Wie kam es dazu, dass wir Silvester am 31. Dezember feiern?

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Silvester ist der letzte Tag des Jahres und am 1. Januar beginnt das neue Jahr. Für uns ist das selbstverständlich. Aber war schon immer so und gilt das für die ganze Welt? Denn dass wir Silvester als den letzten Tag im Jahr feiern, ist mehr oder weniger zufällig entstanden.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Silvester und zum Beginn des neuen Jahres

Hier das Ergebnis unserer umfangreichen Recherchen:

Warum feiern wir Silvester am 31. Dezember?

Die Festlegung des 31. Dezembers als letzten Tag des Jahres entwickelte sich über Jahrhunderte:

  • Der Name “Silvester” geht auf den Todestag von Papst Silvester I. zurück (31. Dezember 335)
  • Der 1. Januar gilt bereits seit 153 v. Chr. offiziell als römischer Jahresbeginn
  • Regional wurde dies jedoch sehr unterschiedlich gehandhabt
  • Erst mit der gregorianischen Kalenderreform ab 1582 setzte sich der 1. Januar als Jahresbeginn europaweit durch
  • Damit wurde der 31. Dezember zum letzten Tag des Jahres

Woher kommt der Name “Silvester”?

Der Name “Silvester” leitet sich von Papst Silvester I. ab, dessen Todestag auf den 31. Dezember 335 fällt. Der Name stammt vom lateinischen Wort silva (Wald) und bedeutet übersetzt “Waldmensch”.

Die Schreibweise “Silvester” ist korrekt; “Sylvester” wird nur als amerikanischer Vorname , z.B. für Sylvester (Sly) Stallone verwendet.

Altes Gemälde, das Papst Silvester auf einem Thron zeigt
Papst Silvester I © Wikipedia

Welcher ist der älteste Kalender der Welt?

Die Sumerer in Mesopotamien entwickelten um 3.000 v. Chr. als erste einen Kalender im sogenannten sexagesimalen System. So legten sie erstmals fest, dass ein Tag 24 Stunden hat, eine Stunde 60 Minuten und eine Minute 60 Sekunden.

Was ist der attische Kalender?

Der attische Kalender war ein Lunisolarkalender der antiken Griechen in Athen. Das Jahr begann mit dem ersten Neulicht nach der Sommersonnenwende. Die Griechen zählten Monate und Jahre nach dem Mondkalender und glichen ihn durch Schaltmonate oder zusätzliche Tage an das Sonnenjahr an, da Mondjahre 11 Tage kürzer als Sonnenjahre sind.

Diese Methode führte allerdings zu Schwierigkeiten bei der Abstimmung mit anderen Regionen.

Wie entstand der Julianische Kalender?

Der Julianische Kalender wurde 45 v. Chr. von Julius Cäsar eingeführt und trat am 1. Januar 45 v. Chr. in Kraft. Der römische Herrscher beauftragte den Astronomen Sosigenes aus Alexandria mit der Ausarbeitung eines genaueren Kalenders, da der bisherige Kalender um etwa drei Monate von der Natur abwich.

Sosigenes löste das Problem durch die Einführung eines Schalttages alle vier Jahre.

Warum hat der Februar weniger Tage?

Der Februar erhielt weniger Tage, weil er aufgrund vieler Gedenktage wichtiger Verstorbener nicht grundsätzlich verändert werden durfte. Daher war er prädestiniert, den zusätzlichen Schalttag zu erhalten. Alle anderen Monate erhielten 30 oder 31 Tage.

Nach Julius Cäsars Tod wurde der Schalttag aus fehlerhafter Interpretation zunächst alle drei Jahre eingefügt, was Kaiser Augustus später korrigieren musste.

Was der italienische Feiertag Ferragosto mit Kaiser Augustus zu tun hat

Woher stammen die Namen der Monate September bis Dezember?

Die Monatsnamen stammen aus der frühen römischen Zeit, als das Jahr ursprünglich am 1. März begann.

  • September: der Siebte (vom 1. März aus gezählt)
  • Oktober: der Achte
  • November: der Neunte
  • Dezember: der Zehnte

Julius Cäsar zu Ehren wurde der fünfte Monat (vom März aus) in Juli umbenannt. Kaiser Augustus erhielt den August, dem noch schnell ein Tag aus dem Februar hinzugefügt wurde, um Augustus gegenüber Cäsar nicht zu benachteiligen.

