Ottomane, Chaiselongue, Récamière, Longchair … was sind die Unterschiede?

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Auf der Suche nach einem bequemen Möbel zum gemütlich Abhängen, Sitzen, Liegen oder für ein nachmittägliches Nickerchen seid ihr bestimmt schon auf die Begriffe Ottomane, Chaiselongue, Récamière oder Longchair gestoßen. Oder sogar auf Bergère, Caseuse, Meridienne. Aber was sind die Unterschiede?

Selbst viele Möbelanbieter vermischen diese Begriffe, handelt es sich doch bei allen eigentlich immer um eine Art bequeme Couch, Liegemöglichkeit oder Sofa. Und die Übergänge sind fließend. Aber es gibt dennoch einige feine und manchmal entscheidende Unterschiede. Wir zeigen euch, woher die ganzen Begriffe ursprünglich kommen:

1. Ottomane

Eine Ottomane ist im Prinzip nur eine gepolsterte Liege- und Sitzmöglichkeit. Ursprünglich in den türkischen Palästen wie dem Topkapi-Palast in Istanbul beheimatet, hatten sie keine oder nur niedrige Rückenlehnen. Diese dienten lediglich als Stütze für Kissen, die man üppig auf den breiten Sofas dekorierte und zum bequemen Anlehnen nutzte. Diese türkischen und arabischen Sofas oder Diwane reihten sich immer an den Wänden oder Fenstern entlang. Aus diesen ursprünglichen Sofas entwickelten sich unsere heutigen Couchlandschaften mit niedrigen Lehnen und dick gepolsterten Kissen oder einzelnen weichen Rückenteilen. Unser Wort Sofa stammt übrigens aus dem Arabischen ṣuffa, und bezeichnet eine mehrsitzige gepolsterte Ruhebank.

Merkmale einer ursprünglichen Ottomane:

  • Gepolstertes Sofa
  • keine Rückenlehnen, nur Kissen
  • keine Armlehnen
Couch im Palast mit blauen Fliesen
Sofalandschaft im Topkapi Palast in Istanbul © Savvapanf Photo
Blau-goldenes Ecksofa
Ecksofa in Essaouira, Marokko © Siegbert Mattheis
Ottomane vor Fenster
Ottomane in einem ehemals türkischen Herrscherpalast auf Rhodos © Siegbert Mattheis

Im Englischen blieb die Bezeichnung ottoman für ein gepolstertes Möbelstück ohne Lehnen. Heute wird das englische Wort vornehmlich nur noch für kleinere Hocker gebraucht, auf denen man die Füße hochlegen kann. Oder man nutzt es als Kaminsitz oder Tischchen. Hierzulande kennen wir es besser unter der Bezeichnung Pouf.

Das im 18. Jh. in Stilfragen führende Frankreich begeisterte sich damals für den Orient und den prächtigen und bequemen Luxus der Sultane. So wurde der französische Begriff divan ottoman, (osmanisches Sofa) erstmals 1729 geprägt. Allerdings fügten die Möbelbauer später Rücken- und Armlehnen hinzu. Dabei war die Rückenlehne in der Mitte immer höher und die Armlehnen bildeten zwei Halbkreise auf der Höhe der vorderen Beine.

Merkmale einer französischen Ottomane:

  • Gepolstertes Sofa
  • Rückenlehne in der Mitte höher
  • gerundete Armlehnen
Rote Ottomane mit goldenem Rahmen
Französische Ottomane © Metmuseum

2. Chaiselongue

Die chaise longue (frz. für langer Stuhl) ist eine Kombination zwischen bequemer Couch und einem Fauteuil, einem gepolsterten Sessel mit Armlehnen.

Ab etwa 1730 hatten in Frankreich unter Ludwig XV, Louis Quinze, immer mehr Frauen das Sagen. Sie hatten mächtige, aber eher inoffizielle Positionen inne. So ließen sie sich ihre Salons und Rückzugsräume, die Boudoirs, mit bequemeren Möbeln ausstatten. Zunächst nutzten sie die kleinen Ottomane (Poufs), um entspannt ihre Beine hochlegen zu können. Für kurze Zeit entstand so die duchesse brisée, die „gebrochene Herzogin“. Dabei wurden die Poufs nun so gestaltet, dass sie sich perfekt an die Fauteuils anpassten. Ans Fußende wiederum konnte man einen identischen oder einen extra gefertigten Sessel mit kleinerer Rückenlehne heranziehen. So entstand eine Art flexible Couch.

