Molina de Aragón: Mittelalterliche Grenzstadt mit gewaltiger Burg

Zuletzt aktualisiert am von Siegbert Mattheis
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Unbekanntes Spanien? Ja. Jedenfalls für die meisten von uns. Im Land selbst kennen allerdings nahezu alle Molina de Aragón. Zumindest aus den winterlichen Wetterberichten. Denn da wird der Ort regelmäßig als der kälteste in ganz Spanien genannt, so erzählt es uns Paula aus Valencia schmunzelnd.

Eine alte Burganlage aus Stein auf einem Hügel oberhalb einer kleinen Stadt bei Sonnenuntergang.
Burg und Stadt in der Abendsonne © Siegbert Mattheis

Wir haben die Stadt jedoch Mitte September bei wunderbar angenehmen Temperaturen um die 27 Grad besucht 😉 . Wir ließen uns den Ort und dessen Geschichte durch unsere Stadtführerin María Jesús naher erläutern. Wir waren beeindruckt und gleichzeitig verwundert, dass wir fast die einzigen Besucher:innen dieser ciudad waren.

Jugendlioche spielen Fußball auf einem Platz mit Bäumen, alten Gebäuden und einer dekorativen Straßenlaterne.
Plaza de España, leer bis auf ein paar Jugendliche, die ihn als Bolzplatz nutzen © Siegbert Mattheis

Und María Jesús erzählte uns auch, dass Molina de Aragón eine von nur wenigen Städten weltweit ist, die Weihnachten zweimal feiern darf! Warum das so ist, erfahrt ihr weiter unten.

Welche Sehenswürdigkeiten gibt es in Molina de Aragón?

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören die

  • Burganlage mit der Torre de Aragón,
  • der Prao de los Judíos,
  • der Puente Viejo,
  • das ehemalige Kloster San Francisco,
  • das Museo Comarcal sowie die
  • Kirchen Santa Clara und San Gil.

Burganlage Molina de Aragón

Das Castillo de Molina de Aragón dominiert die Stadt. Die Anlage zählt zu den größten mittelalterlichen Festungen in der Provinz Guadalajara und besteht aus mehreren Verteidigungsbereichen.

Eine alte Burg mit Steinmauern und Türmen auf einem Hügel, darüber ein klarer Himmel, im Vordergrund grüne Bäume.
Castillo de Molina de Aragón © Siegbert Mattheis
Die mittelalterliche Burg Molina de Aragon auf einem Hügel, die nachts beleuchtet ist und einen kleinen Ort mit Steinhäusern überragt.
Das Kastell am Abend © Siegbert Mattheis

Der untere, weitläufige Mauerring umschloss ursprünglich nicht nur militärische Gebäude. Er bot bei Angriffen auch der Bevölkerung und ihrem Vieh Schutz. Innerhalb dieses äußeren Bereichs liegt der eigentliche Alcázar, die befestigte Kernburg.

Von den ursprünglich vorhandenen Haupttürmen des inneren Alcázars sind noch einige erhalten. Sie sind durch hohe Mauern und einen begehbaren Wehrgang miteinander verbunden. Zu ihnen gehören der Torre de Doña Blanca, der Torre de Armas, der Torre de Veladores und der Torre Cubierta oder Torre de los Caballeros.

Ruinen einer Steinburg mit hohen Wehrtürmen auf einem grasbewachsenen Hügel.
Einige Türme stehen noch © Siegbert Mattheis
Der Steinturm einer Festung ragt über einer Umfassungsmauer vor einem strahlend blauen Himmel empor.
Torre Doña Blanca © Siegbert Mattheis

Die Anlage, wie wir sie heute sehen, entstand über mehrere Jahrhunderte. Unter den christlichen Mauern befinden sich noch Reste der älteren maurischen Befestigung.

Von den Mauern und Türmen habt ihr einen weiten Blick über Molina, das Tal des Río Gallo und die karge Hochebene. Der Weg hinauf ist allerdings ziemlich steil und uneben 😉 .

