Cádiz – eine der ältesten Städte Westeuropas

Cádiz gilt als eine der ältesten Städte Westeuropas. Sehenswert ist neben der malerischen Altstadt und der mächtigen Kathedrale auch der Turm Torre Tavira mit einer Camera Obscura im Inneren.

Und übrigens auch das alte Badehaus am Strand aus den 1920er Jahren (Balnario de la Palma). Denn hier stieg Halle Berry im James Bond-Streifen „Stirb an einem anderen Tag“ in der legendären Szene mit knappem orangefarbenem Bikini und einem Messer am weißem Gürtel aus dem Wasser – nicht etwa in Kuba!

Heute beherbergt das mit vollem Namen Balneario de Nuestra Señora de la Palma y del Real getaufte Gebäude eine ärchäologische Forschungseinrichtung und ein Eiscafé, aber darum herum kann man am Strand liegen und auch natürlich wie in der Filmszene verführerisch aus dem Wasser steigen 😉

Die Lage des Balneario auf Google Maps ansehen.

Das ehemals mondäne Badehaus El Balneario de la Palma © Wikipedia
Das ehemals mondäne Badehaus El Balneario de la Palma © Wikipedia
Cádiz, der Blick vom Torre Tavira © Olbertz, Wikipedia
Cádiz, der Blick vom Torre Tavira © Olbertz, Wikipedia

Kurze Geschichte von Cádiz

Die Phönizier gründeten sie vor etwa etwa 3.000 Jahren als Militär- und Handelsstützpunkt und nannten die Stadt, die damals noch auf einer Insel lag, Gadir, „Festung“. Denn die Lage mit dem dahinter liegenden natürlichen Hafenbecken war ideal dafür.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie von Karthagern, Griechen und Römern besetzt. Unter den Römern und dem römischen Namen Gades entwickelte sich die Stadt zu einer der reichsten und größten im Westen des Reiches.

Nach dem Ende des römischen Reiches wurde Cádiz zunächst von den Westgoten beherrscht, im Jahre 711 dann von den Mauren eingenommen, die der Stadt den Namen Djeserat Kadis gaben. 1262 eroberte der kastilische König Alfons X. die Stadt und einen schmalen Landstrich dahinter zurück und siedelte Christen an. Aus dieser Zeit stammen übrigens die Zusätze der Namen einiger Städte im näheren Umland wie Jerez de la Frontera, Arcos de la Frontera oder Chiclana de la Frontera. „De la Frontera“ heißt übersetzt „an der Grenze“.

1592 brach Kolumbus zu seiner ersten Entdeckungsreise von Palos de la Frontera, dem Hafen von Sevilla auf, seine drei weiteren Reisen begann er jedoch in Cádiz. So erlangte die Hafenstadt erneut große Bedeutung und erlebte durch den Handel mit den entdeckten neuen Ländern einen Aufschwung.

Der Reichtum der Stadt machte sie zum Angriffsziel, zunächst von Piraten aus Algerien, später von den Engländern, die die Stadt mehrfach angriffen und teilweise zerstörten. Als Reaktion darauf wurde zur besseren Verteidigung das Kastell Santa Catalina errichtet. Im 18. Jahrhundert verlagerte sich der Handel mit der Neuen Welt zunehmend von Sevilla nach Cádiz und die Stadt blühte erneut auf. Sie wurde zur “puerto de Indias”, dem zentralen Knotenpunkt für den Handelsverkehr mit Amerika.

Aus dieser Zeit stammen stammen einige der prächtigen Bauten, wie z.B. die Kathedrale von Cádiz sowie die vielen Wachttürme als Zeugen des Wohlstandes, den die Stadt im 18. Jahrhundert erlebt hatte. Der Torre Tavira war zu dieser Zeit mit seinen 45 Metern Höhe der höchste Punkt und offizieller Wachturm von Cádiz. Seit 1994 ist im Turm eine sehenswerte Camera Obscura installiert.

Die Kathedrale mit der goldenen Kuppel © CadizTurismo
Die Kathedrale mit der goldenen Kuppel © CadizTurismo

Die Kathedrale von Cádiz

Vom Meer aus schon sieht man die Kathedrale, deren Kuppel mit goldfarbenen Kacheln verkleidet ist – ein Wahrzeichen, das an die Kolonialzeit von Cádiz erinnert. Das Gotteshaus ist im barocken und klassizistischen Stil gehalten und beherbergt einen der bedeutendsten Schätze Spaniens.

Die Überreste der einfachen, mehrfach veränderten Verteidigungsanlage, die nach den Plänen von Vauban angelegt wurde, sind heute wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes der Stadt Cádiz. Die Stadttore Puertas de Tierra weisen auf beiden Seiten noch Wandmalereien und Teile der Halbbastionen San Roque und Santa Elena auf. Im südlichen Campo del Sur hat man einen Blick auf die Verteidigungstürme Los Mártires y Capuchinos, daneben La Caleta, der von den Festungen San Sebastián und Santa Catalina flankiert wird. In Richtung der Allee Alameda Apodaca, sieht man die Bastion Baluarte de la Candelaria und den Verteidigungswall Murallas de San Carlos.

