Was ist ein Pouf? Wofür man ihn verwenden kann und die Geschichte dahinter

Mal die Beine hochlegen? Oder eine kleine, bequeme Sitzgelegenheit für Gäste gesucht? Wir verraten Ihnen, was ein Pouf ist, woher der Name kommt und die Geschichte dahinter.

Ein Pouf ist ursprünglich ein einfacher Hocker oder Schemel und ist schon aus der Antike als Sitzmöbel bekannt, setzte sich aber erst im 18. Jhdt. als bequemes Möbelstück durch, auf dem man die Füße hochlegen konnte. Die französische Übersetzung dafür ist Fuß- oder Sitzkissen. Ein Pouf hat sehr kurze oder gar keine Beine und ist immer weich gepolstert.

Mit einem Pouf kann man wunderbare kleine Farbakzente setzen, Poufs passen ins Wohnzimmer, ins Schlaf- oder auch ins Kinderzimmer. Poufs sind flexible Möbelstücke, sie sind leicht und lassen sich problemlos verschieben. Man kann sie zum „Füße-hochlegen“ nutzen,  sie eignen sich als Sitzgelegenheit für Gäste oder mit einer Holzplatte als kleiner Tisch. Poufs gibt es in allen möglichen Farben und Materialien.

Im Englischen wird für Pouf fälschlicherweise auch der Begriff ottoman verwendet. Eine Ottomane ist jedoch ursprünglich eine gepolsterte, größere Sitzbank, in der modernen Terminologie ein Liegesofa ohne Rückenlehne, ähnlich einer Chaiselongue oder einer Récamière (siehe weiter unten).

Als leichtes und flexibles Sitzkissen waren sie auch bei den Nomadenstämmen Nordafrikas beliebt, aus Marokko stammen viele wunderschöne Poufs aus Leder.

 

Historische Poufs © Wikipedia
Historische Poufs, links im Empire-Stil, Mitte und rechts im Louis Quinze-Stil © Wikipedia

Die Geschichte des Pouf

Nach der männlich geprägten Zeit unter Ludwig XIV, dem Sonnenkönig, hatten unter dem nachfolgenden König Louis Quinze Anfang des 18. Jhdts. immer mehr Frauen das Sagen. Sie legten Wert auf Bequemlichkeit und entdeckten Hocker auch als Fußbank, um die Füße nach einem anstrengenden Hofalltag hochzulegen oder sich einem kurzen Mittagsschläfchen hinzugeben.

Solche Fußbänke wurden nun in der Form länglicher und bequemer gepolstert, um auch die Beine ablegen zu können. In der Regel saß man auf einem gepolsterten Sessel, einem sog. Fauteuil und zog den Pouf zu sich heran.

Lesen Sie hier, wie Sie übrigens ganz einfach die Unterschiede zwischen Louis-Quinze und Louis Seize Stilen erkennen können.

Duchesse brisée

Als das immer beliebter wurde, entstand daraus zunächst eine duchesse brisée, eine „gebrochene Herzogin“. Man gestaltete die gepolsterten Hocker nun so, dass sie sich perfekt an die Sessel anpassten und man ans Fußende wiederum einen identischen oder extra gefertigten Sessel mit kleinerer Rückenlehne heranziehen konnte, um damit eine Art flexible Couch zu gestalten.

Duchesse brisee © Wikipedia
Eine Duchesse brisee, eine gebrochene Herzogin © Wikipedia

Chaiselongue

Daraus entwickelten findige Möbeltischler dann um etwa 1760 unter Louis Seize die Chaiselongue, also einen langen Stuhl, der den Pouf in den Sessel integrierte.

Chasiselongue © Wikipedia
Marie-Jeanne Buzeau posiert auf einer Chasiselongue, Gemälde von François Boucher © Wikipedia

Récamière

Um 1800 kam unter Napoleon im Empirestil die Récamière, ein Sitz- und Liegemöbel ohne seitliche Rückenlehne, aber mit gleich hohen Armlehnen, an die man sich bequem anlehnen konnte, in Mode.

Die Récamière lehnte sich an das griechisch-römische Triclinium an, dem legendären Speisesofa bei ausufernden Gelagen.

Benannt wurde das Möbelstück nach Madame Juliette Récamier, einer außerordentlich schönen, liebenswürdigen und geistreichen Frau, die literarische Salons abhielt, bei denen sich auch viele Gegner Napoleons versammelten.

Siegbert Mattheis

 

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(Titelfoto: fotolia.de von Photographee.eu)

Juliette Recamier auf einer Recamiere © Wikipedia
Juliette Recamier auf einer Recamiere, Gemälde von Jacques-Louis David © Wikipedia

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