Torre de Aragón

Oberhalb der Hauptburg steht die Torre de Aragón. Der ungewöhnlich fünfeckige Wehrturm befindet sich auf dem höchsten Punkt des Burgberges und wirkt wie eine eigenständige kleine Festung.

Auf einem Hügel steht eine Burg aus Stein mit einem Turm, umgeben von Bäumen unter einem strahlend blauen Himmel.
Toree de Aragón © Siegbert Mattheis
Auf einem Hügel über einer Stadt mit Häusern mit roten Dächern und grünen Bäumen unter einem strahlend blauen Himmel ragen die Türme einer Burg aus Stein empor.
Die Burganlage thront über der Altstadt © Siegbert Mattheis

An dieser Stelle befand sich vermutlich bereits ein muslimischer Wachturm. Von hier ließ sich das Umland über viele Kilometer beobachten. Der Turm diente damit als vorgeschobener Beobachtungs- und Verteidigungsposten.

Wer bis zur Torre de Aragón hinaufsteigt, wird mit einem weiten Panoramablick belohnt. Die zusätzliche Steigung ist jedoch nicht zu unterschätzen.

El Prao de los Judíos

Direkt unterhalb der mächtigen Burg liegt frei zugänglich mit dem Prao de los Judíos einer der spannendsten archäologischen Orte Molinas. Ausgrabungen haben hier eine nahezu tausendjährige Besiedlungsgeschichte sichtbar gemacht. Die ältesten Spuren reichen bis in die islamische Zeit des 10. Jahrhunderts zurück.

Das Viertel war zwischen dem späten 13. und der Mitte des 15. Jahrhunderts bedeutend. Hier befand sich die jüdische Gemeinde Molinas mit Wohnhäusern und einer Synagoge. Archäologen fanden unter anderem Keramik, Münzen, Schmuck und Gegenstände des täglichen Lebens. Zu den außergewöhnlichen Funden gehören Objekte mit hebräischen Inschriften.

Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass die Synagoge gewaltsam zerstört wurde. Wann genau dies geschah und in welchem Zusammenhang der Angriff stand, lässt sich bislang nicht eindeutig bestimmen. Sicher ist, dass das Gebäude bereits vor 1460 nicht mehr als Synagoge genutzt wurde.

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Altstadt und mittelalterliche Viertel von Molina

Unterhalb der Burg entwickelte sich ein dichtes Netz aus schmalen Straßen und kleinen Plätzen. Christen, Juden und Muslime lebten in unterschiedlichen Stadtvierteln mit engen, teilweise steil ansteigenden Gassen. Einige Häuser verbreitern sich in den oberen Geschossen. Dadurch ließ sich innerhalb des begrenzten, von Mauern umschlossenen Raums zusätzlicher Wohnraum gewinnen.

Eine schmale Kopfsteinpflasterstraße, gesäumt von historischen Fachwerkhäusern in Molina de Aragón.
Mittelalterliche Gassen © Siegbert Mattheis
Altes Steingebäude mit einer Holztür, vergitterten Fenstern und einer kreisförmigen Markierung auf der rechten Seite.
Haus im Moraría-Viertel © Siegbert Mattheis

Die Morería, das frühere muslimische Viertel, lag näher am Fluss. Auch dort haben sich Teile der mittelalterlichen Straßenstruktur erhalten. Viele Gebäude wurden später verändert, sodass sich die ursprüngliche Nutzung heute nicht immer eindeutig erkennen lässt.

Eine hölzerne Fußgängerbrücke, die vor farbenfrohen Gebäuden über einen Bach führt.
Der Ró Gallo an der Altstadt © Siegbert Mattheis
Steinwandrelief, das ein schreiendes Gesicht mit einer Hand im offenen Mund darstellt.
Diese Skulptur stammt allerdings nicht aus dem Mittelalter 😉 © Siegbert Mattheis

Unter anderem haben sowohl Juden als auch Muslime ihre Häuser „christianisiert“, wie uns María Jesús erzählt. stellen. Denn da die Spanische Inquisition die Privathäuser der Menschen streng auf heimliche jüdische oder islamische Riten überwachte, wurden Häuser gezielt visuell und funktional verändert, um den Verdacht der Häresie abzuwehren.