Was ist der Gregorianische Kalender?

Der Gregorianische Kalender ist die 1582 von Papst Gregor XIII. eingeführte Kalenderreform. Da der Julianische Kalender etwa 11 Minuten kürzer als das tatsächliche Sonnenjahr war, führte dies über Jahrhunderte zu erheblichen Verschiebungen.

Bereits im 7. Jahrhundert lag Weihnachten um den 31. Dezember, und im 14. Jahrhundert betrug der Unterschied bereits 9 Tage.

Die Reform beinhaltete:

  • Überspringen von 10 Tagen im Oktober 1582 zur Korrektur
  • Jahre, die durch 100, aber nicht durch 400 teilbar sind, erhalten keinen Schalttag.
    Beispiele: 1700, 1800, 1900 waren keine Schaltjahre; 2000 war ein Schaltjahr
  • Durchsetzung des 1. Januars als einheitlichen Jahresbeginn in allen katholischen Ländern

Mit der voranschreitenden Verbreitung des Christentums über den Mittelmeerraum etablierte sich zunehmend der 31. Dezember als Jahresende.

Warum übernahmen nicht alle Länder den Gregorianischen Kalender?

Da der Gregorianische Kalender vom Papst kam, weigerten sich nicht-katholische und orthodoxe Länder jahrhundertelang, ihn zu übernehmen. Sie behielten den Julianischen Kalender bei, teilweise bis ins 20. Jahrhundert. Die Türkei führte den Gregorianischen Kalender beispielsweise erst am 1. Januar 1926 ein.

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Was bedeutet die Redewendung “Zwischen den Jahren”?

Der deutsche Ausdruck “Zwischen den Jahren” stammt aus der Zeit um 1700, als protestantische und katholische Fürsten sich auf eine einheitliche Regelung nach dem Gregorianischen Kalender verständigten. Um die Jahreswende differierten die Jahreszahlen zwischen dem alten und neuen Kalender, wodurch diese besondere Zeit “zwischen” den Jahren entstand.

Warum feiern orthodoxe Kirchen Weihnachten am 7. Januar?

Die orthodoxen Kirchen folgen einer anderen Zeitrechnung:

  • Kalender: Einige orthodoxe Kirchen nutzen weiterhin den Julianischen Kalender
  • Differenz: 13 Tage Unterschied zum Gregorianischen Kalender
  • Beispiele: Serbien, Russland, Äthiopien, Georgien
  • Weihnachten: Fällt auf den 7. Januar (gregorianisch)
  • Grund: Religiöse Traditionen und bewusste Beibehaltung des alten Kalenders

Welche unterschiedlichen Jahresanfänge gab es historisch?

Obwohl Rom seit 153 v. Chr. offiziell den 1. Januar als Jahresbeginn nutzte, hielten sich verschiedene Regionen über Jahrhunderte nicht daran:

  • Ägypten: 29. August
  • Konstantinopel: 1. September
  • Mittelalterliches Westeuropa: oft 25. Dezember (Weihnachten)
  • Einige mittelalterliche Regionen: 25. März (Mariä Verkündigung)
  • Frühes Rom (bis 153 v. Chr.): 1. März
  • Venedig: 1. März (bis 1797)
  • England: 25. März (bis 1752)

Diese Vielfalt erklärt die unterschiedlichen Bräuche rund um Weihnachten und den Jahreswechsel in den mediterranen Ländern, die sich bis heute erhalten haben.

Mehr dazu zum Beispiel in unseren Artikeln über Weihnachtsbräuche in Spanien, in Griechenland oder in Italien.

Champagner, Cava oder Sekt dürfen auf Silvesterpartys nicht fehlen – überall in der Welt wird Schaumwein zu besonderen Anlässen genossen. Und auch das hat einen mediterranen Hintergrund: Denn der erste Wein in der Champagne wurde von den Römern angebaut.

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Wie feiern andere Länder den Jahreswechsel?

