Manchego-Käse dürfte bei uns die bekannteste Spezialität aus Kastilien-La Mancha sein. Aber was gibt es noch in der Region? Wir haben sie inzwischen mehrfach besucht und uns umgesehen, uns einige Rezepte erklären lassen, manchmal auch in die Töpfe geschaut, probiert und genossen!
Wie schmeckt Kastilien-La Mancha?
„Brot, Trauben und Käse schmecken nach Küssen“ sagt ein spanisches Sprichwort. Und das könnte passen. Denn Castilla-La Mancha hat nicht nur die berühmten Windmühlen und Schafskäse zu bieten. Das Land schmeckt nach Safran, Knoblauch, Olivenöl, Brot und kräftigem Landwein. Vor allem aber ist die Küche eine, die mit wenigen Zutaten viel erreicht. Denn die wenigsten Gerichte entstanden in Palästen, sondern auf den Feldern, an den Feuerstellen der Hirten und in den Häusern einfacher Bauernfamilien.
Das trockene Klima, die weiten Ebenen und die kargen Böden bestimmten über Jahrhunderte, was auf den Tisch kam: Brot, Hülsenfrüchte, Gemüse, Schaffleisch, Wild und alles, was sich haltbar machen ließ. Fisch wie Forellen oder Flusskrebs aus Molino de Aragón lieferten nur die Bäche im Alto Tajo, ansonsten gab es nur Gerichte aus dem durch Salz haltbar gemachten, importierten Kabeljau, dem Bacalao.
Die Küche von Don Quijote
Aus dieser Notwendigkeit entwickelte sich eine dennoch überraschend abwechslungsreiche Küche. Sie ist sehr bodenständig, gelegentlich ziemlich deftig, eng mit der Landschaft und sogar mit der Literatur verbunden.
Denn Miguel de Cervantes aus Valladolid erwähnte in seinem Werk Don Quijote * vor mehr als 400 Jahren schon über 150 Gerichte, die heute die „Bibel“ der Küche von Castilla-La Mancha für viele kulinarische Genüsse darstellt.
Welche Spezialitäten sollte man unbedingt probieren?
Wenn ihr zum ersten Mal durch Castilla-La Mancha reist, bietet sich diese kulinarische Auswahl an:
Duelos y quebrantos
Duelos y quebrantos ist ein traditionelles Rühreigericht aus der Region. Weltweit bekannt wurde es, weil es direkt im ersten Kapitel von Don Quijote als fester Bestandteil des wöchentlichen Speiseplans der Hauptfigur auftaucht.
Es ist ein deftiges Gericht aus Eiern, Speck und Chorizo, das in einer Pfanne oder Tonschale serviert wird – und ziemlich satt macht 😉 .
Der Name bedeutet wörtlich etwa „Kummer und Leiden“. Woher diese ungewöhnliche Bezeichnung stammt, ist nicht so ganz eindeutig geklärt. Sicher ist jedoch, dass das Gericht eng mit der literarischen Identität La Manchas verbunden ist.
Migas manchegas
Migas sind eines der besten Beispiele für die traditionelle Resteverwertungsküche. Brot vom Vortag wird klein geschnitten, leicht angefeuchtet und anschließend in Olivenöl mit Knoblauch langsam gebraten. Dazu kommen je nach Rezept Chorizo, Speck, Paprika oder anderes Schweinefleisch. Oder auch ein Spiegelei oben drauf.
Migas werden in Castilla-La Mancha manchmal auch mit Weintrauben, Melone oder Granatapfelkernen serviert. Die frische Süße bildet einen reizvollen Gegensatz zu dem salzigen, kräftigen Brotgericht. Migas heißt auf deutsch “Krümel”.
Früher waren Migas ein typisches Frühstück für Hirten und Landarbeiter, ein einfaches, kalorienreiches Resteverwertung-Gericht (nach dem modernen Motto Zero Waste). Heute werden sie meistens als Vorspeise oder geselliges Gemeinschaftsessen serviert.
Morteruelo aus Cuenca
Morteruelo ist eine der markantesten Spezialitäten aus der Provinz Cuenca. Verschiedene Fleischsorten und traditionell auch Leber werden lange gekocht, fein zerkleinert und mit Brot, Gewürzen und Fett zu einer dicken Paste verarbeitet. Je nach Rezept kommen Schweinefleisch, Geflügel, Kaninchen oder Wild hinzu.
Serviert wird Morteruelo warm und direkt aus einer Tonschale oder der Pfanne. Man nimmt die würzige Masse mit Brot auf. Wir waren überrascht, wie wunderbar zart diese würzige Fleischcreme ist!
Woher allerdings der Name kommt, konnte uns niemand mit Sicherheit sagen. Vermutlich verweist er auf den Mörser, spanisch mortero, in dem die Zutaten ursprünglich zerstoßen wurden.
Carcamusas
Carcamusas findet ihr vor allem in Toledo. Es handelt sich um langsam geschmortes Schweinefleisch in einer Tomatensauce, mit Erbsen und gelegentlich Chorizo. Serviert wird das Gericht als Tapa in einer kleinen Tonschale.
Im Gegensatz zu vielen sehr alten Spezialitäten ist die Geschichte der Carcamusas vergleichsweise jung. Das Gericht soll im 20. Jahrhundert in einer Toledaner Bar entstanden sein.
Unabhängig davon gehören Carcamusas heute zu Toledo wie die Kathedrale und der (herrliche) Blick vom Mirador del Valle.
Zarajos
Zarajos gehören zu den Spezialitäten, bei denen sich die Geschmäcker teilen. Dünne Lammdärme werden gereinigt, um Weinrebenzweige oder kleine Holzspieße gewickelt und anschließend gebraten oder gegrillt.
Außen werden sie knusprig, innen bleiben sie saftig. Dazu kommt ein Spritzer Zitrone. Wenn ihr Innereien mögt (ja, wir haben in Frankreich auch Andouillette probiert 😉 ) und die traditionelle Küche Kastilien-La Manchas kennenlernen möchtet, dann solltet ihr sie zumindest ein Mal probieren.
Resolí
Resolí ist ein für Cuenca typischer Likör. Er wird aus Kaffee, Anis, Zucker, Zimt und Zitrusschalen hergestellt. Die genaue Zusammensetzung unterscheidet sich aber je nach Produzent und Familienrezept.
Traditionell wird Resolí während der Semana Santa getrunken. Aber natürlich auch inzwischen das ganze Jahr über. In Souvenirläden findet ihr ihn auch in Flaschen, die wie die Casas Colgadas oder andere Bauwerke Cuencas geformt sind.
Siegbert Mattheis
Dieser Artikel wurde von uns redaktionell vollkommen unabhängig verfasst. Ein Teil unseres Besuches wurde durch Visit Castilla-La Mancha und Turespaña ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Arbeit. Es gilt unser Redaktionskodex.
Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.
Weitere Quellen u.a.:












