Reis aus der Camargue, rot, braun, schwarz und weiß …

Reis gehört zur typischen Mittelmeerküche einfach dazu. In der Camargue in Südfrankreich wird er in großem Stil angebaut. Aber wie kam er dorthin?

Wir haben eines der 15 Höfe, die in der Camargue Reis anbauen, besucht, das Mas de Valeriole. Er liegt mitten im Naturpark der Camargue. Der Hof, auf provenzalisch Mas, von Hélène und Patrick Michel betreibt zudem auch biologischen Weinanbau. Das sympathische Paar hat uns viel über den Reisanbau in der Camargue erzählt. Wir durften auch ihren Wein probieren und netterweise auch ein paar Säckchen vom fantastischen roten Naturreis mit nach Hause nehmen. Für den Reis ist übrigens Patricks Bruder Jean-Michel zuständig.

Reis aus der Camargue

Reis wird in der Camargue von Ende April bis Mitte Mai ausgesät und im September geerntet. Inzwischen können Sie viele verschiedene Sorten Reis aus der Camargue probieren. Runder, langer, aromatischer Reis in den Farben Weiß, Braun, Schwarz und den speziellen roten Reis. Dieser erhält seine Farbe aus einer natürlichen Mutation. Er stammt ausschließlich aus biologischer Landwirtschaft und trocknet nach der Ernte in der Sonne und unter den Mistralwinden. Seit dem Jahr 2006 trägt er auch die geschützte Herkunftsbezeichnung IGP (Identification Géographique Protegé). Er passt wunderbar zu Fleischgerichten wie dem Carpaccio aus Stierfleisch oder dem traditionellen „Gardiane de Taureau” mit Gemüse, aber genauso auch zu Fischgerichten.

Den Reis und die köstlichen Weine vom Mas de Valeriole können Sie gerne auf dem Hof selbst verkosten, aber leider nicht online kaufen.

Aber wir haben roten und anderen Reis aus der Camargue bei amazon entdeckt.*

Dem Reis aus der Camargue ist sogar eine eigene Messe gewidmet, die alljährlich im September in Arles stattfindet.

Hélène und Patrick Michel © Siegbert Mattheis
Hélène und Patrick Michel © Siegbert Mattheis

Wie gelangte Reis nach Europa, ans Mittelmeer?

Reis gelangte ursprünglich aus China und Indien über die damalige Seidenstraße nach Mesopotamien. Alexander der Große führte ihn dann ins griechische Reich ein und auch unter den Römern war er zeitweise sehr beliebt. Aber erst in der Renaissance gelangte Reis wieder ins Bewusstsein der europäischen Bevölkerung.

In der Camargue ist der Reisanbau mit vielen Rückschlägen und auch einem unrühmlichen Kapitel französischer Geschichte verbunden.

Camargue-Reis getrocknet © Siegbert Mattheis
Camargue-Reis getrocknet © Siegbert Mattheis

Wie kam der Reis in die Camargue?

Schon im 16 Jh. versuchte Heinrich IV., Reis in der Camargue anbauen zu lassen. Allerdings mit mäßigem Erfolg, denn die ständigen Hochwasser der Rhône machten viele Ernten zunichte. Erst als Napoleon III., nach einem verheerenden Hochwasser 1856 einen Seedeich bauen ließ, der das salzige Meerwasser zurückhielt, waren die Ernten etwas ertragreicher. Dennoch dümpelte der Reisanbau vor sich hin.

1939, mit Kriegseintritt Frankreichs, wurden junge Männer aus allen Teilen des damaligen französischen Kolonialreiches zum Kriegsdienst zwangsrekrutiert. Darunter waren auch 20.000 Vietnamesen aus dem damaligen Indochina. Nach dem Waffenstillstand 1940 wurden etwa 500 davon in die Camargue geschickt, um den Reisanbau voranzutreiben. Das Vichy-Regime nutzte die Kenntnisse der Vietnamesen über die Kultivierung von Reis aus. Unter unmenschlichsten Bedingungen musste sie dort den Sumpf für den Reisanbau vorbereiten.

Nach Kriegsende beflügelte der amerikanische Marshallplan mit neuen Techniken die ausgeklügelte Bewässerung mit Süß- und Salzwasser. Arbeiter aus Italien und Spanien mit ihrem Spezialwissen trugen das ihre zum Boom des Reisanbaus bei. Seitdem ist Reis aus der Camargue nicht mehr von französischen Tellern wegzudenken.

Siegbert Mattheis

Verschiedene Reissorten aus der Camargue © Siegbert Mattheis
Verschiedene Reissorten aus der Camargue © Siegbert Mattheis

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Hélène und Patrick Michel im Weinkeller © Siegbert Mattheis
Hélène und Patrick Michel im Weinkeller © Siegbert Mattheis

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