Nîmes, 2.500 Jahre Geschichte; Kelten, Römer, Westgoten, Franken …

Einst einer der prächtigsten Städte des römischen Reiches, dann verwüstet, in Brand gesteckt, wiederaufgebaut, Ort eines Massakers, später der Ursprung der Jeans … Nîmes hat eine knapp 2.500 Jahre alte, wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Stadt gilt als das Rom Frankreichs mit dem besterhaltenen Tempel der Antike und einem ebenso gut erhaltenen Amphitheater. Hier ein kurzer Abriss durch die Geschichte von Nîmes:

Die Geschichte von Nîmes beginnt vor 2.500 Jahren

Um etwa 500 v. Chr.

Der keltische Stamm der Volcae Arecomici siedelt sich an der Quelle an, die sich in den heutigen Jardins de la Fontaine befindet. Sie nennen den Ort Nemausus nach ihrer Quellgottheit.

218 v. Chr.

Der karthagische Feldherr Hannibal passiert von Spanien kommend den Ort Nemausus mit wahrscheinlich mehr als 50.000 Soldaten, 9.000 Reitern und 37 Kriegselefanten auf dem Weg über die Alpen nach Rom, wo er den 2. Punischen Krieg beginnt.

121 v. Chr.

Die Römer erobern die Stadt, sie wird Teil der der Provinz Gallia Narbonensis.

118 v. Chr.

Die Via Domitia, die erste Römerstraße in Gallien, wird gebaut. Sie verbindet Italien mit Spanien und führt über Apt, in Beaucaire über die Rhône, Nîmes, Narbonne (dort sind auch noch Reste der Straße zu sehen) bis zu den Füßen der Pyrenäen. An den Ortseingängen führte sie üblicherweise durch Tore oder einen Triumphbogen, in Nîmes z.B. die Porte d’Auguste oder in Glanum der Arc de Triomphe, die beide heute noch zu sehen sind.

Das Tor in Glanum, links daneben das Mausoleum © Siegbert Mattheis
Der Arc de Triomphe in Glanum, links daneben das Mausoleum © Siegbert Mattheis
Reste der Via Domitia auf dem Rathausplatz © Siegbert Mattheis
Reste der Via Domitia auf dem Rathausplatz in Narbonne © Siegbert Mattheis

1. Jahrhundert nach Christus

Nîmes zählt inzwischen 25.000 Einwohner und ist nicht zuletzt durch die Handelswege über die Via Domitia auch zu Reichtum gekommen. So wird sie zu einer wichtigen Stadt des expandierenden römischen Reiches, nachdem Julius Caesar ganz Gallien (nein, natürlich mit Ausnahme des Dorfes von Asterix und Obelix 😉 ) erobert hatte. Im Jahre 27 v. Chr. wird die Stadt von Kaiser Augustus sogar zur Colonia erhoben (Colonia Augusta Nemausus) und erhält dadurch einen besonderen Status. Bedeutende Bauwerke wie das Amphitheater, der Dianatempel, der Tour Magne, der Augustustempel (Maison Carré) entstehen in dieser Blütezeit von Nîmes. Um etwa 50 n. Chr. beginnt der Bau des imposanten Aquaedukts Pont du Gard mit eine Länge von 50 km, um die Stadt mit Wasser aus den Cevennen zu versorgen.
Nîmes verfügt zudem über eine bedeutende Münzstätte. Eine dieser Münzen wird gepresst, um den Sieg der Armeen von Octavius über die Armeen der Kleopatra in der Schlacht um Actium im Jahr 31 v. Chr. zu feiern. Es zeigt ein gefesseltes Krokodil und eine Palme und die Buchstaben COL für Colonia und NEM für Nemausus. Diese Münze wird später der Ursprung für das Stadtwappen von Nîmes sein.

Pont du Gard bei Nîmes
Pont du Gard bei Nîmes © Siegbert Mattheis

3. Jahrhundert

Das früh christianisierte Nîmes muss sich ständig gegen barbarische Invasoren wehren, die seinen Aufschwung bremsen.

673

Die Westgoten belagern Nîmes. Sie verwandeln das Amphitheater in eine Festung und konstruieren dort ein Schloss als Sitz der feudalen Macht und der Macht der Kirche. Der Handel entwickelt sich wieder dank der Weinstöcke, der Oliven und der Viehzucht.

