Flysch von Zumaia: Bizarre Felsformationen erzählen vom Ende der Dinosaurier

Zuletzt aktualisiert am von Siegbert Mattheis
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Am Strand von Itzurun bei Zumaia im Baskenland sieht es aus, als hätte jemand ein gewaltiges Buch aus Stein aufgeklappt. Helle, graue, rötliche und dunkle Gesteinsschichten ragen beinahe senkrecht aus dem Boden.

Hohe, geschichtete Felsformationen ragen neben einem Sandstrand empor, auf dem sich hier und da Seetang und Sonnenstrahlen zeigen.
Wie aufgeklappte Buchseiten © Siegbert Mattheis
Zackige, geschichtete Felsformationen erstrecken sich unter einem strahlend blauen Himmel bis zum Meer, während in der Ferne Berge zu sehen sind.
Sogenannte Gezeitenplattformen im Meer, "rasa mareal" © Siegbert Mattheis

Bei Ebbe kann man sehen, wie sie sich weit ins Meer hinein fortsetzen. Jede dieser Schichten erzählt von einem früheren Meeresboden, von unterseeischen Schlammlawinen, Klimaveränderungen, wandernden Kontinenten und sogar vom Ende der Dinosaurier. Mehr dazu weiter unten.

Über 60 Millionen Jahre Erdgeschichte

Diese markante Gesteinsformation wird Flysch genannt. Wir müssen zugeben, dass wir das Wort nicht kannten, bevor wir ins Baskenland gereist sind und die Küste besucht hatten 😉 .

Wir waren aber so fasziniert von diesen bizarren, ungewöhnlichen Felsformationen, dass wir
unbedingt wissen wollten, wie es zu diesen schmalen, etwa 15 bis 25 cm breiten Schichten kam, die nun fast senkrecht stehend die schroffe Küste bilden. Also haben wir Zumaia besucht, eine Bootsfahrt mit geologischer Expertise gebucht und intensiv recherchiert.

Dabei haben wir erfahren, dass der Flysch an der baskischen Küste zu den bedeutendsten geologischen Aufschlüssen der Welt gehört. Zwischen den Küstenorten Mutriku, Deba und Zumaia lässt sich eine fast lückenlose Abfolge von mehr als 60 Millionen Jahren Erdgeschichte verfolgen. Die ältesten sichtbaren Schichten entstanden vor ungefähr 110 Millionen Jahren, die jüngsten vor rund 50 Millionen Jahren.

Unter einem teilweise bewölkten Himmel ragen zerklüftete, rötliche Felsformationen aus dem Meer empor.
Flysch direkt am Strand von Zumaia (links im Bild) © Siegbert Mattheis

Was ist Flysch?

Der Begriff Flysch bezeichnet eine mächtige Abfolge unterschiedlicher Sedimentgesteine, die sich in einem tiefen Meeresbecken ablagerten.

Wie ist Flysch entstanden?

Bei diesen Ablagerungen wechselten sich regelmäßig härtere und weichere Schichten ab:

  • Kalkstein entstand vor allem aus den kalkhaltigen Überresten winziger Meeresorganismen.
  • Mergel besteht aus einer Mischung aus Kalk und Ton.
  • Tonstein bildete sich aus sehr feinen Schlammablagerungen.
  • Sandstein gelangte durch unterseeische Strömungen und Schlammlawinen in die Tiefe.

Viele Schichten sanken langsam aus dem Meerwasser auf den Grund. Andere wurden innerhalb kurzer Zeit durch sogenannte Trübeströme abgelagert. Das waren Lawinen aus Wasser, Sand und Schlamm, die an den Hängen des Meeresbeckens hinabstürzten.

Was ist der Flysch von Zumaia?

Der Flysch von Zumaia ist eine nahezu lückenlose Folge von Meeresablagerungen, die ungefähr 60 Millionen Jahre Erdgeschichte dokumentiert. Die heute fast senkrechten Schichten entstanden ursprünglich waagerecht am Meeresboden. Später wurden sie während der Bildung der Pyrenäen gefaltet und angehoben. In der Abfolge befindet sich auch die rund 66 Millionen Jahre alte Kreide-Paläogen-Grenze mit einer erhöhten Iridiumkonzentration, die den Chicxulub-Asteroideneinschlag dokumentiert.