Aber ab etwa 1760 entwickelten findige Möbeltischler nun Fauteuil und Pouf in einem Stück. Sie ließen dabei eine Seite der Armlehne des Sessels weg, um die Möglichkeit einer ungestörten seitlichen Konversation mit anderen zu ermöglichen. Gleichzeitig bot es den Frauen mit ihren großen Reifröcken so einen leichteren Einstieg in den bequemen Liegestuhl. Und auf dem zum Fußende hin abfallenden Seitenteil ließ sich lässig ein Arm ablegen. Heute ist die Chaiselongue eine mondäne und zierlichere Alternative zur großen Couch.

Merkmale Chaiselongue:

  • Nur eine Rückenlehne am Kopfende
  • Nur eine Armlehne, die nur bis etwa zur Mitte reicht

Tipp: Mit einer herunterklappbaren Rückenlehne versehen, eignet sie sich wunderbar auch als Schlafsofa für ein Nickerchen oder sogar als Gästebett.

Moderne Chaiselongue Viviani © Loberon
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3. Récamière

Eine Récamière ist ein Sofa mit je einer Rückenlehne rechts und links, aber ohne mittlere Lehne. Sie kam um 1800 unter Napoleon im Empirestil in Mode. Sie lehnte sich an das antike Triclinium an, dem legendären Speisesofa für ausufernde Gelage bei den Griechen und Römern.

Benannt wurde das Möbelstück nach Madame Juliette Récamier, nachdem sie darauf ruhend 1799 vom Historienmaler Jacques-Louis David gemalt worden war. Sie galt als außerordentlich schön, liebenswürdig und geistreich und hielt wie viele andere, meist wohlhabende und gebildete Frauen literarische Salons ab. Die Gastgeberinnen ruhten dabei auf bequemen Fauteuils, Chaiselongues oder eben Récamièren und scharten eine Vielzahl an Wissenschaftler:innen um sich.

Diese Salons dienten dem freien Ideenaustausch, ungeachtet der Schranken von Klasse und Geschlecht und förderten die Aufklärung. Philosophen wie Voltaire und Diderot verkehrten in den Pariser Salons und bereiteten dort den Boden für die Französische Revolution vor. Solche Salons gelten heute zudem als Wiege der Emanzipation der Frauen.

Merkmale Récamière:

  • Lehne rechts und links in gleicher Höhe
  • Keine mittlere Lehne
Juliette Recamier auf einer Recamiere © Wikipedia
Juliette Recamier auf einer Recamiere, Gemälde von Jacques-Louis David © Wikipedia

4. Longchair

Ein Longchair (im Amerikanischen Lounge Chair bzw. chaise lounge) ist im Prinzip nichts anderes als die wörtliche englische Übersetzung von Chaiselongue. Der Begriff kann sich jedoch auf jeden Liegestuhl oder ein Liegesofa beziehen. Auf jeden Fall besitzt ein Longchair auf der schmalen Seite eine Rücken- bzw. Kopflehne und ein längeres Fußteil, sodass ihr bequem die Füße hochlegen könnt. Er kann, muss aber keine Armlehnen aufweisen. Im vergrößerten Maßstab bietet der Longchair auch zwei Personen Platz, dann wird er auch gleich Love-Seat oder Love-Chair genannt.

Merkmale Longchair:

  • Verlängerter Sessel
  • Zwei oder keine Armlehnen
Longchair oder Chaise longue © Loberon

Also, beim nächsten Mal im Möbelladen kennt ihr euch aus 😉 ! Und egal, wie die vielen Begriffe verwendet werden, die Hauptsache ist, dass ihr die Liegemöglichkeit findet, die am besten zu euch und euren Bedürfnissen passt.

Siegbert Mattheis

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