Woran erkenne ich ein gutes Olivenöl?

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Wie wird Olivenöl hergestellt, was bedeuten die Bezeichnungen nativ, extra, vergine? Und was ist der Unterschied zwischen grünen und schwarzen Oliven?

Olivenhain im Sonnenlicht © Fotolia
Olivenhain im Sonnenlicht © Fotolia

Wir wollten alles über Oliven und Olivenöl genauer wissen und haben Expert:innen und Olivenbauern befragt. Wir waren in Olivenhainen in Italien, in Griechenland und Spanien bei der Ernte dabei und haben den Vorgang der Olivenölherstellung in einer Ölmühle in der Toskana beobachtet. Und wir durften unser eigenes, gerade frisch gepresstes, herrlich nach frisch gemähtem Gras schmeckendes Öl in einem 5l-Kanister mit nach Hause nehmen! Zudem  konnten wir den Reifegrad der Oliven jeden Tag live bei unserem eigenen (kleinen) Olivenbaum in Berlin mitverfolgen 😉

Was ist Olivenöl und warum ist es so gesund?

Olivenöl ist das aus Olivenfrüchten gewonnene Pflanzenöl und gilt als eines der gesündesten Öle überhaupt. Es enthält einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren (bis zu 76 % einfach ungesättigte Fettsäuren) und die meisten Antioxidantien unter allen Speiseölen.

Der Olivenbaum ist die mediterrane Pflanze schlechthin und wächst überall dort, wo mediterranes Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden, regenreichen Wintern herrscht.

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften beruhen vor allem auf dem hohen Gehalt an Polyphenolen und der einzigartigen Fettsäurezusammensetzung. Regelmäßiger Konsum von hochwertigem Olivenöl kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und hat entzündungshemmende Eigenschaften.

Woran erkennt man ein gutes Olivenöl?

Ein hochwertiges Olivenöl erkennt ihr an folgenden Merkmalen:

  • Qualitätsstufe: Achtet auf die Bezeichnung “Olivenöl nativ extra” (extra vergine) aus der ersten Kaltpressung. Der Säuregehalt darf maximal 0,8% betragen.
  • Geschmack: Gutes Olivenöl schmeckt frisch, fruchtig, leicht scharf und etwas bitter. Diese drei Hauptnoten sollten harmonisch ausgewogen sein. Die Bitterkeit und Schärfe sind kein Fehler, sondern Qualitätsmerkmale!
  • Geruch: Frisches Olivenöl riecht nach frisch gemähtem Gras, Kräutern, Artischocken oder frischen grünen Oliven.
  • Verpackung: Hochwertige Öle werden in dunklen Flaschen oder Kanistern verkauft, die vor Licht schützen.
  • Herkunft: Klare Herkunftsangaben, geografisch geschützte Gebiete (z.B. DOP, IGP) und Angabe der Olivensorte sprechen für Qualität.
  • Erntejahr: Achtet auf eine aktuelle Ernte (Oktober bis Januar). Je frischer das Öl, desto besser.
  • Schlechtes Zeichen: Riecht das Öl nach ranziger Butter, alten Nüssen, Essig oder modrig, ist es minderwertig oder verdorben.

Wann werden Oliven geerntet?

Die optimale Erntezeit für Oliven liegt zwischen November und Januar. Manche Olivenbauern beginnen bereits im Oktober und bei manchen dauert die Ernte bis März, je nach Klimabedingungen, Olivensorte und gewünschtem Reifegrad.

Frühe Ernte (Oktober/November): Die Oliven sind noch grün und unreif. Der Polyphenolgehalt ist am höchsten, das Öl wird intensiver, bitterer und schärfer im Geschmack. Diese Öle sind besonders gesundheitsfördernd.

Späte Ernte (Januar/Februar): Die Oliven sind reifer, der Ertrag ist höher, aber der Polyphenolgehalt niedriger. Das Öl wird milder und fruchtiger.

Wie werden Oliven geerntet?

