Eine automatische Bewässerungsanlage lässt sich mit dem richtigen System auch ohne Vorkenntnisse in wenigen Stunden einfach selbst installieren.
Wir haben einige Systeme ausprobiert (auch die Gießfreundschaft mit unseren Nachbar:innen 😉 ) und haben uns schlussendlich für das Gardena-Micro Drip entschieden. Es läuft inzwischen seit vielen Jahren zuverlässig und ohne größere Probleme. Hier unsere Praxis-Tipps zu Planung, Installation und Inbetriebnahme:

Lohnt sich eine automatische Bewässerungsanlage?
Ja. Besonders wenn ihr häufig unterwegs seid, im Sommer in den Urlaub fahrt oder schlicht keine Zeit habt, täglich zu gießen. In heißen Sommern mit Trockenperioden kann selbst ein kurzer Urlaub ohne Bewässerung fatale Folgen für die Pflanzen haben. Eine automatische Anlage übernimmt das Gießen zuverlässig, spart viel Zeit und langfristig sogar Wasser.
Und eure Nachbarn werden euch ebenfalls dankbar dafür sein 😉 .
Was braucht man für eine automatische Bewässerung auf Balkon oder Terrasse?
Für eine automatische Bewässerungsanlage benötigt ihr drei Dinge:
- Eine Wasserquelle: am einfachsten ein Außenwasserhahn in der Nähe eurer Pflanzen.
- Ein Bewässerungssystem: mit Haupt- und Verteilerschläuchen sowie passenden Sprüh- oder Tropfdüsen.
- Einen Bewässerungscomputer: er regelt Gießzeiten, Häufigkeit und Dauer vollautomatisch.
Praxis-Tipp: Wir nutzten das GARDENA® Micro-Drip-System Starter-Set. Das enthält bereits Schläuche, Düsen und die nötigen Anschlussstücke für mehrere Töpfe.
Wie plant man eine automatische Bewässerungsanlage?
Macht euch auf jeden Fall vorher einen Plan! Zählt zunächst alle Pflanzen, die bewässert werden sollen, und messt die Abstände vom Wasseranschluss zu jeder einzelnen. Zeichnet dann einen einfachen Plan.
- Der Hauptschlauch (13 mm Durchmesser) sollte vom Wasseranschluss bis zu den letzten Pflanzen reichen.
- Von diesem Hauptschlauch zweigen dann die dünneren Verteilerschläuche (4,6 mm) zu den einzelnen Töpfen ab.
Praxistipp: Am besten verlegt man den Hauptverteilerschlauch am Boden jeweils bis (fast) zur letzten Pflanze. Am Boden ist der dickere Schlauch auch weniger sichtbar.

Wieviele Düsen braucht eine Pflanze?
Unsere Faustregel für die Anzahl der Sprühdüsen:
- Kleine bis mittelgroße Töpfe: 1 Düse
- Große Töpfe oder kräftige Pflanzen: 2 Düsen
- Längliche Pflanzkästen (ca. 50 cm): 3 Düsen
Wie montiert man die Schläuche und Düsen?
- Schläuche zuschneiden: Mit einem scharfen Küchenmesser auf einer stabilen Unterlage lassen sich die Schläuche sauber und gerade schneiden.
- Verbindungen herstellen: Das Quick & Easy-System ermöglicht es, Schläuche und Anschlussstücke ohne Schlauchschellen einfach aufeinander zu schieben. Durch die Spannung der Schelle und einer Art Widerhaken hält der Sitz von selbst.
- Düsen aufstecken: Die Sprühdüsen werden direkt auf die Verteilerenden aufgesteckt.
Profi-Tipp: Bei kühlem Wetter können die Schlauchenden etwas steif sein und es ist dann schwieriger, sie auf die Verbindungsstücke zu schieben. Erwärmt die Enden kurz mit einem Fön oder taucht sie vorher in heißes Wasser. Dann lassen sie sich viel leichter aufstecken.


Welche Düsenarten gibt es und welche braucht man wofür?
- Tropfdüsen bewässern punktuell direkt an der Wurzel. Ideal für empfindliche Pflanzen oder dort, wo kein Sprühnebel entstehen soll.