Siehe auch Alheira de Mirandela, wie eine Wurst den Juden das Leben rettete.

Die Menschen sitzen an Café-Tischen im Freien auf einem Platz, im Hintergrund sind historische Gebäude und Bäume zu sehen.
An der Plaza de Pedro mit der Kirche San Pedro findet man einige Restaurants © Siegbert Mattheis
Eine schmale Straße mit Passanten, hohen Gebäuden, Balkonen und einem senkrecht hängenden „CASA ROA“-Schild darüber.
Gasse in der Altstadt © Siegbert Mattheis
Am Abend sitzen die Menschen an den Tischen der Straßencafés unter grünen Bäumen und unterhalten sich, während warmes Licht leuchtet.
Restaurant eines privaten Sozial-Clubs © Siegbert Mattheis

Puente Viejo über den Río Gallo

Der Puente Viejo, manchmal auch Puente Románico (romanische Brücke) genannt, gehört neben der Burg zu den bekanntesten Fotomotiven und Wahrzeichen von Molina de Aragón. Die mittelalterliche Brücke wurde vermutlich im 12. oder 13. Jahrhundert während der Wiederbesiedlung der Stadt errichtet.

Sandsteinfarbene Mittelalterliche Brücke mit 3 Bögen, links fließt ein Bach durch, unter den beiden anderen ist Rasen, auf dem Kinder spielen
Puente Viejo, die grüne Wiese dient Kindern auch als Spielplatz © Siegbert Mattheis
Eine Steinbrücke über einen kleinen Fluss, mit Häusern, Bäumen und einer Ruine auf einem Hügel unter strahlend blauem Himmel.
Der Río Gallo fließt heute nur unter dem südlichen Bogen © Siegbert Mattheis
Eine Steinbrücke über grünem Gras, Bäumen und alten Gebäuden unter einem strahlend blauen Himmel.
Sieht römisch aus, ist tatsächlich aber romanisch © Siegbert Mattheis

Die Bezeichnung „Puente Romano“ (römische Brücke), die manchmal verwendet wird, ist allerdings irreführend, wie uns unsere Stadtführerin erklärte. Die Brücke stammt nicht aus römischer Zeit, obwohl sie so aussieht wie viele andere römische Brücken, sondern aus dem Mittelalter. Im 18. Jahrhundert wurde sie unter Philip V. renoviert und als Dank für die Unterstützung der molinesischen Bevölkerung im Spanischen Erbfolgekrieg auch von ihm bezahlt.

Heute ist sie für den Autoverkehr gesperrt.

Kloster San Francisco und der Giraldo

Auf der anderen Seite des Río Gallo steht das ehemalige Kloster San Francisco. Es wurde im 13. Jahrhundert von der unten beschriebenen Doña Blanca Alfonso de Molina gestiftet.

Steinkirche mit Glockenturm, gewölbtem Eingangsbereich und Kreuz vor einem strahlend blauen Himmel.
Kloster San Francisco © Siegbert Mattheis

Die Anlage wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. An der Kirche lassen sich daher gotische, barocke und neoklassizistische Elemente erkennen.

Auf dem Turm steht eine auffällige Wetterfahne in Form einer menschlichen Figur mit Fahne. Sie wird „El Giraldo“ genannt und gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt. Der Name erinnert an den Giraldillo auf der Giralda von Sevilla, auch wenn die beiden Figuren nicht identisch sind.

In Teilen des ehemaligen Klosters befindet sich heute das Museo Comarcal de Molina de Aragón.

Museo Comarcal de Molina

Das Regionalmuseum zeigt archäologische, paläontologische, naturkundliche und mineralogische Funde aus Molina und dem Alto Tajo. Zur Sammlung gehören u. a. Fossilien, Insekten, Zeugnisse der langen Besiedlungsgeschichte der Region sowie Mineralien.