Es gibt verschiedene Erntemethoden mit unterschiedlicher Qualität:

Handernte (höchste Qualität):

  • Schonendste Methode
  • Einzelne Oliven werden von Hand gepflückt
  • Sehr aufwändig, aber beste Qualität
  • Die Früchte bleiben unbeschädigt
Olivenernte per Hand
Olivenernte per Hand ist immer noch die beste Methode © Siegbert Mattheis

Ernte mit Kämmen oder Harken:

  • Oliven werden vom Baum gekämmt
  • Netze oder Planen fangen Früchte, Blätter und Zweige auf
  • Guter Kompromiss zwischen Qualität und Aufwand
  • Traditionelle Methode vieler Familienbetriebe
Ein älterer Mann erntet Oliven von einem Baum, er trägt eine Mütze und eine rot-blaue Jacke.
Im oberen Bereich werden die Oliven vorsichtig von den Ästen "gekämmt" © Siegbert Mattheis

Maschinelle Ernte:

  • Erfolgt meist nachts bei niedrigen Temperaturen
  • Höhere Effizienz
  • Umstritten wegen Vogeltötung durch nächtliche Ernte
  • Kann die Früchte beschädigen

Wie wird Olivenöl hergestellt?

Das konnten wir direkt in der Ölmühle in der Toskana bei Cortona mitverfolgen. Der Olivenbauer Michele klärte uns über die den traditionellen Herstellungsprozess auf. Der läuft in mehreren Schritten ab:

  1. Vorbereitung: Geerntete Oliven werden schnellstmöglich zur Ölmühle gebracht (idealerweise innerhalb weniger Stunden), von Blättern und Zweigen befreit, gewaschen und sortiert. Beschädigte oder schrumpelige Früchte werden aussortiert.
  2. Mahlen: Große Mühlsteine zerquetschen die ganzen Oliven (Fruchtfleisch, Stein und Keimling) mechanisch zu einer rosafarbenen Maische. Die Olivenkerne enthalten das beste und prozentual meiste Öl.
  3. Trennung: Eine Zentrifuge trennt die Maische in Öl, Wasser und Feststoffe.
  4. Filterung: Das Öl durchläuft einen Filter (bei gefiltertem Öl) oder wird naturtrüb abgefüllt.
  5. Abfüllung: Das gelblich-grüne bis goldgrüne Öl fließt in Fässer, Kanister oder Flaschen.
zwei Mühlsteinräder in einer großen Wanne
Mit solchen Mühlsteinen werden die Oliven zu einer Maische verarbeitet © Siegbert Mattheis
So rinnt das frische Olivenöl aus der Zentrifuge © Siegbert Mattheis
So rinnt das frische Olivenöl aus der Zentrifuge © Siegbert Mattheis
Nahaufnahme eines Staubsaugerschlauchs, der lilafarbenen Staub und Schutt in einem Industriefach aus Metall entfernt.
Olivenmaische © Siegbert Mattheis
Frisches Olivenöl im Kanister mit Namensbezeichnung © Siegbert Mattheis
Frisches Olivenöl im Kanister mit Namensbezeichnung © Siegbert Mattheis
Drei Erwachsene posieren und lächeln in einem gemütlichen Raum neben einem Steinkamin und Holzregalen mit Flaschen.
Mit Michele saßen wir danach noch lange vorm Kamin zusammen und ließen uns über die Herstellung von Olivenöl aufklären © Siegbert Mattheis

Welche Klassifizierungen und Bezeichnungen gibt es für Olivenöl?

Die drei wichtigsten Güteklassen sind:

  1. Olivenöl nativ extra (Extra vergine)
  • Höchste Qualitätsstufe (erste Güteklasse)
  • Erste Pressung, kalt gepresst (max. 27°C)
  • Maximal 0,8% freie Fettsäuren
  • Ausschließlich mechanische Verfahren
  • Ideal für Salate, kalte Speisen und zum Verfeinern
  • Bezeichnungen: “Olio extra vergine di oliva” (IT), “Extra Virgin Olive Oil” (EN), “Aceite de oliva virgen extra” (ES), “Huile d’olive vierge extra” (FR)

Wichtig für natives Olivenöl extra: Bei diesem Prozess darf die Temperatur nie über 27 Grad Celsius steigen (EU-Verordnung Nr. 29/2012). Es werden ausschließlich mechanische Verfahren verwendet. Keine Hitze, keine Chemie, keine Lösungsmittel.

