Die Pizza ist das nach Reis, Getreide und Nudeln das weltweit am häufigsten verzehrte Gericht. Aber wie genau ist sie entstanden und warum ausgerechnet in Neapel? Was unterscheidet die neapolitanische von der Pizza alla romana?
Wir haben im Ursprungsort der Pizza recherchiert und einige weitgehend unbekannte Fakten ausgegraben. Und dazu git es noch ein paar Fun Facts über die Pizza 😉
Woher stammt die Pizza?
Die Wurzeln der Pizza reichen weit zurück bis in die Antike. Runde Fladenbrote, auf heißen Steinen gebacken, gab es schon, seitdem Weizen und Gerste angebaut wurden.
- Die Ägypter backten sie erstmalig in Öfen.
- Die Griechen reicherten Fladenbrote mit Öl, Kräutern, Knoblauch und Käse an und nannten es “Plakous”.
- Die Etrusker kannten ein Gericht ähnlich der heutigen Focaccia.
- Die Römer übernahmen diese runden Brote und legten Gemüse darauf, wie neueste Ausgrabungen in Pompeji 2023 zeigen.
- In der Provinz Latium wurde die Pizza 997 erstmalig schriftlich erwähnt.
- In Neapel wurden im 16. Jahrhundert zerdrückte Brote als pizza bezeichnet.



Wie kam die Tomate auf die Pizza?
Die Tomatenpflanze gelangte zwar schon 1520 durch den spanischen Eroberer Hernán Cortéz von den Azteken nach Spanien. Vorwiegend waren es kleine gelbe Früchte, die man in Anlehnung an die aztekische Bezeichnung tomate nannte.
Tomaten waren lange Zeit als nicht essbar angesehen
Sie wurden aber lange Zeit als giftig angesehen, da die Tomate zu den Nachtschattengewächsen zählt. So wurden sie als Raritäten in den Gärten der Oberschicht gepflanzt und auch als Liebesgaben (Paradeiser, Liebesapfel) wie Blumen überreicht. Aufgrund ihrer Seltenheit symbolisierten sie Wohlstand und beeindrucken Besucher.
Erst Mitte des 17. Jahrhunderts werden Gerichte mit Tomaten schriftlich erwähnt.

Warum ist die Pizza ausgerechnet in Neapel entstanden?
Hier wird es spannend: Neapel war damals Teil des spanischen Königreichs und war schnell zur größten Stadt des Reiches herangewachsen. Nach Paris war sie die zweitgrößte Metropole in Europa.
Von Spanien nach Neapel
- 1532: Pedro Álvarez de Toledo wird aus Spanien nach Neapel geschickt und von König Ferdinand II. dort als Vizekönig eingesetzt. Er führt städtebauliche Maßnahmen durch, um dem Bevölkerungszuwachs Herr zu werden. So lässt er vorhandene Bausubstanz aufstocken und ein neues Stadtviertel (Quartieri Spagnoli) westlich der nach ihm benannten Via Toledo errichten. Es gibt keine eindeutigen Belege dafür, aber sehr wahrscheinlich brachte er die Tomaten nach Neapel.
Pomodoro in Italien
- 1544: Der Italiener Pietro Andrea Mattioli beschreibt als einer der Ersten die Tomate als gelbe Frucht. Er liefert auch bereits ein Rezept für den Verzehr von Tomaten. Später berichtet er von Varietäten mit roten Früchten, aber gibt der Tomate erstmals einen italienischen Namen: „pomi d’oro“ (Goldene Äpfel). So heißt die Tomate auch heute noch im Italienischen pomodoro.
Die Medici ernten Tomaten
- 1548: Der toskanische Großherzog Cosimo di Medici erntet erstmals einen Korb voll Tomaten von seinem Landgut. Cosimo I. ist seit 1539 mit Leonor verheiratet, der Tochter des Vizekönigs Pedro Álvarez de Toledo. Das könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass dieser die Tomatenpflanze in Italien einführte.
Erste Rezepte mit Tomaten
- 1658: Antonio Latini ist als Koch beim derzeitigen spanischen Vizekönig von Neapel tätig. In seinem 1694 verfassten Kochbuch Lo scalco alla moderna * (Der moderne Küchenchef) findet sich erstmals auch ein Rezept für Tomatensauce. Andere Gerichte, in denen die Tomate vorkommt, nennt er „alla spagnola“ (auf spanische Art).
Flache Brote mit Tomaten in Neapel
- 1694: Der französische Botaniker Joseph Pitton de Tournefort erwähnt erstaunt in seinem Buch Éléments de botanique, dass man rund um Neapel die Früchte essen würde. Flache Brote sollen mit Tomaten belegt sein.
- 1734 wird erstmals die Pizza Marinara mit Tomaten, Olivenöl, Basilikum, Oregano und Knoblauch erwähnt.
Das war die Geburtsstunde der modernen Pizza mit Tomatensugo.
- Ende des 18. Jahrhunderts bezeichnet die Encyclopædia Britannica den Einsatz von Tomaten in der neapolitanischen Küche als „alltäglich“. Denn rund um die Stadt gedeihen Tomaten hervorragend auf den fruchtbaren Hügeln des Vesuv. Vor allem in San Marzano sul Sarno, wenige Kilometer östlich von Pompeji.
- 1858 dokumentierte der Philologe Emmanuele Rocco in dem von Francesco de Bourcard koordinierten Werk Usi e costumi di Napoli e contorni descritti et dipinti die Existenz einer Pizza aus Tomaten, Mozzarella und Basilikum, also die Kombination der heutigen Pizza Margherita.