Steingebäude mit einem „Museo“-Schild und einem Schmetterlingsmotiv, umgeben von Bäumen und Steinstufen.
Museo Comarcal de Molina © Siegbert Mattheis

Eine besondere Rolle spielt dabei der Aragonit. Denn Molina de Aragón gilt als Typ-Lokalität dieses Minerals. Der deutsche Mineraloge Abraham Gottlob Werner benannte es im 18. Jahrhundert nach dem vermeintlichen Fundgebiet Aragón. Die untersuchten Kristalle stammten jedoch aus der Umgebung von Molina. Aus diesem geografischen Irrtum entstand der weltweit verwendete Mineralname Aragonit.

Kirche Santa Clara

Die Iglesia de Santa Clara gehört zu den wichtigsten romanischen Bauwerken Molinas. Sie entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und war ursprünglich dem heiligen Romanus geweiht.

Fassade einer romanischen Steinkirche mit einem gewölbten Eingangsportal und Säulen, von einer Steintreppe aus bei Sonnenuntergang betrachtet.
Romanische Kirche Santa Clara mit ungewöhnlich platziertem Eingang © Siegbert Mattheis

Ihre halbrunde Apsis und die schlichte, massive Bauweise erinnern an die Kirchenarchitektur Südfrankreichs und Nordspaniens. Später wurde die Kirche in den Klosterkomplex der Klarissen einbezogen.

Der Innenraum ist nicht immer zugänglich. Auch wir konnten leider nicht rein. Aber auch von außen lohnte sich ein Blick auf das Mauerwerk, das Portal und die romanischen Bauteile.

Die Stadt hat einen interaktiven, virtuellen Rundgang erstellen lassen, in der ihr euch das Innere von Santa Clara und viele weitere Sehenswürdigkeiten ansehen könnt, allerdings auf Spanisch.

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Kirche San Gil

Santa María la Mayor de San Gil ist heute die wichtigste Pfarrkirche der Stadt. Ihre Ursprünge reichen in die romanische Zeit zurück, das Bauwerk wurde jedoch mehrfach umgestaltet.

Ein Brand im Jahr 1915 zerstörte große Teile der Innenausstattung. Die Kirche wurde anschließend komplett restauriert. Ihr früherer Turm war wegen seiner deutlichen Neigung als „schiefer Turm Spaniens“ bekannt, musste aber aus Sicherheitsgründen abgetragen werden.

Ein Kircheninneres mit Gewölbedecken, Holzbänken und einem reich verzierten Altar vor einer roten Wand.
Schlichtes Interieur der Kirche San Gil © Siegbert Mattheis
Statue der Maria mit blauem Gewand, gefalteten Händen, Heiligenschein und zwei Cherubim auf Wolken zu ihren Füßen.
Die Schutzpatronin von Molina de Aragón, die Unbefleckte Empfängnis Mariens © Siegbert Mattheis

Warum feiert Molina de Aragón Weihnachten gleich zweimal?

In der Kirche seht ihr eine Marienfigur, die nicht besonders spektakulär wirkt. Aber sie hat eine ganz besondere Bedeutung. Sie ist die Schutzpatronin der Stadt, und weil die Bevölkerung sie von Beginn an so stark verehrte, erlaubte Papst Leo X. im Jahr 1518 der Stadt ein besonderes Privileg: die „Misa de Gallo“.

Normalerweise ist diese feierliche Mitternachtsmesse exklusiv für die Heiligabend-Nacht reserviert, aber dank der päpstlichen Bulle darf Molina de Aragón diese besondere Liturgie jedoch genau um Mitternacht vom 7. auf den 8. Dezember zelebrieren, um den eigentlichen Feiertag vorzuziehen.

Aufgrund dieser Sonderregelung wird das Fest von den Einwohnern auch als „la Navidad molinesa“ (die Weihnacht von Molina) bezeichnet. Die Familien kommen am Abend des 7. Dezembers zu einem großen Weihnachtsessen zusammen, singen Weihnachtslieder und entzünden traditionelle Freudenfeuer auf den Hügeln der Stadt.

Dieses außergewöhnliche liturgische Privileg teilt Molina de Aragón weltweit nur mit Rom und Mula in der Region Murcia!

