Feria del Caballo, Andalusiens großes Pferdefest

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Die Feria del Caballo in Jerez de la Frontera zählt zu den eindrucksvollsten Volksfesten Andalusiens. Jedes Jahr im Mai verwandelt sich die Stadt in ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk aus Pferden, Flamenco, Musik, Sherry und sozialem Miteinander. Was einst als Viehmarkt begann, ist heute ein kulturelles Großereignis mit internationaler Strahlkraft.

Mehrere Männer und Frauen auf geschmückten Pferden
Jede Menge Pferde und Reiter:innen © Tourismo Jerez
Feria del Caballo, zwei geschmückte Pferde
Nicht nur die Pferde werden herausgeputzt © Fotolia

Andalusiens großes Pferdefest zwischen Tradition, Lebensfreude und Sherry

Anders als viele andere spanische Ferias ist die Feria del Caballo offen, einladend und authentisch. Hier sind Besucherinnen und Besucher sind nicht nur Zaungäste, sondern Teil des Geschehens.

Eine Frau mit rotem Hut vor einer Menschenmenge und großen Girlanden mit Lichteren am Abend
Abends tobt das Leben © Tourismo Jerez

Was trägt man zur Feria del Caballo?

Zur Feria del Caballo wird Flamenco-Tracht angelegt, die genau festgelegten Richtlinien folgt: die Kleider der Frauen sind eng, körperbetont und reichen bis zu den Knöcheln. Ab der Hüfte und an den Armbünden sind sie mit Rüschen ausgestattet, mit weiten, berüschten Ärmeln oder je nach Trend auch ärmellos. Die Farbe spielt kein Rolle, sie sollte aber lebensbejahend sein, das Kleid kann unifarben oder mit Punkten, Halbmonden oder anderen Motiven gemustert sein. Über die Schultern wird ein halblanger Schal geworfen.

Die Flamenco-Tracht unterliegt allerdings einem ständig wechselndem Modetrend und wird von großen Modeschöpfern wie auch von Mode-Studenten immer wieder neu kreiert und perfektioniert. Es werden Blumen- oder Tiermuster mit Polka-Punkten kombiniert, Muster à la Mondrian verwendet und jede erdenkliche Formen- und Farbensprache ausprobiert.

2 Flamencotänzerinnen in bunten Kleidern in einem Kreis von Frauen auf einem Sandplatz
Meist gepunktet, aber die Hauptsache sind lebensfrohe Farben und Muster © Tourismo Jerez

Flamenco Modenschauen

Jeweils im Februar finden verschiedene Modenschauen, die sog. Pasarela Flamenca (Pasarela = Laufsteg) statt, auf denen die neuen Trends vorgestellt werden. Diese werden oft von Unternehmen wie Tio Pepe oder sogar IKEA gesponsort.

Dabei nutzen die Studenten der Sevilla Fashion School z.B. Stoffe und Materialien aus Seide, Krepp, Guipure (eine Form der Stickerei), elastisches Leder in den Farben von Schwarz über Rot, Blau und Bougainvillea für ihre Kreationen. Seit kurzem gibt es sogar auch extra Schauen für Kinder-Flamencomode, wie uns Irina aus Jerez begeistert erzählt.

Immer jedoch ist die Flamenco-Mode extrem figurbetont und mit Rüschen, Fransen oder ähnlichen Applikationen ausgestattet.

Feria-Mode für Männer

Die Männer erscheinen in einem Anzug aus grauem, schwarzem oder blauem Stoff. Eine kurzgeschnittene Jacke oder Weste wird über einem weißen Hemd getragen, um die Hüfte kommt ein farbiges Tuch. Und als Kopfbedeckung wird der flache andalusische Hut, der Sombrero Cordobes getragen.

Zwei Männer mit grauen Hüten von hinten in einer Kutsche
Kutscher mit andalusischem Sombrero Cordobes © Tourismo Jerez

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Paseo de Caballos

Täglich ziehen prachtvoll geschmückte Pferde, Reiterinnen, Reiter und Kutschen durch das Festgelände. Viele Teilnehmende tragen traditionelle Reitkleidung oder Flamenco-Mode. Der Paseo ist kein Umzug im klassischen Sinn, sondern ein lebendiger sozialer Treffpunkt. Ihr seht hier:

  • Reitkunst und Wettbewerbe
  • klassische Dressur
  • andalusische Reitweisen wie Doma Vaquera
  • Morphologie-Wettbewerbe für Zuchttiere
  • Präsentationen der berühmten andalusischen Pferderassen

Jerez ist nicht zufällig Sitz der Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre, (Königlich-Andalusische Reitschule), einer der renommiertesten Reitschulen Europas.

Ein Reiter mit einer Frau in rotem Kleid auf einem weißen Pferd auf Sand vor Palmen
Paseo de Caballos tagsüber © Tourismo Jerez
Viele Pferdekutschen auf der Hauptstraße der Feria del Caballo
Kutschen defilée beim Paseo © Tourismo Jerez

Casetas, Musik und Flamenco

Die Casetas der Bruderschaften und Zünfte sind das soziale Herz der Feria. Ihre Dekoration folgt jedes Jahr einem anderen Motto, wobei die am besten ausgeschmückten Stände mit Preisen ausgezeichnet werden. Anders als in Sevilla sind die meisten Casetas in Jerez öffentlich zugänglich. Das ist ein entscheidender Unterschied und ein großer Vorteil für Gäste.

