Kamiros auf Rhodos: Sehenswürdigkeiten und Tipps

Zuletzt aktualisiert am von Siegbert Mattheis
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Flirrende Hitze, ein leichter kühlender Wind, der Duft von rauschenden Kiefernwäldern und ein atemberaubender Blick auf antike Ruinen vor dem blauen Meer, gepaart mit der Bewunderung einer frühen Zivilisation. Das ist uns in Erinnerung geblieben von unserem Besuch Ende Juni in der Ausgrabungsstätte Kamiros auf Rhodos.

Wir möchten euch zeigen, warum und für wen sich die Ausgrabungsstätte Kamiros lohnt.

Alte Steinruinen an einem Hang im antiken Kamiros mit Blick auf das Meer.
Antike Stadt Kamiros auf Rhodos © Siegbert Mattheis

Wo liegt Kamiros?

Das antike Kamiros liegt im Nordwesten der griechischen Insel Rhodos nahe Kalavarda. Die Ausgrabungsstätte erstreckt sich an einem zum Meer ausgerichteten Hang. Für die Anfahrt mit dem Auto ab Rhodos-Stadt braucht ihr ungefähr 45 Minuten.

Was ist Kamiros?

Kamiros (lat. Camirus) war in der Antike neben Lindos und Ialysos einer der drei von den Dorern gegründeten Stadtstaaten, als sie Rhodos vor etwa 3.000 Jahren besiedelten. Landwirtschaft spielte für seine wirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle.

408 v. Chr., nach einer langen Zeit des friedlichen Zusammenlebens, wurden die drei Städte zu einem einzigen Staat vereint und gründeten eine neue Hauptstadt auf dem Gelände der modernen Stadt Rhodos.

226 v. Chr. wurde Kamiros durch das Erdbeben, dem auch der Koloss von Rhodos zum Opfer fiel, zerstört. Die Stadt wurde danach zwar wieder aufgebaut, aber nach einem zweiten Erdbeben 146 n. Chr. weitgehend verlassen. Man fand jedoch auch Reste einer christlichen Kirche, sodass man davon ausgeht, dass Kamiros erst im 4 Jahrhundert n. Chr. endgültig verlassen wurde.

Die heute auf dem Gelände sichtbaren Ruinen gehören größtenteils zur hellenistischen und römischen Stadt. Sie wurden durch Ausgrabungen im 19. Jahrhundert und auch während der italienischen Besetzung von 1928 bis 1942 ans Licht gebracht.

Die Funde aus dem 19. Jahrhunderts landeten im British Museum, dem Louvre und anderen europäischen Museen, während die der italienischen Ausgrabungen im Archäologischen Museum in Rhodos ausgestellt sind.

Was ist das Besondere an Kamiros?

Kamiros zeigt gut, wie eine griechische Stadt als Ganzes organisiert war. Die Anlage verbindet geplante, regelmäßig angelegte Straßen und Wohnblöcke mit öffentlichen Gebäuden und einer zentralen Wasserversorgung.

Was gibt es in Kamiros zu entdecken?

Die Wohnviertel und die antiken Straßen

Die Hauptstraße von Kamiros führte vom unteren Stadtbereich durch die Wohnviertel zur Akropolis. Die Häuser lagen in regelmäßig gegliederten Blöcken, sodass man an den erhaltenen Mauern die räumliche Ordnung der Stadt gut ablesen kann.

Die Häuser mit Säulenhöfen

Zu den Merkmalen der Wohnarchitektur gehören Innenhöfe mit Säulenumgängen, sogenannte Peristyle. Bei der als rhodisches Peristyl bezeichneten Ausführung war eine Hofseite höher gestaltet als die anderen. Einige Häuser hatten außerdem Mosaikböden und bemalten Wandputz. Die meisten Häuser waren zweistöckig.

Das Wohngebiet erstreckte sich über den zentralen Teil der Stadt und reichte bis in die Hanglagen hinauf, doch dieser Bereich wurde bislang noch nicht ausgegraben. Es ist in unterschiedlich große Gebäudeinseln unterteilt, die durch rechtwinklig zueinander verlaufende Straßen begrenzt werden.