Adelspaläste und historische Bürgerhäuser

Die frühere Bedeutung Molinas zeigt sich auch an den zahlreichen Wappen und Portalen der Altstadt. Adelige Familien, Geistliche und Verwaltungsbeamte ließen hier repräsentative Häuser errichten.

Ein Steinhaus mit einem Turm, einem Holzbalkon und kleinen Fenstern vor dem Hintergrund eines strahlend blauen Himmels.
Posada de los Comuneros © Siegbert Mattheis
Alte, mehrstöckige Steinhäuser mit Balkonen, die entlang einer schmalen Straße unter einem strahlend blauen Himmel stehen.
Bürgerhaus beim Rio Gallo © Siegbert Mattheis

Zu den auffälligeren Gebäuden gehören der Palacio de los Marqueses de Villel, der Palacio del Virrey de Manila und die Posada de los Comuneros.

Der Palacio del Virrey de Manila erinnert an Fernando de Valdés y Tamón, der im 18. Jahrhundert Generalgouverneur der Philippinen war. So weit reichten die Verbindungen selbst einer abgelegenen kastilischen Stadt während der spanischen Kolonialzeit.

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Wie ist die Geschichte von Molina de Aragón?

Das Gebiet um Molina war bereits lange vor dem Mittelalter besiedelt. In der weiteren Umgebung lebten keltiberische Gemeinschaften, später gehörte die Region zum Römischen Reich.

Während der islamischen Herrschaft entstand auf dem Hügel über dem Río Gallo eine befestigte Anlage. Sie kontrollierte Wege zwischen dem kastilischen Hochland, dem Ebrogebiet und dem heutigen Aragón.

Im frühen 12. Jahrhundert wurde Molina von Alfons I. von Aragón erobert. Einige Jahre später kam das Gebiet unter die Herrschaft von Manrique Pérez de Lara. Er begründete das weitgehend selbstständige Señorío de Molina, die Herrschaft Molina.

Das Señorío lag zwischen Kastilien und Aragón und besaß eine eigene Rechtsordnung, den Fuero de Molina. Die Herren von Molina verfügten über ungewöhnlich weitreichende politische und wirtschaftliche Rechte. Molina war damit über längere Zeit weder eine gewöhnliche kastilische noch eine aragonesische Stadt.

Unter der Familie Lara (zu deren Nachkommen María Jesús zählt, wie sie uns mit einem Augenzwinkern erzählt) wurde die muslimische Befestigung zu einer großen christlichen Burganlage ausgebaut. Gleichzeitig wuchs am Fuß des Burgberges eine Stadt mit christlichen, muslimischen und jüdischen Vierteln.

Doña Blanca und das unabhängige Señorío de Molina

Dabei spielte eine Frau aus der Familie eine wichtige Rolle: Doña Blanca Alfonso de Molina (c. 1243–1293). Laut den ehemaligen Chronisten war sie eine „schöne, tapfere, energische, freundliche, intelligente und leidende“ Frau.

Nach dem Tod ihres Vaters, dem Infanten Alfonso de Molina, übernahm sie die Führung des unabhängigen Señorío von Molina. Sie verteidigte ihr Gebiet mutig gegen Angriffe aus den Nachbarkönigreichen Aragón und Kastilien.

Überliefert ist zudem, dass sie dabei zuvor geraubte Beute zurückgewinnen konnte. Spätere Darstellungen schreiben ihr dabei sogar eine persönliche militärische Führungsrolle zu.

Warum heißt Molina de Aragón so, obwohl die Stadt nicht in Aragón liegt?

Der Name ist tatsächlich etwas irreführend: Molina de Aragón liegt heute in der Provinz Guadalajara und damit in Castilla-La Mancha. Zu Aragón gehörte die Stadt nur für kurze Zeit.

1369 wollte der kastilische König Heinrich II. das Señorío de Molina dem französischen Heerführer Bertrand du Guesclin als Belohnung für dessen Unterstützung im kastilischen Bürgerkrieg übergeben. Die Stadt nannte sich damals noch Molina de los Caballeros, da hier wegen der Grenzlage viele Ritter stationiert waren.