Erste Pizzeria in Neapel
- 1738: Die erste dokumentierte Pizzeria, die “Antica Pizzeria Port’Alba”, öffnet als Verpflegungsstätte für Wanderhändler. In Neapel entwickelt sich die Pizza rasch zum einfachen, aber schmackhaften Essen der ärmeren Bevölkerung. 1830 wird die Pizzeria in ein Restaurant mit Tischen und Stühlen umgewandelt und ist bis heute in Betrieb.

Was ist die Geschichte der Pizza Margherita?
Der Legende zufolge soll der Pizzaiolo Raffaele Esposito sie erfunden haben und sie 1889 nach der damaligen Königin Margherita benannt haben. Doch dazu gibt es neueste Forschungen, die ein ganz anderes Licht auf diese überall zitierte und von der Pizzeria Brandi verbreitete Geschichte werfen.

Was ist die original neapolitanische Pizza?
Nach den Regeln der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) gibt es zwei klassische neapolitanische Pizzen:
1. Pizza Marinara
Die ursprünglichste Pizza, benannt nach den neapolitanischen Seefahrern (marinai), die sie mitnahmen. Sie besteht nur aus Tomatensugo, Knoblauch und Oregano (ohne Fisch).

2. Pizza Margherita
Die bekannteste Pizza mit Tomatensugo, Mozzarella und Basilikum. Vermutlich wurde sie benannt nach Königin Margherita von Savoyen.
Nur diese beiden Varianten gelten als die traditionellen Klassiker der neapolitanischen Pizzakunst.