  1. Olivenöl nativ (Vergine)
  • Zweite Güteklasse
  • Maximal 2% freie Fettsäuren
  • Ebenfalls kalt gepresst und mechanisch gewonnen
  • Gut zum Backen und Braten geeignet
  • Bezeichnung: “Olio vergine di oliva” (IT), “Virgin Olive Oil” (EN)
  1. Einfaches Olivenöl
  • Verschnitt aus raffiniertem und nativem Olivenöl
  • Niedrigere Qualität
  • Viele gesunde Inhaltsstoffe gehen beim Raffinieren verloren
  • Bezeichnung: “Olio di oliva” (IT)

Weitere Qualitätsstufen wie Tresteröl werden hauptsächlich für Kosmetik, Seifen (wie die Savon de Marseille) oder technische Zwecke verwendet.

Was bedeutet “kaltgepresst” wirklich?

“Kaltgepresst” bedeutet, dass bei der Herstellung keine Wärme von außen zugeführt wird und die Temperatur während des gesamten Prozesses unter 27°C bleibt. Diese Temperatur wird überwacht und sichergestellt. Moderne Ölmühlen verwenden oft Zentrifugen statt Pressen. Das Verfahren heißt dann “Kaltextraktion”, ist aber gleichwertig.

Die niedrige Temperatur ist entscheidend, um alle wertvollen Inhaltsstoffe, Aromen und Vitamine zu erhalten. Bei höheren Temperaturen wäre die Ausbeute zwar größer, aber die Qualität deutlich schlechter.

Wonach schmeckt gutes Olivenöl?

Frischer als in der Ölmühle konnten wir Olivenöl nicht verkosten. Und dieses hochwertige Olivenöl hat charakteristische Geschmacksnoten:

  • Hauptnote: Frisch gemähtes Gras
  • Weitere Aromen: Kräuter (Basilikum, Thymian), Artischocken, Nüsse, Früchte (grüner Apfel, Tomate), frisches Blattgemüse
  • Mundgefühl: Leicht scharf (Kratzen im Hals) und etwas bitter

Die Bitterkeit stammt von Polyphenolen (insbesondere Oleuropein) und die Schärfe von Oleocanthal. Beides sind wertvolle, gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe und Qualitätsmerkmale!

Also: je bitterer und schärfer (in ausgewogener Form), desto höher der Polyphenolgehalt.

Die Geschmacksintensität hängt auch ab von:

  • Olivensorte (allein in Italien gibt es über 500 Olivensorten)
  • Erntezeitpunkt (grün = intensiver, reif = milder)
  • Anbaugebiet und Klima
  • Verarbeitungsmethode

Was sind Polyphenole und warum sind sie so wichtig?

Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Antioxidantien gehören. Sie dienen dem Olivenbaum als natürlicher Schutz gegen Schädlinge, Krankheiten und oxidativen Stress.

Wichtige Polyphenole im Olivenöl:

  • Hydroxytyrosol: Starkes Antioxidans mit entzündungshemmenden Eigenschaften
  • Tyrosol: Positive Wirkung auf die Herzgesundheit
  • Oleuropein: Verantwortlich für Bitterkeit, antibakteriell
  • Oleocanthal: Verantwortlich für Schärfe, wirkt ähnlich wie Ibuprofen
  • Lignane und Flavonoide: Weitere antioxidative Verbindungen

Gesundheitliche Wirkung (wissenschaftlich belegt):

  • Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress (EU Health Claim)
  • Entzündungshemmend
  • Blutdruckregulierend
  • Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel
  • Kann geistigem Abbau (Alzheimer, Demenz) vorbeugen

EU-Gesundheitsangabe: Nur Olivenöle mit mindestens 5 mg Hydroxytyrosol (und Derivate) pro 20 g Öl dürfen die Angabe “Olivenöl-Polyphenole tragen zum Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress bei” tragen. Die positive Wirkung tritt bei einer täglichen Verzehrmenge von 20 g (ca. 2 Esslöffel) ein.

Polyphenolgehalt:

  • Durchschnittliches Supermarkt-Öl: ca. 100 mg/kg
  • Guter Polyphenolgehalt: ab 250 mg/kg
  • Sehr hoher Gehalt: ab 500 mg/kg

Früh geerntete Öle aus grünen Oliven haben den höchsten Polyphenolgehalt.

Wie lange hält sich Olivenöl?

Haltbarkeit ungeöffnet: 18-24 Monate bei optimaler Lagerung

Haltbarkeit geöffnet:

  • Gefiltertes Olivenöl: 8-12 Monate bei richtiger Lagerung
  • Naturtrübes Olivenöl: 2 Wochen bis 2 Monate (denn es enthält mehr Enzyme und wird so schneller ranzig)

Wie lagert man Olivenöl am besten?