Die Einwohner Molinas wollten diese Entscheidung jedoch nicht akzeptieren und stellten sich stattdessen unter den Schutz des aragonesischen Königs Peter IV.

So gehörte Molina sechs Jahre lang zum Königreich Aragón und nannte sich nun Molina de Aragón. 1375 kam die Stadt allerdings wieder unter kastilische Herrschaft. Dennoch blieb der Name Molina de Aragón bis heute erhalten.

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Was kann man in der Umgebung unternehmen?

Die Hochebene rund um Molina ist dünn besiedelt. Kleine Dörfer, viele Felder mit Sonnenblumen, Wacholderflächen, Kiefernwälder und tiefe Schluchten mit bizarren Felsformationen bestimmen die Landschaft. Die Region wird häufig zur sogenannten „España vaciada“ gerechnet, zu jenen Gebieten Spaniens, die seit Jahrzehnten Einwohner:innen verlieren. Dennoch hat die Region einiges zu bieten:

Wunderschöne Ziele sind der Barranco de la Hoz, der Naturpark Alto Tajo, die Laguna de Taravilla und der Salto de Poveda. Auch das Castillo de Zafra, das als Drehort der Serie „Game of Thrones“ bekannt wurde, liegt nur etwa eine halbe Stunde entfernt.

Weite gelbe Felder und sanfte Hügel unter einem strahlend blauen Himmel.
Karge Landschaft, im Hintergrund sieht man die Felsen des Naturparks Alto Tajo © Siegbert Mattheis

Der Naturpark Alto Tajo

Molina de Aragón eignet sich gut als Ausgangspunkt für Ausflüge in den Parque Natural del Alto Tajo. Der Naturpark zeichnet sich aus durch tiefe Schluchten, eindrucksvolle Kalksteinfelsen, duftende Kiefernwälder und weitgehend naturbelassene Flusslandschaften.

Zu den bekanntesten Zielen gehört der Barranco de la Hoz bei Corduente. Der Río Gallo fließt dort zwischen hohen roten Sandsteinfelsen hindurch. Am Eingang der Schlucht steht die Wallfahrtskirche Santuario de la Virgen de la Hoz.

Direkt links neben der Kirche führen etwa 500 Stufen bis hinauf zum Felsplateau. Die Mühe lohnt sich, denn oben habt ihr ein grandioses Panorama!

Hinter kleinen historischen Gebäuden erhebt sich unter einem strahlend blauen Himmel eine hohe, schroffe Felsformation, in deren Nähe einige Bäume stehen.
Ermita de la Virgen de la Hoz © Siegbert Mattheis
Ein Bach, der durch eine Schlucht mit hohen, sonnenbeschienenen Felswänden und Bäumen fließt.
Der Río Gallo hat sich tief in die Felsen eingegraben © Siegbert Mattheis
Felsige Klippen und dichter Kiefernwald unter strahlend blauem Himmel, von oben betrachtet in einer natürlichen Schluchtlandschaft.
Atemberaubender Blick vom Mirador de La Hoz hinunter in den Cañon del Rio Gallo © Siegbert Mattheis
Fünf Menschen fahren mit dem Fahrrad auf einem sonnigen Feldweg durch einen Wald, umgeben von hohen grünen Bäumen.
Radwandern durch den Naturpark © Siegbert Mattheis
Eine Gruppe von Menschen mit Helmen paddelt in aufblasbaren Kajaks auf einem klaren, grünen Fluss, der von üppigen Bäumen umgeben ist.
Kanufahren auf dem Tajo © Siegbert Mattheis

Camino del Cid

Molina de Aragón liegt an einer Route des Camino del Cid. Dieser moderne Kultur- und Fernwanderweg folgt den literarischen und historischen Spuren des kastilischen Ritters Rodrigo Díaz de Vivar, bekannt als El Cid.

Im mittelalterlichen Heldenepos „Cantar de mio Cid“ wird die Region Molina erwähnt.