- 360-Grad-Sprüdüsen verteilen das Wasser gleichmäßig im Kreis. Gut geeignet für größere Töpfe und buschige Pflanzen.
Die Intensität lässt sich bei beiden Typen über einen Drehknopf individuell regulieren. Das ist wichtig, da verschiedene Pflanzen unterschiedliche Wassermengen benötigen.
Wie schließt man den Bewässerungscomputer an?
Der Bewässerungscomputer wird direkt an den Wasserhahn angeschlossen. Zwischen Computer und Schlauchsystem kommt ein sogenanntes Basisgerät, das den Wasserdruck reduziert und das Wasser filtert. Dieser Filter schützt die Düsen vor Verstopfungen durch Kalkablagerungen.
Wie programmiert man den Bewässerungscomputer?
Die Programmierung ist unkompliziert: Über ein Display und einen Drehknopf legt ihr fest:
- zu welchen Uhrzeiten
- an welchen Tagen (ob täglich, alle 2 oder 3 Tage etc.) und
- wie lange die Bewässerung laufen soll.
Gute Modelle erlauben bis zu drei Bewässerungsvorgänge täglich mit einer Dauer von 1 Minute bis zu mehreren Stunden.
Wann ist die beste Uhrzeit zum Gießen?
Die ideale Zeit zum Bewässern ist früh morgens zwischen 6 und 9 Uhr. Denn zu dieser Zeit verdunstet das Wasser deutlich weniger als mittags oder am Nachmittag. So hat es ausreichend Zeit, bis zu den Wurzeln einzusickern.
Außerdem verringert sich das Risiko von Schimmelbildung, das beim abendlichen Gießen entstehen kann. Bewässerungscomputer lassen sich exakt auf diese Zeiten programmieren. Ihr müsst dafür also nicht extra früh morgens aufstehen 😉 .
Wie oft und wie lange soll gegossen werden?
Das hängt von der Pflanzenart, der Topfgröße, dem Standort und der Witterung ab:
- Kleine Balkonkästen in voller Sonne: täglich, an Hitzetagen auch zweimal täglich
- Große Kübelpflanzen im Halbschatten: alle 1–2 Tage
- Mediterrane Pflanzen wie Lavendel oder Rosmarin: seltener, da trockenheitsliebend, sie mögen keine Staunässe
- Wasserliebende Pflanzen wie Hortensien: täglich und großzügig
Wie verhindert man, dass Balkonkästen austrocknen?
- Eine Drainageschicht aus Blähton am Topfboden speichert überschüssige Feuchtigkeit und gibt sie bei Bedarf wieder ab.
- Kunststofftöpfe halten Feuchtigkeit länger als Terrakottagefäße. Allerdings besteht da das Risiko von Staunässe und Wurzelfäule.
Kann man mit der automatischen Bewässerung auch Wasser sparen?
Ja. Mit einem guten System kann sogar bis zu 50 % Wasser sparen. Denn solche Tröpfchenbewässerungssysteme geben das Wasser gezielt und kontrolliert ab. So verdunstet es kaum und läuft auch nicht ungenutzt ab.
Smarte Systeme, die mit Bodenfeuchtigkeitssensoren oder Wetterdaten arbeiten, bewässern zudem nur, wenn es wirklich nötig ist und setzen bei Regen automatisch aus. Das spart nicht nur Wasser, sondern schützt die Pflanzen auch vor Überwässerung.
Kann man die automatische Bewässerung per App steuern?
Ja. Mit dem GARDENA Smart System lässt sich die Bewässerung bequem per Smartphone steuern, egal wo ihr gerade seid. Die App (für iOS und Android) ermöglicht:
- Gießdauer und -häufigkeit jederzeit anzupassen
- Bewässerung bei Regen manuell stoppen
- Anbindung an eine Wetter-App für vollautomatische Anpassung
Kann man dank der automatischen Bewässerung sorglos in den Urlaub fahren?
Ja. Und das ist einer der größten Vorteile. Sobald das System eingestellt und ihr ein paar Tage getestet habt, klappt es zuverlässig auch über mehrere Wochen. Das können wir nun aus eigener Erfahrung nach mehreren Jahren bestätigen: Nach jedem Urlaub kommen wir zurück in unser kleines, blühendes und grünes Paradies 😉 .