Die optimalen Lagerungsbedingungen sind:

  • Bei Temperaturen zwischen 10-20°C (am besten 15-18°C). Der Kühlschrank ist nur bedingt geeignet, denn das Öl wird fest und verliert Aromen
  • Dunkel lagern (dabei auch dunkle Flaschen bevorzugen). Licht beschleunigt den Abbau von Polyphenolen und Vitaminen
  • Nach Gebrauch immer wieder luftdicht verschließen. Denn Sauerstoff führt zur Oxidation und Ranzigkeit

Sobald das Öl auch nur leicht ranzig riecht (buttrig, metallisch, nach alten Nüssen) oder schmeckt, solltet ihr es entsorgen. Hochwertiges Öl mit hohem Polyphenolgehalt hält übrigens länger als minderwertiges.

Warum flockt Olivenöl manchmal aus?

Das Ausflocken oder Trübwerden bei kühlen Temperaturen ist ein natürlicher Prozess und kein Qualitätsmangel! Im Gegenteil: Es zeigt, dass das Öl naturbelassen und hochwertig ist.

Ursache: Besonders gute Olivenöle enthalten Wachse von der Olivenschale, die bei der Kaltpressung mit ins Öl gelangen. Diese sekundären Pflanzenstoffe lagern sich bei Temperaturen unter 10-15°C ab oder flocken aus.

Tipp: Lasst das Öl bei Zimmertemperatur stehen. Die Flocken lösen sich wieder auf, die Qualität bleibt vollständig erhalten.

Wie schmecken Oliven und kann man sie direkt vom Baum essen?

Nein, Oliven kann man nicht direkt vom Baum essen. Sie sind roh extrem bitter und ungenießbar. Diese Bitterkeit stammt von Oleuropein, einem Polyphenol.

Oliven werden erst nach längerer Behandlung in Salzlake (mehrere Wochen bis Monate) genießbar. Dabei werden die Bitterstoffe ausgewaschen.

Danach schmecken

Grüne Oliven:

  • Zart nussig und salzig
  • Herberes Aroma
  • Festeres Fruchtfleisch
  • Beispiel: Griechische grüne Oliven werden zusätzlich mit Milchsäure behandelt und werden dadurch besonders zart

Schwarze Oliven:

  • Fruchtiger, milder Geschmack
  • Vollmundiger, komplexeres Aroma
  • Weicheres Fruchtfleisch
  • Am wertvollsten aus gesundheitlicher Sicht (mehr Nährstoffe und Vitamine)

Achtung: Im Handel findet ihr oft mit Eisenoxid geschwärzte grüne Oliven (das ist dann irgendwo klein vermerkt). Diese sind weniger aromatisch als echte sonnengereifte schwarze Oliven.

Was ist der Unterschied zwischen grünen und schwarzen Oliven?

Grüne und schwarze Oliven sind keine verschiedenen Sorten, sondern unterschiedliche Reifestadien derselben Frucht. Dabei reifen sie auch am selben Baum unterschiedlich.

Reifungsprozess:

  1. Grün (unreif) – Oktober/November
  2. Grün-violett (halbreif)
  3. Braun-violett (reifend)
  4. Schwarz (vollreif) – Januar/Februar
Nahaufnahme von Olivenbaumzweigen mit grünen Blättern und kleinen Büscheln junger, ungeöffneter Blütenknospen.
Zarte erste Oliven © Siegbert Mattheis
Eine grüne Olive wächst auf einem Zweig mit grünen Blättern im Hintergrund.
Grüne, unreife Olive im September © Siegbert Mattheis
Nahaufnahme einer reifen, violetten Beere, die an einem grünen Strauch mit Blättern wächst.
Violette Olive im Dezember © Siegbert Mattheis
Eine einzelne reife Olive hängt an einem Zweig mit grünen Blättern im Hintergrund.
Schwarze Olive im Januar © Siegbert Mattheis

Grüne Oliven für Olivenöl:

  • Frühe Ernte
  • Höherer Polyphenolgehalt
  • Intensiveres, bitteres, scharfes Öl
  • Kein Reife-Enzym gebildet
  • Ideal für höchste Qualität

Schwarze Oliven für den Verzehr:

  • Späte Ernte
  • Weicheres Fruchtfleisch
  • Milderer, fruchtiger Geschmack
  • Müssen von Hand gepflückt werden (weiche Schale)
  • Teurer als grüne Oliven

Geschwärzte Oliven: Im Handel werden auch künstlich mit Eisensalzen geschwärzte grüne Oliven verkauft. Diese schmecken ähnlich herb wie grüne Oliven und sind weniger aromatisch als echte schwarze Oliven.