Die Biskaya-Bucht entsteht, während sich Europa und die Iberische Halbinsel voneinander entfernen, wodurch an der Küste von Deba-Mutriku ein tiefes Becken mit schwarzem Flysch entsteht.
Ausschnitt aus der Infotafel am Strand von Zumaia, wir haben sie weiter unten übersetzt © Siegbert Mattheis

Woher kommt der Name Flysch?

Das Wort Flysch stammt aus der Schweiz (daher wird es tatsächlich so auch im Spanischen ausgesprochen) und geht auf einen regionalen Ausdruck für fließendes oder rutschendes Gelände zurück. Das passt gut, denn weichere Flyschschichten verwittern leicht und können Hänge instabil machen.

Wie entstand der Flysch in Nordspanien?

1. Der heutige Golf von Biskaya öffnet sich

Vor etwa 110 Millionen Jahren war Iberien aus geologischer Sicht keine Insel, sondern ein isolierter Kleinkontinent. Im Gebiet des heutigen Baskenlandes erstreckte sich zunächst ein flaches Meer zwischen Iberien und Europa.

Der Meeresspiegel war sehr viel höher und das Klima erheblich wärmer, nahezu tropisch. Darin wuchsen Korallenriffe.

Iberien entfernte sich jedoch von Europa. Die Erdkruste wurde gedehnt, zerbrach und sank stellenweise ab. Zwischen den flachen Meeresplattformen entstanden tiefe Becken und Rinnen. In sauerstoffarmen Bereichen dieser Becken lagerte sich der dunkle Schlamm ab, aus dem später der sogenannte schwarze Flysch von Mutriku und Deba entstand.

2. Wie kam es zu den unterschiedlichen Schichten?

Millionen Jahre später driftete Iberien wieder auf Europa zu. Am Grunde des Meeresbodens lagerten sich nun Schicht für Schicht Kalkschlamm (aus den Korallenriffen), Mergel, Ton und Sand.

Ursprünglich lagen diese Sedimente annähernd waagerecht. Insgesamt entstand eine Gesteinsfolge von mehreren Tausend Metern. Würde man die heute sichtbaren Schichten wieder in ihre ursprüngliche Lage bringen, wäre die gesamte Abfolge wohl mehr als 5.000 Meter dick.

Dabei verliefen Ablagerungen nicht gleichmäßig:

  • In ruhigen Zeiten rieselten feinste Kalkteilchen und Ton langsam auf den Meeresboden.
  • Bei unterseeischen Erdrutschen schossen Sand, Schlamm und Gesteinstrümmer in die Tiefe.
  • Klimaschwankungen beeinflussten die Menge an Kalk und Ton.
  • Veränderungen des Meeresspiegels und der Meeresströmungen veränderten die Ablagerungsbedingungen.

So entstanden die rhythmischen Wechsel aus Kalkstein, Mergel, Tonstein und Sandstein, die wir heute sehen.

Darstellung einer Küstenlinie mit den beschrifteten Regionen „Europa“ und „Iberia“ sowie einer Einblende mit der Bezeichnung „Euskal kostaldea“.
1. Vor 100 – 50 Mio. Jahren: Durch die Öffnung der Biskaya wird die Erdkruste gedehnt. Dabei entsteht eine Landschaft aus abgesunkenen und angehobenen Gesteinsblöcken. Auf den höher liegenden Blöcken bilden sich Korallenriffe. In den abgesunkenen Rinnen entsteht der schwarze Flysch.
Diagramm, das eine antike Seestraße zwischen Europa und Iberien zeigt, mit einer eingefügten Karte, die deren Lage hervorhebt.
2. Vor 65 bis 55 Mio. Jahren: Iberien bewegt sich auf Europa zu. Im Osten entstehen die ersten Gebirge. Das Meer wird zu einer Meeresbucht, auf deren Grund sich weiterhin große Mengen an Sedimenten ablagern.
Diagramm, das die gefalteten Gesteinsschichten zwischen Europa und Iberien zeigt, mit einer eingefügten Karte, auf der die IB-Region hervorgehoben ist.
3. Vor 33 bis 23 Mio. Jahren: Iberien kollidiert mit Europa. Die Sedimente des Meeresbodens werden gefaltet, verformt und angehoben. Daraus entstehen die Pyrenäen.
Darstellung eines Flussdeltas, das ins Meer mündet, mit einer eingefügten Karte, auf der die Lage des Deltas zu sehen ist.
4. Vor 5 Mio. Jahren bis heute: Während der vergangenen Millionen Jahre tragen das Meer, Regen, Wind und andere Witterungseinflüsse das Gestein ab. Dadurch werden Klippen und Gesteinsschichten sichtbar, die früher zum Meeresboden gehörten.