Praxistipp: Testet das System mindestens ein bis zwei Wochen vor dem Urlaubsantritt und justiert alle Düsen sorgfältig nach, um zu testen, dass jede Pflanze bestmöglich bewässert wird und keine Staunässe entsteht.

Was sollte man beim Winterbetrieb beachten?
Wir haben inzwischen die Erfahrung mit mehreren Wintern, auch mit extremen Temperaturen gemacht. Im jeweils nächsten Frühjahr mussten wir nur manche Düsen reinigen und nachjustieren und Schläuche wieder fester aneinander stecken, aber das war auch alles. Dafür:
- Bewässerungscomputer abbauen, die Batterie entnehmen und trocken lagern
- Wasserhahn schließen und das restliche Wasser aus den Schläuchen entleeren. Gegebenenfalls könnt ihr sie einfach mit einer Fahrradpumpe durchblasen.
- Im Frühjahr beim Wiederanschluss alle Düsen auf Kalkablagerungen oder Verstopfungen prüfen, besonders bei kalkhaltigem Leitungswasser.
- Alle Schlauchverbindungen auf festen Halt überprüfen
Was kostet eine automatische Bewässerungsanlage?
- Einfache Systeme ohne Computer für wenige Pflanzen: ca. 30 – 80 Euro
- Komplettanlage für Terrasse/Balkon mit vielen Pflanzen (z. B. für unsere 46 Pflanzen, 17 m Schlauch, 69 Düsen und Computer): ca. 200 Euro
- Smarte App-gesteuerte Kombilösungen: 300 – 600 Euro
Unsere 9 wichtigsten Praxis-Tipps auf einen Blick
- Zeichnet vor dem Kauf einen Plan. Und lieber etwas großzügiger kalkulieren 😉
- Verlegt den Hauptschlauch bis zur letzten Pflanze, von dort den dünneren Schlauch zu den Töpfen
- Schläuche bei Bedarf mit dem Fön oder heißem Wasser vorwärmen, damit sie sich leichter aufstecken lassen
- Es gibt Tropf- und 360-Grad-Düsen, wählt je nach Pflanze das Richtige
- Das System einige Tage testen und beobachten, bevor ihr in den Urlaub fahrt
- GARDENA Smart System App herunterladen für Fernsteuerung per Smartphone
- Vor dem Winter den Bewässerungscomputer abmontieren (oder zumindest die Batterie entfernen)
- Das Restwasser aus den Schläuchen blasen (z. B. mit einer Fahrradpumpe)
- Bei kalkhaltigem Wasser die Düsen im Frühjahr auf Verstopfungen prüfen
Was tun, wenn auf dem Balkon kein Wasseranschluss vorhanden ist?
Das ist auch kein Problem. Dazu gibt es mehrere Alternativen:
Regentonne mit Pumpe: Eine Regenfasspumpe saugt das Wasser aus einer Tonne und leitet es über den angeschlossenen Schlauch zu euren Pflanzen. Damit der Druck ausreicht, sollte der Behälter etwa 70 cm bis 1 Meter höher als die Pflanzen stehen.
Solarbetriebene Systeme: Systeme wie das GARDENA AquaBloom * kommen ganz ohne Strom- und Wasseranschluss aus. Sie pumpen Wasser aus einem eigenen Tank und werden durch ein Solarpanel betrieben – ideal für Balkone, Schrebergarten oder Ferienhäuser.
Bewässerungskegel und Flaschenadapter: Tonkegel oder Kunststoffadapter werden auf eine mit Wasser gefüllte Flasche gesteckt und kopfüber in die Erde gesteckt. Sie geben das Wasser gleichmäßig und langsam ab. (Das machen wir immer bei unseren Zimmerpflanzen, wenn wir länger unterwegs sind)
Pflanzgefäße mit Wasserspeicher: Töpfe mit integriertem Wassertank versorgen Pflanzen über den Kapillareffekt selbstständig für mehrere Tage, ohne Technik.
Diese Anleitung und der Erfahrungsbericht wurde übrigens nicht von Gardena gesponsert, sondern aus eigener Begeisterung geschrieben 😉
Siegbert Mattheis
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.