Kann man mit Olivenöl braten und kochen?

Ja, absolut! Olivenöl ist sehr gut zum Braten geeignet, wenn man ein paar Dinge beachtet.

Wichtige Tipps zum Braten:

Rauchpunkt beachten:

  • Gefiltertes natives Olivenöl extra: ca. 180°C Rauchpunkt
  • Naturtrübes natives Olivenöl extra: ca. 130°C Rauchpunkt (besser nur für kalte Küche verwenden)
  • Raffiniertes Olivenöl: bis 220°C

Empfehlung: Natives Olivenöl extra solltet ihr nicht über 180°C erhitzen. Bei höheren Temperaturen beginnt es zu rauchen und gesundheitsschädliche Stoffe können entstehen.

Temperaturtest: Haltet das Ende eines Holzkochlöffels ins Öl. Bilden sich kleine Bläschen, ist die Temperatur ideal zum Braten.

Verwendungsempfehlungen:

  • Olivenöl nativ extra: Ideal für Salate, Dressings, Marinaden, kalte Speisen, schonendes Braten bis 180°C
  • Olivenöl nativ: Gut für Braten, Backen und warme Speisen
  • Polyphenolreiches Öl: Besser für kalte Küche reservieren (Polyphenole gehen beim Erhitzen teilweise verloren)

Mythos entkräftet: In den Mittelmeerländern wird seit Jahrhunderten mit Olivenöl gebraten, gedünstet und geschmort. Die Angst, Olivenöl würde beim Braten schädlich, ist unbegründet – solange ihr den Rauchpunkt nicht überschreitet.

Eignet sich Olivenöl zum Frittieren?

Ja, gefiltertes natives Olivenöl extra eignet sich grundsätzlich zum Frittieren, da es einen ausreichend hohen Rauchpunkt von ca. 180°C hat. Allerdings ist es für diesen Zweck sehr schade um das hochwertige Öl und zudem auch relativ teuer.

Besser: Verwendet für häufiges Frittieren raffiniertes Olivenöl oder andere hitzestabile Öle. Reserviert das hochwertige native Olivenöl extra für die kalte Küche und schonendes Braten.

Kann man Olivenöl als Butter-Ersatz zum Backen verwenden?

Ja, Olivenöl ist ein hervorragender Butter-Ersatz beim Backen!

Umrechnung: 100 g Butter = ca. 80 ml (etwa 8 Esslöffel) Olivenöl

Vorteile:

  • Gesündere Fettsäuren
  • Vegan
  • Saftigere Backwaren
  • Längere Frische

Geeignet für: Mediterrane Brote (Focaccia, Ciabatta), Kuchen, Muffins, Gebäck

Tipp: Verwendet für süßes Gebäck ein mildes Olivenöl, damit der Eigengeschmack nicht zu dominant wird.

Auf der Seite Looking for the perfect food.com findet ihr einige tolle Rezepte!

Oder ladet euch gleich das Rezeptheft hier herunter

Schokoladenbirnenkuchen mit geschnittenen Birnen und Mandeln auf einem Holztisch, daneben ein Messer, Honig und Birnen.
Saftiger Schoko-Birnenkuchen mit Olivenöl © lookingfortheperfectfood.eu

Wird Olivenöl beim Mixen oder Pürieren bitter?

Ja, das kann passieren! Wenn ihr Olivenöl in einem Mixer, Pürierstab oder einer Küchenmaschine zu lange und zu intensiv mixt, kann es bitter werden.

Ursache: Die mechanische Beanspruchung bei hoher Geschwindigkeit kann die Polyphenole aufbrechen und Bitterstoffe freisetzen. Auch Sauerstoff wird eingeschlagen, was zu Oxidation führt.

Lösung:

  • Öl nur kurz und auf niedriger Stufe mixen
  • Öl erst nach dem Mixen unterrühren
  • Oder das Öl per Hand mit einem Schneebesen einarbeiten

Wie viel Olivenöl sollte man täglich zu sich nehmen?