Die heute noch erhaltenen Häuser stammen aus der Spätantike, haben jedoch wichtige Merkmale ihrer hellenistischen Phase bewahrt. Wie bei den meisten antiken griechischen und römischen Wohnhäusern bildete ein Innenhof oder Atrium den Kern, der in der Regel an den Seiten von Säulengängen umgeben war.

Ein charakteristisches Merkmal der Häuser von Kamiros war eine Säulenreihe an drei Seiten des Innenhofs. Typische Beispiele sind zwei Häuser mit restaurierten Peristylen. Die Räume waren um den Innenhof herum angeordnet. Von Bedeutung sind unter ihnen der Oikos, der Raum, in dem sich die Familie versammelte, und der Andron, der repräsentative Raum, in dem der Hausherr seine Freunde bei Symposien bewirtete.

Ein schmaler Durchgang führte direkt von der Straße in den Innenhof der Häuser. Auf einer Seite, direkt neben dem Eingang, befand sich meist ein Raum, der als Pförtnerloge identifiziert wurde. Die zur Straße hin gelegenen Räume waren wahrscheinlich Geschäfte, und in einigen Fällen standen diese nicht mit dem Rest des Wohnhauses in Verbindung.

Als wir uns diese Grundrisse bewusst näher angesehen hatten, haben mehr als nur eine Ansammlung niedriger Steinmauern gesehen. Wir konnten uns beinahe die Menschen und deren Lebensweise in den Häusern vorstellen.

Ausgegrabene Wohnstraße und Hausfundamente im antiken Kamiros mit Blick auf das Meer.
Ki-generiertes Bild von Menschen in Kleidung im antiken griechischen Stil gehen auf einem Schotterweg zwischen Steinhäusern entlang.

So könnte es in Kamiros damals ausgesehen haben © Siegbert Mattheis, Originalfoto vom heutigen Zustand und KI-generiertes Bild

Der untere Platzbereich und der dorische Tempel

Im unteren Teil der Stadt liegen öffentliche und religiöse Anlagen. Zu ihnen gehört ein dorischer Tempel, der möglicherweise Apollon geweiht war, denn die Zuordnung zu Apollon ist nicht gesichert.

Auch die heute aufgerichteten Säulen sind nicht alle komplett original. Einige wurden zum Teil rekonstruiert. Aber wir fanden, dass das schon gut vermittelt, wie sie damals ausgesehen haben.

Das Brunnenhaus

Das Brunnenhaus von Kamiros besaß eine Fassade aus dorischen Halbsäulen und dahinter ein Wasserbecken. Die Anlage wurde später verändert und das Becken durch einen Brunnen ersetzt.

Wir waren fasziniert davon, wie ausgeklügelt damals das System der Wasserversorgung gelöst wurde. Denn wie gelangte das Wasser dorthin, wo die Menschen es brauchten?

Die Zisterne und die Wasserversorgung

Eine ältere, wahrscheinlich im 6. Jahrhundert v. Chr. gebaute, überdeckte Zisterne im oberen Stadtbereich fasste etwa 600 Kubikmeter Wasser, genug für 300 bis 400 Familien.

Regenwasser vom Dach der Zisterne sowie vom Dach des Tempels und der damals bestehenden angrenzenden Gebäude wurde über Tonrohre gesammelt. Das Wasser wurde in eine Rinne um den Rand der Zisterne geleitet und floss an den vier Ecken über Ausgüsse in das Innere. Analysen zufolge war der wasserfeste Putz, mit dem die Wände beschichtet waren, in seiner Haltbarkeit mit modernem Zement vergleichbar.
Die Zisterne wurde aufgegeben, als die Stoa des hellenistischen Heiligtums errichtet wurde.
Ihre Funktion wurde durch ein neues System der Wassersammlung in einem 1,90 m hohen und 0,60 m breiten Wassertunnel mit gewölbtem Dach ersetzt, der sich über die gesamte Länge der Stoa erstreckte. Kleinere, rechtwinklig zum zentralen Tunnel verlaufende Tunnel führten in Richtung der Stadt. Der Wassertunnel wiederum versorgte Brunnen, die im hinteren Bereich der Stoa-Räume angelegt waren.

