Beaucaire, zauberhafter Künstlerort an den Toren der Provence

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Das kleine, charmante Städtchen Beaucaire an der Rhône vermerken die wenigsten Urlauber als Ziel auf ihrem Reiseplan in die Provence oder nach Okzitanien. Dabei war die Stadt zwischen dem 12. und dem 19. Jh. mit der „Foire de la Madeleine“ eine der wichtigsten Marktplätze Europas und somit auch eine der reichsten Städte im Süden Frankreichs. Bis die Ankunft der Eisenbahn den Ort zurück in die Bedeutungslosigkeit stürzte. Dennoch verfügt Beaucaire über einige Sehenswürdigkeiten, Kuriositäten und Spezialitäten und schöne Feste.

Hier fühlt man sich noch ein wenig wie im Frankreich vor der Jahrtausendwende. Denn geblieben ist ein Ort mit schöner Altstadt, einer beeindruckenden Festung, hochherrschaftlichen Stadtpalais, an denen allerdings der Putz schon abblättert und einer gelassenen, freundlichen Bevölkerung.

Altes Straßenschild aus Stein
Ein Wegweiser aus vergangenen Zeiten © Siegbert Mattheis

Wo liegt Beaucaire?

Beaucaire mit etwa 16.000 Einwohnern liegt mitten in einem Dreieck zwischen Avignon, Nîmes und Arles am rechten Ufer der Rhône. Im Ort beginnt der Canal du Rhône à Sète, der ursprünglich über eine Schleuse mit der Rhône verbunden war. Bei Kanalisierungsarbeiten wurde diese Verbindung aber unterbrochen. Heute erreicht man den Kanal über die Petit Rhône bei Saint-Gilles. Trotzdem verfügt Beaucaire über einen schön ausgebauten Yachthafen am Kanal, der für den Wassertourismus mit Sport- und Hausbooten intensiv genutzt wird.

Karte der Lage von Beaucaire
Beaucaire liegt mitten in der Terre d'Argence © OT Beaucaire

Sehenswürdigkeiten in Beaucaire

Der Yachthafen von Beaucaire
Der Yachthafen von Beaucaire © Siegbert Mattheis
Der Hafen in der Dämmerung
Der Hafen in der Dämmerung © Siegbert Mattheis

Yachthafen

Der Yachthafen von Beaucaire ist das lebendige Herzstück des Ortes. Dort finden Sie viele Geschäfte und Restaurants, ebenso wie am platanengesäumten Cours Gambetta.

Die Festung trohnt über der Stadt
Die Festung trohnt über der Stadt © Siegbert Mattheis
Die Festung innen, links der dreieckige Turm
Die Festung dient heute als Museum © Siegbert Mattheis

Château de Beaucaire

Die Festung Beaucaire aus dem 11. Jahrhundert mit einem beeindruckenden dreieckigen Turm ist eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Beaucaire. Sie zählte damals zu einer der mächtigsten Zitadellen in Südfrankreich. Sie wurde jedoch im Jahre 1632 durch Kardinal Richelieu zum großen Teil abgerissen. Heute beherbergt sie das Museum für Geschichte und Archäologie. Vom Gelände der Burg, das häufig für Veranstaltungen genutzt wird, hat man einen großartigen Blick über die Rhône auf das gegenüberliegende Städtchen Tarascon mit dessen gewaltiger Burg aus dem 14. Jahrhundert. In Tarascon befindet sich übrigens auch der Stammsitz des Traditions-Luxuslabels Souleiado.

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französische Mode für Herren und Frauen von Souleiado
Kirche über der Altstadt
Notre-Dame des Pommiers © Siegbert Mattheis

Notre-Dame des Pommiers

Die Kirche Notre-Dame des Pommiers wurde unter dem Architekten Franque in der Zeit von 1734 bis 1744 erbaut und zählt zu den Juwelen der Barockarchitektur. Sie verfügt über eine geschwungene Fassade und einen romanischen Fries an der Westseite, der die Passionsgeschichte zeigt. Die Kirche wurde an der Stelle einer älteren romanischen Kirche errichtet, die viel zu klein geworden war, um allen Besuchern des alljährlichen Jahrmarktes „Foire de la Madelaine“ Platz bieten zu können.

Die Straßen von Beaucaire in der Dämmerung, viele Platanen
Die Straßen von Beaucaire © Siegbert Mattheis
Enge Gasse mit einem Turm
Überall mittelalterliche Gassen in Beaucaire © Siegbert Mattheis
Eine schmale Gasse in der Dämmerung
Beaucaire in der Dämmerung © Siegbert Mattheis

Stadtpalais in der Altstadt

In den Straßen der Altstadt zu Füßen der Burg scheint sich das Leben in ruhigeren Bahnen abzuspielen. Man fühlt sich in das Frankreich vor einigen Jahrzehnten zurückversetzt. Überall kann man noch den Reichtum der vergangenen Zeiten ablesen, obwohl der Putz an den Fassaden oft schon bröckelt. An weiteren Sehenswürdigkeiten finden Sie mehrere Stadtpalais wie das Hôtel de Clausonnette von 1745, das Hôtel Roys de Lédignan und das Rathaus, beide aus dem 17. Jahrhundert sowie das Bürgerhaus Hôtel Dulong vom Anfang des 16. Jahrhunderts.

Schattige Platanen am Platz
Place de la République © Siegbert Mattheis
Mächtige Arkadengänge
Unter den mächtigen Arkaden tobte früher das Markttreiben © Siegbert Mattheis

Der Marktplatz

Der quadratische Marktplatz mit den schattenwerfenden Platanen wurde nach der französischen Revolution umbenannt in „Place de la République“, wie viele solcher Plätze in Frankreich. Hier trifft man sich, genießt seinen Pastis und hält ein „tailler la bavette“, ein Schwätzchen mit den Nachbarn.

Steinernes Denkmal für den Stier Clairon am Hafen
Denkmal für den Stier Clairon © Siegbert Mattheis

Stierdenkmal Clairon

Das Denkmal für den tapferen, 1920 geborenen Stier Clairon am Eingang des Yachthafens ist eins der zwei großen Stierdenkmale in Beaucaire. 1939 ursprünglich aus Bronze errichtet, wurde es 1943 von Unbekannten demontiert. Es heißt, die Deutschen hätten es eingeschmolzen und zur Kanonenherstellung verbraucht. Es wird aber auch kolportiert, dass die Beaucairer es selbst waren, damit es den Deutschen nicht in die Hände fiele. Jedenfalls wurde 20 Jahre später das Denkmal dann aus Stein wieder aufgebaut.

Künstlerstadt Beaucaire

Beaucaire wurde im Jahr 2001 das staatliche Siegel „Ville d’Art et d’Histoire“ (Stadt der Kunst und der Geschichte) verliehen. Die Stadt engagiert sich stark für Kunst und Architektur und bietet günstige Mieten und eine hohe Lebensqualität. Zum Beispiel für den Künstler Bruno Hugounenq. Er stellt aus alten Zeitungsanzeigen faszinierende Collagen her und restauriert Möbel und lackiert sie mit Knochenmehl aus Schafsschienbein und Leim wie zu Michelangelos Zeiten. Inzwischen betreibt er auch ein Ladengeschäft in Arles, das Ravanille et Framboise. Oder für den Möbeldesigner Laurant Passe. Er kombiniert alte, gelebte Materialien mit modernster Technik und hat sich inzwischen auch in der Pariser Szene einen Namen gemacht. Er designt massive Tische aus alten LKW-Seitenwänden, Betten aus verwitterten Planken, ein Sideboard, das außen wuchtig mit knorrigem Holz verkleidet ist, dessen Türen sich aber federleicht öffnen lassen.