3. Warum stehen die Schichten heute fast senkrecht?

Als sich Afrika nach Norden bewegte, geriet die Iberische Platte zwischen Afrika und Europa unter Druck.

Iberien kollidierte mit Eurasien. Die Sedimente des früheren Meeresbodens wurden zusammengeschoben, gefaltet, zerbrochen und angehoben. Dabei entstanden die Pyrenäen und die baskischen Gebirge. Das passierte natürlich nicht plötzlich mit einem Riesengetöse, sondern ganz langsam über Millionen von Jahren.

Im Bereich von Zumaia wurden die ursprünglich horizontalen Schichten so stark aufgerichtet, dass sie heute beinahe senkrecht stehen. Der Baskische Küstengeopark datiert diese entscheidende Phase der Gebirgsbildung ungefähr in den Zeitraum zwischen 40 und 2 Millionen Jahren vor heute.

4. Wie entstand die heutige Küste?

Nachdem die Gesteinsschichten über den Meeresspiegel gehoben worden waren, begannen Regen, Flüsse, Wind und Brandung mit ihrer Abtragung.

Dabei verwitterten die weicheren Mergel- und Tonschichten schneller als die härteren Kalk- und Sandsteine. Die widerstandsfähigeren Schichten blieben als lange Rippen stehen. Bei Ebbe treten sie auf der sogenannten Gezeitenplattform weit ins Meer hinaus.

Diese flache Felsfläche wird auf Spanisch rasa mareal genannt. Sie ist nicht mit dem Flysch selbst zu verwechseln. Flysch bezeichnet die Gesteinsabfolge. Die Gezeitenplattform ist die Landschaftsform, welche die Brandung aus diesen Gesteinen herausgearbeitet hat.

Die heutige Küstenlandschaft entstand im Wesentlichen während der vergangenen wenigen Millionen Jahre und verändert sich noch immer. Auch heute brechen Felsblöcke ab, Hänge rutschen und die Brandung trägt die Schichten weiter ab.

Warum hat der Flysch von Zumaia unterschiedliche Farben?

Die Farben haben uns bei unserem Besuch am Strand und der anschließenden Bootstour besonders fasziniert. Manche Schichten sind fast weiß, andere grau, beige, rötlich oder beinahe schwarz. Diese Unterschiede gehen auf die Zusammensetzung des ursprünglichen Sediments und die Bedingungen am Meeresboden zurück.

Unter einem strahlend blauen Himmel ragen neben dem Meer geschichtete Felsformationen aus einem Sandstrand empor.
Deutlich sieht man die unterschiedlichen Farben der Schichten © Siegbert Mattheis

Woher kommen die hellen und weißen Schichten?

Helle Schichten enthalten besonders viel Calciumcarbonat. Es stammt überwiegend von den Schalen und Skeletten winziger Meeresorganismen. Aus dem kalkreichen Schlamm entstand später Kalkstein. Je höher der Kalkanteil ist, desto heller erscheint das Gestein und ist meist auch härter.

Ein grüner Hügel mit geschichteten Felsklippen, die sich über dem Meer erheben, unter einem bewölkten Himmel.
Graue und weiße Schichten © Siegbert Mattheis

Warum sind einige Schichten grau?

Graue Schichten enthalten neben Kalk einen größeren Anteil an Tonmineralen. Meistens handelt es sich um Mergel oder mergeligen Kalkstein.

Je mehr Ton im Sediment vorhanden war, desto dunkler und weicher konnte die spätere Schicht werden. Graue Farben können außerdem mit fein verteiltem organischem Material oder Eisenmineralen zusammenhängen.

