Die Provence kulinarisch erwandern: Kirschen, Mini-Tintenfische, Öko-Sterne …

Die Provence und die Côte d’Azur regen nicht nur Träume an. Wanderungen im Hinterland oder an der Küste laden die Batterien auf. Wenn man dazu regionale Spezialitäten verkostet, ist das wie Balsam für die Seele.

Wir geben ein paar Ideen, um dem Blues der jetzigen Zeit zu entkommen:

Frau pflückt Kirschen
Kirschen pflücken in den Kirschhainen am Mont-Ventoux © Valiz-Storiz

Das Vaucluse in der Kirschensaison bereisen

Die Kirschen rund um den Mont Ventoux sind die die Einzigen im Land der Feinschmecker, die mit einer geschützten geografischen Angabe punkten können: „Côteaux du Ventoux“. Auf den Pariser Märkten werden sie zu Spitzenpreisen verkauft, denn laut Bestimmungen müssen sie optimale Reife sowie homogene rote Farbe aufweisen. Zudem größer als 24 Millimeter (!) sein und von Hand gelesen werden. Sechs Sorten, darunter die Burlat-Kirsche, sind innerhalb der festgelegten Zone zugelassen, die sich vom Norden des Ventoux bis zum Süden des Luberon erstreckt und durch die Monts de Vaucluse verläuft. Siebzig Hersteller gibt es derzeit in der geografischen Angabe, die ihre Kirschen auch vor Ort verkaufen und zu normaleren Preisen als in Paris. Wer durch die Haine wandert, ob zur Blüte oder zur Saison, erhält neben einer Portion Frischluft Einblick in die Produktion und darf dabei den Gaumen verwöhnen.

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Kirschen in Kisten mit der Aufschrift Monts de Venasque
Kirschlese in Venasque g.g.A. „Côteaux du Ventoux“ © Alain Hocquel / VPA
3 rote Kirschen in Herzform
Köstliche, reife Kirschen im Mai aus dem Vaucluse © Siegbert Mattheis

Im Var am Meer entlang wandern

Die Zöllnerpfade entlang der französischen Küste wurden im napoleonischen Kaiserreich eingerichtet, um gegen Schmuggler vorzugehen. Heutzutage sind es Wanderpfade, die einem auf aktive Weise die mediterrane Schönheit näher bringen. Zwischen Saint-Cyr und Bandol, Six-Fours-les-Plages und Hyères, Argentière bis Fort Brégançon, entlang dem Strand von Pampelonne oder im Esterel-Massiv: neben jodhaltiger Meeresluft beschenkt die Landschaft vor allem die Augen und das Gemüt. Dabei bietet sich ein Päuschen in einem der vielen Restaurants entlang der Strecken an, wo man den Gaumen mit Meeresspezialitäten verwöhnt. Drachenkopf, Rotbarbe, Goldbrasse oder Seebarsch werden fangfrisch zubereitet. Meeresfrüchteliebhaber freuen sich an Seeigel, Teufelskrabbe und Soupions, Mini-Tintenfische. Wer früh unterwegs ist, sollte einen Fischmarkt besuchen. Am Hafen von Sanary-sur-Mer präsentiert sich jeden Morgen ein geselliges hin und her. Für den Aperitif mit Meeresfrüchten kehrt man ins danebenliegende Hotel-Restaurant de la Tour ein – hier waren schon Thomas Mann und viele andere Exilliteraten gern gesehene Gäste.

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Wanderer am Meer
Küstenwanderung im Département Var © Var Tourisme / Laure Pizzocaro
Hafenpromenade in Sanary-sur-mer mit dem Hotelrestaurant de la Tour im Hintergrund
Hafenpromenade in Sanary-sur-mer mit dem Hotelrestaurant de la Tour © Siegbert Mattheis
Schlichtes Haus in Beige
Die wiederaufgebaute Villa Tranquille von Thomas und Katia Mann © Siegbert Mattheis

Spitzenköche punkten mit kulinarischer Nachhaltigkeit

Die Dichte an Michelinsternen ist im Departement Vaucluse traditionell hoch. Vor Erscheinen der neuen Gastroführer-Ausgabe steigt demnach die Spannung über die Neuordnung der Konstellationen. Bei den Zugängen brillieren in diesem Jahr Jungtalente wie Camille Lacome vom Restaurant „Mère Germaine“ in Châteauneuf-du-Pape oder Mathieu Demarest vom Restaurant „Pollen“ in der Altstadt Avignons. Bemerkenswert sind seit der letztjährigen Erstvergabe die grünen Michelinsterne, die den Einsatz für nachhaltige Gastronomie hervorheben. Diese Auszeichnung wirkt ergänzend zur eigentlichen Bewertung der Küche. Im Vaucluse ergatterten gleich drei Restaurants den grünen Stern für ihre ökologischen Bemühungen: „La Fenière“ in Lourmarin, „Le Clos de l’Oustalet“ in Gigondas und „La Mirande“ in Avignon. Als Garten Frankreichs bietet das Vaucluse Spitzenköchen einerseits die Nähe zu den Bezugsquellen für frische Produkte und fördert durch die hohe landwirtschaftliche Tätigkeit die nachhaltige Entwicklung. Was von der Gastronomie beherzt wird, würdigt zurzeit nur der Guide Michelin.

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2 lachende Frauen im Garten zeigen einen Teller mit kulinarischen Köstlichkeiten
Reine & Nadia Sammut von der Auberge de la Fenière © Auberge de la Fenière

Palace-Hotel mit Öko-Gemüsegarten

Saint-Tropez ist hip wie seine Klientel. So erstaunt es kaum, wenn das Hotel Byblos als erstes Luxushotel im Ort mit einem Bio-Gemüsegarten von sich reden macht. Zusammen mit der Vereinigung „Partager la Terre“ hat der Chefkoch Rocco Seminara den 300 Quadratmeter großen Fleck in Permakultur angelegt. Neben traditionellen Pflanzen fördert man auch originelle, alte und vergessene Gemüsesorten. Das schafft neue Kreationen, während Sie als Gast neuartige Geschmacksnoten entdecken können. Wenn schon Bio-Garten, müssen auch Bienen her. Obwohl sie in klassischen Bienenstöcken hausen, wäre der Begriff Insekten-Luxushotel eigentlich treffender. Der Blütenhonig vom Byblos gibt es zum Frühstück, Gäste kaufen ihn sogar gerne als Souvenir. Sich mit der Natur zu befassen hat die Küchenbrigade zu neuem Denken angeregt, was sich vor allem an bewussteren Arbeitsprozessen zeigt. Zum Beispiel wurde Bioabfall reduziert oder man gewinnt für Zubereitungen jeglicher Art aus dem Sud von Gemüseschalen Brühe. Es versteht sich von selbst, dass das Byblos alle zugekauften Lebensmittel möglichst von lokalen Produzenten bezieht.

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Koch erntet Kräuter im Garten
Garten in Permakultur des Hotel Byblos in Saint-Tropez © Hôtel Byblos

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