Der Künstler Bruno Hugounenq mit einem seiner Bilder
Der Künstler Bruno Hugounenq © Siegbert Mattheis
Möbeldesigner Laurant Passe an einem Schreibtisch aus LKW-Planken
Möbeldesigner Laurant Passe © Siegbert Mattheis
Korbflechter
Korbflechten hat Tradition in der Gegend © OT Beaucaire

Traditionelles Handwerk

Das Korbflechten hat Tradition in der Gegend. Zwei Tage lang, jeweils am 2. Augustwochenende, stellen Korbflechter aus aller Welt im nahegelegenen Vallabrègues ihre Werke aus. Diese Veranstaltung, die von allen Einwohner des Dorfes mitgetragen wird, erinnert an die wohlhabende Zeit, in der das Dorf bis zu 450 Korbflechter zählte. Das Fest startet mit einem beeindruckenden Umzug mit 700 Teilnehmern. Im Korbflechtermuseum in Beaucaire erzählen über 1.500 Sammlerstücke von dieser immer noch gelebten Tradition.

Spezialitäten aus der Terre d’Argence

Dank der großzügigen Sonne genießt Beaucaire im Herzen der Terre d’Argence optimale Bedingungen, um viele regionale Spezialitäten wie die AOC “Costière de Nîmes”-Weine und Olivenöl sowie Obst und Gemüse herzustellen, das oft zu Fruchtsäften und Konfitüren verarbeitet wird. Stiergulasch, “Gardiane de Taureau”, mit Reis aus der Camargue und Gemüse ist ein beliebtes Gericht auf der Speisekarte vieler Restaurants, aber auch Fisch und Meeresgerichte werden rund um Beaucaire gerne verzehrt.

Traditionelles Stiergulasch mit Reis
Traditionelles Stiergulasch mit Reis © OT Beaucaire
Oliven, Gewürzpaste, getrocknete Tomaten
Spezialitäten © OT Beaucaire

Sehenswürdigkeiten rund um Beaucaire

Das dreieckige überdeckte Kreuz
Das überdeckte Kreuz vor den Toren von Beaucaire © Siegbert Mattheis

Oratoire Croix couverte

Das überdeckte Kreuz ist eine faszinierende gotische Hauskapelle aus dem späten 14. Jahrhundert, auf der Straße nach Fourques, kurz nach Beaucaire. Im Ouradou oder „überdecktem Kreuz“ war ein Kreuz untergebracht, das heute im archäologischen Museum Auguste Jacquet in Beaucaire aufbewahrt ist. Auf der Seite sind die Namen der Spender Jean de France und seiner Frau Jeanne d’Armagnac markiert.

Blick von der Abtei Saint Roman auf die Rhône
Blick von der Abtei Saint Roman auf die Rhône © Sreinsch, Wikipedia

Abtei Saint Roman

Das Höhlenkloster Abbaye de Saint Roman liegt in bewaldeten Hügeln direkt oberhalb des Rhônetals auf einem hochragenden Felsplateau. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts siedelten sich Einsiedler auf den Hügeln Aiguille und Saint-Roman an. Nach und nach vergrößerten die Mönche die natürlichen Höhlen und bauten eine Kapelle, Zellen und Gemeinschaftsräume. Wahrscheinlich im 7. Jahrhundert nahmen sie die Ordensregel der Benediktiner an. Vom Plateau aus bietet sich ein atemberaubendes Panorama auf die Rhône und die dahinterliegende Provence.

Gemälde auf Wände projiziert
Carrières de Lumières in les Baux-de-Provence © Siegbert Mattheis

Carrières de Lumieres

Sehr beeindruckend sind auch die alten Steinbrüche bei Les Baux-de-Provence, die Carrières de Lumieres in denen Gemälde bekannter Künstler spektakulär in Szene gesetzt an die Wände projiziert werden.

Aktivitäten, z.B. Wassersport

Der Süßwasserhafen von Beaucaire ist nur einen halben Tag vom Meer entfernt. Er kann Boote bis zu 38 m Länge aufnehmen. Sie können in Beaucaire oder im nahegelegenen Bellegarde kleine Hausboote zum Selbstfahren mieten. Oder mit einem zum Minihotel umgebauten Lastkahn die Rhône hinunter nach Arles oder hinauf nach Avignon reisen.