“Por Santa María iréis a pasar, id a Molina, que queda más adelante, la gobierna Abengalbón, que es mi amigo de paz, con otros cien caballeros bien os escoltará.”

„Ihr werdet an Santa María vorbeikommen; geht nach Molina, das weiter vorne liegt. Dort herrscht Abengalbón, mein Freund des Friedens, und zusammen mit hundert weiteren Rittern wird er euch gut eskortieren.“

Die Bezüge des Epos sind natürlich nicht an jeder Stelle als exakte Reiseroute des historischen El Cid zu verstehen, aber der Weg verbindet Literatur, Geschichte und heutige Kulturlandschaften.

Den Camino del Cid könnt ihr mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß bereisen. Er verbindet zahlreiche Burgen und historische Orte im Osten Spaniens.

Praktische Tipp und häufige Fragen

Die Stadt ist zwar mit regionalen Bussen erreichbar, die Verbindungen sind jedoch begrenzt. Für Ausflüge in den Naturpark Alto Tajo ist ein Auto deutlich praktischer.

Anreise von Madrid aus
• Per Bus: Die bequemste Verbindung ohne eigenes Auto startet am Busbahnhof Estación Sur de Autobuses in Madrid. Die Fahrt mit Busgesellschaften wie Autocares Grupo Samar dauert rund 3 Stunden und kostet schätzungsweise 20 bis 35 €.
• Per Mietwagen/Auto: Mit dem Auto reist ihr von Madrid aus über die Autobahn A-2 und anschließend über gut ausgebaute Landstraßen an. Die Fahrtzeit beträgt etwa 2,5 bis 3 Stunden.

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Frühling und Herbst sind gut für einen Besuch. Die Temperaturen sind angenehmer als im Hochsommer. Denn da kann es tagsüber heiß werden, Aufgrund der Höhenlage kühlt es aber abends schnell ab. Im Winter wird es sehr kalt, da müsst ihr mit Frost und gelegentlichem Schnee rechnen. Manchmal erreichen dann die Temperaturen sogar -28 Grad!

Für einen ersten Rundgang reichen vier bis fünf Stunden. Wenn ihr die Burg, das Regionalmuseum und die archäologische Stätte ausführlich besichtigen möchtet, solltet ihr einen ganzen Tag einplanen. Wenn ihr Ausflüge in die Umgebung unternehmen wollt, bietet sich der Ort ideal zum Übernachten an. Dann könnt ihr auch die beleuchtete Burg auch am Abend erleben.

Die wohl beste Übernachtungsmöglichkeit der Stadt ist der im Mai 2025 eröffnete Parador de Molina de Aragón⁠. Der moderne Neubau liegt etwas außerhalb des historischen Zentrums auf einer Anhöhe gegenüber der Festung. Alle 24 Zimmer sind zur Burg ausgerichtet und bieten einen direkten Blick auf die Mauern und Türme. Sehr romantisch ist das Panorama am Abend, wenn die Anlage beleuchtet wird.
Vom Zimmer aus hört ihr leise die Frösche am Fluss quaken, ein Hund bellt vielleicht, ansonsten atmet ihr die reine Luft mit einem leichten Lavendelduft und genießt die Stille – und den einzigartigen Ausblick!

Ein modernes, geschwungenes Hotelgebäude mit einer Steinterrasse und Sitzgelegenheiten im Freien unter strahlend blauem Himmel.
Der Parador de Molina de Aragón © Siegbert Mattheis
Hotelzimmer mit Bett, Schreibtisch und Blick aus dem Fenster auf eine beleuchtete Burg auf einem Hügel in der Abenddämmerung.
Herrlicher Ausblick aus den Zimmern © Siegbert Mattheis

Zum Parador gehören außerdem ein Restaurant mit regionaler, hervorragender Küche, eine Cafeteria, ein Spa und eine große Terrasse. Wenn ihr Wert auf Komfort und eine außergewöhnliche Aussicht legt, empfehlen wir euch wärmstens den Parador in Molina de Aragón! Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war eine saisonale Schließung von November bis März vorgesehen. Prüft vor der Buchung die aktuellen Öffnungszeiten.

