Ostern in Spanien, in Andalusien auf dem „Camino de Pasión“

Ostern zählt in Spanien zu den traditionsreichsten und am tiefsten in der Kultur des Landes verwurzelten Feierlichkeiten. Während der spanischen Karwoche, die von jahrhundertealter Tradition und Geschichte geprägt ist, gedenkt man der Leidensgeschichte Christi und seiner Kreuzigung. Jede Region lebt diese Tage mit religiöser Hingabe, aber auch mit ausgelassener Fröhlichkeit auf ihre eigene, besondere Weise.Mit dem Beginn der Osterwoche verwandeln sich die Straßen fast aller Städte und Dörfer Spaniens in Schauplätze religiöser Inbrunst und Hingabe, an denen Schmerz und andächtige Zurückgezogenheit beim Gedenken der Kreuzigung Christi Einzug halten. Musik und Kunst vermischen sich bei den feierlichen Umzügen mit dem farbenprächtigen Zauber der Prozessionen, bei denen zahlreiche Gläubige die religiösen Skulpturen begleiten.

Die Ideenwelt des Osterfestes nahm auch starken Einfluss auf die Kunst in Spanien. Zahlreiche Bildhauer wie Juan de Juni, Pedro Berruguete oder Gil de Siloé schnitzten meisterhafte, realistische Heiligenfiguren von Christus und der Jungfrau Maria. Diese religiösen Kunstwerke, von denen viele mehr als 500 Jahre alt sind, werden feierlich durch die Straßen getragen und von Tausenden von Gläubigen andächtig und respektvoll bewundert.

Osterprozession in Baena © Turespaña
Osterprozession in Baena © Turespaña
Kirche San Pedro Carmona, Sevilla © Turespaña
Kirche San Pedro Carmona, Sevilla © Turespaña

Ostern in Andalusien

Auf der thematischen Route „Wege der Leidenschaft“ (Caminos de Pasión) können Urlauber, die Andalusien in der Osterzeit bereisen, die Geschichte, das künstlerische Erbe, die Traditionen, die Gastronomie und das Naturerbe von zehn Gemeinden im Herzen Andalusiens näher kennenlernen. Allen gemeinsam ist die Hingabe und Ästhetik, mit der Ostern in Spanien oder Semana Santa (heilige Woche) begangen wird.

Die den wenigsten Spanienurlaubern bekannten Ortschaften Alcalá la Real in der Provinz Jaén, Baena, Cabra, Lucena, Priego de Córdoba y Puente Genil in der Provinz Córdoba y Carmona, Écija, Osuna y Utrera in der Provinz Sevilla, die in diese touristische Route aufgenommen wurden, zeichnen sich durch kunsthistorische Fülle aus, die einen einzigartigen Einblick in die Essenz Andalusiens vermittelt. In allen Gemeinden auf dieser Route ist die Karwoche besonders sehenswert. Die Art und Weise, wie die Bewohner den Beginn der Karwoche begehen, ist gleichzeitig Sinnbild für den großen kulturhistorischen Reichtum und den Charakter Andalusiens. Dieses religiöse Fest, das in all diesen Orten über Jahrhunderte hinweg tradiert wurde, gehört heute zum künstlerischen immateriellen und sozialen Kulturerbe der Region von unschätzbarem Wert.

So genießt die ungewöhnliche Semana Santa von Baena (zwischen Cordoba und Jaén gelegen) wegen ihrer Bruderschaften und deren Trachten hohen Bekanntheitsgrad bei den Andalusiern. Die religiösen Figuren der „judíos coliblanco und colinegros“, den weißzopfigen oder schwarzzopfigen Juden, verleihen diesem Fest durch seine Farbenpracht eine große Attraktivität, die von den Klängen traditionell handgefertigter Trommeln eindrucksvoll untermauert wird. Mehr über diese etwas ungewöhnlichen Bräuche unter Caminos de Pasión

Semana Santa von Baena © Turespaña / Caminos de Pasión
Semana Santa von Baena © Turespaña / Caminos de Pasión
Auf sog. Pasos, Altarbühnen, wird Christus durch die Stadt getragen © Turespaña
Auf sog. Pasos, Altarbühnen, wird Christus durch die Stadt getragen © Turespaña

Elf hohe Türme sind das Wahrzeichen von Écija südlich von Cordoba. Dort werden die Besucher an Ostern in Spanien von der Schönheit der jahrhundertealten religiösen Figuren verzaubert, die auf Pasos, reichlich mit Gold verziert, durch die Barockstadt getragen werden. Dabei handelt es sich um große Altarbühnen, auf denen Marien- und Christusstatuen oder ganze Figurgruppen einer Kreuzwegstation Christi getragen werden. Sie stammen aus der Hand von Bildschnitzern wie Juan de Mesa, Montes de Oca oder Gaspar de Águila. Die Paläste, die Herrenhäuser und die Schönheit ihrer Altstadt bilden den perfekten Rahmen, um die Begeisterung der Bewohner während dieses Fests zu erleben.

Auch Priego de Cordoba lebt mit Hingabe seine Karwoche. Voller Leidenschaft und Emotionen begleiten die Bürger die wundervollen Altarbühnen, auf denen beeindruckende Figuren zu bewundern sind. Die feierliche Ehrfurcht der verschiedenen Bruderschaften am Palmsonntag steht in krassem Widerspruch zum begeisterten Tumult an Karfreitag, wenn die Bewohner versuchen, einen Platz unter der Altarbühne zu ergattern, um die Figur des Jesus von Nazareth den Berg hoch auf den Kreuzigungsplatz zu tragen. Dort werden dann die die symbolträchtigen „hornazos“ – Brotpasteten, die mit hartgekochten Eiern gefüllt sind – gesegnet, die Tausende von Gläubigen darbieten.

Hornazos, mit hartgekochten Eiern gefüllte Brotpasteten © Juan Fernández, Wikipedia
Hornazos, mit hartgekochten Eiern gefüllte Brotpasteten © Juan Fernández, Wikipedia
Blick auf Alcalá la Real © Turespaña
Blick auf Alcalá la Real © Turespaña
Osterfeierlichkeiten in Andalusien © Turespaña
Osterfeierlichkeiten in Andalusien © Turespaña

Die „Wege der Leidenschaft“ , die gleichzeitig Wege der Spiritualität und der Hingabe, Wege der Kultur, Wege der Sinne, Wege der Tradition, Wege der Authentizität und Wege der Natur sind, beziehen sich auf ein religiöses, gesellschaftliches und kulturell einzigartiges Ereignis, das jedes Frühjahr aufs Neue alle in seinen Bann zieht.

Für den Besucher kann es jedoch das ganze Jahr über lohnenswert sein, auf den „Wegen der Leidenschaft“ die imposanten Kirchen der Region aufzusuchen, ihre Sakralkunst und Bruderschaftshäuser zu bewundern und dazu den Klängen der Musik der Prozessionen zu lauschen.

Zur Website der Caminos de Pasión

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