Pétanque, Boule … Frauen erobern das „Alte-Männer“-Spiel der Provence

Ältere Männer mit Baskenmützen, die Pétanque (Boule) spielen? Das ist das Klischeebild von Frankreich, das wir im Kopf haben. Sicher, die sieht man in Südfrankreich immer noch. Aber neu ist, dass junge Menschen das Spiel um das „Schweinchen“ entdeckt haben. Und vor allem auch Frauen.

Was ist Pétanque?

Pétanque ist die provençalische Art des Boule-Spiels. Bei jedem Boule-Spiel geht es darum, der kleinen Zielkugel mit den eigenen, größeren Kugeln so nahe wie möglich zu kommen und gegnerische Kugeln aus dem Rennen zu werfen.
Man kann es zu zweit spielen oder in einer Gruppe mit jeweils 2 oder 3 Spielern, und im freien Spiel geht es auch bei einer ungeraden Zahl von Spielern.

Wenn wir im deutschsprachigen Raum von Boule oder dem Boule-Spiel sprechen, meinen wir eigentlich Pétanque, denn das ist das Spiel, das am häufigsten in Frankreich gespielt wird.

Und dieser „Alte-Männer“-Sport wird zunehmend auch von Frauen und gemischten Gruppen jeden Alters gespielt.

Gelungener Wurf im Pétanquespiel © Siegbert Mattheis
Gelungener Wurf im Pétanquespiel © Siegbert Mattheis
Pétanque-Spielerin in Paris © Siegbert Mattheis
Pétanque-Spielerin in Paris © Siegbert Mattheis

Woher stammt Pétanque?

Pétanque wurde von Jules Lenoir an einem sonnigen Nachmittag im Juni 1910 in La Ciotat, einer kleinen Küstenstadt zwischen Marseille und Toulon, erfunden. Lenoir war ein passionierter Boulespieler, konnte aber wegen seines Rheumaleidens nicht mehr die für das Spiel erforderlichen 3 Schritte Anlauf nehmen und auch nicht mehr so weit werfen. Sein Freund Ernest Pitiot konnte das Trauerspiel des wehmütig am Spielfeldrand sitzenden Jules nicht mehr mit ansehen und erbarmte sich, eine Variante des Kugelspiels zu erfinden, die auf nur 6 bis 10 Meter geht und stehend oder hockend mit geschlossenen Füßen und ohne Anlauf gespielt wird. Auf Provençalisch nannte man das neue Spiel Ped tanco, das geschlossene Füße bedeutet. Aus dem Hochfranzösischen pieds tanqués wurde dann daraus Pétanque.

Was ist das Cochonnet?

Das Cochonnet (dt. Ferkel oder Schweinchen) ist die kleine Zielkugel, die man zu Beginn des Spiels auf das Feld wirft. Seinen Namen hat es vermutlich daher, dass das kleine Kügelchen früher aus Schweinsknochen bestand.

Das typische Klischeebild von Frankreich: Boule spielende ältere Männer, Frauen sind Zuschauer © Siegbert Mattheis
Das typische Klischeebild von Frankreich: Boule spielende ältere Männer, Frauen sind Zuschauer © Siegbert Mattheis
Hier in Beaucaire wird das Jeu Provençale gespielt, mit 3 Schritten Anlauf © Siegbert Mattheis
Hier in Beaucaire wird das Jeu Provençale gespielt, mit 3 Schritten Anlauf © Siegbert Mattheis

Wie spielt man Pétanque?

Pétanque kann auf jedem ebenen Gelände gespielt werden.
Die Regeln (des freien Spiels) sind im Prinzip ganz einfach:

  1. Einer wirft die Zielkugel etwa 6 bis 10 Meter weit.
  2. Der Nächste versucht, seine Kugel so nahe wie möglich an dieses Cochonnet zu werfen.
  3. Einer der gegnerischen Mannschaft wirft nun seine Kugel (immer mit geschlossenen Füßen aus dem Stand heraus, und mit dem Handrücken nach oben zeigend) ebenfalls so nahe wie möglich an die Zielkugel, kann dabei auch die erste Kugel treffen, sodass diese nun etwas weiter weg liegt.
  4. So geht es weiter, bis alle Kugeln geworfen wurden.
  5. Die Mannschaft, deren Kugel zum Schluss am nächsten zum Cochonnet liegt, erhält einen Punkt. Bei augenscheinlich gleichen Abständen wird millimetergenau nachgemessen.
  6. So geht es weiter, bis 13 Punkte erreicht werden, es gibt keine Zeitbegrenzung.

Soweit die Regeln, wenn man Pétanque nur zum Spaß spielt.
In Wettkämpfen oder Turnieren gelten strengere Regeln. Die können Sie gerne bei Wikipedia oder dem Deutschen Pétanque-Verband DPV nachlesen.

Kann ich in Frankreich beim Pétanque einfach mitspielen?

Fragen Sie einfach. Die Jüngeren werden selten etwas dagegen haben, wenn sie nicht gerade in größeren Gruppen unterwegs sind. Bei den älteren Provençalen wird Pétanque oft etwas ernsthafter gespielt, wenn Sie die Regeln nicht kennen oder kaum Französich sprechen, wird es sicher schwieriger.

Was ist der Unterschied zwischen Boule, Boccia, Jeu Provençal und Pétanque?

  • Boule Lyonnais ist die ursprüngliche, sportliche Variante des Boulespiels, bei der man mit Anlauf seine Kugeln etwa 17 bis 21 Meter weit wirft.
  • Boccia ist die italienische Variante des Boule-Spiels, das Spielfeld misst hier etwa 12,5 x 6 Meter mit jeweils 2 Meter Platz drumherum.
  • Jeu Provençale ist eine Unterart des Boule Lyonnais, die mit etwas leichteren und kleineren Kugeln gespielt wird.
  • Pétanque spielt man aus dem Stand heraus mit geschlossenen Füßen auf einem Spielfeld, das etwa 6 bis 10 Meter misst.

Wie spricht man Pétanque aus?

Pétanque spricht man in etwa wie Petonk aus.

Siegbert Mattheis

Junge Pétanque-Spieler an einem Sonntag Nachmittag © Siegbert Mattheis
Junge Pétanque-Spieler an einem Sonntag Nachmittag © Siegbert Mattheis

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