Daneben gibt es in Molina und der Umgebung auch kleinere Hotels, Hostales und Ferienunterkünfte.

Am Rand des historischen Zentrums und in der Stadt gibt es verschiedene Parkmöglichkeiten. Die Gassen der Altstadt sind teilweise eng. Es ist besser, das Auto außerhalb des historischen Kerns abzustellen und die Stadt zu Fuß zu erkunden.
Beim Parador gibt es einen kostenlosen Parkplatz draußen und kostenpflichtige im Parkhaus des Paradors, ggf. aber nur für Gäste.

Siehe auch Parken in Spanien

Die Lage auf über 1.000 Metern Höhe und das kontinentale Klima sind dafür verantwortlich. Die Sommer können zwar sehr warm und trocken sein, aber wie schon oben erwähnt, sind die Winter lang und kalt. Es ist nicht das Klima, das wir normalerweise von Spanien erwarten 😉 . Molina de Aragón zählt regelmäßig zu den kältesten bewohnten Orten Spaniens und wird deshalb gelegentlich als Teil der „spanischen Kältezone“ bezeichnet.

Hier auf Youtube könnt ihr euch dazu mal einen Bericht im spanischen TV ansehen.

Typisch für die Region sind Migas, Lamm- und Zickleinbraten, Wildgerichte, Forellen, Trüffel, regionaler Honig und die süßen Patas de Vaca.

Nein. Molina de Aragón gehört zur Provinz Guadalajara in der autonomen Region Kastilien-La Mancha. Der Name erinnert an die kurze historische Verbindung mit dem mittelalterlichen Königreich Aragón (siehe die Geschichte weiter oben).

Die Innenbereiche der Burg kann im Rahmen bestimmter Öffnungszeiten oder Führungen besichtigt werden. Da der Weg direkt über die Durchgangsstraße führt, könnt ihr sie aus Sicherheitsgründen nicht alleine besuchen, erklärte uns unsere Statdführerin María Jesús.

Da sich die Regelungen ändern können, solltet ihr euch vor dem Besuch bei der Touristeninformation oder beim Museo Comarcal erkundigen.

Molina de Aragón ist eng mit der Geschichte des Minerals Aragonit verbunden. Der deutsche Mineraloge Abraham Gottlob Werner benannte das Mineral Ende des 18. Jahrhunderts nach seinem vermeintlichen Fundgebiet in Aragón. Molina liegt allerdings nicht in Aragón, sondern heute in Castilla-La Mancha.

Ein Cluster aus orangefarbenen Aragonitkristallen.
Aragonit, das Mineral wird gerne für Schmuck verwendet © Depositphotos

Lohnt sich Molina de Aragón?

Ja, für die, die das unbekannte und ursprüngliche Spanien kennenlernen wollen. Wir empfanden die Stadt als wohltuend ohne die üblichen Touristenströme wie in vielen anderen spanischen Städten.

Vor allem die Plaza de España, im Mittelalter der wichtigste Platz für Veranstaltungen und Märkte, mit Rathaus und Tourismusbüro war zu unserem Erstaunen total leer, bis auf ein paar Jugendliche, die Fußball spielten. In anderen Orten ist ein solcher Platz gesäumt mit Restaurants, Einheimischen und Tourist:innen.

Dafür spielt sich das Leben eher auf der Plaza de San Pedro und auf der Hauptstraße Paseo de los Adarves statt.

Denn Molina de Aragón ein ruhiger Ort, aber mit einem erstaunlich reichem kulturellen Erbe. Mit der Burg besitzt er eine der eindrucksvollsten Festungsanlagen Kastilien-La Manchas. Gleichzeitig ist die Stadt ein guter Ausgangspunkt für den Naturpark Alto Tajo, zum Wandern, Radfahren oder Kayakfahren.

Dieser Artikel wurde von uns redaktionell vollkommen unabhängig verfasst. Der Besuch wurde durch  Visit Castilla-La Mancha und Turespaña ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Arbeit. Es gilt unser Redaktionskodex.

Siegbert Mattheis

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

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