Eine schräg stehende Felsformation am Meer, brechende Wellen, ein grasbewachsener Hügel und ein bewölkter Himmel im Hintergrund.
Rote und violette Schichten © Siegbert Mattheis

Was verursacht die roten und violetten Farbtöne?

Rötliche und violette Schichten enthalten fein verteilte oxidierte Eisenverbindungen, insbesondere Hämatit. Vereinfacht gesagt, hat das Eisen im Sediment chemisch mit Sauerstoff reagiert.

Menschen spazieren an einem Sandstrand mit felsigen Klippen und blauem Meer, im Hintergrund ist ein klarer Himmel zu sehen.
Ausgewaschene Höhlen am Strand von Zumaia © Siegbert Mattheis

Wie entstand der schwarze Flysch?

Der besonders dunkle Flysch ist vor allem bei Deba und Mutriku zu sehen. Er entstand in tiefen Becken und Rinnen, in denen zeitweise nur wenig Sauerstoff vorhanden war. Unter solchen Bedingungen konnte organisches Material im Schlamm erhalten bleiben. Das verlieh den späteren Gesteinen ihre dunkle Farbe.

Was verrät der Flysch über das Ende der Dinosaurier?

In der Bucht von Algorri liegt eine unscheinbare, dunkle Tonschicht, die zu den berühmtesten geologischen Grenzen der Welt gehört. Sie entstand vor rund 66 Millionen Jahren und markiert die Grenze zwischen der Kreidezeit und dem Paläogen.

Genau zu dieser Zeit verschwanden weltweit etwa drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten, darunter auch alle nicht flugfähigen Dinosaurier. Nur Vögel sind ihre heute noch lebenden Nachfahren.

In dieser Grenzschicht wurde ungewöhnlich viel Iridium nachgewiesen. Iridium ist ein chemisches Element, das in der Erdkruste sehr selten vorkommt, in vielen Asteroiden aber deutlich häufiger enthalten ist.

Bereits 1980 stellten der Geologe Walter Alvarez, sein Vater, der Physiker Luis Alvarez und weitere Wissenschaftler eine aufsehenerregende These auf:

Vor etwa 66 Millionen Jahren muss ein gewaltiger Asteroid auf der Erde eingeschlagen sein. Staub und feinste Trümmer wurden rund um den Globus verteilt und lagerten sich auch auf weit entfernten Meeresböden ab.

Die Iridiumfunde in der Grenzschicht von Zumaia stützten diese These. Der auffällige Iridiumgehalt ließ sich gleichzeitig mit dem plötzlichen Verschwinden zahlreicher Fossilien in Verbindung bringen.

Einschlag auf der Halbinsel Yucatán

Anfang der 1990er-Jahre wurde schließlich der passende Einschlagkrater identifiziert: der rund 180 Kilometer große Chicxulub-Krater unter der mexikanischen Halbinsel Yucatán.

Der Einschlag löste gewaltige Erdbeben, verheerende Flutwellen und großflächige Brände aus. Staub, Ruß und schwefelhaltige Teilchen gelangten in die Atmosphäre. Dadurch wurde das Sonnenlicht abgeschwächt, die Temperaturen sanken und viele Pflanzen konnten nicht mehr ausreichend Fotosynthese betreiben. Nahrungsketten an Land und im Meer brachen zusammen.

Heute gilt der Chicxulub-Einschlag als wichtigste unmittelbare Ursache des Massenaussterbens am Ende der Kreidezeit. Die weltweite Iridiumschicht, der Chicxulub-Krater und der gleichzeitig erkennbare Zusammenbruch vieler Tier- und Pflanzengruppen liefern gemeinsam sehr starke Belege für die entscheidende Wirkung des Asteroideneinschlags.

Welche Klimaveränderung ist im Flysch zu erkennen?

Etwa zehn Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier ereignete sich erneut eine globale Krise. Vor ungefähr 56 Millionen Jahren stiegen die Temperaturen innerhalb geologisch kurzer Zeit stark an. Dieses Ereignis wird Paläozän-Eozän-Temperaturmaximum, kurz PETM, genannt.

Große Mengen Kohlenstoff gelangten in die Atmosphäre und die Ozeane. Die Erde erwärmte sich, die Ozeane wurden saurer und zahlreiche Organismen am Meeresboden verschwanden oder veränderten sich.