Die Arena im Jahre 673, Ausstellungstafel im Amphitheater
Die Arena im Jahre 673, Ausstellungstafel im Amphitheater © Culturespaces

731

Nîmes wird von den Franken unter ihrem Heerführer Karl Martell verwüstet und geplündert, im Jahr 737 n. Chr. wird die Stadt in Brand gesteckt.

892

Nîmes befindet sich unter der Herrschaft des Grafen von Toulouse.

1207

Die Macht in Nîmes wird aufgeteilt auf vier Konsule.

1226

Die Region Languedoc wird in das Königreich Frankreich eingegliedert. Nîmes unterwirft sich dem König Ludwig XIII., der Oberherr des Languedoc wird. Die nahegelegene Stadt Aigues-Mortes wird zum einzigen Zugang zum Mittelmeer.

1248 und 1270

König Ludwig IX. begibt sich auf Kreuzzüge ins Heilige Land von Aigues-Mortes aus.

Stadtmauern von Aigues Mortes am Morgen
Aigues Mortes Südseite © Siegbert Mattheis

1278

Die italienischen, lombardischen und toskanischen Kaufleute, die sich zuvor in Montpellier niedergelassen hatten, ziehen nach Nîmes und lassen die Wirtschaft aufblühen.

Anfang des 15. Jahrhunderts

Epidemien, Hungersnöte und Kriege raffen mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft dahin.

1535

Infolge der Entdeckung einer antiken Münze mit Krokodil und Palme, gibt König Franz I. Nîmes die Erlaubnis, dieses Symbol auf seinem Stadtwappen abzubilden.

1559

Guillaume Mauget wird der erste Pastor der Stadt. Die Reformation macht aus Nîmes eine der wichtigsten protestantischen Gemeinden der Region und zur Hauptstadt der Hugenotten.

1567

Aufrührerische Protestanten verüben am 29.September, dem Tag des St. Michael, ein Massaker an Katholiken. Es wird später als die „Michelade von Nîmes“ in die Geschichte eingehen.

1598

Das Edikt von Nantes führt zur religiösen Einigung, indem es den Hugenotten, den calvinistischen Protestanten im katholischen Frankreich religiöse Toleranz und volle Bürgerrechte gewährt.

Die Wahrzeichen von Nîmes, Krokodil und Palme, hier als Brunnen
Die Wahrzeichen von Nîmes, Krokodil und Palme © Siegbert Mattheis
Die Arena 1804, Ausstellungstafel im Amphitheater
Die Arena 1804, Ausstellungstafel im Amphitheater © Culturespaces

17. Jahrhundert

Die Textilproduktion gewinnt in Nîmes an Bedeutung. Die Stoffprodukte aus Nîmes werden nach ganz Europa exportiert. Die Stadt gelangt dadurch zu enormem Reichtum. Zahlreiche Stadt- und Herrenhäuser zeugen heute vom Wohlstand dieser Epoche. Die Académie Royale de Nîmes wird im Jahr 1682 gegründet.

1685

Die Aufkündigung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. zwingt die Protestanten in den Untergrund. Die Verfolgung der Hugenotten werden immer stärker.

1702-1710

Die Hugenotten aus den Cevennen, die sog. Kamisarden beginnen einen Partisanenkrieg gegen das katholische Frankreich, der sich während des Spanischen Erbfolgekrieges im sogenannten Cevennenkrieg von 1702–1705 blutig entlädt. Die Einwohner von Nîmes, Montpellier, Orange, Uzès und anderen Städten unterstützen die Kamisarden. Der Aufstand wird 1710 niedergeschlagen.

18. Jahrhundert

Dank der Seidenindustrie und der Weinherstellung findet die Stadt allmählich zurück zu ihrem Wohlstand. Es ist die goldene Zeit der Textilindustrie. Die Stoffe aus Nîmes „toiles de Nîmes“, werden zum Markenzeichen. Im Jahrhundert der Aufklärung legt der Architekt und Ingenieur des Königs Ludwig XV., Jacques Philippe Mareschal, die Jardins de la Fontaine an, in die er das antike Refugium einbindet, das um die Quelle herum gefunden wurde.