Silvestertraditionen unterscheiden sich weltweit erheblich:

Spanien:

  • 12 Weintrauben zu jedem Glockenschlag um Mitternacht
  • Jede Traube steht für einen Monat Glück im neuen Jahr

Wie die Spanier:innen das neue Jahr einläuten

Italien:

  • Rote Unterwäsche für Glück in der Liebe
  • Linsen essen für Wohlstand
  • Altes Geschirr aus dem Fenster werfen (regional)

Tipps für den Urlaub in Italien

Brasilien:

  • Weiße Kleidung tragen
  • Sprung über sieben Wellen am Strand
  • Blumen ins Meer werfen für die Meeresgöttin Iemanjá

Die schönsten Orte in Brasilien

Dänemark:

  • Geschirr vor der Tür von Freunden zerschmeißen (Zeichen der Freundschaft)
  • Je mehr Scherben, desto mehr Freunde hat man

Schottland:

  • “Hogmanay” mit Fackelumzügen
  • “First Footing”: Der erste Besucher nach Mitternacht bringt Geschenke

Japan:

  • 108 Glockenschläge in buddhistischen Tempeln (für 108 weltliche Begierden)
  • Toshikoshi-Soba (lange Nudeln) für ein langes Leben

China:

  • Feier zum Frühlingsbeginn nach dem Mondkalender (nicht am 31. Dezember)
  • Das Datum variiert jährlich zwischen Ende Januar und Mitte Februar

Woher kommt die Tradition des Silvesterfeuerwerks?

Die Tradition des Feuerwerks zu Silvester hat zwei verschiedene Ursprünge. Der Brauch, in der Silvesternacht Lärm zu machen, geht auf die Germanen zurück. Sie glaubten, dass der Kriegsgott Wotan besonders in den dunklen Rauhnächten um den Jahreswechsel sein Unwesen trieb. Um ihn und böse Geister zu vertreiben, machten sie Lärm mit Rasseln, Dreschflegeln und Peitschen und ließen brennende Holzräder die Hügel hinunterrollen.

Das eigentliche Feuerwerk mit Schwarzpulver stammt aus China, wo es bereits im 7. oder 8. Jahrhundert erfunden wurde. Im 14. Jahrhundert brachten arabische Händler das Feuerwerk nach Europa. Zunächst war es ein Privileg des Adels und wurde bei höfischen Festen gezündet. Erst ab dem 20. Jahrhundert wurde Feuerwerk durch Massenproduktion für alle Menschen erschwinglich.

Zwei Menschen sehen sich ein buntes Feuerwerk am Nachthimmel an und halten Wunderkerzen in der Hand.
Wir wünschen ein wunderschönes Neues Jahr! © Siegbert Mattheis, KI

Warum sagt man “Guten Rutsch” zu Silvester?

Die Herkunft der Redewendung “Guten Rutsch” ist unter Sprachwissenschaftlern umstritten. Auf jeden Fall hat es jedoch nichts mit “Ausrutschen” zu tun:

Es gibt zwei Haupttheorien:

  • Theorie 1 (umstritten): Ableitung vom jiddischen/hebräischen “Rosch” (Anfang/Kopf), wie in “Rosch ha-Schana” (jüdisches Neujahrsfest). Allerdings ist diese Herleitung nicht eindeutig belegt, da eine entsprechende Grußformel im Jiddischen nicht nachgewiesen werden konnte.
  • Theorie 2 (besser belegt): Ableitung von der veralteten Bedeutung des Wortes “Rutsch” für “Reise” oder “Fahrt”, die im 19. Jahrhundert besonders in norddeutschen Dialekten verbreitet war.
    “Guter Rutsch” würde demnach “gute Reise” ins neue Jahr bedeuten.

Was bedeuten die typischen Glückssymbole zu Silvester?

Zu Silvester werden traditionell verschiedene Glückssymbole verschenkt, die jeweils ihre eigene Bedeutung haben:

  • Schwein: Symbol für Wohlstand und Reichtum seit dem Mittelalter
  • Schornsteinfeger: Bringt Glück, weil ein sauberer Kamin früher überlebenswichtig war
  • Vierblättriges Kleeblatt: Soll ein Stück vom Paradies darstellen, da es so selten ist
  • Hufeisen: Symbol für Schutz und Glück, sollte mit der Öffnung nach oben aufgehängt werden
  • Marienkäfer: Gilt als Glücksbringer und Himmelsbote
  • Fliegenpilz: Steht für Glück, obwohl er giftig ist

Wir wünschen euch allen nun einen “guten Rutsch” 😉  ,also eine gute Reise ins Neue Jahr, Frieden, Gesundheit und viele glückliche Momente!

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Januar 2026 von Siegbert Mattheis

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