Im Flysch von Zumaia ist diese Phase als mehrere Meter mächtiger Abschnitt aus rötlichen bis dunkelgrauen Ton- und Mergelsteinen dokumentiert. Forschende untersuchen dort Kohlenstoffisotope, Mikrofossilien und Sedimente, um Geschwindigkeit und Folgen dieser damaligen Erwärmung zu rekonstruieren. Zumaia zählt deshalb zu den international wichtigsten Fundorten für die Erforschung früherer Klimaveränderungen.

Warum ist Zumaia für Geologen so bedeutend?

Die Gesteinsfolge ist ungewöhnlich vollständig, gut zugänglich und durch Fossilien, Veränderungen des Erdmagnetfeldes sowie chemische Signale sehr genau datierbar.

In Zumaia befinden sich außerdem zwei sogenannte Global Stratotype Sections and Points (GSSP), umgangssprachlich „Golden Spikes“. Solche international festgelegten Referenzpunkte definieren weltweit gültige Grenzen zwischen Abschnitten der Erdgeschichte. Bei Zumaia markieren sie die Untergrenzen des Selandiums und des Thanetiums innerhalb des Paläozäns.

Die International Union of Geological Sciences, kurz IUGS, zählt die Kreide-Paläogen-Abfolge von Zumaia zu den weltweit bedeutenden geologischen Stätten. Unabhängig davon gehört die Küste zum Basque Coast UNESCO Global Geopark.

Der rund zehn Kilometer lange Aufschluss dokumentiert unter anderem sowohl das Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren sowie die extreme Erwärmung vor etwa 56 Millionen Jahren.

Praktische Tipps für den Besuch in Zumaia

Wie kommt man nach Zumaia?

Mit dem Zug

Von San Sebastián aus gibt es eine direkte Verbindung mit der Linie E1 ab dem Bahnhof Amara-Donostia. Die Fahrt dauert rund 38 bis 39 Minuten und die Züge fahren meist im Halbstunden- oder Stundentakt.
Auch aus Bilbao kommend ist Zumaia mit der Regionalbahn von Euskotren in etwa 2 Stunden erreichbar.

Mit dem Bus

Von San Sebastián aus fahren direkte Busse (wie die Linie UK10 oder UK11 von Lurraldebus), die regelmäßig fahren. Die Fahrt dauert rund 50 bis 60 Minuten, und die Busse verkehren in der Regel alle 30 Minuten.

Von Bilbao aus gibt es ebenfalls Verbindungen, allerdings teilweise mit Umsteigen oder über Regionalbusse, wobei hier alternativ die Schmalspurbahn (Euskotren) die bessere und direktere Option ist.

Mit dem Auto

Von der Autobahn zwischen Bilbao und Donostia San Sebastián seid ihr in etwa 15 Minuten im Ort. Wenn ihr von San Sebastián kommt, empfehlen wir euch, die wunderschöne Küstenstraße durch Getaria nach Zumaia zu nehmen.

Wo sieht man den Flysch in Zumaia am besten?

Der einfachste Einstieg ist die Playa de Itzurun. Vom Zentrum Zumaia erreicht ihr den Strand zu Fuß in 5 Minuten. Mit dem Auto kann man nicht direkt hinfahren oder dort parken, es ist alles für die Anwohner:innen reserviert. Am besten parkt ihr etwas außerhalb der Stadt. Ihr könnt auch versuchen, im Zentrum einen Platz zu finden, dort dürft ihr aber nur max. 4 Stunden bezahlt parken. Am Strand findet ihr auch ein gutes Selbstbedienungs-Restaurant. So könnt ihr den Besuch auch wunderbar mit einem entspannten Strandtag verbinden.

Oberhalb der Bucht steht die kleine Ermita de San Telmo, von der ihr aus Wandertouren oberhalb der Flysch-Küste unternehmen könnt.

Von dort führt die kurze Algorri-Georoute zu wichtigen geologischen Stellen. Die offizielle Strecke ist etwa 1,5 Kilometer lang und wird mit rund 40 Minuten angegeben. Wer die Informationstafeln in Ruhe lesen und fotografieren möchte, sollte mehr Zeit einplanen.