Welche ist die älteste Pizza mit Tomatensoße?
Die Pizza Marinara, die bei armen Matrosen (marinaio, daher der Name) beliebt war. Sie soll schon 1734 mit Olivenöl, Tomaten, Basilikum, Oregano und Knoblauch zubereitet worden sein. 1866 schreibt Francesco de Bourcard in Siussi e costumi di Napoli, dass „oft auch winzige Fische hinzugefügt werden“, sogenannte cecinielli.
Was ist eine Pizza Mastunicola?
Eine Pizza Mastunicola ist die älteste bekannte neapolitanische Pizza. Sie ist mit Schmalz, Basilikum, Hartkäse und schwarzem Pfeffer belegt. Der ungewöhnliche Name stammt vermutlich von dem Bäcker Nicola in der Rua Catalana, der im Jahr 1490 auf die Idee mit diesen Zutaten kam. Er verkaufte sie an die Handwerker der umliegenden Eisenwarenläden. Diese Pizza wurde so beliebt, dass man sie nach dem Meister (Mastu im neapolitanischen Dialekt) Nicola, Pizza Mastu’nicola benannte.
Diese Pizzavariante war lange Zeit vergessen worden. Durch den Trend, ursprüngliche Rezepte wieder zu entdecken, taucht sie seit einigen Jahren auf den Speisekarten der neapolitanischen Restaurants auf. Zum Beispiel auch in der ältesten Pizzeria Neapels, Pizzeria Port d‘Alba.
Was ist Pizza a Portafoglio?
Die hatte uns der gebürtige Neapolitaner Giovanni gezeigt. Sie ist die günstigste Pizza in Neapel (ab 2 Euro). Sie wird auf die Größe eines Geldbeutels (it. portafoglio) zusammengefaltet und aus der Hand auf der Straße verzehrt. Dafür ist der Belag nicht zu üppig, damit er nicht aus den Falten herausquillt. Berühmt wurde sie 1994, als der damalige US-Präsident Bill Clinton in Neapel genussvoll eine Pizza a portafoglio gebissen hatte und die Bilder davon um die Welt gingen.
Was ist Pizza a ruota di carretta?
Das ist eine sehr große Pizza, eine „Wagenradpizza“. (it. ruota ist Rad, carretta = Karren) auch als Pizza a ruoto di carro bekannt. Dabei wird der Teig vor allem in ärmeren Familien mit vielen Kindern sehr großflächig ausgerollt, damit möglichst alle ein Stück davon abhaben konnten. Der neapolitanische Dichter Velardiniello beschrieb sie bereits im späten 16. Jahrhundert als „ein Wagenrad“.
Was ist Pizza al taglio?
Pizza al taglio (Pizza geschnitten) stammt ursprünglich aus Rom. Sie wird auf rechteckigen Platten gebacken und meist nach Gewicht an Straßenständen als Street Food verkauft.
Was ist der Unterschied zwischen neapolitanischer und römischer Pizza?
Die beiden berühmtesten italienischen Pizzastile unterscheiden sich deutlich:
Neapolitanische Pizza:
- Charakteristischer hoher, luftiger Rand (Cornicione)
- Dünner, weicher Boden in der Mitte
- Teig aus nur vier Zutaten: Mehl, Wasser, Salz, Hefe (ohne Fett)
- Backzeit: 60-90 Sekunden bei 400-500°C im Holzofen
- Minimaler Belag: Klassiker sind Margherita und Marinara
- 2017 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt
Römische Pizza (Pizza Romana Scrocchiarella):
- Flach und gleichmäßig dick bis zum Rand
- Knusprig-brüchige Textur (“scrocchiare” = knusprig klingen)
- Teig enthält Olivenöl
- Längere Backzeit bei niedrigeren Temperaturen
- Trocknet im Ofen aus und wird dadurch knusprig
- Vielfältigere Beläge möglich
Wurde die Pizza in Amerika erfunden?
Das fragen sich tatsächlich viele Amerikaner:innen. Die Pizza selbst wurde zwar in Neapel erfunden, aber einige Pizzaarten wurden tatsächlich in den USA erfunden, z.B. die Deep Dish Pizza in Chicago und besondere Formen und Variationen, beispielsweise mit Fleischbällchen oder Mais.
Wie kam die Pizza nach Amerika?
Die Pizza erreichte die USA Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts durch italienische Einwanderer, hauptsächlich aus Süditalien und Neapel. Diese ließen sich vor allem in Städten wie New York, Chicago, Boston und Philadelphia nieder.