In den Casetas erlebt man Flamenco und Sevillanas, Livemusik bis spät in die Nacht und Tanzen, Essen, Trinken und Gespräche über Generationen hinweg.

Die Atmosphäre ist weniger geschniegelt, dafür echter. Wir kamen hier ziemlich schnell ins Gespräch, auch mit rudimentären Spanischkenntnissen 😉 . Genau das macht den Reiz aus.

Apropos Spanisch: Wenn ihr tiefer in die spanische Kultur eintauchen wollt, könnt ihr mit Babbel.de * auf einfache und schnelle Art Spanisch lernen!

Feria del Caballo im Lichterglanz am Abend
In und rund um die Casetas wird gefeiert © Tourismo Jerez

Essen und Trinken auf der Feria del Caballo

Die typischen Getränke der Feria de Jerez sind natürlich Sherrys wie Oloroso und Fino. Am beliebtesten ist jedoch der „Rebujito“, eine Mischung aus Fino und Limetten-Limonade.

Das Speisenangebot ist sehr vielfältig, konzentriert sich jedoch auf frittierten und gebratenen Fisch und typische Eintöpfe wie:

  • Cola de toro (geschmorter Ochsen- oder Stierschwanz),
  • Tagarninas esparragás (Stängelkraut mit Ei),
  • Menudo (Kuttel-Kichererbsen-Gericht),
  • Berza Jerezana (ein Kohlgericht mit Hülsenfrüchten)

und natürlich die besten Meeresfrüchte und Wurstwaren.

Die Geschichte der Feria del Caballo

Die Ursprünge der Feria reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. König Alfons X. erlaubte Jerez im Jahr 1264 die Ausrichtung eines jährlichen Marktes für Vieh und Pferde. Jerez entwickelte sich in der Folge zu einem der wichtigsten Zentren für andalusische Pferdezucht.

Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der nüchterne Handelsmarkt zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Pferde blieben das Herzstück, doch Musik, Tanz, Wein und Gastronomie traten immer stärker in den Vordergrund. Seit dem 20. Jahrhundert trägt das Fest offiziell den Namen Feria del Caballo und gilt heute als Kulturerbe Andalusiens.

FAQ, häufig gestellte Fragen zur Feria del Caballo

Was ist die Feria del Caballo in Jerez?

Die Feria del Caballo ist ein jährlich im Mai stattfindendes Volksfest in Jerez de la Frontera. Es verbindet Pferdezucht, Reitkunst, Flamenco, Musik, Gastronomie und andalusische Alltagskultur.

Warum ist die Feria del Caballo bekannt?

Sie gilt als eines der wichtigsten Pferdefeste Andalusiens und ist wegen ihrer offenen Casetas und der starken Rolle des Pferdes international bekannt.

Wann findet die Feria del Caballo statt?

Die Feria findet jedes Jahr im Mai statt und dauert in der Regel sieben Tage. Die genauen Termine variieren jährlich.

Wo findet die Feria del Caballo statt?

Veranstaltungsort ist der Parque González Hontoria in Jerez de la Frontera, Andalusien, Spanien.

Kostet der Eintritt zur Feria del Caballo Geld?

Nein. Der Eintritt zum Festgelände ist kostenlos. Kosten entstehen nur für Essen, Getränke und einzelne Sonderveranstaltungen.

Sind Touristen auf der Feria del Caballo willkommen?

Ja. Die Feria del Caballo gilt als besonders offen und touristenfreundlich. Die meisten Casetas sind öffentlich zugänglich.

Was ist der Paseo de Caballos?

Der Paseo de Caballos ist der tägliche Pferde- und Kutschenumzug über das Festgelände, bei dem Reiterinnen und Reiter in traditioneller Kleidung ihre Pferde präsentieren.

Welche Pferde sieht man auf der Feria del Caballo?

Vor allem andalusische Pferde der Rasse Pura Raza Española sowie Kartäuser-Pferde.

Welche Rolle spielt Sherry auf der Feria del Caballo?

Sherry aus Jerez ist das traditionelle Getränk der Feria und fester Bestandteil der lokalen Kultur.

Gibt es Reitwettbewerbe auf der Feria del Caballo?

Ja. Es finden Dressur-, Doma-Vaquera- und Zuchtwettbewerbe statt.

Muss man traditionelle Kleidung tragen?

Nein. Traditionelle Kleidung ist freiwillig. Sie wird überwiegend von Einheimischen getragen.

Ist die Feria del Caballo familienfreundlich?

Ja. Tagsüber ist die Feria gut für Familien geeignet. Abends wird die Atmosphäre lebhafter.

Was unterscheidet die Feria del Caballo von der Feria de Abril in Sevilla?

In Jerez sind die meisten Casetas öffentlich zugänglich. Der Fokus liegt stärker auf Pferden als auf gesellschaftlicher Repräsentation.

Wie lange sollte man für die Feria del Caballo einplanen?

Empfohlen werden zwei bis drei Tage, um Pferdeveranstaltungen, Casetas und Stadtbesichtigungen zu kombinieren.

Warum lohnt sich ein Besuch der Feria del Caballo?

Die Feria del Caballo ist kein folkloristisches Spektakel für Außenstehende. Sie ist gelebte Identität und trotz der in den letzten Jahren hinzugekommenen Fahrgeschäfte sehr ursprünglich und authentisch geblieben.

Pferde sind hier kein Dekor, sondern Stolz. Flamenco ist kein Showprogramm, sondern Ausdruck. Sherry kein Souvenir, sondern Teil des Alltags.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Dezember 2025 von Siegbert Mattheis

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