DGE-Empfehlung: Mindestens 20 g (ca. 2 Esslöffel) täglich, um von den gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren.

Mediterrane Studien: Die umfangreiche PREDIMED-Studie mit über 7.000 Teilnehmern zeigte:

  • 40 g (ca. 4 Esslöffel) täglich senkten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 30%
  • Das Schlaganfall-Risiko sank um 39%
  • Die entzündungshemmende Wirkung setzt bereits bei 25-50 ml täglich ein

Zum Vergleich: In Italien konsumiert jeder Italiener durchschnittlich 10 Liter Olivenöl pro Jahr, in Deutschland nur etwa 0,85 Liter.

Fazit: Mehr bringt nicht unbedingt mehr Nutzen. 2-4 Esslöffel täglich sind ideal.

Ist trübes Olivenöl besser als klares?

Nicht unbedingt besser, aber anders! Die Trübung ist nicht per se ein Qualitätsmerkmal.

Naturtrübes (ungefiltertes) Olivenöl:

  • Enthält noch Schwebstoffe (kleine Olivenpartikel)
  • Intensivere Geschmacksnuancen
  • Höherer Gehalt an Enzymen und Polyphenolen
  • Aber: Wird schneller ranzig (nur 1-2 Monate haltbar, geöffnet nur 2 Wochen)
  • Muss frisch verzehrt werden

Gefiltertes (klares) Olivenöl:

  • Mechanisch gefiltert
  • Immer noch vollständig hochwertig
  • Deutlich länger haltbar (18-24 Monate)
  • Etwas weniger intensive Aromen
  • Praktischer für den Alltag

Naturtrübes Öl ist ein besonderes Erlebnis für Kenner, die es schnell verbrauchen.
Gefiltertes Öl ist für den Alltag praktischer und qualitativ gleichwertig.

Eine leuchtend gelb-grüne Flüssigkeit, Olivenöl, fließt gleichmäßig aus einer Metalltülle in einen darunter stehenden Behälter.
Naturtrübes Olivenöl direkt nach der Pressung © Siegbert Mattheis
Ein Glaskrug mit Olivenöl und eine Schale mit schwarzen Oliven auf einem Holztisch mit Olivenzweigen.
Klares, gefiltertes Olivenöl mit schwarzen, eingelegten Oliven © lookingfortheperfectfood.eu

Woher kommt das beste Olivenöl?

Es gibt kein “bestes” Herkunftsland – viele Regionen rund ums Mittelmeer produzieren exzellente Olivenöle. Die Qualität hängt von Olivensorte, Anbaumethoden, Ernte und Verarbeitung ab.

Wichtige Herkunftsländer:

Griechenland

  • Sorte: Koroneiki-Oliven (hoher Polyphenolgehalt, ergibt ein intensiv-fruchtiges Öl)
  • Herkunft: Kreta, Peloponnes, Sitia
Nahaufnahme von Olivenbaumzweigen mit grünen und violetten Oliven zwischen schlanken, gelb-grünen Blättern.
Koroneiki-Oliven aus Kreta im September © Siegbert Mattheis
Olivenöl in schwarzer und weißer Verpackung vor Meer
Olivenöl, z.B. von unabhängigen Kooperativen wie hier auf Kreta © Siegbert Mattheis
Ein Küstenhügel mit Olivenbäumen, trockenem Gras und fernen Bergen unter einem klaren blauen Himmel.
Olivenhaine auf Kreta © Siegbert Mattheis
Olivenbäume mit vielen schwarzen Bewässerungsrohren und -ventilen, die auf trockenem Boden unter einem klaren blauen Himmel stehen.
Komplizierte Bewässerung der einzelnen Olivenhaine auf Kreta © Siegbert Mattheis

Spanien

  • Sorten: Picual, Arbequina, Hojiblanca, Cornicabra und Manzanilla
  • Herkunft: Andalusien, Katalonien

Italien

  • Sorten: Coratina, Frantoio, Taggiasca
  • Herkunft: Toskana, Ligurien, Apulien, Sizilien

Portugal

  • Sorten: Galega, Cobrançosa, Verdeal, Madural, Cobrancosa, Cordovil de Serpa
  • Herkunft: Vorwiegend im Alentejo