Zunächst galt Pizza auch in Amerika als “Arme-Leute-Essen” der italienischen Immigranten, doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zum nationalen Phänomen.
Wichtige Meilensteine:
- 1905: Gennaro Lombardi erhielt die erste offizielle Pizzeria-Lizenz in den USA für “Lombardi’s” in New York City (Little Italy, Manhattan)
- 1924: Totonno Pero eröffnete seine eigene Pizzeria in Coney Island
- Nach dem Zweiten Weltkrieg: Amerikanische Soldaten, die in Italien stationiert waren, brachten ihre Vorliebe für Pizza mit nach Hause
- 1950er-60er Jahre: Pizza-Boom in ganz Amerika mit der Gründung von Ketten wie Pizza Hut (1958) und Domino’s (1960)
Wann gab es die erste Pizzeria in Deutschland?
Dass Deutschland in den Genuss der Pizza kam, ist Migranten zu verdanken, die nach dem zweiten Weltkrieg ins Land kamen. Nicolino di Camillo eröffnete 1952 in Würzburg die erste Pizzeria unter dem Namen „Sabbie di Capri“. Problematisch war der Bezug der typischen Lebensmittel. Doch das Geschäft konnte sich durchsetzen. Zu Beginn sicherlich dank der amerikanischen Soldaten, die in der bayerischen Stadt stationiert waren.
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Warum schmeckt Pizza zu Hause nie wie im italienischen Restaurant?
In neapolitanischen Restaurants wird eine Pizza innerhalb von 90 Sekunden bei etwa 495 Grad gebacken. Unsere normalen Backöfen schaffen in der Regel nur 250 Grad. Daher muss die Pizza länger backen, was den Geschmack beeinflusst.
Nur wer einen echten Pizzaofen zu Hause hat, der in 90 Sekunden auf 500 Grad heizt, kommt an die Qualität der neapolitanischen Restaurants heran.
Lustige und erstaunliche Fun Facts über Pizza
Das Wort “pizza” ist das bekannteste italienische Wort der Welt, gefolgt von der Begrüßungsform “ciao”.
Wie viel Pizza essen die Deutschen im Jahr?
Im Schnitt essen wir pro Kopf rund 13 Kilogramm Pizza jährlich. Mit etwa 26 Stück sind das mehr als 2 Pizzen pro Monat.
Welche ist die teuerste Pizza der Welt?
In Salerno (Italien) gibt es die „Louis XIII“ Pizza vom Star-Pizzabäcker Renato Viola. Kostenpunkt: rund 8.300 Euro. Belag: Kaviar, Hummer und 24-karätiges Blattgold.
Was war die längste Pizza der Welt?
2017 wurde in Kalifornien die längste Pizza der Welt gebacken: 1,93 Kilometer lang! Über 100 Pizzabäcker haben dafür Teig, Tomaten und Käse in XXL-Mengen verarbeitet.
Wann kam die erste Tiefkühlpizza auf den Markt?
1957 brachte das US-Unternehmen Totino’s die erste Tiefkühlpizza in die Supermärkte.
In Deutschland gab es TK-Pizza erstmals 1970 zu kaufen.
Pizza als Raumfahrt-Food?
2017 klagte der Italiener Paolo Nespoli, der schon mehr als 100 Tage auf der Internationalen Raumstation (ISS) im Einsatz war, wie sehr er Pizza vermisse. Seine beiläufige Bemerkung gegenüber dem ISS-Team auf der Erde wurde erhört. Der Raumfrachter Cygnus lieferte Pizzateig, Tomatensauce, Käse sowie Belag und damit die Zutaten für eine kleine Pizza-Party im All. Damit ist Pizza offiziell das erste Gericht, das auch im Weltall serviert wurde.
Dazu gibt es auch ein Video auf YouTube.
Welche Pizza mögen die Deutschen am liebsten?
Ganz oben auf der Hitliste steht die Pizza Salami, dicht gefolgt von Margherita und Prosciutto.
Pizza weit mehr ist als nur Fast Food
Die Kunst der neapolitanischen Pizza wurde 2017 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Sie ist stolze Tradition, Handwerk und Leidenschaft, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Buon appetito! 🍕
Siegbert Mattheis
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.
Zuletzt aktualisiert im Januar 2026 von Siegbert Mattheis



