auto (ca. 1,5 Stunden)
Lohnt es sich, eine Calçotada zu erleben?
Unbedingt! Wenn ihr zwischen November und April in Katalonien seid, ob in Barcelona, Tarragona oder Valls, solltet ihr euch dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Bucht einen Tisch in einem traditionellen Restaurant, besucht das große Festival in Valls oder organisiert eure eigene Calçotada mit Freunden.
Und keine Sorge, Lätzchen sind inklusive ! Wir jedenfalls hatten viel Spaß auf der Calçotada!
Siegbert Mattheis
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.
Zuletzt aktualisiert im Februar 2026 von Siegbert Mattheis