Ein Terrakotta-Rohrstück, das auf antiken Steinruinen ruht.
Überreste der Wasserleitungen aus Ton © Siegbert Mattheis
Alte Steinruinen mit verwitterten Putzwänden, die den Blick auf das Meer freigeben.
Reste von verputzten Wänden © Siegbert Mattheis

Römische Badehäuser, kleine Thermen

Im Wohnviertel sind zwei Badehäuser aus der Römerzeit erhalten geblieben. Das erste, die sogenannten „Großen Thermen“, befand sich südlich der Agora. Das zweite, besser erhaltene, aber wesentlich kleinere Badehaus, die „Kleinen Thermen“, befindet sich am Anfang der Hauptstraße.

An seinem Eingang befindet sich ein kleines Atrium, das zu einem schmalen Korridor führt, an dessen Ende sich ein Brunnen befindet. Entlang des Korridors öffnen sich die bekannten Räume römischer Thermen: das Frigidarium für das kalte Bad, das Tepidarium für das warme Bad und das Caldarium für das heiße Bad. Neben dem Caldarium befand sich das Praefurnium, ein schmaler Gang, in dem das Feuer brannte, das das Wasser in einem Metallkessel erhitzte.
Eine Rohrleitung, die die Trennwand zwischen dem Caldarium und dem Praefurnium durchbohrte, leitete das heiße Wasser in die Wannen.
Die erzeugte heiße Luft zirkulierte unter den Fußböden des Caldariums und des Tepidariums und beheizte die Räume; sie entwich durch in die Wände eingebaute Lüftungsöffnungen aus Ton. Eine dreieckige Zisterne versorgte die Badewannen in den drei Kammern mit Wasser über Rohre, die die Wand der Zisterne durchbohrten.

Die Akropolis mit dem Athena-Heiligtum

Auf der Anhöhe lag der heilige Bezirk der Athena Kameiras, von dessen Tempel leider nur noch die Fundamente erhalten sind.

Vermutlich wurden nach dem Erdbeben von 227 v. Chr. im Heiligtum umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt. Die architektonische Gestaltung basierte auf der in der hellenistischen Zeit beliebten Terrassenanordnung, die auch im Heiligtum von Lindos anzutreffen ist.

Denn entlang des Plateaus erstreckte sich später eine über 200 Meter lange Stoa, eine Säulenhalle, die zu den größten der antiken Welt gehörte, mit Blick über die Stadt und das Meer. Das muss eine wunderbare Wandelhalle gewesen sein, mit dem Blick auf die Stadt und das weite Meer.

An ihrer Rückseite diente eine Reihe von Räumen den Bedürfnissen des Heiligtums. In der Mitte der Stoa wurden die Räume durch eine Treppe unterbrochen, die zur obersten Terrasse hinaufführte, auf der der Tempel der Athene im inneren heiligen Bezirk stand.

KI-generiertes Bild der Stoa auf Kamiros, ein langes, antikes Säulengebäude.
So könnte die 204 Meter lange Stoa ausgesehen haben © Siegbert Mattheis mit KI-Unterstützung

Lohnt sich ein Besuch von Kamiros?

Das haben wir auch gleich die freundliche Frau an der Kasse gefragt 😉 . Ihre Antwort war: „Findet es selbst heraus!“ Und wir waren danach der Ansicht, ja, es lohnt sich! Denn selbst wenn man wie vielleicht in Pompeji keine nahezu vollständigen Gebäude mehr vorfindet, kann man gut erahnen, wie fortschrittlich die Zivilisation schon vor Tausenden von Jahren war. Vor allem bezüglich der Wasserversorgung in die einzelnen Haushalte, die sich zum Beispiel in Berlin erst Mitte des 19. Jahrhunderts so ähnlich etabliert hatte.

Siegbert Mattheis

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

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