Der Wall an den Stadttoren Puertas de Tierra trennt deutlich den neuen, dem Meer abgewonnenen Teil der Stadt vom alten Teil der Stadt (aus der Insel wurde erst im 17. Jahrhundert eine Landzunge). Dieser neue Teil säumt eine große Hauptstraße und eine großzügig angelegte Uferpromenade. In der Altstadt winden sich enge Straßen mit kleinen Plazas durch beliebte Viertel wie das Fischerviertel La Viña, El Mentidero, Santa María (die Wiege des Flamencogesangs) und El Pópulo. Im ältesten Stadtviertel, Barrio del Pópulo, gibt es noch drei Stadttore der mittelalterlichen Stadt: Arco del Pópulo, de la Rosa und de los Blancos; außerdem das römische Theater und die alte Kathedrale Iglesia de Santa Cruz.

Auf dem malerischen Platz Plaza de San Juan de Dios kann man den landestypischen frittierten Fisch pescaíto frito probieren und dabei dem Klang der Rathausuhr lauschen. Übrigens mit einer Melodie aus dem Werk Amor Brujo des aus Cadiz stammenden Manuel de Falla.

Das benachbarte Viertel Barrio de Santa María ist eines der prächtigsten der Stadt, mit Herrenhäusern wie dem barocken Gebäude Casa Lasquetty und dem königlichen Gefängnis, einem bedeutenden klassizistischen Bauwerk. Auf dem Weg zum Plaza de San Francisco hinauf stößt man auf die Santa Cueva, die Gemälde von Goya beherbergt.

Die erste spanische Verfassung entstand in Cádiz

Im Stadtviertel Barrio del Mentidero, das viele Jahre lang der Mittelpunkt des Ortes war, finden Sie das barocke Gotteshaus Oratorio de San Felipe Neri, auf dessen Hauptaltar eine Marienstatue steht, die Inmaculada von Murillo. An diesem Ort traten im Jahre 1812 die Cortes (das Parlament) zusammen und verabschiedeten die erste spanische, liberal geprägte Verfassung. Sie wurde kurioserweise La Pepa gennant, da sie am 19. März entstand, dem Tag von San José (nach Josef von Nazaret – Pepe, dem Heiligen dieses Tages).

Berühmt ist der Platz Plaza Mina, auf der sich das Museum von Cadiz befindet. Zu den bedeutendstenAusstellungsstücken gehören phönizische Sarkophage und Kunstwerke in der Abteilung der Schönen Künste, die ihr den Ruf einer der bedeutendsten Gemäldesammlungen des Landes eingebracht haben.

Palacio de Congresos y Exposiciones de Cádiz © CadizTurismo
Palacio de Congresos y Exposiciones de Cádiz © CadizTurismo

Tapas in der Calle Zorilla

Die Calle Zorrilla ist die beste Tapasmeile der Stadt. Sie mündet in einen Aussichtspunkt in der Parkanlage Jardines de la Alameda Apodaca und Parque Genovés hoch über dem Meer. In bequemer Gehentfernung gelangt man zum Hafen von Cadiz, der viel von Kreuzschiffen auf der Route zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik angefahren wird.

Das römische Gades

Von der Blütezeit der Stadt Gades ist in dem Stadtviertel El Pópulo noch heute ein gut erhaltenes römisches Theater aus dem 1. Jh. vor Christus zu sehen. Es wurde auf Initiative der in Cádiz ansässigen römischen Familie Balbo erbaut, im Jahre 1980 ausgegraben und gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke seiner Art in Spanien.

Havanna in Cádiz

Der Spaziergang am Strand entlang von La Caleta zum Campo del Sur, wird Sie vielleicht an die Mole von Havanna erinnern. Wegen des regen Handelstreibens zwischen Cádiz und der Neuen Welt gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Städten. Auch die Kathedrale von Cadiz ist ein gutes Beispiel für diesen Einfluss, ebenso diverse Stadtpaläste und Aussichtstürme, die das Stadtbild der alten Stadt Gadir zur Zeit der Handelsbeziehungen mit der Neuen Welt prägten.

Karneval und das Falla-Theater

20 Tage lang findet der Wettbewerb der Karnevalsgruppen von Cádiz im Gran Teatro Falla  statt und zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an. Die Feierlichkeiten zum Karneval sind das wichtigste Fest der Stadt. Nahezu die gesamte Bevölkerung zieht verkleidet durch die Strassen und feiert ausgelassen Karneval, mit Chören, den sog. chirigotas (Karnevalsliedern) und Komparsen, die satirische Parodien und humorvoll-kritische Spottlieder auf sämtliche wichtigen Ereignisse des Jahres vortragen, spöttelnd, gutmütig, schamlos und gewagt.

Das Stadtviertel Barrio de la Viña

Es ist eines der authentischsten Viertel der Stadt und u.a. die gemütliche, freundliche Quelle der Inspiration für Karnevalslieder. Im Barrio de la Viña sollten Sie das typische Makrelengericht caballa con piriñaca probieren! Der Strand La Caleta ist der bedeutendste Strand des insgesamt 3 Kilometer langen Küstenstreifens.Hier finden Sie übrigens auch das Balnario de la Palma. Weitere Stränden sind die Playa de Santa María del Mar, Playa Cortadura und Playa La Victoria.

Die Einwohner von Cádiz nennen sich übrigens Gaditanos, die traditionelle Flamenco-Tracht nennt sich hier „El Traje Goyusco“.

Übernachten in Cádiz

Eine Auswahl der beliebtesten Unterkünfte in & um Cádiz finden Sie hier.*

Das Falla-Theater © CadizTurismo
Das Falla-Theater © CadizTurismo
Plaza de San Juan de Dios © David Ibánez Montanez, CadizTurismo
Plaza de San Juan de Dios © David Ibánez Montanez, CadizTurismo

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