Lupinen, köstlicher Snack zum Aperó – und neues Superfood?

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Beim Aperitif nebenbei die Welt verbessern, das Klima schützen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun? Und einen herzhaften Snack zu sich nehmen, der auch noch richtig gut schmeckt und tausendmal besser und gesünder ist als Chips?

Lupinen als „salgadinhos“

Auf Madeira baten wir die Kellnerin, uns doch bitte zum Aperó auch solche kleinen salgadinhos, (salzige Knabbereien) wie am Nachbartisch zu bringen. „Tremoços?“ fragte sie zurück. Wir kannten das Wort zwar nicht, nickten aber zuversichtlich.

Doch als sie uns eine Schale mit in Salzlake eingelegten gelben Bohnen brachte, waren wir erst etwas enttäuscht. Wir hatten eher geröstete Kichererbsen oder Mais erwartet. Aber dann die Überraschung: sie passten perfekt zum Aperitif!

Gelbe Samen
Herzhafte Lupinen © Siegbert Mattheis
Campariglas und eine Schüssel Lupinen
Lupinen als traditioneller Snack zum Aperitiv © Siegbert Mattheis

Wie schmecken Lupinen?

Leo.org übersetzte uns das Wort tremoços ins Deutsche als Lupinen. Davon hatten wir zwar schon gehört, dachten aber nicht, dass sie so gut und so herzhaft schmecken würden! Sie sind knackig, etwas größer als Maiskörner und haben einen leicht salzig-nussigen Geschmack. Danach waren wir süchtig nach dieser Knabberei und forschten weiter nach.

Auf dem portugiesischen Festland, z. B. an der Algarve, auf den Azoren und vor allem auf Madeira reichen die Bars und Kneipen schon seit Langem diese eingelegten tremoços zum Aperó. Zum Wein, zum Bier, zum Aperol Sprizz oder zum traditionellen Getränk Poncha. Auch in Spanien, Griechenland und Italien sollen sie als Snack zum Aperitivo beliebt sein, dort hatten wir sie bisher allerdings noch nicht entdeckt.

Tremoços zum Nationalgetränk Poncha auf Madeira © Siegbert Mattheis
Sack mit Lupinen, Schild Tremoço 4,65 Euro pro Kilogramm
Trockene Lupinen © Siegbert Mattheis

Warum sind Lupinen so gesund?

Lupinen gehören zu den Hülsenfrüchten wie Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Sojabohnen oder Erdnüssen. So sind sie eine hervorragende pflanzliche Eiweißquelle, enthalten mit bis zu 48 % sogar etwas mehr Eiweiß als Soja. Daher werden sie auf Madeira auch als „marisco dos pobres“, („Meeresfrüchte der Armen“) bezeichnet. In Griechenland nennt man sie dagegen „Fleisch der Armen“.

Zudem liefern sie reichlich Ballaststoffe und viele Mineralstoffe, wie zum Beispiel Calzium. Das macht sie nicht nur für Veganer:innen hochinteressant, sondern auch für Milchallergiker:innen oder solche, die die konventionelle Milchwirtschaft nicht unterstützen wollen. Ohnehin ist es laut Ernährungsexpert:innen sinnvoller, pflanzliche Quellen zu nutzen, anstatt über tierische Quellen den Calciumbedarf abzudecken. Denn Milch und Milchprodukte werden von unserem Körper sauer verstoffwechselt.

Lupinen enthalten zudem weniger Fett und Kohlenhydrate, aber mehr Ballaststoffe als Soja. Außerdem sind sie cholesterin- und glutenfrei! Die Food and Agriculture Organization der United Nations (FAO) betont, dass Hülsenfrüchte wie Lupinen auch dazu beitragen können, Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs vorzubeugen. Auf Wikipedia könnt ihr mehr über die einzelnen Inhaltsstoffe nachlesen.

Lupinen, das neue Superfood?

Aus Lupinensamen lassen sich im Übrigen eine große Anzahl an Lebensmitteln wie Lupinenmehl, vegane Würste oder Lupinen-Tofu uvm. herstellen. Nur wenn ihr eine Erdnuss-Allergie habtkönnten sie ein Problem für euch darstellen.

Manche wie der Wissenschaftssender Quarks bezeichnen Lupinen sogar schon als neues Superfood.

Wie isst man Lupinenbohnen?

Die geernteten Lupinensamen werden lange eingeweicht, gekocht und in Salzlake konserviert. In Portugal wird zum Snack auch immer ein weiterer Teller für die Schalen gereicht, denn in der Regel wird nur der Samenkern gegessen. Ihr könnt die Lupine zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und sanft zusammendrücken. Dann flutscht der Kern heraus. Oder ihr beißt vorsichtig darauf, bis sich die Schale löst, lutscht den Kern heraus und gebt die Schale in den Teller. Oder aber ihr esst die Lupinen im Ganzen (so wie wir ;). Denn die Schale schmeckt genauso gut und enthält außerdem gesunde Ballaststoffe. Wir geben gerne noch etwas Piri-Piri für eine gewisse Schärfe darüber.

Wir geben gerne noch etwas Piri-Piri darüber © Siegbert Mattheis

Warum kann ich mit Lupinen die Welt ein bisschen besser machen?

Lupinen sind eine hervorragende Alternative zu ökologisch bedenklichem Import-Soja. Denn der Anbau der Sojabohne stellt eine enorme Gefahr für die Urwälder Südamerikas dar. Der „Soja-Boom“ der letzten Jahrzehnte hat bis heute fast den gesamten Atlantischen Regenwald sowie große Teile der Cerrado-Savanne verschwinden lassen.

Lupinen sind anspruchsloser und wachsen problemlos auch in unseren Breiten. So fällt für den Transport ein weitaus geringerer CO2-Ausstoß an.

Außerdem könnten sie ein Baustein nachhaltiger Landwirtschaft werden und dazu beitragen, die Biodiversität zu stärken.

Mehr darüber erfahrt ihr z.B. bei transgen,beim Lupinenverein oder auch beim Biolandhof Kelly

Woher stammen Lupinen?

Schon in ägyptischen Gräbern wurden über 4.000 Jahre alte Lupinensamen gefunden. Dort sind Lupinen auch heute noch ein Hauptnahrungsmittel während des Nationalfestes Sham el-Nessim, dessen Geschichte bis in die altägyptische Zeit zurückreicht.

Die Römer verbreiteten die Pflanze später im ganzen Mittelmeerraum. Heute findet man die Samen vor allem im gesamten Nahen Osten und in den Mittelmeerländern wie Italien, Türkei, Griechenland, Spanien oder Portugal. Sowie daneben in deren ehemaligen Kolonien, insbesondere in Brasilien.

In Südamerika selbst gibt es aber auch eine Variante der Lupinen, die schon während des Inka-Reiches ein weitverbreitetes Nahrungsmittel darstellte.

Dieser Blogbeitrag wurde übrigens beim Knabbern von Lupinen geschrieben 😉

Siegbert Mattheis

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Lupinen / Altramuces/ Tremoços, 870 gr

Lupinenkerne, in Portugal Tremoços genannt (Altramuces in Spanien) in Salzwasser eingelegt, Kaliber 11/12

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