Mit dem Blau aus Genua eingefärbter Stoff im Museum von Nîmes © Siegbert Mattheis
Mit dem Blau aus Genua eingefärbter Stoff im Museum von Nîmes © Siegbert Mattheis
Jardins de la Fontaine in Nimes © Siegbert Mattheis
Jardins de la Fontaine in Nimes © Siegbert Mattheis
Herrenhäuser in Nîmes waren selbst in den Hinterhöfen reicht geschmückt
Herrenhäuser in Nîmes waren selbst in den Hinterhöfen reicht geschmückt © Siegbert Mattheis

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1842

Das Auftauchen der Eisenbahn in Nîmes leitet eine neue Ära des Wohlstands ein. Der Bahnhof, von dem aus man einen schönen Blick auf den Tour Magne hat, wird im Jahr 1842 gebaut, gefolgt von vielen weiteren beeindruckenden Bauten wie dem Palais de Justice im Jahr 1848, mehreren Kirchen, der Galerie Jules Salles, vielen Cafés und Banken, die der Stadt ein Antlitz von Modernität verschaffen. Große Boulevards entstehen.

1884

Errichtung der „Halles de Nîmes“, der Markthalle von Nîmes.

Ende des 19. Jahrhunderts

Napoleon III. leitet eine große Kampagne zur Renovierung der antiken Monumente ein.

Anfang des 20. Jahrhunderts

Durch Rekordernten an Wein in ganz Europa in den Jahren 1904 und 1905 konnten die Weine aus dem Languedoc kaum mehr verkauft werden. Die Beschäftigten aus der Landwirtschaft sehen sich am Rande ihrer Existenz und erheben sich 1907 zur Révolte des vignerons, der Winzerrebellion. Am 2. Juni nehmen in Nîmes 250.000 Menschen an einer der vielen Demonstrationen teil. Eine Woche später in Montpellier waren es über eine halbe Million.

1947

Eröffnung des Flughafens von Nîmes. Von 1968 bis 2011 beherbergt der Flughafen einen Marine-Flughafen im NATO-Format. Seit 2016 beherbergt der Flughafen auch die Wasserbomberbasis der zivilen Sicherheit.

1952

Brand des im 19. Jahrhundert erbauten großen Theaters und Entwicklung der ersten Feria (Stierfestspiele) von Nîmes.

1980er Jahre

Jean Bousquet, Schöpfer der Parfummarke Cacharel, benannt nach dem berühmten Camargue-Vogel und von 1983 bis 1997 Bürgermeister von Nîmes, fördert den Tourismus und Großveranstaltungen. Er initiiert große städtische Projekte und lässt viele Gebäude renovieren.

1988

Nach den schrecklichen Überschwemmungen vom 3. Oktober 1988 startet die Stadt ein ehrgeiziges Hochwasserschutzprogramm, das bis heute anhält. Dank all dieser Anstrengungen sind nicht nur die Stadt, sondern auch die im Süden gelegenen Gemeinden vor starken Regenfällen geschützt.

Palais de Justice, 1848 im neoklassizistischen Stil erbaut
Palais de Justice, 1848 im neoklassizistischen Stil erbaut © Siegbert Mattheis

1990er Jahre

Die Stadt vertraut ihre Architekturprojekte größeren Stiftungen an. Im Jahr 1993 vereint Nîmes die zeitgenössische Kunst mit den Schätzen der Vergangenheit mit dem Carré d’Art Jean Bousquet (Zeitgenössisches Museum und Medienbibliothek), konstruiert vom Architekten Norman Foster. Seine gewagte Mischung verschiedener Stile lassen sich in den Arbeiten von berühmter Architekten, Designer oder Künstler wie Philippe Starck, Jean-Michel Wilmotte, Martial Raysse, Jean Nouvel, Takis wiederfinden. Philippe Starck entwirft auch das Stadtwappen neu.

2018

Das Musée de la Romanité wird eröffnet, ein großes Museum der Archäologie direkt gegenüber der Arena, designt von EIizabeth de Portzamparc.

Heute

Nîmes mit inzwischen 154.000 Einwohnern entwickelt sich weiterhin. Die Projekte gehen weiter mit der Errichtung eines Kongresszentrums, der Entwicklung eines Öko-Stadtviertels und der Schaffung von 2 10 und 14 h großen Stadtparks.

Ungeduldig warten die Einwohner im Übrigen auf die Aufnahme der Stadt in das Verzeichnis als Weltkulturerbe. Wenn Sie das unterstützen möchten, ist hier der Link zur Bewerbung als UNESCO-Weltkulturerbe

Siegbert Mattheis / OT Nîmes

Römisches Museum Nîmes © OT Nîmes
Römisches Museum Nîmes © OT Nîmes

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