Frankreich

  • Sorten: Aglandau, Bouteillan und Cailletier, Picholine, Lucques, Salonenque
  • Herkunft: Nyons, Nîmes, Nizza
Bunte Dosen mit Olivenöl von Nicolas Alziari stapeln sich dicht an dicht in einem Ladenregal.
Olivenöl aus Nizza © Siegbert Mattheis
Eine Mischung aus verschiedenen Oliven, darunter grüne, schwarze und gefüllte Oliven, serviert in einer Holzschale mit Gemüse.
Köstlichkeiten auf dem provenzalischen Wochenmarkt © Siegbert Mattheis
Olivenhain im Var im Terrassenanbau
Olivenhain im Var © Var Tourisme/Wallis LCl

Worauf man immer achten sollte, sind die geografisch geschützten Ursprungsbezeichnungen wie DOP, oder IGP, Bio-Zertifizierung, Familienunternehmen und transparente Herstellerangaben.

Ein kuratierte Auswahl findet ihr in unserem Shop

Auch auf amazon gibt es eine Reihe von hochwertigen nativen Olivenölen *

Was bedeuten DOP/AOP, IGP und andere Siegel auf Olivenöl?

DOP/AOP  (Geschützte Ursprungsbezeichnung):

  • Höchste Herkunftszertifizierung in der EU
  • Alle Produktionsschritte müssen in der angegebenen Region erfolgen
  • Strenge Qualitätskontrollen

Der Unterschied zwischen DOP und AOP ist lediglich die Sprache und der geografische Kontext:

  • DOC (Denominazione di Origine Controllata) ist die italienische/portugiesische/spanische Bezeichnung (in Spanien DO)
  • AOP (Appellation d’Origine Protégée) die französische und die europäische Dachbezeichnung.

IGP (Indicazione Geografica Protetta / Geschützte geografische Angabe)

  • Mindestens eine Produktionsstufe muss in der angegebenen Region erfolgen

Bio-Siegel (EU-Bio, Demeter):

  • Ökologischer Anbau ohne Pestizide
  • Nachhaltige Landwirtschaft

Fairtrade / fair for life:

  • Faire Bezahlung der Produzenten
  • Soziale Standards

Was sind die wichtigsten Tipps für den Olivenöl-Kauf?

  1. Kauft natives Olivenöl extra aus der ersten Kaltpressung
  2. Achtet auf Herkunft (ein Land, eine Region ist ideal)
  3. Wählt dunkle Flaschen oder Kanister
  4. Prüft das Erntejahr (je frischer, desto besser)
  5. Schätzt die Bitterkeit und Schärfe, denn sie zeigen Qualität!
  6. Lagert dunkel und kühl (15-18°C ideal)
  7. Verbraucht geöffnetes Öl innerhalb von 8-12 Monaten
  8. Erhitzt nicht über 180°C (natives extra)
  9. Verwendet täglich 2-4 Esslöffel für optimale Gesundheit

Auf der Webseite von Flos Olei, dem weltweit führenden internationalen Gourmetführer für hochwertiges natives Olivenöl extra könnt ihr die jeweils besten Olivenöle einsehen.
Die Journalisten Marco Oreggia und Laura Marinelli bewerten mit ihrem Team jährlich die besten Olivenöle aus 500 Produzent:innen weltweit.

Ansonsten probiert verschiedene Sorten und findet euren eigenen Favoriten 😉

Wächst ein Olivenbaum auch bei uns?

Ja! Wir haben unseren eigenen Olivenbaum in Berlin inzwischen schon seit über 15 Jahren! Er muss allerdings im Pflanzenkübel, am besten aus Terrakotta gepflanzt werden. Im Winter kann er allerdings nicht draußen bleiben, er braucht Temperaturen um die 10 Grad Plus. Daher überwintert er bei uns im Treppenhaus. Jedes Jahr bringt er uns eine Handvoll Oliven. Für Olivenöl daraus hat es allerdings noch nicht gereicht 😉

Einen Olivenbaum bei Baldur Garten kaufen *

Mehr über mediterrane Pflanzen und die Pflege

Dieser umfassende FAQ-Guide basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Expert:innenwissen von Olivenbauern und Ölmüllern aus der Toskana, Griechenland und weiteren mediterranen Regionen sowie unseren eigenen praktischen Erfahrungen.

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit weißem Haar und Bart, trägt ein dunkles Hemd und blickt mit einem leichten Lächeln in die Kamera.

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam AmbienteMediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

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