Weitere eindrucksvolle Aussichtspunkte findet ihr bei Elorriaga und Sakoneta. Der offizielle Rundweg bei Sakoneta ist 4,7 Kilometer lang und dauert nach Angaben des Geoparks ungefähr 2 Stunden und 15 Minuten.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Bei Ebbe ist die Gezeitenplattform besonders gut sichtbar. Dann könnt ihr die Gesteinsrippen erkennen, die weit ins Meer hineinreichen. Wenn gerade bei Sonnenuntergang Ebbe herrscht, ergibt das spektakuläre Bilder.

Lohnt sich eine geführte Tour?

Ja, besonders beim ersten Besuch. Viele entscheidende Schichten sind für Laien kaum zu erkennen. Die Kreide-Paläogen-Grenze ist beispielsweise wesentlich unscheinbarer als die mächtigen Felsrippen am Strand.

Der Geopark bietet geologische Führungen, Wanderungen und Bootstouren an. Vom Boot aus lässt sich die räumliche Ausdehnung der Schichten besonders gut überblicken.

Lohnt sich eine Bootsfahrt zum Flysch?

Ja. Denn das ist die bequemste Art, die faszinierenden Felsklippen zu entdecken. Bootsausflüge werden von mehreren Anbietern durchgeführt. Ihr könnt dabei wählen zwischen einer bis drei Stunden Fahrt mit geologischer Erläuterung (was wir sehr empfehlen, selbst wenn ihr kaum Spanisch könnt). Abfahrt der Boote ist direkt am Fluss Urola im Zentrum.

Lage bei Google Maps ansehen

Wir fuhren die Route mit dem Anbieter Begi Bistan, bei der uns die junge, sehr kompetente geologische Führerin mit großer Leidenschaft die Entstehungsgeschichte des Flysch näherbrachte. Übrigens auch sehr unterhaltsam für Kinder!

Am besten kauft ihr die Tickets im Voraus. Aber es gibt auch einen Ticketschalter vor Ort.

Wo liegt die Schicht vom Aussterben der Dinosaurier?

Die Kreide-Paläogen-Grenze befindet sich in der Bucht von Algorri westlich des Itzurun-Strandes. Sie erscheint als dünne dunkle Lage zwischen mächtigeren Gesteinsschichten. Ohne geologische Vorkenntnisse oder Führung ist sie allerdings leicht zu übersehen.

Darf man Fossilien oder Steine mitnehmen?

Nein. Die Küste ist ein geschütztes Geotop. Lasst Gesteine und Fossilien an ihrem Fundort. Abgesehen vom Schutz der Natur verlieren geologische Funde ohne ihren genauen Fundzusammenhang einen großen Teil ihres wissenschaftlichen Wertes.

Ist der Flysch auch bei schlechtem Wetter sehenswert?

Von den höher gelegenen Aussichtspunkten ja. Bei Sturm, starkem Regen oder hohem Wellengang solltet ihr den Strand, den Fuß der Klippen und die Gezeitenplattform jedoch meiden. Bootstouren finden nur bei ruhigem Wellengang statt.

Lohnt sich Zumaia?

Ja. Wir fanden Zumaia auf den ersten Blick zwar etwas unschön durch die vielen modernen Gebäude zwischen der alten Dorfstruktur, aber beim zweiten Besuch schon sehr viel charmanter. Zumal wir auch dann ein tolles Pintxo-Restaurant direkt am Fluss und eine urige Café-Bar im Zentrum entdeckt hatten.

Siegbert Mattheis

Siegbert Mattheis, Jahrgang 1959, ist seit seinem ersten Italienaufenthalt 1977 vom mediterranen Lebensgefühl begeistert. Seitdem bereist er mehrmals im Jahr die Länder rund um das Mittelmeer. Nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte gründete er eine Werbeagentur, die er seit 1998 gemeinsam mit seiner Frau Claudia Mattheis führt. 2002 bauten beide gemeinsam Ambiente–Mediterran.de auf, das inzwischen größte Lifestyle-Magazin rund um die mediterrane Kultur. Darüber hinaus ist er Fachjournalist und Fotograf, begeisterter Hobbykoch und Liebhaber stilvoller Einrichtung. Gründliche Recherche und Liebe zum Detail gehören zu seinen Leidenschaften. Mit seiner Frau lebt er in Berlin Prenzlauer Berg.

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