Im Souriza-Tal im Nationalpark Sounion könnt ihr mehrere tausend Jahre alte Erzwaschanlagen und Spuren des historischen Bergbaus entdecken. Wir haben das Gebiet im April 2024 besucht und waren bezaubert von der Schönheit der Landschaft, der historischen Geschichte des Tals. Und auch überrascht, dass wir nahezu die einzigen Besucher waren.
Wo liegen die Silberminen von Lavrio?
Das historische Bergbaurevier liegt im Südosten Attikas nicht weit von Athen entfernt. Lavrio und Lavrion sind unterschiedliche Schreibweisen des heutigen Ortsnamens; Laurion begegnet euch häufig als Bezeichnung des antiken Bergbaureviers
Rauschende Kiefernwälder, weite Blicke aufs Ägäische Meer und die Inseln, von der Natur überwucherte ockerfarbene Ruinen aus dem 19. Jahrhundert, ausgehöhlte rostrote Felsen und dazwischen gesprenkelt weißer Marmor. So zeigt sich die Landschaft rund um die steinernen Zeugen der antiken Silberminen.
Noch weitgehend unbekanntes Ausflugsziel nahe Kap Souinon
Wir waren angetan von der zauberhaften Landschaft der Macchia und der Magie des spannenden geschichtlichen Hintergrunds. Hier lagen buchstäblich die Grundsteine für Athens bedeutende Rolle in der demokratischen und der kulturhistorischen Entwicklung des Abendlandes.
Archäologische Stätten der antiken Silberminen Drymos in Lavreotiki
Denn in dem kleinen Souriza-Agrileza-Tal befindet sich eine dichte Konzentration von Überresten alter Bergbau- und metallurgischer Werkstätten. Ganze 700 antike Minenschächte wurden zusammen mit etwa 200 Erzverarbeitungsstationen entdeckt!
Warum waren die Silberminen so wichtig?
Diese Minen haben nicht nur das Gesicht der Landschaft, sondern auch das Schicksal Europas geprägt. Vom Bau mächtiger Kriegsschiffe bis hin zur Blüte der attischen Demokratie – das Silber des antiken Laurion spielte eine zentrale Rolle in der damaligen Welt.
Seit 2020 ist der Archäologische Park für die Öffentlichkeit zugänglich
Ein Teil um diese Ausgrabungen der Silberminen im Sounio-Nationalpark wurde mit Unterstützung der EU neu gestaltet und 2020 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit breiten Wegen auch für Rollstühle und hilfreich mit erklärenden Tafeln ausgeschildert. Dennoch ist die Attraktion auch als Wandergebiet noch weitgehend unbekannt. Selbst bei den Athener:innen, obwohl der Park nur 50 km von der Stadt und einen Katzensprung von der Athener Riviera entfernt liegt. Und auch nur wenige Autominuten vom Poseidon-Tempel, dem touristischen Hotspot am Kap Sounion.
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Wie kommt man zu den Silberminen?
Die Anfahrt aus Richtung Athen über Landstraßen führt über das kleine Dorf Agios Konstantinos auf einer frisch geteerten Straße durch einen Wald von Aleppo-Kiefern hindurch. Kurz nach dem Ort findet ihr auf der linken Seite den riesigen Krater der Chaos-Doline. Sie hat einen Durchmesser von 120 m und eine Tiefe von 55 m. Laut Lavreotiki-Geopark entstand er im Quartär durch den Einsturz des Daches einer Höhle.
Die Doline ist eine einzigartige geologische Sehenswürdigkeit im Bergbaurevier.
Die Straße führt weiter durch den Wald mit Picknickplätzen und Blick aufs Meer. Kurz danach gelangt ihr zu den Ruinen der Verwaltungsgebäude der ehemaligen Bergwerksgesellschaft aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Wie dieser Bergbau im 19. Jh. zu eine Staatskrise, einem Börsencrash und einem blutigen Aufstand führte …
Ausgeschilderter Wanderweg
Danach gelangt ihr an die kleine weiße Kirche Agia Triada mit Parkplatz. Von hier aus startet der Wanderweg durch die Landschaft und die Resten des neuzeitlichen Tagebaus. Der zum Teil auch für Rollstühle geeignete Weg (blau eingezeichnet) führt euch an Felsöffnungen und Höhlen vorbei, an Marmorgestein und alten Zisternen. Von weit oben habt ihr dann auch schon einen Blick auf die antiken Einrichtungen der Silberminen.
Antike Erzwaschanlagen
Um dorthin zu gelangen, müsst ihr wieder zurück zur Straße. Etwas weiter bergab gelangt ihr zu den antiken Erzwaschanlagen. Der freundliche Pförtner hat nicht viel zu tun (wir waren die einzigen Besucher) und erzählt euch leidenschaftlich gerne mehr über die Silberminen.
Das Gelände dort ist umzäunt, aber der Eintritt ist frei.
Wie wurde in der Antike Silber gefördert?
Das Erz wurde teils im Tagebau und teilweise unter Tage abgebaut. Das Roherz wurde zuerst von Hand sortiert, dann in Mörsern zerkleinert und in Mühlen gemahlen. Daraufhin kam es in Waschanlagen, die man heute noch gut sehen kann. Dabei lagerte sich das schwerere Erz in kreisrunden tieferen Ausschachtungen ab, während Verunreinigungen fortgespült wurden.
Verhüttung auf den Bergspitzen oder am Meer
Anschließend wurde das von Kupfer und Zinn getrennte silberhaltige Blei verhüttet. Dazu wurde es mühsam auf die Spitzen der umliegenden Hügel zu riesigen Öfen transportiert. Denn die beim Schmelzen entstehenden Dämpfe waren hochgiftig und sollten vom Wind aufs Meer getrieben werden. Pro Ofen und Tag wurden vier Tonnen dieses silberhaltigen Bleis verarbeitet, wozu man eine ganze Tonne Holzkohle brauchte.
Das Mitnehmen von Schlacke (in der sich bleihaltiges Silber befinden könnte) ist allerdings strengstens verboten. Und vor dem Betreten der Stollen und Höhlen wird gewarnt.
Viel Spaß beim Entdecken!
Siegbert Mattheis
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.






