Lange Boote am Kanal
Diese Boote können Sie mieten © Siegbert Mattheis

Kanufahren zum Pont du Gard

Nur eine halbe Stunde entfernt liegt diese beeindruckende Aquäduktbrücke aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., die über Jahrhunderte das nahegelegene Nîmes mit Wasser aus den Cevennen versorgte. Heute ist sie eine der am besten erhaltenen Wasserkanäle aus der römischen Zeit und zählt zu einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Südfrankreichs – seit 1986 ist sie auch UNESCO-Weltkulturerbe. Mit dem Kanu paddeln Sie gemütlich auf dem Flüsschen “Le Gard du Gardon” bis zum Pont du Gard.

Pont du Gard Paddeln © Siegbert Mattheis
Nach der letzten Kurve: der Pont du Gard © Siegbert Mattheis

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Feste und Messen in und rund um Beaucaire

Ein Mann steht am Grill, im Hintergrund viele Menschen
Feiern auf der Foire de la Madelaine © Siegbert Mattheis
Stier spießt beinahe einen Menschen auf
Der unblutige Course camarguaise, hier jagen die Stiere die Menschen © Siegbert Mattheis

Foire de la Madelaine

Neben vielen Konzerten, Ausstellungen, Theateraufführungen, nautischen Festen und Corridas feiert Beaucaire seit Generationen seine berühmte „Foire de la Madeleine“ (Handelsmesse der Madeleine). Wie es die Tradition verlangt, beginnt diese immer am Abend des 21. Juli, mit einem großen thematischen Eröffnungsumzug. Die Messe dauert acht Tage und bietet Veranstaltungen rund um den Stier, Courses camarguaises, Konzerte und musikalische Vorführungen, Animationen für die Kinder, Bodegas im spanischen Stil uvm.

Gardians mit Stöcken auf weißen Camargue-Pferden
Gardians, die berittenen Stierhüter und Rinderhirten © OT Beaucaire

Pferdemesse in Fourques

Am ersten Wochenende im September zelebriert man im Nachbarort Fourques eine große traditionelle Parade mit 1.000 Teilnehmern. Zu sehen und erleben gibt es altes Handwerk, Gardians – die berittenen Stierhüter und Rinderhirten Südfrankreichs – sowie Menschen in alten Kostümen, Pferdekutschen und eine atemberaubende Pferdeshow.

Frau in traditioneller Tracht befestigt Häubchen an anderer Frau
Letzte Vorbereitungen für das Pferdefest © OT Beaucaire
mann mit andalusischem Hut mit grauem Pferd
Pferdemesse © OT Beaucaire
4 Frauen in traditioneller Tracht auf weißen Camargue-Pferden
Auf dem Pferdefest werden traditionelle Trachten getragen © OT Beaucaire
Schäfer mit Schafen auf dem Fest
Umzug zum Fest Pastrage in Bellegarde © OT Beaucaire

Pastrage-Fest in Bellegarde

Einen Tag vor Heiligabend vereinen sich Hirten aus Costières mit den “Mireilles”, den “Alésiennes” und den Bauern, Olivenpflückern und Reisigsammlern. Alle Einwohner Bellegardes heißen die “Pastres” und ihre Herden am Eingang der Stadt willkommen. Daraus wird ein langer farbenfroher Umzug durch die Stadt mit traditionellen, landwirtschaftlichen Kostümen früherer Zeiten, begleitet vom Blöken der Schafe. Ein Highlight des Festes bildet eine Krippe in Originalgröße.

Domaine des Clos Ansicht
Domaine des Clos © Siegbert Mattheis
Typisches Schlafzimmer im französischen Landhausstil mit Souleiado-Motiven in der Domaine du Clos bei Beaucaire
Typisches Schlafzimmer im französischen Landhausstil mit Souleiado-Motiven in der Domaine du Clos bei Beaucaire © Siegbert Mattheis

Unterkünfte Beaucaire

Und hat besonders die Domaine des Clos gefallen. Sie ist ein typisch provenzalisches Mas (Bauernhof) aus dem 18. Jhdt., das die Gastfreundschaft und Herzlichkeit eines Familienbetriebes mit dem Komfort eines Sternehotels verbindet. Sandrine und David Ausset freuen sich darauf, Sie bei der Entdeckung von Beaucaire und der wunderschönen Gegend rund um den Ort zu unterstützen.

Siegbert Mattheis

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